Eine vermeintlich unscheinbare Verletzung, die doch ganz schnell große Auswirkungen haben kann: Schon so manche Tageswanderung, Trekkingtour oder Pilgerwanderung wurde wegen schmerzhafter Blasen deutlich früher als geplant beendet. Denn je nach Stelle können die äußerst unangenehm sein und jeder, der schon mal versucht hat, mit einer Blase unter dem Fuß längere Strecken zu wandern weiß, welch große Mengen Selbstbeherrschung dafür notwendig sind.

Es gibt wohl keinen Wanderer, der noch nie eine Blase am Fuß hatte und doch ist es eigentlich gar nicht so schwer, die Entstehung von Blasen zu vermeiden. Gut sitzende, hochwertig verarbeitete Wanderschuhe spielen dabei eine große, aber längst nicht die einzige Rolle!

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du Blasen vermeiden und was Du tun kannst, wenn sich doch mal trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine an Deinem Fuß gebildet haben sollte.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Lowa und enthält Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst und alle Infos und Tipps in diesem Artikel basieren allein auf meinen persönlichen Erfahrungen.

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Wie entstehen Blasen beim Wandern?

Unsere Haut besteht aus mehreren Schichten: der Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Corium oder Dermis) und der Unterhaut (Subcutis). Eigentlich sind diese Schichten durch feine Strukturen miteinander verbunden. Durch dauerhaften Druck oder Reibung können sich diese Hautschichten aber voneinander ablösen, woraufhin sich die dadurch entstandenen Zwischenräume mit Gewebeflüssigkeit und in schlimmeren Fällen sogar Blut füllen. Begünstigt wird dieser Prozess vor allem durch Feuchtigkeit und Wärme. Und schon ist sie da, die gefürchtete Blase!

Wie kann man Blasen beim Wandern vorbeugen?

Vorsorge ist besser als Nachsorge! Und im Falle von Blasen trifft diese Weisheit besonders zu, denn sind sie erst einmal da, kann man nur noch Schadensbegrenzung betreiben.

1. Die richtigen Wanderschuhe

Grundvoraussetzung für blasenfreies Wandern sind natürlich die passenden Wanderschuhe. Das bedeutet zum einen, dass Deine Wanderschuhe richtig sitzen, weder zu groß noch zu klein sein und nirgendwo scheuern oder drücken sollten. Was einen richtig sitzenden Wanderschuh ausmacht und viele Tipps zum Wanderschuhkauf findest Du in diesem Artikel.

Daneben bedeutet das aber auch, dass der Wanderschuh möglichst gut zur jeweiligen Tour und den äußeren Bedingungen passen sollte. Einen dicken Lederschuh mit Gore-Tex-Membran auf eine leichten Sommerwanderung anzuziehen bringt den Fuß zum Beispiel unnötig ins Schwitzen und begünstigt damit Blasen. Hier solltest Du dann lieber auf leichtere Multifunktionsschuhe zurückgreifen.

Über Sinn und Unsinn von wasserdichten Membranen wie GoreTex kann man geteilter Meinung sein. Fakt ist, dass der Luftaustausch längst nicht so gut funktioniert wie in der Werbung angepriesen. So ist zum Beispiel für den Abtransport von Schweiß von innen nach außen durch die Membran ein Temperaturgefälle nötig, was bedeutet, dass Gore-Tex nur bei niedrigen bis mittleren Außentemperaturen atmungsaktiv sein kann. Vor allem bei Wanderungen in wärmeren Temperaturen kann es also einen großen Unterschied machen, auf Wanderschuhe ohne wasserdichte Membran zu setzen, gerade auch wenn Du zu schwitzenden Füßen neigst.

Hast Du die richtigen Schuhe gefunden, solltest Du diese vor längeren Touren einlaufen. Das gilt besonders auch für Schuhe aus Leder, welches sich erst an den Fuß und die Bewegungen anpassen muss. Darüber hinaus kann aber auch die richtige Schnürung der Schuhe entscheidend sein und es gibt einige Tricks, mit denen Du die Passform Deiner Schuhe noch weiter verbessern kann. Meine Tipps dazu findest Du in diesem Artikel.

Mit meinen Lowa Innox bin ich schon mehr als 1.500 km nahezu blasenfrei durch die Welt gewandert.

2. Regelmäßig lüften und trocknen

Die allerallerALLERwichtigste Maßnahme beim Vorbeugen gegen Blasen beim Wandern: Regelmäßig Pausen machen – und zwar richtig! Das heißt Schuhe aus, Socken aus, Füße raus und alle drei an der Luft möglichst gut trocknen lassen. Bei den Schuhen solltest Du dafür die Einlegesohlen rausholen und ggf. die Schnürung etwas lockern. Die Socken solltest Du auf Links drehen und am besten irgendwo auf einen Stein in die Sonne legen oder zum Beispiel über einen Ast in den Wind hängen. Und wenn Du jetzt noch mit den Füßen ein paar Gymnastikübungen machst, sie in einem kalten Bach abkühlst oder ein bisschen durchs kühle Gras läufst, beugst Du nicht nur Blasen vor, sondern gleichzeitig auch Verletzungen und Überbelastungen.

Auf meinen Wanderungen versuche ich, eine solche Pause ca. alle 2 Stunden bzw. 10 Kilometer für 20 – 30 Minuten einzulegen. Und erst kürzlich ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig das ist. Als ich meine eigene Regel auf einer 3-Tages-Wanderung nämlich nicht so wirklich befolgt und mir prompt an beiden Fersenunterseiten eine Blase zugezogen habe – in einem Schuhmodell, in dem ich zuvor schon über 1.000 Kilometer blasenfrei zurückgelegt habe! Schuld war also einfach die Überhitzung und die Feuchtigkeit durchs Schwitzen im Schuh.

Ca. alle 2 Stunden sollten nicht nur die Füße, sondern auch die Schuhe und Socken gelüftet und getrocknet werden.

3. Die richtigen Wandersocken

Die Socken haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Entstehung von Blasen. Immerhin sind sie es ja auch, die den direkten Kontakt zur Haut haben. Bei der Wahl der Wandersocken solltest Du auf folgende Dinge achten:

  • Der richtige Sitz: Deune Wandersocken sollten überall eng am Fuß sitzen und keine Falten werfen. Im Zweifelsfall solltest Du die Socken daher lieber eine Nummer kleiner nehmen!
  • Das richtige Material: Das Material der Socken sollte vor allem schnelltrocknend sein, damit Du die Socken in den Pausen möglichst gut trocknen kannst. Baumwolle ist da zum Beispiel ein absolutes No-Go. Viele Wanderer schwören hier auf Socken aus Merinowolle, ich habe aber auch mit Socken aus Synthetik gute Erfahrungen gemacht.
  • Der Trick mit den zwei Lagen: Es gibt mittlerweile immer mehr spezielle „Anti-Blasen-Socken“ auf dem Markt. Diese bestehen aus zwei Lagen, wobei die äußere Lage die Reibung des Schuhs eben nicht direkt auf die Haut, sondern die eng an der Haut sitzende innere Lage abgeben soll. Der bekannteste Hersteller solcher Socken ist wohl die Firma Wrightsock. Ich persönlich habe schon in doppellagigen Socken Blasen bekommen und in „einfachen“ wiederum nicht und kann das 100%-ige Funktionieren dieses Konzeptes daher aus eigener Erfahrung nicht bestätigen, auch wenn es durchaus logisch klingt. Es gibt aber viele Leute, die darauf schwören. Eine günstigere und flexiblere Alternative ist übrigens das Tragen von dünnen Nylonsöckchen unter den eigentlichen Wandersocken!

Meine aktuellen Lieblingssocken sind übrigens die TK2 Cool Wandersocken von Falke sowie die PhD Outdoor Light Crew Socken von Smartwool, in denen ich zum Beispiel 1.000 km auf dem Bibbulmun Track in Westaustralien gewandert bin. Beide sind nicht zu dick und damit perfekt in Kombination mit leichteren Wanderschuhen wie den Innox von Lowa, schnelltrocknend und langlebig.

4. Sand, Falten, Steinchen & Co. sofort entfernen

Klingt logisch, wird aber oftmals erstaunlich lange herausgezögert: Das Entfernen von Störenfrieden im Schuh wie Steinchen, kleinen Ästen usw. oder auch Falten im Socken! Besser ist es, einfach gleich eine kurze Pause einzulegen und den Schuh auszuschütteln bzw. den Socken wieder glatt zu ziehen, denn solche Dinge sind fast schon ein Garant für Blasenbildung und früher oder später tut man es sowieso.

Wenn Du auf Deiner Wanderung viel auf sandigem Boden oder zum Beispiel auf Waldboden läufst, kannst Du zur Vorbeugung auch leichte Gamaschen, wie sie vor allem von Trailrunnern verwendet werden, tragen.

5. Wunderwaffe Hirschtalgcreme

Fetthaltige Cremes wie der Wanderfußklassiker Hirschtalgcreme oder zum Beispiel Vaseline oder Melkfett können ebenfalls dazu verwendet werden, Blasen vorzubeugen. Die Creme wird morgens aufgetragen und kann tagsüber bei Bedarf erneuert werden. Durch die Schmiere an den für blasen prädestinierten Stellen wie den Fersen wirkt die Reibung deutlich weniger direkt auf die Haut ein.

Ich habe zwar keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Taktik, viele Wanderer schwören aber darauf. Wichtig ist, bei der Auswahl der Creme keine weichmachenden Cremes wie zum Beispiel klassische Fußsalben zu verwenden. Dadurch wird die Haut im Zweifelsfall nur noch sensibler.

blasen beim wandern vorbeugen
Regelmäßige Pausen sind essenziell, um Blasen vorzubeugen und machen zusätzliche Hilfsmittel wie Hirschtalgcreme oft überflüssig.

6. Rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen

Viel zu oft wird viel zu lange damit gewartet, Gegenmaßnahmen bei spürbar entstehenden Blasen zu ergreifen. Dabei kann die Entstehung von Blasen oftmals vermieden werden, wenn man schon bei den ersten Anzeichen von Scheuer- oder Druckstellen tätig wird. In diesem Fall sollte die Stelle sofort abgeklebt werden – entweder mit einem Blasenpflaster, oder in diesem frühen Stadium die günstigere und eigentlich auch zuverlässigere Wahl: Mit Tape wie zum Beispiel Leukoplast. (Tipp: Klebe noch einen Streifen Gewebeband, sogenanntes „Panzertape“ darüber. So vermeidest Du, dass der Kleber sich mit dem Socken verbindet, was er vor allem auf längeren Wandertouren leider gerne mal tut.)

Auf jeden Fall vermeiden solltest Du den Einsetz von normalen Wundpflastern, denn diese liegen an der gereizten Stelle nicht fest auf und verursachen somit im Zweifelsfall nur noch mehr Reibung. Und auch elastisches Kinesiotape ist zum Abkleben nicht ideal, da die Oberfläche rau ist und sich das Tape somit leichter löst.

Das Tapen von gefährdeten Stellen ist eines der besten Mittel, Blasen vorzubeugen.

Erste-Hilfe-Massnahmen bei Blasen beim Wandern

Manchmal helfen auch die besten Gegenmaßnahmen nichts, die Blase ist da. Was also tun, vor allem wenn man noch nicht am Ende der Wanderung angelangt ist?

Blasen aufstechen oder nicht?

Grundsätzlich ist es immer die bessere Wahl, die Blase so zu lassen wie sie ist, denn so können keine Keime in die Wunde eindringen. Beim Wandern ist das aber oft nicht möglich, da der Druck auf der Blase einfach zu groß ist und diese sowieso irgendwann platzen würde. Hier ist ein vorsichtiges und steriles Öffnen der Blase dann das kleinere Übel.

Für das Aufstechen verwendest Du am besten eine Nähnadel, aber auch die Spitze eines Taschenmessers oder der Nagelschere können ein gutes Werkzeug sein. Den Gegenstand solltet Du auf jeden Fall desinfizieren, bevor Du damit an die Blase gehst, und zwar mit Desinfektionsmittel. Das Desinfizieren mittels Feuerzeugflamme ist zwar nicht ganz nutzlos, aber auch nicht ideal, vor allem wenn sich dadurch Ruß am Metall bildet. Anschließend stichst Du zwei kleine Löcher in die obere Hautschicht der Blase, durch die die Flüssigkeit ablaufen kann.

Achtung: Die Haut über der Blase solltest Du auf keinen Fall abschneiden oder zu sehr beschädigen, denn dann haben Keime leichtes Spiel!

Hast Du ein Wunddesinfektionsmittel zur Hand, solltest Du damit die Stelle am besten schon vor dem Aufstechen reinigen und anschließend nochmal vor dem Aufkleben des Pflasters desinfizieren. Praktisch sind hier beim Wandern übrigens einzeln verpackte Wundreinigungstücher, die deutlich kleiner, leichter und besser portionierbar sind als Sprays. Wundsalben wie Bepanthen hingegen machen bei der Behandlung von Blasen keinen Sinn, solange die Haut über der Blase noch vorhanden ist.

Blasen richtig abkleben

Die intakte oder wahlweise aufgestochene Blase solltest Du anschließend abkleben, um sie vor Infektionen und weiterer Beanspruchung zu schützen. Dabei solltest Du nach Möglichkeit lieber auf ein Blasenpflaster und nicht auf Tape zurückgreifen, denn Blasenpflaster bieten ein zusätzliches Polster und haben zudem oft schmerzstillende und heilungsfördernde Eigenschaften.

Vor dem Aufkleben des Blasenpflasters solltest Du darauf achten, dass die Stelle möglichst sauber und frei von Fett ist. Das Blasenpflaster selbst wärmst Du vor dem Aufkleben am besten etwas in den Händen an, sodass der Kleber anschließend besser haftet und das Pflaster sich flexibler anpasst. Beim Aufkleben solltest Du darauf achten, das Pflaster möglichst faltenfrei anzubringen und gut an der Stelle festzudrücken. Blasenpflaster gibt es übrigens in unterschiedlichen Größen und Formen – es lohnt sich, immer eine Auswahl dabei zu haben, denn zurechtschneiden kann man sie nicht.

Wenn Du noch eine längere Strecke vor Dir hast, kannst Du das Blasenpflaster zusätzlich mit Tape fixieren, damit sich das Blasenpflaster nicht an den Rändern löst.

Gute Blasenpflaster sind leider nicht ganz günstig, aber eines der Dinge, bei denen es sich tatsächlich lohnt, auf Markenprodukte zurückzugreifen. Zumindest habe ich bisher noch keine günstigere Alternative entdecken können, die auch nur annähernd so gut ist wie die Blasenpflaster von Compeed.

Das Blasenpflaster bleibt dann für mehrere Tage auf der Blase und lockert sich irgendwann von selbst. Auf keinen Fall solltest Du versuchen, das Pflaster vorher abzuziehen, denn dann reist Du die Blase auf.

Der Heilungsprozess

Eine nicht weiter beanspruchte Blase heilt je nach Stelle relativ schnell und innerhalb weniger Tage wieder ab. Wird die Hautstelle weiterhin gereizt, was sich auf mehrtägigen Touren nicht vermeiden lässt, kann sich der Heilungsprozess natürlich auch weiter in die Länge ziehen.

Wenn die Blase sehr groß ist, nicht verheilt oder Anzeichen einer Entzündung wie zum Beispiel Eiter aufweist, ist ein Arztbesuch empfehlenswert.

Blasen beim wandern vorbeugen
Selbst kleine Blasen können die schönste Tour versauen – es lohnt sich, vorzubeugen!

Hast Du noch weitere Tipps gegen Blasen? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

1 Comment

  1. Ich kann alles was du geschrieben hast 100% aus eigener Erfahrung bestätigen. Ganz besonders der part mit den „Atmungsaktiven“ wanderschuhen. Danke für diesen wertvollen Beitrag

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