Reisen. Urlaub. Das ist, zumindest was mich angeht, nicht primär Erholung und Faulenzen. Meine Urlaube der vergangenen Jahre kann man durchaus als anstregend bezeichnen. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Wo muss ich als nächstes abbiegen? Wo will ich heute übernachten? Welche Wanderung steht morgen an? Wie soll das Wetter werden? Ist mein Handyakku noch ausreichend voll? Sollte ich lieber nochmal einkaufen gehen? …das sind nur einige der zahllosen kleinen Fragen, die mich tagtäglich auf meinen Reisen begleiten. Gerade wenn man alleine unterwegs ist, gibt es viel zu bedenken und niemanden, der einem ein bisschen Kopfsalat abnehmen kann. Aber auch sonst gestalte ich meine Reisen so, dass ich es mir nicht erlauben kann und will, einfach mal drei Tage das Rübenhirn komplett abzuschalten.

Natürlich sind meine Reisen durchaus auch erholend, weil ich einfach weg vom Alltag bin und mir über Dinge Gedanken mache, über die ich gerne nachdenke. Und weil ich DRAUßEN sein kann. Die ganze Zeit! Aber das Hirn arbeitet halt trotzdem. Und so richtig und 100%ig erholend ist das irgendwie nicht. Als ich letztes Jahr von meinem 2-wöchigen Roadtrip durch Irland nach Hause kam, hatte ich irgendwie zum ersten Mal so richtig das Gefühl, dass ich Urlaub vom Urlaub brauche.

Keine Frage, meine Irlandreise war wunderbar und ich würde im Nachhinein nichts anders machen. Ich hab mir durchaus Zeit und Freiheit genommen, einfach mal einen Tag lang kopf- und planlos durch die Gegend zu fahren oder einen Nachmittag einfach nur vorm Zelt zu sitzen und auf das Meer oder wahlweise den See zu gucken. Ganz zu schweigen von den vielen Wanderungen, bei denen ich stundenlang nur vor mich hinsummend durch die Gegend gelaufen bin. Naja, und dass eine Woche jetlaggegplagtes Stadterkunden in Tokio oder eine Oh-gott-ich-hab-nur-4-Tage-Zeit-Reise in mein Herzensland Island nicht unbedingt Erholung sind (und ja auch eigentlich keine sein sollen), das ist sowieso klar.

Aber trotz all der Tollheit meiner Reisen wurde mir gerade nach dem letzten, reisemäßig doch etwas vollgestopftem und anstrengendem Jahr bewusst, dass ich dieses Jahr meine Reisen und freien Tage mal ein bisschen anders gestalten möchte. Zumindest teilweise. Und dass ich einfach mal so wirklich GAR NICHTS machen möchte. Keinen Gedanken an etwas anderes verschwenden möchte als an das, was ich gerade jetzt und in diesem Moment tue. Nur für ein paar Tage. Einfach mal gucken, wie das so ist und was das mit mir tut.

Am letzten langen Wochenende war es so weit: Die Almhütte war gemietet (was erstaunlicherweise auch ziemlich kurzfristig noch irgendwie funktioniert hat), der Hund war bei meinen Eltern bestellt, das Auto mit Essen vollgepackt und Mittwoch nach der Arbeit ging’s direkt los. Drei volle und ein halber Tag holdes Nichtstun in wunderschönster Natur und abseits jeglichen Alltags lagen vor mir:

Darf ich vorstellen? Mein Zuhause für die nächsten paar Tage! ^_^ Den ganzen Tag wandern, lesen und den Hund…

Posted by fräulein-draußen.de on Mittwoch, 13. Mai 2015

 

Ich hab mir für die paar Tage nichts vorgenommen (außer ein paar elementare Dinge, wie z.B. den Hund zu piesacken). Und letztendlich war ich sogar ein bisschen erstaunt, wie gut das mit dem Nichtstun geklappt hat und wie überaus erholt ich nach nur so kurzer Zeit sein konnte. Und mir ist bewusst geworden, dass das mit dem Abschalten und komplett Runterfahren gar nicht so schwer ist, wie ich zuvor befürchtet hatte. Man muss einfach nur ein paar Dinge beachten:

Entspannen auf der Almhütte mit Hund und Buch

1. Such Dir einen abgeschiedenen Ort

Nur ein Ort, an dem Dich nichts an den Alltag erinnert, an dem Dich nichts von Dir selbst und vom Nichtstun ablenkt, an dem es keine störenden Geräusche oder ähnliches gibt, lässt Dich vollkommen abschalten. Achte darauf, dass keine Straßen in Hörweite sind und dass nicht noch zig andere Ferienhäuser o.ä. um Dich herum sind. Eine Almwiese mit muhenden Kühen ist meiner Meinung nach aber okay. :D

2. Vermeide eine lange Anreise

Das hat gleich mehrere Gründe! Zum einen sparst Du Dir so eine eventuell nervige und auslaugende Anreise, die zusätzlichen Stress hervorruft und die das Ankommen und Abschalten erschwert. Außerdem kannst Du so das Maximum aus einem langen Wochenende herausholen und musst nicht die Hälfte der freien Zeit mit An- und Abreise verschwenden. Was für die Anreise gilt, gilt natürlich auch für die Abreise: Wenn Du keinen ewig langen Heimweg vor Dir hast, machst Du Dir nicht gleich die halbe Entspannung wieder zunichte. Außerdem fehlt Dir bei einem nähergelegenen Ort eher der Drang, dass Du unbedingt Deine Umgebung erkunden und die Tatsache nutzen willst, dass Du dort bist. Letzteres ist gerade für reise- und erkundungswütige Menschen wie mich kein unerheblicher Punkt.

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 3. Nimm Dir nicht zu viel vor

Ich hatte drei Punkte auf meiner „To-Do-Liste“ für mein langes Wochenende:

1. Auf der Bank vor dem Haus oder wahlweise am Kachelofen sitzen und Bücher lesen

2. Mit dem Hund spazieren gehen

3. Einmal den Hausberg der Almhütte besteigen

Hinzu kamen dann natürlich quasi lebenserhaltende Maßnahmen wie Kochen, das Feuer am Leben erhalten, Wasser holen, Lagerfeuer machen… das war’s im wesentlichen. Und das war auch gut so! Je weniger auf Deiner To-Do-Liste steht, desto besser. Und wenn dort nur steht „3 Tage lang in den Himmel starren“ ist das auch gut!

4. Versuche nicht, „Dinge zu erledigen“

Die Verlockung ist einfach immer so groß. Es gibt einfach zu viele Dinge, die erledigt werden müssen. Zu viele To-Dos, die während normaler Arbeitswochen auf der Strecke bleiben. Tappe hier bloß nicht in die Falle! Selbst so harmlose und vielleicht sogar vergnügliche Dinge wie „endlich den Reiseführer für den nächsten Trip lesen“ sind in gewisser Weise Arbeit und Stress. Ich hatte meine Reiseführer für meine Alaska-Reise im Sommer auch dabei, hab aber zum Glück noch rechtzeitig die Reißleine gezogen und sie links liegen lassen. (Welche Bücher stattdessen auf meiner Leseliste standen, erfährst Du weiter unten in diesem Artikel!)

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5. Mach nicht mehrere Dinge gleichzeitig

Können wir das überhaupt noch? Dinge ganz bewusst tun, eine Sache nach der anderen? Im Büro telefonieren wir und schreiben gleichzeitig schon die nächste E-Mail. Zuhause sehen wir fern und chatten gleichzeitig mit unseren Freunden über Whatsapp. Beim Kochen wird Musik gehört und Zähneputzen geht auch nicht mehr ohne die gleichzeitige Lektüre irgendwelcher Zeitschriften. Wann hast Du Dich das letzte Mal nur aufs Gemüseschnippeln konzentriert, ganz ohne Ablenkung und ohne mit den Gedanken ganz woanders zu sein? Wann hast Du das letzte Mal einfach nur Tee getrunken, ohne gleichzeitig auf einen Bildschirm zu starren oder irgendwas zu lesen? Es wird mal wieder Zeit! Für mich war es tatsächlich eine ganz neue Erfahrung. Eine äußerst gute und entspannende neue Erfahrung.

6. Setz Dich nicht unter Druck

Der vielleicht wichtigste Punkt auf dieser ganzen Liste. Wenn Du schon mal Yoga, autogenes Training oder ähnliches ausprobiert hast, weißt Du ganz sicher wovon ich rede: Sobald uns jemand, und dieser „jemand“ kannst auch Du selbst sein, sagt, dass wir uns entspannen sollen, funktioniert einfach gar nichts mehr. Das Gedankenkarussell legt los und vor lauter „jetzt entspann Dich doch mal endlich“ werden wir ganz nervös. Versuche also, einfach nicht über das Vorhaben mit der Entspannung nachzudenken. Nur so kannst Du wirklich abschalten. Und wenn Du das Gefühl hast, dass es nicht klappt und Du einfach nicht runterkommst, ist es auch egal. Du kannst Dir sicher sein, dass Deine Bemühungen Früchte tragen, auch wenn Du es vielleicht nicht so deutlich merkst. Allein schon nicht 10 Dinge gleichzeitig zu tun ist eine große Erholung für gestresste Gehirne.

7. #DigitalDetox

Das versteht sich vermutlich von selbst, aber zur Sicherheit sag ich es lieber trotzdem nochmal: Handy, Laptop & Co. bleiben natürlich AUS! Kurze Lebenszeichen an die Familie oder ähnliches sind aber natürlich erlaubt.

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Es mag auch andere Optionen geben, aber ich glaube lesen ist immer noch eine der besten Beschäftigungen für ein solches Vorhaben.

Hier kommen ein paar Buchtipps von mir für Deine nächste Entspannungsorgie:

Henry David Thoreau: Walden – oder: Leben in den Wäldern 

Der Klassiker und das ideale Buch für den Lesemarathon in einer kleinen Hütte auf einer Alm mitten im Wald. Unbedingt lesen, falls Du das noch nicht kennen solltest!

 

Marlen Haushofer: Die Wand

Hab ich schon vor einigen Jahren gelesen, muss aber immer wieder dran denken! Vor allem während Aufenthalten auf Berghütten. Wenn Du das Buch gelesen hast, weißt Du wieso.

 

Katharina Hagena: Der Geschmack von Apfelkernen

Erinnerungen an die Sommerferien bei der Großmutter. Wunderschön geschrieben. Bevorzugt im Frühling und Sommer lesen!

 

Cheryl Strayed: Wild (Der große Trip)

Dieses Buch hat mich während meiner Schottlandreise begleitet und ist (nicht nur deshalb) was besonders für mich. Unbedingt lesen, auch wenn Du den Film schon kennst! Hier geht’s zu meiner Buchrezension.

 

 Leonie Swann: Glennkill – ein Schafskrimi

Das herzallerliebste Buch für Schafsfreunde und solche, die es werden wollen. Inklusive Schafs-Daumenkino, welches allein schon glücklich macht.

 

Edward Abbey: Desert Solitaire – A Season in the Wilderness

Ein glühendes Plädoyer für Mutter Erde am Beispiel der US-amerikanischen Nationalparks. Hier geht’s zu meiner Buchrezension.


Wann und wo hast Du das letzte Mal so richtig abschalten können? Ist es vielleicht auch bei Dir mal wieder an der Zeit für ein paar Tage Nichtstun? Was sind Deine Entspannungstipps?

Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

9 Comments

  1. Entspannung? Im Urlaub. Hahaha. Der normale Arbeitsalltag verläuft manchmal ruhiger :) Nicht, dass ich nicht wollen würde, aber die Hummeln sind zu stark.

    • Fräulein Draußen Reply

      Manchmal denk ich mir auch, dass Arbeit mein eigentlicher Urlaub ist ;-) Aber nur manchmal!

  2. Oh ja… nichtstun! Das nehm ich mir auch immer wieder vor… finde es im Endeffekt dann aber doch zu langweilig… also nur, wenn ich mir vornehme, nichts zu tun.
    Aber auf einer Almhütte macht man ja so einiges: man geht rein in die Hütte, schläft, isst, liest (ein seeeeehr entspannenden Hobby!!! Oh ja) und irgendwann geht man sogar wieder raus aus der Hütte… oder man häkelt. Sehr meditativ, wie ich finde ^^

    Schön, dass Dir diese Zeit so gut getan hat!

    Und gaaaaanz wichtig, um zu entspannen ist: HUNDI KRAULEN!!!!!!! (auch wenn er nicht will *hrhr*)

    Liebe Grüße!
    Corinna

    • Fräulein Draußen Reply

      Ohjay, Häkeln wär natürlich auch eine Option :) Der Hundi steht zum Glück extrem darauf, gekrault zu werden. Hier gab es also keinerlei Interessenskonflikte :D

      Grüüüßli

  3. Mein erholsamster Urlaub bisher war der GR20 auf Korsika letztes Jahr. Man muss sich vorher um alles kümmern was man so zum Leben braucht, und muss unterwegs nur noch den Weg finden und aufs Wetter achten. Da das Wetter super war fiel das allerdings auch weg :) Ich hab so richtig im Hier und jetzt gelebt – man denkt einfach maximal bis zum nächsten Zeltplatz. So erholt wie ich nach Korsika war, bin ich selten…

    • Fräulein Draußen Reply

      Hach, das klingt schön. Und ja, ich denke Wegfinden und Wetterbeobachtung sind als To-Do-Liste durchaus noch im Rahmen :D

      Viele Grüße
      Kathrin

  4. Pingback: Für Genießer: 3 Tage Hüttentour in den Tannheimer Bergen

  5. Ja nun habt ihr meine Sehnsucht wieder erweckt. Seit Jahren ist es mein Traum eine Weile, ein Sommer ……- inzwischen auch nur 4 Wochen auf einer Almhütte mit meinem Hund, meinen Büchern usw. zu verbringen. Um meine innere Ruhe zu finden, Gerüche der Natur intensiv zu erleben und auch die Entdeckung zu machen ob ich mich wirklich darauf einlassen kann. Bisher kam halt das Leben dazwischen und ich bin drüber 72 Jahre geworden, wandere immer noch gerne mit Hund und die Sehnsucht ist geblieben.
    Hab ich noch eine Chance, was meint ihr? Und vorallem wo ist das möglich? ich will keine bewirtschaftete Hütte, möchte dann schon nur mich aushalten müssen.
    Habt ihr einen Tip an wen man sich wenden kann? Auch im Internet finde ich nur bewirtschaftete Hütten entweder für Hilfskräfte oder für Gäste.

    Viele Grüße
    Anje

    • Fräulein Draußen Reply

      Hallo Anje,

      ich glaub wir hatten ja in der Zwischenzeit auch schon per Mail Kontakt, oder? :-)

      Viel Glück bei der Suche!
      Kathrin

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