Mehrere Tage, Wochen oder gar Monate wandern. Jeden Tag. Mit den immer gleichen Schuhen an den Füßen. Egal ob heiß oder kalt, staubtrocken oder pitschepatschenass. Eine Fernwanderung stellt ganz besondere Herausforderungen an die Wanderschuhe und den zukünftigen Fernwanderer dementsprechend vor große Herausforderungen bei der Wahl des geeigneten Schuhwerks.

Jede Fernwanderung und jeder Wanderfuß ist anders und gleichzeitig gibt es heutzutage schier unendliche Möglichkeiten in Sachen Wanderschuh. Ich weiß noch sehr gut, wie ich vor meiner ersten langen Wanderung in so mancher Nacht wach lag, weil meine Gedanken endlos rund um Dinge wie Schuhmaterialien, Gramm-Zahlen und wasserdichte Membranen gekreist sind.

In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen, die ich auf meinen Fernwanderungen gesammelt habe, mit Dir und gebe Tipps und Denkanstöße für die richtige Wahl.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Lowa und enthält daher Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine persönliche Meinung und die Inhalte dieses Artikels wurden dadurch nicht beeinflusst. Zudem enthält dieser Artikel Affiliate-Links (mit * gekennzeichnet). Wenn Du etwas über einen dieser Links kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass Du mehr bezahlen musst. Dies dient der Erhaltung meines Blogs. Mehr dazu kannst Du hier nachlesen.


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Auf (fast) allen meinen (Fern-)Wanderungen der Schuh meiner Wahl: Der Innox GTX Mid W von Lowa (Drakensberge, Südafrika)

Tipp 1: Das Gewicht zählt

Nicht nur, aber vor allem auch auf langen Wanderungen ist es unglaublich wichtig, auf das Gewicht der Ausrüstung zu achten. Und das gilt nicht nur für das, was man auf dem Rücken mit sich trägt, sondern auch für das an den Füßen. Denn dieses Gewicht muss man bei jedem einzelnen Schritt anheben und wieder absetzen. Und Schritte, die macht man so einige auf einer Fernwanderung.

Während 100 Gramm mehr oder weniger auf dem Rücken letztendlich nicht viel ausmachen, sieht das an den Füßen schon ganz anders aus. Mit schweren Wanderschuhen ermüden die Beine einfach deutlich schneller und Du verschwendest auf Schritt und Tritt die auf einer Fernwanderung so wertvolle Energie.

Achte mal bewusst darauf, wie leicht sich Deine Beine plötzlich anfühlen, wenn Du nach einer Wandertour in Bergstiefeln in leichte Sneaker schlüpfst und Du merkst schnell, was für eine große Rolle dieser Faktor spielt.

Natürlich ist Gewicht aber  auch nicht alles. Gleichzeitig müssen die Schuhe in Sachen Robustheit und Funktion an die jeweilige Tour und den Träger angepasst sein. Es gibt gerade in der Fernwanderer-Szene viele Menschen, die so ziemlich jedes Terrain in leichten Trailrunning-Schuhen bewerkstelligen. Um dabei sicher unterwegs zu sein benötigt man aber durchaus Erfahrung und einen trainierten Fuß. Und man muss sich zudem einfach wohlfühlen mit dem Gedanken, in luftig-leichten Schuhen über Schnee- oder Geröll-Felder zu marschieren.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile ein großes Mittelfeld zwischen leichtem Laufschuh und schwerem Trekkingstiefel, wie zum Beispiel die All Terrain Classic-Serie von Lowa.

 

Tipp 2: Wasserdicht ist nicht immer auch gut

Bei der Frage, ob eine wasserdichte Membran in Wanderschuhen Sinn macht oder nicht, scheiden sich die Geister. Fakt ist, dass Gore-Tex & Co nur unter bestimmten Bedingungen so richtig gut funktionieren. Und das ist vor allem dann der Fall, wenn das Temperaturgefälle groß ist, sprich: Wenn die Außentemperatur relativ kalt ist, während es in Deinem Schuh durch die Körpertemperatur relativ warm ist.

Gleichzeitig haben diese Membranen auch keine unbegrenzte Lebenszeit, gerade in einem Produkt wie einem Wanderschuh, der ständig in Bewegung ist und stark belastet wird. Wenn Du eine lange Fernwanderung planst, wird Dein wasserdichter Schuh also nach und nach an Funktion einbüßen.

Außerdem ist zu beachten, dass Textil-Wanderschuhe mit Goretex, wenn sie erst einmal nass sind, langsamer trocknen als Schuhe ohne Membran. In Schuhen mit Goretex bleiben die Füße also zwar erstmal länger trocknen, aber wenn sie erstmal nass sind, bleiben sie es auch für längere Zeit. Und bei starken Dauerregen oder feuchtem Untergrund wird jeder Schuh irgendwann nass, daran führt oft kein Weg vorbei.  Aber Achtung: Leder-Schuhe mit Gore-Tex trocknen dagegen in der Regel deutlich schneller als Vollleder-Schuhe, die, wenn so richtig nass, oft sogar mehrere Tage brauchen, bis sie wieder ganz trocken sind.

Alles in allem hängt Deine Wahl also sehr davon ab, in was für Gefilden Du Dich bewegen wirst. Zusätzlich solltest Du aber auch berücksichtigen, ob Deine Füße schnell schwitzen oder eher trocken bleiben, denn Schuhe mit Membran sind natürgemäß weniger atmungsaktiv.

Wenn Du also  in eher trockenen, warmen Gefilden unterwegs bist, würde ich Dir eher zu Schuhen ohne wasserdichte Membran raten. Wenn es Dich dagegen in eher kalte und/oder feuchte Regionen zieht, kann ein Schuh mit Membran sehr angenehm sein und gut funktionieren.

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Bei Überschwemmung hilft auch kein Gore-Tex mehr… wer seine Schuhe (und trockene Füße) liebt, der trägt! (Bibbulmun Track, Westaustralien)

Tipp 3: Leder oder Textil?

Vor allem bei Fernwanderungen hat Textil gegenüber Lederschuhen vor allem den Vorteil, dass es weniger Pflege braucht und grundsätzlich schneller trocknet als ein vollgesaugter Lederschuh. Auch verzeiht Textil radikalere Trocknungsmethoden eher, wie zum Beispiel pralle Sonne oder eine Heizung, bei denen Leder über einen längeren Zeitraum brüchig und rissig werden würde (übertreiben solltest Du es hierbei aber trotzdem nicht, denn sonst kann sich der Kleber der Sohle lösen). Und auf einer langen Tour ist die Aussicht auf trockene Schuhe oft einfach viel zu verlockend.

Ein Schuh aus Leder ist hingegen insgesamt deutlich robuster, was vor allem in unwegsamem Gelände mit viel Fels und/oder dichter Vegetation von Vorteil ist. Auch hält Leder (wenn gut gepflegt) Nässe bis zu einem gewissen Grad besser draußen, bevor diese überhaupt mit der wasserdichten Membran (falls vorhanden) in Berührung kommt.

Letztendlich sind sowohl Schuhe aus Leder als auch Textil bzw. natürlich auch solche mit einer Mischung aus beidem für Fernwanderungen geeignet. Ich persönlich bevorzuge im Allgemeinen Schuhe aus Textil, und zwar nicht zuletzt wegen des geringeren Gewichts und der größeren Flexibilität des Materials.

Tipp 4: Auf ein gutes Profil achten

Die Schuhe für Deine Fernwanderung sollten auf jeden Fall eine Sohle mit ausgeprägtem Profil haben. Zum einen natürlich, damit Du auf den unterschiedlichsten Untergründen nicht ins Rutschen kommst. Vor allem aber wird sich das Profil Deiner Sohle auf längeren Wanderungen durch die tägliche und andauernde Beanspruchung zwangsweise abnutzen, sodass Du bei einer Sohle mit weniger ausgeprägtem Profil dann viel zu früh ganz ohne dastehst. Und damit läuft es sich dann doch ziemlich schlecht.

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Die wenigsten Fernwanderungen führen ausschließlich über gut gepflegte Wege. Ein gutes, rutschfestes Profil ist dabei essenziell! (Lake District, England)

Tipp 5: Jeder Schuh ist nur so gut wie die Füße, die darin stecken

So gut ein Wanderschuh auch sein mag: Er kann den Fuß immer nur unterstützen, ihm die Arbeit aber nicht abnehmen. Deswegen ist es unglaublich wichtig, die Füße und ihre Strukturen wie Muskeln, Sehnen und Bänder auf die große Belastung einer Fernwanderung vorzubereiten. Dadurch wirst Du unterwegs nicht nur weniger Schmerzen haben, sondern kannst auch Verletzungen und Überbelastungen vorbeugen – immer noch einer der Hauptgründe, warum viel Fernwanderer ihre Tour nach einiger Zeit abbrechen müssen.

Die stabilisierende Wirkung von Wanderschuhen, die über den Knöchel gehen, wird übrigens gerne überschätzt. Letztendlich kannst Du in einem Schuh, der über den Knöchel geht, genauso umknicken wie in einem knöchelhohen Schuh auch. Je trainierte Deine Füße und Beine aber sind, desto weniger wirst Du umknicken und desto weniger wird passieren, falls Du es doch mal tust.

In diesem Artikel findest Du meine Tipps für einige einfache Übungen für fitte Wanderfüße, die nur wenige Minuten Deiner Zeit beanspruchen und trotzdem viel bewirken können.

Aber auch unterwegs ist es natürlich essenziell, die Füße möglichst fit und gesund zu halten. Regelmäßiges Lüften, Lockern und Dehnen trägt einen großen Teil dazu bei.

Tipp 6: Qualität ist wichtig

Bei Deinen Wanderschuhen fürs Fernwandern solltest Du in Sachen Qualität keine Kompromisse machen, denn diese Schuhe werden eine Deiner wichtigsten Verbündeten sein und nicht zuletzt auch mit darüber entscheiden, ob Du Dein Ziel erreichst oder nicht.

Lowa arbeitet ausschließlich mit hochwertigen, bewährten Materialien und produziert ausnahmslos in Europa. Viele der Schuhe werden sogar nach wie vor am eigenen Standort im bayerischen Jetzendorf produziert. Ich war selbst schon vor Ort und war überrascht und fasziniert davon, wie viel Handarbeit und Können in einem solchen Schuh steckt und wie viele Schritte notwendig sind, bis der fertige Schuh in den Karton kommt. So betrachtet ist es irgendwie schon sehr beruhigend zu wissen, dass da „echte Menschen“ am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen und ihr Können in jeden einzelnen Schuh stecken.

Die Bergsport-Bloggerin Ulligunde hat dort sogar mal ihren eigenen Schuh gebaut und das ganze in einem Video festgehalten:

Tipp 7: Schuhe richtig pflegen – auch unterwegs

Nicht nur die Füße sollten während Deiner Fernwanderung ein bisschen Pflege abbekommen, sondern auch die Schuhe. Das gilt besonders, wenn Deine Schuhe (teilweise) aus Leder sind. Das Leder wird nämlich naturgemäß mit der Zeit und besonders, wenn es stetig äußeren Einflüssen wie Sonne oder Nässe ausgesetzt ist, brüchig und geht kaputt. Daher solltest Du das Leder zwischendurch unbedingt gut reinigen und anschließend einfetten.

Sowohl bei Leder- als auch Textilschuhen solltest Du zudem so gut wie möglich vermeiden, die Schuhe zu großer Hitze auszusetzen. Das schadet nicht nur dem Material, sondern kann auch dazu führen, dass sich der Kleber Deiner Sohle löst.

Mehr Infos zur richtigen Pflege von Wanderschuhen kannst Du in meinem Artikel nachlesen.

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Meine Lowa Innox nach rund 1.300 km Wandern in Australien und den USA: Eine sich lösende Zehenkappe und ein paar kleine Löcher im Textil – ansonsten immer noch gut in Schuss! (Grand Canyon, USA)

Für welchen Schuh auch immer Du Dich für Dein Fernwander-Projekt entscheidest – das allerwichtigste ist, dass sie bequem sind, gut passen und keine Blasen oder Druckstellen verursachen. Nur dann kannst Du eine lange Wanderung erfolgreich beenden und sie vor allem auch genießen. Verlass Dich im Zweifelsfall also einfach auf Dein Bauchgefühl (bzw. Fußgefühl) und lass Dich nicht verrückt machen.


Mit was für Schuhen bist Du auf Fernwanderungen unterwegs und wie sind Deine Erfahrungen damit? Ich freu mich auf Deinen Kommentar?

1 Comment

  1. Fand ich sehr interessant & waren auch einige neue Infos dabei! Bin seit ein paar Jahren mit meinen Millet-Wanderschuhen sehr zufrieden :)

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