[enthält Werbung] “Vous n’avez pas froid? Ist dir nicht kalt?”, fragte mich ein älterer Mann vor dem Supermarkt während meines Bikepacking-Kurztrips im Schweizer Jura Ende November, eher bewundernd als besorgt. “Ein Bisschen”, antwortete ich, “aber ein bisschen ist schon okay”. Ehrlich gesagt war mir sogar ziemlich kalt, denn ich hatte gerade eine lange Abfahrt auf der schattigen Nordseite des Jura-Höhenzugs hinter mir,  den ich vom vorangegangenen Aufstieg auf der anderen Seite ziemlich verschwitzt angegangen war. Im Tal anhalten zu müssen, um meine Vorräte aufzufüllen, hatte mich noch mehr auskühlen lassen. Aber ich wusste, dass der nächste Anstieg schon hinter dem Supermarkt auf mich wartete, und dass mir dann schneller wieder warm werden würde, als mir lieb war…

Die (einigermaßen) richtige Körpertemperatur zu halten ist beim Radfahren und Bikepacking im Winter zweifelsohne eine der größten Challenges.  Denn “ein bisschen kalt” ist wirklich okay, kann aber auch schnell in “ein bisschen mehr” ausarten, und das kann nicht nur sehr unangenehm, sondern mitunter auch gefährlich werden.

Meine Tipps für Bekleidung und Ausrüstung, das Radfahren an sich und das Camping im Zelt bzw. Biwak bei winterlichen Temperaturen habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.

Dabei sind diese Tipps eher auf unsere deutschen Winter (oder besser gesagt “Winter”?!) ausgelegt. Für eine Winter-Bikepackingtour im kanadischen Yukon oder ähnliche Späße muss man natürlich nochmal ganz andere Geschütze auffahren.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit Löffler und enthält daher Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Tipps und Erfahrungen, die ich in diesem Artikel wiedergebe, wurden dadurch nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen.


Radbekleidung für Wintertouren

Braucht man spezielle Winterradkleidung?

Ich würde sagen: Jein! Bei einigen Teilen kann das durchaus viel Sinn machen (insbesondere bei wirklich kalten Temperaturen rund um den Gefrierpunkt oder darunter), andere sind schlichtweg notwendig (z.B. Handschuhe), vieles kann (und sollte) man aber über das gute alte Zwiebelprinzip regeln. Das besagt: Lieber mehrere dünnere Kleidungsschichten übereinander tragen als wenige dicke. So kann man sich möglichst flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten einstellen und läuft nicht Gefahr, mangels passender Kleidung zu überhitzen oder zu stark auszukühlen.

Zudem gibt es ein paar praktische Ergänzungen, mit denen man seine Sommer-Radkleidung wintertauglich machen kann – allen voran Armlinge und Beinlinge. So kann man aus der kurzen Radhose ganz schnell eine lange machen und aus dem Kurzarm-Jersey ein Langarmshirt.

Neben einer Winterradjacke besitze ich auch eine lange Winterradhose mit Trägern, die ein (dünnes) Fleece-Innenfutter hat und so nochmal deutlich wärmer hält. Meiner Erfahrung nach ist die allerdings meistens schon zu warm – insbesondere auch, wenn ich nicht nur flach dahin fahre, sondern auch Anstiege bewältigen muss bzw. einfach etwas sportlicher unterwegs bin. Meistens bin ich daher auch im Winter (zumindest bei Temperaturen über Null) mit einer normalen kurzen Radhose, ergänzt mit winddichten Beinlingen, unterwegs und würde raten, es damit erstmal zu versuchen, bevor man in eine Winterradhose investiert.

Meine Zwiebelschichten auf Winter-Radtouren bestehen in der Regel aus folgenden Kleidungsstücken:

  • Oberkörper: dünnes, schnelltrocknendes Shirt oder Longsleeve ohne Kragen; darüber ein etwas wärmendes Longsleeve (am liebsten mit Zipkragen, sodass ich die Jacke darüber öffnen kann und nicht direkt den kalten Wind abbekomme); isolierte Radjacke als wind- und ggf. wasserdichte und wärmende zweite Schicht (sollte aber nicht zu warm sein!); Regenjacke als zusätzlichen Wind- und Wetterschutz; warme Daunen- bzw. Synthetik-Jacke als zusätzliche wärmende Schicht für Pausen bzw. auch fürs Camping / Schlafen
  • Unterkörper: normale Radhose nach Wahl, ergänzt mit Beinlingen (circa ab Temperaturen unter Null Grad bzw. bei wenig anstrengenden Touren auch spezielle Thermo-Beinlinge bzw. Thermo-Winterradhose); Radregenhose (kann auch ohne Regen als zusätzlicher Windbreaker getragen werden)

Grundsätzlich gilt bei der Wahl der Kleidungsschichten: Zu Beginn lieber ein bisschen zu kalt als zu warm anziehen. Eine weitere Schicht ist schnell übergezogen, wenn man aber erstmal verschwitzt ist, ist es mitunter viel schwieriger, wieder trocken und warm zu werden. Außerdem sollte man die Kleidung vor einer mehrtägigen Wintertour auf jeden Fall auf Tagestouren testen, um zu wissen, was man braucht (oder auch nicht braucht) und welche Kleidungsstücke bzw. Kombinationen am besten funktionieren.

Was hilft gegen kalte Füße beim Radfahren im Winter?

Eines der größten Herausforderungen für mich war (und ist) es beim Radfahren und insbesondere bei tagesfüllenden Bikepacking-Etappen im Winter, meine Füße warm zu halten. Während man beim Wandern eher selten mit kalten Füßen zu kämpfen an, weil diese die ganze Zeit in Bewegung sind, bewegt man sie beim Radfahren kaum bis gar nicht. Zusätzlich sind die Füße und insbesondere die Fußspitzen dem eisigen Fahrtwind ausgesetzt. Dieser kalte Fahrtwind ist wohl das größte Problem, und ihn draußen zu halten oberste Priorität. Erst dann können auch warme Socken und ähnliches ihren Zweck erfüllen.

Dabei können schon einfache, wasserdichte Überschuhe ziemlich gute Dienste leisten. Die zusammen mit wärmeren Socken und Gore-Tex-Multifunktionsschuhen sind für mich in den meisten Fällen das Mittel der Wahl. Auch mit wasserdichten Socken wie zum Beispiel von Sealskinz als Ergänzung habe ich gute Erfahrungen gemacht. Wer es noch wärmer mag, kann zu Radüberschuhen mit wärmender Isolierung greifen. Noch effektiver sind (vermutlich) spezielle Winterradschuhe. Die sind aber nicht unbedingt günstig und solange man nicht unbedingt mit Klickpedalen unterwegs sein will, tun es auch robustere Multifunktionsschuhe bzw. nicht allzu klobige Winterwanderschuhe.

Wer mit Klickpedalen / Cleats an den Schuhen unterwegs ist, sollte übrigens unbedingt darauf achten, eine isolierende Innensohle in die Schuhe zu legen. Durch die Metallverbindung an der Schuhsohle gelangt die Kälte nämlich leichter in den Schuh und an den Fuß. Für mehrtägige Radtouren im Winter sind Klickschuhe aber sowieso eher hinderlich, da man damit beim Gehen / Schieben viel weniger Halt hat und zudem durch die starre Sohle die Füße nicht durchbewegen und somit aufwärmen kann – eine sehr effektive Notfallmaßnahme bei Eisfüßen.

Wichtig: Grundsätzlich sollte man (nicht nur beim Radfahren) darauf achten, dass man nicht zu viele bzw. dicke Socken anzieht und es somit zu eng im Schuh wird. Das führt zu schlecht durchbluteten und damit auch kalten Füßen, zumal dann im Schuh kein Platz für eine isolierende Luftschicht bleibt. Dieser Faktor wird oft unterschätzt und war auch bei meinen ersten Radtouren im Winter der entscheidende Fehler. Manchmal ist tatsächlich weniger mehr, um kalten Füßen bei Radtouren im Winter vorzubeugen!

Funktionelle Accessoires

Handschuhe

Handschuhe fürs Radfahren im Winter müssen mit Bedacht ausgewählt werden. Einerseits sollen sie warm halten und vor Wind (und ggf. auch Nässe) schützen. Gleichzeitig muss man damit natürlich noch bremsen und schalten können. Zudem sollten sie rutschfest sein, sodass man auch bei Nässe noch guten Halt am Lenker hat. Wie dick genau die Handschuhe sein müssen, hängt natürlich von den Temperaturen und der individuellen Kältempfindlichkeit ab. Manche Menschen (inklusive mir) haben von Natur aus warme Hände, andere eher nicht.

Bei der Auswahl sollte man außerdem besonders auf die Passform achten und die Handschuhe am besten vor dem Kauf anprobieren. Die Handschuhe sollten auf keinen Fall zu eng sein, damit die Durchblutung nicht eingeschränkt wird und man alle Bewegungen uneingeschränkt ausführen kann, gleichzeitig beeinträchtigen zu große Handschuhe das Feingefühl für Bremsen und Schaltung. Tendenziell gilt aber: Lieber einen Tick zu groß als zu klein, zumal man so die Möglichkeit hat, die dickeren Handschuhe noch mit dünnen Linern zu ergänzen. Das ist sogar besonders praktisch, da man so noch einen gewissen Kälteschutz hat, wenn man die dickeren Handschuhe ausziehen muss, zum Beispiel während der Pausen.

Grundsätzlich halten Fäustlinge immer wärmer als ein Fingerhandschuhe, sind aber beim Radfahren naturgemäß nicht sehr sinnvoll. Eine Alternative sind sogenannte Dreifingerhandschuhe, bei denen jeweils zwei Finger zusammen sind und der Daumen extra. Darin bleiben die Finger wärmer als in “normalen” Handschuhen, eine sinnvolle Bedienung von Brems- und Schalthebeln bleibt aber möglich.

Hals und Kopf

Der Hals- und Nackenbereich ist ein sehr empfindlicher Teil des Körpers, den man auf Winterradtouren möglichst immer bedeckt halten sollte. Deswegen würde ich auch immer zu einem Longsleeve mit Kragen greifen, weil man so die Jacke bei anstrengenderen Anstiegen öffnen und diese Region trotzdem warm halten kann.

Auch die Ohren sollte man im Winter immer vor Fahrtwind schützen, mindestens mit einem winddichten Stirnband oder einer Radmütze. Ergänzt wird das Ganze mit einem Schlauchtuch, welches man wahlweise auch über Mund und Nase ziehen kann. Alternativ kann man statt Mütze und Schlauchtuch auch zu einer Sturmhaube / Skimaske (auch Balaclava genannt) greifen.

Nierenwärmer

Der untere Rücken bzw. der Bereich um die Nieren ist ebenfalls eher empfindlich und ein Nierenwärmer ist eine ziemlich einfache und effektive Möglichkeit, um diesen Bereich zu schützen. Das gilt insbesondere auch, wenn man ohne Bibshorts, also ohne Trägerhose, unterwegs ist.

Heizpads

Von einfachen Heizpads für die Zehen bis hin zu akkubetriebenen, beheizten Handschuhen gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten, besonders kälteempfindliche Bereiche des Körpers zusätzlich zu wärmen. Die Laufzeit dieser Pads ist aber naturgemäß begrenzt, sodass sie für mehrtägige Touren nicht wirklich bzw. nur als Backup geeignet sind. Wenn man besonders zu kalten Füßen bzw. Händen neigt, ist zumindest die Back-Up-Variante für “Not”-Fälle aber natürlich eine Überlegung wert.

Winter-Bikepacking mit Zelt / Biwak

Ich liebe es, in der kalten Jahreszeit draußen zu schlafen, auch wenn die Kälte, die Dunkelheit und und die oft feuchte Witterung (bzw. insbesondere auch die Kombination aus allen drei Faktoren) so ihre Tücken haben. Die Nächte sind lang, warm werden und warm bleiben mitunter schwierig und dass Kleidung oder nasse Ausrüstung über Nacht trocknet, kann man eigentlich vergessen. Mit der richtigen Ausrüstung und ein paar Tricks kann man aber auch im Winter seiner Bikepacking-Leidenschaft nachgehen und muss nicht gänzlich aufs Draußenschlafen verzichten.

Camping im Winter: so bleibst du warm

Das wichtigste ist natürlich, dass Isomatte und Schlafsack an die Temperaturen angepasst sind. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass beide Ausrüstungsgegenstände eine große Rolle für die Temperatur spielen. Ein warmer Schlafsack allein bringt nur bedingt viel, denn dessen Füllung wird auf der Liegefläche zusammengedrückt und kann nicht richtig wärmen.Der Schlafsack wärmt ja nicht aktiv, sondern isoliert nur die Körperwärme im Inneren des Schlafsacks. Ich greife im Winter meistens zu meiner Therm-a-Rest XTherm Isomatte, die auch bei Minusgraden gute Dienste leistet. Die in Kombination mit meinem Kunstfaserschlafsack mit einer Komforttemperatur von -3 Grad ist auf jeden Fall wintertauglich. Wer weder das eine noch das andere hat, muss aber nicht direkt in neue Ausrüstung investieren: Die Isomatte kann man mit einer Schaumstoffmatte als Unterlage ergänzen, und den Schlafsack mit einem zweiten dünnen Sommerschlafsack oder warmem Inlet.

Zudem kann man natürlich auch mit entsprechender Schlafbekleidung für einen ausreichend warmen Schlaf sorgen. Warme Socken und eine warme Jacke sollten auf jeden Fall mit im Gepäck sein, zusammen mit einem Set Thermounterwäsche (welches man keinesfalls auch tagsüber tragen sollte, damit man abends immer eine trockene Schicht Kleidung hat). Außerdem wirkt eine Mütze oder warme Kapuze beim Schlafen Wunder. Es stimmt zwar nicht, dass man über den Kopf überproportional viel Wärme verliert, aber man verliert dort auf jeden Fall auch Wärme, und das gilt es zu vermeiden.

Außerdem sollte man unbedingt darauf achten, dass nicht zu viel leerer Raum im Schlafsack bleibt (oft am Fußende der Fall), denn dann kann sich dort zu viel kalte Luft ansammeln. Wer zu klein für seinen Schlafsack ist, kann ein paar Klamotten oder andere Ausrüstungsgegenstände dort lagern und so den überschüssigen Platz füllen.

Während man im Sommer aus Gewichtsgründen schon mal auf einen Kocher verzichten kann, würde ich diesen im Winter immer einpacken. Eine heiße Mahlzeit oder einfach nur ein heißer Tee nach einem langen Wintertag auf dem Rad ist ein wahres Wundermittel, um wieder warm zu werden und zu Kräften zu kommen. Aber Vorsicht bei Minusgraden: da gelangen normale Gaskartuschen schnell an ihre Grenzen, weil das in normalen Gaskartuschen enthaltene Butangas bei Minusgraden flüssig bleibt. Es gibt spezielle Gaskartuschen für kalte Temperaturen, alternativ kann man normale Gaskartuschen in ein warmes Wasserbad stellen und so auch bei Kälte nutzen. Noch zuverlässiger ist im Winter ein Campingkocher, der mit Flüssigbrennstoff funktioniert.

Bikepacking-Packtipps für den Winter

Schlafsetup und Kleidung für winterliche Temperaturen nehmen deutlich mehr Platz in Anspruch, selbst wenn man verhältnismäßig leichte Ausrüstung mit kleinem Packmaß besitzt. Man sollte auf keinen Fall an wärmenden Schichten sparen, um bloß alles in die Bikepacking-Taschen zu bekommen. Besser ist es, die ein oder andere Tasche am Rad zu ergänzen oder zusätzlich einen Rucksack mitzunehmen. Den füllt man am besten mit dem Schlafsack oder Kleidung, denn dann ist er zwar voluminös, aber nicht schwer und somit relativ angenehm zu tragen.

Grundsätzlich macht es auch Sinn, die Taschen bei kalten Temperaturen nicht so vollzustopfen, wie man es vielleicht sonst tun würde, sondern lieber etwas lockerer packen. Mit kalten Fingern kann man dabei nämlich schnell an seine Grenzen stoßen. Außerdem sollten vor allem Kleidungsstücke schnell und einfach zugänglich sein, damit man diese easy aus- und wieder anziehen kann und sich nicht erst durchs komplette Gepäck wühlen muss.

Tipp: Reißverschlüsse kann man mit Kabelbindern / zusätzlichen Schlaufen versehen, um die Taschen auch mit dickeren Handschuhen bzw. kalten Fingern einfach öffnen und schließen zu können.

Wo kann man im Winter überhaupt campen?

Viele Campingplätze haben im Winter geschlossen, es gibt aber durchaus auch solche, die ganzjährig geöffnet sind (hier muss man als Radfahrer ohne Camper / Wohnmobil allerdings darauf achten, dass auch die Sanitärgebäude im Winter zugänglich sind). Außerdem kann man auch im Winter Stellplätze bei Privatpersonen finden, zum Beispiel über mycabin.eu oder 1nitetent.com (eine Art Airbnb für Camper).

Wer “wild” draußen schlafen möchte, sollte unbedingt beachten, dass Störungen von Wildtieren zu dieser Zeit besonders schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können, denn flüchtende Tiere verbrennen unnötig viel Energie, die sie im Winter nur schwer wieder zu sich nehmen können. Im schlimmsten Fall kann das mitunter sogar den Tod für die Tiere bedeuten! Wildruhezonen, Naturschutzgebiete und ähnliches sollte man daher (nicht nur, aber insbesondere auch im Winter) unbedingt respektieren. Aber auch abseits davon sollte man vermeiden, irgendwo abseits der Wege durch den Wald schleichen, um einen Schlafplatz zu finden. Besser ist es, relativ nah an bestehenden Wegen zu bleiben oder in einer Schutzhütte die Isomatte auszurollen. Dort rechnen Wildtiere mit Menschen und verfallen nicht sofort in Panik wie bei einem weit abseits der Wege durch den halbdunklen Wald schleichenden Menschen. Wenn man dann zusätzlich noch die Regeln von Leave No Trace befolgt, kann man sich einigermaßen sicher sein, dass man weder Tier noch Mensch mit einer Übernachtung im Freien stört.

Allgemeine Tipps für längere Radtouren im Winter

Die richtige Kleidungsstrategie zu finden ist die wohl größte, aber längst nicht die einzige Herausforderung beim Radfahren im Winter.

Sehen und gesehen werden

Auch wenn ich (mittlerweile) einige leuchtend bunte Kleidungsstücke besitze: Eine meiner Lieblingsfarben für Kleidung ist immer noch schwarz. Leider sind schwarz und ähnlich gedeckte Farben keine wirklich gute Farbe für Radbekleidung allgemein – und im Winter erst recht nicht! Wenigstens ein Teil am Körper sollte schon von weitem leuchten, und die Jacke bietet sich dafür besonders an. Am besten sichtbar sind grelle Farben wie leuchtendes gelb, orange oder pink, idealerweise mit reflektierenden Elementen versehen. Wer partout nicht aussehen möchte wie ein bunter Hund, kann eine reflektierende Weste einstecken und diese bei Bedarf (zum Beispiel auf Straßenabschnitten oder in Wohngebieten) überstreifen.

Genauso wichtig ist es natürlich, leistungsstarke und verlässliche Fahrradbeleuchtung dabei zu haben. Gerade im Winter schadet es auch nicht, diese selbst tagsüber angeschaltet zu lassen. Bei Leuchten mit Akkus / Batterien sollte man darauf achten, dass diese bei Kälte schneller zur Neige gehen können als im Sommer. (Gilt natürlich auch für das Handy, die Powerbank, das Fahrradnavi und Kamerakkus! Deshalb sollte man das alles nachts unbedingt mit in den Schlafsack nehmen und nicht draußen liegen lassen.)

Den Fahrstil anpassen

Rutschiges Laub, vereiste Stellen oder gar Schnee: Radfahren im Winter ist definitiv mit mehr Risiken verbunden als im Sommer. Eine vereiste Pfütze in der Kurve reicht aus und man liegt auf dem Boden (ich spreche leider aus Erfahrung). Vorausschauend und mit reduzierter Geschwindigkeit zu fahren ist bei kalten Temperaturen besonders wichtig, zusammen mit an die Bedingungen angepassten Reifen. Letzteres bedeutet prinzipiell: Je dicker der Reifen und je mehr Profil, desto besser. Das gilt besonders natürlich auch, wenn Schnee im Spiel ist. Bei besonders eisigen Verhältnissen können auch Reifen mit Spikes sinnvoll sein (wie zum Beispiel die Ice Spiker Pro von Schwalbe), die allerdings für Asphalt wiederum nur bedingt tauglich sind.

Essen und trinken nicht vergessen

Bei Kälte steigt der Energiebedarf im Vergleich zu gemäßigteren Temperaturen, da der Körper vermehrt aktiv werden muss, um die Körpertemperatur zu halten. Einen gut gefüllte Snacktasche und den regelmäßigen Griff in diese sollte man daher auch im Winter nicht vergessen. Das gleiche gilt fürs Trinken – eine Sache, die im Winter besonders gerne vergessen wird, weil man tendenziell weniger Durst verspürt als bei Wärme. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass man keine Flüssigkeit braucht! Besonders angenehm auf Wintertouren sind isolierte Trinkflaschen, in denen das Wasser nicht so schnell eiskalt wird, auch wenn isolierte Kunststoffflaschen definitiv nicht ewig warm halten. Am besten befüllt man diese mit warmem (aber nicht heißem!)  Wasser, bevor man losfährt. Oder man legt sich direkt eine Thermosflasche fürs Rad zu, die richtig isoliert und dank Edelstahl auch bedenkenlos mit heißem Tee oder Kaffee gefüllt werden kann. Vor allem auf Campingtouren ist eine solche Flasche auch nachts ziemlich praktisch.

Nicht zu lange mit dem Kleidungswechsel warten

Zu warm, zu kalt, zu warm, zu kalt, zu warm… Die richtige Temperatur zu halten ist auf winterlichen Radtouren besonders schwierig. Und immer wieder anzuhalten, um Kleidungsstücke an- oder auszuziehen zugegebenermaßen höchst nervig. Tun sollte man es trotzdem, und zwar am besten einfach sofort, wenn man das Bedürfnis danach hat. Meistens kommt es früher oder später nämlich sowieso dazu, dann kann man es also auch direkt hinter sich bringen. Und wenn man wartet, bis man erstmal ausgekühlt bzw. verschwitzt ist, wird die Angelegenheit umso komplizierter!


Machst du auch im Winter längere Touren mit dem Rad oder wartest du doch lieber auf den nächsten Sommer? Hast du noch weitere Radfahr- und Bikepacking-Tipps für den Winter? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

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