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Mir war neulich irgendwie plötzlich so nach Wandern (ja, das kommt manchmal vor bei mir), also hab ich mich an den Laptop gesetzt, mir Fernwanderwege im Süden Deutschlands angeguckt, meine Etappen geplant, den Rucksack gepackt und schon am nächsten Morgen saß ich im Zug Richtung Schwarzwald.

Ganz im Süden, nah an der Grenze zur Schweiz, beginnt dort der Albsteig (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Pendant in der Schwäbischen Alb). Der Weg führt auf 83 Kilometern und 2.700 Höhenmetern durch den äußersten Süden des Schwarzwalds. Immer entlang des Flüsschens Alb, von Albbruck an der Schweizer Grenze bis an den Feldberg, seines Zeichens höchster Gipfel im Schwarzwald. Auf dem Weg dorthin passiert man felsige Schluchten mit zahlreichen Wasserfällen, viele schöne Aussichtspunkte über das Tannenmeer und kleine, idyllische Schwarzwald-Dörfchen.

Der Weg ist nur ein kleiner Teil der insgesamt rund 24.000 Wanderkilometern, die vom Schwarzwaldverein gepflegt und markiert werden. Ich kenne bisher nur einen Bruchteil davon, aber dank meinen drei Wandertage auf dem Albsteig nun immerhin ein kleines bisschen mehr. Und darüber bin ich ziemlich froh, weil es wirklich richtig schön war.


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Herbstwanderung auf dem Albsteig im Schwarzwald

Wegweiser Albsteig Schwarzwald

Albsteig Schwarzwald in drei Tagen: meine Route

Offiziell kann man den Albsteig entweder in gemütlichen fünf Etappen oder in sportlichen drei Tagen wandern, wobei man auf dem letzten Stück die Wahl zwischen einer östlichen und einer westlichen Route hat. Ich wollte mich aber nicht entscheiden und sowohl das wunderschöne Menzenschwander Tal (westlicher Teil) als auch die Höhenlagen rund ums Herzogenhorn (östlicher Teil) mitnehmen.

Also hab ich meine eigene sportliche Variante gebastelt und bin von Albbruck über Sankt Blasien und Menzenschwand bis zur Feldberg-Passhöhe und anschließend auf der östlichen Seite zurück bis nach Bernau im Schwarzwald gelaufen. So wurden es rund 79 Kilometer und 2.290 Höhenmeter in drei Tagen, was zwar definitiv sportlich, aber dennoch ganz gut machbar war. Alternativ kann man diese Runde natürlich auch in dreieinhalb, vier oder gar fünf Tagen wandern. Übernachtungstechnisch ist das alles möglich.

Hier siehst du die komplette Originalroute des Albsteigs (die von mir gewanderte Route inkl. der einzelnen Etappen findest du in der Albsteig-Collection auf meinem Komoot-Profil):

Tag 1: Albbruck nach Immeneich

27,5 km, 720 hm bergauf, 420 hm bergab
>> zu meiner ersten Etappe auf Komoot<<

Der Wetterbericht versprach goldene Herbstsonne (zumindest für die ersten beiden Tage meiner Wanderung), aber dennoch war der herannahende Winter deutlich zu spüren, als ich morgens in Albbruck aus dem Zug auf den Bahnsteig trat. Also hab ich noch ein letztes Mal den Rucksack abgesetzt, meine Handschuhe herausgekramt… jetzt aber los!

Nach einigen Kilometern über nebelverhangene Wiesen und Felder und vorbei an dem ein oder anderen Weiler führt der Weg bald schon das erste Mal steil hinunter in die verwunschene Albschlucht, wo die Alb brausend ihre Bahn zieht, umringt von dichtem, bunt gefärbten Herbstlaub. Nach der Überquerung des Flüsschens führt der Weg wieder ziemlich steil nach oben, und es folgt einer der für mich schönsten Abschnitte des Wanderweges. Hoch über der Albschlucht wandert man auf kleinen Pfaden durch wunderschöne Wälder, und immer wieder vorbei an Aussichtspunkten, von denen man weit ins und übers bunt gefärbte Albtal blicken kann. Und der Weg behält seinen wilden Charakter bis nach Immeneich, dem Ziel meiner ersten Etappe auf dem Albsteig Schwarzwald.

Dieser erste Tag war landschaftlich zweifelsohne mein Highlight, zumal die Route viel über kleine Wanderwege und -pfade geführt hat und ich unterwegs so gut wie keine Menschenseele getroffen habe. Nachdem der morgendliche Nebel aufgeklart war, konnte ich bei wunderbarstem Herbstwetter glückselig vor mich hinwandern, mal über die tollen Ausblicke ins Albtal staunend, und dann wieder über die Alb selbst, und wie sie sich ihren Weg durch das wilde Tal bahnt – mal plätschernd, mal rauschend, mal sprudelnd und mal fallend. Ansonsten haben es mir die zahlreichen Pilze am Wegesrand auf dieser Etappe irgendwie besonders angetan. Und die Wasseramsel, die ich eine ganze Weile lang auf Futtersuche in der Alb beobachten konnte. Ein rundum gelungener Tag!

Tag 2: Immeneich nach Menzenschwand

31 km, 830 hm bergauf, 580 hm bergab
>> zu meiner zweiten Etappe auf Komoot<<

Am zweiten Tag wartete die längste Etappe meiner Tour auf mich, die ich an einer Stelle um ein paar Kilometer abgekürzt habe, um nicht erst im Dunkeln in meiner Unterkunft in Menzenschwand anzukommen. Dafür bin ich vom Albstausee direkt nach Sankt Blasien gewandert und habe nicht noch den Schlenker nach Häusern und zum Wasserkraftwerk gemacht. 

Auch an diesem Tag hielt der Albsteig viele Aah- und Ooh-Momente bereit – den Ausblick vom Bildsteinfelsen zum Beispiel, den von Herbstbäumen umringten Albstausee oder natürlich die Windbergschlucht bei Sankt Blasien. (Den Abzweig zu dieser Schlucht sollte man auf keinen Fall verpassen, wenn man wie ich die Abkürzung vor Sankt Blasien nimmt, die lohnt sich auf jeden Fall!).

Insgesamt war die Forststraßendichte etwas höher als am Vortag, weshalb mir diese Etappe etwas weniger gut gefallen hat als die am Vortag. Das ist jetzt allerdings schon Jammern auf ziemlich hohem Niveau.

Vollkommen zurecht gejammert hab ich nur ganz zu Beginn der Tour während des steilen Anstiegs von Immeneich hinauf auf die Höhenzüge rund um das Albtal. Allerdings nicht etwa wegen der Höhenmeter, sondern weil dieser stellenweise in den tiefen Furchen irgendeiner monsterhaften Waldmaschine zu bewerkstelligen war. Alles in allem ist aber auch dieser Abschnitt des Albsteigs definitiv empfehlenswert und ich hab den Tag sehr genossen (und meine Füße auch… zumindest bis zur 25-Kilometer-Marke oder so).

Tag 3: Menzenschwand nach Bernau im Schwarzwald

20 km, 730 hm bergauf, 690 hm bergab
>> zu meiner dritten Etappe auf Komoot<<

Das Menzenschwander Tal hat schon am Vortag mein Herz erobert (was möglicherweise auch an der goldenen Herbstabendsonne lag, die darauf geschienen und das ganze Tal zum Leuchten gebracht hat). Hinter Menzenschwand wurde es dann allerdings noch schöner, auch wenn der Nebel gleichzeitig immer dichter wurde und bald schon erster Nieselregen einsetzte. Somit konnte ich auch den Feldberg nicht sehen, auf den man sonst von dort aus einen super Blick hat.

Beim steilen Aufstieg nach Feldberg-Ort wurde der Nieselregen dann zu Schnee… mein erster Schnee der Saison! Liegen blieb davon zwar nichts, aber dennoch hat das Wetter der kargen Wald-, Moor- und Wiesenlandschaft dort oben eine ganz besondere Atmosphäre verliehen und meine Vorfreude auf den Winter wurde plötzlich ziemlich groß. Und vielleicht hat es auch ein bisschen die Spuren des Wintertourismus verdeckt, der der Schönheit der Landschaft rund um den Feldberg vermutlich nicht wirklich zuträglich ist.

Dafür musste ich dann allerdings auch auf die Aussicht vom 1.415 Meter hohen Gipfel des Herzogenhorns verzichten, dem zweithöchsten Gipfel des Schwarzwalds und dem höchsten Punkt des Albsteigs.  Normalerweise hätte man von dort aus einen grandiosen Blick über den Schwarzwald bis hin zu den Vogesen und auf die Alpen mit eindrucksvollen Gipfeln des Berner Oberlands wie Eiger, Mönch und Jungfrau. So ein Gipfelkreuz im Nebel hat aber seinen ganz eigenen Charme.

Vom Gipfel aus ging es langsam aber stetig wieder bergab, weiterhin ziemlich neblig und ziemlich einsam, bis nach Bernau, wo ich quasi zeitgleich mit dem Bus angekommen bin, der mich zurück nach Sankt Blasien gebracht hat. Dort würde der Albsteig von dort aus eigentlich auch hinführen, allerdings hatte ich für diesen letzten Abschnitt nicht mehr genug Zeit, da ich noch am selben Tag die Heimreise antreten wollte. Zudem wird dieser Teil des Weges aktuell (Stand: Oktober 2020) sowieso umgeleitet und ich hätte damit nicht der Originalroute folgen können. 

Mein persönliches Fazit zum Albsteig

Ich fand den Schwarzwälder Albsteig landschaftlich alles in allem ziemlich toll und fast schon erstaunlich abwechslungsreich. Auch die Wegführung war vielerorts sehr gelungen. Es ging häufig über kleine Pfade und Wege, auf denen ein richtig schönes Wander-Feeling aufkam. Forst- und Schotterstraßen waren natürlich auch dabei, aber nicht in einem Ausmaß, das mir besonders negativ aufgefallen wäre oder mich gar gelangweilt hätte. Asphalt gab es tatsächlich kaum. Auch das Auf und Ab, von tiefen Flusstälern zu „hohen“ Berggipfeln (Anführungszeichen weil Alpenkind), hat regelmäßig für Abwechslung gesorgt.

Die erste Etappe von Albbruck bis Immeneich hatte ich fast komplett für mich allein, rund um Menzenschwand und Feldberg war dann ein bisschen mehr los, aber auch dort hielt es sich sehr in Grenzen (was allerdings bestimmt auch ein bisschen daran lag, dass ich unter der Woche und Mitte Oktober, also in der Nebensaison, unterwegs war).

Ja, ich würde es auf jeden Fall wieder tun. Vorher würde ich aber vielleicht auch erstmal noch ein paar andere Wege in der Region ausprobieren wollen, zum Beispiel den Schluchtensteig oder den Westweg (die übrigens auch beide die Route des Albsteigs kreuzen). Nicht weil die schöner sind als der Albsteig, aber vielleicht ja genauso schön.

Infos und Tipps zum Albsteig Schwarzwald

Im folgenden habe ich die wichtigsten Infos rund um den Schwarzwälder Albsteig zusammengefasst.

An- und Abreise

Möchte man den gesamten Albsteig wandern, empfiehlt sich am ehesten die Anreise nach Albbruck mit dem Zug (oder natürlich mit dem Auto, aber Zugfahren ist viel schöner). Busverbindungen entlang des Weges gibt es außerdem unter anderem von Häusern, Sankt Blasien, Menzenschwand, Feldberg-Pass und Bernau. Ein Faltblatt mit allen wichtigen Bus- und Bahnverbindungen entlang des Albsteigs kann man sich hier herunterladen.

Gut zu wissen: In vielen Unterkünften bekommt man eine sogenannte KONUS-Gästekarte, mit der man für die Zeit des Aufenthaltes Busse und Bahnen in der gesamten (!) Region Schwarzwald kostenlos nutzen kann.

Beste Jahreszeit

Der Herbst ist zweifelsohne eine tolle Jahreszeit für den Albsteig im Schwarzwald, wobei das ja irgendwie auf so ziemlich alle Wanderwege zutrifft, die mit Wäldern zu tun haben. Insgesamt ist die Zeit von April bis Oktober wohl am besten geeignet, da es im Winter insbesondere auf den schmalen Steigen in den Schluchten ziemlich glatt und rutschig werden kann. Außerdem herrscht im Gebiet des Feldbergs dann Wintertrubel. Wer im Winter auf dem Weg unterwegs sein will, sollte auf jeden Fall gute Grödel und ggf. Wanderstöcke dabei haben.

Unterkünfte und Camping

Ich habe meine Unterkünfte ziemlich spontan übers Internet gebucht. Je nach Etappenplanung und Jahreszeit hat man hierfür mehr oder weniger Auswahl, die von Campingplätzen und kleinen Pensionen bis zu größeren Hotels reicht.

Eine tolle Sache am Albsteig Schwarzwald ist, dass man diesen auch mit Zelt bestreiten kann. Zum einen gibt es ganz neu seit 2020 drei buchbare Trekkingcamps entlang des Weges: Camp Windberg, Camp Steinbruch und Camp Felsenhalde. Gebucht werden können diese von Mai bis Oktober. Jedes Camp verfügt über maximal drei Zeltstellplätze und die Übernachtung kostet 10 Euro pro Zelt  und Nacht. Daneben kann man auch an sogenannten Trekking-Stützpunkten (Haus am Kreuzbühl, Zeltplatz am Albsee und an der Albtalhalle Immeneich) sein Zelt aufschlagen.

Natur und Tierwelt

In den Schluchten und auf den Hochebenen des Südschwarzwalds haben viele seltene und oftmals geschützte Pflanzen- und Tierarten einen geeigneten Lebensraum gefunden. Von Orchidee bis Biber, von Wespenbussard bis zur Aspisviper. Und Gämsen, die man eigentlich eher aus den Alpen kennt, gibt es im dort auch! Die wurden zwar künstlich in der Region angesiedelt, fühlen sich nun aber ziemlich wohl dort. Entlang des Albsteigs hat man besonders rund um Schachen zu Beginn der Tour gute Chancen darauf, sie zu sichten.

Ansonsten fand ich die Laubwalddichte vor allem auf der ersten Hälfte des Weges für Schwarzwald-Verhältnisse ziemlich hoch (vielleicht kam mir das aber auch nur durch die leuchtende Herbstfärbung der Blätter so vor). Außerdem hab ich nicht nur eine, sondern gleich drei Wasseramseln beobachten könnten (eine pro Tag! Verrückt…). Entlang der Flussläufe lohnt es sich also auf jeden Fall, die Augen nach diesen ziemlich coolen Vögeln offenzuhalten.

Schwierigkeit

Der ein oder andere Steile Anstieg war dabei, aber alles in allem gibt’s auf der Route keine größeren Schwierigkeiten zu bewältigen, zumal man die Etappen gut an das persönliche Fitnesslevel anpassen kann.

Orientierung

Der Albsteig Schwarzwald ist ganz hervorragend als solcher ausgeschildert, und zwar mit dem Logo des Weges auf weißem Grund. Zudem gibt es sehr regelmäßig Wegweiser mit Standort- und Entfernungsangaben und auch Umleitungen (zum Beispiel wegen Forstarbeiten) sind ausgeschildert.

Mein Tipp

Zur Sicherheit und einfach zur besseren Orientierung unterwegs ist es immer und überall gut, die Route auf dem Smartphone dabei zu haben. Dafür findest du hier den kompletten Albsteig als GPX-Track auf Komoot, den du dir übrigens auch als Vorlage abspeichern und so individuell deine Etappen planen kannst.

Aber Achtung: Handyempfang kann in der Region und insbesondere in den Talbereichen und Schluchten, durch die man immer wieder wandert, Mangelware sein. Daher macht es Sinn, sich die Route zur Offline-Nutzung herunterzuladen. In der Premium-Version von Komoot ist die Offline-Nutzung weltweit inklusive. Ohne Premium kann man zu diesem Zweck einzelne Karten oder das Welt-Paket kaufen. Und in der komplett kostenlosen Version der App ist immerhin eine Region inklusive.

Varianten / Verlängerungen

Wer noch länger in der Region unterwegs sein will, hat diverse Möglichkeiten, den Albsteig mit anderen Wanderrouten zu verbinden. So kann man zum Beispiel von Sankt Blasien aus auf anderem Weg wieder bis zurück zum Ausgangspunkt nach Albbruck wandern, anstatt den Bus zu nehmen. Hierfür nutzt man erst den Mittelweg und dann den Wolfssteig (mehr Infos dazu gibt es hier). Alternativ kann man von der Feldberg-Passhöhe auf den Westweg wechseln, den es übrigens bereit seit dem Jahr 1900 gibt und der damit der erste Fernwanderweg im Schwarzwald war.  Und auch der eindrucksvolle Schluchtensteig kreuzt bei Sankt Blasien den Wegverlauf des Albsteigs!

Gepäckservice

Wer keine Lust oder nicht die körperlichen Voraussetzungen hat, sein Gepäck selbst zu tragen, kann auf dem Albsteig Schwarzwald einen Gepäckservice in Anspruch nehmen.

Mehr Infos

Es gibt eine ausführliche, offizielle Webseite zum Albsteig Schwarzwald, auf der es viele weitere Infos und Tipps sowie aktuelle Nachrichten zu Wegsperrungen o.ä. gibt.

 


Warst Du auch schon mal auf dem Schwarzwälder Albsteig unterwegs? Oder hast Du noch Fragen zum Weg? Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

2 Comments

  1. Ich glaube, Du hast Ost und West verwechselt.
    Einen schōnen Abschnitt hast Du leider verpasst, den Hōhenweg oberhalb von Bernau, aber klar, bei dem Wetter.
    Der Schwarzwald ist übrigens auch sehr brauchbar fur Tagestouren.
    Wann kommt eigentlich endlich mal der Skandinavienbericht, oder willst Du die Erinnerungen daran am liebsten verdrāngen?

  2. Hey Kathrin,

    freu mich sehr über deinen Bikepacking-Artikel. Hab ihn sehnlichst erwartet :)

    Aber an dieser Stelle noch mal zum Thema Wandern im Schwarzwald – als kleiner Tipp:
    Der Zweitälersteig (https://www.zweitaelersteig.de) – 5 Etappen, 106 km, 4.120 Höhenmeter.
    Meine Heimat :) Falls es dich mal dorthin ziehen sollte, kommste rum.

    LG,
    Claudi

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