[Gastartikel / enthält Werbung] Klimawandel, Flächenfraß, Umweltverschmutzung… wilde Tiere haben es nicht gerade leicht in einem so dicht besiedelten und von Industrie  und Landwirtschaft geprägten Land wie Deutschland. Und so ist das Wort “Artensterben” mittlerweile auch bei uns in aller Munde. Allein von den in Deutschland heimischen Säugetieren sind rund 30% in ihrem Bestand bedroht (Quelle). Arten, auf die wir alle angewiesen sind, denn jede von ihnen hat ihren ganz eigenen Platz im Ökosystem und übernimmt wichtige Funktionen, die zur natürlichen Balance beitragen. Viele dieser Arten sind wohl nicht mehr zu retten, doch es gibt auch Hoffnung: Manche Tierarten können sich anpassen, indem sie zum Beispiel ihren Lebensraum verlegen oder sich neue Futterquellen suchen. Andere können durch gezielte Artenschutzprojekte erfolgreich geschützt und gefördert werden.

Die Nationalparks in Deutschland spielen eine zentrale Rolle im Artenschutz. Kleine wilde Inseln im nicht mehr sehr wilden Deutschland, wo die Natur noch Natur sein darf und wo Wildnis gezielt unterstützt wird. Aktuell gibt es 16 dieser Parks, und jeder verfolgt seine ganz eigenen Artenschutzprojekte.

Gastautorin Kerstin hat sie im Rahmen ihrer Arbeit für das Mondberge-Magazin besucht und berichtet in diesem Artikel über einige der spannendsten Artenschutzprojekte, die ihr während ihrer Recherche begegnet sind.


Werbehinweis: Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung für das Mondberge-Magazin, dessen Mission ich mit diesem Artikel unterstützen möchte. Mehr Infos zum Magazin findest du weiter unten.


Lachs und Bienenfresser im Nationalpark Sächsische Schweiz

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte der Atlantische Lachs zur natürlichen Fischfauna der Sächsischen Schweiz. Durch die Einleitung von Industrieabwässern, Überfischung und den Bau von Querbauten jedoch, wurde das Ökosystem der Fließgewässer so stark verändert, dass die Lachse verschwanden. Seit Mitte der 1990er Jahre bemüht sich das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie um die Rückkehr der Lachse. Dafür werden jedes Jahr tausende Elblachs-Brütlinge in den Bächen der Sächsischen Schweiz ausgesetzt. Nach einer extrem langen Reise bis zu ihren Fressplätzen vor Island und Grönland finden die Lachse für die Eiablage immer zu ihren Heimatflüssen zurück. Noch sind es nicht so viele Rückkehrer wie gewünscht, bestätigt Matthias Pfeifer vom Landesamt. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Kormoranschwärme, Privatfischer an der Unterelbe, Seehundbänke im Wattenmeer oder was immer den abwandernden Junglachsen oder den laichwilligen Rückkehrern auf ihrer Wanderung begegnet.

Für den Erfolg des Projektes bleibt Pfeifer aber optimistisch. Während der Lachs dank mühsamer menschlicher Unterstützung wieder heimisch zu werden beginnt, hat ein anderes Tier ganz von selbst zurückgefunden. Einer der farbenprächtigsten Vögel Europas, der Bienenfresser, galt in Deutschland Ende der 1980er Jahre schon als ausgestorben. Aufgrund der Klimaerwärmung brüten seit Beginn des 21. Jahrhunderts aber wieder zahlreiche Paare in Deutschland. Auch am Rande des Nationalparks wurden bereits Einzelbruten von der sächsischen Naturschutzbehörde kartiert. Die 28 cm großen Zugvögel brauchen steile Hänge mit weichem Boden oder sandige Böschungen für ihre bis zu zwei Meter langen Brutröhren. Im September verabschieden sich die Verwandten des Eisvogels in Richtung südliches Afrika. Bis dahin aber kann man die kurzen Triller des ruffreudigen Großinsektenjägers wieder häufiger hören.

Borstgrasrasen dank dem Roten Höhenvieh im Nationalpark Bayerischer Wald

Zu Inseln im Waldmeer wurden die einst in Höhen über 1000 Metern als Sommerweiden genutzten „Schachten“. Diese waldfreien Flächen erfreuen das Auge des Wanderers mit blumenreichen Wiesen und teils uralten knorrigen Baumgebilden. Türkenbund, Enzian, Arnika und Eisenhut setzen Farbtupfer ins satte Grün. Im Kreislauf des steten Werdens und Vergehens laufen die strukturreichen Lebensräume allerdings Gefahr, vom Wald wieder vereinnahmt zu werden, da die Beweidung Ende der 1950er Jahre aufgegeben wurde. Um die Schachten als kulturhistorische Zeugen zu erhalten wird die extensive Beweidung mit einer alten Rinderrasse, dem Roten Höhenvieh, erfolgreich eingesetzt. Diese auf die Kelten zurückgehende alte Mittelgebirgsrasse soll dank ihrer Genügsamkeit und Robustheit dafür sorgen, dass die Borstgrasrasen mit ihrer charakteristischen Artenvielfalt erhalten bleiben.

Luchse im Nationalpark Harz

Zwei Denkmäler wurden zu Ehren des Luchses im Nationalpark Harz errichtet. Zum einen ist es der „Luchsstein“ bei Lautenthal, mit dem seit 1893 an die Erlegung des letzten Harzer Luchses gedacht wird. 75 Jahre zuvor war auf einer elftägigen Jagd mit 100 Treibern und 80 Jägern die letzte Eurasische Raubkatze in Deutschland erlegt worden. Ihre Spuren im Schnee hatten sie verraten. Das zweite ist eine Bronzestatue, die an die erfolgreiche Wiederansiedlung des Harzer Luchses erinnert. Von 2000 bis 2007 wurden insgesamt 24 Luchse (9 Männchen, 15 Weibchen) aus Gehegezuchten nach entsprechender Eingewöhnung in die Freiheit entlassen. Seither kam in jeder Saison Nachwuchs zur Welt, was durch beständiges Monitoring begleitet wird.

Dieses Projekt ist die erste erfolgreiche Auswilderung der Pinselohren in Deutschland. Die Tiere im Bayerischen Wald, Schwarzwald oder der Sächsischen Schweiz sind Einwanderer aus Tschechien, der Schweiz bzw. Frankreich. Die ausgedehnten Wälder des Harzes sind bevorzugter Lebensraum des nach Braunbär und Wolf größten in Europa heimischen Landraubtiers. Die warmen Granitfelshänge und Geröllhalden bieten ideale Verstecke für die Jungenaufzucht. Noch sind die Bestände zu klein und zu isoliert, um ein langfristiges Überleben zu sichern. Wanderkorridore zwischen den verschiedenen Populationen sind dringend notwendig. Erfreulicherweise trägt die Jägerschaft dieses Projekt zum größten Teil mit, sodass die noch immer stark gefährdete Katze in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge voraussichtlich eine Zukunft hat. In freier Wildbahn macht sich das scheue Wesen bis heut eher rar.

Über das Mondberge-Magazin
Bei Mondberge dreht sich alles rund um die Themen Umwelt-, Natur- und Artenschutz sowie Fotografie und Reisen. In dem sehr hochwertig gemachten Magazin, das fast schon eher einem Buch gleicht und circa dreimal pro Jahr erscheint, finden sich Reportagen, Interviews, Geschichten und jede Menge wunderschöne Bilder. Allen, die gerne draußen unterwegs sind, die Natur lieben und denen deswegen auch der Schutz dieser Natur am Herzen liegt, sei das Magazin wärmstens empfohlen. Zumal ein Teil der Erlöse von jedem verkauften Exemplar an Hilfsprojekte und Non-Profit-Organisationen gespendet wird. Das Magazin gibt’s online als Einzelheft oder (Geschenk-)Abo und auch bei manchen Zeitschriftenhändlern

Störe im Nationalpark Unteres Odertal

Hoffnungsvoll sind die Bemühungen der „Gesellschaft zur Rettung des Störs e. V.“ um die Wiederansiedlung des Atlantischen Störs. Noch vor 150 Jahren waren die Knochenfische in deutschen Flüssen weit verbreitet. Heute gelten die urzeitlichen Wesen, aufgrund der Jagd nach Kaviar und veränderten Umweltbedingungen, in Deutschland als ausgestorben. Zum Laichen wandern die Störe vom Meer in die Süßgewässer der Flüsse. Überschwemmungsflächen im Nationalpark gelten als wichtige Futterquelle für die abwandernden Jungstöre auf der Reise in die große weite Welt. Wie lange es dauern wird, bis sich aus den über zwei Millionen in die Oder eingesetzten Exemplaren eine stabile Population entwickelt hat, lässt sich noch nicht mit Gewissheit sagen.

Wildkatzen im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Eine ganz besondere Spezies des Nationalparks Hunsrück-Hochwald, die es sogar bis ins Logo des Parks geschafft hat, ist die Wildkatze. Westeuropas größtes zusammenhängendes Wildkatzenvorkommen lebt in Rheinland-Pfalz und benachbarten Bundesländern. Dieser Einzelgänger, auch Waldkatze genannt, benötigt ausreichend Deckung und einen ungestörten Lebensraum. Aufgrund früherer direkter Verfolgung durch den Menschen und heutiger Veränderungen des Lebensraumes gehört sie zu den gefährdetsten Säugetierarten. Die sich entwickelnde Wildnis im Nationalpark bietet dem störungsempfindlichen Tier reichlich Rückzugsmöglichkeiten, und wo sie auftaucht, ist die Katze ein guter Indikator für die Wirksamkeit der Schutzgebiets-Entwicklung.

Weiterlesen: Ich habe Nationalpark Hunsrück-Hochwald vor einiger Zeit selbst besucht und berichte in meinem Blogartikel “Natur erleben im Saarland – mit dem Ranger unterwegs” ausführlich über den Park und die Naturschutzarbeit, die dort geleistet wird. In dem Artikel kannst du auch nachlesen, was die Arbeit von Nationalparks in Deutschland ausmacht und was für weitere Arten von Naturschutzgebieten es gibt.

Mehr zu den Nationalparks in Deutschland
Das Mondberge-Magazin hat in den vergangenen Ausgaben (die hier erhältlich sind) alle 16 deutschen Nationalparks ausführlich portraitiert. Dort findest du mehr Infos zu diesen und weiteren Artenschutzprojekten sowie Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Wanderungen und Tierbeobachtungen.

Über die Gastautorin

Gastautorin Kerstin von Splényi, Autorin und Journalistin, begeistert sich seit jeher für Natur- und Artenschutz. Besonderes Interesse gilt den heimatlichen Landschaften „direkt vor der Haustür“. Sie arbeitet vorwiegend für das Mondberge-Magazin, schreibt aber auch für Tageszeitungen und Magazine. Ihre größte Leidenschaft ist, neben dem Tanzen, das Reisen.

 

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