[enthält Werbung] Forscher des Max-Planck Instituts für Biologische Kybernetik in Tübingen untersuchten vor einigen Jahren in einer Studie, ob Menschen tatsächlich im Kreis laufen, wenn sie sich in unbekanntem Terrain befinden. In zwei unterschiedlichen Umgebungen – einmal in der Sahara und einmal in einem dichten Wald – sollten die Probanden über mehrere Stunden hinweg möglichst gerade in eine Richtung laufen, die ihnen am Anfang vorgegeben wurde. Solange die Sonne oder der Mond sichtbar waren, gelang es den Teilnehmern der Studie, diese Richtung einigermaßen akkurat einzuhalten. Wenn der Himmel jedoch bewölkt war, liefen sie tatsächlich in Kreisen, kreuzten teilweise sogar mehrmals ihre eigene Spur, ohne es überhaupt zu bemerken.

… alles in allem nicht gerade verlockende Aussichten für den Fall, dass man wirklich mal irgendwo in der Wildnis verloren gehen sollte. Die gute Nachricht ist aber: Mit etwas Vorbereitung und Vernunft kann man ein solches Szenario ziemlich gut vermeiden. In der Wildnis, und auf einem Wanderweg irgendwo mitten in Deutschland erst recht.

Für die Orientierung beim Wandern und Trekking gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche die beste ist, hängt nicht nur von den persönlichen Präferenzen ab, sondern auch davon, wie und wo man unterwegs ist.  In diesem Artikel erkläre ich, wie man beim Wandern auf dem richtigen Weg bleibt und was man tun kann, wenn man doch mal von diesem Weg abkommt. Außerdem berichte ich auch davon, wie ich selbst mich bei einigen meiner Wanderungen orientiert habe und was die Gründe für meine Entscheidung waren.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit meinem Kooperationspartner Komoot. Der Inhalt spiegelt “trotzdem” ausschließlich meine persönlichen Erfahrungswerte und meine eigene Meinung wider. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen.


Worst Case: Schlechte Sicht und wegloses Gelände ohne nennenswerte Orientierungspunkte. Hier ist Konzentration und Knowhow gefragt.

Gut geplant ist halb gewandert

… nagut, ganz so einfach ist es nicht. Aber Fakt ist:  Je intensiver du dich im Vorhinein mit deiner Route beschäftigst, desto weniger böse Überraschungen wirst du unterwegs erleben. Also:

  • Sieh dir deine Route im Vorhinein möglichst genau an, sodass du ungefähr weißt, wie und wo sie verläuft und was um dich herum ist.
  • Versuche insbesondere bei Touren in abgelegenen Gebieten, dir ein paar markante Landmarken einzuprägen: Wo und wie verlaufen große Flüsse? Wo gibt es Orte und Straßen? Wo gibt es Shelter und Hütten? usw.
  • Recherchiere, ob deine Route markiert ist, wie die Markierungen aussehen und ob ggf. Verwechslungsgefahr mit anderen Markierungen besteht.

Aber auch mit der besten Vorbereitung sollte man allerdings immer davon ausgehen, dass man theoretisch verloren gehen oder zumindest etwas vom Weg abkommen könnte und entsprechend planen. Wer eine Notfallration Proviant, eine wärmende / wasserdichte Kleidungsschicht und eventuell auch eine Stirnlampe dabei hat, den können auch unfreiwillige Umwege nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Mit dem Online-Routenplaner von Komoot kannst du dir ganz einfach einen Rundum-Überblick über deine Route verschaffen. Neben den allgemeinen Karteninfos findest du dort zum Beispiel auch viele “Highlights” = von Nutzern angelegte Tipps und Hinweise.

Augen auf bei Wegmarkierungen

Verlasse dich in Sachen Wegmarkierungen am besten nicht nur auf offizielle Aussagen, sondern auch auf Erfahrungsberichte von Wanderern. Die können nämlich manchmal auseinandergehen. Folgende Fragen solltest du nach deiner Recherche beantworten können:

  • In welchen Abständen sind die Wegmarkierungen in etwa gesetzt?
  • Wie sehen die Markierungen aus? Unterscheiden sie sich ggf. je nach Region?
  • Gibt es längere Abschnitte, auf denen es keine Markierungen gibt oder diese nur lückenhaft vorhanden sind?

Grundsätzlich sind Wegmarkierungen immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn auch wenn die Route grundsätzlich markiert ist, bedeutet das nicht, dass du dich auch wirklich zu hundert Prozent darauf verlassen kannst. Manche Wanderwege sind zum Beispiel nur sporadisch markiert oder auf manchen Abschnitten sogar gar nicht, während man bei anderen wiederum gefühlt alle zehn Meter eine Markierung findet. Theoretisch kann man Markierungen aber auch mal übersehen bzw. falsch interpretieren. Manchmal werden sie geklaut oder absichtlich falsch ausgerichtet. Oder man sieht sie nicht, obwohl sie da sind, weil zum Beispiel der Nebel so dicht ist, dass man einfach nicht bis zum nächsten Wegweiser gucken kann.

saar-husnrueck-steig beschilderung
Längst nicht jeder Wanderweg ist so gut ausgeschildert wie der mit dem „Deutschen Wandersiegel“ ausgezeichnete Saar-Hunsrück-Steig.

Hilfsmittel für die Routenfindung

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, selbst bei gut markierten Wanderwegen (mindestens) eine Alternative in der Hinterhand zu haben. Denn auch wenn auf irgendeinem Superduperqualitätswanderweg mitten in Deutschland das Verlaufen in der Regel keine allzu tragischen Konsequenzen nach sich zieht, ist es zumindest nervig und führt unter Umständen dazu, dass man in die Dunkelheit gerät oder mehr Kilometer laufen muss, als man eigentlich wollte.

Je anspruchsvoller die Wanderung und je weiter von der Zivilisation entfernt, desto weniger sollte man sich auf nur eine Variante verlassen. Zumal jede Art, sich zu orientieren, so ihre Vorteile und Nachteile hat.

Am besten hat man immer mindestens zwei voneinander unabhängige Navigationssysteme dabei, zum Beispiel das Smartphone und zusätzlich eine ausreichend detaillierte Wanderkarte.

Der Klassiker: Karte und Kompass

Eine sehr verlässliche (und auch ziemlich schöne) Methode, ausreichend Wissen rund um die richtige Handhabung vorausgesetzt. Der Einsatz von einer Wanderkarte in Verbindung mit einem Kompass ist zwar gar nicht so kompliziert, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag, etwas Wissen und vor allem auch praktische Übung ist aber auf jeden Fall notwendig, um zum Beispiel den eigenen Standort auf der Karte zu bestimmen oder die richtige Marschrichtung festzulegen.

Das wichtigste für die Orientierung mit Wanderkarte – egal ob mit oder ohne Kompass – ist allerdings, dass man zu jeder Zeit in etwa weiß, wo man sich befindet. Dazu gehört, dass man topografische Karten lesen kann und dass man in regelmäßigen Abständen das Gelände mit der Karte vergleicht, damit man nicht den Überblick verliert.

Wenn man viele Referenzpunkte hat (Berggipfel, Seen, Kirchtürme etc.), ist die Orientierung per Wanderkarte dann eigentlich ziemlich einfach und erfordert oft noch nicht mal einen Kompass. In weniger markantem Gelände, in dem vielleicht noch nicht mal Wege existieren (wie zum Beispiel irgendwo im skandinavischen Fjäll) oder / und bei schlechter Sicht wird die Sache allerdings schon etwas komplizierter.

Vorteile: funktioniert ohne Geräte / Strom; macht Spaß

Nachteile: erfordert etwas Einarbeitung und Übung; funktioniert nur eingeschränkt bei schlechter Sicht; zeitaufwendig; vor allem für längere Touren mitunter schwer und teuer, weil man mehrere Karten braucht

Mein Tipp: Theoretisch kann man sich das notwendige Wissen für die Orientierung mit Karte und Kompass selbst aneignen, zum Beispiel mit Hilfe von Youtube-Videos oder einem Buch (Werbelink). Ich kann allerdings nur empfehlen, dafür einen Kurs zu besuchen, zum Bespiel beim DAV oder einer Bergschule. Insbesondere auch, wenn man größere, abgelegene Touren plant und noch keine nennenswerten Erfahrungen mit Karte und Kompass gesammelt hat. Ich habe vor meiner 3-monatigen Fernwanderung durch Großbritannien einen eintägigen Kurs besucht und das hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern mir auch wahnsinnig viel Sicherheit gegeben.

Ideal fürs Wandern ist eine Karte im Maßstab von 1:25.000 oder 1:50.000 in Kombination mit einem Linealkompass wie dem Silva Ranger.

Moderne Helferlein: Smartphone mit Outdoor-App

Die Variante, die ich mit Abstand am häufigsten für die Orientierung beim Wandern (und auch beim Radfahren und Trailrunning) benutze, ist mein Smartphone in Verbindung mit der Komoot-App. Es gibt keine einfachere, schnellere, flexiblere, günstigere und auch leichtere Option als das Handy.  Man kann den eigenen Standpunkt orten (wenn man sich nicht gerade in einem kompletten Funkloch befindet), Routen spontan umplanen, die Tour aufzeichnen und vieles mehr. Und das alles mit einem Gerät, welches man in den meisten Fällen sowieso immer dabei hat und sich nicht erst zulegen muss. Der große Nachteil dieser Lösung ist natürlich: Man braucht Strom. Und selbst mit Strom kann das Gerät theoretisch jederzeit den Geist aufgeben oder auf den Boden fallen und von einer Sekunde auf die andere unbrauchbar sein.

Möchte man das Smartphone als primäre Orientierungshilfe nutzen, muss man immer abwägen, was der Worst Case (also der Ausfall des Smartphones) für Folgen nach sich ziehen würde: Wenn man in besiedelten Gebieten unterwegs ist, in denen man regelmäßig auf Straßen, Häuser oder ähnliches treffen kann, ist das Risiko für Leib und Leben oft ziemlich überschaubar. Wenn man irgendwo in der “Wildnis” unterwegs ist, kann das Smartphone ebenfalls ziemlich gute Dienste leisten, sollte aber niemals die einzige Option sein.

Vorteile: einfach, günstig, flexibel, schnell, wenig Gewicht, “idiotensicher”

Nachteile: Strombedarf, kann jederzeit teilweise oder komplett ausfallen; Kartenmaterial in dünn besiedelten, abgelegenen Gebieten nicht immer geeignet (wobei “dünn besiedelt” eher sowas wie Grönland und nicht Brandenburg meint ;-) )

Mein Tipp: Um Akku zu sparen, solltest du das Smartphone möglichst im Flugmodus lassen und die Route / Karten vorher runterladen. Zudem hilft es, den “Energiesparmodus” zu aktivieren und die Helligkeit des Bildschirms so weit wie möglich zu reduzieren, da der mitunter die meiste Energie verbraucht. Das bedeutet auch, dass du – wenn es wirklich drauf ankommt – so wenig wie möglich aufs Smartphone gucken solltest.  Mit der aktivierten Sprachnavigation von Komoot kannst du das Telefon theoretisch sogar ganz in der Tasche lassen.

Flexibel, günstig, einfach: Das Smartphone ist wann immer es geht das Orientierungshilfsmittel meiner Wahl.
Nicht vergessen: Lade deine Route vor Tourstart in der Komoot-App herunter, sodass du unterwegs nicht auf Handyempfang angewiesen bist und das Handy in den Flugmodus versetzen kannst.

Fürs Eingemachte: GPS-Gerät

Auch GPS-Geräte brauchen Strom und können theoretisch jederzeit ausfallen, sind allerdings im Vergleich zum Smartphone deutlich energiesparender, robuster und haben oft auch einen leistungsstärkeren GPS-Empfänger. Vor allem für längere Touren in abgelegenen Regionen sind GPS-Geräte dem Smartphone vorzuziehen, da sie insgesamt einfach deutlich verlässlicher sind.  Auch hier sollte man sich aber natürlich nie allein auf das GPS-Gerät verlassen, sondern zusätzlich noch Karte und Kompass oder das Smartphone dabei haben.

Vorteile: robust, verlässlich, energiesparend, einfacher Zugriff (kann einfach außen am Rucksack o.ä. befestigt werden), bei Nässe, Kälte etc. leichter bedienbar

Nachteile: teuer, weniger intuitive Bedienung, unflexibel

Mein Tipp: Ich besitze kein reines GPS-Gerät, mit dem Garmin inReach Explorer+ (Werbelink) aber einen Notfallsender, den man auch zur Orientierung verwenden kann. Wer ein GPS-Gerät vor allem als Backup und nicht für den regelmäßigen Gebrauch mitnehmen möchte, für den kann so eine Kombination eine gute Alternative sein. Der inReach ist zwar teurer und auch mit laufenden Kosten verbunden, man schlägt allerdings mehrere Fliegen mit einer Klappe: Neben der Orientierung kann der inReach auch Hilfe im Notfall rufen, zur satellitengestützten Kommunikation per SMS / E-Mail genutzt werden, Wetterdaten abrufen und einiges mehr. Mehr Infos dazu findest du in meinem Artikel Sicherheit beim Trekking.

GPS-Geräte sind robust, energiesparend und besonders bei Wildnistouren der ideale Begleiter.

Als Ergänzung: Wanderführer

Wanderführer enthalten je nach Ausführung mal mehr, mal weniger detaillierte Beschreibungen der Route und oft auch Kartenabbildungen (die ebenfalls mal mehr, mal weniger detailliert bzw. nützlich sind). Die Bücher eignen sich vor allem für die Vorbereitung und als Ergänzung, zumal sie oft viele praktische und interessante Infos beinhalten , die über die eigentliche Wegfindung hinaus gehen. Für die eigentliche Orientierung vor Ort sind sie allerdings nur eingeschränkt geeignet, zumal sie oft verhältnismäßig schwer sind. Wenn ich unterwegs Wanderführer dabei habe, dann meistens digital auf meinem Smartphone – entweder als E-Book-Version oder ich fotografiere die für mich relevanten Seiten des Buches einfach ab. Zur Vorbereitung nutze ich sie aber sehr gern.

Vorteile: informativ

Nachteile: schwer, nicht immer aktuell, nur eingeschränkt für die Orientierung unterwegs geeignet

Mein Tipp: Bei Wanderführern sollte man immer auf das Datum der Auflage achten. Je älter der Wanderführer, desto größter die Gefahr, dass sich Dinge wie Wegführung, Übernachtungsmöglichkeiten usw. geändert haben. Essenzielle Informationen wie zum Beispiel die Öffnungszeiten von Supermärkten sollte man am besten immer nochmal online gegenchecken.

Wanderführer Gran Canaria
Wanderführer sind besonders für die Planungsphase geeignet. Und als Sonnenterrasse für Eidechsen. :)

Minimalistisch: natürliche Orientierungshilfen

Als Ersatz für Karte oder GPS-Gerät ist die Navigation nach Sternen & Co. für den Otto-Normal-Wanderer definitiv nicht geeignet, aber sich ein bisschen damit zu beschäftigen, lohnt sich trotzdem. Allein schon, weil es Spaß macht und man dabei jede Menge über unseren Planeten und die Natur lernt.

Die Sonne

Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen will sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen. Diesen Spruch kennt wohl jeder, und tatsächlich ist Sonne (insbesondere in Kombination mit einer Uhr) eine ziemlich nützliche Sache. Sofern die denn zu sehen ist. Für die grobe Einschätzung reicht der Spruch völlig aus, auch wenn er letztendlich nur bedingt stimmt, denn die Sonne geht nur an zwei Tagen im Jahr genau im Osten auf bzw. im Westen unter und weicht an den restlichen Tagen etwas davon ab.

Mit Hilfe einer analogen Uhr kann man die Himmelsrichtungen übrigens noch etwas genauer bestimmten: Dafür muss man das Zifferblatt so ausrichten, dass der Stundenzeiger in Richtung der Sonne zeigt. Anschließend denkt man sich einen Strich, der vom Mittelpunkt der Uhr zur 12 zielt. Wenn man diesen Winkel nun zwischen dem gedachten Strich und dem Stundenzeiger halbiert, hat man (in etwa) Süden.

Der Nachthimmel

Der Polarstern  ist in der nördlichen Hemisphäre ziemlich leicht zu entdecken und und sehr praktisch für die Orientierung, denn er zeigt stets den geografischen Norden. Um ihn zu finden, sucht man sich am besten erst den Großen Wagen am Himmel. Die hinteren beiden Sterne des Wagens muss man gedanklich mit einer Linie verbinden und diese etwa fünfmal verlängern. Dann trifft man auf den Polarstern (der wiederum Teil des kleinen Wagens und der hellste Stern des Kleinen Bären ist).

Pflanzen und Tiere

Bäume sind auf der nach Westen gerichteten Seite oft stärker mit Moos bewachsen. Schneefehler schmelzen an Nordhängen am langsamsten. Ameisenhaufen werden häufig nach Süden ausgerichtet. Und Freistehende Bäume neigen sich häufig etwas nach Osten. … oder vielleicht doch nicht? Weisheiten wie diese gibt es zahlreich, die sind aber mit großer Vorsicht zu genießen, da sie nicht zuletzt stark von lokalen Begebenheiten abhängig sind. So werden Ausnahmen schnell zur Regel. Ist man komplett verzweifelt und hat so gar keine Ahnung mehr, wo man ist und was man tun soll, ist es aber natürlich einen Versuch wert.

Vorsicht ist auch bei Steinmännchen geboten: Die weisen oft, aber längst nicht immer den richtigen Weg.

Was tun, wenn man sich beim Wandern verlaufen hat?

Du weißt nicht mehr, wo du bist, kannst keinen Wegweiser finden, siehst und hast nichts, woran du dich orientieren kannst? Das wichtigste ist dann erstmal, Ruhe zu bewahren und nicht ziellos in irgendeine Richtung loszurennen. Zumal die Gefahr tatsächlich recht groß ist, dass du so alles nur noch schlimmer machst.

Setz dich am besten erstmal hin, iss einen Schokoriegel (beruhigt und hilft beim denken) und versuche, deine Situation möglichst rational einzuschätzen.  Was du anschließend tust, ist natürlich stark davon abhängig, wie und wo du unterwegs bist und was der Grund für das Verlaufen ist.

Generell können zum Beispiel folgende Lösungsansätze und Überlegungen helfen:

  • Wenn du von schlechtem Wetter überrascht wurdest und dich somit nur vorübergehend nicht mehr orientieren kannst, kann es die beste Lösung sein, das Wetter einfach auszusitzen, auch wenn es deinen Zeitplan durcheinander bringt. Das gilt natürlich insbesondere auch, wenn du ein Zelt und ausreichend Verpflegung dabei hast.
  • Umkehren und den Weg zurücklaufen, den du gekommen bist, ist im Zweifelsfall oft die beste und sicherste Alternative, setzt aber natürlich voraus, dass du den Weg zurück noch finden kannst. Das ist manchmal gar nicht so einfach, da die Landschaft in umgekehrter Richtung oft sehr anders aussieht.
  • Such dir einen erhöhten Punkt, von dem aus du das Gelände besser überblicken kannst. Eventuell kannst du dich dann wieder besser orientieren oder siehst zumindest irgendwo Zeichen von Zivilisation, die du ansteuern kannst. Vergiss dabei auch nicht, auf Geräusche zu achten: Hörst du irgendwo Hundegebell, Verkehrsgeräusche, eine Motorsäge?
  • Falls du auf gut Glück loslaufen musst, achte darauf, dass du dich an etwas orientierst und somit vermeidest, im Kreis zu laufen. Das kann eine in der Ferne sichtbare Landmarke sein, auf die du zuläufst, oder ein Flusslauf. Besonders einfach ist es natürlich mit einem Kompass, den Kurs zu halten.

Praxisbeispiele: Was ich für die Orientierung beim Wandern nutze

Nach all der Theorie hier noch ein paar Beispiel aus meiner Praxis, denn auch ich nutze nicht immer die eine Art, mich zu orientieren, sondern entscheide je nach Tour unterschiedlich.

Beispiel 1: Uckermärker Landrunde in Brandenburg (Smartphone only)

Die Uckermärker Landrunde ist eine rund 150 Kilometer lange Wanderroute in Brandenburg, die zwar grundsätzlich ausgeschildert ist, aber längst nicht immer perfekt. Daher habe ich mir die Route auf mein Smartphone in die Komoot-App geladen und diese zudem noch mit meiner Garmin GPS-Uhr verbunden, damit ich nicht immer aufs Handy gucken muss.  Genau so habe ich es zum Beispiel auch auf dem Albsteig im Schwarzwald oder dem Saar-Hunsrück-Steig im Saarland gemacht. Solange man eine Powerbank mit sich trägt bzw. das Smartphone jederzeit ausreichend nachladen kann, gibt es innerhalb Deutschlands eigentlich keinen Grund, zusätzlich noch eine Karte o.ä. mitzunehmen. Im Notfall ist die nächste Straße oder der nächste Ort ja nie zu weit entfernt. Und das nächste Café oder die Tankstelle, in der man das Handy nachladen kann, auch nicht.

Beispiel 2: Dreimonatige Fernwanderung durch Großbritannien (Smartphone + teilw. Karte)

Ich habe weiter oben schon erwähnt, dass ich während der Vorbereitung auf meine 1.500 Kilometer lange Wanderung durch Großbritannien einen eintägigen Kurs besucht habe, um den richtigen Umgang mit Kompass und Karte zu lernen und zu üben. Tatsächlich habe ich dann allerdings den Großteil der Tour ohne Karte und Kompass bestritten. Stattdessen habe ich mich ausschließlich mit dem Smartphone orientiert, wobei ich dafür nicht nur eine größere Powerbank, sondern auch noch ein günstiges, für den Outdoor-Einsatz geeignetes Backup-Smartphone dabei hatte, auf dem ich die für mich relevanten Karten ebenfalls gespeichert hatte. Auch wenn Großbritannien vielerorts erstaunlich wild und einsam ist, würde man im Notfall doch immer irgendwann auf eine Straße oder ein Haus treffen, weshalb das Risiko insgesamt überschaubar ist. Nur für den nördlichen Teil der schottischen Highlands, in dem ich immer wieder auch weglos unterwegs gewesen wäre (ich sage “wäre”, weil ich meine Wanderungen letztendlich etwas früher als geplant beendet habe), habe ich mir zur Sicherheit und um meinen Smartphone-Akku zu schonen zusätzlich die entsprechenden Papierkarten besorgt und einen Kompass eingepackt.

Beispiel 3: 1.000 Kilometer auf dem Bibbulmun Track durch Westaustralien (Wegmarkierungen + Karte)

Der Bibbulmun Track ist ein ziemlich gut gepflegter Fernwanderweg in Westaustralien, der trotz seiner Länge und seiner abgelegenen Wegabschnitte durchgehend markiert ist. Die meiste Zeit habe ich mich während der Tour ausschließlich an den Markierungen orientiert, hatte allerdings zusätzlich die entsprechenden Karten für den kompletten Trail dabei. Die gingen zwar etwas ins Geld und haben auch mein Rucksackgewicht und -volumen etwas nach oben getrieben (es waren insgesamt sechs Stück), aber mir war das in diesem Fall lieber, als mich auf mein Smartphone zu verlassen. Der längste Abschnitt, auf dem es unterwegs keine Lademöglichkeiten gab, betrug in meinem Fall elf Wandertage, und ich wollte mir den Akku meines Smartphones für andere Dinge aufsparen (Fotografieren, Hörbücher hören, Whatsapps schicken usw.) Bis auf wenige Ausnahmen, insbesondere wenn ich mal wieder eine Wegmarkierungen übersehen habe, habe ich aber weder die Karten noch mein Smartphone gebraucht. Ich fands trotzdem gut, dass ich sie dabei hatte, auch weil ich es immer schön fand, mir am Abend gemütlich die Wanderetappe des nächsten Tages auf der Karte anzusehen.

Beispiel 4: Auf dem “härtesten Trail Südafrikas” (Wegmarkierungen + Karte + GPS-Gerät)

Sechs Tage lang wandert man auf dem Amatola Trail durch die bewaldeten Berglandschaften der wilden Amatola Mountains im südafrikanischen Eastern Cape. Der Trail ist markiert, aber GPX-Track und detaillierte Karten  gab es “damals” noch nicht, und wir haben lediglich eine relativ einfach gehaltene, wenn auch letztendlich ausreichende Karte vor unserem Start bekommen – zusammen mit dem ein oder anderen guten Tipp. Da es unterwegs keine Möglichkeiten gibt, das Handy zu laden und der Trail sehr wenig begangen ist (wir haben während der ganzen Zeit niemanden getroffen), habe ich mir zur Sicherheit die GPX-Koordinaten der Hütten, in denen man übernachten kann, in meinem Garmin inReach gespeichert. Auf die waren wir mangels Zelt nämlich angewiesen. Mittlerweile ist der Trail übrigens auf Komoot sichtbar und sogar gesondert markiert, sodass man zusammen mit dem Wegmarkierungen bestens gerüstet ist.

Beispiel 5: Weglos über die Drakensberge (Karte / Kompass + GPS-Gerät)

Auch diese Tour fand in Südafrika statt, allerdings mit ganz anderen Voraussetzungen: Wanderwege gibt es hoch oben in den Drakensbergen kaum, dafür unberechenbares Wetter und eine Landschaft, die oft wenig Anhaltspunkte für die Orientierung liefert. Wir waren elf Tage dort unterwegs, fernab jeglicher Zivilisation, allerdings mit wzei ortskundigen Guides. Eine Navigation nur mit Smartphone hätte zu viele Powerbanks erfordert, zumal man abgesehen von einigen Hirtenpfaden keinem Trail folgen kann und dadurch verhältnismäßig oft einen Blick auf die Karte werfen muss. Karte und Kompass waren das Mittel der Wahl,  nur im Ausnahmefall haben wir einen Blick aufs GPS-Gerät geworfen. Besonders spaßig war das, als wir an einem Tag so gut wie gar nichts außer Nebel gesehen haben und alle paar Minuten per Kompass unsere Marschrichtung neu ermitteln bzw. abgleichen mussten.

Bei schlechter Sicht kann die Orientierung mit Karte und Kompass schnell in Arbeit ausarten. Aber auch das gehört eben dazu, und kann sogar Spaß machen.

Was nutzt du am liebsten für die Orientierung beim Wandern? Hast du noch weitere Tipps oder eine Frage? Ich freu mich auf deinen Kommentar.

 

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