Mit Zelt und Rucksack durch wilde Landschaften wandern, abends am Lagerfeuer sitzen und die Sterne beobachten. Am nächsten Tag mit dem ersten Ruf der Vögel aufstehen und nach einem kräftigen Camping-Kaffee vom Gaskocher in den neuen Wandertag starten. Für viele ist das die ultimative Freiheit, das große Abenteuer, Bilder von Gegenden wie Skandinavien oder Nordamerika tauchen vor dem inneren Auge auf.

An Deutschland denkt dabei wohl kaum einer, zumindest nicht als erstes. Kein Wunder, hierzulande ist das Zelten generell verboten und Nächte im Freien oft nur mit besonderen Vorkehrungen und schlechtem Gewissen umsetzbar. Das könnte sich aber ändern, denn tollerweise richten immer mehr Regionen in Deutschland sogenannte Trekkingcamps ein. So auch der Naturpark Schwarzwald, in dem ich in diesem Sommer für eine kleine Trekkingtour den Rucksack geschultert habe.

Was diese Trekkingcamps genau sind und wie es so ist, eine Nacht dort zu verbringen, erfährst Du in diesem Artikel.


Werbehinweis: Dieser Artikel und meine Reise in den Schwarzwald entstanden in Zusammenarbeit mit #zukunftleben, dem Nachhaltigkeitsmagazin von EDEKA Südwest. Daher enthält der folgende Beitrag Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Erfahrungen und Tipps wurden davon nicht beeinflusst.


Tiefenentspannt durch den wilden Wald

Waldbaden heißt der neueste Trend aus Fernost – auch wenn der ja nun so neu eigentlich gar nicht ist! Denn vermutlich so ziemlich jeder Mensch weiß aus eigener Erfahrung, was das mit einem tut, wenn man inmitten eines Meeres aus grünen Blättern steht und die würzige Luft des Waldes einatmet. Dann kann man nämlich quasi in Echtzeit spüren, wie der Blutdruck 20 Zähler runtergeht, die Atmung tiefer wird und all die Probleme des Alltags ein bisschen weniger groß erscheinen. Wenn dann noch das Plätschern eines kleinen Flüsschens und der Gesang gefiederter Waldbewohner dazu kommt, kann sich selbst der gestressteste Stadtmensch nicht mehr dem beruhigenden Bann des Waldes entziehen.

Und solch einen Wald, den gibt es im Naturpark Schwarzwald reichlich. Davon bin ich spätestens überzeugt, als ich auf der hölzernen Aussichtsplattform hoch über dem Ellbachsee stehe und über das schier endlose Meer an grünen Baumwipfeln blicke, die sich in sanften Wogen unter mir bis zum Horizont hin ausdehnen.

Irgendwo da unten in diesem Getümmel aus Bäumen liegt mein Übernachtungsplatz für heute Nacht. Bis ich dort ankomme, muss ich aber noch einige Kilometer in meinen Wanderschuhen zurücklegen, und das soll mir nur recht sein. Denn ein Abend am Lagerfeuer wäre doch nicht mal halb so schön, wenn man ihn nicht mit vom Wandern müden Beinen und Augenlidern verbringen würde.

Vorbei an eiszeitlichen Karseen, gluckernden Bächen und rauschenden Wasserfällen (die jetzt im Sommer allerdings nicht mehr ganz so rauschen wie wohl im Frühjahr während der Schneeschmelze) bahne ich mir an diesem Tag meinen Weg durch den vielerorts erstaunlich wild wirkenden Schwarzwald. Der Sommer ist jetzt Ende Juni in vollem Gange, überall summt, brummt und duftet es nach ihm. Ich mache deutlich mehr als eine Pause, um meine heißgelaufenen Füße ins kalte Wasser zu tunken und den wohltuenden Schatten der Bäume auszunutzen. Und ich nehme mir die Zeit, all die kleinen Dinge am Wanderwegesrand zu entdecken, denen man doch oft viel zu wenig Beachtung schenkt.

Das Nachtlager unter den Sternen

Eine Feuerstelle, eine mit Holzspänen präparierte Stellfläche für die Zelte, ein kleines Toilettenhäuschen… viel ist es nicht, und doch alles was man braucht. Die Art von Aufregung, die man verspürt, wenn man zum ersten Mal ein unbekanntes Hotelzimmer betritt, macht sich breit. Es gibt sogar Feuerholz, juhu! Mein kleines Zelt ist im Nu aufgebaut und ich beginne, Holzscheite und Zunder zu stapeln. Das ist wohl einer dieser Urinstinkte des Menschen, die in diesem Moment Besitz von mir ergreifen. Wenn erst mal das Feuer brennt, ist man Zuhause, egal wo auf der Welt man sich befindet. Und ich bin doppelt froh, dass ich das heute machen darf, denn die Waldbrandgefahr war bis kurz vor meiner Tour zu hoch dafür.

Sobald die Flammen lodern (spätestens seit meiner Fernwanderung durch Westaustralien bin ich quasi Expertin in Sachen Zündeln) setze ich mich auf den Baumstamm an der Feuerstelle und blättere durch das kleine Gästebuch des Trekkingcamps Gutellbach. Es ist gefüllt mit der Dankbarkeit von Menschen, die wie ich hier im wunderschönen Schwarzwald sitzen dürfen und sich über eine Nacht unter den Sternen freuen. Über das einfache Leben da draußen, über die Geräusche des Waldes, die warme Mahlzeit nach einer langen Wanderung und die Tiere, die ihnen begegnet sind… Glück kann ja so einfach sein!

Langsam geht das helle Blau des Himmels in immer dunklere Farbtöne über, bis die ersten Sterne am durch die Baumwipfel blitzen. Der Wald wird stiller, nur das Plätschern des nahe am Camp vorbeifließenden Ellbachs bleibt von der Ruhe der Nacht gänzlich unbeeindruckt. Zu diesem Geräusch schlafe ich irgendwann später am Abend in meinem Zelt ein und dieses Geräusch begleitet mich, als ich am nächsten Morgen höchst zufrieden die ersten Schlucke meines heißen Camping-Kaffees genieße. Noch keine 24 Stunden zuvor war ich auf einer Autobahn irgendwo zwischen München und Baiersbronn und schon jetzt könnte diese Welt nicht ferner sein. Genau das ist es, was eine Nacht im Wald mit einem macht!

2 Tage Trekking im Schwarzwald – Camp Gutellbach Wanderroute

Das Camp Gutellbach liegt in der Nähe von Baiersbronn im nördlichen Schwarzwald und ist umgeben von vielen tollen kleinen und großen Naturschätzen. Um diese zu entdecken, hat man zahlreiche Wanderwege zur Auswahl. Für eine entspannte Wochenendtour mit Übernachtung im Trekkingcamp Gutellbach ist die 2-Seen-Tour der Baiersbronner Himmelswege eine tolle Variante.

Die 20 km lange Rundwanderung führt fast direkt am Camp vorbei und je nachdem, wie Du anreist und von wo Du startest, kannst Du die Distanz unterschiedlich auf die zwei Tage aufteilen. Die Anreise ist sowohl mit dem Auto als auch öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Die Route führt zu großen Teilen über naturbelassene Wege und vorbei an einigen Highlights der Region, wie zum Beispiel der Aussichtsplattform Ellbachseeblick und dem Sankenbachsee mit den nahegelegenen Wasserfällen.

Trittsicherheit und eine gewisse Grundkondition sind nur auf einigen kürzeren Abschnitten gefragt, alles in allem ist die Tour sehr entspannt und auch für Anfänger oder zum Beispiel Familien mit Kindern machbar. Auch fürs Wandern mit Hund ist die 2-Seen-Tour gut geeignet – dank dem vielen Wasser und den schattigen Bäumen selbst im Sommer. Vierbeiner sind auch in den Trekkingcamps erlaubt, allerdings sollte der Hund in Naturschutzgebieten oder aus Rücksicht auf andere Leute natürlich an die Leine genommen werden.

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Ich habe auch auf #zukunftleben, dem Nachhaltigkeitsmagazin von EDEKA Südwest, über meine Tour berichtet. Hier geht’s zum Artikel. 

Übernachten auf den Trekkingcamps im Schwarzwald -alles was Du wissen musst

Wenn Du nun auch Lust bekommen hast, mit Zelt und Rucksack die wilde Seite Deutschlands zu entdecken, kommen hier ein paar weitere Infos für die Planung Deiner Tour.

Allgemeine Infos

Im Schwarzwald gibt es insgesamt sechs solcher Trekkingcamps, die sich alle im mittleren bzw. nördlichen Teil des Naturparks befinden. Drei davon liegen im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, drei weitere im Gebiet des Nationalpakrs Schwarzwald. Sie liegen abseits von Ortschaften und sind nur zu Fuß zu erreichen. Übernachtungen sind von Mai bis Oktober möglich, wobei jedes Camp nur für maximal eine Nacht gebucht werden kann, da die Plätze extra für Wanderungen angelegt sind.

Ausstattung der Camps

Die Trekkingcamps bieten geeignete Stellflächen für insgesamt drei Zelte (teilweise bestehen diese aus Holzplattformen, daher ist ein freistehendes Zelt von Vorteil), ein Toilettenhäuschen und eine kleine Feuerstelle. Brennholz für letztere ist teilweise vorhanden (wie in meinem Fall) und darf ansonsten gesammelt werden. Offenes Feuer ist allerdings nur erlaubt, wenn keine Waldbrandgefahr besteht. Das solltest Du unbedingt beachten und daher kurz vor Start nochmal auf dieser Seite des Deutschen Wetterdienstes überprüfen. Ab Warnstufe drei solltest Du auf Lagerfeuer unbedingt verzichten.

Reservierung

Die Reservierung erfolgt online über die Webseite des Naturpark Schwarzwald. Dort findest du auch einen aktuellen Belegungskalender und kannst somit genau sehen, wann auf welchem Camp wie viele Stellplätze frei sind. Nach der Reservierung und Bezahlung der Gebühr in Höhe von 10 € pro Zelt erhältst Du weitere Informationen zu Deinem Aufenthalt und auch die mehr Infos zur genauen Lage der Camps sowie deren GPS-Koordinaten.

Tages- und Mehrtagestouren

Es ist möglich,  mehrere Trekkingcamps mit einer längeren Wanderung zu verbinden oder auch nur für einen kurzen Wochenend-Ausflug ein oder zwei der Camps anzusteuern. Routenvorschläge dazu findest Du in diesem sehr praktischen Tourenplaner des Naturparks Schwarzwald. Dieser nutzt Outdooractive, sodass Du die Routen auch direkt mit Hilfe der App zur Navigation nutzen kannst.

Verpflegung

Es gibt kein Trinkwasser auf den Trekkingplätzen, teilweise kann man aber – wie zum Beispiel im Falle vom Camp Gutellbach – Wasser aus den umliegenden Bächen holen und dann filtern bzw. abkochen. Je nach Jahreszeit können die Wasserläufe aber auch trocken sein, Du solltest Dich also nur auf diese Variante verlassen, wenn Du Dir sicher bist, dass der Flusslauf auch Wasser führt.

Um die Verpflegung musst Du Dich ebenfalls selbst kümmern – aber wo wäre da auch sonst der Spaß an der Sache? Gerade auf solchen kleineren Touren finde ich es toll, auch mal etwas feudaler zu essen als das sonst beim Trekking oft übliche Tütenessen. Und für eine leckere Camp-Mahlzeit braucht man ja auch eigentlich gar nicht so viel! Eine handvoll Risottoreis, etwas Käse ein paar frische Kräuter und Pilze (vielleicht ja sogar selbst gesammelt?) ergeben zum Beispiel ein leckeres Pilz-Risotto. Und was schmeckt überhaupt leckerer als Kartoffeln frisch aus dem Lagerfeuer?

Auf #zukunftleben, dem Nachhaltigkeitsmagazin von EDEKA Südwest, findest Du ein paar tolle Rezepte für die Trekking-Camp-Küche. Von mir gekocht und für gut befunden! (Nicht alle davon sind vegetarisch, aber sie lassen sich auch leicht fleischlos oder sogar vegan umsetzen.)

Weitere Infos

Viele weitere Infos, Antworten auf häufig gestellte Fragen usw. findest Du auf der Webseite des Naturparks Schwarzwald. 



Warst Du auch schon mal auf einer Trekkingtour im Schwarzwald unterwegs und hast noch Tipps? Oder hast Du Fragen zu den Trekkingcamps? Dann rein damit in die Kommentare!

4 Comments

  1. Sehr schöne Sache das!
    Ähnliche Stellen haben sich auch in den belgischen Ardennen an mehreren Orten etwickelt (einem Land wo wildcampen auch ausdrücklich verboten ist). Es ist wirklich eine richtig gute (une notwendige) Initiative!

    Dein Beitrag macht auf jeden Fall auch Lust drauf den Schwarzwald zu erkunden!

    • Fräulein Draußen Reply

      Ich hoffe es werden noch viel mehr! :-) In Deutschland und anderswo und überhaupt.

  2. Auf solche Trekkingcamps bin ich bisher noch nicht gestoßen.

    Aber ich finde auch, dass Deutschland für Wanderungen nicht zu unterschätzen ist. Klar ist die Landschaft meist nicht so dramatisch wie in Schottland oder in Südafrika, aber dafür gibt es auch kaum richtige Gefahren. Gerade für Anfänger oder für die Zeit zwischen den großen Reisen bieten unsere Landschaften doch auch viel Abwechslung.

    • Fräulein Draußen Reply

      Ganz genau! Und es muss ja auch nicht immer die große Dramatik sein. Dort gibt es zwar viel zu sehen, aber zum richtigen Abschalten ist es manchmal sogar besser, einfach und ohne großes Tamtam unterwegs zu sein. :-)

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