Ich bin mal schnell in Island…

 

„Und, was machst Du am Wochenende so?“ – „Och, ich flieg nach Island.“

Zugegebenermaßen hat es mir immer ziemlich gefallen, diese Antwort zu geben. Nicht nur, weil sie bedeutete, dass ich endlich Island sehen werde, sondern auch weil es irgendwie schon ein bisschen dekadent ist, mal eben für drei Tage nach Island zu fliegen. Zumindest für mich. Weil ich ja bis vor kurzem noch arme Studentin und Volontärin war und überhaupt. Aber ich wollte nunmal unbedingt endlich Island sehen! Immerhin bin ich in Island verliebt, seit ich denken kann. Und ich konnte eben nicht länger Urlaub nehmen. Also lasst mich. Ich darf das. Und los.fraeulein-draussen_island_golden-circle_7

Tag 1 – Reykjavik

Um 16 Uhr Ortszeit landete ich in Keflavik. Es waren also genaugenommen sogar nur 2,5 Tage. Egal. Hauptsache Island. Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) habe ich es mir nicht nehmen lassen, für die Zeit einen Mietwagen in meine Dienste zu nehmen. Den bekam ich dann auch gleich, und das finde ich übrigens immer wieder erstaunlich. Da gibt mir einfach so jemand ein Auto, in das ich mich dann reinsetzen und einfach losfahren kann. Verrückt. Luxus.

Im reykjavik’schen Guesthouse angekommen hieß es dann im Turbo-Modus Reykjavík erkunden. Ich hatte ja keine Zeit. Trotzdem war ich aber wie eigentlich immer äußerst unvorbereitet. Nicht nur aus Faulheit und/oder Zeitmangel, sondern weil ich es mag, einfach drauf los zu laufen und zu sehen was passiert. Und weil ich es nicht sehr schön finde, mit Stadtplänen und Karten durch die Gegend zu laufen. Am liebsten mag ich es nämlich sowieso, wenn Touristen mich nach dem Weg fragen. Weil ich so „local“ aussehe. Zumindest in den coolen Städten. In Reykjavik braucht man aber auch weder Vorbereitung noch Straßenkarte. Ich denke ich hätte mich schon sehr anstrengen müssen, um NICHT alle Hotspots wie Hallgrímskirkja, Harpa, Hafen & co zu sehen. Sag ich jetzt zumindest einfach mal so. (Na toll. Wahrscheinlich hab ich alles verpasst. Aber egal. Ich fahr ganz sicher bald wieder hin. Und dann wieder. Und dann wieder..)

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Ist aber eigentlich auch sowieso egal, was oder wieviel man gesehen hat: Reykjavik ist immer und überall supercool! Am besten gefallen hat mir die Tatsache, dass man vom Hafen aus gegenüber Berge mit Schnee sieht. Und dass alle Menschen dort so schön aussehen. Und so nett sind. Und dass es in Reykjavik das weltweit einzige Penismuseum gibt. Und natürlich die bunten Häuschen. Und dass alles irgendwie sowohl ruhig und beschaulich als auch lebhaft und laut ist. Und die thailändischen Nudelsuppen in der Noodle Station. Ich glaube Ausgehen macht in Reykjavik auch ziemlich viel Spaß. Hab’s aber nicht ausprobiert. Musste ja am nächsten Tag früh raus. Hatte ja keine Zeit.

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Tag 2 – Südküste

Um halb 6 hat der Wecker geklingelt und ich hab mich mit meinem Auto (welches übrigens keinen Namen hatte; irgendwie gab’s nicht so spezielle Vibes zwischen und wie zischen James-Charles und mir) auf Erkundungstour an Islands Südküste begeben. Ich wollte 3 Stunden nach Vík fahren, dort ein paar Stündchen wandern und anschließend wieder zurück. Der Weg bis nach Vík war bis auf eine kleine Durststrecke zwischendurch wie „Iceland in a nutshell“. Ich habe Wasserfälle gesehen. Gletscher. Vulkane. Lavastrände. Weite Flächen. Steile Klippen. Viele Pferde. Und noch mehr Vögel.

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Kurz nach Vík musste ich laut Rother Wanderführer eine kleine Straße 14km ins Landesinnere fahren. Das hat auch gut geklappt. Bis zu diesem „Impassable“-Schild. Dahinter ging die „Straße“ gefühlt senkrecht nach oben und war links und rechts weggebrochen. Das Schild hätte ich definitiv nicht gebraucht, um zu wissen, dass ich da nicht hochfahren würde. Aus Mangel an Alternativen und weil die Gegend ziemlich vielversprechend aussah, ließ ich mein Auto einfach vor dem Schild stehen und ging zu Fuß weiter.

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Anfangs noch auf dem Schotterweg, später dann einfach querfeldein. Immer hoch und runter über Moos- und Grashügel. Immer mit Blick auf weite Lavastrände und schneebedeckte Berge. Wooooow. Irgendwann stand ich dann vor einer Schlucht und hatte nur zwei Möglichkeiten: Irgendwie den Hügel runter, durch den Fluss und auf der anderen Seite irgendwie wieder hoch. Oder umdrehen und alles zurückgehen. Zweiteres wär, und ich denke ich spreche für usn alle wenn ich das sage, irgendwie doof gewesen. Also Nummer 1. Der Fluss war ziemlich kalt, kann ich Euch sagen. Aber danach mit den kribbelnden Füßen über das ultraweiche und federnde Moos zu hüpfen war umso besser. Nach einem Picknick am Fluss habe ich es dann auch wieder auf der anderen Seite nach oben geschafft und bin weiter kreuz und quer durch die Gegend gelaufen.

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Nach drei Stunden war ich äußerst zufriedengestellt wieder beim Auto angelangt. Und machte mich mit diversen Zwischenstopp bei Vík, Skogafoss, Eyjafjallajökull & co wieder auf den Rückweg. Voller Vorfreude auf die Noodle Station. Und mein Bett.

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Tag 3 – Golden Circle

Liebes Tagebuch, heute bin ich schon um 5 aufgestanden. Denn ich hatte mir für heute den sogenannten Golden Circle ausgesucht. Des Supertouris erste Wahl. Ich hatte tatsächlich wirklich lange überlegt, ob ich das überhaupt machen will. Aber mit einem Uniabschluss in Skandinavistik darf man sich diese Frage eigentlich gar nicht stellen. Immerhin liegt auf dem „Golden Circle“ auch das Þingvellir, wo bereits um 930 einmal jährlich das traditionelle Alþingi abgehalten wurde, eine der ältesten Parlamentsversammlungen der Welt. Hier wurde nicht nur um das Jahr 1000 herum das Christentum beschlossen, es wurde auch am 17. Jun.. ok, ich hör ja schon auf. Jedenfalls wollte ich nach zahlreichen Vorlesungen, Prüfungen und Seminararbeiten über das alte Island definitiv auf den Pfaden der alten Isländer wandeln.

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Dank der Tatsache, dass der frühe Vogel den Wurm fängt, war ich dann auch tatsächlich mit einem anderen Menschen die einzige auf dem Gelände. Was irgendwie fast schon ein bisschen gruselig war. Ich konnte die alten Isländer förmlich riechen. Oooooohja. Hab mich dann ein bisschen an den „Gesetzesberg“ gesetzt. Gesetze erlassen, und was man halt sonst so macht an Gesetzesbergen. Ein erhebender Moment. Und landschaftlich in der frühen Morgensonne ganz und gar wunderbar.

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Anschließend standen noch Geysire und der monströße Gullfoss-Wasserfall auf dem Programm. Die Geysire hatte ich mir irgendwie größer und toller vorgestellt. Und nicht direkt an der Straße gelegen. Hinzu kam, dass auch die anderen Touristen mittlerweile aufgewacht waren. Irgendwie hatte ich mich mit diesen alten Isländern verquatscht. War aber trotzdem …nett.. zu sehen. Man sieht ja nicht jeden Tag Wasser aus dem Nichts mehrere Meter in die Luft springen. Und Strokkur hat wirklich alles gegeben!

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Der Gullfoss-Wasserfall war dann aber wieder umso imposanter. Und nicht nur der Wasserfall, sondern vor allem auch der orkanartige Wind, der da oben geweht hat. Kurz habe ich wirklich ernsthaft überlegt, ob ich mein Auto jetzt einfach am Parkplatz stehen lassen kann oder ob es dann plötzlich weg ist. Letztendlich war es aber zum Glück noch da, als ich wieder kam.

Dieser Wind war auch schuld, dass ich an dem Tag nicht mehr Wandern wollte/konnte. Ich hab’s sogar kurz versucht, bin aber nach 10 Minuten wieder umgedreht. (autsch) Und dann hat es auch noch angefangen zu regnen. Eieiei. Alternativ wollte ich dann noch ein bisschen die Westküste entlang fahren. Aber auch von diesem Plan habe ich relativ schnell wieder Abstand gewonnen. Ich umklammere wirklich selten aus Angst das Lenkrad eines Autos, aber an diesem Tag war es soweit. Letztendlich war ich dann um 14 Uhr schon wieder in Reykjavik. Und hab erstmal zwei Stunden geschlafen. (ups) Eine weitere Suppe in der Noodle Station brachte mich anschließend wieder auf die Beine und so hatte ich wenigstens nochmal etwas Zeit, gemütlich durch Reykjavik zu schlendern.

Am nächsten Morgen musste ich um 7 Uhr morgens schon wieder das Flugzeug Richtung Heimat besteigen. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil ich schon wieder weg musste. Lachend, weil ich dort war und wusste, dass ich bald wiederkommen würde.

Ísland, ég elska þig

 

P.S. Habt Ihr Euch eigentlich auch schon immer mal gefragt, ob es sich auch im Winter lohnt, nach Island reisen? Die Antwort: Ja, tut es! Den Beweis gibt’s hier bei „Hidden Gem“.

19 Kommentare

    • Fräulein Draußen Reply

      🙂 Bin schon gespannt auf Deine Fotos und Berichte!!

  1. Ooooh, sooo tolle Fotos! Das sieht wirklich traumhaft aus. Island steht definitiv auch noch auf meiner Liste. Vielleicht bin ich auch einfach mal dekadent und flieg mal kurz hin? 🙂

    • Fräulein Draußen Reply

      Vielleicht kannst Du Egon irgendwie im Handgepäck schmuggeln? 🙂

  2. Genauso hatte ich reagiert wo du sagtest “ ja ich war in Island – mal für 3 Tage“ Respekt! Dekadent, Spontan sein, Träume wahr werden lassen. Genau das Richtige! 🙂 Do what you can’t stop yourself from doing. Schön geschrieben!

  3. Super!

    3 Tage und so viel gesehen – Respekt!

    Ich habe immer über die Stop-over Touristen gestaunt, die in 24 Stunden Aufenthalt einmal rundherum und Golden Circle gemacht haben.

    Viele Grüße,
    Martin

    • Fräulein Draußen Reply

      Einmal rundherum = einmal um die ganze Insel?? :-O Eieiei. Ich hab ja versucht viel zu sehen ohne Stress zu haben. Ist mir auch ganz gut gelungen 🙂

  4. Für 3 Tage ist das eine ganze Menge, Respekt 😉 In welchem Guesthouse hast Du eigentlich übernachtet? Und hast Du in die Silfra-Spalte in Þingvellir reingeschaut?

    LG, Linda

    • Fräulein Draußen Reply

      Hey Linda, „Aurora“ hieß das Guesthouse – nichts besonders, aber nett, sauber und günstig. An der Spalte war ich nicht. Da geh ich dann nochmal zum Schnorcheln/Tauchen hin! 😉

  5. Pingback: Reykjavik im Winter

  6. Schönes Programm für zwei Tage. War selbst ziemlich geflasht von den Eindrücken in Island.
    Toll geschrieben, weithin gute Reise(n)

    Ingo

    • Fräulein Draußen Reply

      Ich hoffe Du hattest ein paar Tage mehr Zeit als ich?! 🙂

      Danke und ebenso!
      Kathrin

        • Fräulein Draußen Reply

          Ups. Das kann natürlich passieren 😉 Dann musst Du wohl nochmal hin, so wie ich! (Und dann nochmal und dann nochmal…)

  7. Pingback: Island Roadtrip - 7 Blogger verraten ihre Island Tipps, Highlights & Lieblingsplätze - Blog über Reisen

  8. Hallo, sehr schöne Fotos. Du hast wirklich ein sehr gutes Auge, um die herrlichen Landschaften und die isländische Natur einzufangen. Eine Anmerkung zu deinem Beitrag möchte ich mir jedoch erlauben: Für einen Kurztrip, wie Du es hier empfiehlst, ist Island meiner Meinung nach kein geeignetes Reiseziel. Aus umwelttouristischer Sicht trägt ein längerer Aufenthalt zu einem besseren Verhältnis von Anreiseaufwand und Aufenthaltsdauer bei. Ich empfehle für eine Island-Reise daher eine Mindestaufenthaltsdauer von zwei Wochen.

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke, Sven! Nicht nur aus umwelttouristischer Sicht ist es sicher besser, mindestens zwei Wochen auf Island zu bleiben, sondern auch, weil man dann einfach viel mehr von der Insel sehen kann! 🙂 Der Umwelt ist es aber letztendlich egal, ob ich für zwei Tage oder für zwei Wochen dorthin fliege – Flug ist Flug. Dennoch sollte man natürlich nicht für jeden Wochenendtrip gleich einen Mittelstreckenflug buchen, egal ob der jetzt so lange dauert und so viel kostet wie eine Bahnfahrt von München nach Hamburg oder nicht… Wobei es natürlich auch schwer ist, da zu pauschalisieren. Wenn zum Beispiel einer 3x im Jahr übers Wochenende nach Island fliegt und im „großen Urlaub“ dann dafür von München nach Venedig läuft (und im besten Fall noch Vegetarier ist und immer brav Jutebeutel zum Einkaufen mitnimmt und…) … 🙂

      Viele Grüße
      Kathrin

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