Zuletzt aktualisiert am 10. Oktober 2026
Der Sheep‘s Head Way ist ein Weitwanderweg im Südwesten Irlands, der (unter anderem) einmal rund um die gleichnamige Halbinsel führt. Sheep‘s Head steht im Schatten seiner bekannteren Nachbar-Halbinseln wie Beara und Iveragh, was wohl vor allem auch an der geringen Größe der Halbinsel liegt: nicht viel mehr als ein schmaler Streifen zerklüfteten Landes, das in den Atlantik hineinragt. Darauf langgezogene Bergrücken, an deren Ausläufern kleine Orte und Farmland. Wenn man etwas auf Sheep’s Head findet, dann entspannte Abgeschiedenheit. Ein Wandertipp in Irland für alle, die eine alles in allem nicht zu anspruchsvolle und doch etwas abenteuerliche, ruhige und kurze Mehrtagestour an der irischen Westküste machen möchten.
Ich bin rund 78 Kilometer in vier Tagen auf dem Sheep’s Head Way gewandert und berichte in diesem Artikel von meinen Erfahrungen. Außerdem findest du weiter unten viele Tipps zum Nachwandern und für deine eigene Tourenplanung.

Vier Tage Wandern auf dem Sheep’s Head Way
Der Sheep‘s Head Way startet im schönen Küstenörtchen Bantry und führt von dort hinauf auf den bergigen Rücken der Halbinsel. Auf den ersten beiden Etappen folgt man diesem zu großen Teilen, wobei sich das Wandern hier fast schon eher nach Fliegen anfühlt. Zu beiden Seiten das Meer und 360-Grad-Rundumblicke – bei gutem Wetter ein absoluter Traum.
Besonders wild und abgelegen wird es auf der dritten Etappe, wenn die Umrundung der Inselspitze ansteht. Einsame Wege, spektakuläre Klippen, weites Moorland und am Ende natürlich der kleine, weiße Leuchtturm.
Auf der südlichen Seite von Sheep’s Head wandert man etwas niedriger und somit auch weniger einsam. Eine ziemlich gelungene Mischung aus Küste, Hügel- und Moorlandschaft und weiten Wiesen und Weiden.
Im kleinen Durrus habe ich die Tour beendet. Von hier aus gäbe es theoretisch noch eine Verbindung nach Bantry, die allerdings recht asphaltlastig ist.

Etappe 1: Bantry – Glanlough
Distanz / Höhenmeter: 15,4 km, 500 hm
Übernachtung: Goats Path Pod Park (schöner und relativ neuer Campingplatz mit äußerst netten Betreibern; man kann hier auch Glamping-Pods mieten, braucht also nicht zwingend ein Zelt)
Verpflegung: Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten in Bantry, ein paar Snacks (Eis, Getränke, Chips, Kaffee…) gibt es am Campingplatz.
Nach einer kleinen Wanderpause, die ich in einer kleinen Hütte auf der Sheep‘s Head Peninsula verbracht habe, geht es nun wieder weiter in Sachen Wandern in Irland! Und nachdem ich in den letzten Tagen eigentlich nur Bücher gelesen, durch die Gegend geguckt und jeden Tag die gleiche Spazierrunde gedreht habe, schaue ich mir das alles hier jetzt natürlich noch ein bisschen genauer an.
Auf dem Sheep‘s Head Way kann man die Halbinsel komplett umrunden. Und es ist schon verrückt, wie anders sich das Wandern hier im Vergleich zum Beara Way anfühlt! Liegt sicher auch daran, dass Sheep‘s Head sehr schmal ist und die Wanderroute zu einem großen Teil mitten auf dem Rücken der Halbinsel entlang führt. Will heißen: Panoramablick zu allen Seiten! (Bei schlechtem Wetter kann es hier bestimmt aber dann auch besonders ungemütlich werden.)
Ich beginne meine Tour in Bantry, einer hübschen kleinen Hafenstadt umrahmt von Bergen. Zwischen Wasser und dem historischen Anwesen Bantry House entlang verlasse ich die Stadt, bald darauf auch die befahrene Hauptstraße. Erst noch über eine Nebenstraße, dann einen Feldweg, dann einen relativ zugewachsenen Pfad lasse ich jeglichen Trubel hinter mir. Anschließend folgen noch ein paar Kilometer Asphalt auf einem kleinen Sträßchen, die mich mit zunehmend großartigen Weitblicken zum Beginn des Gratwegs führt, dem diese Etappe für den Rest des Tages folgt. Und das Gehen dort oben fühlt sich in Anbetracht des Panoramas und der Exponiertheit fast schon eher nach Fliegen an.
Was der Gratweg nicht hat, ist Schatten. Und obwohl Irland bei der aktuellen europäischen Hitzewelle recht glimpflich davon kommt, drückt die schwüle Wärme ganz schön aufs Gemüt und die Energiereserven. Glücklicherweise weht zumindest etwas Wind, und sonderlich lang fällt die Etappe ja auch nicht aus. Als ich am Campingplatz ankomme, bin ich aber trotzdem ganz schön platt.
Schnell duschen, essen und es mir dann auf der Isomatte bequem machen und einen entspannten Abe… huch, verliert die etwa Luft?? Nur wo, das kann ich leider nicht entdecken. Ein kurzer Hilferuf beim Campingplatz-Betreiber und ein paar Minuten später wird mir ein luxusartiges Luftbett in die Hände gedrückt, das zu allem Überfluss sogar noch ganz genau in mein kleines Zelt passt. Noch nie habe ich in diesem Zelt bequemer geschlafen!! (Zum Überleben hätte auch meine Schaumstoff-Matte gereicht, aber eine erholsame Nachtruhe wäre das sicher nicht geworden.)











Etappe 2: Glanlough – Kilcrohane
Distanz / Höhenmeter: 14,1 km, 840 hm
Übernachtung: Bridge View House B&B
Verpflegung: Café, Pub und Mini-Laden in Kilcrohane (Bargeld mitnehmen!); Abendessen in der Unterkunft möglich (vorab buchen)
Übernachtungsmöglichkeiten auf der kleinen Sheep‘s Head Peninsula sind nur sehr begrenzt vorhanden, und vor allem die Umrundung der Spitze der Halbinsel ist daher nicht so einfach planbar. Ursprünglich hatte ich für heute vorgesehen, von Glanlough nach Kilcrohane an einem Tag zu wandern – was allerdings mit rund 36 km ein eher größeres Unterfangen gewesen wäre. Da es an diesem Tag noch wärmer werden sollte als gestern, habe ich etwas umdisponiert und bin auf direktem Weg nach Kilcrohane gewandert, wo ich zwei Übernachtungen im örtlichen B&B gebucht habe. Von dort aus fällt der Ausflug zum Leuchtturm dann etwas kürzer aus – und vor allem sieht das Wetter für morgen auch wieder deutlich wanderfreundlicher aus.
Nach einem entspannten Morgen auf dem Campingplatz mache ich mich wieder auf den Weg. Von der Straße biegt bald ein kleiner Wanderweg ab, der mich sanft ansteigend zurück auf den bergigen Rücken der Halbinsel führt. Der Wind bläst an diesem Morgen ganz schön kräftig, und ich bin durchaus froh, dass er weitestgehend von hinten kommt. Oben auf dem Grat muss ich zwischenzeitlich aber trotzdem etwas Acht geben, nicht einfach seitlich umgeweht zu werden. Nach einer Weile lässt der Wind etwas nach, ich entscheide mich aber trotzdem gegen die Routenvariante über den Gipfel des Seefin und für den regulären Wegverlauf des Sheep‘s Head Way, der etwas vorher ein Stück über blühende Wiesen und vorbei an kleinen Bachläufen absteigt und dann auf der Straße wieder bergauf in Richtung Berpass und Finn McCool’s Seat führt.
Finn McCool ist eine der berühmtesten Figuren der irischen Mythologie. Er war der furchtlose Anführer der Fianna, einer legendären Gruppe von Kriegern, übermenschlich stark, äußerst weise und zudem Erbauer des berühmten Giant’s Causeway in Nordirland. Und hier oben auf dem Bergpass soll er einst gesessen haben – mit seinen Füßen im Farranamanagh Lough unten am Meer. Was man eben so macht als Riese!
Für mich geht es von dort aus nur noch auf der Straße bergab bis ins kleine Kilcrohane.







Etappe 3: Rundwanderung zum Leuchtturm ab Kilcrohane
Distanz / Höhenmeter: 29,8 km, 680 hm
Übernachtung: Bridge View House B&B
Verpflegung: kleines Café am Parkplatz in der Nähe des Leuchtturms
Auf zum Schafskopf samt Leuchtturm! Von Kilcrohane muss ich dafür erstmal wieder gut zwei Kilometer die kleine Straße zum Finn MCCool‘s Seat hinauf, die ich am Vortag abgestiegen bin. Die ersten Minuten lege ich dabei noch bei strahlendem Sonnenschein zurück, fast fürchte ich schon einen weiteren (zu) warmen Tag. Dann jedoch folgt ein weiteres eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell das Wetter in Irland – und speziell hier an der Westküste – umschlagen kann: Wie aus dem Nichts rollt plötzlich eine Nebelwand heran, der Wind nimmt Fahrt auf, die Temperatur fällt. Innerhalb von wenigen Minuten haben sich die Bedingungen komplett geändert! Erleichtert atme ich auf und die kühle, feuchte Nebelluft ein. Für diese lange Etappe heute ist mir das so deutlich lieber.
Auf der anderen Seite des Bergpasses treffe ich bald wieder auf den Sheep‘s Head Way und folge ihm auf einem rustikalen Fahrweg leicht bergab. Irgendwann trifft mein Weg auf eine kleine Straße, der ich für eine Weile mit schönstem Meerblick folge. An einem Wanderparkplatz wechsle ich wieder auf einen Wanderweg, der mich durch dichten Farn zu den Ruinen einer Siedlung aus dem 19. Jahrhundert führt. Nun fühlt sich der Sheep‘s Head Way schon ziemlich wild und abgelegen an, und wird es mit einer kleinen Ausnahme bis zum Leuchtturm auch bleiben. Über weite Moorwiesen, Felsen und manchmal entlang von steilen Klippen – einmal kurz auch etwas ausgesetzt und mit Seilen gesichert (aber nicht weiter schwer) – geht es immer der Spitze der Halbinsel entgegen. Erst kurz vorm Leuchtturm treffe ich zum ersten Mal auf Tageswanderer, und bald darauf habe ich den kleinen, weißen Turm dann auch erreicht. Zeit für eine kleine Pause – nur der Turm, die Wellen, die felsige Landspitze und ich.
Der Weg war auch bis hierher weitestgehend gut zu gehen, wird auf dem Abschnitt zwischen Leuchtturm und Parkplatz aber nochmal ein gutes Stück einfacher. Gut ausgebaute Wanderwege kann Irland ja durchaus auch! (Wenn es denn will…) Am Parkplatz dann die Überraschung: Es gibt ein Café! Und es hat sogar geöffnet!! (Da hat wohl jemand mal wieder nicht richtig recherchiert.).
Eine Portion Pommes, Kaffee und Limonade später bestreite ich den letzten kleinen Anstieg auf den Gipfel des Ballyroon Mountain, der nun allerdings voll im Nebel liegt. Der Rest des Tages besteht abwechselnd aus Wanderpfaden, Wirtschaftswegen und kleinen Straßen, führt mit weiten Blicken über Farmland, durch Siedlungen und hier und da auch nah an die Küste heran. Nicht so wild und abgelegen wie der erste Teil der Wanderung, aber definitiv nicht weniger schön.












Etappe 4: Kilcrohane – Durrus
Distanz / Höhenmeter: 18,6 km, 430 hm
Übernachtung: The Sheep’s Head Guesthouse
Verpflegung: Pub in Ahakista etwas abseits der Route; mehrere Restaurants / Pubs und kleiner Supermarkt in Durrus
Die heutige Etappe ist etwas gemäßigter als die bisherigen, was die Abgelegenheit und den gefühlten Abenteuerfaktor angeht. Ich habe beim Blick auf die Karte gar nicht mal so viel erwartet und wurde dann doch positiv überrascht. Eine abwechslungsreiche Mischung aus Hügeln und Moorlandschaft, Küste und Weideland, relativ wenig Asphalt, der einzige Steinkreis auf Sheep‘s Head und natürlich auch hier wieder jede Menge Weitblick.
Von Kilcrohane aus führt die Route erstmal hinunter an den Farranamanagh Bay Beach, wo man auch an jenen See kommt, in den der Riese seine Füße getunkt haben soll (s. Etappe 2). Mit einer ordentlichen Brise Meeresluft in der Nase wandert es sich dann gleich noch etwas leichtfüßiger, auch wenn ich nach der Rundtour mit leichtem Gepäck von gestern meinen Rucksack heute dann doch etwas deutlicher spüre als sonst.
Über einen Hügel erreiche ich einen langgezogenen Fahrweg, der kurz zu einer Straße wird und dann zum Gorteanish Stone Circle abbiegt. Der wurde erst 2023 von Archäolog*innen freigelegt. Auf den folgenden Kilometern führt die Route – nun doch durchaus abgelegen – durch moorüberzogene Hügel. Die Bergrücken zu meiner Linken, über die meine ersten beiden Etappen geführt haben, wirken von hier unten und so dramatisch von Wolken umhüllt besonders imposant.
Zwischendurch werden immer wieder auch Weiden und Wiesen gequert. Ich glaube, diese Etappe hatte mehr Zaun- und Mauerübertritte als alle anderen zusammen. Manche Wege sind gut freigeschnitten, andere wären durchaus mal wieder dran. Meine Regenhose habe ich da lieber den ganzen Tag lang anbehalten, auch wenn die anfänglichen Schauer schnell nachgelassen haben.
Mein Etappenziel ist das kleine, charmante Durrus am hintersten Ende der Dunmanus Bay. Hier ist der Sheep‘s Head Way dann (für mich) leider auch schon wieder vorbei. Von hier würde es zwar auf einer weiteren Etappe noch eine Verbindung zurück nach Bantry geben, die ist aber relativ asphaltlastig.






Mehrtageswanderung Sheep’s Head Way: gut zu wissen
An- und Abreise
Der Ausgangspunkt Bantry ist bestens an das Busnetz angeschlossen und zum Beispiel von Killarney (von dort Direktzug nach Dublin) oder auch Cork (internationaler Flughafen) ohne Umstieg erreichbar. Auch auf Sheep’s Head selbst gibt es eine lokale Busverbindung, allerdings nur bis Kilcrohane.
Unterkünfte und Verpflegung
Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten auf Sheep‘s Head sind nur sehr eingeschränkt verfügbar, man sollte daher unbedingt vorausplanen und auch vorbuchen. (Mehr Infos zu Verpflegung und Unterkünften oben in den Etappenbeschreibungen.) Die Tour ist mit Übernachtung in Unterkünften ohne Zelt möglich.
Sheep’s Head WAy mit Zelt
Wer durchgehend im Zelt schlafen möchte, kann auf eine Mischung aus Campingplatz und Wildcamping zurückgreifen. Hierbei ist zu beachten, dass Wildzelten in Irland nicht erlaubt ist, unter anderem da quasi das ganze Land in Privatbesitz ist und die Zeltübernachtung somit der Toleranz bzw. Erlaubnis des jeweiligen Landbesitzers unterliegt. Viele Wanderer, die mit Zelt in Irland unterwegs sind, fragen einfach vor Ort nach Erlaubnis und machen damit sehr gute Erfahrungen. Vom Rechtlichen abgesehen ist allerdings auch nicht immer so einfach, einen guten Platz fürs Zelt zu finden, da der Grund nicht selten zu nass, zu uneben oder Teil von eingezäuntem Weideland ist.
Mehr Infos zu dem Thema gibt es auf der Webseite von Leave No Trace Ireland. Auch dieser Artikel auf dem irischen Outdoor-Blog Tough Soles ist empfehlenswert (wie übrigens auch der Rest des Blogs, denn die beiden sind alle 42 offiziellen Weitwanderrouten / National Waymarked Trails) in Irland gewandert und haben darüber geschrieben).
Schwierigkeit und Orientierung
Eine gewisse Trittsicherheit und Toleranz für Matsch und Nässe muss man auf dem Sheep’s Head Way (wie auf vielen anderen irischen Weitwanderwegen auch) auf jeden Fall mitbringen. Man darf nicht mit einem durchgehend gut ausgebauten Wanderweg à la Alpen rechnen. Große Teile des Sheep‘s Head Way sind aber recht einfach zu gehen und der Weg eignet sich grundsätzlich auch für Anfänger in Sachen Weitwandern in Irland. (Etwas generelle Wandererfahrung sollte man aber haben.) Ansonsten steht und fällt der Weg natürlich mit dem Wetter – bei viel Regen und/oder Wind kann es vor allem auch oben auf den Bergrücken ungemütlich werden. An einer kurzen Stelle wird der Weg an einer Meeresklippe etwas ausgesetzt, ist aber mit Seil gesichert und immer noch so breit, dass zwei Menschen problemlos aneinander vorbei passen. Menschen mit ausgeprägter Höhenangst wird hier eventuell etwas Überwindung abverlangt, der Abschnitt ist aber nur sehr kurz.
Die Route des Sheep’s Head Way ist durchgehend ausgeschildert, aber an zwei oder drei Stellen war die Wegführung nicht ganz klar und bei schlechter Sicht kann die Orientierung schwierig sein. Man sollte die Route daher auf jeden Fall zur Sicherheit auch auf dem Smartphone o.ä. mit dabei haben.
Routenvarianten
Neben dem insgesamt rund 100 Kilometer langen westlichen Loop rund um die Sheep’s Head Halbinsel gibt es auch einen östlichen Abschnitt des Sheep’s Head Way, der auf rund 76 Kilometern von Bantry durchs Landesinnere führt. Während die westliche Route vor allem durch Küstenlandschaften, über aussichtsreiche Bergrücken und bis zum Leuchtturm an der Halbinselspitze führt, erschließt der östliche Abschnitt die hügelige Landschaft des Hinterlands. Dieser Abschnitt führt aber vermehrt auch über Asphalt und Nebenstraßen, weshalb er meiner Einschätzung nach etwas weniger empfehlenswert für Urlaubsreisende ist. Beide Abschnitte bieten Möglichkeiten für kürzere Tageswanderungen entlang der Strecke.
Mehr Infos zum Shees’s Head Way
Mehr Infos zum kompletten Sheep’s Head Way (westliche und östliche Schleife) und den kürzeren Loop Walks findet man auf der Webseite der Trailorganisation.

