[Gastartikel] Wandern ist nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine der nachhaltigsten Methoden, die Welt und ihre Natur zu entdecken. Zumindest in der Theorie. Denn auch beim Wandern kann die Größe unseres ökologischen Fußabdrucks ganz schnell in die Höhe schnellen, wenn jeder Müsliriegel einzeln in Plastik verpackt ist, die Hochleistungs-Outdoor-Bekleidung jede Menge Chemie enthält und das Auto oder gar das Flugzeug uns ganz bequem bis zum Ausgangspunkt der Wanderung bringt.

Dabei kann es so einfach sein, dieses Hobby wirklich nachhaltig und im Einklang mit der Natur auszuüben. Und das ist doch irgendwie der Sinn der Sache. In diesem Gastartikel von Anne vom Blog Little Red Hiking Rucksack findest Du praktische Tipps und Denkanstöße dafür.


Dieser Artikel ist Teil meiner Reihe „Outdoorfrauen-Spezial“, in der ich auch anderen Frauen, die abenteuerlich Reisen und das Draußensein lieben, die Möglichkeit geben möchte, von ihren Abenteuern und Erfahrungen zu erzählen. Wenn Du auch Lust hast, einen Gastartikel zuschreiben, schick mir einfach eine E-Mail


Tipp 1: Umweltfreundliche Anreise

Nachhaltigkeit beginnt schon, bevor du überhaupt einen einzigen Schritt auf einem Wanderweg gegangen bist. Das Auto steht  zwar oft ziemlich praktisch vor der Haustür bereit und wartet quasi nur darauf, dich zu deinem nächsten Abenteuer zu bringen, ist dank CO2-Ausstoß und Gummiabrieb der Reifen (übrigens einer der größten Verursacher von Mikroplastik in den Meeren) allerdings nicht gerade umweltschonend – vor allem, wenn du es nur allein oder zu zweit nutzt. Auch wenn die Deutsche Bahn nicht gerade den besten Ruf in Sachen Pünktlichkeit hat, lässt sich so ziemlich jedes Ziel in Deutschland und dessen Nachbarländern irgendwie mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zügen oder Fernbussen erreichen. Auf Webseiten wie omio.com kannst du einfach und überregional die verschiedenen Anreise-Möglichkeiten vergleichen.

Vor allem in beliebteren Urlaubsregionen gibt es oft auch regionale Angebote wie Wanderbusse, die speziell auf die Bedürfnisse von Wanderern abgestimmt sind und die wichtigsten Ausgangspunkte anfahren. Oft sogar kostenlos!

Wenn es dann doch mal nicht anders geht und du ins Flugzeug steigen musst, dann kannst du deine geflogenen Kilometer durch die Unterstützung von Klimaprojekten kompensieren. Auf Plattformen wie  zum Beispiel Atmosfair geht das ganz schnell und unkompliziert. Das macht den durch den Flug entstandenen Schaden zwar nicht wieder ganz rückgängig, ist aber immer noch sehr viel besser, als es nicht zu tun.

Es muss nicht immer das Flugzeug sein! Auch in Europa findet man noch richtig wilde Ecken.

Tipp 2: Wozu in die Ferne schweifen

Zugegeben: So richtig nach Abenteuer und Wildnis klingt Wandern in Deutschland erstmal nicht. Doch um spannende Wanderungen zu erleben, musst du nicht zwingend ins Flugzeug steigen und nach Alaska oder Australien fliegen. Bei uns gibt es jede Menge zu sehen und zu entdecken.

Wie wäre es zum Beispiel damit, 66 Seen rund um Berlin abzuwandern oder eine Zelttour durch den Schwarzwald oder die Sächsische Schweiz mit eigens dafür angelegten Trekkingplätzen mitten in der Natur zu machen? Es gibt hierzulande wirklich unzählige Möglichkeiten für Wanderungen mit unterschiedlichster Länge und Schwierigkeit.

Und wenn du doch mal etwas Abenteuerlicheres suchst: Auch in Europa gibt es noch weite und unberührte Landschaften. Jede*r, die/der zum Beispiel schon mal auf dem Cape Wrath Trail in Schottland oder dem Nordkalottleden im nördlichen Skandinavien unterwegs war, wird dir das bestätigen können. Und selbst diese Ziele sind von Deutschland aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln verhältnismäßig einfach zu erreichen.

Es gibt immer mehr Trekkingplätze in Deutschland, auf denen man ganz legal sein Zelt aufstellen darf.

Tipp 3: Trekkingessen selber mischen

Der größte Müllfaktor beim Wandern ist zweifelsohne die Verpflegung. Müsliriegel in bunter Folie, Asiasuppen dreifach verpackt und verschweißt, professionelle Trekkingnahrung in aufwendig beschichteten Beuteln… das alles ist zwar super praktisch, aber definitiv nicht nachhaltig.

Dabei kannst du dich ganz leicht mit ein paar einfachen Rezepten für selbstgemachte Trekkingnahrung um einiges müllfreier beim Wandern verpflegen. Couscous, getrocknete Tomaten, Kräuter, Gewürze, ein paar Pinienkerne und fertig ist ein leckeres Trekkingessen.

Tipp: Schau doch mal, ob du in deiner Nähe einen verpackungsfreien Supermarkt wie zum Beispiel Original Unverpackt in Berlin oder  Ohne in München findest. Dort kannst du verschiedene Grundzutaten unverpackt kaufen und dann nach Belieben kombinieren. Diese sind zudem oft auch regional und biologisch erzeugt.

Besonders praktisch fürs Wandern und Trekking sind auch selbstgemachte Müsliriegel, in denen dann auch garantiert nur das drin ist, was du magst. Besonders schnell und einfach sind kleine Energiebällchen gemacht, die du sogar vorproduzieren und einfrieren kannst.

Trekkingnahrung lässt sich mit wenigen Zutaten ganz einfach selbst zusammenmischen.

Etwas schwieriger ist die Sache mit dem Transport des Essens, denn zumindest zu den allseits beliebten Ziploc-Bags gibt es keine wirkliche Alternative, die genauso leicht, zuverlässig und einfach portionierbar ist. Die solltest du allerdings nicht nach dem einmaligen Gebrauch wegwerfen, sondern wieder mit nach Hause nehmen, dort auswaschen und trocknen. Auf diese Weise kannst du die Ziploc-Bags zumindest zwei oder drei Mal verwenden und so ebenfalls viel Plastikmüll einsparen. Deswegen lohnt es sich auch, nicht zu den billigsten Tüten zu greifen, denn meiner Erfahrung nach halten Markenprodukte in diesem Fall deutlich länger.

Proviant wie Gemüse oder belegte Brote kann man sehr gut in Bienenwachstüchern oder einfach der guten alten Metall- oder Tupperdose transportieren. Für trockene Nahrungsmittel wie Nüsse sind zudem kleine Stoffsäckchen anstelle von Plastik gut geeignet.

Bienenwachstücher sind eine nachhaltige Alternative zu Alufolie und Plastik.

Tipp 4: Müll (wieder) mitnehmen

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber den Mengen von Müll nach zu urteilen, die man vor allem entlang beliebterer Wanderwege sieht, ist es das leider längst nicht immer: Unser Müll hat in der Natur nichts zu suchen, und das gilt auch für vermeintlich natürliche Abfälle wie Mandarinen- und Bananenschalen. Besonders Südfrüchte sind oft mit Pestiziden belastet und die Schalen sind für Tiere nicht verwertbar. Zudem kann es wie zum Beispiel im Falle von Orangenschalen bis zu zwei Jahre dauern, bis diese komplett verrottet sind.
Daneben kommt mit dem Müll auch ein ästhetisches Problem, denn wer will schon die Wanderpause zwischen Abfällen verbringen, und sei es nur ein „harmloser“ Apfelbutzen?

Besonders unangenehm sind dabei auch die vielen Klopapier-„Rosen“, die einem oftmals am Wegesrand begegnen. Also ja, auch Toilettenpapier gehört wieder zurück in den Rucksack! Am besten nimmst du dazu eine verschließbare Tüte mit, die du dann am Ende des Tages oder am nächsten Mülleimer mit deinen anderen Abfälle einfach wieder entsorgen kannst.

Eine noch nachhaltigere Methode, die auch von vielen Fernwanderern angewendet wird, ist ein sogenannter Pee Rag. Das kann zum Beispiel einfach ein Bandana-Tuch oder ein Mini-Trekkinghandtuch sein, welches zum Toilettenpapier umfunktioniert wird und einfach außen am Rucksack hängt, bis es bei Gelegenheit mit klarem Wasser durchgespült wird.

Mindestens so wichtig wie die Müllvermeidung ist es, von anderen hinterlassenen Müll nicht einfach liegen zu lassen. Klar, niemand hebt gern den Müll von anderen Menschen auf. Aber wenn du es nicht tust – wer dann? Die Umwelt wird es dir danken, und viele andere Wanderer ebenso.

Ich habe immer meinen kleinen grünen Wandermüllsack am Rucksack hängen, sodass ich nicht nur meinen eigenen Müll wieder mitnehmen, sondern auch anderen Müll aufheben kann.

Tipp 5: Wanderausrüstung nachhaltig kaufen

Nachhaltigkeit wird in der Outdoor-Branche immer wichtiger und glücklicherweise bemühen sich mehr und mehr Hersteller darum, ihre Kollektionen so grün wie möglich zu produzieren und zum Beispiel auf recycelte Materialien zurückzugreifen.

Der beste Tipp in Sachen nachhaltige Outdoor-Ausrüstung ist aber immer noch: Denk nach, bevor du neue Sachen kaufst! Brauchst du die neue Fleece-Jacke wirklich? Ist deine alte Jacke kaputt? Kann sie vielleicht repariert werden?

In Zeiten von Billigmode und Outdoor-Ausrüstung vom Discounter schmeißen wir eigentlich noch völlig brauchbare Dinge viel zu schnell weg – sei es, weil wir glauben, dass etwas neues besser wäre oder weil uns das alte einfach nicht mehr gefällt. Dabei ist hochwertige Outdoor-Ausrüstung dafür gemacht, möglichst langlebig zu sein und vieles kann gut und einfach repariert werden. Teilweise bieten Hersteller oder Outdoor-Läden einen Reparaturservice an. Das ist in der Regel deutlich günstiger als eine Neuanschaffung. Und deutlich nachhaltiger sowieso.

Und wenn du dich doch mal von etwas trennen willst bzw. musst, solltest du den ausrangierten Gegenstand nicht einfach in die Mülltonne schmeißen: Vielleicht hat eine*n Freund*in Interesse oder du findest einen glücklichen Abnehmer über eine Second-Hand-Plattform im Internet? Alternativ kannst du den Ausrüstungsgegenstand bzw. das Kleidungsstück in egal welchem Zustand zum Beispiel zur nächsten Globetrotter-Filiale bringen, denn dort wird ein Recycling-Service für Textil und Schuhe angeboten.

Tipp 6: Nachhaltige Hygieneprodukte

Plastik ist in unseren Badezimmern allgegenwärtig: Sei es in Form von großem oder winzig kleinem Plastik. Shampoo, Duschgel, Waschmittel… die meisten Pflegeprodukte werden in Kunststoffflaschen verkauft. Zusätzlich enthalten einige Kosmetika Mikroplastik, das über den Wasserkreislauf in die Meere gelangt. Zum Glück gibt es reise- und wandertaugliche Alternativen, die nachhaltig(er) sind!

Heutzutage findet man in so gut wie jedem Drogeriemarkt und auf jeden Fall in Bioläden und verpackungsfreien Supermärkten Shampoo und Seife in fester Form, welches du einfach in einem kleinen Döschen transportieren kannst. Reisewaschmittel aus der Tube kannst du ganz einfach durch geraspelte Kernseife ersetzen. Und auch Zahnpasta gibt es in Tablettenform, die nicht nur leichter und nachhaltiger als das Pendant aus der Tube ist, sondern sich auch perfekt portionieren lässt. Für Frauen ist die Menstruationstasse zudem eine prima Alternative zu Tampon & Co.

Ganz wichtig: Egal, wie biologisch abbaubar die Seife oder Zahnpasta ist – du solltest diese nie direkt in oder in unmittelbarer Nähe von Flüssen und Seen anwenden. 50 Meter Entfernung von der nächsten Wasserquelle sind das Minimum, dein Kochtopf eignet sich dabei prima als Transportbehälter und Waschbecken.

Zahnpasta in Tablettenform spart Verpackungsmüll und unnötiges Gewicht

Niemand muss und kann perfekt sein, aber jeder noch so kleine Schritt hilft. Nur zusammen können wir etwas verändern und die Natur schützen, in der wir so gern unterwegs sind.


Wenn du Lust auf mehr Austausch zu diesem Thema hast, dann würde ich mich freuen, dich in meiner Facebook-Gruppe „Kleiner grüner Wanderrucksack – Wandern und Nachhaltigkeit“ zu treffen.


Über die Gastautorin

„Ich muss mal raus und ich muss mal wieder was alleine machen.“ Das waren Annes Gedanken, als sie eines Nachts aus dem Bett sprang und sich an den Computer setzte, um zu recherchieren, wo dieses „raus“ denn sein könnte. Dabei stieß sie auf den Caminho Portugues, 250km zu Fuß durch Portugal und Spanien. Und zwei Wochen später ging es los.

Seitdem ist ihre Outdoor-Begeisterung immer weiter gewachsen, und die teilt sie mittlerweile auch auf ihrem Blog Little Red Hiking Rucksack. Neben Tourberichten und vielen Tipps liegt Anne das Thema Nachhaltigkeit dabei besonders am Herzen. Außerdem bietet sie Workshops für (angehende) Pilgerinnen an.

Neben ihrem Blog kannst du Anne auch auf Instagram und Facebook folgen.


Machst du dir Gedanken um das Thema Nachhaltigkeit beim Wandern? Hast du vielleicht noch weitere Tipps? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

4 Comments

  1. Danke für die wertvollen Tipps. Ich persönlich finde es auch wichtig, die Größenordnung der einzelnen Punkte zu beachten. Wenn man Tipp 1 ignoriert kann man sich meines Erachtens nämlich 2-6 auch ganz schenken. Fliegen ist einfach ein Riesen-Klimakiller.
    LG
    Paddy

  2. Ein sehr schöner Artikel der echt auch einmal zum nachdenken anregt. Auch wenn ich selbst sehr darauf achte keinen Müll in der Natur zu hinterlassen und auch des öfteren schon den Müll von anderen Leuten eingesammelt und mitgenommen habe, so sind die Ideen für noch mehr Nachhaltigkeit sehr interessant. Danke dafür! LG

  3. Was für ein toller Beitrag von der lieben Anne! Ich habe mich beruflich viel mit Nachhaltigkeit beim Bauen und Wohnen beschäftigt. Privat versuche ich auch, möglichst nachhaltig unterwegs zu sein. Danke für den Tipp mit der Zahnpasta in Tablettenform, das kannte ich noch gar nicht.
    Liebe Grüße von Sanne

  4. Sehr guter Artikel mit tollen Anregungen! Hier auf dem Blog gibts ja auch sehr schöne Artikel zu Wanderungen und Ausflügen zu denen man nicht ins Flugzeug steigen muss.

    Annes‘ Blog ist auch wirklich super! Danke für die Empfehlung :)

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