Im Alleingang nach Irland und Schottland (Mädls-Edition)

Immer wieder werde ich von Lesern und vor allem Leserinnen gefragt, ob sie es denn wohl wagen könnten, als Frau alleine nach Irland oder Schottland zu reisen. Ob es denn sicher sei, ob mir dort irgendwas schlimmes passiert wäre, ob man dort leicht alleine wandern kann usw. Und natürlich hab ich mir diese Frage damals auch irgendwie gestellt und nach Erfahrungsberichten im Internet gesucht.

Das Problem an diesen Erfahrungssuchen im Internet ist ja aber leider, dass überdurchschnittlich viele Menschen sich nur dann zu Wort melden, wenn sie negative Erfahrungen gemacht haben. Und das verzerrt das Bild ungemein. Bevor ich diesen Artikel begonnen habe, hab ich auch nochmal den Test gemacht: Bereits nach wenigen Minuten hatte ich zahlreiche Geschichten über ausgeraubte Wanderer, sexuell belästigte Tramperinnen, verprügelte Dublin-Besucher und vieles mehr gelesen und mich kurzzeitig gefragt, wie ich es überhaupt wagen konnte, allein in diese schrecklich gefährlichen Länder zu reisen.

Ich war bereits zweimal in Irland und einmal in Schottland allein unterwegs: Bin mit dem Mietwagen kreuz und quer durch die Gegend gefahren, hab alleine wild gezeltet und zahlreiche Wanderungen unternommen. Was ich dabei erlebt, oder auch nicht erlebt habe, davon werde ich Dir nun berichten.

Allein am Barley Lake, Irland

Städtereise oder Landflucht?

Grundsätzlich hängt Deine Sicherheit natürlich stark davon ab, was Du in Irland oder Schottland tun möchtest. Dass die Gefahr auf Übergriffe durch andere Menschen (in welcher Form auch immer) in der Stadt deutlich höher ist als irgendwo auf dem Land, liegt in der Natur der Sache. Ich habe mich auf meinen Reisen hauptsächlich auf dem Land bewegt und größere Städte kaum betreten. Deswegen kann ich hier zu Dublin, Glasgow und Co. leider (noch) nicht viel sagen.

In den kleinen Dörfern auf dem Land hatte ich jedenfalls nicht ein einziges auch nur irgendwie unangenehmes Erlebnis! Keine dummen Anmachen (was selbst in einer ach so feinen Stadt wie München an der Tagesordnung ist), keine dunklen Gestalten in Gassen, kein gar nichts. Die Menschen waren durchgehend freundlich, hilfsbreit und höflich. Egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich.

Mietwagen, Öffis oder Trampen?

Wie Du Dich innerhalb von Irland oder Schottland fortbewegst, hat ebenfalls entscheidenden Einfluss auf potenzielle Gefahren. Wenn Du viel wandern, die schönsten Orte sehen und flexibel sein möchtest, fallen die öffentlichen Verkehrsmittel schon mal per se sowieso raus.

Trampen kann seinen ganz eigenen Reiz haben (nicht nur finanziell), aber natürlich ist die Chance hier auch besonders groß, dass Du in eine unangenehme oder gefährliche Situation kommst. (Viele Tipps und Infos rund ums Trampen findest Du übrigens auf der Webseite von Bloggerkollege Bruder Leichtfuss!) Abgesehen vom Sicherheitsrisiko sind Irland und Schottland für Tramper übrigens sehr gut geeignet. Die „Mitnahmebereitschaft“ ist deutlich ausgeprägter als zum Beispiel in Deutschland.

Die mit Abstand sicherste (und beste!) Art zu Reisen ist in Irland und Schottland definitiv der eigene Mietwagen. Nicht nur, weil es keine Mitfahrer gibt (zumindest solange Du es nicht willst), sondern auch, weil Du Wartezeiten an Bushaltestellen und Bahnhöfen vermeidest. Falls Du Dir Sorgen um den drohenden Linksverkehr machst, lies doch mal meinen Artikel mit vielen Tipps & Tricks für das erste Mal Autofahren im Linksverkehr.

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Hotel, Hostel oder Zelten?

Ich habe in Irland und Schottland ausschließlich im Hostel oder Zelt (Campingplatz und Wildzelten) übernachtet. Im Hostel habe ich regelmäßig sogar ein eigenes Zimmer zugeteilt bekommen, anstatt zu irgendwelchen anderen Gruppen oder (allein)reisenden Jungs/Männern gesteckt zu werden. In einem Hostel in Thurso ganz oben im Norden von Schottland z.B. gab es einige 6er-Zimmer, die nicht nach Geschlecht getrennt waren. Neben mir waren noch zwei alleinreise Typen im Hostel, die sich ein 6er-Zimmer geteilt haben, während ich ein ganzes Zimmer für mich alleine hatte. Mir hätte es zwar andersrum auch nichts ausgemacht, aber ich hatte natürlich auch nichts dagegen!

Auf Campingplätzen und beim Wildzelten hatte ich ebenfalls niemals Probleme. Wildzelten ist wahrscheinlich sowieso die allersicherste Art, zu übernachten. Ich glaube, abgesehen von Wetterumschwüngen gibt es wenig sicherere Orte auf der Welt als irgendeinen Hügel inmitten der schottischen Highlands! Tipps für Deine erste Nacht alleine in der Wildnis findest Du übrigens hier.

Ansonsten sind in Irland und Schottland natürlich noch die Bed and Breakfast-Unterkünfte sehr verbreitet. Ich hab tatsächlich nie in einem übernachtet, kann mir aber nur schwer vorstellen, dass diese oft so liebevoll hergerichteten Unterkünfte von einem Massenmörder betrieben werden.

Alleine Wandern

Auf meinen Wanderungen in Irland und Schottland bin ich grundsätzlich wenig Menschen begegnet. Diejenigen, denen ich begegnete, wechselten ein paar nette Worte mit mir und liefen dann weiter ihres Weges. Immer wieder begegnete ich auch einheimischen Bauern, die mir oft ein bisschen was über die Gegend erzählten oder mir Tipps für die Route gaben. Zugegebenermaßen ungefragt, aber die freuen sich eben auch, wenn mal jemand vorbei kommt. Unwohl oder irgendwie bedrängt fühlte ich mich nie.

Ansonsten gelten hier für Frauen wie für Männer gleichermaßen die grundsätzlichen Regeln und potenziellen Gefahren des Alleine-Wanderns. Die liegen aber eher in plötzlichen Wetterumschwüngen, unpassender Kleidung oder mangelnder Navigationskenntnis begründet.

Die größte Gefahr besteht hier wohl noch darin, dass Dein Auto am Parkplatz aufgebrochen werden könnte. Hier und da liest man an Wanderparkplätzen entsprechende Warnungen. Nimm Deine Wertsachen nach Möglichkeit mit auf die Wanderung (Handy, Geldbeutel, Kamera o.ä.) und hinterlasse Pseudo-Verstecke wie z.B. das Handschuhfach geöffnet, so dass potenzielle Diebe gleich sehen, dass es nichts zu holen gibt.

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Mein Fazit

Irland und Schottland sind per se bestens geeignete Reiseziele für alleinreisende Frauen – gerade auch, wenn es vielleicht Deine erste Alleine-Reise ist. Grundsätzlich kann immer und überall was passieren. Kriminalität ist selbst auf der grünen Insel nicht unbekannt. Und natürlich sollte man die üblichen Regeln einhalten, wie z.B. keine Wertsachen unbeobachtet herumliegen zu lassen. Es gibt sicher schwarze Schafe (wie überall auf der Welt), aber grundsätzlich sind die Iren und Schotten sehr hilfsbereit, freundlich und dennoch angenehm zurückhaltend.

Du wirst immer jemanden für ein kleines Pläuschchen finden, kannst aber auch ohne Anstrengung einfach für Dich bleiben. Letzteres mag vielleicht nicht immer auf Begegnungen mit betrunkenen Halbwüchsigen in manchen Pubs zu späterer Stunde zutreffen, aber das würde ich jetzt nicht gerade als typisch irisch oder schottisch bezeichnen. Und auch hier hilft es in der Regel, den netten jungen Herren kurz und entschieden in seine Schranken zu weisen.

Wie schon zu Anfang bemerkt, habe ich keine Erfahrungswerte bezüglich größerer Städte. Wenn Du aber, und das möchte ich Dir dringend ans Herz legen, das wahre Irland/Schottland abseits der überlaufenen Knotenpunkte erkunden willst, wenn Du mit dem Mietwagen über einsame Single Track-Roads cruisen, einfach irgendwo Dein Zelt aufschlagen, Fish & Chips in einem urigen Küstenort essen und das Land viel zu Fuß erkunden willst, dann musst Du Dir nicht mehr Gedanken um Deine Sicherheit machen als in Deutschland auch. Egal ob Mann, Frau oder irgendwas dazwischen.

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Nachwort: „AlsfraualleinAAAAAAAARGH“

Eigentlich bin ich ja so gar kein Fan von diesem entsetzten „Aber als Frau allein?!“ oder dieses unsichere „Aber kann ich denn auch als Frau allein…“. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Frauen sich (zumindest auf weiten Teilen der Erde) genauso sicher oder unsicher bewegen können wie Männer. Fakt ist aber, dass sich Frauen und Männer mit (teilweise) unterschiedlichen potenziellen Gefahren auseinandersetzen müssen und sich unterschiedliche Gedanken vor und während ihren Reisen machen. So fürchten Männer vielleicht eher, von der krassesten Straßengang verprügelt zu werden, während Frauen sich über sexuelle Übergriffe von schmierig-schleimigen Taxifahrern Gedanken machen müssen. Und deshalb muss es diese „Als Frau allein-Artikel“ geben. Im Sinne der Gleichberechtigung möchte ich an dieser Stelle allerdings für mehr „Als Mann allein“-Artikel plädieren!

 


Warst Du auch schon mal allein in Schottland oder Irland unterwegs? Was hast Du für Erfahrungen gemacht? Oder würdest Du gerne mal dorthin und bist Dir noch unsicher? Welche Länder kannst Du sonst für alleinreisende Frauen empfehlen? Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

 

7 Kommentare

  1. Liebe Kathrin,
    toller Artikel, vielen Dank dafür! Ich plane gerade meinen 2-Wöchigen Roadtrip durch Irland im Juli – ich werde im Bus schlafen oder zelten und bin das erste mal so richtig alleine unterwegs.
    Ich freue mich aber ein bisschen Schiss hab ich schon.
    Dank deines Berichtes bin ich mir aber eigentlich sicher, dass das super wird. Jetzt hüpfe ich mal schnell rüber zu deinen Tipps für die erste Nacht – die kann ich bestimmt gut gebrauchen.
    Ganz liebe Grüße Julia

    • Fräulein Draußen Antworten

      Hi Julia,

      das freut mich sehr! Ein bisschen Schiss gehört ja dazu, aber der ist spätestens am zweiten Tag dann auch schon verflogen. Versprochen. 😀 Gib doch mal Bescheid, wie es Dir gefallen hat!

      Liebe Grüße und eine tolle Reise
      Kathrin

  2. Pingback: Outdoor Ziele in Europa – Die besten Tipps für Aktiv-Reisende - a daily travel matea daily travel mate

  3. Liebes Fräulein Draussen,

    ich bin gerade dabei meinen ersten Urlaub alleine zu planen. Ich konnte mich nicht zwischen Irland und Schottland entschieden und habe dann diesen tollen Blog gefunden. Und lese jetzt gerade einen Eintrag nach dem anderen. 🙂
    Irland wird es werden, dann muss ich mindestens nicht mit der Währung herum rechnen. Ist wahrscheinlich so schon aufregend genug 😉
    Im August werde ich dann für ca. 2 Wochen dort sein. Hoffentlich fühle ich mich nicht einsam in dieser doch langen Zeit.

    Danke für deine tollen Berichte, es ist wirklich sehr viel interessantes für mich dabei 🙂

    Liebe Grüße
    Daniela

    • Fräulein Draußen Antworten

      Liebe Daniela,

      super, das freut mich. 🙂 Was hast du denn so geplant für die zwei Wochen? Wenn Du dich zwischendurch mal ein bisschen einsam fühlen solltest, ist das ganz normal. Das wichtigste ist, das so zu akzeptieren, sich nicht deswegen unter Druck zu setzen und einfach darauf zu vertrauen, dass das spätestens am nächsten Tag schon wieder ganz anders aussehen wird.

      Liebe Grüße
      Kathrin

  4. Hallo Kathrin,

    sehr schöner Beitrag! Ich war vor kurzem, leider nur sehr kurz, in Schottland und kann bestätigen, dass die Schotten sehr hilfsbereit und freundlich sind. Ich habe ein paar Tage in Edinburgh verbracht und habe mich kein einziges Mal unwohl oder in einer unangenehmen Situation wieder gefunden. Die Stadt ist sehr übersichtlich und einfach wunderschön mit ihrem ganz besonderes schottischen Charme! Definitiv einen Besuch wert! 🙂

  5. Hallo liebe Kathrin,

    ich bin gerade über deinen Eintrag gestolpert und muss sagen, dass er mir gerade ein paar Ängste genommen hat. Ich fange gerade an meine erste Reise allein zu planen und habe mir als Ziel Irland herausgesucht. Kannst du mir ein paar Sehenswürdigkeiten empfehlen, die man unbedingt gesehen haben muss? Ich wäre auch nicht abgeneigt, wenn du mir eine grobe Route empfehlen würdest. Habe ca. 4 Wochen für Irland eingeplant und habe noch keinen richtigen Reiseplan.

    Persönlich war ich für mehrere Monate in Glasgow arbeiten. War im Land viel unterwegs und habe natürlich auch Edinburgh kennengelernt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich nie Probleme hatte und auch nicht belästigt worden bin. Meine Gastmama bat mich immer nur, dass ich nicht allein nach Hause laufen und bei Problemen immer ein Taxi rufen soll. Der Grund war dafür, dass meine Gastmama in einem Randbezirk wohnt und man ca. 1 Stunde durch teilweise düstere Straßen laufen musste. Wenn man diesen Tipp befolgte, hatte man nie Probleme.

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