Zuletzt aktualisiert am 1. Mai 2026
(enthält Werbung) Die Venntrilogie ist eine noch recht neue mehrtägige Wanderroute in der Wallonie und führt auf rund 109 Kilometern durch die abwechslungsreiche Natur Ostbelgiens – jenem kleinen Teil Belgiens also, der offiziell deutschsprachig ist. Dabei streift die Route durch drei unterschiedliche Landschaften (daher auch “Trilogie”!)::
Der erste Abschnitt im Norden führte mich durch grüne, geschwungene Landschaften und eine eher liebliche, ländliche Umgebung. Der zweite Abschnitt brachte mich hinauf ins Hohe Venn mit seiner dramatischen Hochmoorlandschaft und von wilden Bach- und Flussläufen durchzogenen Wäldern. Der südliche Teil ist vom Lauf des Flusses Warche geprägt, dem man mal auf den Höhenzügen über dem Flusstal, dann direkt am wilden Flussufer und zuletzt entlang der Stauseen folgt.
In diesem Artikel berichte ich von meiner 6-tägigen Wanderung auf der Venntrilogie und gebe Tipps zum Nachwandern: empfehlenswerte Unterkünfte, An- und Abreise, Verpflegungsmöglichkeiten auf den einzelnen Etappen und mehr.
Werbehinweis: Meine Wanderung auf der Venntrilogie fand in bezahlter Zusammenarbeit mit der Tourismusagentur Ostbelgien statt und enthält daher Werbung für diesen Kooperationspartner. Alle Inhalte in diesem Blogartikel beruhen ausschließlich auf persönlicher Erfahrung. Mehr zum Thema Werbung kannst du hier nachlesen.

Venntrilogie in 6 Etappen
Etappe 1: Blütenteppiche und versteckte Wiesenwege
Start / Ziel: Vaals / Dreiländereck – Eynatten
Distanz / Höhenmeter: 27,2 km / 600 hm
Unterkunft: Hotel Tychon (mit Restaurant und Schwimmbad)
Verpflegung: wenig Verpflegungsmöglichkeiten entlang der Strecke (mit kleinem Umweg in Kelmis zu Beginn der Etappe und am Wochenende Café in Hauset gegen Ende der Etappe); Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten am Etappenziel
GPX-Track: zur 1. Etappe auf Komoot
Meine Tour beginnt im kleinen Grenzort Vaals an der niederländisch-deutschen Grenze. Von dort muss man rund zwei Kilometer leicht bergan steigen, um zum offiziellen Startpunkt der Venntrilogie zu kommen. Auf dem 323 m hohen Vaalserberg mit Aussichtsturm, großem Restaurant, Parkplatz und den Flaggen von Deutschland, den Niederlanden und Belgien – hier am Dreiländereck treffen die nämlich alle aufeinander – stoße ich auf den ersten Wegweiser der Venntrilogie.
Die ersten Kilometer auf der Wanderroute führen mich waldreich und mit einigen Ausblicken über die weite Hügellandschaft vom Dreiländereck bergab bis an den Rand von Kelmis. Etwas dahinter streift die Route die mittelalterliche Eyneburg, die über dem Göhltal durch die Bäume blitzt. (Aktuell finden an der Burg umfassende Instandhaltungsmaßnahmen statt.)
Bald darauf erreiche ich mit dem Naturschutzgebiet Hohnbachtal ein Highlight dieser Etappe. Jetzt im frühen Frühjahr blühen dort weite Teppiche wilder Narzissen mit den Buschwindröschen um die Wette. Etwas später im Jahr (etwa von Mai bis August) kann man hier mit dem Galmei-Veilchen übrigens eine ganz besondere Pflanze erspähen: Die wächst nämlich nur auf schwermetallhaltigen Böden und auch nur in der Region rund um Aachen.
Hinter dem Hohnbachtal wird die Landschaft offener, die Route der Venntrilogie führt häufig über Wiesen und Felder und es gilt zahlreiche Wiesenstiegel zu durchqueren. In Ostbelgien bestehen noch viele historische Wegerechte, die über private Wiesen führen. An Hecken und Zäunen sind Durchgänge (oft Drehkreuze) installiert, die Wanderern das Durchkommen ermöglichen, aber Weidetiere am Ausbüchsen hindern. Zwischendurch überrascht die Route auch mit kleinen, holprigen Pfaden entlang von plätschernden Bächen. Für eine ganze Weile hat man so das wunderbare Gefühl, auf geheimen Pfaden durch die Landschaft zu schleichen.
Hinter dem Dorf Hauset schlägt die Route nochmal einen Haken durch Wald, die gut hörbare Autobahn trübt hier etwas das Wanderidyll. Ein kleines Sträßchen bringt mich schlussendlich nach Eynatten, mein Etappenziel. Ein ziemlich schöner und abwechslungsreicher Auftakt meiner Wanderung auf der Venntrilogie, und dazu noch bei schönstem Frühlingswetter. Letzteres habe ich sehr bewusst genossen, denn am nächsten Tag scheint das Wetter daran erinnern zu wollen, dass es eben doch erst März ist und nicht Mai…








Etappe 2: von Dorf zu Dorf und hinein in den Naturpark Hohes Venn-Eifel
Start / Ziel: Eynatten – Eupen
Distanz / Höhenmeter: 19,6 km / 290 hm
Unterkunft: Sleepwood Hotel (modernes, nachhaltiges und gemütliches Hotel mit viel Holz)
Verpflegung: Einkehrmöglichkeiten in Raeren; viel Auswahl in Eupen
GPX-Track: zur 2. Etappe auf Komoot
Der zweite Tag auf der Venntrilogie beginnt, wie der erste geendet hat: Mit zahlreichen Schleichwegen über grüne Wiesen. Ich finde das wirklich besonders, weil man diese Art von alten Wegerechten tatsächlich nicht (mehr) so häufig findet. Ich kenne das bisher eigentlich vor allem aus Großbritannien. Überhaupt finde ich diese Frage, wie und warum Wanderwege wo entlang führen ja wahnsinnig spannend. (Dinge, über die man sich eben so seine Gedanken macht, wenn das Wandern seit 10 Jahren der Beruf ist.) … aber zurück zu Etappe 2 der Venntrilogie:
Die Wiesenwege und ein paar kleine Sträßchen führen mich die ersten Kilometer von Dorf zu Dorf, vorbei am kleinen „Möhrenmuseum“ und bis ins Dorf Raeren mit seiner für ihre eher kleine Größe doch recht stattlich wirkenden Burg aus dem 14. Jahrhundert. Die beherbergt heute ein Töpfereimuseum mit vielen Exponaten des Raerener Steinzeugs, einer besonderen Keramikart, die hier zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert produziert wurde und weltweite Bekanntheit erlangte. Auch zeitgenössische Keramik gibt es zu bestaunen. Auf kleinen Wegen dreht die Route eine Runde durch den Ort. Blöderweise erwischt mich der erste Regenschauer des Tages fünf Minuten bevor ich an der örtlichen Bäckerei eintreffe. Mein zweites Frühstück muss ich somit getarnt als begossene Pudelin einnehmen. Geschmeckt hat‘s trotzdem!
Ein Stück hinter Raeren wird die bisher doch recht zivilisationsnahe Wanderei zunehmend wilder. Bis ich das Schild mit der Aufschrift Naturpark Hohes Venn-Eifel erreiche und mich ab dort auf den folgenden Kilometern nichts als einsamer Wald erwartet. Zwischen Raeren und Eupen, meinem späteren Etappenziel, erstreckt sich ein Teil des Hertogenwalds, der mit seinen gut 12.000 Hektar immerhin eines der größten geschlossenen Hochwaldareale in den Ardennen bildet.
Meist auf breiten Wegen, für ein Stück aber auch auf schmalen, urigen Pfaden wandere ich dahin – größtenteils mit gesenktem Kopf, denn der Regen ist längst in Schneeregen übergegangen. Und besagter Schneeregen kommt natürlich von vorne. Da macht es auch nichts, dass dieser Abschnitt zwar ganz schön zu gehen ist, aber sonst keine großen Besonderheiten bereithält. Irgendwann spuckt mich der Wald wieder aus und ich nähere mich zuletzt wieder über Wiesen Eupen, der Hauptstadt Ostbelgiens. Pünktlich zu meinem Zieleinlauf kommt dann doch nochmal kurz die Sonne raus, sodass ich sogar halbwegs trocken in meinem Hotel unweit des Stadtkerns ankomme.











Etappe 3: über das Hohe Venn zu Belgiens höchstem Punkt
Start / Ziel: Eupen – Signal de Botrange
Distanz / Höhenmeter: 25,6 km / 630 hm
Unterkunft: Le Mont Rigi (das höchstgelegene Hotel Belgiens mitten in der Natur (unbedingt die nur etwas teureren Zimmer mit Aussicht buchen!)
Verpflegung: keine Einkehr- und Verpflegungsmöglichkeiten auf dieser Etappe (und auch sonst keine nennenswerte Zivilisation); Brasserie im Hotel und Lunchpaket für den nächsten Tag möglich
GPX-Track: zur 3. Etappe auf Komoot
Also dass ein bisschen (!) Schneefall vorhergesagt war, habe ich natürlich gesehen. Aber dass ich mich oben auf dem Hohen Venn plötzlich in einem Blizzard-artigen Schneetreiben wiederfinden würde nicht so wirklich! Aber der Reihe nach…
Selbst unten in Eupen liegt etwas Schnee, als ich mein gemütliches Hotel verlasse und nach kurzen Proviantbesorgungsmaßnahmen den Weg hinaus aus der Stadt antrete. Der führt mich erst noch über einen Aussichtspunkt und vorbei an Kapellen und Kirchen durch das historische Viertel Eupener Unterstadt. Dort treffe ich dann auch schon auf jenen Fluss, der mich für den allergrößten Teil des Tages begleiten wird. Ich folge der Hill in den Wald hinein, passiere eine Biwakzone (davon gibt es in Belgien einige, entlang der Venntrilogie aber leider nur hier) und treffe auf kleine Pfade, die stellenweise recht matschig sind. Meine Schuhe sind bald durchnässt (Spoiler: sie sollten für den Rest des Tages auch nicht mehr trocknen).
Das frühlingshafte Vogelzwitschern gepaart mit dem Rauschen des Flüsschens, der Sonne, der eisigen Luft und dem Schnee zaubert eine wunderbare Stimmung in den Wald – und in den folgenden Stunden werde ich sehr viel Zeit haben, die zu genießen. Nach ein paar Ausflügen auf die Wanderpfade folgt die Route nämlich dem Fahrweg Kilometer um Kilometer bergauf (mit einigen Unterbrechungen über weitere schmale, aber nicht weiter schwierige Pfade, die man bei Nässe ggf. umgehen kann). Der Weg steigt stetig leicht an – aber so leicht, dass man es kaum bemerkt. Je höher ich komme, desto winterlicher wird es. Desto weiter weg fühlt sich der Rest der Welt an. Irgendwann wird der Fahrweg wieder zu einem kleinen Pfad. Und irgendwann lichtet sich der Nadelwald, die Ausläufer der Hochmoorlandschaft Hohes Venn liegen vor mir. Die Landschaft steht seit 1957 unter Schutz. Damit ist das 5.000 Hektar große Hochplateau das älteste Naturschutzgebiet der Wallonie.
Gerade noch hatte ich mich gefreut, dass die Sonne sich zu meiner Ankunft auf dem Hohen Venn blicken lässt. Fünf Minuten später jedoch befinde ich mich in dichtem Schneetreiben. Der Weg und die Markierungen sind kaum noch zu sehen, ohne den GPX-Track auf meiner Uhr hätte ich an manchen Stellen tatsächlich nicht gewusst, wo der Weg weiterführt. Auch ist der Boden wetterbedingt besonders matschig und nass, die hölzernen Stege helfen nur beim Gröbsten. Auf den folgenden Kilometern durch Moor und Wald ist also bei derlei Bedingungen Vorsicht gefragt, letztendlich komme ich aber doch ganz gut durch. Und der Schneesturm hält glücklicherweise auch nur kurz an: Bald schon ist die Sonne zurück und die in Schnee getauchte Landschaft sieht wieder viel freundlicher aus. Sieht wunderschön aus, um genau zu sein.
Dem Flüsschen Hill folge ich übrigens immer noch, hier oben liegt ihr Quellgebiet. An der Marie-Anne-Libert-Brücke verlasse ich dann die Hill und treffe auf einige Hinweistafeln. Für Hunde und Radfahrer geht es dort nicht mehr weiter – und wenn die rote Fahne gehisst ist, auch für Wanderer nicht. Ist sie aber nicht, und so begebe ich mich – nun komplett auf Holzstegen – mitten hinein in die karge Hochebene. Zum ersten Mal an diesem Tag treffe ich hier auch auf andere Fußspuren im Schnee. Anderen Wanderern werde ich bis zum Schluss nicht begegnen, und ganz allein in dieser unwirtlichen Landschaft unterwegs zu sein ist schon ein ganz besonderes Gefühl. Bäche glucksen, tote Bäume stehen wie Statuen in der Landschaft. Wie ich solche Landschaften liebe! Vor etwa 10.000 Jahren, nach der letzten Eiszeit, haben sich diese Torfmoore mit der Zeit auf den wasserstauenden Schieferböden eines früheren Bergkamms gebildet.
Noch scheint die Sonne, aber in der Ferne sehe ich, wie sich die dunklen, mit Schnee gefüllten Wolken auftürmen. Der Schnee erreicht mich zum Glück erst, als ich am Ende meines Weges über die Stege angekommen bin. Und ab da kann das Wetter meinetwegen machen, was es will, denn meine Unterkunft befindet sich ganz in der Nähe.









Etappe 4: langer Abstieg und wildes Wasser
Start / Ziel: Signal de Botrange – Malmedy
Distanz / Höhenmeter: 23,1 km / 270 hm
Unterkunft: My Deer (zentral in Malmedy, schöne Zimmer mit Gemeinschaftsküche und -bädern)
Verpflegung: Einkehr am Signal de Botrange, Restaurant Ferme Libert am unteren Ende der Trost-Marets-Schlucht; viele Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten in Malmedy
GPX-Track: zur 4. Etappe auf Komoot
Mein vierter Tag auf der Venntrilogie beginnt, wie der dritte geendet hat: Mit knirschenden Schritten über schneebedeckte Holzplanken durchs weitläufige Moorgebiet des Hohen Venns. Der Unterschied: Kein Schneesturm weit und breit! Und viel besser noch: Es ist für den kompletten Tag Sonne vorhergesagt. Kann ein Tag besser anfangen?!
Mein erstes Zwischenziel des Tages ist natürlich der Signal de Botrange, mit 694 Metern der höchste Punkt Belgiens. Und wenn ich 694 Meter sage, meine ich eigentlich 700 Meter – dank des durch den 1923 künstlich aufgeschütteten Baltia-Hügels (da ließen sich die Belgier nicht lumpen). Und ich lasse mich auch nicht lumpen und erklimme die steilen Steinstufen auf diesen Hügel natürlich. Nach dem obligatorischen Gipfelselfie (für einen Besuch im Naturparkzentrum war ich leider noch zu früh dran) wandere ich weiter sanft absteigend zwischen Waldrand und Moor entlang. Bald erreiche ich schmalere Naturpfade, die mich am Flüsschen Ghaster entlang führen. Durch den Schnee und all das Schmelzwasser ist der Weg hier (wie auch immer wieder im späteren Verlauf der Etappe) oft glitschig und sumpfig, aber mit etwas Vorsicht und Kreativität bei der Fußplatzierung gut machbar.
Am Baheyon-Bach erreiche ich wieder breite Wege und wandere etwas bergauf zu einem äußerst hübschen Wasserfall. Ein paar andere Ausflügler sind hier unterwegs, hinter dem Wasserfall bin ich aber wieder allein auf weiter Flur. Forstwege und schmale Pfade wechseln sich auf den folgenden Kilometern ab, die Landschaft aus Wald, Wasser und Moor fühlt sich oft ziemlich urwüchsig an, den ein oder anderen Weitblick gibt es auch.
Nach etwa 15 Kilometern erreiche ich den Eingang zur Trôs-Marets-Schlucht. Ein schäumender Wildbach strömt durch das felsige Bett, üppige Wälder reichen bis an ein Ufer. Hier und da ist der Weg zusätzlich mit Seilen gesichert und erfordert volle Aufmerksamkeit (weiter schwierig ist dieser Abschnitt aber nicht). Dann geht es meist durch Wälder meinem Etappenziel Malmedy entgegen. Kurz vorher nochmal ein (im Vergleich zu den bisherigen Etappen) ungewohnt steiler, aber kurzer Anstieg, dann habe ich auf der anderen Seite bald einen schönen Blick auf das Städtchen mit seiner imposanten Kathedrale.








Etappe 5: immer der Warche nach
Start / Ziel: Malmedy – Robertville
Distanz / Höhenmeter: 12,5 km / 590 hm
Unterkunft: Chez Phil (einfache, aber auch günstige Unterkunft mit sehr nettem Betreiber)
Verpflegung: keine Verpflegung unterwegs; am Etappenende Ausflugslokal an der Staumauer; Einkehrmöglichkeiten in Robertville
GPX-Track: zur 5. Etappe auf Komoot
Eigentlich wollte ich die fünfte und sechste Etappe der Venntrilogie zusammenlegen und rund 23 km an einem Tag bis zum Ziel der Route wandern. Nachdem aber bis mittags Regen vorhergesagt war, habe ich spontan beschlossen, doch noch einen Tag dranzuhängen und heute nur die rund zwölf Kilometer bis nach Robertville zurückzulegen.
Hinter der großen Kathedrale von Malmedy führt mich der Weg auf einem Kreuzweg direkt relativ steil bergauf. Ein gutes Aufwärmprogramm für den Rest der Etappe, denn die fällt für Venntrilogie-Verhältnisse außergewöhnlich hügelig und manchmal etwas steil aus. (Bisher hat man die Höhenmeter auf dieser Tour allerdings auch – wenngleich vorhanden – quasi kaum gemerkt, daher hängt die Messlatte relativ niedrig.)
Die heutige Etappe führt meist oberhalb des Warchetals durch Wälder, die mal mehr, manchmal auch etwas weniger idyllisch ausfallen. Mich begleitet ein bunter Wettermix irgendwo zwischen Sonnenschein und Hagelkörnern, aber meist bleibt es trocken – somit war meine Planänderung immerhin erfolgreich.
Der tollste Abschnitt dieser Etappe wartet definitiv gegen Ende: Nach dem Abstieg ins Tal der Warche, die man bis dahin nur selten und von weit oben zu Gesicht bekommt, wandert man eine Weile direkt am Fluss entlang durch naturbelassenen Wald. Auf den großen, moosüberzogenen Steinen kann ich mehrere Gebirgsstelzen und Wasseramseln erspähen. Und ein Tag mit Wasseramsel-Sichtung ist immer ein guter Tag! Irgendwann blitzt die Burg Reinhardstein über mir durch die Bäume. Wer sie besichtigen möchte, könnte die Route leicht ein wenig abändern. Nach einem letzten Anstieg hat man auch von oben noch einen schönen Blick auf die Burg, bevor die Staumauer erreicht ist. Von hier wandere ich rund 1,5 km ins kleine Örtchen Robertville hinein zu meiner Unterkunft.







Etappe 6: Endspurt in der Seenlandschaft
Start / Ziel: Robertville – Bütgenbach
Distanz / Höhenmeter: 26 km / 210 hm
Unterkunft / Verpflegung: viele Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten in Bütgenbach
GPX-Track: zur 6. Etappe auf Komoot
Gemütliches Auslaufen am letzten (kurzen) Tag auf der Venntrilogie! Und heute auch wieder bei der angenehmen Art von Frühlingswetter. Zuerst folge ich eine Weile Naturpfaden entlang des Stausees von Robertville. Mehrere Campingplätze liegen an seinem Ufer und im Sommer ist hier bestimmt einiges los. Dann folgt nochmal ein schöner kurzer Abschnitt über Stege entlang der Warche, bevor die Route aus dem Flusstal hinausklettert und mich über offene Landschaft führt.
Ein Teilabschnitt der Venntrilogie ist aktuell gesperrt und die (bestens ausgeschilderte) Umleitung führt mich über die Vennbahn – übrigens ein schöner Tipp für alle, die gern entspannt radeln: Die 125 km lange Vennbahn ist einer der längsten Radwege entlang stillgelegter Bahnstrecken in Europa. Sie führt von Aachen nach Luxemburg durch drei Länder, ist durchgehend asphaltiert und weist nur geringe Steigungen auf.
Dann geht es die letzten Kilometer über kleine Straßen, Wiesen- und Wirtschaftswege bis nach Bütgenbach. Hier am Bütgenbacher See könnte man gut und gerne noch ein paar Tage Erholungsurlaub dranhängen. Die Wanderung auf der Venntrilogie aber endet hier an der hoch aufragenden St. Stephanus-Kirche.
Auf der Rückfahrt fährt der Bus nochmal durch viele jener Orte, die ich in den letzten 6 Tagen durchwandert habe (und tollerweise auch über das Hohe Venn, sodass ich dem Signal de Botrange nochmal winken kann). Ein hervorragender Abschnitt für diese schöne kleine Mehrtagestour.







Lohnt sich die Venntrilogie? – mein Fazit zur Tour
Die Wanderroute Venntrilogie wurde erst 2023 ins Leben gerufen, auch um ein Gegenstück zur beliebten Radroute Vennbahn für Wanderer in der Region zu etablieren. Es ist offensichtlich, dass sich dabei sehr viel Mühe gegeben wurde. Und ich finde, dass sich diese Mühe definitiv ausgezahlt hat!
Der Wegverlauf ist vielerorts sehr naturnah, birgt immer wieder Überraschungen in Form von kleinen Pfaden und versteckten wilden Orten. Natürlich gibt es auch mal den ein oder anderen Abschnitt, der vielleicht nicht ganz so spannend ist, aber alles in allem handelt es sich um eine wirklich schön zu gehende und landschaftlich abwechslungsreiche Route.
Der Star der Route ist natürlich das Hohe Venn – ich wollte schon lang mal dort hin und fand es äußerst schön, dass ich nun nicht einfach nur hingefahren bin, sondern mir diese Landschaft Schritt für Schritt “erarbeitet” habe. Auch das Drumherum hat mir aber sehr gut gefallen, und letztendlich ist es ja gerade diese Mischung, die die Venntrilogie besonders macht.
Neben dem Routenverlauf selbst fand ich auch den kleinen Wanderführer zur Venntrilogie toll, den man auf der Webseite kostenlos herunterladen kann und der nicht nur die Etappenbeschreibungen enthält, sondern auch viele Anekdoten und Erzählungen rund um diese Region und ihre (früheren) Bewohner. So lernt man beim Wandern nicht nur die Landschaft, sondern auch ein Stück der Seele dieser Region kennen. Und genau das macht eine gute Wanderroute ja letztendlich aus.

Alle Tipps zum nachwandern
Anforderungen
Bei Nässe können die Wege oft etwas (oder auch etwas mehr) rutschig und matschig sein, ansonsten birgt die Route aber keine großen Schwierigkeiten. Die (merkbaren) Anstiege halten sich in Grenzen, einige der fünf bis sechs Etappen fallen etwas länger (um die 25 km) aus. Ansonsten ist die Route auch bestens für Weitwanderanfänger geeignet.
Orientierung und Gehrichtung
Die Venntrilogie ist bestens in beide Richtungen markiert. Lediglich auf dem verschneiten Hohen Venn war ich stellenweise dankbar für den GPX-Track auf meiner Uhr, ansonsten bin ich meist einfach nach Markierung gelaufen. Ob man die Route wie ich von Nord nach Süd oder umgekehrt wandert, macht keinen Unterschied.
An- und Abreise
Das nördliche Ende der Venntrilogie, das Dreiländereck auf dem Vaalserberg, kann man per Auto oder zu Fuß erreichen. Von Deutschland aus gibt es ab Aachen eine Busverbindung nach Vaals, von Belgien nach Gemmenich – beide am Fuße des Vaalserberges und 1,5 bis 2 km vom Gipfel und Startpunkt entfernt.
Auch das südliche Ende ist ans Busnetz angeschlossen. Mit Umstieg in Eupen kommt man nach Aachen oder zurück zum Ausgangspunkt.Übrigens verfügen auch alle Etappenziele über eine Busverbindung, sodass man sich auch gut nur kürzere Abschnitte der Venntrilogie wandern kann. Fahrkarten kann man direkt im Bus oder über die App von uns TEC kaufen. Wichtig für die Planung: Mitunter fahren die Busse am Wochenende und an Feiertagen nur seltener oder auch gar nicht (z.B. Robertville).
Unterkünfte
Es gibt an jedem Etappenziel mindestens eine Unterkunft (Hotels und Pensionen), sodass die Route ohne Zelt machbar ist. Je nach Etappe sind die Optionen aber nicht üppig, daher würde ich empfehlen, auf jeden Fall im Voraus zu buchen. Sollte es irgendwo keine Verfügbarkeit mehr geben, kann man natürlich immer auch auf das Busnetz zurückgreifen und auf umliegende Orte ausweichen.
Venntrilogie mit Zelt
Mit kleinen Anpassungen der Route ist die Venntrilogie auch mit Zelt machbar. Hierfür muss man auf eine Mischung aus Campingplätzen, Biwakplatz und der Plattform Welcome To My Garden (eine Art Airbnb für Zeltplätze auf Privatgelände) zurückgreifen.
Vorschlag für Zelttour:
Etappe 1: WTMG-Platz ein Stück vor Hauset
Etappe 2: Biwakzone Soor kurz nach Eupen
Etappe 3: Campingplatz Domaine des Charmilles (bei Sourbrodt ein Stück abseits der Route)
Etappe 4: verschiedene Campingplätze + WTMG rund um Malmedy
Etappe 5: verschiedene Campingplätze +WTMG am Robertville-See
Beste Jahreszeit
Grundsätzlich ist eine Wanderung auf der Venntrilogie ganzjährig möglich (zumindest, solange es der Winter nicht zu bunt – bzw. besser gesagt weiß – treibt). Besonders schön ist diese Region sicher zwischen ca. Ende April bis Ende Oktober, wenn die Bäume ihre Blätter tragen. Das Hohe Venn ist ein beliebtes und bekanntes Ausflugsziel, abseits der “Hotspots” dürfte aber auch zur Hochsaison wohl nicht allzu viel los sein.
Ich war Ende März unterwegs und habe in Sachen Wetter so ziemlich alles bekommen, was man sich nur vorstellen kann. Und genau das mag ich am Wandern zu dieser Jahreszeit so. (Und natürlich die unzähligen Buschwindröschen und anderen Frühblüher!)
Verpflegung
Die Route der Venntrilogie führt durch eine eher dünn besiedelte und “abgelegene” Gegend und Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs sind oft rar oder auch mal gar nicht vorhanden. Hier ist also etwas Vorausplanung notwendig.
Mehr infos
- Mehr Infos zum Wandern auf der Venntrilogie findest du auf der Webseite zur Venntrilogie und in der offiziellen Komoot-Collection zur Route.
- Meine konkrete Route mit mehr Fotos zu jeder Etappe gibt’s in der offiziellen Komoot-Collection zur Route.
- Bei meiner Bloggerkollegin Franzi / Ins Nirgendwo Bitte findest du außerdem wunderschöne Eindrücke von der Venntrilogie im Herbst.

