Zuletzt aktualisiert am 30. Mai 2026
(enthält Werbung) Wer Ruhe, Weite und charmante Bodenständigkeit schätzt, wird sich hier wie zuhause fühlen: in Holstein, jenem schönen Landstrich, der sich zwischen Nordsee und Hamburg entlang der Elbe erstreckt – und der wie gemacht für die Erkundung per Fahrrad ist.
Dabei kann man (zum Beispiel) vom Deich aus den Blick über die hier oberhalb von Hamburg noch sehr breite Elbe schweifen lassen. Sich mit (manchmal überaus furchtlosen) Deichschafen anfreunden. Handgemachtes Eis in Hofläden kaufen. Alte, reetgedeckte Häuser bewundern. Durch blühende Rapsfelder ziehen (und vieles mehr). Und an einem mangelt es sicherlich nie: Den weiten Blicken, die das Radfahren hier im Norden so besonders machen.
In diesem Blogartikel stelle ich vier entspannte Radtouren mit viel Wasser vor und gebe Tipps für einen schönen Radurlaub in Holstein.
Werbehinweis: Meine Reise fand im Rahmen einer bezahlten Zusammenarbeit mit Holstein Tourismus statt. Alle Inhalte in diesem Artikel beruhen allein auf persönlicher Erfahrung. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen.


Holsteiner Radzeit: alles für den perfekten Radurlaub
In Holstein findet man unter dem Namen Holsteiner Radzeit sieben Radfahrregionen, in denen man auf über 30 ausgeschilderten Themen-Radrouten und sechs Radfernwegen die Vielfalt Holsteins entdecken kann. Drumherum gibt’s fahrradfreundliche Unterkünfte und praktische Infrastruktur wie Schutzhütten, Verpflegungsmöglichkeiten, Reparaturstationen und gute Routeninfos (online und offline).
>> Hier gibt’s mehr Infos zur Holsteiner Radzeit und den Regionen.



Mein Basislager: Radregion Glückstadt
Eine dieser Radregionen ist Glückstadt an der Elbe, wo ich für meine Zeit in Holstein mein Basislager aufgeschlagen habe. Mit den zehn Glücks-Routen hat man hier ausgeschilderte Themen-Radwege zwischen 18 und 36 Kilometern zur Auswahl, auf denen man die Landschaften rund um Glückstadt erradeln kann.
Tipp: Neu hinzugesellt haben sich auch drei ausgearbeitete Gravel-Routen für alle, die es gern einen Tick abenteuerlicher und knirschender unter den Reifen mögen.
Glückstadt selbst ist ein süßes kleines Städtchen mit historischem Marktplatz, kleinen Gassen, beschaulichem Binnenhafen, einer lebendigen Kunstszene und einer eigenen Matjesspezialität. Was ich an Glückstadt am allermeisten mochte: Den abendlichen Spaziergang zum Außenhafen und über den Deich, um den Sonnenuntergang an der Elbe zu bewundern.
>> Hier gibt’s mehr Infos zu den Glücks-Routen und Graveltouren.



Empfehlenswerte Unterkünfte für deinen Radurlaub
- Blaues Haus in Glückstadt: familiengeführte Unterkunft in Glückstadt mit Zimmern und Ferienwohnungen
- Mühle “Neue Hoffnung” in Beidenfleth: Übernachten in einer restaurierten Mühle mitten auf dem Deich
- Elbkrug 2.0 in Büttel: Übernachten im Schlaffass
Alle drei Unterkünfte sind Teil der Holsteiner Radzeit. Das bedeutet:
- Übernachtung auch für Kurzreise (ab 2 Übernachtungen)
- sicherer Abstellort für Räder und Ausrüstung
- Informationen rund um das Thema Radfahren
- Handtücher und Bettwäsche inklusive
>> Mehr Unterkunftstipps in den Radfahrregionen gibt’s hier (unter der jeweiligen Region).
Entspannte Radtouren in Holstein
Viele Höhenmeter, abenteuerliche Strecken und Adrenalin wird man beim Radeln in Holstein eher nicht finden. Dafür kann man wunderbar entspannt durch die Landschaft rollen, die Weite auf sich wirken lassen und sich in Ruhe auf die Suche nach den kleinen Entdeckungen am Wegesrand machen.
Anstrengend wird es vor allem dann, wenn der Wind von vorne kommt. Da es sich allerdings bei allen Tourentipps um Rundtouren handelt, kommt man irgendwann auch mal in den Genuss von Rückenwind – versprochen!
Gemüsetörn ab Glückstadt
Länge: 28 km
Start / Ziel: Glückstadt
Einkehrtipps: hausgemachtes Eis am “Hof Hochgenuss” und gemütliches Bistro am Hafen von Glückstadt (“Nettchen”)
GPX-Track: zum Gemüsetörn auf Komoot
Rund um Glückstadt gibt es nicht nur fürs Radfahren, sondern auch für den Gemüseanbau ideale Bedingungen: leichter Marschenboden, frischer Wind und viel Wasser. Einst begannen nach der Eindeichung übrigens holländische Siedler mit dem Anbau. Die Radroute Gemüsetörn, eine der zehn Glücks-Routen, führt hier durch das größte Gemüse-Anbaugebiet in Schleswig-Holstein.
Ich starte die Tour am Binnenhafen von Glückstadt, wo kleine Boote vor historischer Häuserfassade schaukeln. Bald darauf habe ich den Elbdeich erreicht, der von zahlreichen Schafen begrast wird. Die Deichschafe sind ausgesprochen furchtlos und grasen einfach um mich herum, während ich auf der Bank sitze und über die hier oben noch sehr breite Elbe blicke. (Und wer mich kennt, weiß vielleicht, dass das meiner Definition von Paradies schon relativ nah kommt.)
Erst hinter dem, dann vor dem Deich geht es entlang der Elbe zum Störsperrwerk. Gerade ist die Brücke hochgeklappt, um einem Segelschiff Platz zu machen, das von der Elbe in die Stör schippert. Entlang einer kleinen Nebenstraße mit schönen alten Häusern fahre ich weiter nach Borsfleth mit seiner historischen Dorfstraße und alten Kirche.
Dann folge ich auf einem Sträßchen noch eine Weile dem Deich, freunde mich mit weiteren Deichschafen an und erreiche wenig später Krempe, die mit rund 2.400 Einwohnern kleinste Stadt in Holstein. Hier sollte man unbedingt einen kurzen Abstecher zum Marktplatz mit altem Rathaus einlegen!
Kurz darauf treffe ich in Süderau auf einen Radler-Rastplatz mit Reparaturstation. Wer sein Werkzeug und / oder die Luftpumpe vergessen hat, muss beim Radeln in Glückstadt nicht verzagen.
Entlang einer Landstraße geht es durch weite Landschaft zu einem Hofladen mit Eisverkauf, wo schon die nächste Mini-Radwerkstatt wartet. Entlang des Flüsschens Kremper Rhin rolle ich dann zurück ins Zentrum von Glückstadt und über den schmucken Marktplatz zum Hafen.







Hofladen-Route ab Glückstadt
Länge: 42 km
Start / Ziel: Glückstadt
Einkehrtipps: “Strandfloh”-Imbisse an den Häfen von Kollmar und Bielenberg
GPX-Track: zur Hofladen-Route auf Komoot
An meinem zweiten Tag in Glückstadt bin ich eine Radroute abgefahren, die gerade erst ganz neu entwickelt wird und (noch) nicht beschildert ist. Die Hofladen-Tour beginnt und endet ebenfalls direkt im Zentrum von Glückstadt, führt in einem großen Bogen durchs Hinterland und ein Stück entlang der Elbe. Dabei besucht die Route – man ahnt es schon – Hofläden, in denen man regionale und oft saisonale Produkte kaufen kann.
Wer entsprechende Radtaschen dabei hat, kann sich so direkt auf charmante Art sein wohlverdientes Abendessen zusammenhamstern. Auch ohne Bedarf an Lebensmitteln hat die Route aber viel zu bieten: Durch den hübschen Stadtpark von Glückstadt, dann entlang einer Landstraße geht es bis Herzhorn. Dahinter wird es ruhiger, die Landstraße wird zu kleinen Nebenstraßen, die durch wunderbar wilde Marschlandschaft führen.
Im Weiler Brunsholt stoße ich auf eine (vermutlich) über 700 Jahre alte Eiche, die ihrem Anschein nach schon so einiges mitgemacht hat. Unter anderem wurde sie in den 90ern durch einen Brand am benachbarten Bauernhof stark beschädigt. Und trotzdem treibt sie immer wieder aus. (Möge sie es noch viele weitere Jahre so tun!)
Kilometer um Kilometer fahre ich durch die weite Landschaft, ab und an stoße ich auf liebevoll gestaltete Rasthütten. Man fühlt sich definitiv willkommen, hier im Hinterland der Elbe. Kurz vorm Elbufer schlägt die Route nochmal einen kurzen Bogen nach Kollmar. Mit dem Hofgenuss Meinert findet sich hier ein besonders schöner Hofladen. Dann geht es aber wirklich ans Wasser!
Am kleinen Kollmarer Hafen ist es Zeit für eine Pause am Hafenimbiss – natürlich stilecht im Strandkorb und mit Blick aufs Wasser. Dann rolle ich für einige Kilometer zwischen Deich und Fluss entlang, weiche Schafen aus und bestaune die großen Containerschiffe, die sich vorsichtig Richtung Hamburg schieben und die Wellen erst dann ans Ufer schwappen lassen, wenn man eigentlich schon gar nicht mehr damit rechnet.
Zum Abschluss macht die Hofladen-Tour nochmal einen großen Schlenker weg von der Elbe – wer etwas abkürzen will, kann auch weiter entlang des Deiches mit Blick aufs Naturschutzgebiet Rhinplate zurück nach Glückstadt manövrieren. Ansonsten fährt man für ein kurzes Stück auf einer Landstraße und anschließend wieder über ruhige Nebensträßchen zurück zum Ausgangspunkt.











Land-Unter-Törn in der Wilstermarsch
Länge: 40 km
Start / Ziel: Wilster
GPX-Track: zum Land-Unter-Törn auf Komoot
Auf der Zugspitze war ich tatsächlich noch nie – nun aber immerhin mal am tiefsten Punkt Deutschlands! Der liegt 3,54 Meter unter Normalnull in der Wilstermarsch, durch die meine dritte Radtour in Holstein führt: der Land-Unter-Törn.
Wilster ist eine der ältesten Städte Schleswig-Holsteins, und dort beginnt (und endet) auch diese Radrunde. Über Land- und Nebenstraßen gelange ich bald in die weiten grünen und von vielen Gewässern durchzogenen Ebenen, die so typisch für diese Region sind. Durch die tiefe Lage ist die Entwässerung schwierig, Ackerbau spielt in diesem Grünland quasi keine Rolle. Das lässt die Landschaft etwas “eintöniger” wirken, auch etwas rauer, macht sie aber gleichzeitig auch sehr besonders.
Die tiefste Stelle Deutschlands ist ein kleiner Parkplatz mit einigen Picknickbänken und einem prominenten Pfahl, der die Stelle markiert. Ein wenig feierliche Stimmung kommt dort durchaus auf! Von dort aus geht es weiter auf Landstraßen dem Nord-Ostsee-Kanal entgegen, dem ich auf dem Ufer-Weg für einige Kilometer folge. Die meistbefahrene künstliche Seestraße der Welt ist 98 Kilometer lang und verbindet die Südsee mit dem Polarm.. äääh, naja… die Nordsee mit der Ostsee. Pro Jahr passieren rund 30.000 Schiffe den Kanal – Tendenz steigend. Ich habe leider nur ein kleines Segelboot erspäht, hier schippern aber auch große Kähne durch. Neben dem Kanal ist die Wilstermarsch übrigens auch von der Elbe und der Stör umgeben. Bei Sturmfluten würde das Wasser ohne die Deiche bis zu 8 Meter hoch stehen.
Irgendwann biege ich wieder vom Kanal weg und tauche in altbekannte Landschaft ein. Hier ein großer Hof, dort eine historische Reetdachkate, zwischendrin gemütlich grasende Schafe, Kühe, Pferde. Früher waren hier auch bis zu 350 Mühlen aktiv, um das Land zu entwässern. Einer dieser Mühlen kann man heute noch in Wilster begegnen, bevor die Tour am historischen Marktplatz mit Geschäften und Cafés rund um die große Kirche endet.








Elbmarschentour in der Wedeler AU
Länge: 40 km
Start / Ziel: Wilster
GPX-Track: zur Elbmarschentour auf Komoot (Hinweis Frühjahr 2026: Noch ist die Route nicht durchgehend markiert, soll es aber bald sein.)
Mit der Wedeler Au entdecke ich heute noch eine weitere Radfahr-Region der Holsteiner Radzeit. Und mit der Elbmarschen-Tour eine ganz neue entworfene Route.
Vom Städtchen Uetersen aus gelange ich auf dieser Tour über kleine Straßen und durch weite, abwechslungsreiche Landschaft sowie einige Dörfer zur Namensgeberin und dem Highlight der Route. Die Elbmarsch bei Wedel ist eine besondere, denn im Gegensatz zu den anderen Elbmarschen ist sie nur minimal besiedelt.
Die Marschen hier an der Elbe entstanden nach der letzten Eiszeit. Mit dem Wechsel der Gezeiten lagerte sich Schlick ab, woraus sich die typischen Böden der Marsch entwickelten. Bis in die 1970er Jahre noch überflutete die Elbe bei Sturmfluten die Marsch hier oben bei Wedel. Erst 1978 wurde jener Deich mit dem Sperrwerk gebaut, der das heute verhindert.
Den Radweg hinter dem Deich muss ich mir heute mit zahlreichen Schafen teilen. Oder besser gesagt “darf”, denn das ist natürlich ein hohes Privileg! Immer wieder stoppe ich – mal, um den putzigen Schafsnachwuchs zu bewundern. Mal, um nach Vögeln Ausschau zu halten. Die Wedeler Au liegt auf der Vogelzug-Route zwischen Sibirien und Atlantik und die Wattflächen und Marschenwiesen bieten Lebensraum und Rastgebiet für über 200 Vogelarten.
Am Ende des Deich-Radwegs durch das Naturschutzgebiet zeigt ein Mast eindrucksvoll die verschiedenen Wasserstände vergangener Sturmfluten. Deichen folgt man auch auf den folgenden Kilometern – erst weiter dem Elbdeich, dann den Deichen entlang von Pinnau und Krückau. Statt weitem Naturschutzgebiet blickt man nun immer wieder auf Apfelplantagen und auf zahlreiche, schmucke Reetdachhäuser, die die Sträßchen säumen. Das ein oder andere davon täte ich gut und gerne beziehen wollen.
Kurz vor Elmshorn legt die Route eine Kehrtwende ein und führt über weite Wiesen nach Seester mit seiner tollen Kirche. Über Landstraßen führt mich die Elbmarschen-Tour von dort wieder zurück nach Uetersen. Über ein Wäldchen erreiche ich das Cafe Langes Mühle, welches sich im erhaltenen Sockel einer 1889 abgebrannten Windmühle befindet und ganz besonders charmant aussieht (aber leider geschlossen ist, als ich dort bin). Zu guter Letzt erreiche ich das Rosarium, eine Parkanlage, in der mehr als 900 verschiedene Rosensorten gepflanzt sind und vorgestellt werden.








Warst du auch schon mal mit dem Rad in Holstein unterwegs und hast noch weitere Tourentipps? Oder hast du Fragen zu diesen Touren? Hinterlass gern einen Kommentar unter diesem Artikel.
