Der Hund läuft aufgeregt um mich herum, als ich sein Futter für drei Tage in meinem Wanderrucksack verstaue. Bei einem ausgewachsenen, agilen Labrador ist das gar keine so kleine Menge! Aber ich weiß ja bestens aus eigener Erfahrung, wie hungrig mehrtägige Wanderungen machen können. Und das gilt bestimmt auch für Hunde.

Nachdem alles verstaut ist, steigen wir ins Auto und machen uns auf zum Startpunkt unseres kleinen Wanderabenteuers. Die dreistündige Fahrt von München in den Schwarzwald vergeht wie im Flug. Vielleicht auch weil ich quasi gerade erst am eigenen Leib erfahren habe, wie es sich anfühlt, dreißig (!) Stunden am Stück unterwegs zu sein (Patagonien lässt grüßen).

Gänzlich entspannt und völlig frei von Jetlag kommen wir in dem Städtchen Calw westlich von Stuttgart an. Hier wird das Auto für drei Tage stehenbleiben, während der Hund und ich uns auf eine rund 62 Kilometer lange Rundwanderung durch den nördlichen Schwarzwald begeben.


Werbehinweis: Meine Reise in den Nördlichen Schwarzwald fand in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband statt. Daher enthält dieser Artikel Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Berichterstattung wurde davon nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst Du hier nachlesen.


Ich bin ja nicht so richtig oft innerhalb Deutschlands unterwegs – und wenn dann vor allem in heimatlich-bayerischen Gefilden. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass ich gerade einfach zu viel in anderen Teilen der Erde unterwegs bin und in der restlichen Zeit dann doch meistens am Schreibtisch sitze.

Deshalb sind Reisen innerhalb von Deutschland für mich immer etwas besonderes und in gewisser Weise auch ziemlich aufregend. Ich kann mich dabei nämlich für Dinge begeistern, die eigentlich ziemlich alltäglich sind. Zum Beispiel für Fachwerkhäuser und Gartenzwerge. Oder für die Tatsache, dass dort ja alle meine Sprache sprechen und ich trotzdem beim Bäcker überlegen muss, wie ich denn jetzt am besten die belegten Backwaren benenne. Gleichzeitig ist Reisen in Deutschland aber natürlich auch einfach nur Entspannung, weil man sich abgesehen von der richtigen, lokalen Bezeichnung für Semmel wenig Gedanken um Dinge wie kulturelle Unterschiede oder Sprachbarrieren machen muss.

Tag 1: Von Apfelblüten und anderen Freuden

Genau auf diese Mischung aus kleinen Entdeckungen und großer Entspannung im nördlichen Schwarzwald freue ich mich, als wir unsere ersten Schritte über den Marktplatz in Calw tun (Stichwort Fachwerkhäuser!). Und natürlich auf die Tatsache, dass ich endlich mal wieder mit dem Hund unterwegs sein kann! Es gibt einfach keinen besseren Wanderpartner (sorry liebe Familie und Freunde).

Schon bald haben wir den Trubel des Alltags in Calw hinter uns gelassen und laufen auf kleinen und größeren Pfaden durch tiefgrüne Wälder. Nicht die schlechteste Umgebung für diesen Tag, denn für Anfang Mai sind die Temperaturen schon erstaunlich weit hoch geklettert. Und Wald gibt es im Schwarzwald glücklicherweise reichlich – der Name kommt schließlich nicht von ungefähr!

Rund 365.000 ha Waldfläche gibt es hier, und damit ist der Schwarzwald nicht nur das höchste und größte Mittelgebirge Deutschlands, sondern auch eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete. Zu 80% besteht der Schwarzwald heute aus Fichten und Tannen, der dunklen Sorte von Bäumen also. Seinen Namen hat er aber schon deutlich früher von den Römern bekommen: „Silva nigra“, „schwarzer Wald“.

Heute ist er einer der meistbesuchten Erholungsregionen in Deutschland und beliebter Rückzugsort für Mensch und Tier. Wir haben den Wald an diesem Tag allerdings so ziemlich für uns allein – mal abgesehen von den Vögeln, die lautstark die Wipfel der Bäume besiedeln und von den Bienen und vielen anderen summenden und brummenden Wiesenbewohnern, die sich über die blühende Landschaft hermachen. Und wie die Landschaft blüht! Die Wiesen sind voll von Blumen und zu meiner großen Freude ist auch die Apfelblüte in vollem Gange. Und wenn es eine Blüte gibt, die es mir so richtig angetan hat, dann ist es diese.

Wir wandern durch eine Bilderbuchlandschaft aus grünen Wäldern, bunte Wiesen und immer wieder auch durch kleine Dörfchen, in denen ich so einige Häuser entdecke, in die ich wohl ohne zu Zögern und sofort einziehen würde. Mehr Landidylle geht einfach nicht.

Tag 2: Von hohen Mooren und noch höheren Wipfeln

Über Nacht hat Regen den Sonnenschein abgelöst, doch bis wir unser ausgiebiges Frühstück in der Unterkunft beendet haben, hat sich der auch wieder verzogen. Und das ist auch gut so, denn diese Etappe verspricht besonders schön zu werden. Das größte Hochmoorgebiet Deutschlands wartet auf uns! Und seit ich als Kind im Schullandheim mal eine Moorwanderung mitgemacht habe, kann ich mich einfach für alles begeistern, was sumpfig und moorig ist – zumindest solange ich nicht wie auf dem Pennine Way oder dem Bibbulmun Track tagelang mittendurch stapfen muss…

Bevor wir zum Hochmoor Kaltenbronn kommen, geht es allerdings erstmal eine Weile durch Wälder bergauf. Höhenmeter gibt es eben nicht nur in Bayern! Hochmoor bedeutet allerdings keineswegs, dass das Moor hoch liegt, sondern dass das Moor durch stetige Bildung von Torf immer weiter nach oben wächst und sich dabei immer weiter wölbt, von der Form her ganz ähnlich wie das Glas einer Armbanduhr.

Nach einigen Kilometern erreichen wir den Beginn des langen Holzsteges, der Besuchern die Möglichkeit gibt, mitten durch das Moorgebiet zu wandern. Dabei führt der Weg auch am Wildsee vorbei, der ganz still inmitten der Moorlandschaft liegt. Ein guter Ort, um eine erste Pause einzulegen und die morgendliche Ruhe zu genießen. Lediglich eine Stockente ist schon wach und zieht ihre Runden auf der spiegelglatten Wasseroberfläche. Heimisch ist die hier übrigens eigentlich nicht und ihre Hinterlassenschaften sogar schädlich für das empfindliche Ökosystem. Die Pflanzen, die hier (über)leben, sind hochgradig spezialisiert und haben es nicht immer leicht, denn der torfhaltige Boden ist sehr feucht, nährstoffarm, sauer und kühl.

Irgendwann trudeln die ersten anderen Wanderer auf dem Steg ein, was wir zum Anlass nehmen, diesen fast schon meditativen Ort zu verlassen. Immerhin gilt es an diesem Tag wieder 25 Kilometer zurückzulegen! Und wir haben erst ein paar davon geschafft.

Als wir an der wunderschön mitten im Wald gelegenen Grünhütte vorbeikommen, ist es (leider) noch etwas zu früh für Mittagessen (oder zweites Frühstück), weshalb ich mich mit einem Kaffee begnüge. Die Wege hier scheinen offensichtlich etwas beliebter zu sein als die, auf denen wir am Vortag unterwegs waren, denn die Begegnungen mit Wanderern häufen sich. Aber das ist eigentlich auch kein Wunder, denn nicht nur das Hochmoor ist ein beliebter Ausflugsort im Nordschwarzwald, sondern auch der Baumwipfelpfad, an dem wir später an diesem Tag vorbeilaufen.

Der schlängelt sich auf einer Gesamtlänge von 1.250 Metern und einer Höhe von bis zu 20 Metern durch den Bergmischwald aus Buchen, Tannen und Fichten. Und dann gibt es da noch den Aussichtsturm, von dem aus man von 40 Metern Höhe über die Landschaft blicken kann! Leider leider (aber verständlicherweise) sind Hunde auf dem Baumwipfelpfad verboten, weshalb uns dieser Blick leider verwehrt bleibt. Zum Trost kaufen wir uns ein großes Eis in Bad Wildbad am Fuße des Sommerbergs, auf dem der Baumwipfelpfad thront.

Tag 3: Endspurt mit Abkühlung

Unser dritter Wandertag startet relativ spät, denn heute können wir uns alle Zeit der Welt lassen. Nur 12 km sind es von Schömberg bis nach Hirsau, dem Ziel unserer Wanderung. Diese Zeit nutzen wir vor allem für ausgiebige Pausen im Schweinbachtal. Ein kleiner Wanderpfad führt hier entlang eines munter plätschernden Baches durch eine tolle Kulisse aus altem Mischwald, der grüner nicht strahlen könnte. Die urwaldähnliche Atmosphäre mit dem lauten Vogelgezwitscher erinnert mich fast ein bisschen an den Amatola Trail in Südafrika. Das immer noch ziemlich eisige Wasser des Flüsschens ist heute wie damals ein willkommener Kontrast zu den heute wieder ziemlich warmen Temperaturen und die heißgelaufenen Füße bzw. Pfoten freuen sich über die Abkühlung.

Der Schweinbach endet in Hirsau in die Nagold und auch unsere Wanderung ist hier vorbei. In ca. einer Stunde könnte man von hier aus auch zurück nach Calw laufen, der Hund und ich wollen allerdings unsere schon heruntergekühlten Füße nicht wieder aufheizen und entscheiden uns dafür, die Strecke in wenigen Minuten mit der Regionalbahn zurückzulegen.

Zurück am Auto stoßen wir mit Napf und Flasche auf eine gelungene Tour an. Und auf die Tatsache, dass wieder ein Stück der mehrheitlich weißen Deutschlandkarte mit Farbe gefüllt werden konnte. Noch dazu eine Region, die ich mir schon lange mal aus der Nähe angucken wollte. Und das mit dem aus der Nähe angucken, das geht beim Wandern einfach immer noch am besten.

Alle Infos zur Tour

Etappen:

  1. Etappe: Calw – Sprollenhaus (25 km – ca. 7-8 Stunden)
  2. Etappe: Sprollenhaus – Schömberg (25 km – ca. 7-8 Stunden)
  3. Schömberg – Hirsau (12 km – ca. 4 Stunden)

Routenverlauf: Ich bin eine etwas gekürzte Version dieser Wanderung gelaufen, die allerdings im letzten Teil nicht durchs Schweinbachtal nach Hirsau, sondern nach Zavelstein führt. Das lässt sich aber leicht ändern, indem Du, sobald Du den Schweinbach erreichst hast, in die andere Richtung abbiegst und Richtung Hirsau läufst.

Schwierigkeit: Die Wanderung führt teils über kleine Wanderpfade, aber auch über Schotterwege und teilweise über Asphalt. Der ein oder andere Anstieg ist dabei, insgesamt halten sich die Höhenmeter aber in Grenzen. Die Länge der Etappen ist natürlich nicht zu unterschätzen, im Falle der ungekürzten, oben verlinkten Tour immerhin rund 25 km pro Tag. Für etwas geübtere Wanderer ist das aber kein Problem.

Orientierung: Die Wanderung ist nicht als solche markiert und bei der Vielzahl an Wandermarkierungen kann man schnell mal den Überblick verlieren. Am besten lädst Du Dir die Outdooractive-App auf Dein Handy oder die GPX-Datei auf dein GOS-Gerät, dann kannst Du direkt der oben verlinkten Route folgen.

Unterkünfte: 
Sprollenhaus – Gasthof „Hirsch“
Schömberg – Haus am Kurpark

Wandern mit Hund: Die Tour ist bestens für das Wandern mit Hund geeignet. Es gibt dank der Wälder immer wieder Schatten und auch den ein oder anderen Bach oder Brunnen zum Trinken. In beiden oben genannten Unterkünften sind Hunde zudem erlaubt. Bitte beachte, dass die Wanderung teilweise durch Naturschutzgebiet führt und der Hund hier an die Leine muss.

Hast Du Lust bekommen, dieser schönen Region auch einen Besuch abzustatten – oder hast sie vielleicht so wie ich sowieso schon lange auf Deiner Wunschliste? Dann findest Du hier mehr Ideen und Vorschläge für Outdoor-Abenteuer und andere Aktivitäten  im nördlichen Schwarzwald!



Warst Du auch schon mal im nördlichen Schwarzwald und hast noch weitere Tipps für schöne Ecken und Wanderungen? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

2 Comments

  1. Das sieht ja auf manchen deiner Fotos fast schon skandinavisch aus! Im Schwarzwald war ich leider noch nie und überhaupt bin ich viel zu selten in Deutschland unterwegs aber so eine 3-Tagestour würde ich liebend gerne mal machen!

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