Auch wenn die Tierwelt Australiens in seiner Gesamtheit doch durchaus etwas einschüchternd wirken kann: Für mich ist sie einer der Hauptgründe, warum ich dieses Land so mag!  Nicht zuletzt, weil durch die geografische Isolation des Landes viele Spezies nur hier und nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind – um genau zu sein ganze 80% der dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten! Außerdem findet man 10% der weltweiten Biodiversität auf dem roten Kontinent. Und ein paar Vertreter davon durfte ich während meiner 2-monatigen Wanderung auf dem Bibbulmun Track in Südwestaustralien sowie meines 1-monatigen Roadtrips persönlich kennenlernen. Einige dieser Begegnungen sind mir besonders in Erinnerung geblieben, auch wenn das natürlich längst nicht alle sind.

1. Das erste Känguru

Auch wenn ich schon während meiner letzten Australienreise vor zwei Jahren zahlreiche Wallabys und Kängurus gesehen habe – die erste Beuteltiersichtung einer Reise ist immer etwas ganz besonderes! Immerhin steht wohl kein Tier so sehr für Australien wie diese Hüpfer. Und erst nach dieser ersten Sichtung fühlt man sich so richtig angekommen in diesem Land.

Und so ging es mir auch am zweiten Tag meiner Wanderung auf dem Bibbulmun Track, als ein Western Grey Kangaroo von mir aufgeschreckt wurde und erstmal ganz Känguru-like panisch davonhüpfte, kurz danach aber eine Vollbremsung einlegte und mich aus dem Gebüsch heraus anlugte. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit 1,5 Wochen in Australien war, hatte ich es erst in diesem Moment auch so richtig begriffen.

Känguru auf dem Bibbulmun Track

2. Der neugierige Kookaburra

Gehört habe ich sie schon oft während meiner Wanderung, denn das hysterische Lachen der Kookaburras ist auch wirklich nur sehr sehr schwer zu überhören. Entdecken konnte ich sie aber bisher noch nie! Bis ich eines Tages nach einem langen Wandertag am Nachtlager ankam und er einfach da saß und auch nicht ging, egal wie nah ich im kam. Ich war ganz verzückt von seinem irgendwie sehr pinguinartigen Anblick, bis mich eine Australierin aufklärte, dass es sich dabei um genau den Vogel handelt, der das manchmal doch durchaus sehr nervige Geräusch fabriziert, von dem man morgens im Busch eher ungern geweckt wird. Von da an mochte ich ihn vielleicht ein klitzekleines bisschen weniger gerne, aber doch immer noch sehr.

Ursprünglich sind die lachenden Vögel gar nicht in Westaustralien beheimatet, sondern wurden aus dem Osten des Landes eingeführt, um Mäuse, Ratten und Schlangen zu dezimieren. Und sie sind geblieben.

Eine Legende der Aborignes besagt übrigens, dass einem ein Zahn schief aus dem Mund wächst, wenn man einen Kookaburra beleidigt. Also Vorsicht!

Kookaburra in Westaustralien

3. Der grimmige Bobtail

Diese Begegnung ist mir wohl nicht zuletzt besonders in Erinnerung geblieben, weil ich ihn erst im letzten Moment entdeckt habe und erstmal zur Seite gesprungen bin, weil ich dachte, es sei eine Schlange. War es aber nicht! Es war „nur“ ein Bobtail, der mich anschließend sehr grimmig dreinschauend dabei beobachtete, wie ich Fotos von ihn machte. Einer seiner Spitznamen ist auch „Sleepy Lizard“, und diesem Namen hat er alle Ehre gemacht. Von Fluchtdrang keine Spur! Nicht immer die beste Verhaltensweise, wenn man sich mit Vorliebe auf Straßen sonnt…

4. Die unglaublich blauen Blue wrens

Die südwestliche Teil Westaustraliens ist dank seiner großen Waldbestände und des gemäßigten Klimas mit relativ viel Niederschlag ein Paradies für Vögel. Sie tummeln sich in allen Sorten und Farben zwischen den Eukalyptusbäumen. Und ich hab mich über jeden einzelnen davon gefreut. Ganz besonders gefallen haben mir aber die strahlend blauen Blue Wrens oder auch Splendid Fairy-Wrens, die unermüdlich und leicht übermütig durch den Wald hüpfen und fliegen – immer auf der Suche nach dem besten Insektensnack. Und manchmal sind sie dabei auch ziemlich neugierig, so wie dieser kleine Kollege hier…

5. Die kleinen Joeys

Es gibt wenig süßere Dinge auf der Welt als ein kleines Joey, dass im Beutel einer Beuteltiermama sitzt und wahlweise durch die Gegend schaut oder aus dem Beutel heraus am Boden mitgrast. Und in Donnelly River Village, das in etwa auf halber Strecke des Bibbulmun Tracks liegt, konnte ich einen ganz besonders guten Blick auf ein paar dieser Exemplare erhaschen. („Joey“ werden übrigens nicht nur die Nachkommen von Kängurus, sondern von allen Beuteltieren genannt.)

Die ehemalige Holzarbeiter-Siedlung, dessen Holzhäuschen heute als Ferienunterkünfte dienen, ist nämlich berühmt für seine Ansammlung an Kängurus sowie Emus und Papageien, die sich hier auf den Wegen und Wiesen tummeln und quasi keinerlei Scheu vor Menschen haben.

6. Die schläfrige Tiger Snake

Ja, ich hab mich wirklich und ehrlich über die Begegnung gefreut! Denn obwohl ich bis dahin schon viele Schlangen gesehen habe, haben die sich doch immer ziemlich schnell aus dem Staub gemacht und so war an einen genaueren Blick oder ein Foto nicht zu denken.

Ganz anders jedoch bei diesem schläfrigen und relativ stattlichen Exemplar, welches direkt neben dem Trail lag! Es war aber auch einfach wirklich zu schön warm in der australischen Frühlingssonne… So müde sie aber auch sein mögen, einen gebührlichen Abstand sollte man zu Schlangen in Australien natürlich immer halten. Gerade Tiger Snakes sind schon ziemlich giftig und zudem mehr als manch andere Art dazu geneigt, ihr Territorium zu verteidigen.

7. Die kampflustigen Bull Ants

Nicht gerade mit dem Joeys oder Blue-Wrens zu vergleichen, was meinen Grad an Zuneigung angeht, aber doch zu faszinierend, um keinen Platz in dieser Liste zu bekommen: Bull Ants! Ziemlich groß (das rechts ist ein ausgewachsener Männerfingernagel), ziemlich kräfitg, ziemlich angriffslustig. Wann immer ich einer auf dem Bibbulmun Track begegnet bin, hat sie sich auf die Hinterbeine gestellt und zum Angriff bzw. besser gesagt zur Verteidigung bereit gemacht. Solange man geht, können sie einem natürlich nichts anhaben. Aber Augen auf bei der Wahl des Pausenplatzes! Denn so ein Stich von einer Bulldoggenameise kann durchaus ein unangenehmes Souvenir für mehrere Tage sein, auch wenn es letztendlich nicht gefährlich ist.

8. Der unbeirrte Emu

Emus sind nach dem afrikanischen Strauß die zweitgrößte Laufvogelart und schon ein ziemlich cooler Anblick. Während meiner Wanderung auf dem Bibbulmun Track durfte ich einmal sogar eine ganze Familie inklusive mehrerer kleiner Küken sehen, die sich aber wie auch alle anderen, die ich getroffen habe, ziemlich schnell aus dem Staub gemacht haben. Dieser Emu hingegen, der mir während meines Roadtrips auf einer einsamen Straße im westaustralischen Outback begegnet ist, hat sich ganz und gar nicht aus der Ruhe bringen lassen. Und selbst als ein Auto aus der anderen Richtung angebraust kam und ich schon die Luft angehalten habe, hat er auf sein Recht beharrt, diese Straße genauso nutzen zu dürfen! (Und sich dann im letzten Moment glücklicherweise doch noch anders entschieden.)

Wenn man in der Wildnis weniger Glück hat, kann man Emus aus der Nähe nicht nur in Donnelly River Village (zusammen mit dem Kängurus und Papageien), sondern zum Beispiel auch im Küstenort Exmouth sehen, wo Emus quasi wie Tauben auf Parkplätzen, Verkehrsinseln und auch sonst überall rumhängen.

emu westaustralien

9. Die gähnenden Fruit Bats

Beinahe hätte ich sie gar nicht gesehen, wie sie da so in großer Zahl über mir in den Bäumen hingen. Hatte ich doch erstmal nur Augen für den Fern Pool, einen der vielen natürlichen Pools in den felsigen Schluchten des Karijini Nationalparks. Aber irgendwann wanderten meine Augen doch mal nach oben und versuchten den/die Verursacher der seltsamen Geräusche ausfindig zu machen. Und da waren sie! Nicht 10, nicht 20, nicht 30… ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung WIE viele, aber es waren definitiv viele… Fruit Bats! Und ich brach (innerlich) in Begeisterungsstürme aus. Ich liebe Fledermäuse, kenne aber bisher nur die kleinen Arten persönlich, die tatsächlich nicht viel größer als eine Maus sind. Und da hingen plötzlich diese verhältnismäßig riesigen Verwandten von ihnen und gähnten und schliefen und fächerten sich regelmäßig mit den Flügeln Luft zu. SO cool!!

10. Die hungrigen Delfine

Eigentlich bin ich ja kein Fan davon, wenn wilde Tiere irgendwo angefüttert werden, nur damit Menschen sie sehen können. Im Falle von den Delphinen von Monkey Mia wird das aber mit solcher Sorgfalt und Umsicht gemacht, dass ich mir den Besuch dort nicht entgehen lassen wollte.

Bis zu drei Mal am Tag bekommen die heimischen Delfine dort eine kleine Portion Fisch. Wobei die Delfine selbst entscheiden können, ob und wenn ja, wann und wie lange sie ins seichte Wasser am Ufer kommen. Angefasst oder sonstwie bedrängt werden sie dabei nicht und wer im angrenzenden Badegewässer meint, auf die Delfine zuschwimmen zu müssen, der wird schnell von den Rangern eines besseren belehrt. „We don’t swim with Dolphins here!“

Ja, Monkey Mia ist ein toller Ort, um wilde Delfine ganz nah zu sehen. Und wilden Pelikanen übrigens auch!

11. Die letzten Buckelwale

Wir waren schon reichlich spät dran mit unserer Whalewatching-Tour in Exmouth, denn Ende Oktober / Anfang November haben sich die meisten der hier überwinternden Buckelwale schon auf den langen Weg in die Anarktis gemacht, um sich hier den Bauch voll zu schlagen. Ein paar Wale waren trotzdem noch in der Bucht – unter anderem auch eine Mutter mit Baby, welches wohl einfach etwas länger gebraucht hat als die anderen, um stark genug für die Reise zu werden. Die konnten wir in aller Ruhe beobachten – wie hier auf dem Bild zum Beispiel bei gemeinsamen Wink-Übungen. Und es gab sogar ein paar Luftsprünge! Fotografisch gesehen war die Tour leider nicht gerade von Erfolg gekrönt, auch weil die Wale meistens eher weiter weg waren. Aber es war einfach so schön, nach meiner ultimativen Begegnung mit Buckelwalen in Alaska endlich mal wieder welche zu sehen!

12. Die grüne Meeresschildkröte

Am Ningaloo Reef bei Exmouth bin ich tatsächlich zum allerersten Mal in meinem Leben geschnorchelt – und dieser Ort ist einfach nur perfekt dafür. Dort gibt es so viele bunte Fische, Schwämme und Korallen, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen sollen! Dabei hab ich jedoch nie vergessen, die Umgebung nach dem Tier abzusuchen, das ich am allerliebsten endlich mal in freier Natur sehen wollte: Eine Meeresschildkröte!

Zwei ganze Tage schnorchelte ich mich durch die Schnorchelspots entlang des Cape Range Nationalpark bei Exmouth – ohne Erfolg. Und dann, nach dem letzten Schnorchelgang, als ich gerade dabei war das Wasser zu verlassen, sah ich sie: Eine grüne Meeresschildkröte, wie sie langsam durchs seichte Wasser gleitet, mal links, mal rechts guckt und ab und zu einen Happen Seegras oder Alge nimmt. Und was war ich glücklich!

13. Die majestätischen Mantarochen

Was war ich aufgeregt vorher! Die Tage zuvor hatte ich die ersten Schnorchelgänge meines Lebens am Ningaloo Reef gemacht und schon sollte ich da so über einem mehrere Meter breiten, gänzlich schwarzen und irgendwie doch sehr außerirdisch anmutenden Meereswesen schwimmen!

Und dann ging plötzlich doch alles ganz schnell: Schnorchelgruppe Nummer 1 saß auf dem Heck des kleinen Ausflugsbootes, das vor der Küste von Coral Bay auf Manta-Suche gegangen war, und ließ sich auf Kommando ins Wasser gleiten. Kopf unter Wasser, kurz orientieren, und da war er auch schon. Direkt unter mir. Nur wenige Meter von mir entfernt. Scheinbar mühelos und mit minimalen Flügelschlägen gegen die Strömung schwimmend, während sich Schnorchelgruppe 1 an der Oberfläche einen abstrampelte, um zumindest ein Weilchen mithalten zu können. Der Manta ließ sich davon nicht beirren. Und die Welt schien in diesem Moment still zu stehen. Was für ein großartiges Erlebnis (zudem es bald noch einen ausführlicheren Artikel gibt).

Copyright: www.alexkyddphoto.com

14. Der gigantische Waran

Gerade saß ich noch im Campervan, schaute aus dem Fenster und dachte mir: „Jetzt stehen wir hier schon so schön mitten im Nirgendwo des Outbacks, da könnte auch mal irgendein Tierchen vorbei kommen.“ und schon war er da: Der gigantisch große Waran – mindestens einen Meter lang! Von „Tierchen“ kann da nicht mehr die Rede sein. Bei diesem Exemplar handelt es sich übrigens um einen Gould Waran, die bis zu 1,40 m lang und bis zu 5 kg schwer werden können und nur in Australien und im Süden Neuguineas vorkommen.

15. Die unverhoffte Koalakolonie

Koalas in Westaustralien? Gibt es eigentlich gar nicht, denn der graue Baumbär mit den Puschelohren ist nur im Osten des Landes heimisch. Im Yanchep Nationalpark kann man sie trotzdem sehen, denn vor vielen Jahren wurde dorthin eine Koala-Kolonie ausgesiedelt. Die Tiere werden zwar daran gehindert, ihren Bereich zu verlassen, aber es handelt sich dabei nicht um einen klassischen Zoo oder ähnliche Einrichtungen.

Nachdem ich bei meinen letzten Besuch in Australien nur ein einziges Mal Koalas gesehen habe, die zudem in sehr hohen Bäumen geschlafen haben, hab ich mich ziemlich gefreut, sie jetzt nochmal ein bisschen besser beobachten zu können. Und das mit dem Beobachten klappt im Falle von Koalas übrigens in der Regel ziemlich gut, denn wegen ihrer einseitigen und wenig nahrhaften Diät (Eukalyptus, Eukalyptus und nochmal Eukalyptus) schlafen sie bis zu 20 Stunden pro Tag!

16. Die glücklichsten Tiere der Welt

Geht es noch süßer? Ich glaube nicht. Und deshalb stand es schon lange auf meiner Lebenswunschliste, diese possierlichen Beuteltiere einmal in echt zu sehen. Ein bisschen Hoffnung darauf hatte ich ja schon während meiner Wanderung auf dem Bibbulmun Track, denn obwohl die Tierchen hauptsächlich auf Rottnest Island bei Perth leben, gibt es auch einige Festlandbewohner. Leider hatte ich damit aber kein Glück – traurigerweise vermutlich auch, weil es 2015 in der Nähe von Northcliffe einen ziemlich großen Brand gab, der ca. 90% der in dieser Gegend lebenden Quokka-Population das Leben gekostet hat.


Welche Tierbegegnungen sind Dir in Australien besonders in Erinnerung geblieben? Erzähl mir davon im Kommentarfeld?

3 Comments

  1. Hallo Kathrin,
    es fällt mir schwer zu sagen, welche Tierbegegnung in Australien die schönste war. Ganz besonders waren auf jeden Fall die Delfine, die wir früh morgens beim Sonnenaufgang fotografieren, gesehen haben. Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet und dann sehen wir die Schwanzflossen in den Wellen…so schön :-)

  2. Sehr schöner Artikel :)

    Mein Australien-Aufenthalt liegt mittlerweile schon ein paar Jahre zurück… aber es gibt einige Begegnungen mit Tieren an die ich mich immer noch gerne erinnere:
    1. Buckelwale in Byron Bay
    2. Zwergpinguine auf Phillip Island
    3. Australische Seelöwen auf Kangaroo Island
    4. Schildkröten, Riffhaie und Rochen auf Heron Island
    Und dann noch die ganzen Kängurus und Vögel und und und.

    Ich bin von Australien auch wegen der Tierwelt so begeistert :)

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