[enthält Werbung] Ein Labyrinth aus Inseln und Buchten, Sumpfwäldern, Schilfflächen und Feuchtwiesen, durchzogen von kleinen und großen Gewässerarmen. Dort wo Rhein und Maas zusammenfließen, nicht weit von der Nordsee entfernt, bilden die Flüsse ein rund 9.000 Hektar großes Binnendelta. Seit 1990 ist dieses in vielerlei Hinsicht ziemlich einzigartige Gebiet als Nationalpark geschützt und bietet nicht nur unzähligen Tieren und Pflanzen, sondern auch naturverliebten Menschen ein wertvolles Zuhause in den Niederlanden.

Biesbosch liegt größtenteils in der Region Brabant (Brabantse Biesbosch), zu einem kleinen Teil auch in Südholland (Hollandse Biesbosch) und  ist ein ziemliches Paradies für Naturerlebnisse und Outdoor-Aktivitäten. Und dieses Paradies ist längst nicht nur für Niederländer ein naheliegendes Ausflugsziel! Von Köln aus zum Beispiel ist man bereits in drei bis vier Stunden mit dem Zug oder Auto in der Region.

Ich war schon einige Male im Biesbosch unterwegs, zu allen Jahreszeiten, für Wanderungen, Paddeltouren, Radtouren oder einfach nur zum Vögel beobachten und bin auch im Zuge meiner 10-tägigen Bikepacking-Tour durch die Niederlande dort vorbeigekommen. Und seit meinem ersten Besuch zählt die Gegend zu meinen absoluten Lieblingsorten in den Niederlanden.

In diesem Artikel findest du mehr Infos, Tipps und Tourenvorschläge rund um den Biesbosch Nationalpark.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit Visit Brabant. Alle Empfehlungen beruhen ausschließlich auf meinen persönlichen Erfahrungen. Außerdem enthält dieser Artikel Werbung für meinen Kooperationspartner Komoot. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen. 


Was macht den Nationalpark De Biesbosch so besonders?

Biesbosch ist in vielerlei Hinsicht ziemlich einzigartig. Und ich finde, man spürt das, sobald man sich dem Gebiet nähert.  Selbst wenn man zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch gar nicht viel über die dessen Entstehungsgeschichte und weitere Besonderheiten weiß.

Lage

Wenn man im Biesbosch Nationalpark ist, kann man eigentlich gar nicht so richtig glauben, dass die zweit- und drittgrößten Städte der Niederlande nur einen Steinwurf entfernt sind. Genau das ist aber der Fall! Und das macht Biesbosch zu einem naheliegenden Ziel für alle, die niederländische Natur und Städte gleichermaßen erkunden wollen. Für spannende Stadterkundungen irgendwo zwischen Historie und Moderne muss man sich aber nicht zwingend direkt in den Trubel von Rotterdam oder Den Haag stürzen: Auch kleinere lohnende Städte wie zum Beispiel Breda liegen nicht weit vom Nationalpark entfernt. (Mehr dazu weiter unten.)

Entstehungsgeschichte

Biesbosch verdankt seine heutige Form einer der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der Niederlande: Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts riss eine Sturmflut namens St. Elisabeth unzählige Dörfer, Menschenleben und Deiche mit sich. Dort, wo bis dahin noch von einem Ringdeich geschützt viel Landwirtschaft betrieben wurde, breitete sich (allerdings nicht über Nacht, sondern eher über Jahrzehnte hinweg) das Meer aus. Und das Wasser kam, um zu bleiben. Mit der Zeit wurde das Gebiet – geformt durch Gezeiten, Sedimentablagerungen und Landgewinnungsmaßnahmen – zu dem Labyrinth aus Buchten und Inseln, Feuchtwiesen und Sumpfwäldern, das heute Biesbosch ist.

Naturschutz

Nach einer weiteren Sturmflut im Jahr 1953, die fast zweitausend Menschenleben forderte, wurde der Bau der Deltawerke als Hochwasserschutzmaßnahme beschlossen. Das hatte allerdings zur Folge, dass kein Salzwasser mehr aus der Nordsee in die Biesbosch-Gewässer fließen konnte. Die natürlichen Gegebenheiten in dem Gebiet änderte sich dadurch stark. Seit 1994 ist Biesbosch Nationalpark und es fanden und finden verschiedene Maßnahmen statt, dem natürlichen Spiel des Wassers dort wieder mehr Raum zu geben. Seit den Neunzigern steht Biesbosch dadurch auch wieder unter dem Einfluss der Gezeiten, was sich positiv auf viele schützenswerte Arten, die in dem Gebiet heimisch sind, auswirkt.

Tierwelt und Artenvielfalt

Weltweit gibt es nur wenige zusammenhängende Auengebiete von solch großem Ausmaß wie Biesbosch. Und diese Gebiete gehören zu den artenreichsten Ökosystemen überhaupt. Zwei der prominentesten Bewohner des Biesbosch Nationalparks sind seine Seeadler und Biber: Die Adler brüten seit 2012 (wieder) in dem Gebiet, seit 2014 gibt es sogar zwei Brutpaare, was vielleicht nach wenig klingt, aber die höchste Seeadler-Dichte in den Niederlanden darstellt. Zahlenmäßig deutlich häufiger sind die Biber mit über 300 auf dem Gebiet von Biesbosch lebenden Exemplaren. Seeadler habe ich schon öfter gesehen, von denen Bibern allerdings nur die Spuren (was nicht zuletzt daran liegt, dass Biber vor allem dämmerungs- und nachtaktiv sind).

Darüber hinaus ist die Gegend auch ein bedeutendes Brut- und Rastgebiet für viele verschiedene Zugvögel.  Den Fischbeständen kommt die Öffnung des Haringvlietdams ebenfalls zugute (was wiederum Tiere wie Adler und Eisvögel freut). Und nach und nach kommen auch wieder die vor 1970 typischen Pflanzen zurück: wie zum Beispiel die Binsen, die Namensgeber von Biesbosch (das heißt übersetzt nämlich “Binsenwald”).

Tourismus

Die niederländischen Nationalparks werden in den Niederlanden im Vergleich mit anderen Ländern eher locker gehandhabt, was den Kompromiss aus Naturschutz und dem Erholungsbedürfnis der Menschen angeht. Und das ist auch gut so, denn nur so ist es (vermutlich) effektiv möglich, in diesem dichtbesiedelten Land der Natur genügend Raum zu geben. Gewisse Bereiche sind im Biesbosch natürlich nicht für Besucher geöffnet, um Tieren und Pflanzen genügend ungestörten Raum zu geben. Gleichzeitig gibt es jede Menge Möglichkeiten, dieses ziemlich einzigartige Naturgebiet auf unterschiedliche Weise zu entdecken. Für Einheimische ist Biesbosch ein beliebtes Ausflugsziel. Insbesondere auch in den Sommermonaten, wenn das Herumschippern mit dem Boot für viele Niederländer eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist. Von ausländischen Touristen wird Biesbosch vergleichsweise wenig frequentiert. So oder so ist man – vor allem auch unter der Woche und außerhalb der Sommermonate bzw. Ferienzeiten – oft ziemlich allein unterwegs, findet jede Menge Ruhe und ein durchaus intensives Gefühl von Abgeschiedenheit.

Tourentipps für den Biesbosch Nationalpark

Vom Wasser aus kann man Biesbosch definitiv am besten entdecken. Aber auch für Wanderer und Radfahrer gibt es schöne Tourenmöglichkeiten. Letztere sind, wie überall in den Niederlanden, nach einem Knotenpunktsystem organisiert: Verschiedenen Fixpunkten (oft Kreuzungen) sind Nummern zugeordnet, die sich auf den Wander- bzw. Radwegweisern und auch in den Wander- und Fahrradkarten bzw. auf den Übersichtstafeln wiederfinden. Indem man die gewünschten Nummern miteinander verbindet, kann man sich so einfach eigene Routen zusammenbasteln und benötigt unterwegs im Zweifelsfall noch nicht mal eine Karte (solange man sich die Zahlen merkt).

Wandern im Biesbosch Nationalpark

Neben den Knotenpunkten gibt es auch einige ausgeschilderte Wanderrouten, sowohl im Herzen als auch am Rand des Biesbosch Nationalparks, die es Wanderern leicht machen, die Gegend zu Fuß zu erkunden. Dazu existieren auch einige Wanderrouten, die nur vom Wasser aus per Boot zugänglich sind.

Eine der meiner Meinung nach schönsten Touren ist die 13,5 Kilometer lange Wanderung über Jantjesplaat und Deeneplaat (die man theoretisch auch gut kürzen kann). Zumal man dort auch ganz gute Chancen hat, vielleicht doch einen kurzen Blick auf den ein oder anderen Biber zu erhaschen! Nicht zuletzt deswegen kann ich die Mitnahme eines Fernglases nur empfehlen.

Die beste Anlaufstelle für Infos zu Wanderrouten sind die drei Besucherzentren, teilweise kann man die Wanderungen auch direkt von dort starten. Auf der Webseite des Nationalparks gibt es auch eine Übersicht über Biesbosch-Wanderungen (die allerdings nur so bedingt nutzerfreundlich gestaltet ist).

Radtouren im Biesbosch Nationalpark

Bei meinen ersten Besuchen im Biesbosch-Nationalpark war ich nur zu Fuß dort unterwegs. Das war toll, aber erst als ich zum ersten Mal aufs Rad gestiegen bin, habe ich realisiert, wie weitläufig und verzweigt Biesbosch wirklich ist. Und auch wenn die schönsten Ecken im Biesbosch doch eher zu Fuß oder per Boot erreichbar sind, kann ich allein schon deswegen eine Radtour dort sehr empfehlen.  Auf dieser rund 23 Kilometer langen Rundtour sieht man viele unterschiedliche Facetten von Biesbosch, zudem liegt auch die Museumsinsel auf der Route. Alle Radwege inklusive Knotenpunkte findet man auf dieser Übersichtskarte.

Auch jenseits des Biesbosch Nationalparks finden sich in dieser Ecke der Niederlande übrigens viele tolle Naturgebiete, in denen man ausgiebige Radtouren unternehmen kann! Hier gibt’s mehr Tipps für Radtouren in Brabant.

Paddeltouren im Biesbosch Nationalpark

Zahlreiche Wasserflächen in Biesbosch sind für motorisierte Boote gesperrt, für Paddler aber freigegeben. Und das weitverzweigte Netz aus Gewässerarmen mit dem Kajak, Kanu oder Packraft zu entdecken, macht wirklich richtig viel Spaß. Zumal man dafür kein besonderes Können oder Wissen mitbringen muss, solange man sich an die kanutauglichen Routen hält. Denn die Strömungen in Biesbosch sind existent, aber relativ gering und man muss höchstes aufpassen, nicht auf Grund zu laufen, wenn der Wasserstand niedrig ist.

Kanu leihen im Biesbosch

Man kann in Biesbosch an mehreren Orten Kanus und Kajaks ausleihen. Im Gebiet des  Brabantse Biesbosch zum Beispiel hier:

Und im Hollandse Biesbosch hier:

Dort bekommt man auch weitere Infos und Tipps zu möglichen Routen, in der Regel sogar eine Karte für die Orientierung.

Kanurouten im Biesbosch

Es gibt drei ausgeschilderte Kanurouten im Biesbosch Nationalpark. Eine startet am Biesboschcentrum Dordrecht, zwei am Natuurpoort Vissershang (also beides Orte, an denen man auch Boote leihen kann – siehe oben). Eine Übersicht über die Paddelrouten findet man hier.

Neben diesen gibt es noch weitere Routenmöglichkeiten und Einstiegsstellen für Paddler: Möchte man gänzlich auf eigene Faust in Biesbosch paddeln gehen, stattet man am besten einem der Besucherzentren einen Besuch ab. Dort gibt es die entsprechenden Karten und weitere Infos. Online erhältlich ist zudem die Biesbosch Waterkaart, auf der Einstiegsstellen und Routen / Gewässer speziell für Paddler (neben sehr vielen anderen Infos) eingezeichnet sind. In dieser Online-Kanukarte findet man ebenfalls eine grobe Übersicht.

Neben kurzen und tagesfüllenden Paddeltouren sind auch mehrtägige Kanutouren im Biesbosch Nationalpark möglich. Bis vor kurzem gab es dafür noch einige frei zugängliche Bootslagerplätze. Leider (!!!) wurden diese legalen “Wild”-Zeltplätze (“Paalkamperen”) im Jahr 2020 abgeschafft. Es gibt aber einige Campingplätze, die direkt am Wasser liegen und somit als Nachtlager für längere Kanutouren mit Zelt dienen können. Empfehlenswert, weil klein und ruhig und schön gelegen sind meines Wissens vor allem:

Weitere Biesbosch Reisetipps

Wirklich riesig ist Biesbosch (bzw. der betretbare Anteil davon) zwar nicht, aber ich würde empfehlen mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Tage für eine Entdeckungsreise zu die Natur des Biesbosch Nationalparks einzuplanen.

Campingplätze

Der vielleicht / vermutlich / ziemlich sicher schönste Campingplatz im Biesbosch ist der Naturcampingplatz De Knotwilg: Ruhig, direkt am Wasser und mitten im Grünen gelegen ist der kleine Campingplatz der ideale Ort, um abzuschalten und die Natur zu genießen. Besonders toll für alle, die nur mit Zelt unterwegs sind: Das Trekkersveld, eine Wiese etwas abgegrenzt von den motorisierten Campern, mit direktem Blick aufs Wasser.

Aber auch die Stellplätze für Campervans und andere Mobile sind ziemlich schön. Genauso wie die drei kleinen Hütten, die man mieten kann. Das Sanitärgebäude ist eher klein und einfach gehalten, hat aber alles, was man braucht. Der nächste Supermarkt ist ca. sieben Kilometer entfernt. Nahe dem Campingplatz (ca. 200 Meter) kann man auch Kanus leihen bzw. mit dem eigenen Boot anlegen. 

Mehr erfahren: Biesbosch Museumsinsel

Das Biesbosch MuseumEiland ist allein schon wegen des Gebäudes an sich einen Besuch wert. In seinem Inneren gibt es ein Restaurant / Café, einen kleinen Shop und das Biesbosch Museum, welches sich rund um die Geschichte und Entstehung von Biesbosch, aber auch um die Tier- und Pflanzenwelt dreht. Alle Erklärungen und Hinweise gibt’s dort allerdings ausschließlich auf Niederländisch. Die Fotos und Exponate sind auch ohne Texte durchaus interessant und einigermaßen aufschlussreich und ich habe die 10 Euro Eintritt (Stand: 2022) nicht bereut.

Neben dem eigentlichen Museum gibt es auch noch das Freilichtmuseum de Pannekoek, welches sich ganz in der Nähe befindet. Auf einem rund zwei Kilometer langen Pfad kann man durch alte Weidelandschaften wandern, die noch auf traditionelle Weise gepflegt werden. Außerdem ist die Museumsinsel ein guter Startpunkt für weitere Wanderungen im Herzen des Biesbosch Nationalparks sowie für Bootstouren: Hier gibt es eine Einstiegsstelle für Paddler, man kann sich ein Flüsterboot (langsames, leises Elektroboot ausleihen) oder eine geführte Bootstour machen.

Ausflugstipp: Breda

Ich persönlich würde ja bevorzugen, irgendwo im Biesbosch zu übernachten und von dort aus Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen. Natürlich kann man das aber auch umgekehrt machen! Für beides ist die kleine Stadt Breda etwas südlich von Biesbosch eine gute Anlaufstelle. In der lebendigen Stadt gibt es viele historische Sehenswürdigkeiten – aber nicht nur! Die Blind Walls Gallery zum Beispiel ist  eine Ansammlung von mittlerweile über 100 Streetart-Kunstwerken nationaler und internationaler Künstler*innen.

Auf der Webseite von Visit Brabant gibt es noch mehr Tipps für einen Besuch in Breda und weitere Reisetipps für alle, die die Natur in der Region Brabant entdecken möchten.


Warst du auch schon mal im Biesbosch Nationalpark? Ich freu mich auf deinen Kommentar.

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