Noch bevor ich die Augen aufmachte, wusste ich wo ich war. Und was ich zu tun hatte. Erstmal Tee kochen. Dann auf meinem Handy den Wetterbericht sowie die heutige Tagesetappe in der Ordnance Survey-App checken. In der Dusche musste ich beim Anblick des altvertrauten weißen Kastens mit diversen Knöpfchen ein bisschen schmunzeln, denn Mischbatterien sucht man in Großbritannien in der Regel vergeblich. Genauso wie übrigens Steckdosen im Bad, die NICHT nur für Rasierapparate geeignet sind.

Im Frühstücksraum schickte ich zwei Scheiben Brown Toast auf die Reise durch die Toaststraße, anschließend kam eine große Kelle Baked Beans oben drauf, so dass man vom Toast eigentlich gar nichts mehr sah. Wie sehr hatte ich dieses irgendwie doch eher fragwürdige Frühstück vermisst. Ich hätte es mir natürlich auch zu Hause zubereiten können, Toast und in Tomatensoße eingelegte Bohnen sind nicht gerade exotisch. Aber es wäre nicht das selbe gewesen. Und hätte mir vermutlich gar nicht so gut geschmeckt.

Zurück im Hotelzimmer füllte ich meinen Trinkbeutel mit Leitungswasser, schnürte meine Wanderschuhe und schulterte den Rucksack. „Enjoy your walk!“, rief mir der ältere Mann an der Rezeption noch freudig zu. „Ohja, das werde ich.“ Dann trat ich vor die Tür.

Die warme Frühlingssonne schien mir mitten ins Gesicht, das Kreischen der Möwen erfüllte meine Ohren, und mein Herz machte einen Sprung. Es war alles so wie damals. So als wäre ich nie weg gewesen. Als hätte ich vielleicht nur besonders lang geschlafen und in dieser Zeit besonders viel geträumt. Ich trug sogar wieder die Leggings, in der ich damals meine 3-monatige Wanderung durch Großbritannien beendet hatte. Die gleichen Socken, die ich mir damals in Fort William neu zugelegt hatte. Die gleiche Fleecejacke. Die gleiche Regenjacke. Nur mein Rucksack, der war ein anderer. Ein bisschen kleiner, ein bisschen leichter. Diesmal hatte ich ja nicht vor, 1.500 Kilometer durchs Land zu wandern, mit Zelt und Schlafsack und allem drum und dran. Ich war nur für eine Woche zurück auf die Insel gekehrt. Eine ganze Woche auf meinem geliebten South West Coast Path lag vor mir.

Diese Mal hatte ich mir aber eine andere Ecke ausgesucht. Bei rund 1.000 Kilometern Länge hatte ich ja durchaus noch „ein paar“ Abschnitte über, die ich nicht kannte. Wie zum Beispiel die Jurassic Coast, die ich jetzt erkunden wollte. Und auf die freute ich mich schon sehr.

Ich freute mich auf die großartigen Ausblicke von den hohen Klippen. Auf die versteckten Buchten und Sandstrände. Auf die wolligen Schafe entlang des Weges. Auf die kleinen, eiskalten Flüsschen, in denen ich meine heißgelaufenen Füße kühlen konnte. Auf die bunten Imbisswägen an dem Parkplätzen und Promenaden, die mich mit Cola, Eis und Jacket Potatoes versorgen würden. Auf das Gefühl, in den Pausen barfuß durchs kühle Gras zu laufen. Auf die freundlichen Menschen, die hübschen Dörfchen, die kreischenden Möwen. Sogar auf die anstrengenden Aufstiege, die brennenden Waden und die schmerzenden Füße freute ich mich ein bisschen.

Ja, ich freute mich. Und als ich an diesem ersten Morgen die Promenade von Exmouth im Morgenlicht entlanglief, konnte ich mir ein leichtes Dauergrinsen nicht verkneifen. Wenn ich gewusst hätte, WIE schön die Woche wird, wäre es wohl noch ein bisschen größer gewesen. Der britische Wettergott jedenfalls scheint mich nach wie vor innig zu lieben und hat mir mal wieder eine – abgesehen von einem 5-minütigen Nieselregen – gänzlich trockene Woche mit viel Sonnenschein und ein bisschen schummrigem Nebel beschert. Zudem haben sich weder meine Füße noch meine Kondition großartig anmerken lassen, dass ich wegen Grippe und anderen Späßen quasi drei Monate lang völlig sportbefreit war. Und der South West Coast Path, der hat mal wieder getan, was er am besten kann: Einfach nur großartig sein.

Ausblick vom South West Coast Path

Wandern auf dem South West Coast Path entlang der Jurassic Coast

Der Hafen von Weymouth

Wandern auf dem South West Coast Path

Strand bei Exmouth

Exmouth an der Südküste Großbritanniens

Ein detaillierter Bericht zu meiner Woche auf dem South West Coast Path entlang der Jurassic Coast inklusive Tipps zu Unterkünften usw. folgt bald!

Falls Du Dich in der Zwischenzeit und überhaupt schon mal informieren willst, kann ich Dir allerwärmstens die sehr gut gemachte Webseite http://www.southwestcoastpath.org.uk/ der South West Coast Path Association ans Herz legen. Dort findest Du Unmengen an nützlichen Infos – von Hintergrundinfos zum Wanderweg und Routenbeschreibungen über Tipps zu Dingen wie Gepäcktransport, Unterkünften, Fährzeiten und mehr bis hin zu aktuellen Meldungen und sogar einem überaus praktischen Streckenrechner sowie einer interaktiven Karte, auf der sogar öffentliche Toiletten eingezeichnet sind!

Zudem findest Du hier einen ausführlichen Artikel, in dem ich viele persönliche Erfahrungen, Infos und Tipps rund um den Coast Path zusammengefasst habe: Wandern auf dem South West Coast Path – alles was Du wissen musst


Werbehinweis: Meine Rückkehr auf den South West Coast Path geschah in Zusammenarbeit mit der South West Coast Path Association. Vielen Dank dafür! Meine Meinung und Erfahrungsberichte bleiben davon natürlich unbeeinflusst.


Warst Du auch schon mal auf dem South West Coast Path unterwegs – vielleicht sogar auch an der Jurassic Coast? Erzähl mir doch ein bisschen davon im Kommentarfeld! 

2 Comments

  1. Hallo Kathrin!
    Ich habe es heute nach Bude geschafft und lege erstmal einen Tag Pause ein. Die müden Beine brauchen einen Tag Pause.
    Ich konnte auf der Nordseite ähnliches Wetter genießen, ein paar Tropfen habe ich allerdings schon abbekommen.
    Unglaublich schöne und schroffe Landschaft und fantastische Pasties, die ich in der Sonne in St. Ives, Padstow und anderswo genießen durfte. Manche Orte waren so schön, dass es mir schwer fiel weiterzuwandern.
    Aber ich bleibe dran.
    Gruß Konrad

  2. Hallo Kathrin,

    was für wunderschöne Bilder! Wunderbar fotografiert und nachbearbeitet. Machen wahnsinnig Lust, nicht nur aufs Wandern, sondern auch auf Reisefotografie. Würde mich freuen, mal etwas von dir darüber zu lesen!

    Cheerio

    Mel

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