Zu Fuß durch Neuseeland auf dem Te Araroa Trail (Interview)

Einmal durch Neuseeland wandern? Kann man machen, finde ich! Und Nadine und Philippe von Gustofrenzy haben es gemacht. Rund 3.000 Kilometer von der Nordspitze der Nordinsel bis zur Südspitze der Südinsel, wo die beiden vor wenigen Tagen den Trail beendet haben. In diesem Interview erzählen sie von Licht und Schatten einer solchen Wanderung, welche Begegnung sie nie vergessen werden, wie sie mit Durchhängerphasen umgegangen sind und vieles mehr.

Gustofrenzy auf dem Te Araroa Trail

1. Hallo ihr zwei! Schön, dass Ihr dabei seid und mir einige Fragen zu Eurer Wanderung auf dem Te Ararora Trail in Neuseeland beantwortet. Wo sitzt ihr denn gerade und wie geht’s Euch?

Gerade sind wir in Invercargill. Gestern beendeten wir den Te Araroa in Bluff. Dementsprechend geht es uns sehr gut. Wir haben noch nicht ganz begriffen, dass es nun zu Ende ist. Wir denken, dass uns erst in den nächsten Tagen klar werden wird, was wir die letzten Monate gemacht und geleistet haben.

2. Neuseeland ist ein Traumreiseziel für wohl jeden von uns. Die meisten Leute bereisen die Inseln jedoch mit dem Mietwagen oder Campervan, wie auch ihr bei Eurer ersten Neuseeland-Reise. Was hat Euch dazu bewegt, zurückzukehren und das Land komplett zu Fuß zu durchqueren?

Dass wir nach Neuseeland zurückkehren wollen, war uns schon nach dem ersten Aufenthalt vor sieben Jahren klar. Von Fernwandern hatten wir damals aber noch keine Ahnung. Wir hörten das erste Mal vom Te Araroa, als wir gerade in Vietnam waren und uns war schnell klar, dass dies für uns eine tolle Möglichkeit wäre, das Land auf eine ganz andere Weise zu erkunden. Außerdem waren wir vom Fernwandern fasziniert und wollten herausfinden, ob wir ebenfalls zu so etwas fähig sind.

Durch den Tongariro Forest auf dem Te Araroa Trail

Nadine und Philippe von www.gustofrenzy.de auf dem Te Araroa Trail in Neuseeland

3. Lange Trekkingtouren stellen ganz besondere Anforderungen an Mensch und Ausrüstung. Hattet ihr vor dem Start auf dem Te Araroa schon Erfahrungen mit anderen Langzeitwanderungen? Wie habt ihr Euch auf den Trail vorbereitet?

Unsere längste Wanderung vor dem Te Araroa war etwas über 100 Kilometer auf dem Kungsleden. Für diese Strecke benötigten wir damals etwa eine Woche. Heute würden wir es wohl in drei Tagen wandern. Wir hatten keine Ahnung, wie sich die Fernwanderung auf dem Te Araroa auf uns und unsere Körper auswirken würde. Während unserer letzten Vorbereitungsphase in Hobart auf Tasmanien versuchten wir, unsere Fitness mit Jogging und einem Indoor-Fitnessprogramm zu erhöhen. Aber schliesslich machten wir die grössten Trainingvortschritte auf dem Trail. Du beginnst in dem Tempo und den Tagesdistanzen an zu laufen, mit denen du klar kommst und mit der Zeit wirst du automatisch fitter.

4. Stichwort Ausrüstung: Auf welchen Gegenstand würdet Ihr auf keinen Fall verzichten wollen?

Unsere Wanderstöcke. Nicht nur bei steilen Auf- und Abstiegen, sondern auch bei Flussüberquerungen für Balance und Sicherheit und auf geraden Strecken für Schrittrhythmus und Haltung.

Ausrüstung auf dem Te Araroa Trail

Verpflegung für den Te Araroa Trail

5. Was war Eurer bisher schönstes Erlebnis auf dem Trail – und welches das am wenigsten schöne (um nicht zu sagen schlimmste)?

Wir sind keine Freunde von Superlativen. Eine so lange Zeit auf ein, zwei Momente zu reduzieren ist extrem schwierig. Schlimm waren die Abschnitte auf Strassen und wenn wir bemerkten, wie unsere Körper an ihre Grenzen kamen. Zum Beispiel als Philippe die Diagnose Ermüdungsbruch im Mittelfussknochen erhielt und der weitere Verlauf unserer Wanderung unklar war.

Schön hingegen waren alle Begegnungen mit Trail Angels, anderen Wanderern und natürlich die Natur. Trail Angels bereicherten unsere Erfahrungen auf der Nordinsel enorm, wohingegen auf der Südinsel klar die Natur im Vordergrund stand. Wir beobachteten zahlreiche Sonnenaufgänge in den Alpen, als die Bergspitzen zu glühen begannen und vor uns ein neuer Tag in einem wunderschönen Land lag.

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6. Durchhänger gibt es während einer so langen Zeit wohl immer wieder. Sei es wegen schlechtem Wetter, Zwicken im Knie oder der einfachen und dennoch unumgänglichen Frage „Was mache ich hier eigentlich?!“. Wie motiviert Ihr Euch, dennoch weiter zu gehen?

Die Frage, weshalb wir uns das überhaupt antun, kam uns mehr als ein Mal und Willensstärke ist sicher etwas, was man für eine Fernwanderung haben muss. Wenn wir irgendwo weit weg von der Zivilisation waren, gab es gar keine andere Wahl als weiterzugehen. Und zu dem Zeitpunkt, als wir dann wieder bei einem „Exit Point“ waren, war die Laune vielleicht schon wieder besser. Wir waren uns ausserdem bewusst, dass man auch unter idealen Bedingungen und im normalen Leben einfach mal einen schlechten Tag haben kann. Das ist noch kein Grund, alles hinzuschmeissen. Wir hatten auch den Ehrgeiz, das Ziel, also Bluff, zu erreichen.

Gustofrenzy auf dem Te Araroa Trail, Neuseeland

7. Ich finde ja, beim Wandern trifft man immer die interessantesten Leute. Welche Begegnung wird Euch für immer in Erinnerung bleiben?

Wir trafen dutzende Leute, die uns in Erinnerung bleiben werden. Ob Einheimische, die uns mit ihrer Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft überwältigten (Trail Angels) oder andere Wanderer aus alles Welt. Wir haben einige Freundschaften geschlossen. Eine ganz skurrile Begegnung hatten wir in den ersten Tagen entlang der Ninety Mile Beach. Ein Maori in abgetragenen Kleidern, mit Hunden und Angelrute kam am Strand, wo wir außer Wanderern lange niemand anderes sahen, auf uns zu und lud uns zum Tee ein. Wir folgten ihm mit gemischten Gefühlen aber überwiegender Neugierde hinter die Sanddünen. Wir erwarteten vieles, aber nicht das: eine Lichtung im Wald mit einem einfachen aber sauber gehaltenen Häuschen, ein Maori, der uns Kaffee kochte, seine Amberfunde zeigte und dessen Geschichten wir für einige Zeit voller Faszination lauschten.

In den Bergen Neuseelands auf dem Te Araroa Trail

8. Ihr habt ja schon ein gutes Stück geschafft und ich würde sagen, die Chancen stehen sehr gut, dass ihr den kompletten Trail schafft. Was wird Euch wohl in den letzten Tagen auf dem Trail durch den Kopf gehen? 

Leider kamen wir erst dazu, diese Fragen zu beantworten, als wir bereits fertig waren. 😉 In den letzten Tagen war es bittersweet, wie man so schön sagt. Die letzte Woche auf dem Trail war anstrengend und wir hatten seit zwei Wochen keinen Rasttag. Wir waren recht erschöpft und freuten uns entsprechend auf das Ende. Andererseits wartete eine Ungewissheit auf uns, die wir so lange nicht mehr verspürten. Und wir waren auch traurig, dass dieses tolle Erlebnis zu Ende ging und sich unsere Zeit in Neuseeland dem Ende zuneigt.

9. Nach der Wanderung / Reise ist vor der Wanderung / Reise. Gibt’s schon Pläne für die Zeit nach dem Te Araroa?

Wir haben noch zwei Wochen in Neuseeland, danach gehen wir für kurze Zeit nach Bali. Ja, und dann wird auch unsere Reise nach zwei Jahren zu Ende sein und wir werden langsam wieder in Richtung Schweiz reisen. Die nächsten Abenteuer sind in unseren Köpfen aber bereits in Planung…

Geschafft! Nadine und Philippe haben den Te Araroa Trail in Neuseeland komplett durchlaufen


Vielen Dank für das Interview und herzlichen Glückwunsch zum Finish! Ich bin sehr gespannt auf Eure zukünftigen Abenteuer.


Nadine und Philippe vom Blog GustofrenzyNadine und Philippe berichten auf dem Blog Gustofrenzy von ihren Abenteuern. Und davon haben sie schon einige erlebt! Denn seit 2014 sind sie als Paar zusammen auf großer Reise. 6 Monate Skandinavien, 4 Monate Südostasien, 8 Monate Australien und jetzt zuletzt Neuseeland. Da kann man schon mal neidisch werden. Achso… und wer sich wie ich fragt, was es mit dem Namen des Blogs auf sich hat:
gusto: Enthusiasmus, Freude, etwas geniessen, etwas mögen (vom Lateinischen gustus: „Geschmack“)
frenzy = Begeisterung, verrückt, ausgeflippt (vom Lateinischen phrenesis und Griechisch phren: „Bewusstsein“)

Folgen kannst Du den beiden auf FacebookInstagram und natürlich auf dem Blog.


 Alle Infos zum Te Araroa Trail in Neuseeland

Quelle: http://teararoa.de/
Quelle: http://teararoa.de/

Der Te Araroa – zu Deutsch „Der lange Pfad – ist mit seinen rund 3.000 km einer der längsten Wanderwege der Welt.  Verglichen mit ähnlichen Wegen wie dem Pacific Crest Trail ist der Tre Araroa noch sehr jung, denn er wurde erst Ende 2011 eröffnet.

Der Trail verläuft von der Nordspitze der Nordinsel bis ans Südende der Südinsel. Zwar wurden bei der Streckenplanung auch bereits bestehende und bekannte Wege eingebunden, ein Großteil der Nordsüdtraverse verläuft jedoch durch Gebiete, die bislang gar nicht oder nur sporadisch auf Wanderkarten Neuseelands auftauchten.

3-4 Monate dauert es, den gesamten Weg zu bestreiten. Auf diesem Weg kommt man durch alle möglichen Landschaftsformen, die das etwa 270.000 Quadratkilometer große Neuseeland zu bieten hat: Dünenlandschaften, Urwälder, Vulkane, Flüsse, Gletscher, Meer, Fjorde, Berge, Kulturlandschaften… Langweilig wird es einem da ganz sicher nicht! Und natürlich muss man auch nicht gleich den kompletten Trail in Angriff nehmen – es ist genauso möglich, nur Teile des Te Araroa zu gehen.


 

 

Bist Du auch schon mal in Neuseeland gewandert? Welches ist Deine liebste Wanderregion dort? Bist Du vielleicht auch schon mal den Te Araroa oder Teile davon gelaufen? Nadine, Philippe und ich freuen uns auf Kommentar.

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9 Kommentare

  1. Das ist sooo cool. Neuseeland ist mein absolutes Lieblingsland und ich habe dort selbst mehrere Wanderungen unternommen. Aber der Te Araroa Trail ist eine richtig tolle Leistung. Glückwunsch an die beiden!!

    • Hallo Steffi, danke für die Glückwünsche 🙂
      Neuseeland gehört definitiv auch zu unseren liebsten Orten auf der Welt und es war toll, es auf diese Weise erleben zu können.
      Liebe Grüsse aus Wellington
      Nadine

  2. Wow! Ein tolles Interview und ein spannendes Bericht zum Trail, den ich bisher auch noch nicht kannte. Wenn man 3-4 Monate benötigt, frage ich mich, ob es dann ein spezielles Visum gibt, denn normalerweise kann man mit einem Touristenvisum ja nur drei Monate bleiben, oder?
    Mich hätte auch noch die Planung interessiert und wo sie übernachtet haben? Gibts da spezielle Hütten, haben sie gezeltet?

    • Hallo Mandy
      Wir haben (als Schweizer) ein Touristenvisum für sechs Monate beantragt. Viele reisen auch mit einem work&travel Visum ein.
      Über die Planung schrieben wir detaillierter auf unserem Blog, der ja leider mometan nicht voll zur Verfügung steht. Aber es gibt Kartenmaterial und Trail Notes vom zuständigen Trust/Verein. Wir planten generell immer von Supermarkt zu Supermarkt 😉
      Übernachtet haben wir meist im Zelt und campten „wild“. Jedoch gibt es auf der Südinsel über 30 Hütten entlang des Trails, in denen man übernachten kann. Wir werden nächstens eine Zusammenfassung veröffentlichen, die darüber mehr Aufachluss geben sollte. Es sprengt den Rahmen eines Kommentars…
      Liebe Grüsse aus Wellington,
      Nadine

  3. Wow … den Trail kannte ich noch gar nicht!
    Eine Weitwanderung steht auch bei mir ganz oben auf der Wunschliste und diese hier hört sich ziemlich perfekt an!
    Daumen hoch für die Beiden!
    LG, Steffi

  4. Als ich letztes Jahr in Neuseeland gewesen bin, da bin ich bei meinen Recherchen mehrmals über den Trail gestolpert und habe hier und da Wanderer getroffen, die gerade auf dem Trail unterwegs sind. Für mich selbst kam es damals nicht in Frage. Ich wollte einen Roadtrip machen. Aber für den zweiten Neuseeland-Besuch – der definitiv ansteht – werde ich es im Hinterkopf behalten. Tolles Interview!

  5. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im März 2016 - soschy on tour

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