Jetzt kann ich’s ja mal sagen: Eigentlich wollte ich nach der Chillout-Woche in Wales mit den Liebsten von Anidenkt, Seiltanz, takeanadVANture und Coconut Sports den Cape Wrath Trail in Schottland in Angriff nehmen. In ca. drei Wochen quer durch die schottische Pampa, zusammen mit einer Holländerin, die ich auf dem Bibbulmun Track kennengelernt habe.

Eine Woche vor Abreise nach Wales habe ich mich aber dazu entschieden, diesen Plan nicht in die Tat umzusetzen. Der Grund dafür war, dass ich immer noch mit leichten Knieproblemen zu kämpfen hatte, die durch den „härtesten Trek Großbritanniens“ vermutlich nicht gerade besser geworden wären. Die Unsicherheit war mir einfach zu groß für ein solches Vorhaben.

So ganz ohne Trekkingkilometer und Nächte im Zelt wollte ich mein Lieblingswanderland dann aber auch nicht verlassen, und bestieg ich einen Zug Richtung Windermere, während der Rest der Reisecrew sich wieder auf den Weg in die Heimat machte.

Windermere, das liegt in einer Gegend, die ich damals auf meiner 3-monatigen Fernwanderung durch Großbritannien nur von der Ferne aus sehen konnte. Aber auch vom Pennine Way aus sahen die Gipfel von Englands größtem Nationalpark schon ziemlich verlockend aus. Und genau diese Gipfel (und alles drumherum) wollte ich auf einer 8-tägigen Trekkingtour durch den Lake District nun endlich genauer kennen lernen.


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The Mountains are calling and… naja, ihr wisst schon

Die ersten Wandermeter vom Startpunkt in Windermere führten mich zum Orrest Head, einem kleinen Aussichtspunkt, von wo aus ich die Objekte meiner Begierde bereits bestens sehen konnte.  Höhemeter gab es an diesem ersten Tag allerdings vor allem in Form des hügeligen Farmlandes rund um Lake Windermere, seines Zeichens übrigens größter See Englands.

Damit war die erste Etappe ideal für ein bisschen Einlaufen und Ankommen im britischen Trekkingalltag. Und das tat ich mit jedem Gatter, dass ich hinter mir schloss (etwas, was man beim Wandern in Großbritannien übrigens relativ häufig tut), mit jedem Bauern, dem ich einen guten Morgen wünschte und mit jedem Schaf, das meinen Weg kreuzte (oder ich seinen, je nachdem).

Die Nacht verbrachte ich im Hostel in Elterwater und als der Besitzer mich am nächsten Tag fragte, wohin ich dann wandern würde, gab es nur eine Antwort: „Into the hills!“ Konkreter hätte ich zu diesem Zeitpunkt aber auch gar nicht werden können, denn zum einen habe ich ein äußerst schlechtes Gedächtnis, was Ortsnamen angeht, und zum anderen wollte ich mich ab Elterwater auch gar nicht mehr sehr festlegen, was meine Route, die Übernachtungen usw. angeht. Das hatte dann auch zur Folge, dass ich die Route aus dem Wanderführer direkt mal über den Haufen warf und mir mithilfe meiner Kartenapp eine Alternative zusammenbastelte, die mich auf anderem Wege zum Old Man of Coniston, dem ersten Gipfel meiner Wanderung, führen sollte.

Ein Unterfangen, dass in Großbritannien nicht immer ganz so einfach ist, denn nicht jeder Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist, ist auch wirklich einer – und so war es auch in diesem Fall. Gut zu finden war er trotzdem, nicht nur dank GPS-Funktion meiner Ordnance Survey-App, sondern auch weil er auf einem Grat entlang führte und es somit wenig Alternativen gab.

Die ersten richtigen Höhenmeter mit meinem eventuell etwas zu voll geladenen Rucksack („Ooooch, ist ja nur ne kurze Tour, kann ich doch auch mal das große Stativ einpacken und das bequeme Kissen und noch eine extra Powerbank und….“), noch dazu querfeldein, hatten es ganz schön in sich und waren einer der Momente, die man gerne mal am zweiten Tag einer Trekkintour erlebt, wenn die unverbrauchte Frische des ersten Wandertags verflogen ist und die Gewohnheit noch nicht eingesetzt hat. Einer dieser Momente, in denen man sich die Frage stellt: „Wieso genau mache ich das nochmal freiwillig?“ …und in meinem Fall noch hinterher: „Wie zum Henker konnte ich eine solche Schinderei mehrere Monate am Stück durchstehen?“

Die Antwort auf diese Frage ließ nicht lange auf sich warten. Als ich mich für eine erste kleine Pause auf einen Stein setzte, die Schuhe auszog und meinen Blick über die unwirklich schöne Landschaft um mich herum wandern ließ, wusste ich (wieder) wieso. Die britischen Berge gehören einfach zu den Dingen, die ich mir kaum schöner vorstellen kann und deren Anblick mich nicht nur umgehend glücklich macht, sondern auch diesen Drang nach Abenteuer und ein sofortiges Gefühl von Freiheit in mir hervorruft.

Von Höhen und Tiefen

Höhen und Tiefen, die gibt es im Lake District reichlich. 978 Meter ragt der Berg Scafell Pike in die Höhe – in England gibt es keinen, der höher ist. Gleichzeitig gibt es hier mit Wastwater auch den tiefsten See im Land. Zwischendrin liegt ein munteres Auf und Ab aus Wasser, Wiesen, Wäldern und Gestein. Die typisch britische, schroffe und gleichzeitig unaufgeregte Bergwelt ergänzt sich perfekt mit den grünen Tälern und tiefblauen Seen.

Als Wanderer kann man nun entscheiden, ob man lieber von den Berggipfeln aus die Landschaft oder von den Tälern aus die Bergwelt bewundern will. High Route oder Low Route, das ist hier die Frage. Mein Wanderführer, dem ich trotz der ein oder anderen Variation doch im Großen und Ganzen folge, gibt für die meisten Etappen zwei Alternativen an. Und für mich steht von Anfang an fest: Hoch hinaus, wann immer es geht! Allein schon, weil alles andere auch einfach eine ziemliche Verschwendung für das hartnäckig gute Wetter wäre, welches man so nur selten an einem Ort wie dem Lake District hat. Immerhin gibt es hier mitunter den meisten Regen in ganz Großbritannien.

Nur am dritten Trekkingtag, als  mich der Weg über ebenjenen Scafell geführt hätte, lagen alle Berge vormittags hinter einer dichten Wand aus Nebel und Wolken, sodass ich mich gegen die beschwerliche Variante mit vielen Höhenmetern und für die Route durchs schöne Eskdale entschied. Der Vorteil daran war vor allem, dass ich so am Woolpack Inn und seinem äußerst leckeren Essen vorbeikam.

Und spätestens als ich mir die vielleicht besten Pommes der Welt in den Mund schob, wurde mir bewusst, dass es gerade diese Mischung aus beiden Welten ist, die den Lake District und meine Tour so besonders macht. Dass ich nach einem Wandertag in rauer Bergwelt und einer einsamen Nacht im Zelt am nächsten Vormittag von den Bergen hinunter ins Tal steigen kann, wo Pommes und Cola und ein plätschernder Bach mit grünen Wäldern auf mich warten, nur um anschließend wieder auf einsamen Pfaden das Weite zu suchen und mein Zelt am nächsten wundervollen Ort aufzubauen. Dass ich nach einem besonders langen Tag über drei Gipfel und nach einem kräftezehrenden Abstieg meine müden Füße in das eisige Wasser des Buttermere tauchen und durch kühle Wälder am Seeufer zu meiner Unterkunft für die Nacht laufen kann, nur um am nächsten Morgen wieder voller Vorfreude den nächsten Pass zu erklimmen. Das finde ich großartig.

Höhen und Tiefen, die gibt es im Lake District aber nicht nur in Form von Bergen und Tälern. Wenn es schüttet wie aus Eimern, wenn die Wolken auch das letzte bisschen Aussicht hartnäckig verdecken oder wenn der Schuh bei einem falschen Tritt im Matsch versinkt, dann kann dieser Ort kann selbst die routiniertesten Wanderer auf die Probe stellen. Und gerade deshalb fasse ich es auch jetzt noch nicht so ganz, wie viel Glück ich auf meiner Tour hatte. Ich musste sage und schreibe nicht einmal meine Regenjacke anziehen, konnte in der Sonne liegen so oft und so viel ich wollte… ja, manchmal war es sogar schon fast zu warm und sonnig, sodass ich mir einen erfrischenden Regenschauer geradezu herbeigewünscht hätte (das darf ich allerdings nicht zu laut sagen).

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Die Wahl der Wanderschuhe im Lake District hängt sehr von der Jahreszeit, dem Wetter und der Routenplanung ab. Ich war auf meiner Trekkintour mit den Innox GTX Mid Ws von Lowa unterwegs, die in Anbetracht des warmen, trockenen Wetters und des unterschiedlichen Terrains ideal waren. Allerdings muss man bei leichten Textilschuhen auch mal nasse Füße in Kauf nehmen, wenn der Weg viel über feuchten Untergrund führt oder es stärker regnet. Falls Du das vermeiden willst, solltest Du lieber auf etwas robustere Lederschuhe zurückgreifen, wie z.B. den Lowa Renegade.

 

 

Mein Fazit zum Trekking im Lake District Nationalpark

„Der englische Wandertraum“ heißt es in der Überschrift – und genau das war diese Tour. Es war alles perfekt, fast schon unglaublich perfekt, traumhaft eben.

Die Landschaft im Lake District ist wunderschön mit der Mischung aus rauer Bergwelt, grünen Tälern, kleinen Dörfchen und natürlich den tiefblauen Lakes. Neben Orten wie Keswick oder Windermere, die voll auf den Tourismus eingestellt sind, fühlt sich der Großteil des Lake District sehr ursprünglich und einfach typisch englisch an. Mit Cottages wie aus dem Bilderbuch, grünem Farmland und natürlich den obligatorischen Pubs in jedem noch so kleinen Ort.

Gleichzeitig ist der Draußen-Spirit in jedem Winkel des Lake District spürbar. Es gibt Outdoorläden an jeder Ecke, gefühlt alle Menschen Wandern, fahren Rad, paddeln das Kanu über die Seen oder klettern an Felswänden herum und vor Cafés weisen Schilder darauf hin, dass „muddy boots welcome“ sind. Und trotzdem fühlt sich das alles nicht übertrieben an (von der Fußgängerzone in Keswick vielleicht mal abgesehen, in der gefühlt jedes zweite Geschäft eines für Outdoorausrüstung ist). Es gibt gut ausgeschilderte und präparierte Wanderwege, genauso aber viele Wanderrouten, die kaum oder gar nicht als solche erkennbar sind und auf denen man durchaus auf Karte und Kompass bzw. GPS angewiesen ist.

Alle Infos zur meiner Lake District Trekkingtour

Die Etappen im Überblick

Tag 1 – Windermere bis Elterwater (keine Routenalternative)

Länge: 18,5 km, 605 hm

Beschreibung: Diese Etappe ist ideal zum Einlaufen für die restliche Tour geeignet. Größtenteils über Farmland und kleine Hügel geht es zuerst bis nach Ambleside am Ende des Lake Windermere – der letzte größere Ort für die nächsten Tage – und von dort weiter ins kleine Örtchen Elterwater.

Übernachtung & Verpflegung: Übernachtet habe ich hier in einem Einzelzimmer im Elterwater Hostel, wo man wie in fast allen Hostels in Großbritannien auch Frühstück und/oder Abendessen buchen kann. Ansonsten ist aber auch ein Pub nebenan und ein kleiner Supermarkt ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt. In diesem Supermarkt habe ich mich dann auch nochmal mit Verpflegung für 3 Tage eingedeckt – etwas zu viel, wie sich später herausstellen sollte, aber ich wollte flexibel bleiben und mich nicht nach Supermärkten und deren Öffnungszeiten richten müssen.

Tag 2: Elterwater bis Eskdale (High Route mit Variante)

Länge: 28 km, 1.122 hm

Beschreibung: Der erste Gipfel der Tour! Der Wanderführer schlägt vor, von Elterwater erst nach Coniston und dann von dort auf dem Normalweg auf den Old Man of Coniston zu steigen. Ich bin stattdessen über Little Langdale über die Wet Side Edge zum Gipfel gelaufen. Von dort aus wieder wie im Wanderführer beschrieben meist weglos und etwas sumpfig hinunter zum Sethwaite Tarn.

Übernachtung: Wildzelten in der Nähe von Sethwaite Tarn einige Kilometer vor Eskdale

Tag 3: Eskdale bis Wasdale Head (Low Route mit Variante)

Länge: 17 km; 439 hm (für meine Route)

Beschreibung: Von meinem Übernachtungsplatz beim Sethwaite Tarn ging es weiter meist weglos über Moor- und später Farmland bis zum Hardknott Pass, einer einspurigen Passstraße, die als steilste in Großbritannien gilt. Die High Route führt von hier aus bis und über Scafell Pike, den mit 977 Metern höchsten Gipfel Englands, nach Wasdale Head. Leider hingen genau an diesem Vormittag dann doch mal dichte Wolken in den höheren Lagen, weshalb ich mich dazu entschieden habe, die Anstrengung nicht zu riskieren. Stattdessen bin ich der Low Route gefolgt, mit Mittagessen im überaus leckeren Woolpack Inn im Eskdale. In Eskdale Green gab es dann mit kleinem Umweg auch nochmal einen Supermarkt. Ein Stück nach Eskdale Green habe ich die Route wieder verlassen und bin auf einen Bridle Way in Richtung Wasdale Head abgebogen, der zum wunderschönen Burnmoor Tarn führt. Eine verdammt gute Entscheidung, dieser Weg war definitiv eines der Highlights meiner Tour. Der Bridleway ist übrigens größtenteils ausgebaut und gut zu gehen, laut Schildern sind auch nochmal Instandhaltungsmaßnahmen geplant.

Übernachtung: Wildzelten am Burnmoor Tarn einige Kilometer vor Wasdale Head

Tag 4: Wasdale Head bis Buttermere (High Route)

Länge: 15 km, 1.156 hm

Beschreibung: Auf dieser Etappe waren wieder Gipfel angesagt, und zwar drei an der Zahl! Great Gable ist einer der besten Aussichtspunkte im Lake District, denn er bildet quasi das Zentrum und ist auch nur rund 80 m niedriger als der benachbarte Scafell. Der Anstieg ist relativ steil und geröllig, aber einmal oben angekommen ist das alles dank dem Panorama (sofern man denn eines hat) schnell vergessen. Von dort aus geht es weiter zum benachbarten, deutlich kleineren Green Gable und über weitläufige Hochebenen zum markant aussehenden Haystacks, der eigentlich nicht aus einem, sondern aus ganz vielen kleinen Gipfeln besteht. Von hier aus führt der Weg nur noch bergab, anfangs muss man dafür an der ein oder anderen Stelle die Hände zur Hilfe nehmen. Unten angekommen steht man direkt am Ufer des wunderschönen Sees Buttermere, um den man einmal halb herumlaufen muss, um zum gleichnamigen Ort zu kommen.

Unterkunft & Verpflegung: Übernachtung im YHA Buttermere, wo es auch Frühstück und Abendessen (und Pizza!!) gibt; Pubs im Ort, aber kein Supermarkt

Tag 5: Buttermere bis Keswick (keine Routenalternative)

Länge: 15 km, 450 Höhenmeter

Beschreibung: Von Buttermere aus wandert man durch ein ziemlich einsames, stetig ansteigendes Tal bis zum Rigg Beck, von wo aus wieder abgestiegen wird. Diesen Abschnitt fand ich wunderschön. Später folgt man kleineren Straßen und dem Cumbria Way bis Portinscale und Keswick, dem ersten größeren Ort seit Ambleside.

Übernachtung & Verpflegung: In Keswick gibt es jede Menge Auswahl, was Übernachtung und Verpflegung angeht. Ich habe im Glendale Guest House übernachtet.

Tag 6: Keswick bis Grasmere (High Route)

Länge: 25 km, 815 hm

Beschreibung: Von Keswick aus müsste man eigentlich einige Kilometer auf dem Weg vom Vortag zurücklaufen. Ich habe das umgangen und bin für ein paar Pfund mit der Fähre von Keswick zur Haltestelle Hawse End am Westufer des Derwent Water gefahren (morgens gibt es eine extra Fähre für Wanderer, die ohne Umweg dorthin fährt. Hier findest Du den Zeitplan für die Fähren). Von dort aus ging es weiter am See entlang Richtung Süden und auf relativ ebenen und einfachen Wegen bis ins kleine Örtchen Rosthwaite. Etwas nach Rosthwaithe geht es stetig aufwärts bis auf den Sattel Greenup Edge. Hier führt übrigens auch die Coast to Coast-Wanderung entlang und ich habe unterwegs gleich mehrere Fernwanderer getroffen. Ab dem Sattel geht es nur noch bergab bis in den Ort Grasmere.

Unterkunft & Verpflegung: Ich habe während des Abstiegs von der Greenup Edge mein Zelt aufgeschlagen. In Grasmere gibt es aber auch einige Unterkünfte sowie Cafés und Geschäfte.

Tag 7: Grasmere bis Patterdale (Low Route)

Länge: 12,5 km, 635 Höhenmeter

Beschreibung: Die High Route und die Low Route verlaufen an diesem Tag fast ähnlich, nur das erstere den Gipfel von Helvellyn, dem dritthöchsten Berg im Lake District mitnimmt und die Low Route am Berg vorbei führt. Ich habe mich während des Aufstiegs zum Grisdale Tarn – dem Punkt, an dem man sich für eine Route entscheiden muss – nicht sonderlich fit gefühlt und mich daher für die einfachere Variante entschieden. Die Gegend rund um Helvellyn ist aber wunderschön und der (mitunter ziemlich steil aussehende) Aufstieg lohnt sich bestimmt. Ich hab es dafür ziemlich genossen, einfach mal in Ruhe und auf ausgebauten Wegen vor mich hin zu wandern und ausgiebige Pausen zu machen.

Unterkunft & Verpflegung: Übernachtung im YHA Buttermere mit Verpflegung. Im Dorf gibt es auch einen Pub und einen kleinen Laden.

Tag 8: Patterdale bis Windermere (High Route)

Länge: 23 km, 1.015 hm

Beschreibung: Die High Route von Patterdale zurück zum Ausgangspunkt ist ein würdiger Abschluss der Tour, der es aber auch nochmal ordentlich in sich hat. Entlang von Bergrücken geht es langsam aber stetig steigend mit einigen Gegenanstiegen bis auf 800 Meter hoch und von dort streckenweise ziemlich schnellsteil wieder abwärts. Theoretisch kann man nach Thronthwaite Crag auch noch „ein paar“ Höhenmeter mehr machen und auf dem Grat weiter über von Gipfel von Ill Bell wandern. Ich habe kurz darüber nachgedacht, dann hat sich die Erschöpfung bedingt durch die letzten 7 Wandertage aber doch dagegen entschieden.

Alles was Du sonst noch zur Tour wissen musst

Beste Reisezeit für den Lake District

Die beste Reisezeit für den Lake District sind – wie eigentlich für ganz Großbritannien – die Monate Mai und Juni sowie September und Oktober. Ich war Mitte Mai unterwegs und mir wurde von diversen Locals bestätigt, dass das der beste Monat ist, in dem man die größte Chance auf gutes und vor allem trockenes Wetter hat. Die kalte Jahreszeit ist hier nur was für Hartgesottene und häufig liegt Schnee, der Sommer hingegen ist oft verhältnismäßig regnerisch und zudem herrscht dann Hauptreisezeit mit entsprechendem Besucheraufkommen und erhöhten Preisen.

An- und Abreise

Für die Anreise zum Lake District hat man gleich mehrere internationale Flughäfen zur Auswahl: Sowohl Manchester als auch Edinburgh und Glasgow sind gut geeignet, je nach Abflughafen kann es sich aber auch lohnen, die etwas kleineren Flughäfen in Leeds, Liverpool oder Newcastle Upon Tyne zu checken. Von dort aus kannst Du per Zug nach Windermere fahren – Fahrzeit z.B. von Edinburgh oder Manchester ~2 Stunden mit einmal Umsteigen.

Verpflegung und Unterkünfte

Theoretisch ist die vorgeschlagene Route im Wanderführer so aufgebaut, dass sie auch ohne Zelt möglich ist. Je nach Etappe können die Übernachtungsmöglichkeiten aber sehr beschränkt und nicht für jeden Geldbeutel geeignet sein. Eine tolle Möglichkeit für Übernachtungen sind die Hostels, die es in fast jedem Ort entlang der Route gibt. Dort muss man auch nicht im Schlafsaal schlafen (auch wenn das natürlich die mit Abstand günstigste Möglichkeit ist). Ich habe mir immer ein Mehrbettzimmer alleine gemietet, was mit etwa 40-50 Pfund in der Nebensaison immer noch günstiger ist als die meisten anderen Unterkünfte. Zudem gibt es in den britischen Hostels fast immer Dry Rooms für nasse Kleidung und Ausrüstung sowie Frühstück und Abendessen. Die Hostels können allerdings auch jenseits der Hauptsaison durch Gruppen ausgebucht sein. Grundsätzlich solltest Du auf jeden Fall vorbuchen, wenn nicht im Zelt schlafen möchtest – egal zu welcher Jahreszeit. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, da man auf den meisten Etappen dann auch wenig Alternativen dazu hat.

In den meisten Orten entlang der Route gibt es zudem zumindest einen kleinen Dorfladen sowie einen Pub oder Café. Die Pubs verkaufen in der Regel übrigens auch Snacks wie Schokoriegel oder Chips und machen bestimmt auch ein Sandwich to go.

Im Wanderführer gibt es eine Tabelle mit einer Übersicht, was in den jeweiligen Orten verfügbar ist. Für die Details sowie Öffnungszeiten hilft Google Maps.

Wegführung und Schwierigkeiten

Während die Low Level Routen in der Regel über bestehende und befestigte Wege führen, sind bei den höheren Routen oft auch weglose Passagen enthalten. Hier ist gutes Orientierungsvermögen definitiv gefragt. Zudem ist für die High Level Routen Fitness und Ausdauer erforderlich, die Anstiege können mitunter relativ lang und steil sein. Ansonsten gibt es aber keine Schwierigkeiten in Form von ausgesetzten Stellen oder ähnlichem. Jeder mit entsprechender Fitness und etwas Erfahrung im Navigieren kann die Tour meistern (und wenn es doch zu anstrengend und/oder schwierig werden sollte, kann man nach jeder Etappe wieder zur Low Level Route wechseln).

Wildzelten im Lake District

Während Wildzelten offiziell nur in Schottland und nicht in England und Wales erlaubt ist, wird es im Lake District quasi offiziell gefduldet – vor allem, wenn man sich in höheren Gefilden befindet und nicht gerade im Vorgarten eines Cottages sein Zelt aufschlägt. Ich habe mehrere Leute gesehen, die sehr offensichtlich in den Bergen gezeltet und ihr Zelt sogar tagsüber stehen gelassen haben (vermutlich um auf irgendwelche Berge zu steigen). In diesem Artikel findest Du mehr Infos zum Thema Wildcampen in Großbritannien und Irland. 

Wanderführer und Karten

Ich habe bis auf einige Varianten größtenteils am Wanderführer „Tour of the Lake District“ orientiert, der diese Rundwanderung von/nach Windermere beschreibt. In diesem Wanderführer findest Du Routenbeschreibungen für High und Low Level Routen, jede Menge praktische Angaben zur Verfügbarkeit von Unterkünften usw. sowie Hintergrundinfos zu Kultur und Geschichte der Region. Der Wanderführer ist zwar schon 2007 erschienen, aber das hat mir keine Probleme bereitet.Für die Orientierung unterwegs habe ich wie schon auf meiner 3-monatigen Fernwanderung ausschließlich die Handy-App von Ordnance Survey genutzt. Hier kannst Du Dir für 3,99 Pfund ein einmonatiges Abo holen und damit alle Karten in allen Maßstäben runterladen und somit offline verfügbar machen. Da diese Karten auch in Ausschnitten im Wanderführer abgedruckt sind, kannst Du gut mit beidem arbeiten. Alternativ gibt es die Karten aber natürlich auch im Papierformat.

Achtung: Diese Variante ist niemals 100%ig sicher, denn ein Handy kann von einer Sekunde auf die andere kaputt gehen, die App irgendeinen Fehler haben oder ähnliches. Du solltest auf jeden Fall ausreichend Powerbanks dabei haben (vor allem auch wenn Du die GPS-Ortungsfunktion der App nutzt, was Du auf jeden Fall tun willst) und ein (vermeintlich) verlässliches Handy. Da man im Lake District letztendlich nie zu weit von der Zivilisation entfernt und immer irgendwann in vertretbarem Zeitrahmen auf eine Straße oder ähnliches trifft, ist das Risiko meiner Meinung nach überschaubar.

Ausrüstungstipps

Da das Terrain teilweise steil, teilweise weglos und teilweise sumpfig (oder alles zusammen) ist, solltest Du auf jeden Fall Trekkingstöcke dabei haben. Zudem kann es gerade im Frühling und Herbst noch empfindlich kalt werden, weshalb Dein Schlafsack zu dieser Zeit eine Komforttemperatur von 0 – 5 Grad haben sollte. Daneben sind mehrere Kleidungsschichten sowie Regenhose und Regenjacke auf jeden Fall und unabhängig vom Wetterbericht Pflicht.

Tageswanderungen im Lake District

Wenn Du den Lake District lieber auf Tageswanderungen erkunden willst, gibt es natürlich auch dafür schier unendlich viele Möglichkeiten und entsprechend viele Wanderführer.

Sehr praktisch sind die in High Level Walks und Low Level Walks unterteilten Wanderführer vom Cicerone Verlag, dessen Bücher ich immer gerne für meine Wanderungen in Großbritannien verwende. Von Rother gibt es zudem einen deutschsprachigen Wanderführer für Nordengland, in dem auch der Lake District vertreten ist.

Und für Fotografen spannend: „The Photographer’s Guide to the Lake District„.


Warst Du auch schon mal im Lake District beim Wandern oder Trekking und hast noch Tipps für schöne Touren und Ecken? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

6 Comments

  1. Man könnte wirklich meinen, das Wetter wurde bestellt damit du so wundervolle Bilder posten kannst Vorspielung falscher Tatsachen
    Hättest du gerne noch die Crocs eingepackt?

    Grüßle Manu

    • Fräulein Draußen Reply

      Eigentlich hat es die ganze Zeit geregnet, ich bin nur gut im photoshoppen. Der Verzicht auf Crocs ging klar, aber auch nur weil meine Schuhe immer so herrlich trocken waren! :-) Danke für die Packberatung.

  2. Pingback: WAS WAR LOS, ANNI | ÄNGSTE ÜBERWINDEN - ANNI PASTEL

  3. Oh wie schön, der Lake District! Daran denke ich auch gerne zurück, auch wenn wir nur viel kürzer Wanderungne gemacht haben.
    Als längste Tour sind wir auf den Scafell Pike gewandert. Diese weite, leere Gegend ohne Straßen, Häuser und Wälder ist schon sehr speziell. Und wir hatten auch recht gutes Wetter, was gar nicht so dem Immer-Regen-Klischee entsprach. Nur kühl und ziemlich windig war es.
    https://www.auf-den-berg.de/wandern/england/auf-den-hochsten-berg-englands-wanderung-von-great-langdale-auf-den-scafell-pike/
    Viele Grüße
    Uli

  4. Hallo Kathrin,

    ich bin über 1000 Umwege auf deinen Blog gekommen. Tatsächlich sind deine Beschreibungen wirklich hilfreich und nicht nur „es war echt schön, den Himmel müsstet ihr mal sehen…“. Ich werde mir kurzerhand den Reiseführer bestellen und dann noch diese Woche die Tour starten und die hinterherlaufen :)

    Liebste Grüße

    Martin

    • Fräulein Draußen Reply

      Hey Martin, sehr cool, dann wünsch ich Dir schon mal eine tolle Tour! :-)

      Viele Grüße,
      Kathrin

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