Zuletzt aktualisiert am 2. Mai 2026

(enthält Werbung) Den ganzen Tag wandern und abends das Zelt mitten in der Natur aufschlagen – für mich gibt es nach wie vor nichts Schöneres. Aus irgendeinem Grund habe ich das auf meinen Touren in den Niederlanden – meiner Wahlheimat – bisher aber noch gar nicht so oft gemacht. Die mehrtägigen Touren fanden meist per Fahrrad statt.

Und zugegeben: Generell betrachtet gibt es wohl geeignetere Gefilde für Mehrtagestouren als dieses dicht besiedelte, kleine Land. Doch man findet sie auch hier, irgendwo zwischen weiten Sandstränden, bunten Tulpenfeldern und historischen Hansestädten: Die weitläufigen Naturgebiete. Die kleinen Pfade. Die Orte, an denen sich der Rest der Welt vergessen lässt. Und irgendwo mittendrin auch jene Campingplätze, die kaum das Gefühl aufkommen lassen, dass man sich auf einem solchen befindet. Zwei besonders schöne Exemplare davon habe ich auf einer dreitägigen Wanderung mit Zelt über den Sallandse Heuvelrug und durchs Vechtdal besucht.

In diesem Artikel stelle ich meine Tour vor und gebe Tipps für deine eigene Wanderung mit Naturcampingplätzen in den Niederlanden.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit Natuurkampeerterreinen / Natuurkampeerterrein Twilhaar. Alle Inhalte spiegeln allein meine persönliche Erfahrung und Meinung wider. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen.


Naturcamping-Tour in der Provinz Overijssel

Overijssel ist eine Provinz im Osten der Niederlande, die für ihre abwechslungsreiche Landschaft und historischen Städten bekannt ist. Von Deutschland aus ist Overijssel gut und schnell erreichbar – und trotzdem eine der wohl (bei deutschen Touristen) eher unbekannten Ecken des Landes. Meine Tour führt auf drei Etappen durch einige der beeindruckendsten Naturgebiete und Landschaften dieser Region und endet in der Hauptstadt Zwolle, einer gut erhaltenen Hansestadt mit mittelalterlichem Stadtkern.

Etappe 1: Durch den Nationalpark Sallandse Heuvelrug

Distanz / Höhenmeter: 15,8 km / 110 hm
Start: Holten Bahnhof (ca. 15 min per Zug ab Deventer)
Ziel: Camping Twilhaar (zwischen Haarle und Nijverdal)
Übernachtung: Natuurkampeerterrein Twilhaar (freie Platzwahl, Reservierung nicht möglich; kleines Sanitärhaus mit Waschraum, Toiletten und kalter Dusche; Bücher und Spiele zum Ausleihen; kein Verkauf von Essen / Getränken; Lademöglichkeit mit USB-A, keine Steckdose)
Verpflegung: Verpflegung muss mitgebracht werden; Restaurants am Natuurmuseum direkt zu Beginn der Tour; Kaffee / Tee am Schafsstall gegen Ende der Tour, nur am Wochenende
GPX-Track und mehr Infos: zur 1. Etappe auf Komoot


Ich beginne die Tour am kleinen Bahnhof von Holten, eine kurze Zugfahrt von der sehr besuchenswerten Stadt Deventer entfernt. Der Zug spuckt einen hier quasi mitten in der Natur aus, am südlichsten Ende des Sallandse Heuvelrug. Und kurz nachdem ich die Gleise überquert habe, befinde ich mich auch schon mitten im Wald. 

Der Sallandse Heuvelrug ist eine der schönsten Naturlandschaften der Niederlande. Das Gebiet liegt in der Provinz Overijssel, umfasst eine weitläufige Hügellandschaft mit Wäldern und großen Heideflächen. Ein Teil des Gebiets ist als Nationalpark ausgewiesen und schützt die mitunter seltene Tier- und Pflanzenwelt. Unter anderem auch das Birkhuhn, welches hier einen der letzten Lebensräume in den Niederlanden findet. (Achtung: Auf diversen Internetseiten ist vom Auerhuhn die Rede – das wäre natürlich sensationell, ist aber leider nur ein Übersetzungsfehler.)

Nach kurzer Zeit komme ich am Natuurmuseum mit Ausstellung und kleinem Shop und Einkehrmöglichkeit vorbei. Dann geht es auf wunderhübschen kleinen Waldwegen dem rund 60 Meter hohen Holterberg entgegen, dem bekanntesten “Berg” des Hügelrückens und tollem Aussichtspunkt. Dementsprechend gut besucht ist der Holterberg auch – aber nur wenig später finde ich mit einem kleinen Abstecher eine kleine Schutzhütte mit ebenso tollem Blick, die ich ganz für mich allein habe.

Eine Weile noch geht es durch Wald, dann folgt eine weite, offene Heidefläche mit sandigen Wegen und tollster Sicht in alle Richtungen. Definitiv einer meiner Lieblingsabschnitte an diesem Tag – und wäre das nicht schon schön genug, höre ich dort auch noch meinen ersten Kuckuck des Jahres.

Ein struppiger Wacholderwald geleitet mich zu weiteren Aussichtspunkten auf dem Noetselerberg. Hier quert man auch eine Straße mit Parkplatz und trifft somit mit ziemlicher Sicherheit auf Ausflügler. Schon wenig später wird es aber wieder ruhig. An einem Schafsstall und der Gedenkstätte für das Arbeitslager Twilhaar vorbei befinde ich mich bald auf der Zielgraden zu meinem Zuhause für die Nacht.

Das frühlingshafte Abendlicht zaubert zu meiner Ankunft auf dem Natuurkampeerterrein Twilhaar eine besondere Stimmung. Und wären da nicht die dezenten Holzschilder gewesen, wäre ich fast daran vorbeigelaufen. Ein wunderschön gelegenes und liebevoll gestaltetes kleines Plätzchen, auf dem man sich seinen Stellplatz frei auswählen und selbst einchecken kann. Die Betreiber des Platzes kommen lediglich am Abend für ein kurzes Pläuschchen vorbei.

Neben mir sind nur wenige andere Camper vor Ort. Hier baumelt eine Hängematte zwischen den Kiefern, dort knistert ein kleines Lagerfeuer vor einem Campervan. Und im Stillen sind wir uns wohl alle einig: an diesem Abend wäre niemand lieber woanders. Zum Rufen des Kuckucks baue ich mein Zelt auf – und zum Rufen des Waldkauzes schlafe ich nach einem gemütlichen (und dank mitgebrachtem Campingstuhl ungewöhnlich luxuriösen) Abend selig sein. 

Etappe 2: Berggefühl und Campingglück

Distanz / Höhenmeter: 29,2 km / 160 hm
Start: Camping Twilhaar (zwischen Haarle und Nijverdal)
Ziel: Camping Landgoed Vilsteren
Übernachtung: Natuurkampeerterrein Landgoed Vilsteren (freie Platzwahl, reservieren nicht möglich; kleines Sanitärhaus mit Waschraum, Toiletten und Dusche; kleiner Badesee; kein Verkauf von Essen / Getränken; Lademöglichkeiten / Steckdosen mit abschließbaren Kästen, auch für E-Bikes (falls gewünscht kleines Schloss mitbringen!)
Verpflegung: Verpflegungsmöglichkeiten in Hellendoorn (kleiner Umweg, nach 5 km); Selbstbedienungsverpflegung in privatem Garten kurz vor Lemele, 15 km); Café auf dem Lemelerberg (17 km) – nur Wochenende; Restaurant und Imbiss in Nieuwebrug (21 km)
GPX-Track und mehr Infos: zur 2. Etappe auf Komoot


Der zweite Tag meiner kleinen Naturcamping-Tour in den Niederlanden beginnt genauso schön, wie der erste geendet hat. Zu lautem Vogelgezwitscher schlürfe ich meinen Kaffee im Zelt, während um mich herum langsam der Tag anbricht. Als auch die zweite Tasse vertilgt ist, packe ich langsam zusammen und verabschiede mich vom zauberhaften Camping Twilhaar – fast ein wenig wehmütig, denn hier könnte ich gut und gerne ein paar Tage verbringen. Aber immerhin: Am Abend sollte ein nicht weniger schöner neuer Schlafplatz auf mich warten!

Zwischen ihm und mir liegt allerdings ein langer Wandertag, der mit einigen Kilometern durch Wald und einem Abstecher zum Supermarkt Albert Heijn und der Bäckerei in Hellendorn beginnt. Ein zweites Frühstück später erreiche ich über Felder bald wieder Wald, später führen mich Wirtschaftswege und kleine Nebenstraßen über offenes Land dem Naturschutzgebiet Lemelerberg entgegen. 

Nach einem seichten Anstieg erreiche ich den gleichnamigen “Berg”, auf dessen 48 Meter hohem Gipfel ein roter Löwe thront. Ein Denkmal aus dem Jahr 1913 zur Feier der damals 100-jährigen Unabhängigkeit der Niederlande von französischer Herrschaft. Seitdem genießt der Löwe dort oben die Aussicht – und ich tue es ihm gleich.

Nun wartet der schönste Abschnitt des Tages: Die “Überschreitung” des Archemerbergs, auf dem dann tatsächlich so etwas wie Berggefühl aufkeimt! Großartige Weitblick und wunderschöne, weitläufige Heideflächen und sanige Wege bestimmten dieses Areal. Toll ist auch der Abschnitt durch Wacholderbüsche auf der anderen Seite des Archemerberges. Dahinter endet das Naturschutzgebiet, und auch das landschaftliche Erscheinungsbild meiner Tour ändert sich nun.

Bevor ich das Ufer des Flüsschens Regge erreiche, gönne ich mir eine große Portion Pommes an einem Imbiss. Dann bin ich bereit für die letzten Kilometer des Tages. Die führen eine Weile wunderschön am Fluss entlang, dann nochmal ein Stück durch Wald, bevor nochmals ein besonders toller kleiner Pfad der Regge folgt. Anschließend geht’s ein kurzes Stück (etwas weniger idyllisch) an der Straße entlang, bevor Waldwege mich zum Natuurkampeerterrein auf dem Landgoed Vilsteren führen. Das Landgut, auf dessen Fläche sich der Platz befindet, ist seit Jahrhunderten in Familienbesitz und prägt bis heute Landschaft und Dorfleben. 

Auch hier darf ich mir wieder mein Plätzchen selbst aussuchen. Die Stellplätze inmitten der großen Kiefern sind für maximales “Wildniscamping-Feeling” nicht nummeriert, aber gut als solche erkennbar und äußerst großzügig. So früh im Jahr und unter der Woche ist aber sowieso nur wenig los und ich habe gefühlt den ganzen Platz für mich. Die Betreiberin des Campingplatzes, die später am Abend noch vorbei kommt, legt mir noch ein Bad im idyllischen kleinen Waldsee nahe. Aber ich entscheide mich dann doch lieber für die warme Outdoor-Dusche.

Etappe 3: Hansestadt und niederländischer Landschaftsmix

Distanz / Höhenmeter: 29,7 km / 50 hm (Kürzen auf 12 km möglich)
Start: Camping Landgoed Vilsteren
Ziel: Zwolle Bahnhof (gut in verschiedene Richtungen angebunden)
Verpflegung: Restaurant am Bahnhof Dalfsen (12 km)
GPX-Track und mehr Infos: zur 3. Etappe auf Komoot


An meinem dritten (und letzten) Naturcamping-Wandertag zeigt meine Route nochmal ein ganz anderes Gesicht der Niederlande: alte Landgüter, Bauernhöfe mit Weide- und Ackerflächen, ein Mix aus Wald, Feld, Wiese – und die sehenswerte Hansestadt Zwolle am Ende der Tour.

In Vilsteren wollen neben dem stattlichen Anwesen des Landgutes auch die große Kirche und eine Windmühle bewundert werden. Anschließend folge ich in einem kleinen Bogen für die folgenden Kilometer dem Fluss Vecht. An einer Brücke könnte man alternativ auch der Mehrtageswanderroute Vechtdalpad folgen, der nördlich der Vecht bis nach Zwolle führt. Ich habe eine andere Route gewählt, die auf der südlichen Seite des Flusses bleibt und mir auf Komoot etwas abwechslungsreicher schien. 

Über idyllische Wege und Sträßchen gelange ich irgendwann zum Schloss Rechteren, das einzige erhaltene mittelalterliche Schloss der Provinz Overijssel. Von hier ist es nicht mehr allzu weit bis zum kleinen Bahnhof von Dalfsen. (Wer nicht nochmal eine solch lange Etappe wandern will, könnte hier nach rund zwölf Kilometern in den Zug nach Zwolle springen. Auch auf den restlichen Kilometern gibt es zwar noch schöne Abschnitte, aber insgesamt gibt es nicht allzu viel Neues zu sehen und manch einer der folgenden Kilometer zieht sich schon etwas.)

Ich lege eine Mittagspause im Restaurant ein, das sich direkt am Bahnhof befindet und mache mich dann bei strahlender Frühlingssonne wieder auf den Weg. Kurz nach Dalfsen treffe ich auf ein weiteres stattliches Anwesen, dann geht es über verschiedene Wege – mal imposante Allee, mal unscheinbarer Waldweg, mal Asphalt, mal durch Wald, mal über Felder und Wiesen bis in den Ort Wijthmen. 

Zwolle ist nun nicht mehr weit, und man merkt der Route nun deutlich an, dass es langsam aber sicher urbaner wird. Ich streife ein Freizeitareal mit künstlich angelegtem See fürs Wasserskifahren, dann einen Golfplatz, bevor ich die Gleise unterquere und wenig später einem Kanal in die Stadt hinein folge. 

Hausboote säumen die Ufer bis ins Zentrum, das von einem sternförmigen Grachtengürtel umrahmt wird. Hier kann man das historische Stadtbild bewundern und sich in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants stärken. Der Bahnhof von Zwolle liegt ganz in der Nähe des Zentrums.

Naturnahes Camping in den Niederlanden auf den Natuurkampeerterreinen

Die Natuurkampeerterreinen sind ein Netzwerk kleiner, naturnaher Campingplätze in den Niederlanden (ein paar auch in Belgien und Frankreich), die bewusst einfach gehalten sind und sich nahtlos in die Umgebung einfügen. Die rund 150 Plätze liegen übers ganze Land verteilt – mitten in Naturgebieten wie Wäldern, Dünen oder am Wasser, auf idyllisch gelegenen Bauernhöfen oder historischen Landgütern. Statt großer Anlagen mit allerlei Schnickschnack geht es hier vor allem um Ruhe, Nachhaltigkeit und echtes Naturerlebnis. (Yes, please!!)

Ich hab in den letzten Jahren immer wieder mal auf einem dieser Plätze übernachtet und fand bisher jeden einzelnen davon ganz bezaubernd. Es ist großartig, dass es dieses Angebot gibt – nicht nur aus persönlicher Camperinnen-Sicht, sondern auch im Hinblick auf eine (hoffentlich) nachhaltige, langsamere und bewusstere Zukunft des Reisens.

So funktioniert’s:

Um auf diesen Campingplätzen zu übernachten, braucht man die „Natuurkampeerkaart“ (aktuell 15,95 pro Jahr, online bestellbar und sofort verfügbar). Damit bekommt man Zugang zu den angeschlossenen Plätzen. Manche Plätze kann bzw. muss man (meist online) reservieren. Auf anderen ist eine Reservierung nicht möglich – perfekt auch für spontane Campingabenteuer. Oft kann man sich seinen Platz vor Ort selbst aussuchen, manche der Plätze sind zudem sogar das ganze Jahr über geöffnet.

Auf der Webseite und in der App von Natuurkampeerterreinen findet man eine Übersicht und alle wichtigen Infos zu jedem Platz und kann auch nach bestimmten Kriterien filtern (z.B. nach Lademöglichkeit für E-Autos, Schlechtwetter-Unterschlupf, Hängematten-Tauglichkeit, Fahrradverleih…).

Die Campingplätze:

Die Plätze selbst sind relativ günstig, die Infrastruktur ist bewusst minimalistisch, kann sich von Platz zu Platz aber unterscheiden. Sanitäranlagen und Trinkwasser sind immer vorhanden – manche Plätze haben nicht mehr als das. Darüber hinaus gibt es auch solche mit Picknickbänken, Lademöglichkeiten und Feuerstellen bis hin zu mietbaren Blockhütten, Brötchenservice und Fahrradverleih. Mit Zelt ist man auf jedem der Plätze willkommen, viele beherbergen auch Campervans & Co. (dann aber teils mit Beschränkungen in Sachen Größe).


Noch Fragen zur Wanderung oder den Naturcampingplätzen? Hinterlass einfach einen Kommentar unter diesem Artikel.

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