Der Karijini Nationalpark in Westaustralien ist ziemlich sicher einer der beeindruckendsten Nationalparks des Kontinents und ein wahrer Abenteuerspielplatz für Naturliebhaber und Wanderer. Hier kann man auf Berge klettern, durch Schluchten kraxeln, in Felsenpools baden und sich ganz nebenbei auf eine Reise in längst vergangene Erdzeitalter begeben. Selbst wenn du es normalerweise nicht so mit Steinen hast – im Karijini Nationalpark wirst du sie lieben. Die zerfurchten Gesteinsschichten, durch die die Schluchten führen, sind mehr als 2000 Millionen Jahre alt. Und das ist selbst für Steine eine ganze Menge.

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Die schönsten Wanderungen im Karijini Nationalpark

Neben einigen spektakulären Aussichtsplattformen, von denen aus man in die Felsschluchten schauen kann, sind es vor allem die Wanderungen mitten durch diese hindurch, die eine Reise in den Karijini Nationalpark lohnenswert machen. Die meisten davon sind erfreulich abenteuerlich gehalten und erfordern die ein oder andere leichte Kletterei über und entlang von Felsen genauso wie die Bereitschaft zu nassen Füßen – denn die sind in den Schluchten von Karijini quasi vorprogrammiert. Bei den Temperaturen in diesem Teil Westaustraliens macht das aber gar nichts, und deswegen sollten auch Badesachen auf jeder Wanderung mit im Gepäck sein.

Nachfolgend findest Du ein paar meiner schönsten Touren, die ich im Park unternommen habe. Eine Übersicht über alle Wanderungen inklusive Übersichtskarten findest Du hier auf der offiziellen Webseite des Nationalparks unter „Downloads & Resources“.

Dales Gorge mit Fortescue FallS, Circular Pool und Fern Pool

Die am einfachsten erleb- und bewanderbare Schlucht im Park und dennoch sehr eindrucksvoll: Die Dales Gorge kann man mit einer kurzen Wanderung auf dem Gorge Rim Walk zuerst von oben erleben und anschließend auf  Treppen in ihr inneres hinabsteigen, wo die Fortescue Falls Wasserfälle und wunderschöne Felsenpools warten. Du solltest auf keinen Fall die Badesachen vergessen! Außerdem lohnt sich auch der ein oder andere Blick nach oben in die Bäume, denn dort hat man gute Chancen, auf schlafende und sich zwischendurch mit Flügelschlägen kühlende Luft zufächelnde Fruchtfledermäuse zu treffen.

Die Dales Gorge liegt übrigens auch in unmittelbarer Nähe zum gleichnamigen Campground und ist somit die ideale Gelegenheit für ein letztes kühles Bad nach an einem heißen und staubigen Tag.

Länge: 4 km insgesamt
Dauer: 2 Stunden
Schwierigkeit: einfach; nur der Abstieg in die Schlucht führt über relativ steile Treppen, die im Aufstieg etwas Kondition benötigen
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Lower Weano Gorge und Handrail Pool

Der Weg zum Handrail Pool durch die Lower Weano Gorge ist nicht ganz einfach, aber der runde Felsenpool umgeben von steil aufragenden Felswänden war definitiv eines meiner Highlights im Karijini Nationalpark. Der erste Teil der Wanderung ist relativ einfach, wird aber gegen Ende deutlich unwegsamer und findet seinen krönenden Abschluss mit einer Kraxelei durch eine enge Schlucht und anschließender kurzer Kletterpartie, die aber mit einem Geländer (daher auch „Handrail“ Pool) deutlich erleichtert wird. Rutschfeste Schuhe und etwas Vorsichtig sind definitiv notwendig, dann aber ist der Weg zum Handrail Pool nicht weiter schwierig.

Länge: 3,4 km
Dauer: 2 Stunden + Badezeit
Schwierigkeit: teilweise Einsatz von Händen notwendig; rutschige und unwegsame Passagen; an manchen Stellen muss man durchs Wasser waten
Hinweis: Der Handrail Pool ist richtig toll zum Baden geeignet, auch weil dank den steilen Felswänden fast immer irgendwo Schatten ist.

handrail pool karijini nationalpark handrail pool karijini nationalparktiere im karijini nationalparkKnox Gorge

Die Wanderung durch die Knox Gorge ist eine der ruhigeren Wanderungen im Karijini Nationalpark. Auch spielt hier nicht unbedingt das Wasser, sondern der Fels die optische Hauptrolle. Der Abstieg hinunter in die Schlucht ist relativ steil und auf dem Weg durch die Schlucht muss man das ein oder andere Mal die Hände zur Hilfe nehmen. Ansonsten ist die Wanderung nicht weiter wild und eine tolle Möglichkeit, etwaige Besuchermassen hinter sich zu lassen und die Schluchtenwelt von Karijni einmal ganz in Ruhe zu genießen.

Länge: 2 km
Dauer: 1,5 – 2,5 Stunden
Schwierigkeit: teilweise Einsatz von Händen notwendig; rutschige und unwegsame Passagen

knox gorge karijini wanderungknox gorge karijini wanderungMount Bruce

Neben all den Schluchten gibt es tatsächlich auch einen waschechten Berg im Karijni Nationalpark! Mount Bruce, in der Sprache der Aborigines Punurrunha genannt, ist 1.234 Meter hoch und damit der zweithöchste Gipfel Westaustraliens. Er thront weithin sicherbar in der weitläufigen Landschaft und ist ein tolles Wanderziel, denn von dort oben sieht man den Nationalpark nochmal aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Leider bleibt dabei allerdings auch der Blick auf die benachbarte Mine, in der seit 1994 fleißig Eisenerz abgebaut wird, nicht aus. Inklusive entsprechender Geräuschkulisse. Letztendlich empfand ich diese Tatsache jedoch als nicht wirklich störend, auch wenn mir rundherum unberührte Natur, wie ich sie zum Beispiel bei meiner Wanderung auf Mount Augustus erlebt habe, natürlich noch lieber gewesen.

Länge: 10 km insgesamt
Dauer: 4-6 Stunden
Höhenmeter: 600
Schwierigkeit: größtenteils leichte Wanderung, zwischendurch aber auch mit leichten Kraxelstellen, für die du Trittsicherheit und etwas Schwindelfreiheit mitbringen solltest.
Hinweis: Es gibt so gut wie keinen Schatten, daher solltest du besonders in der wärmeren Jahreszeit möglichst früh, am besten mit dem ersten Licht des Tages, starten.

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Reisetipps für den Karijini Nationalpark

Hier kommen die wichtigsten Tipps und Infos für deine Reise in den Karijini Nationalparks. Wenn noch Fragen offen bleiben sollten, hinterlass mir gern am Ende des Artikels einen Kommentar!

Anreise zum Karijni Nationalpark

Die meisten Reisenden steuern den Karijini Nationalpark wohl von der Stadt Exmouth am nördlichen Ende des Ningaloo Reef an. Das ist allerdings mit rund 670 Kilometern und 8 Stunden reiner Fahrzeit bis zum Besucherzentrum ein relativ weiter Weg, der jedoch durchaus machbar ist, da nur das letzte Stück zum Nationalpark über unbefestigte (und dennoch gut befahrbare) Straßen führt.

Ich habe mich Karijini damals aus dem Outback und vom Mount Augustus aus angenähert, was eine deutlich holprigere, aber ziemlich tolle Angelegenheit ist. Um den Tag etwas abzukürzenhabe ich eine Nacht im Motel in Tom Price verbracht, bevor es am nächsten Morgen zum Nationalpark ging.

Autofahren und Straßen im Karijini Nationalpark

Wie eigentlich überall in Australien ist ein Auto mit Allrad-Antrieb und entsprechender Federung definitiv von Vorteil, wenn nicht sogar unumgänglich. Den Karijini Nationalpark kann man aber in der Regel auch mit einem „normalen“ Auto oder Camper ohne 4WD besuchen. Viele der Straßen sind zwar unasphaltiert und teilweise holprig, aber trotzdem gut genug. Du solltest allerdings bedenken, dass du je nach Mietwagen-Vertrag mit einem 2WD keinen Versicherungsschutz auf unbefestigten Straßen hast.

Die nächste Tankstelle befindet sich in Tom Price, rund 100 Straßenkilometer entfernt. Also unbedingt vor der Fahrt in den Park nochmal volltanken!

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Beste Reisezeit für Westaustralien und den Karijni Nationalpark

Das Besucherzentrum hat von Anfang Dezember bis Ende Februar geschlossen, weil es in dieser Zeit definitiv zu heiß für einen Besuch im Nationalpark ist und zudem viel regnet, inklusive starken Gewittern. Die Hauptsaison im Karijini Nationalpark liegt zwischen April und Oktober, die angenehmsten Temperaturen gibt es zwischen Mai und September. Mai und Juni sind insgesamt die wohl beste Zeit für einen Besuch im Park, wobei es in den Wintermonaten und insbesondere im Juni und Juli nachts bis zum Gefrierpunkt abkühlen kann. Ich war Anfang November im Park und zu dieser Zeit war es schon sehr heiß, mit Temperaturen um die 40 Grad. Dank der vielen Bademöglichkeiten und einem frühen Wecker war es aber immer noch erträglich.

Camping und Unterkünfte im Karijini Nationalpark

Im Nationalpark selbst gibt es nur zwei Möglichkeiten für Übernachtungen: Das Karijini Eco Retreat, wo du zwischen Camping und Glamping wählen kannst, und einen einfachen Campground. Die nächste Ortschaft mit Motel und Campingplatz ist die rund 100 km  bzw. 1,5 Stunden Fahrzeit entfernte Kleinstadt Tom Price. Hier zu übernachten ist aber nicht wirklich empfehlenswert, denn mit der Fahrerei verliert man viel Zeit und verpasst vor allem die wertvollen frühen Morgen- und späten Abendstunden, in denen das Licht in Karijini besonders schön und die Temperatur verhältnismäßig angenehm ist.

Das Karijini Eco Retreat

Das Eco Retreat befindet sich an der Joffre Gorge und ist die einzige Möglichkeit, ohne Camper bzw. Zelt im Park zu übernachten. Hierfür hast du die Wahl zwischen unterschiedlich luxuriösen Unterkünften, die jedoch alle in die Kategorie Glamping einzuordnen sind. Fast alle der Glamping-Zelte und Hütten haben ein eigenes Badezimmer, dazu natürlich richtige Betten, Sitzgelegenheiten usw. Daneben kann man auch als Camper im Eco Retreat auf einem der 64 Stellplätze unterkommen, die ebenfalls über Häuschen mit Toiletten und Duschen verfügen. Zusätzlich gibt es im Eco Retreat einen Kiosk sowie ein Restaurant, die auch für Nicht-Gäste zugänglich sind.

Selbst für australische Verhältnisse ist das Karijini Eco Retreat aber relativ teuer. Eine Nacht im günstigsten Zelt („dorm-style“) gibt es ab ca. 125 Euro, die anderen Zelte ab 200 Euro aufwärts. Dagegen sind die Camping-Stellplätze mit ca. 12 Euro ein richtiges Schnäppchen, allerdings gibt es dort keinen Strom.

Mehr Infos zu Preisen und Unterkünften gibt es auf der Webseite des Karijini Eco Retreat.

Der Dales Gorge Campground

Der zweite Campingplatz im Karijini Nationalpark liegt „weiter hinten“ im Park und rund 45 Kilometer vom Karijini Eco Retreat entfernt.  Wenn du mit Camper bzw. Zelt unterwegs bist, solltest du nach Möglichkeit auf jeden Fall diese Variante wählen, denn hier gibt es deutlich mehr Einsamkeit, Ruhe und Camping-Romantik als auf den Stellplätzen des Eco Retreats. Auf Duschen musst du hier allerdings verzichten, dafür ist die Dales Gorge mit perfekten und einfach erreichbaren Bademöglichkeiten quasi um die Ecke. Ein Stellplatz kostet rund 7 Euro pro Person und Nacht, eine Reservierung ist nicht möglich. Die aktuelle Verfügbarkeit von Stellplätzen kann man aber online checken.

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Infrastruktur und Nützliches

Das Karijini Visitor Center ist die perfekte erste Anlaufstelle für deinen Besuch im Park. Hier bekommst du alle wichtigen Informationen und Karten und kannst dank einer interessanten Ausstellung viel über den Park, seine Natur und Geologie, Geschichte und Bewohner lernen. Außerdem gibt es hier Toiletten und Duschen, Snacks und kalte Getränke sowie Wi-Fi. Das Besucherzentrum hat in der Saison täglich von 9-16 Uhr geöffnet und in der Zeit zwischen Anfang Dezember und Anfang Februar geschlossen.

Sicherheit und Ausrüstung

  • Hitze und Sonneneinstrahlung: Wie überall in Australien können große Hitze und intensive Sonneneinstrahlung auch im Karijini Nationalpark unerwartet schnell zum Problem werden. Du solltest beim Wandern auf jeden Fall mehr als ausreichend Trinkwasser dabei haben und davon auch regelmäßig trinken, um Dehydrierung vorzubeugen. Vor allem in der warmen Jahreszeit kommt man in Gegenden wie dem Karijini Nationalpark ganz schnell auf mehrere Liter pro Tag. Zusätzlich solltest du auf jeden Fall eine Kopfbedeckung tragen, die idealerweise den Bereich rundherum inklusive Nacken usw. ebenfalls schützt. Zudem solltest du regelmäßig Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (mind. 50) auftragen oder – noch besser – lange, luftige Kleidung tragen.
  • Asbestadern: Im Karijini Nationalpark gibt es teilweise blaue Asbestadern, die durch Erosion des Gesteins freigelegt wurden. Blauer Asbest ist krebserregend und die Adern dürfen auf keinen Fall berührt werden. Diese sind allerdings auch für Leien gut als solche erkennbar und treten vor allem in den abgelegenen Yampire Gorge und Wittenoom Gorge auf. Grundsätzlich gilt: Am besten einfach nichts anfassen, was blau ist! Dann bist du auf der sicheren Seite.
  • Das richtige Schuhwerk: Für die Wanderungen in den Schluchten solltest du auf jeden Fall Wanderschuhe oder zumindest gute Laufschuhe (idealerweise Trailrunning-Schuhe mit griffigem Profil) tragen, denn die können je nach Schwierigkeitsstufe durchaus unwegsames Gelände oder sogar kleine Kraxelstellen beinhalten. Der Vorteil von Laufschuhen ist, dass du diese ganz einfach auch beim Waten durchs Wasser anlassen kannst, da sie in der Regel schnell wieder trocknen.

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Warst Du auch schon mal im Karijini Nationalpark wandern oder hast Du noch weitere Tipps für tolle Ecken in Westaustralien? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

2 Comments

  1. Hallo Kathrin,

    vielen Dank für diesen spannenden Artikel und die tollen Fotos.

    Der Karijini Nationalpark ist eines der beeindruckendsten Ecken unsere Erde, die ich bisher gesehen habe. Bin 2006 mit dem Fahrrad dort hin- und reingefahren (diese Anreisemöglichkeit fehlt noch in Deinen Infos ;-)). Der Wärter am Eingang war so überrascht und begeistert davon, dass er uns durchgewunken hat und wir keinen Eintritt zahlen mussten.

    Witzigerweise habe ich erst gestern die Fotos und meinen alten Zeitungsbericht über Western Australia und den Karijini Nationalpark herausgesucht, weil ich noch diesen Monat alle Berichte meiner damaligen Radweltreise auf meinem Blog veröffentlichen möchte. Vielleicht ist das ja auch für Dich interessant.

    Viele liebe Grüße

    Christof

    • Fräulein Draußen Reply

      Hallo Christof,

      auf Deine Australien-Radreise bin ich auf jeden Fall sehr neidisch, ich glaub ich muss das auch mal machen. Geh ich natürlich direkt zu den Anreisemöglichkeiten hinzufügen, zusammen mit Skateboard, Einhorn und natürlich zu Fuß. :-P

      Liebe Grüße
      Kathrin

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