Die ersten Strahlen der goldenen Herbstsonne blitzten über die so typisch braungefärbten schottischen Hügel und brachten die unaufgeregte Wasseroberfläche des Kaledonischen Kanals zum glitzern. Das bereits gefallene Herbstlaub raschelte und knisterte bei jedem Schritt. Ein Graureiher flog mit lautlosen Flügelschlägen dicht über der Wasseroberfläche. Und die bunten Kanalboote lagen noch tief verschlafen und fest vertäut am Ufer.

Da war ich wieder. Auf dem Wanderweg, den ich vor zwei Tagen eigentlich verlassen hatte, um die letzte Etappe meiner Durchquerung Großbritanniens in Angriff zu nehmen. Mitten durch die Highlands bis nach John o‘ Groats, dem nordöstlichsten Punkt der Insel, sollte es gehen. Doch dann kam alles ziemlich schnell ziemlich anders als gedacht und ich beschloss, meine Wanderung etwas vorzeitig in Inverness zu beenden und statt dem Kraftakt in den Highlands lieber noch die letzten Tage in der goldenen Herbststonne entlang der schottischen Lochs und Kanäle zu genießen (nachzulesen hier). Und spätestens als ich nun wieder hier stand und diese ganz besondere und irgendwie geheimnisvolle Stimmung auf mich wirken ließ, wusste ich, dass es die richtige Entscheidung gewesen war.

Tipps und Infos für Deine Wanderung auf dem Great Glen Way

Wenn Du auch auf dem Great Glen Way durch Schottland wandern möchtest, kommen hier meine gesammelten Tipps und Erfahrungen.

Die Fakten

Der Great Glen Way ist ein offizieller Fernwanderweg in Schottland, der im Jahr 2002 eingeweiht wurde. Er ist 117 km lang und führt von Fort William bis nach Inverness. Dabei verläuft er parallel zum Kaledonischen Kanal und entlang der Seen Loch Linnhe, Loch Lochy, Loch Oich und Loch Ness. Möchte man die gesamte Wegstrecke wandern, muss man je nach Fitness und Ausdauer ca. 6 Tage einplanen.

Falls Dir 6 Tage zu kurz sind, kannst Du den Great Glen Way zum Beispiel auch als Verlängerung des West Highland Way zu nutzen, der in Fort William endet. Eine weitere Variante besteht zudem darin, einen Teil des Great Glen Way mit dem 2015 eröffneten Affric Kintail Way zu verbinden, der von Drumnadrochit in vier Tagen durch das landschaftlich sehr beeindruckende Glen Affric bis ins kleine Örtchen Morvich führt. Von dort aus gibt es Busverbindungen nach Inverness, Glasgow oder – für weitere Abenteuer in Schottland– auf die Isle of Skye.

Neben dem Wandern ist der Great Glen Way auch fürs Mountainbiken bestens geeignet. Auf zwei Rädern sollte man 3 Tage für die Strecke einplanen. Entsprechende Fahrrad-Vermietungen, die auch eine Einweg-Miete zwischen Fort William und Inverness anbieten, gibt es vor Ort.

Schwierigkeit & Orientierung

Beim Great Glen Way handelt es sich um eine verhältnismäßig einfache Wanderung, die auch für unerfahrene Fernwanderer geeignet ist. Startet man in Fort William, sind die ersten paar Wandertage sehr flach und verlaufen hauptsächlich auf gut befestigten Wegen bzw. asphaltierten Wegen entlang des Kaledonischen Kanals.

Nach dieser praktischen Eingewöhnungsphase wird es gegen Ende dann aber doch noch etwas herausfordernder: Auf den letzten beiden Etappen zwischen Invermoriston und Inverness sind längere Wegstrecken von 22 bzw. 29 Kilometern und einige steile, aber nie zu schwierige und lange Anstiege zu bewältigen.

Die Wegmarkierungen des Great Glen Way sind durchgehend gut und sich zu verlaufen ist quasi unmöglich.

Seit 2014 gibt es zwischen Fort Augustus und Drumnadrochit eine alternative Route, die höher entlang der Bergrücken am Ufer des Loch Ness verläuft. Diese sogenannte „Higher Route“ bietet mehr Ausblicke, ist aber dafür wegen der größeren Höhenunterschiede auch etwas anstrengender. Ich würde Dir auf jeden Fall empfehlen, diese Variante zu nehmen!

beste Reisezeit für den Great Glen Way

Der Great Glen Way ist das ganze Jahr über als Wanderweg geeignet. Die beste Chance auf gutes Wetter hat man in den Sommermonaten zwischen Juni und September, dann herrscht allerdings auch Hauptsaison in der Region. Eine gute Ausweichmöglichkeit sind der Oktober und der Mai. Das Wetter ist in diesen Monaten immer noch relativ stabil (wobei man in Schottland immer mit allem rechnen muss) und es sind weniger Touristen unterwegs. Außerdem umgeht man so die Midges, klitzekleine, sehr nervtötende und blutsaugende Tierchen, die vor allem in den Sommermonaten in Schottland auftreten können.

Die beste Wanderrichtung

Theoretisch kann der Great Glen Way in beide Richtungen begangen werden. Die Route von Süd nach Nord, also von Fort William nach Inverness zu wandern, bringt jedoch einige Vorteile mit sich. Zum einen sind die Wanderführer in der Regel in dieser Richtung geschrieben. Auch hat man Sonne und Wind so eher im Rücken. Zudem stellt der letzte Abschnitt zwischen Drumnadrochit und Inverness den aufgrund seiner Länge von 29 Kilometern anstrengendsten Teil des Great Glen Way dar, weshalb es sich grundsätzlich empfiehlt, diese Etappe nicht gleich auf den ersten Tag zu legen.

An- und Abreise zum/vom Great Glen Way

Sowohl der Start- als auch der Endpunkt des Great Glen Way sind sehr gut erreichbar. Inverness und Fort William sind durch öffentliche Verkehrsmitteln an die internationalen Flughäfen in Edinburgh, Glasgow und Aberdeen angebunden. Inverness verfügt zudem selbst über einen Flughafen. Vor Ort checkst Du Fahrzeiten von Bussen und Zügen am besten auf traveline.info.

Ausrüstungstipps für den Great Glen Way

An die Ausrüstung stellt der Great Glen Way keine besonderen Anforderungen, wobei wetterfeste Kleidung natürlich wie überall in Großbritannien Pflicht ist. Bei der Wahl der Wanderschuhe solltest Du kein zu festes und schweres Exemplar wählen, da der Weg stets über gut befestigte Wanderwege und oft auch asphaltierte Wege führt, auf denen eine zu harte Schuhsohle schnell unangenehm werden kann. Möchtest Du Wanderstöcke verwenden, solltest Du spezielle Aufsätze für harten Untergrund nicht vergessen.

Übernachten auf dem Great Glen Way

Du kannst sowohl ohne als auch mit Zelt auf dem Great Glen Way unterwegs sein. Ich habe während meiner Wanderung auf eine Mischung aus Camping und festen Unterkünften zurückgegriffen.

Feste Unterkünfte entlang des Great Glen Way

In Fort William und Inverness sowie Fort Augustus und Drumnadrochit stehen viele verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten zur Auswahl, von Hotels über B&Bs und Guest Houses bis hin zu Hostels.

In Gairlochy hingegen gibt es nur zwei B&Bs. Falls diese ausgebucht sind, kannst Du entweder auf einen 2 km entfernten Campingplatz oder ins 5 km entfernte Spean Bridge ausweichen. Auch in Laggan  ist die Auswahl sehr eingeschränkt – hier steht lediglich das Great Glen Hostel zur Verfügung. Als Alternative kannst Du eine leichte Abwandlung der Route wählen und über Invergarry gehen, wo es zwei Hotels, einige B&Bs und ein weiteres Hostel gibt.

Vorbuchen von Unterkünften ist vor allem für Gairlochy und Laggan empfehlenswert. Aber auch beliebte Touristenziele wie Fort William oder Fort Augustus können vor allem in der Hauptsaison stark ausgebucht sein. Je nach Reisezeit solltest Du auch hier entsprechend vorsorgen.

Great Glen Way mit Zelt

Natürlich ist es auch möglich, die Wanderung mit Zelt zu bestreiten – Wildcampen ist in Schottland erlaubt und geht entlang des Great Glen Way sogar besonders gut, denn es stehen entlang des Weges mehrere speziell ausgezeichnete Stellen fürs Wildcamping zur Verfügung. Zum einen gibt es Bereiche fürs Wildzelten an einigen Schleusen (Locks) der Kanäle. Eine Übersicht darüber findest Du hier. Hinzu kommen die Trailblazer Rests, von denen die meisten sogar eine Feuerstelle und eine Komposttoilette haben. Für letztere braucht man allerdings einen Schlüssel, den Du Dir für 10 Pfund im Corpach Sea Lock Office in Fort William leihen kannst.

Daneben gibt es auch einige richtige Campingplätze entlang des Great Glen Way, mit Duschen und allem drum und dran.

Gepäcktransport auf dem Great Glen Way

Es gibt diverse Anbieter, über die sich ein Gepäcktransport oder auch eine komplette Organisation der Wanderung buchen lässt. So kannst Du die Tagesetappen mit leichtem Tagesrucksack bestreiten, während das übrige Gepäck von einer Unterkunft zur nächsten transportiert wird, wo Du es dann abends wieder in Empfang nehmen kannst. Oft ist es auch möglich, diesen Service nur für einzelne Etappen zu verwenden, um Dir um Beispiel die etwas anstrengenderen Etappen zwischen Invermoriston und Inverness erleichtern. Eine Auswahl möglicher Anbieter findest Du hier.

Essen & Trinken

Die Verpflegung auf dem Great Glen Way ist relativ unkompliziert. Es gibt immer wieder Pubs, Restaurants und kleinere oder auch größere Einkaufsmöglichkeiten entlang des Weges.

In Fort William findest Du große Supermärkte und Outdoor-Geschäfte, die alles haben, was Dein Wandermagen begehrt. Gairlochy selbst, der erste Stopp für viele Great Glen Way-Wanderer, hat keine Geschäfte oder ähnliches, daher solltest Du Dich für diese Etappe und den Folgetag am besten in Fort William eindecken. In South Laggan gibt es Verpflegungsmöglichkeiten im Hostel und auch einen Pub. Und dann wird es auch wieder einfacher, denn in Fort Augusts und Drumnadrochit hast Du viel Auswahl und auch Invermoriston hat einen kleinen Shop.

Und dann wartet da auf der letzten Etappe zwischen Drumnadrochit und Inverness noch ein besonderes Highlight auf Dich: Ein kleines Café im Wald, das von einem sehr netten Ehepaar betrieben wird und aus nicht viel mehr als ein paar Bierbänken besteht. Hier gibt es das, was es eben gerade gibt (in meinem Fall eine ziemlich leckere Suppe mit selbst gebackenem Brot und frischem Orangensaft) und Du solltest diesem Ort auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Verfehlen geht übrigens nicht, denn diverse selbstgemalte Schilder weisen in regelmäßigen Abständen auf das Abriachan Eco Campsite & Cafe hin. Und wenn Du Glück hast, kommt sogar mal ein Schwein vorbei…

Highlights entlang des Weges

Das beliebteste Fotomotiv entlang des Great Glen Way ist sicher Urquhart Castle, die berühmte Burgruine am Ufer des Loch Ness. Aber auch der See selbst ist mit seiner legendären Bewohnerin Nessie ein Highlight der Wanderung.

Daneben gibt es aber noch viel mehr zu entdecken! Zum Beispiel Neptune‘s Staircase, die längste Schleusentreppe Großbritanniens, die den Kaledonischen Kanal über 24 m anhebt. Oder natürlich Fort Augustus, ein kleines, aber geschäftiges Örtchen am südlichen Ende von Loch Ness, welches als perfekter Ausgangspunkt für eine Bootsfahrt über Nessies Reich dient. Und auch die Ben Nevis Whiskey-Destillerie oder Inverlochy Castle eignen sich entlang des Weges für kleine Ausflüge.

Außerdem hast Du in Fort William die Möglichkeit, auf Ben Nevis und damit auf den höchsten Berg Großbritanniens zu steigen.

Mein Fazit zum Great Glen Way

Nicht nur wegen der Sage rund um Seeungeheuer Nessie umgibt die schottischen Lochs eine ganz besondere und irgendwie geheimnisvolle Aura. Wohl jeder, der schon einmal früh morgens am Ufer eines solchen Lochs stand und über die nebelüberzogene, tiefdunkle Wasseroberfläche geblickt hat, hat sie gespürt. Auf einer Wanderung auf dem Great Glen Way kann man diese tiefe Ruhe und entspannende Wirkung, die von den schottischen Lochs und Kanälen ausgeht, ausgiebig genießen. Und wird nebenbei mit wunderschönen Ausblicken und Ausflügen in die schottische Kultur und Geschichte für die Anstrengung belohnt.

Der Great Glen Way ist bestimmt nicht der anspruchsvollste, spannendste oder abwechslungsreichste Fernwanderweg in Schottland und im Internet findet man diverse Erfahrungsberichte, die ihre Enttäuschung über den Weg zum Ausdruck bringen. Und ja, wer das große Abenteuer, körperliche Herausforderung oder ganz viel unberührte Natur sucht, ist hier definitiv fehl am Platz. Wer allerdings einfach mal ein paar Tage draußen abschalten, ungestört einen Fuß vor der anderen setzen und dabei schottische Luft und Geschichte atmen möchte, für den ist der Great Glen Way eine tolle Möglichkeit, die sich zudem dank relativ einfacher Logistik auch leicht in eine Rundreise durch das Land integrieren lässt.

(…findet übrigens auch Anne vom Blog Litte Red Hiking Rucksack, die der Verteidigung des Great Glen Way gleich einen ganzen Artikel gewidmet hat.)

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Route, Unterkünften und mehr gibt es zum Beispiel auf der offiziellen Seite des Great Glen Way sowie bei walkhighlands.co.uk. Theoretisch sind die Infos, die Du hier findest, auch vollkommen ausreichend. Falls Du Dich aber trotzdem mit Wanderbuch und/oder Karte ausrüsten möchtest, kann ich Dir folgende empfehlen:

Walking the Great Glen Way von Cicerone (Werbelink)

Great Glen Way Wanderkarte von Harvey (Werbelink)

 


Warst Du auch schon mal auf dem Great Glen Way in Schottland wandern und hast noch weitere Tipps? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

10 Comments

  1. Tolle Bilder! – Besonders wenn man gerade heute aus Schottland zurückgekommen ist und noch ein bisschen „Heimweh“ hat.

  2. Ich habe den Great Glen Way als meinen ersten Langwanderweg im Kopf und daher kommt Dein Bericht natürlich mehr als gelegen. Aber zuerst geht es im Sommer mal in den Lake District und Schottland und da wird dann mit kleineren Tageswanderungen geübt.

  3. Klasse :)
    Den Great Glen Way bin ich letztes Jahr Ende Oktober gegangen, im Anschluss an den West Highland Way! Besonders die High Route nach Fort Augustus hat es mir da angetan. Ich hatte Glück mit dem Wetter und wurde mit einer fabelhaften Aussicht belohnt :)
    Empfehlenswert ist auf dem Weg zwischen Invermoriston und Drumnadrochit ein Abstecher zu einer kleinen Töpferei (Loch Ness Clay Works Pottery) , urig und inmitten der ausgestellten getöpferten Dinge kann man da ein Tässchen Tee und einen super leckeren Früchtekuchen (natürlich mit einem Schuss Whisky drin :D) genießen und das ganze natürlich aus schönem selbstgetöpferten Geschirr!

  4. Midges, ja – die wären vor allem in den Highlands eine wahre Plage gewesen. Schottland ist überall schön! ♥nic

    P.S.: „Whisky“ – der andere ist irisch und irisches und schottisches Gälisch sind nicht dasselbe (= von „uisge beatha“, „Wasser des Lebens“)

  5. Ohweh, ich finde diesen Weg ziemlich langweilig, vor allem wenn man in Schottland schon mal mehr als 3 Tage wandernd unterwegs war ;-)
    Wenn man in Fort William ist, startet man besser nordwestlich den Cape Wrath Trail entlang, und zwar die Glenfinnan-Variante.

    Allerdings kann man den Great Glen Weg gut in eine Rundwandertour einbinden:
    Man lustwandelt von Fort William nach Drumnadrochit, biegt dort nach Westen ab auf den Affric Kintail Way, um an dessen Endpunkt, Morvich, die Glenfinnan-Variante des Cape Wrath Trail unter die Füße zu nehmen und so kommt man wieder nach Fort William.

    • Fräulein Draußen Reply

      Der GGW und der CWT sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht und daher macht der Vergleich nicht so richtig viel Sinn… ;-) Aber ja, wer ein „richtiges“ schottisches Trekkingabenteuer sucht ist mit dem CWT bestimmt besser bedient. Entsprechende Erfahrung und Kenntnisse vorausgesetzt.

  6. Ich denke gerne zurück an den GGW. Auch wenn das Wetter echt Scottish war und man auf dem Weg eher den ein oder anderen Gedanken an eine Hot Chocolate oder einen Whiskey verschwendet hat. Es war wirklich alles dabei. Schnee, Regen, Gegenwind und Sonne. Für Anfänger gut geeignet. Für erfahrene Fernwanderer eher eine Randnotiz.

  7. Schade am Great Glen Way fand ich, dass es relativ viele „Forstautobahnen“ zu beackern gibt – kleine Pfade sind mir lieber. Loch Ness ist irgendwie ziemlich langweilig, zumal ja der Wasserspiegel um mehrere Meter gehoben wurde, eben diesem Schiffahrtsweg zuliebe – die ursprüngliche Küste ist also verloren. Die kleineren „Löcher“ hingegen fand ich richtig schön. Ich war dort Anfang August und es war relativ ruhig, kaum jemand unterwegs. Die letzte Etappe nach Inverness haben wir dann gekonnt zweigeteilt indem wir einfach auf der Abriachan Eco Campsite genächtigt haben. Generell ist die Landschaft dort oben von ganz eigener Magie umgeben.

    Die Hostels sind allerdings im August fast immer ausgebucht. Wer nicht zelten will, muss also seine Wanderung planen, rechtzeitig buchen und dann auch die Etappen einhalten.

  8. Oh je, wie konnte das passieren? Ich hab deinen Blog aus den Augen verloren und offensichtlich viel verpasst. Nun aber hab ich wieder abonniert und alles wird gut ;-)

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