Zuletzt aktualisiert am 19. August 2026
Die Beara Peninsula liegt im Südwesten Irlands, dort wo die Kraft des Atlantiks ungebremst auf die schroffe Küstenlinie der grünen Insel trifft. Auch wenn Beara touristisch insgesamt gut erschlossen ist, umweht die Halbinsel ein rauer Charme und ein Gefühl von Abgelegenheit.
Das gilt auch für den Weitwanderweg Beara Way, der Beara einmal komplett umrundet. Dabei erkundet die Route die mal sanfte, mal schroffe und oft einsame Bergwelt – ganz ohne alpinen Wanderanspruch. Dazu kommen küstennahe Abschnitte sowie zwei Abstecher auf vorgelagerte Inseln Dursey Island und Bere Island. Alles in allem umfasst der Beara Way so rund 200 Kilometer.
Das Schönste am Wandern auf dem Beara Way ist zweifelsohne die Weite und der authentische Charakter der Halbinsel. Spannend ist außerdem, dass man immer wieder auf Relikte vergangener Zeiten und verschiedener Epochen stößt – allen voran die bronzezeitlichen Steinkreise, die man auf Beara zahlreich findet. Man ist oft weit „ab vom Schuss“ unterwegs, kommt aber auch regelmäßig durch irische Postkartenörtchen, die alles bieten, was man als Wanderer braucht.
Ich bin rund 150 Kilometer in 7 Tagen gewandert, von Kenmare nach Glengarriff, inklusive Abstecher nach Bere Island. In diesem Artikel berichte ich von meinen Erfahrungen und gebe Tipps zum Nachwandern.
Werbehinweis: Meine Wanderung auf dem Beara Way fand in bezahlter Zusammenarbeit mit Tourism Ireland statt und enthält Werbung für diesen Kooperationspartner. Alle Inhalte dieses Artikels beruhen allein auf persönlicher Erfahrung.


Beara Way in 7 Etappen – Erfahrungsbericht
Etappe 1: Kenmare – Lauragh
Distanz / Höhenmeter: 25,8 km, 910 hm
Übernachten: wenige Übernachtungsmöglichkeiten in / um Lauragh; mein Tipp: An Síbín (idyllisch und einsam gelegenes Restaurant mit schönen Zimmern, das von außen etwas rustikal, aber sehr sympathisch aussieht und innen äußerst gemütlich ist)
Verpflegung: keine Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs; je nach Jahreszeit hat das Restaurant am Ziel nicht täglich geöffnet, bei Buchung ggf. Alternativen fürs Abendessen abklären oder selbst mitbringen; fürs Frühstück ist alles vorhanden)
Meine Tour beginnt im Städtchen Kenmare, das ich in rund 40 Minuten Busfahrt ab Killarney erreiche. Noch einen (vorerst) letzten Hafer-Cappuccino im örtlichen Bäcker, dann verlasse ich über die Hauptstraße das belebte Zentrum und überquere auf einer Brücke die Bucht, an der es ganz besonders herrlich nach Salzwasser riecht.
Kurz danach folgt der Beara Way für eine Weile einem äußerst hübschen, fast schon urwaldartigen Pfad, immer wieder mit Blick aufs Wasser. Dann biege ich auf ein Sträßchen in Richtung Inland ab und gewinne langsam an Höhe. Einige Kilometer geht es so aussichtsreich dahin, dann kann ich von der Straße auf einen Wanderpfad wechseln, der mich weiter bergauf bis zum Sattel des Derrysallagh führt. Der Weg ist oft sumpfig und nicht immer ganz einfach zu gehen, aber die Rundum- und Weitblicke werden mit jedem gewonnen Höhenmeter besser und besser. Ich treffe zahlreiche Schafe, auch zwei Esel, andere Wanderer hingegen sind weit und breit nicht in Sicht.
Auf dem Sattel angekommen habe ich den längsten Anstieg des Tages schon hinter mir, auf der anderen Seite wartet ein herrlicher Blick auf den Lough Inchiquin, zu dem der Beara Way nun absteigt. Erst weiterhin recht matschig entlang eines Baches, dann folge ich einer Weile einem Sträßchen zum Ufer des dunklen Bergsees. Dass der ein ganz besonderer Ort ist, haben sich Menschen wohl schon zur Bronzezeit gedacht – und einen Steinkreis etwas oberhalb des Sees errichtet. Der Uragh Stone Circle besteht aus einem rund drei Meter hohen Monolithen und einem aus fünf kleineren Steinen bestehenden Kreis, der für Rituale und Zeremonien gedient hat. Weit über 100 solcher Steinkreise lassen sich hier im Südwesten Irlands finden!
Nach dem Abstecher zu den Steinen führt mich der Beara Way wieder bergauf, kurz sogar ganz schön steil, aber noch auf Asphalt. Hinter einem kleinen Farmhaus, auf dessen Ausblick man wirklich nur neidisch sein kann, wird die Straße wieder zu einem kleinen Pfad durch mooriges Gras, der mich bis kurz unter den Gipfel des Knockagarrane führt. Der Blick von hier oben auf die Kenmare Bay und die dahinter liegenden Berge der Iveragh Peninsula ist der vielleicht beeindruckendste an diesem Tag – und das soll was heißen, denn an beeindruckenden Blicken mangelt es hier wahrlich nicht.
Einen weiteren recht nassen Abstieg später erreiche ich wieder ein Sträßchen, dem ich bis zu meinem Etappenziel folgen kann. Und ja, im Prinzip gibt es an diesem Tag nur diese zwei Varianten: schlammiges Stapfen oder astreiner Asphalt. Ich finde die Mischung aus abenteuerlicheren Wegen und ein wenig Entspannung zwischendurch aber durchaus ganz gelungen. Zumal das Wandern auf glatten Wegen den Vorteil hat, dass man besser durch die Gegend gucken und die Aussichten genießen kann und nicht nur auf seine Füße achten muss.
Für den letzten kleineren An- und Abstieg kommt dann auch noch so richtig die Sonne raus, nachdem Wolken und Nieselregen den Großteil des Tages bestimmt haben. Ein schöner Abschluss dieses noch viel schöneren ersten Wandertages auf dem Beara Way, der von einer authentischen Wohlfühl-Unterkunft gekrönt wird.









Etappe 2: Lauragh – Eyeries
Distanz / Höhenmeter: 31,3 km, 920 hm (Man kann die Etappe bei Bedarf etwas kürzen, indem man vor Ardgroom der Straße folgt und / oder direkt in Eyeries übernachtet.)
Übernachten: mehrere Übernachtungsmöglichkeiten in und um Eyeries
Verpflegung: Café und kleiner Supermarkt in Ardgroom; mehrere Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten in Eyeries
Am zweiten Tag auf dem Beara Way war das Wetter gar nicht mal so gut! Die Strecke gar nicht mal so kurz! Und die Wege gar nicht mal so trocken! Und trotzdem (oder gerade deswegen) fand ich diese Etappe irgendwie doch ziemlich toll.
Los geht‘s ab Lauragh mit ein paar entspannten Kilometern auf einem Sträßchen. Bald biege ich aber auf einen kleinen Weg ab, der mich durch ein Wäldchen und dann bergan zum Casheelkeetsy Streinkreis führt. Für den hole ich dann doch mal ganz kurz die Kamera aus dem Rucksack – und packe sie nach einem schnellen Foto direkt wieder ein. Es regnet, windet, ist neblig und der Untergrund ziemlich nass. Nicht gerade ideales Fotografinnen-Wetter.
Hinter dem Collorus Pass wartet der längste Anstieg des Tages (den man allerdings bei Bedarf auch umgehen könnte, indem man einfach dem E8 entlang der Straße folgt). Das Wandern erfordert hier meine volle Konzentration: Es ist (nicht zuletzt wetterbedingt) weiterhin sehr sumpfig, der „Wanderweg“ ist meist kaum als solcher erkennbar und die nächste Wegmarkierung im Nebel oft nicht zu erkennen. Immerhin setzt hier kurz mal der Regen aus – man muss auf die positiven Seiten blicken! Wobei ich mich bei derlei Bedingungen ja durchaus in meinem Element fühle. Und ich weiß, dass nach dem Abstieg in Ardgroom ein Café auf mich wartet, in dem ich mich stärken und aufwärmen kann.
Nach meiner Mittagspause in Ardgroom klettert der Beara Way auf einen weiteren, aber nicht sonderlich hohen Hügel und folgt seinem Rücken für eine Weile, dann geht es ein Stück hinab und entlang des langgezogenen Sees Lough Fadda, der im Nebel ganz besonders mystisch aussieht.
Nachdem ich bisher vor allem im Hinterland und den Bergen unterwegs war, folgt der Beara Way im letzten Drittel der Etappe dann vermehrt auch der wilden Küstenlinie – erst ein Stückchen auf einer Straße, später auf einem kleinen Pfad immer am Meer entlang.
Ein Stück vor Eyeries verlasse ich den Beara Way, der weiter auf schmalem Weg der Küste folgen würde, um in dem kleinen Örtchen mit bunt angemalten Häusern mein Abendessen zu mir zu nehmen. Anschließend wandere ich noch rund drei Kilometer weiter zu meiner Unterkunft, die etwas außerhalb des Ortes liegt.







Etappe 3: Eyeries – Allihies
Distanz / Höhenmeter: 11 km, 450 hm
Übernachten: mehrere Übernachtungsmöglichkeiten in Allihies; mein Tipp: Coppermines Lodge (früher Hostel, heute Unterkunft mit Privatzimmern und Gemeinschaftsküche – äußerst praktisch für Wanderer und mitten im Ort gelegen)
Verpflegung: keine Verpflegung unterwegs, aber kleiner Supermarkt und mehrere Einkehrmöglichkeiten in Allihies
Nach dem langen, nassen Tag gestern steht mir heute ein bisschen Erholung bevor. Nicht nur fällt der Weg zwischen Eyeries und Allihies kurz aus, es ist auch noch jede Menge blauer Himmel zu sehen! Perfektes Wetter für diese aussichtsreiche Etappe, auf der man das Meer fast immer im Blick hat.
Von meiner Unterkunft wandere ich ein kurzes Stück die Straße entlang, dann wird – mitunter recht steil – der erste Anstieg erklommen. Eine kurze Weile geht es entlang der Hänge des Miskish Mountain, bevor ich in ein Tal mit hübschem Bachlauf absteige. Über Wiesen erreiche ich bald den nächsten, abermals recht knackigen Anstieg und wandere über aussichtsreiche, matschige und manchmal nicht ganz einfache Pfade zur Old Copper Road.
Nun beginnt der entspannte Teil des Tages, auch wenn die kleine Straße noch einen letzten und gegen Ende steilen Anstieg mit sich bringt. Auf ihr überquere ich dann auch die Bergkette, deren Flanken ich bisher gefolgt bin, und kann zum ersten Mal auf die andere Seite gucken: Glitzerndes blaues Meer, schroffe Felsen und irgendwo unten im Tal die bunten Häuser von Allihies.
Wie der Name der Straße, auf der ich mich befinde, bereits vermuten lässt, hat Allihies eine lange Bergbauvergangenheit. Schon seit der Bronzezeit wurde hier in der Region Kupfer abgebaut, die ersten Kupferbergwerke in der Region entstanden wahrscheinlich schon vor etwa 4.000 Jahren. Allihies selbst wurde im 19. Jahrhundert durch den (nun industrialisierten) Kupferbergbau bekannt, der viele Arbeitsplätze schuf und die Region prägte. Heute erinnert ein Bergbaumuseum im Ort an diese Geschichte – genauso wie die Ruinen der alten Minen, die man an den Berghängen rundherum noch heute sehen kann.











Etappe 4: Allihies – Bere Island
Distanz / Höhenmeter: 21,4 km, 690 hm
Übernachten: Es gibt mehrere Optionen für Unterkünfte auf Bere Island.
Verpflegung: Einkehr und Supermärkte in Castletownbere; ein paar Einkehrmöglichkeiten auf Bere Island
Fähre: Fahrzeiten der Fähre von Castletownbere nach Bere Island (Achtung: Es gibt noch eine zweite Fähre, die fährt aber nicht ab Castletownbere.)
Der vierte Tag beginnt, wie der letzte geendet hat: Mit einem langgezogenen Sträßchen, das hinauf in die Berge führt und dabei die allerbesten Panoramen offenbart. Auf das kleine Allihies, die Berge rundherum, das Meer, die westliche Landspitze von Beara mit der vorgelagerten Insel Dursey. Auf einem Abstecher würde der Beara Way auch noch über die Landspitze und die Insel führen, die über eine abenteuerliche Seilbahnfahrt erreichbar ist. Mangels (für Wanderer taugliche) Unterkünften dort lasse ich den allerdings aus, per Bus / Taxi könnte man Dursey aber von Allihies erreichen! (Mehr Infos zu Dursey.)
Die Straße wird irgendwann zu einem holprigen Weg, auf dem ich den Bergrücken überquere und zum ersten Mal auf die andere Seite von Beara gucken kann. Zeit für eine frühe Pause mit Aussicht! Die Morgensonne ist einfach viel zu schön, um die nicht zu machen.
Anschließend wartet ein Abstieg durch Wald, bevor der Weg erst noch über einen schmalen Fahrweg, später über einen Pfad aufsteigt. Vom Rücken des Miskish Mountain kann ich dann in jenes Tal sehen, das ich am Vortag gekreuzt und mich währenddessen gefragt habe, wie es da oben auf den Bergen wohl sein muss. Nun weiß ich Bescheid!
Ein Stück vorm Gipfel biegt der Beara Way rechts ab (man könnte den Gipfel aber auch noch über einen Abstecher mitnehmen). Nun beginnt mein Lieblingsteil des Tages: Der laaaaaaaaaanggezogene, aussichtsreiche und recht einfache Abstieg in Richtung Castletownbere – erst über grasige, aber in meinem Fall weitestgehend trockene Hänge, später über einen entspannten Schotterweg.
Die letzten Kilometer nach Castletownbere führen dann über Asphalt, hier muss man etwas auf Autos achten. Nach einem Besuch beim Derreenataggart Stone Circle erreiche ich bald das Ortszentrum. Zeit für eine ausführliche Mittagspause!
Dann warte ich am Hafen von Castletownbere, der zu den fünf größten Fischereihäfen Irlands zählt, auf meine Fähre in Richtung Bere Island. Eine kurze Fährüberfahrt später beginnen die letzten Kilometer des Tages. Die Inselstraße führt mich wegtechnisch nicht sonderlich abwechslungsreich, aber mit abermals besten Aussichten hinauf auf die Höhenzüge der Insel – und anschließend auf der anderen Seite hinab, wo meine Unterkunft auf mich wartet. Morgen werde ich mir Bere Island dann noch ein bisschen genauer ansehen, bevor es wieder zurück auf die große Insel geht.







Etappe 5: Bere Island
Distanz / Höhenmeter: 15,7 km, 660 hm
Übernachten: mehrere Übernachtungsmöglichkeiten in Castletownbere; mein Tipp: Summer Hill, ein nettes, ruhiges B&B etwas außerhalb des Zentrums
Verpflegung: keine Einkehrmöglichkeiten während der Tour, Café am Fähranleger und viele Verpflegungsmöglichkeiten in Castletownbere
Bere Island ist nicht nur in Sachen Wandern ein spannender Ort: An der kleinen Insel kann man viel von der Geschichte Irlands ablesen, von der Bronzezeit bis zur Entstehung der modernen irischen Nation im 20. Jahrhundert:
Auf der Insel befinden sich ein Keilgrab und ein Menhir aus der Bronzezeit, ein Wikingerhafen, die Überreste eines Signalturms sowie zwei runde Martello-Türme aus der Zeit der Napoleonischen Kriege und Geschützbatterien und Befestigungsanlagen des britischen Marinestützpunkts Fort Berehaven.
Die Gewässer rund um die Insel boten Schiffen von Wikinger-Langbooten bis hin zu amerikanischen und britischen Kriegsschiffen des Ersten Weltkriegs sicheren Ankerplatz. Gleichzeitig zeugen zahlreiche Schiffswracks entlang der Küste von den gefährlichen Stürmen des Atlantiks.
Wind gibt es an diesem Tag auch ganz ordentlich, ansonsten habe ich aber einen weiteren herrlich sonnigen Tag vor mir. Von meiner Unterkunft wandere ich zurück bis zum Beara Way. Die Schleife über den östlichsten Teil der Insel lasse ich aus, folge stattdessen dem kleinen Pfad entlang der Hafenbucht, der mitunter ziemlich dicht mit Farn bewachsen ist. Hinter einem Steinstrand folge ich für ein kurzes Stück der Straße leicht bergauf, bis der Beara Way auf einen Wanderweg abbiegt, der mich hinauf zum Ardagh Martello-Turm führt. Ein erster hervorragender (und windumtoster) Aussichtspunkt.
Es folgt ein kurzer Abstieg und ein Stück entlang der Straße, die ich am Vortag schon in die andere Richtung gewandert bin. Dann beginnt der Anstieg auf den höchsten Punkt der Insel, den 320 Meter hohen Knockanallig, vorbei an einem stehenden Stein aus der Bronzezeit, der auch den Inselmittelpunkt markiert. Hinter dem Gipfel habe ich endlich etwas Windschutz und die rustikalen Dirt Tracks machen das Wandern einfach. Außer den Schafen ist hier niemand anders unterwegs, die Aussicht zu allen Seiten ist grandios – ein einziges irisches Wanderträumchen.
Ein letzter kleiner Anstieg zu den Überresten eines Signalturms steht mir noch bevor, dann steige ich zum Leuchtturm an der Westspitze von Bere Island hinab. Ein weißes Segelboot schiebt sich dahinter durch die türkisblauen Wellen, am anderen Ufer fallen hohe Klippen steil ins Meer. Ich hätte noch eine ganze Weile mit dieser Aussicht verbringen können, entscheide mich aber zu etwas Eile, um es noch rechtzeitig zur angepeilten Fähre zu schaffen (denn die nächste fährt erst zwei Stunden später).
Fazit: Ich kann den Abstecher nach Bere Island definitiv empfehlen – allerdings vor allem bei halbwegs gutem Wetter, denn man man wandert dort teilweise sehr ungeschützt.











Etappe 6: Castletownbere – Adrigole
Distanz / Höhenmeter: 28,3 km, 1.020 hm (wenn man direkt in Adrigole übernachtet ca. 4 km weniger)
Übernachten: Camping- und Glampingplatz in Adrigole, einige Unterkünfte in der weiteren Umgebung verstreut (ich übernachte etwas außerhalb in einem B&B)
Verpflegung: Mini-Supermarkt mit Deli in Adrigole und Café / Takeaway am Campingplatz (nicht immer geöffnet), sonst keine Verpflegung unterwegs
Nach ein paar einfacheren Wandertagen auf dem Beara Way steht heute nochmal eine anstrengendere Etappe an. Diese steht ganz im Zeichen des Hungry Hill, dem mit 682 Metern höchsten Berg der Beara Halbinsel. Die Route führt zwar nicht auf den Gipfel, traversiert aber die Flanken und Ausläufer dieses eindrucksvollen Berges, den ich am Vortag von Bere Island aus schon eingehend bewundern durfte.
Castletownbere verlasse ich über die Hauptstraße, biege bald auf eine kleine Straße ab, die sanft bergauf führt. Später wird die kleine Straße zu einem Schotterweg, dann zu einem einfachen Track über das Moor. Mal auf anspruchsvolleren, mal auf einfacheren Wegen führt der Beara Way an diesem Tag in einigem Auf und Ab an den Berghängen entlang. Wilde Bäche, kleine Seen, schroffe Felswände, dazu der ständige Blick aufs Meer und Bere Island sind echte Highlights an diesem Tag.
Erst ein Stück vor Adrigole trifft die Route wieder auf Asphalt. Über die kleine Straße erreiche ich bald die Küstenstraße, der ich entlang der Bucht in den kleinen Ort folge. Hier gibt es einen Camping-/Glampingplatz und einen Mini-Supermarkt mit Deli, ich habe zu meiner gebuchten Unterkunft allerdings noch knapp vier Kilometer und einen weiteren kleinen An- und Abstieg vor mir.








Etappe 7: Adrigole – Glengarriff
Distanz / Höhenmeter: 17,5 km, 690 hm
Übernachten: mehrere Übernachtungsmöglichkeiten in Glengarriff; mein Tipp: das B&B Island View, etwas außerhalb des Zentrums gelegen
Verpflegung: viele Einkehrmöglichkeiten und kleiner Supermarkt in Glengarriff
Mein letzter Tag auf dem Beara Way! Und zum großen Finale steht heute der höchste Punkt der Route auf dem Plan. Nachdem ich zu meinem B&B hin gestern ein Stück vom Beara Way abgestiegen bin, nehme ich heute eine kleine Abkürzung zurück hinauf in die Berge, mit tollen Blicken über die Küstenlandschaft und Besuch an einem kleinen Wedge Tomb / Keilgrab. Oben auf dem Bergrücken treffe ich dann wieder auf den Beara Way.
Mit großartigem Bergpanorama geht es immer weiter bergauf. Hinter einer Art Felsscharte wartet ein Päuschen am wunderschön gelegenen Toberavanaha Lough auf mich. Hier ist auch bereits der Großteil des Anstiegs geschafft. Nur noch ein letztes kurzes, steiles Stück trennt mich vom rund 560 Meter hohen Bergpass nahe des Gipfels des Sugarloaf Mountain.
Nun geht es (fast) nur noch abwärts – erst sehr matschig, nass und ein bisschen steil, später aber wird der Weg etwas einfacher und ich kann die unglaublich schönen Weitblicke über die wilde Bergwelt in vollen Zügen genießen. Ich komme nur langsam voran, weil ich ständig irgendwo stehenbleiben und durch die Gegend gucken will. Da der Tag nicht allzu lang ausfällt, gibt es aber zum Glück auch viel Zeit dafür.
Der Beara Way führt noch eine Weile an den Bergflanken entlang, dann (recht steil und holprig) ins Tal. Der anstrengende und schwierige Teil des Beara Way ist nun geschafft, auf einem Sträßchen wandere ich durch das schöne Bergtal, später durch das Naturschutzgebiet Glengarriff Woods. In diesem Stückchen atlantischer Regenwald bekommt man einen Eindruck davon, wie es einmal überall an der Westküste Irlands (und Großbritanniens) ausgesehen hat. Die heutige Landschaft ist ein Resultat von Besiedlung, Landwirtschaft und Holznutzung. Ich liebe ja diese kargen Berge und die weite Hügellandschaft, aber dieses Wäldchen ist schon auch ziemlich hübsch (und aus ökologischer Sicht durchaus erstrebenswert).
Keinesfalls verpassen sollte man den kleinen Abstecher zu Lady Bantrys Lookout für einen wunderschönen letzten Blick auf die Berge, die man heute überquert hat – und natürlich auf das Etappenziel Glengarriff, das kurze Zeit später erreicht ist.







Beara Way: Tipps für die Planung
Wer eine etwas abenteuerlichere und anspruchsvollere Mehrtageswanderung zwischen Bergen und Meer sucht, technisch aber keine großen Schwierigkeiten bewältigen möchte, nasse Füße nicht scheut und Irland von seiner ruhigen, authentischen Seite kennenlernen will, ist auf dem Beara Way bestens aufgehoben. Hier kommen meine Tipps für die Tourenplanung.
Wer seine Tour nicht selber planen möchte / kann, kann übrigens auch auf verschiedene Tourenanbieter für den Beara Way zurückgreifen. Meine Wanderung wurde von Hilltop Treks organisiert, die die Buchung der Unterkünfte übernommen und alle Infos rund um die Wanderung und die Logistik vor Ort zur Verfügung gestellt haben.
An- und Abreise
Kenmare und Glengarriff sind gut und schnell mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Beide Städte sind per Bus an Killarney angebunden, welches wiederum per Direktzug in gut drei Stunden ab Dublin erreichbar ist. Alternativ kommt man zum Beispiel auch ab Cork (kleiner internationaler Flughafen) unkompliziert in beide Orte.
Ich bin ohne Flugzeug nach Irland gereist und kann diese Variante jedem empfehlen, der umweltfreundlicher reisen möchte oder einfach andere Gründe hat, aufs Fliegen zu verzichten. Das ist nämlich tatsächlich ziemlich unkompliziert und bei früher Buchung auch gar nicht mal so teuer! Meine Anreise sah so aus:
- per Eurostar über Amsterdam (alternativ über Brüssel oder Paris) nach London (Tipp: Möglichst früh buchen, die Tickets werden schnell teurer.)
- (Direkt-)Zug von London nach Holyhead an der Küste von Wales (rund 4 Std.; Tipp: die Rail & Sail-Tickets von Irish Ferries sind i.d.R. deutlich günstiger als die Einzelbuchung von Zug und Fähre, noch dazu ist man damit bei der Zugverbindung flexibel)
- Ich habe in Holyhead zwischenübernachtet, alternativ kann man z.B. auch einen Tag in London einlegen o.ä.
- Fähre von Irish Ferries von Holyhead nach Dublin (ca. 3:15 Std.; Tipp: Das Club Class Upgrade lohnt sich definitiv – Getränke, Frühstücksbuffet, Wlan und bequeme Sitze mit bestem Blick!)
- (Direkt-)Zug von Dublin nach Killarney (ca. 3:30 Std.)
- Übernachtung in Killarney (Tipp: Fairview Boutique Hotel) und am nächsten Morgen Bus zum Start der Wanderung in Kenmare
Die Kosten hängen stark vom Zeitpunkt der Buchung und dem Startpunkt ab. Wenn man halbwegs früh dran ist, kann man grob etwa mit 160 bis 230 Euro pro Person one-way und ohne Zwischenübernachtung rechnen.
Wetter und Jahreszeit
Grundsätzlich ist Irland dank des vergleichsweise milden Klimas ganzjährig als Wanderziel geeignet. Auf Schnee trifft man hier selten und wenn dann vor allem in den höheren Lagen der Bergregionen. Vor allem auch im Winter kann das Wetter natürlich ungemütlich werden, zudem muss man mit vielerorts geschlossener Infrastruktur rechnen. Besonders empfehlenswert sind sicher wie so oft in diesen Breitengraden der späte Frühling und frühe Herbst. Ich war im Frühsommer / Mitte Juni dort unterwegs und auch das war eine ziemlich gute Zeit. Zu dieser Zeit sind natürlich schon etwas mehr Touristen unterwegs, gleichzeitig ist der Beara Way keine allzu stark frequentierte Route und auch Beara selbst etwas ruhiger als einige Nachbar-Halbinseln wie Iveragh und Dingle. Daher kann man hier grundsätzlich auch im Sommer gut unterwegs sein, zumal der Atlantik selbst bei Wärme (fast) immer eine frische Brise verspricht. Mühsam kann im Sommer die Tatsache sein, dass in Irland mangels Bäumen Schatten vielerorts Mangelware ist. Außerdem muss man dann vermehrt mit Plagegeistern wie Midges und Bremsen rechnen.
Übernachten und Verpflegung
Je nach Etappe sind entlang des Beara Way mal mehr, mal weniger Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten verfügbar. Man sollte unbedingt im Voraus recherchieren und Unterkünfte auch vorab buchen. Vom irischen Tourismusverband zertifizierte Unterkunfte findet man hier.
Bei der Entnahme von Trinkwasser aus Bächen und Flüssen ist in Irland Vorsicht geboten, da es quasi keinen Ort gibt, an dem keine Schafe weiden und vielerorts zusätzliche Belastung durch Landwirtschaft und Besiedlung hinzukommt. Wasseraufbereitung (Filtern, chemische Behandlung, Abkochen) ist in den meisten Fällen Pflichtprogramm, und auch dann sollte man sehr selektiv sein, was die Wasserquellen angeht. Im Zweifelsfall würde ich empfehlen, einfach für die komplette Etappe Trinkwasser mitzunehmen.
Beara Way mit Zelt
Campingplätze sind entlang des Beara Way nur vereinzelt zu finden. Wildzelten ist in Irland nicht erlaubt, u.a. da quasi das ganze Land in Privatbesitz ist und die Zeltübernachtung somit der Toleranz bzw. Erlaubnis des jeweiligen Landbesitzers unterliegt. Viele Wanderer, die mit Zelt in Irland unterwegs sind, fragen einfach vor Ort nach Erlaubnis und machen damit sehr gute Erfahrungen. Vom Rechtlichen abgesehen ist allerdings auch nicht immer so einfach, einen guten Platz fürs Zelt zu finden, da der Grund nicht selten zu nass, zu uneben oder Teil von eingezäuntem Weideland ist.
Mehr Infos zu dem Thema gibt es auf der Webseite von Leave No Trace Ireland. Auch dieser Artikel auf dem irischen Outdoor-Blog Tough Soles ist empfehlenswert (wie übrigens auch der Rest des Blogs, denn die beiden sind alle 42 offiziellen Weitwanderrouten / National Waymarked Trails) in Irland gewandert und haben darüber geschrieben).
Beara Way mit Hund
Das Wandern mit Hund ist in Irland verhältnismäßig schwierig, da nicht alle Farmer das Risiko von Hunden auf ihren Weiden eingehen möchten und Wege über ihr Land für Hunde sperren. Viele Weitwanderrouten sind nicht durchgehend mit Hund machbar, und das gilt auch auch für den Beara Way.
Anforderungen
Der Beara Way ist nicht immer einfach. Etwas Erfahrung und gute Trittsicherheit sollte man mitbringen, denn die Pfade sind mitunter unwegsam und häufig nass oder schlammig – besonders nach Regen. Auch manche Anstiege sind steiler und einige Etappen etwas länger. Gleichzeitig gibt es immer wieder einfachere Abschnitte auf Wegen und kleinen Sträßchen sowie kürzere Etappen zur Erholung. Diese Mischung habe ich als ziemlich perfekt empfunden.
Der Weg ist durchgehend markiert und kann in beide Richtungen begangen werden, wobei die meisten Wanderer mit dem Uhrzeigersinn laufen und nicht wie ich gegen den Uhrzeigersinn. Bei schlechter Sicht ist ein GPX-Track nahezu essenziell, um auf Kurs zu bleiben – zumal es nicht immer leicht ist, den Wanderweg von den Trampelpfaden der Schafe zu unterscheiden.
Ausrüstungstipps
Ausrüstung, die bei einer Wanderung auf dem Beara Way auf jeden Fall mit im Rucksack sein muss:
- wetterfeste und ausreichend warme Kleidung: Selbst im Sommer kann das Wetter in Irland schnell umschlagen und durch eine Kombination aus Wind, Nässe und exponiertem Gelände schnell ungemütlich (bis gefährlich) werden.
- Wanderstöcke: Spätestens bei Nässe und Schlamm wird man sich ohne Stöcke auf steileren Abschnitten schwer tun. Außerdem helfen die Stöcke sehr dabei, um zu prüfen, wie tief schlammige Stellen sind.
- Wanderschuhe mit ausgeprägtem Profil: Ob wasserdicht oder nicht ist hingegen eine individuelle Entscheidung. Ich persönlich bevorzuge bei wärmeren Temperaturen Schuhe ohne Membran, die zwar schnell nass werden, aber auch schnell wieder trocknen. Ich bin in den meisten Fällen mit Trailrunnern unterwegs, wer eher hohe Wanderschuhe gewohnt ist, wird sich damit durch das teils unwegsame Gelände auf dem Beara Way vermutlich wohler fühlen.
- Zeckenzange o.ä.: Kontakt mit der Vegetation bleibt auf dem Beara Way nicht aus. Ich habe teils alle paar Minuten neue Zecken von meinen Beinen gesammelt, hier ist also erhöhte Vorsicht geboten (auch wenn die Häufigkeit der Zecken je nach Jahreszeit und äußeren Bedingungen natürlich sehr variieren kann).
- Sonnenschutz: Schatten ist in Irland meist Fehlanzeige – man sollte daher nicht nur mit Sonnencreme, sondern auch mit Kopfbedeckung und Sonnenbrille ausgestattet sein. Ich persönlich trage zudem meist ein langärmliges UV-Schutz-Longsleeve mit Kapuze, das somit auch den Nacken schützt.
- Hilfsmittel für die Orientierung: Am besten hat man die Route digital und offline verfügbar (z.B. über die Komoot-App und / oder eine GPS-Uhr) mit dabei, denn bei schlechter Sicht sind auf manchen Abschnitten weder Markierungen noch die klare Wegführung am Boden sichtbar, sodass man hier auch mit Wanderkarte schnell an seine Grenzen stößt.
- Bargeld: Auch wenn Kartenzahlung in Irland im Allgemeinen weit verbreitet ist, akzeptieren gerade kleinere B&Bs und auch manche Imbissbuden u.ä. mitunter nur Bargeld. (Hinweis am Rande: Teilweise hatte ich auch bei der Zahlung mit meiner Visa Debit-Karte Probleme, eine reguläre Kreditkarte ging aber immer.)
Noch mehr Weitwandertipps für Irland
Wer nicht ganz so viel Zeit hat, aber trotzdem eine lohnenswerte Mehrtageswanderung an der irischen Westküste machen will, dem kann ich den Sheep’s Head Way auf der benachbarten Sheep’s Head Peninsula sehr empfehlen. Wer eine deutlich einfachere Wanderroute sucht und gern über Strände wandert, sollte sich den Dingle Way ansehen.
Mehr Tipps für mehrtägige Touren gibt es in meinem Artikel zu einigen der schönsten Weitwanderwege in Irland. Noch mehr allgemeine Wanderinspiration für die Insel findest du auch auf der Website des Tourismusverbands von Irland: Wandern in Irland.

