Ich hatte als Kind eine Kakteensammlung. Eine ziemlich beachtliche sogar! Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war es, mit dem Rad zum örtlichen Baumarkt zu fahren und die Gartenabteilung nach neuen Schätzen zu durchforsten. Und das trotz einer Vielzahl von Bekanntschaften mit den feinen weißen Stacheln, die sich selbst bei kleinster Berührung in Scharen in die Haut bohren und nur in mühevoller Kleinstarbeit wieder zu entfernen sind.

Irgendwann fiel die Kakteensammlung meinem Auszug zum Opfer. Meine Begeisterung für Kakteen jedoch, die ist  ungebrochen. Nur dass sie sich mittlerweile nicht mehr auf die Mini-Exemplare beschränkt, die auf Fensterbänke passen, sondern auf die „richtigen“ Kakteen, wie sie zum Beispiel auf Gran Canaria wachsen. Oder natürlich im Südwesten der USA, wo ich im letzten Herbst eine Kaktus-Begegnung der ganz besonderen Art hatte.

Der Saguaro-Kaktus ist eine der größten Kakteenarten der Welt und steht wie wohl kein anderes Fotomotiv für den wilden Westen, seine staubig-felsigen Wüsten und all die Cowboys und Indianer, die in dieser Kulisse auf Pferderücken unterwegs waren – sei es im echten Leben oder im Auftrag von Hollywood. Seine Blüte ist die offizielle Staatsblume des Bundesstaates Arizona und genau hier befindet sich auch das Herzstück seiner Existenz: Der Saguaro Nationalpark mitten in der Sonora-Wüste, nur noch gut eine Stunde Autofahrt von der Grenze zu Mexiko entfernt.

Klar, dass ich nicht in Arizona unterwegs sein konnte, ohne diesem stacheligen Ort einen Besuch abzustatten. Und so machte ich mich vom Grand Canyon aus auf den Weg Richtung Süden, aber nicht ohne einen Zwischenstopp im Red Rock Country bei Sedona einzulegen.

Ich weiß noch genau, wie ich aus dem Autofenster heraus irgendwann meinen ersten Saguaro-Kaktus am Straßenrand erblickte, noch lange bevor Tucson auch nur in der Nähe war, und wie ich kaum glauben konnte, dass die hier wirklich einfach so in der Gegend rumstehen, als wäre es das normalste von der Welt.

Die vereinzelten Exemplare, die hier und da meinen Weg durch Arizona säumten, waren jedoch kein Vergleich mit dem, was mich im Saguaro Nationalpark erwarten würde. Dicht an dicht drängt sich hier ein Saguaro an den nächsten, der Ausdruck „Kakteenwald“ ist definitiv angebracht. Sie sammeln sich in Talkesseln und Berghängen und bevölkern die weite Ebene, soweit ich schauen kann. Ihre Arme wachsen in den wildesten Verrenkungen aus ihrem Stamm, mal nur einer, mal gleich ein ganzes Dutzend. Es gibt sie in unterschiedlichsten Größen, vom kleinen Nachwuchs-Saguaro bis hin zum mehrere Meter großen Riesengewächs, neben dem ich den Kopf sehr weit in den Nacken legen muss, um bis zur Spitze zu sehen.

Auf Wanderwegen laufe ich mitten durch sie hindurch. Und durch das karge Land aus Steinen, Gestrüpp und kleineren Kakteenarten, die sie umgeben. So richtig grün und unversehrt sind die wenigsten. Viel mehr sind sie gezeichnet von Feuer, Trockenheit, Hitze, Stürmen… und von den Löchern der Vögel, die  in ihnen nisten. Und immer wieder sind da auch diejenigen Exemplare, die wohl den Stürmen zum Opfer gefallen sind. Es ist aber auch kein Wunder, denn die Wurzeln der Saguaros reichen nicht besonders tief. Und übrig bleiben dann nur ihre holzigen Gerippe.

Wie Wächter der Wüste stehen sie hier in endlosen reihen und blicken von hoch oben über ihr Land. Beim Anblick jedes einzelnen von ihnen habe ich das Gefühl, es mit einer eigenen Persönlichkeit zu tun zu haben. Und gerade wenn ich denke, dass das jetzt auf jeden Fall der größte war, taucht hinter der nächsten Kurve wieder einer auf, der noch weiter in den Himmel ragt. Was für ein Ort…

Saguaro Nationalpark Reisetipps

Reisetipps für den Saguaro Nationalpark

Hier kommen meine gesammelten Reisetipps für Deinen Besuch in der Heimat der Riesenkakteen.

Klima und Reisezeit

Am angenehmsten ist das Klima in der kühleren Jahreszeit zwischen Oktober und April. Die Tagestemperaturen pendeln sich hier meist irgendwo um die 20 Grad ein, können nachts allerdings auch bis unter den Gefrierpunkt fallen. Zwischen Mai und September ist es sehr heiß mit Maximaltemperaturen bis über 40 Grad. Im Juli und August kommt die Regenzeit dazu, mit meist kurzen aber heftigen Niederschlägen und starken Gewittern.

Lage und Anfahrt

Der Saguaro Nationalpark liegt westlich und östlich der Stadt Tucson, knapp zwei Stunden Autofahrt von Phoenix entfernt. Von San Diego aus sind es rund 6 Stunden Fahrt, vom South Rim des Grand Canyon 5 Stunden. So richtig auf dem Weg liegen Tucson und die Saguaros wohl nicht, aber ich finde, der Umweg lohnt sich!

Übernachten kann man direkt im Park übrigens nicht (von den nur zu Fuß erreichbaren Backcountry Campsites mal abgesehen). In Tucson gibt es aber mehr als genug Auswahl.

Saguaro West oder Saguaro Ost

Der Saguaro Nationalpark besteht aus einem westlichen und einem östlichen Teil. Getrennt sind die beiden Teile durch die Stadt Tucson. Der östliche Teil des Parks (Rincon Mountain District) ist deutlich größer und gleichzeitig weniger besucht. Hier findest Du außerdem mit den Rincon Mountains etwas mehr Bergfeeling vor. Der westliche Teil (Tucson Mountain District) hat dichteren Kakteenbestand und einige tolle Aussichtspunkte, die leicht zu erreichen sein. Dafür tummeln sich hier mehr Touristen.

Besucherzentren und Infrastruktur findet man in beiden Teilen. Die Fahrtzeit von einer Seite auf die andere beträgt etwa 30-45 Minuten.

Wenn Du für den Park nur einen Tagesbesuch eingeplant hast, würde ich eher den westlichen Teil wählen, da man hier auf kleinem Raum viel sieht und die vielen, dicht stehenden Kakteen ein ganz besonderes Bild abgeben.

Mit dem Auto durch den Saguaro Nationalpark

Sowohl im westlichen als auch im östlichen Teil gibt es sogenannte Loop Drives in Form von  Straßen, die mitten durch die Kakteenwelt führen und als Ausgangspunkt für Wanderungen dienen. Der Bajada Loop Drive im Westen ist knapp 10 km lang und lässt sich auch ohne geländegängiges Fahrzeug gut befahren. Lediglich in den Regenmonaten Juli und August musst Du hier etwas vorsichtig sein, da die Straße anfällig für Überflutung ist. Der Cactus Forest Drive im Osten ist 13 km lang und geteert.

Wandern im Saguaro Nationalpark

Im Saguaro Nationalparks gibt es insgesamt 264 km Wanderwege von unterschiedlichster Länge.

Eine sehr kurze, aber trotzdem sehr lohnenswerte „Wanderung“ ist die gut 1 km lange Runde zum Valley View Lookout mit der vielleicht besten Aussicht im ganzen Nationalpark. Ebenfalls im westlichen Teil des Parks ist zum Beispiel der rund 17 km lange Hugh Norris Trail, der am Anfang schnell an Höhe gewinnt und damit auch perfekt als kleine Sonnenuntergangstour eignet.

Wer auf der Suche nach Mehrtagestouren ist, wird vor allem im östlichen Teil des Saguaro Nationalparks fündig. Innerhalb der Wilderness Area gibt es sechs ausgewiesene Campingplätze mit 3-6 Stellplätzen für Zelte, die man für Übernachtungen im Backcountry nutzen kann. Dafür benötigt man allerdings eine spezielle Erlaubnis (Backcountry Permit), die man im Besucherzentrum erhält. Manning Camp ist dabei besonders praktisch, denn es ist der einzige Campspot, an dem man das ganze Jahr über Wasser finden kann. Der nächste Trailhead (Turkey Creek) liegt rund 12 km one-way entfernt.

Die einzelnen Wanderwege kreuzen sich übrigens an relativ vielen Stellen, weshalb man Trails relativ leicht abkürzen oder verlängern kann. Eine Übersichtskarte für die Trails im östlichen Park findest Du hier und die für den westlichen Teil hier.

Kleines Saguaro-Kaktus-Wissenslexikon

Die richtige Aussprache: „sa-WAH-ro“

Größe & Alter: Die größten Saguaros sind um die 200 Jahre alt und über 15 Meter hoch. Die größte Kakteenart sind sie damit aber nicht, denn von den über 50 baumartigen Kakteenarten in Mexiko oder Südamerika sind einige noch größer und älter. Die Kakteen wachsen sehr langsam, ein 10-jähriger Saguaro ist nur wenige Zentimeter groß, erst ab 125 Jahren gelten die Kakteen als „erwachsen“.

Vorkommen: Der Saguaro Kaktus kommt nur in der Sonora Wüste vor, die sich über Arizona, einen Teil von Kalifornien und bis nach Mexiko streckt. Den dichtesten Bestand findet man im Saguaro Nationalpark.

Blüte: Saguraos blühen einmal pro Jahr ab einem Alter von ca. 35 Jahren, normalerweise zwischen Mai und Juni. Wenn Du zu dieser Zeit im Park sein solltest, hast Du gute Chancen, diesen Anblick mitzuerleben. Es blühen übrigens nicht alle Blüten eines Kaktus gleichzeitig auf, sondern immer ein oder wenige pro Nacht, die sich dann bis ca. zur Mitte des Folgetages halten und anschließend verwelken.

Arme: Saguaros bilden erst ab einem Alter von etwa 50 Jahren Arme aus – in sehr trockenen Gebieten noch deutlich später und manche nie.

Wurzeln: Saguaros haben eine „Hauptwurzel“, die über einen halben Meter in den Boden ragen kann. Die übrigen Wurzeln wachsen knapp unter der Oberfläche, um so viel Wasser wie möglich aufsammeln zu können.

Wasser: Ein erwachsener Saguaro kann bei viel Regen bis zu 750 Liter Wasser aufnehmen und speichern. Dies hilft ihm, lange Trockenperioden zu überleben, kann ihm aber bei Stürmen auch zum Verhängnis werden.

Schutz: Saguaro-Kakteen gelten aktuell nicht als gefährdet, stehen aber in Arizona trotzdem unter strengem Schutz und dürfen zum Beispiel nur mit Ausnahmegenehmigung für Grundstücke gefällt werden.

Alternativen zum Saguaro Nationalpark

Auch wenn der Saguaro Nationalpark de beste Ort ist, um die Riesenkakteen zu sehen, gibt es vor allem in Arizona noch andere Gebiete, in denen ebenfalls verhältnismäßig viele davon und andere Arten wachsen. Dazu zählen vor allem das Organ Pipe Cactus National Monument und die Santa Catalina Mountains.

Und wenn Du das mit dem Wandern im Kaktusland so richtig ernst meinst, solltest Du Dir unbedingt diesen englischsprachigen Wanderführer zulegen, der genau diese Regionen und noch ein paar mehr abdeckt:

Hiking Arizona’s Cactus Country
(Werbelink)


Warst Du auch schon mal im Saguaro Nationalpark unterwegs und hast noch weitere Tipps für Wanderungen & Co.? Oder hast Du anderswo auf der Welt schon mal die Bekanntschaft mit Riesenkakteen gemacht? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

 

2 Comments

  1. Sehr schön geschrieben :)
    Als ich die Kakteen in Arizona das erste Mal gesehen hab, dachte ich sofort an all die Western-Filme. Und ich konnte es kaum glauben, dass die Kakteen wirklich aussehen wie in Cartoons. Irre schön <3

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke Dir! Und ja, es ist wirklich eines dieser Dinge, die man schon auf so vielen Bildern und in so vielen Filmen gesehen hat und trotzdem gar nicht so recht glauben mag, dass es sie wirklich gibt. :-)

Write A Comment