Ich glaube ich übertreibe nicht, und ich glaube ich spreche für viele, wenn ich sage, dass das Laufen lange Zeit eine Hassliebe für mich war.

Auf der Seite der Liebe stand stets meine Faszination für die einfachste und natürlichste Art der Fortbewegung – auf zwei Beinen und ganz ohne Hilfsmittel. Für „human powered adventures“, das Zurücklegen von (längeren) Distanzen mit reinem Willen und Muskelkraft. Das gute Gefühl, sich körperlich verausgabt zu haben. Die Flow-Momente, wenn die Beine plötzlich von ganz allein laufen und wenn man denkt – ja, weiß, dass man alles schaffen kann.

Das waren einige der Gründe, warum ich über die letzten zehn Jahre hinweg immer wieder mal die Laufschuhe geschnürt habe. Mal bin ich nur wenige Tage am Ball geblieben, mal immerhin über mehrere Monate hinweg. Einmal habe ich mich sogar für einen Halbmarathon angemeldet, nur um mich nach einem 13-Kilometer-Trainingslauf wieder abzumelden, weil die Schmerzen in der rechten Hüfte zu groß waren.

Dafür hasste ich das Laufen. So gut ich mich manchmal währenddessen und danach fühlte, so schlecht fühlte ich mich auch oft.  Auf Adrenalin und Endorphine wartete ich an manchen Tagen vergeblich. Ich fühlte mich unsportlich, wie ein schwerer Klotz, mit schwachen Beinen und noch schwächerem Willen. Immer begann es irgendwann irgendwo zu zwicken oder sogar zu schmerzen. Und irgendwann kam immer der Punkt, an dem es mir leichter erschien, mich mit meinem Schicksal abzufinden und mich wieder anderen Dingen zuzuwenden. Vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Wandern zu gehen oder mehr Youtube-Workouts zu machen, um mich auszulasten.

Die Enttäuschung darüber, es mal wieder nicht geschafft, nicht durchgezogen zu haben, obwohl ich mir doch sogar extra ein neues Set Laufkleidung gekauft hatte, verflog jedoch nie ganz. Und so kam immer irgendwann der Punkt, an dem ich der Sache mit dem Laufen eine neue Chance gab. An dem ich dachte: Dieses Mal ziehst Du es durch. Dieses Mal wirst Du zur Läuferin – und bleibst es auch. Nur um wieder einige Zeit später resigniert festzustellen:

Ich bin wohl einfach nicht zum Laufen geboren.

Schweden oder: Laufen um des Laufens willen

Den Teufelskreis aus Hoffnung und Resignation, den bestimmt ganz viele von Euch kennen, die das mit dem Laufen mal probiert haben, durchbrach ich vor ziemlich genau einem Jahr. Und das ganz ohne überhaupt darüber nachzudenken. Ohne es zu wollen. Im Januar letzten Jahres brach ich nach Südschweden auf, wo ich zwei Monate in einem kleinen Haus auf dem Land verbringen wollte. Ganz allein, das einfache Leben lebend und liebend. Ein kleines Holzhaus mit Kamin, vor dem ich las und einem kleinen Schreibtisch, an dem ich arbeitete. Und Zeit zum Lesen und Arbeiten gab es viel, denn die Tage waren kurz, die Nächte lang und selbst der nächste Supermarkt eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt. Ich wusste, dass ausreichend Bewegung und frische Luft der Schlüssel zum Glück im skandinavischen Winter waren, und so begann ich bald schon, meinen täglichen Spaziergang mit einem Lauf zu ergänzen oder zu ersetzen.

Fünf Kilometer maß meine Stammrunde. Kurz genug, sodass ich sie auch ohne groß im Lauftraining zu sein meistern konnte und doch lang genug, um Lunge und Beine ein bisschen brennen zu lassen. Ich lief nicht, weil ich eine Läuferin werden wollte oder weil ich irgendein höheres Ziel verfolgte. Ich lief einfach nur, weil es mir intuitiv gut tat. Weil ich mich davor, währenddessen und danach gut fühlte, und zwar immer, auch wenn es anstrengend war. Wenn ich zwischendurch das Gefühl hatte, dass ich ein bisschen gehen oder sogar stehenbleiben wollte, tat ich das. Wenn ich das Gefühl hatte, dass ich ein bisschen schneller laufen wollte, tat ich das. Und irgendwann, nach einigen Wochen, kam plötzlich auch das Gefühl in mir auf, dass ich ein bisschen weiter laufen wollte als fünf Kilometer. Also tat ich das.

Statt am Ende der Runde links zurück zu meinem Häuschen abzubiegen, lief ich nach rechts, ein bisschen die Straße entlang, bis ich wieder umdrehen wollte, und das dann eben auch tat. Sieben Kilometer. Und ich fühlte mich gut.

Von diesem Tag an nahm ich immer mal wieder den ein oder anderen Umweg in meine Laufroutine auf. Meist entschied ich ganz spontan, auch weil die Energie oft erst ein paar Kilometer brauchte, bis sie mich einholte. Genauso gab es weiterhin Tage, an denen ich immer wieder ins Gehen verfiel, weil selbst die fünf Kilometer irgendwie zu anstrengend waren. Alles war okay, alles war erlaubt.

Ich hörte auf meinen Körper, tat wonach ich mich fühlte, bis meine Uhr eines Tages zehn Kilometer in 60 Minuten anzeigte. Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich diese für Laufanfänger oder -Wiedereinsteiger magische Grenze durchbrochen hatte. Ich war eine Stunde durchgelaufen, und das gar nicht mal sooo langsam. Noch dazu bei minus zehn Grad und mit Spikes an den Laufschuhen, die eigentlich gar nicht meine Laufschuhe waren, sondern Trailrunning-Schuhe, die ich sonst zum Reisen und für leichte Wanderungen trug. Meine eigentlichen Laufschuhe hatte ich zuhause gelassen, denn ich hatte ja nicht vorgehabt, zu laufen.

Portugal oder: Geht da vielleicht noch ein bisschen mehr?

Obwohl ich die Zehn-Kilometer-Marke noch einige Male in Schweden und im anschließenden Monat zurück in der Heimat erreichte, und das ohne mich währenddessen oder danach komplett fertig zu fühlen, hielt ich längere Läufe nach wie vor für ziemlich utopisch. Immerhin war ich zuvor in meinem ganzen Leben erst ein oder zwei mal weiter als zehn Kilometer gelaufen, und dieses „Eskapaden“ hatten immer negative Folgen in Form von Überbelastungen mit sich gebracht. Zehn Kilometer, das war mein oberes Limit, das hatte ich unterbewusst abgespeichert. Und irgendwie reicht das ja auch – so redete ich es mir zumindest ein.

Als ich im April nach Portugal reiste, um dort einen Monat lang zu leben und zu arbeiten, waren meine Laufschuhe (die immer noch besagte Trailrunner waren, denn irgendwie schienen diese nicht zu dem sonst immer irgendwann auftretenden Zwicken in Knie, Fuß oder/und Hüfte zu führen) bereits zu einem ziemlich festen Bestandteil meines Lebens geworden. Ich lief seit Anfang des Jahres mehrmals pro Woche irgendwas zwischen fünf und zehn Kilometern und hatte bisher noch nicht den Drang verspürt, wieder damit aufzuhören. Und so schnürte ich auch den vierten Monat in Folge meine Laufschuhe, wenn auch etwas weniger oft als die Monate zuvor, weil das Wandern an der Algarve ebenfalls ziemlich verlockend war.

Eines Abends, ich hatte den Tag fast schon zu einem Pausentag erklärt, verspürte ich doch noch den Drang, zu Laufen. Mein Airbnb war direkt am malerischen Strand von Carrapateira gelegen und ich lief Kilometer um Kilometer hoch auf den Klippen über den tosenden Wellen des Atlantiks, während die Sonne sich langsam dem Horizont annäherte. Es fühlte sich an wie Fliegen, und genauso flogen auch die ersten fünf Kilometer unter meinen Füßen vorbei. Doch ich wollte noch nicht umdrehen, ich wollte sehen, was hinter der nächsten Klippe kam, einen der Wege ins Inland nehmen, die ich bereits auf der Karte gesehen hatte, und das kleine Örtchen mit seinen weißen Häusern musste im Abendlicht bestimmt auch ziemlich schön aussehen.

Ich lief einfach, sah nicht mehr auf die Uhr, und als ich wieder zuhause war, zeigte sie fünfzehn Kilometer an. Ich konnte es kaum glauben. Noch nie zuvor war ich so weit gelaufen. Gewandert ja, natürlich – auch deutlich mehr. Aber nicht gelaufen. Und ich hätte ganz ehrlich nicht (mehr) damit gerechnet, dass es jemals dazu kommen würde.

Denn ich war ja bekanntlich nicht zum Laufen geboren. …oder vielleicht doch?

München oder: Spontaner Halbmarathon

Das Erreichen der 15-Kilometer-Marke hatte einen Schalter bei mir umgelegt, meine innere Laufuhr neu kalibriert. Plötzlich waren zehn Kilometer nicht mehr das obere Ende der Fahnenstange, sondern einfach nur ein ziemlich normaler Trainingslauf, den ich zwischen zahlreichen Reisen und Wanderungen, die im Mai und Juni auf meiner Agenda standen, mal schnell dazwischen quetschen konnte, um nicht ganz aus dem Lauftraining zu geraten. Einige Male noch hatte ich nach meiner Rückkehr aus Portugal die zehn Kilometer überschritten, mich das ein oder andere Mal sogar wiederholt an die 15 Kilometer herangetastet, die doch nach wie vor eine deutliche Herausforderung an mich und mein Durchhaltevermögen waren.

Bis ich eines Tages bei einem dieser längeren Läufe im Münchner Englischen Garten gegen Ende der 15 Kilometer dachte: Was, wenn ich einfach noch nicht aufhöre? Was, wenn ich einfach noch ein bisschen weiterlaufe… 

16 Kilometer: Immerhin schon ein Kilometer mehr, vielleicht geht ja noch einer.

17 Kilometer: Bin ich jetzt wirklich schon 17 Kilometer gelaufen, ohne einmal anzuhalten?

18 Kilometer: Jetzt könnte ich eigentlich auch einen Halbmarathon laufen, oder es zumindest versuchen.

19 Kilometer: Sollte man bei einem Halbmarathon nicht eigentlich mal zwischendurch was trinken oder essen?

20 Kilometer: Ach Du Scheiße.

21 Kilometer: Wie lang ist ein Halbmarathon nochmal genau?

21,0975 und ein paar Zerquetschte Kilometer: Ähm. Okay. 

Und da war es passiert. Ich hatte meinen ersten Halbmarathon hinter mich gebracht. Einfach so. Ohne Anfeuerungsrufe irgendwelcher Zuschauer. Ohne Essen oder Trinken. Ohne Gehpause. Ja, ohne überhaupt den Vorsatz gehabt zu haben, in absehbarer Zukunft einen Halbmarathon laufen zu wollen. Und das nur sechs Monate, nachdem ich begonnen hatte, regelmäßig meine Laufschuhe zu schnüren.

Ich konnte es kaum glauben, starrte immer wieder auf meine Uhr. Und selbst heute, ein halbes Jahr später – ich kann mittlerweile nicht ganz ohne Stolz behaupten, dass ich einen Halbmarathon relativ locker durchlaufen kann – kann ich es manchmal immer noch nicht so richtig glauben.

Schweiz oder: Bergauf geht’s auch

Eine Sache, die mich an der Fortbewegung zu Fuß – egal ob beim Wandern oder beim Laufen – immer fasziniert hatte, war die, dass man zu Fuß so gut wie überall hin kam, und sei der Weg noch so unwegsam. In Läufersprache heißt das dann Trailrunning. Also Laufen abseits von Teerstraßen und Schotterwegen. Laufen dort, wo ich bisher nur gewandert war. Und für mich als Münchnerin vor allem auch: Laufen in den Alpen.

Aber wie sollte das gehen, Laufen in den Bergen? Bergauf mussten dabei doch innerhalb kürzester Zeit Lunge und Waden in tausend Stücke zerbersten, bergab hingegen die Knie. Ich hatte noch nicht viele Berührungspunkte mit dem Trailrunning gehabt, hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte. Und doch wusste ich, dass mir das Laufen auf Parkwegen und Bürgersteigen nicht genug war.

Ich wollte beim Laufen noch ein bisschen höher hinaus, und zwar nicht (nur) horizontal, sondern auch vertikal. Doch ich dachte, ich könnte es nicht. Solange, bis ich es einfach machte…

Der Uetliberg ist der Hausberg von Zürich. Von seinem Fuß sind rund 450 Höhenmeter bis zu seinem Gipfel zu überwinden. Das könnte ich ja einfach mal probieren, nachdem mir der Münchner Hausberg, der Olympiaberg mit rund 60 Metern Höhenunterschied, dann doch irgendwann ein bisschen zu mickrig war.  Wenn es nicht mehr ging, könnte ich den Rest ja einfach gehen. Vielleicht würde ich wenigstens 100 Höhenmeter am Stück schaffen, ohne zu sterben…

Ich schaffte die 100 Höhenmeter. Die 200 auch. Und rund 40 Minuten war ich auf den Gipfel des Uetlibergs gelaufen, ohne auch nur ein einziges Mal anzuhalten. Nicht besonders schnell, aber ich war gelaufen. Bergauf. Und das nicht gerade wenig. Mind blown. 

Neben zahlreichen weiteren Uetliberg-Läufen folgten im letzten Sommer auch einigen Läufen in den „richtigen“ Schweizer Bergen. Und die zeigten mir, dass ich weitaus mehr konnte, als ich mir zugetraut hatte. Etwas, das ich mittlerweile eigentlich irgendwie hätte wissen müssen.

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Hier geht’s zu schönsten Trailrunning-Routen in der Schweiz, inklusive GPX-Tracks und einem sehr empfehlenswerten Buchtipp.

Ich lernte, dass man tatsächlich bergab laufen kann, ohne eine anschließende Knie-OP zu benötigen (und dass das sogar ziemlich viel Spaß macht). Ich lernte, dass ich bergauf laufen kann, dass es aber beim Trailrunning auch völlig ok und normal ist, einfach nur schnell zu „gehen“ (Powerhike!) – vor allem wenn es steiler und/oder steiniger wird. Ich lernte, dass beim Trailrunning eigentlich und überhaupt sowieso alles okay ist, und dass das unglaublich Schöne am Trailrunning ist, dass man jederzeit die Wahl hat. Dass man in einem Moment (gefühlt) langsam den Berg hochschnaufen kann und im nächsten Moment über Singletrails dem Horizont entgegen fliegt. Ich lernte, und das wohl mehr als je zuvor, bis zu meinen Grenzen und manchmal auch ein bisschen darüber hinaus zu gehen und gleichzeitig auf meinen Körper zu hören und mich ganz im Einklang mit mir selbst zu bewegen. Und vor allem lernte ich, mich gut zu fühlen, auch wenn ich mich gerade nicht gut fühlte. Wenn jeder Schritt zu viel wurde, und ich mich mal wieder wie der schwere, unsportliche Klotz fühlte, den ich von früher nur allzu gut kannte. Weil ich wusste, dass ich in Wirklichkeit keiner war.

Ich war vielleicht nicht zum Laufen geboren, zumindest nicht so, wie manch andere(r), aber das hieß noch lange nicht, dass ich es nicht trotzdem tun konnte.

 

Südafrika oder: Jetzt will ich’s wissen

Im Spätsommer entdeckte ich, dass zeitgleich zu meinem geplanten Aufenthalt in Kapstadt als Teil meiner zweimonatigen Südafrikareise dort auch der Ultra-trail Cape Town stattfand. Ich war schon länger neugierig, was den Reiz von Laufveranstaltungen ausmachte. Und vor allem was diese Extraportion Adrenalin mit mir und meinem Durchhaltevermögen anstellen mochte. Und so meldete ich mich kurzerhand für die 21-Kilometer-Distanz des UTCT an. Nur um mich ein paar Tage später wieder davon abzumelden und mich stattdessen für die 35 Kilometer anzumelden. Wenn schon, denn schon.

35 Kilometer, zu denen sich rund 2.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg gesellten, noch dazu in größtenteils sehr technischem Terrain. Eine Herausforderung, von der ich in diesem Moment im Gegensatz zu den 21 Kilometern nicht sicher war, ob ich sie meistern konnte. Und genau so wollte ich das haben.

Ich trainierte noch ein bisschen mehr, teilweise bis zu 70 Kilometer mit 3.000 bis 4.000 Höhenmetern pro Woche. Stellte fest, dass das vielleicht doch noch ein bisschen viel für mich war und fuhr die Intensität wieder runter. Ich hatte keinen Trainingsplan, lief einfach nach Gefühl und versuchte dabei einfach, dieses Laufen möglichst abwechlungsreich zu gestalten und verschiedene Formen des Trainings – lange Läufe, schnelle Läufe, Höhenmeter und Intervalle – in meine Laufwoche zu integrieren.

In den letzten Wochen vor Kapstadt lief ich relativ wenig, doch ich wusste, dass ich das Jahr über genug Grundlagen aufgebaut hatte, um den Lauf theoretisch in akzeptabler Zeit schaffen zu können. Und als ich nach 6 Stunden und 57 Minuten, 3 Minuten schneller als mein selbst gestecktes Ziel von sieben Stunden, die Ziellinie überquerte, war ich einfach nur dankbar.

Dankbar dafür, dass ich ein Jahr zuvor die Laufschuhe geschnürt und einfach nicht mehr damit aufgehört hatte. Dankbar dafür, dass ich etwas gefunden hatte, dass ich einmal mehr etwas gefunden hatte, dass mich gleichzeitig forderte und glücklich machte, und das ich als solches immer mit mir nehmen konnte, egal wohin ich ging. Und vor allem war ich für etwas dankbar, dass ich schon in den letzten Jahren so sehr zu schätzen gelernt hatte: Einen Körper und insbesondere zwei Beine, die all meine Ideen mitmachten.

… und wie läufts jetzt weiter?

Die letzten Wochen in Südafrika habe ich eine kleine Laufpause gemacht, die mir nach einem Jahr Dauerlauf definitiv gut getan hat. Umso motivierter bin ich nun, wieder fleißig vor mich hinzulaufen und zu gucken, wie weit (oder hoch oder beides) ich dieses Jahr komme. Ich habe auch die ein oder andere Laufveranstaltung im Auge (und gaaanz eventuell hab ich mich auch schon wieder für einen Lauf angemeldet).

Vor allem aber ich habe mir fest vorgenommen, auch in diesem Jahr meiner Devise treu zu bleiben, die im letzten Jahr so gut für mich funktioniert hat: Ich möchte laufen um des Laufens willen, und mich dabei nicht nach Trainingsplänen richten, sondern vor allem nach meinem Gefühl.


Ich hoffe, dass ich Dich mit der Geschichte meines Laufeinstiegs vielleicht auch ein bisschen motivieren konnte, der Sache mit dem Laufen noch eine Chance zu geben. Laufen ist einfach so ein toller Sport, den man immer und überall ausüben kann und zwar ganz so, wie man möchte. Man kann kurz oder lang laufen, hoch oder weit, schnell oder langsam, durch Matsch oder über Asphalt, allein oder mit anderen (…).

Mein großer und vielleicht sogar einziger Tipp für Dich: Geh einfach laufen. Denk nicht darüber nach, wie weit oder wie schnell. Und vor allem nicht, ob Du morgen oder nächste Woche auch noch laufen wirst. Setz Dir (am Anfang) keine Ziele, melde Dich für keinen Lauf an und mach Dir keinen Plan. Geh. Einfach. Laufen. Genieß die frische Luft, die Bewegung, die Zeit für Dich. Wenn Du zwischendurch gehen willst, tu es. Wenn Du plötzlich mal schneller oder weiter laufen willst, tu es. Und vergleich dich dabei niemals mit anderen. Vergleich dich am besten noch nicht mal mit dir selbst. Jeder Moment, den Du draußen verbringst, ist ein guter Moment.

Und entgegen weitläufiger Meinungen bin ich nach diesem Jahr tatsächlich fest von einer Sache überzeugt:

Irgendwie sind wir doch alle zum Laufen geboren.

8 Comments

  1. Auf der Couch sitzend nicken – das war gerade meine Hauptbeschäftigung beim Lesen deiner ersten Abschnitte. Wie gut ich das kenne. Es wäre so schön, wenn Laufen mein Sport wäre. Man muss nicht erst wo hinfahren, kann vor der Haustür zu quasi jeder Tages- und Nachtzeit starten und tut was an der frischen Luft.
    Es vergeht kein Jahreswechsel, an dem ich mir nicht zumindest kurz vorstelle, wie ich im neuen Jahr regelmäßig joggen gehen werde und ganz nebenbei rank und schlank werde. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich keine Läuferin bin. Dass ich, die das Wandern so liebt, das Joggen so hasst.
    Dieses Jahr habe ich mein Ziel daher auf tägliches Spazierengehen umgeswitched. Immerhin. Aber heute ertappte ich mich dabei, wie ich dachte: laufen wäre grad irgendwie geiler. Und da kommt dein zweiter Teil des Artikels gerade Recht. Ich geb dem
    Ganzen noch mal eine Chance – ob in Trailrunnern oder Laufschuhen, weiß ich noch nicht. Aber wenn ich das nächste Mal Bock auf Laufen habe, mach ich es einfach. Also vielen Dank für den inspirierenden Beitrag,
    Audrey

    • Fräulein Draußen Reply

      Liebe Audrey,

      genau dieses Immer und Überall find ich (unter anderem) auch so großartig am Laufen. Das mit dem Spazierengehen ist ja aber auch schon mal ein ziemlich guter Plan. Vielleicht machst Du Deine Spaziergänge ab jetzt einfach in Laufschuhen, sodass Du jederzeit ein bisschen laufen kannst, wenn du dich danach fühlst? :-)

      Liebe Grüße und viel Spaß da draußen – bei was auch immer,
      Kathrin

  2. Hallo Kathrin,
    erst mal ganz herzlichen Glückwunsch zum geschafften UTCT. Solch ein Zieleinlauf bei einer Laufveranstaltung ist ja immer ein ganz tolles Erlebnis :-)
    Obwohl ich tatsächlich auch schon ein paar Laufevents erfolgreich hinter mich gebracht habe, ist es bei mir auch eine Hop-on-hop-off-Beziehung zur Lauferei. Zu den Laufevents bin ich damals eher durch den Mann gekommen. Wirkliche Begeisterung war es bei mir aber nicht. Inzwischen läuft der Mann wegen Knie und Achillessehne nicht mehr und für mich war das ein guter Grund, das Ganze auch nicht mehr so wirklich zu verfolgen.
    Letzte Woche habe ich allerdings mal wieder mit dem Laufen angefangen. Ich hoffe, diesmal gelingt es mir doch, dabeizubleiben. Auf jeden Fall macht deine Geschichte Mut. Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Martina

    • Fräulein Draußen Reply

      Liebe Martina,

      vielen Dank Dir! Und ja, das ist es in der Tat. Vor allem auch, wenn man sowas vorher noch nie erlebt hat. :-)

      Vielleicht funktioniert das Laufen für Dich ja besser, wenn Du es wirklich nur für Dich selbst machst und nicht immer „nur mitläufst“?! Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert – aber den hast Du ja schon gestartet. Ich drück die Daumen!

      Liebe Grüße und viel Spaß (!!!)
      Kathrin

  3. Hallo Kathrin,
    das klingt absolut unglaublich. 35 km nach nur einem Jahr. Respekt.
    Auch wenn ich schon öfter 12 km gelaufen bin, kommt mit ein Halbmarathon absolut utopisch vor. Ich mag das Laufen gerne und liebe es draußen zu sein, habe aber jetzt fast ein Jahr pausiert, was den Wiedereinstieg nicht gerade einfacher macht. Aber ich habe mir vorgenommen, bald wieder anzufangen, da kommt dein Artikel gerade recht – auch wenn ich schon froh bin, wenn ich in einem Jahr wieder gut die 10 km laufen kann.

    Liebe Grüße
    Christa

  4. Schöner Artikel! Sehr motivierend!
    DA sieht man mal wieder, welche Grenzen man mit der richtigen Einstellung überwinden kann.
    Ich wurde es auch versuchen, wenn ich nicht schon zu alt ware und Sorge um meine Gelenke hatte!

  5. Wow! Toller Artikel zum Thema Laufen!
    Mir geht es ähnlich mit der Laufmotivation. Ich hasse Laufen um des Laufens willen. Ich brauche immer ein Ziel vor Augen, wie beispielsweise einen Federball oder Tennisball den ich eben noch schnell erreichen muss damit den Gegner keinen Punkt bekommt. Aber einfach so Laufschuhe anziehen und einfach loslaufen? No way!
    Wenn ich bisher ins Lauftraining gegangen bin, dann nur um mich auf größere Wanderurlaube oder Touren vorzubereiten, damit mich meine Kondition nicht im Stich lässt und meine Muskulatur trainiert und aufgebaut ist. Sobald das Ereignis jedoch vollendet ist, ist das Lauftraining flux schon wieder vorbei. Auch die Befriedigung stellt sich beim Joggen bei mir einfach nicht ein! Laufen ist einfach nix für mich.
    Dein Artikel verleiht dem Thema „Laufen“ einen völlig neuen Glanz! Einfach laufen wie man will und wie man sich fühlt, ohne Kilometer und Geschwindigkeit! Das ist unglaublich motivierend!
    Darf ich fragen wie du deine Kilometer und Distanzen überwachst? Verwendest du eine Sportuhr mit GPS Tracker oder einfach nur ein Telefon mit App?
    Vielen Dank auf jede Fall für diesen Beitrag, vielleicht bin ja auch ich doch zum Laufen geboren??

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