[enthält Werbung] Wer mir auf Instagram und Facebook folgt, hat ja schon ausführlich mitbekommen, dass ich mich aktuell im (freiwilligen) Corona-Exil in den Niederlanden befinde. Das hat sich relativ zufällig so ergeben und ich bin froh, diese schwierige Zeit hier auf dem Land verbringen zu können und nicht in einer Wohnung in der Stadt. Neben meinen Laufschuhen ist das Mountainbike, das ich mir hier kurzfristig zugelegt habe, mein bester Freund. Damit erkunde ich die vielen Radwege und Trails rund um das Städtchen Deventer, in dessen Nähe ich hier wohne.

Aber wenn mir nach einer längeren Tour ist, gibt es für mich nur eine Richtung: Nach Westen. Denn dort befindet sich die Veluwe, das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande. Ich habe bereits einige Touren mit dem Rad unternehmen dürfen und möchte dich hier ein Stück mitnehmen in eine Gegend, die mich absolut begeistert.


Werbehinweis: Dieser Artikel enthält bezahlte Werbung für meinen Kooperationspartner komoot. Die Inhalte und meine persönliche Meinung, die ich in diesem Beitrag wiedergebe, wurden dadurch nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen.


Ein Stück Wildnis in den Niederlanden

Die Niederlande gehören mit rund 510 Einwohnern pro Quadratkilometer Landfläche zu den am dichtesten besiedelten Flächenstaaten der Welt. Selbst im eigentlich auch schon ziemlich gut bevölkerten Deutschland ist es mit rund 231 Einwohnern deutlich leerer. Auch wenn es hier wunderschöne Landschaften gibt – natürlich an der Küste, aber auch im Inland – ist weitläufige, ununterbrochene Naturlandschaft eher Mangelware. Immer ist irgendwo ein Haus, ein Feld, ein Kanal oder eine Straße, nur hier und da ein Stück Heide, Wald oder naturbelassene Wiese.

Umso sprachloser war ich, als ich zum ersten Mal relativ nichtsahnend in das Gebiet der Veluwe fuhr. Plötzlich war da einfach nur noch Natur. Und viele Kilometer Rad- (und Wander-)Wege, die mitten durch diese Natur hindurchführen. Durch Wälder und Sandwehen, Moos- und Flechtensteppen sowie weitläufige Heidegebiete. Allein auf dem Gebiet des Nationalparks sind die Landschaften unfassbar vielfältig. Mal fuhr ich durch goldene Graslandschaften wie im wilden Westen, dann durch sandige Dünenlandschaften, die auch in der Sahara sein könnten (wenn die Bäume drumherum nicht wären). Und dann wieder durch Nadel- und Birkenwälder, die denen in Finnland oder Schweden in nichts nachstehen.

Kein Wunder, dass bei so viel Platz und Natur auch viele Tiere anzutreffen sind, die hier sonst vielerorts keine wirklich geeigneten Bedingungen mehr vorfinden würden. Biber, Dachse, Rehe, Füchse, Wildschweine, Rothirsche… sie alle kann man in der Veluwe entdecken (wenn man Glück hat). Und sogar Wölfe sind hier mittlerweile wieder heimisch! 2013 haben einige Exemplare begonnen, sporadisch ab und an von Deutschland aus für eine Weile rüber in die Niederlande zu ziehen. Und einigen davon hat es in der Veluwe scheinbar mindestens genauso gut gefallen wie mir, denn 2019 wurde im Norden der Region zum ersten Mal seit zwei Jahrhunderten wieder Wolfsnachwuchs im Land geboren.

Radfahren im Paradies

Ich hatte ja schon davon gehört, dass die Niederlande es mit Radfahrern ganz gut meinen. Aber was das wirklich bedeutet, das wurde mir jetzt erst bewusst. Die Auswahl an Radwegen ist schier unendlich, und für den unwahrscheinlichen Fall, dass es keine geben sollte, sind in der Regel zumindest Radspuren an den Fahrbahnseiten markiert – auch wenn das bedeutet, dass für die Autofahrer dann nur noch eine Spur bleibt. Zudem finden sich überall Wegweiser und ausgeschilderte Radrouten. Das Rad ist einfach die ideale Möglichkeit, die weiten, unterschiedlichen Landschaften der Veluwe zu entdecken. Und dabei kann man theoretisch ganz schön viel Zeit verbringen, denn das Radnetzwerk umfasst insgesamt rund 1.600 Kilometer.

Das gesamte Gebiet der Veluwe ist rund 1.100 Quadratkilometer groß. Ein Teil davon wird durch Nationalparks (De Hoge Veluwe und Veluwezoom) besonders geschützt, tolle Ecken und vor allem auch Radwege gibt es jedoch über die ganze Fläche verteilt. Natürlich gibt es auch einige Orte innerhalb der Veluwe, ein Großteil des Geländes ist jedoch nichts als Natur. 

Der Nationalpark De Hoge Veluwe

De Hoge Veluwe ist das größte Naturreservat in den Niederlanden, das wirklich besondere am Park ist jedoch die Mischung aus Kunst, Kultur und Natur. Denn mit dem Kröller-Müller-Museum (benannt nach dem Ehepaar, das den Park Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet hat) findet man hier auch die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt – quasi direkt neben grasenden Mufflon-Herden, imposanten Rothirschen und vielen weniger auffälligen, seltenen Tier- und Pflanzenarten. 

Für das Radfahren innerhalb des Nationalparks De Hoge Veluwe gibt es sogar kostenlose Leihfahrräder, die im Eintrittspreis enthalten sind (mehr dazu weiter unten). Auf den gut asphaltierten Radwegen im Park rollt es sich damit fast wie von selbst, sodass die insgesamt rund 40 Kilometer im Nu erkundet wären – wäre da nicht die Tatsache, dass man am liebsten alle paar Minuten anhalten möchte, um einen neuen Aus- und Anblick zu genießen.

Landschaftlich gesehen findet man in De Hoge Veluwe viele unterschiedliche Landschaften auf kleinstem Raum. Hat man nur wenig Zeit und möchte die ganze Vielfalt der Veluwe erleben, ist dieser Nationalpark einfach ideal. 

Mein Routenvorschlag deckt fast alle Radkilometer in De Hoge Veluwe ab. Für diese Radtour sollte man auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen, denn es gibt unterwegs viel zu entdecken. Und dann gibt es da auch noch die Museen, die man auf keinen Fall verpassen sollte (ich konnte sie leider wegen Corona bisher nicht besuchen). 

 

Der Nationalpark Veluwezoom

Veluwezoom liegt etwas östlich von De Hoge Veluwe und ist der älteste Nationalpark der Niederlande. Im Gegensatz zu De Hoge Veluwe ist er nicht eingezäunt und frei zugänglich. Und wer bisher gedacht hat, dass es in den Niederlanden überall flach ist, wird hier eines besseren belehrt! Die Landschaft ist verhältnismäßig hügelig und hat mit dem Aussichtspunkt Posbank sogar eine 90 Meter hohe Erhebung. Und für niederländische Verhältnisse ist das schon eine ganze Menge. Ansonsten findet sich auch hier die für die Veluwe typische Mischung aus Heide, Wald, Flugsand und trockenen Graslandschaften. 

Wie hügelig Veluwezoom im Vergleich zu De Hoge Veluwe ist, wird auch an folgender Route deutlich. Immerhin 410 Höhenmeter sind auf der rund 55 Kilometer langen Strecke zu überwinden! Die Anstiege sind aber nie besonders lang oder steil, es geht einfach ein bisschen mehr auf und ab. 

 

 

Die nördliche Veluwe

So schön die beiden Nationalparks auch sind – der nördliche Teil der Veluwe, der gleichzeitig den größten Anteil des Gesamtgebiets ausmacht, ist mindestens genauso schön! Und wahrscheinlich sogar auch deutlich einsamer, vor allem auch zur Hauptreisezeit und etwas abseits der umliegenden größeren Städte. Die Infrastruktur mit Radwegen, Wegweisern usw. ist hier vergleichbar mit den Nationalpark-Gebieten, genauso wie die Landschaften.  

Folgende Radtour ist ein bisschen länger ausgefallen, lässt sich aber an einigen Stellen theoretisch auch ganz gut abkürzen. Und wer doch noch ein bisschen weiter fahren will, kann diese Tour zum Beispiel mit der Tour durch De Hoge Veluwe verbinden. 

 

Allgemeine Reise- und Radfahrtipps für die Veluwe

Die Radwege

In der Veluwe ist von aalglatten Asphaltwegen über komfortablen Schotter und weniger komfortable Sandpisten bis hin zu Singletrails für Mountainbiker alles an Radwegen vertreten. Deshalb kann man auch mit so gut wie jedem Rad eine Radtour in der Veluwer unternehmen, zumal selbst viele der Schotterwege relativ rennradfreundlich sind. 

Teilweise werden die Radwege von Fußgängern mit genutzt, da es allerdings mindestens ebenso viele Wanderwege wie Radwege in dem Gebiet gibt, hat man die Radwege oftmals ganz für sich allein. 

Planung und Orientierung

Im Prinzip kann man sich ganz ohne große Planung und Orientierungshilfen mit dem Rad in die Veluwe aufmachen, denn es gibt an so gut wie allen Kreuzungen und Knotenpunkten der Radwege fliegenpilzartige Wegweiser. Einfacher und entspannter ist es aber, wenn man sich vorher eine Route zurechtlegt und dann auf dem Smartphone dabei hat. Falls es einem dann irgendwo besonders gut gefällt oder man die Route verlängern bzw. verkürzen möchte, kann man das bei der Outdoor-App komoot ganz einfach von unterwegs auf dem Smartphone machen. 

Ich habe all meine Radtouren in der Veluwe mit komoot geplant und mich dabei viel an den von anderen Nutzern empfohlenen Highlights orientiert. So bekommt man dank der Fotos einen guten Eindruck der jeweiligen Region und kann munter „malen nach Zahlen“ spielen, um die schönsten Ecken der Region miteinander zu verbinden.

Zur Orientierung unterwegs habe ich meine Garmin Fenix 5s verwendet, die ich einfach um den Fahrradlenker schnalle. Für (fast) alle Garmin-Geräte gibt es auch eine komoot-App, mit der man die vorgeplante Route ganz einfach auf die Uhr übertragen und unterwegs auch Änderungen vornehmen kann. Theoretisch kann man aber auch mit einer einfachen Smartphone-Halterung für den Lenker (Werbelink) das Smartphone selbst als Navi verwenden (so habe ich es in der Vergangenheit ganz oft gemacht). 

Sehenswürdigkeiten

Abseits der wunderschönen Natur kann man auf dem Gebiet der Veluwe auch einige andere Sehenswürdigkeiten entdecken, wie zum Beispiel:

  • Radio Kotwijk: Eine alte Sendestation, die zwischen 1918 und 1923 auf einem verlassenen Gelände in der Veluwe erichtet wurde und von dort aus den ersten direkten Radiokontakt zu Indien ermöglichte. Das Art déco-Hauptgebäude wurde zum „Rijksmonument“ erklärt und steht unter besonderem Denkmalschutz.
  • Kröller-Müller-Museum: Das Kunstmuseum befindet sich innerhalb des Nationalparks De Hoge Veluwe und besitzt die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt. Darüber hinaus gibt es auch Bilder von Künstlern wie Picasso und Monet sowie einen der größten Skulpturengärten Europas mit über 160 Ausstellungsstücken.
  • Kasteel Rosendael: Eine ehemalige Residenz der Herzöge von Geldern mit kunstvollem Wasserspiel, Teehaus und Muschelgalerie. 

Fahrräder leihen

Im Nationalpark De Hoge Veluwe sind Leihfahrräder im Eintrittspreis mit inbegriffen. Die weißen Fahrräder finden sich verteilt über die Fahrradständer auf dem Marchantplein, beim Kröller-Müller-Museum, am Jagdhaus St. Hubertus und an den drei  Eingängen in Hoenderloo, Otterlo und Schaarsbergen. Die Räder können nicht reserviert und nicht abgeschlossen werden. Sobald man das Rad zurück in einen der Ständer stellt, kann es von jemandem anderen benutzt werden (natürlich aber nicht, wenn es nur am Wegesrand parkt). Alternativ kann man sich bei der Werkstatt neben dem Besucherzentrum ein blaues Fahrrad mieten, das man dann auch abschließen kann.

Die Leihfahrräder des Nationalparks darf man natürlich nicht mit nach draußen nehmen. Für Radtouren außerhalb des Nationalparks De Hoge Veluwe (oder falls alle weißen Fahrräder in Benutzung sind) gibt es einige Fahrradverleiher in der Umgebung, zum Beispiel bei Veluwe Specialist in Otterloo. 

Verpflegung

Theoretisch kann man auch lange Radtouren in der Veluwe so planen, dass man nur wenig Berührungspunkte mit Ortschaften hat. In diesem Fall ist es natürlich ratsam, ausreichend Proviant und Getränke dabei zu haben. Ansonsten ist aber auch ein Café oder Supermarkt nie zu weit entfernt. Notfalls muss man dann halt einen kleinen Umweg einlegen. Auch innerhalb der Nationalparks gibt es Verpflegungsmöglichkeiten (zum Beispiel an den Besucherzentren). 

Fahrradreperatur

Sollte unterwegs etwas kaputt gehen, ist der nächste Fahrradladen oder die nächste Zweirad-Werkstatt in der Veluwe bestimmt nie zu weit entfernt. Am Veluwezoom Besucherzentrum gibt es sogar einen Fahrradschlauch-Automaten und innerhalb von De Hoge Veluwe gibt es an einigen Knoten Fahrradpumpen. 

Beste Reisezeit

Im Prinzip kann man natürlich dank des gemäßigten Klimas der Niederlande das ganze Jahr über Ausflüge in die Veluwe unternehmen. Dank der vielen Nadelbäume findet man hier selbst in der kalten Jahreszeit ein bisschen grün. Besonders schön ist natürlich der Frühling, wenn alles grünt und blüht. Zumal dann noch keine Hauptreisesaison ist und sich dementsprechend weniger Besucher auf dem Gebiet tummeln. Zweifelsohne die mit Abstand eindrucksvollste Reisezeit für die Veluwe ist aber natürlich dann, wenn die Heide blüht, also im August und September. Das zieht aber auch die meisten Besucher an. Etwas ruhiger wird es im anschließenden Herbst, der ebenfalls seinen ganz eigenen Reiz mit den bunten Blättern und durch die Wälder streifenden Hirschen hat. 


Warst Du auch schon mal in der Veluwe? Wie hat es dir gefallen? Hast du noch weitere Tipps für die Region? Ich freu mich auf deinen Kommentar.

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