Ist das Abenteuer oder kann das weg?

Leuchtend-rote Zelte am Rand imposanter Klippen, strahlend-weiße Kajaks auf winterlichen Seen, junge Menschen mit hippen Sneakern an den Füßen, die andächtig in den Nebel starren. Kunstvoll inszeniert, perfekt fotografiert. Plattformen wie Instagram und Pinterest sind voll davon. Garniert wird das Ganze mit großen Worten und mahnenden Zitaten.  Salz in den Wunden der gebrochenen Herzen von Büromenschen und Wochenend-Abenteurern.

Alles ist schön, alles ist toll. Ich möchte das auch. Nimm mich mit!! Aber die Fragen bleiben. Und nagen.

„Wieso schleppst du dein Kajak an diesen viel zu kleinen See, der auch noch halb gefroren ist?“

„Wie hat das Zelt in den viel zu kleinen Rucksack eines bekannten schwedischen Herstellers gepasst?“

„Warum zum Henker trägst du weiße Sneaker zum Wandern in der kanadischen Wildnis?“

„Und – Du baust nicht im Ernst DA dein Zelt auf, oder?“

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#liveauthentic doch selbst!

Was war zuerst da – Huhn oder Ei? Was war zuerst da – Foto oder Abenteuer? Gibt es diese Fotos, weil jemand großartige Abenteuer erlebt hat? Oder gibt es diese „Abenteuer“, weil jemand großartige Fotos machen wollte?

Beim Fotografieren sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion fließend. Bestes Beispiel sind Motive wie die Niagarafälle oder die Pyramiden von Gizeh. Eigentlich von den Zeichen der Zivilisation umringt, sehen sie mit dem richtigen Bildausschnitt aus wie aus einer anderen Welt. Das bewusste Formen ist es also, dass Fotos zu guten Fotos werden lässt. Lange bevor ein Bild entsteht, haben professionelle Fotografen dieses Bild schon genau im Kopf. Der richtige Blickwinkel, das richtige Licht. Da können auch schon mal mehrere Tage ins Land ziehen, bis die Wolkendecke wieder aufreißt und der perfekte Schnappschuss gelingt. Die Kunst liegt dabei darin, mit diesen Fotos die Geschichte des Motivs zu erzählen, ohne die Wirklichkeit zu sehr zu verbiegen.

Letzteres spielt in der Landschafts- und Outdoorfotografie eine besonders große Rolle. Die Natur ist doch das einzig Echte und Wirkliche, das uns heutzutage noch zur Verfügung steht. Und mit dem Draußensein kann der Mensch zu dieser Wirklichkeit Zugang gewinnen. Aber was bleibt davon, wenn wir selbst das bis zum Zerbrechen inszenieren?

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#neverstopexploring? Schon klar…

Nicht nur die Utensilien dieser Inszenierung sind die immer gleichen, auch ihre Schauplätze sind wenig kreativ. Da hätten wir den Eibsee in Bayern, Burg Eltz in der Eifel, das Matterhorn und natürlich den Banff Nationalpark in Kanada. Gefühlt war’s das dann auch schon.

Und was haben all diese Plätze gemeinsam? Sie liegen an Straßen, sind leicht erreichbar und werden von Touristen nahezu überrannt. Muss man Abenteuer erleben, um hierhin zu kommen? Nein. Ist man hier #lostinnature? Nope. Sind das die Orte, die Henry David Thoureau meinte, als er sagte: “In wilderness is the preservation of the world“?  I don’t think so!

Warum aber muss der gute Henry dann so oft als Bildunterschrift herhalten?

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#naturelovers? Wer’s glaubt…

Aber es ist nicht nur unsere Vorstellung von Abenteuer, die unter diesen ad absurdum geführten Darstellungen leidet, so wie einst Disney unsere Vorstellung von Liebe für immer zerstörte. Mittlerweile leidet darunter sogar die Natur selbst unter dem Follower- und Hashtag-Wahn. Und um die geht es doch bei der ganzen Sache eigentlich… oder etwa nicht?

Kürzlich las ich einen Blogartikel mit dem Titel „How Social Media is destroying our National Parks.“ Und der gab einfach exakt wieder, was ich mir selbst zuletzt auf meiner Wanderung zum Harding Icefield in Alaska dachte, als dieser dumme Dummmensch trotz zig Hinweisschilder und jeglicher natürlicher Vernunft über die filigrane, alpine Fauna trampelte, die es direkt neben einem der größten Eisfelder der USA auf blankem Fels wahrlich schon schwer genug hat. Und warum? Um sein Gesicht in ein mieses Selfie zu quetschen und das Ganze dann auf Instragram oder sonstwo hochzuladen. Am liebsten hätte ich seinen „Never stop exploring“-Hashtag genommen (den er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genutzt hat) und ihn damit zum Teufel gejagt.

Nun gut. Die Verfasserin jenes Artikels liebt jedenfalls die Natur und die Fotografie, und hat mit letzterem überhaupt erst wegen ersterem begonnen. Weil sie die Schönheit der Natur für sich – und natürlich auch für andere – festhalten wollte.

“I think of myself as caring about the environment first, thinking about the wildlife first, thinking about plants that cover the ground first, before I think about my shot. I still want things to be just as beautiful when I come back in 20 years with better equipment and more honed skills.”

In diesem Jahr betreute sie die Social Media-Kanäle des Grand Teton Nationalpark in den USA, ihrem wie sie selbst sagt allerliebsten Platz auf der Welt. Für diese Arbeit checkte sie natürlich regelmäßig alle mit dem Park in Verbindung stehende Hashtags. Und sah erschreckendes.

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Da war zum Beispiel das Bild mit über 10.000 Likes, das eine Person zeigt, die im Park direkt neben einem See wildzeltet und gleichzeitig ein schönes kleines Lagerfeuerchen für eine ganz tolle Idee hielt. (Die unschönen Überbleibsel dieser Aktion konnte sie noch Wochen später an diesem Ort sehen).

Da war das Bild, welches einen Messerhersteller bewarb, indem mit einem ebensolchen Messer in die Rinde eines lebenden Baums geritzt wurde.

Und da waren die vielen kleinen Vergehen, die dennoch große Nachwirkungen haben können. Menschen, die über Zäune klettern, wilde Tiere füttern, Blumen pflücken. Menschen, die illegal zelten, in geschützten Gewässern schwimmen und vieles mehr. Und für was? Für den besten Schnappschuss, ein paar neue Follower, ein dutzend hirnlose Kommentare und damit man eben endlich mal wieder Henry David Thoureau zitieren kann.

Und auch, wenn es vielleicht am Anfang nur ein paar einzelne sind: Diese paar einzelnen beeinflussen hunderte und die wiederum tausende und… Aber hey, ich meine… wenn jemand sein Bild mit #naturelover hashtagged, dann kann’s doch nicht so schlimm sein, oder?

Björn vom Blog „St. Bergweh“ hat genau dieses Thema vor ein paar Monaten auch schon mal in einem Artikel aufgegriffen, nachdem er über ein Bild eines bekannten Instagrammers und (angeblichen) Outdoor-Liebhaber auf Instagram gestolpert war. Auf diesem Bild sah er eine Person, die ihr Zelt sehrsehrsehr nah neben einem kleinen Bergsee aufgeschlagen hatte und in einem eBook-Reader las. (Nein, ihr habt Euch nicht verlesen! Die Person las in einem eBook-Reader!! 😉 )

Björn fand das berechtigterweise ziemlich doof und postete unter das Bild einen Hinweis, dass man sein Zelt keinesfalls so nah an einem See aufschlagen sollte, da diese häufig über sehr empfindliche Ökosysteme verfügen, welches durch solche Aktionen durchaus Schaden nehmen kann. Und dass man solche Fotos einfach nicht posten sollte, weil es viele Menschen gibt, die das vielleicht nicht wissen und das dann beim nächsten Campingtrip nachmachen würden (womit wir wieder beim Thema der Beeinflussung von oben wären). Die Reaktion des Instagrammers? Björn wurde blockiert, der Kommentar gelöscht. Na vielen Dank auch.

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Outdoor ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. (Das klingt jetzt irgendwie dämlich, aber so ist es nun mal.) Was mit einer rapiden Zunahme der Häufigkeit von den Jacken mit der Pfote in der Fußgängerzone begann, nimmt nicht zuletzt wegen Social Media mittlerweile absurde Züge an. (Wobei Jack Wolfskin-Jacken in der Fußgängerzone natürlich auch schon irgendwie absurd sind. 😉 )

Einerseits ist das natürlich ziemlich gut – nicht nur aus Outdoor-Blogger-Sicht. Der Mensch muss dringend wieder mehr Zugang zur Natur finden, aus seinen Städten rauskommen und erleben, was wirklich zählt. Nur wenn das passiert, nur wenn möglichst viele Menschen wirklich begreifen, dass unsere Erde schützenswert ist, weil sie sie selbst als schützenswert erlebt haben, werden wir vielleicht noch das ein oder andere retten können. Aber wie so oft gibt es eben auch eine Kehrseite der Medaille. Und falsche Propheten.

Ich finde es wird Zeit. Zeit umzudenken. Zeit zurückzudenken. Zeit an das zu denken, worum es uns doch bei all dem eigentlich geht: Draußen sein. Abenteuer erleben. Unsere wunderschöne Erde entdecken. Und Ihr werdet sehen: Eure epischen Motive kommen dann von ganz allein. Und werden noch viel schöner seine als alles, was ihr bisher gemacht habt. Weil sie echt sind. Und wahre Geschichten erzählen.

In diesem Sinne: #liveauthentic! Und #nevereverstopexploring. (Aber pass dabei bitte auf, wo Du hintrittst.)


Nachwort: Vielleicht hab ich zu viel Edward Abbey gelesen. Vielleicht bin ich einfach sentimental, weil Weihnachten naht. Irgendwie hab ich es jetzt jedenfalls tatsächlich geschafft, dass aus einem kleinen weißen unschuldigen Kajak ein Symbol für die Zerstörung dieser Welt wird. Das war eigentlich gar nicht der Plan, aber all diese Gedanken spuken einfach schon zu lange in meinem Kopf herum und wie so oft: Alles hängt irgendwie zusammen und dann kommt man vom Regen in die Traufe und von dort aus direkt ins weite Meer.

Jedenfalls möchte ich hier nochmal klarstellen, dass ich mit diesem Beitrag niemanden persönlich angreifen oder unterstellen möchte, dass all die schönen Fotos nur Fake sind.  Deshalb sind natürlich auch die Fotos in diesem Beitrag allesamt Stockfotos und keine konkreten Beispiele,


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Dieser Artikel ist ihm Rahmen des Outdoor Blogger-Adventskalenders entstanden. Eine Übersicht über die Türchen meiner lieben Kolleginnen und Kollegen findest Du hier bei aufundab.eu. Gestern waren die Phototravellers mit einem Beitrag über „Madeira im Winter“ dran. Und morgen folgt das Türchen vom Outdoor-Blog.


Hast Du in der Vergangenheit vielleicht ähnliche Dinge beobachtet – auf Instagram & Co oder gar live? Wie ist Deine Meinung dazu? Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

52 Kommentare

  1. Das erinnert mich an ein Bild eines Backpackers, der sich kürzlich auf einem Elefanten in Nepal sitzend hat ablichten lassen und daneben eine Lobeshymne auf den tollen Charakter der Elefanten schrieb. Und unten drunter die Kommentare, wie toll und grandios das nicht sei.
    Immerhin hat er meinen kritischen Kommentar stehen lassen – was mich gewundert, denn es ist bei Social Media Gang und Gäbe, Kommentare zu löschen, die nicht ins Bild passen. Man möchte schließlich ein einheitliches, heiles Bild erzeugen, keine lästigen Diskussionen oder kritisches Hinterfragen. Es geht um schöne Inszenierung, es geht um Sehnsuchtsvolle Landschaften und sonstigen Fernwehauslösenden Quatsch – auch wenn das Entstehen eines Bildes harte Arbeit war, bis mal Lichter und Equipment in der richtigen Position waren – und keineswegs spontane Schnappschüsse. 😉

    Allerdings: Ich ziehe meine Jack Wolfskin Jacke auch in der Fußgänger-Zone an. Immerhin war das Teil echt teuer und ich will es nicht immer im Schrank hängen lassen, außer wenn ich draußen unterwegs bin. Wenns beim shoppen schifft, zieh ich sie auch an. Nichts hält mich so trocken wie sie 😉

    • Fräulein Draußen Reply

      Ohje, wenn Tiere ins Spiel kommen, kann das echt nochmal ne Nummer fieser werden. Super, dass Du kommentiert hast und der Kommentar sogar online blieb.

      Deine Jack Wolfskin-Jacke sei Dir natürlich gegönnt!! 🙂 Du gehst ja damit zudem auch wandern und nicht ausschließlich in die Fußgängerzone und von der Haustür zur Garage. 😉

      Danke für Deinen Kommentar!
      Kathrin

  2. Selten so einen guten Artikel gelesen. Bei der Überschrift musst ich natürlich sofort klicken und schauen. Dann war ich unsicher, denn was ich überhaupt nicht mag sind Artikel, die alles verteufeln und der Blogger sich anscheinend einfach mal Luft machen wollte. Bei Deinem Artikel keinesfalls. Er ist wirklich kritisch geschrieben und dazu noch mit Humor bzw. Ironie. Und er regt definitiv zum nachdenken an. Sehr gelungen. Danke dafür.
    Liebe Grüße
    Steffi

    • Fräulein Draußen Reply

      Ui, danke Steffi! 🙂 Ich hab tatsächlich auch bewusst versucht, einen wie von Dir beschriebenen Mittelweg zu finden. Schön zu hören, dass mir das scheinbar gelungen ist.

      Liebe Grüße
      Kathrin

  3. Hi Kathrin!
    Wahnsinns Artikel! Viele der Gedanken habe ich mir auch schon gemacht, andere sind relativ neu. Um ehrlich zu sein, ich finde das Thema schwierig…

    Zur Selbstdarstellung:
    Mich kostet die Selbstdarstellung im Internet immer noch recht viel Überwindung, aber wer einen Blog schreibt, der muss sich auch zeigen. Dabei authentisch zu bleiben, ist gar nicht so leicht. Als Webseiten-Schreiber wollen wir Aufmerksamkeit, und um diese zu bekommen, müssen/sollten wir bestimmte Social Media Kanäle bedienen. Und auf diesen kommen dann bestimmte Dinge „gut an“ und andere wieder nicht. Um zum Beispiel bei Instagram aktiv sein zu können, brauchts ein Smartphone. Will ich eigentlich nicht haben, ich verbringe schon genug Zeit am Laptop online, aber Instagram reizt mich trotzdem.

    Zum Umgang mit der Natur:
    Wichtig ist, dass es so viele Leute wie möglich „richtig“ machen. Viele von uns wissen ja, wie man sich draussen ordentlich verhält, was es für Sonderregeln in Nationalparks etc. gibt. Und wenn Artikel wie dieser geschrieben werden, und Fotos ohne Vergehen an der Natur gepostet werden, bekommen vielleicht auch einige der eher unwissenden was darüber mit.

    Irgendwie muss da wohl jeder seinen Weg finden…

    Ich stimme Ilona übrigens zu, wenn man schon viel Geld für seine (Outdoor-) Klamotten ausgibt, sollte man sie auch nutzen 😉

    Liebe Grüße!
    Rike

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke Rike!! Schwierig ist das Thema definitiv. Und sicher auch nichts für Schwarz-Weiß-Seher.

      Beim Thema Selbstdarstellung stimme ich Dir voll zu. Ich denke aber schon, dass es gar nicht so schwer ist, einen Mittelweg zwischen bewusster Darstellung und übertriebener Selbstinszenierung zu finden. Und ich glaube bei vielen passiert das von ganz allein. Stark abhängig ist das natürlich von den Motiven, die einen zu dem verleitet haben, was man tut. Vereinfacht gesagt: Ibn ich in den Bergen, weil ich die Berge liebe und das möglichst gut in BIldern festhalten möchte? Oder möchte ich einfach gute Bilder haben und fahre deswegen in die Berge (weil das Thema vielleicht gerade zieht und Berge dankbare Motive sind)?

      Outdoorklamotten in der Fußgängerzone tragen geht natürlich klar!! Sie aber extra dafür zu kaufen ist natürlich etwas seltsam und wurde vor einiger Zeit zum Sinnbild der Outdoorisierung 😉 der Menschheit. Daher das Beispiel.

      Liebe Grüße und danke für Deinen Kommentar
      Kathrin

  4. Deinen Artikel könnte ich unterschreiben. Und dass man mit Fotos eine Stimmung transportieren möchte (und daher mal ein wenig mit Sättigung, Kontrast usw. spielt bzw. auch mal wirklich Farben korrigieren muss) – okay; Aber diese völlig übertriebenen Photogeshopten – bäh! Sooo tolle Erlebnisse scheinen solche Menschen ja doch nich gehabt zu haben, wenn man sooo viel photoshoppen muss. Auch viele Werbefotos für Regionen & Produkte sind einfach lächerlich gestellt (auch Filme). Und was könnte ich nun Erlebnisse schreiben, von Leuten die zum Blumenpflücken ins geschützte Hochmoor stapfen (und ich auf den Darwnin-Award für jene Person hoffe), Leute die in Wildruhezonen picknicken usw. – auch wer Müll rumliegen lässt ist wohl nicht tief in den Wald hinein weil man die Natur so sehr mag… Und Jack Wolfskin ist für mich seit deren Klagewelle gegen Omas die mal zufällig ein Tatzenmotiv wo mit einstrickten ein absolutes Nogo…

  5. Liebe Kathrin,
    mein Kommentar: „kann absolut weg“ – ich stimme Dir zu! Ich will keine Pseudo-Abenteuer sehen. Ich will eigene Abenteuer erleben. Und authentisch darüber berichten. Es ist verdammt schwierig, tolle „Abenteuer-Fotos“ zu machen, an locations die nicht schon alle kennen. Man muß dorthin. Und das ganze equipment muß mit. Das kostet Zeit, Geld und Vorbereitung. Ich sehe, daß auch Du Herzblut in deine Produktionen steckst. Laß uns auf Instagram vernetzen! Liebe Grüße, Sabine
    Ich werde mich demnächst von diesen eindeutigen Hashtags fernhalten.

  6. Interessanter Artikel, auch wenn ich zugeben muss, der Sache teils etwas zwiegespalten gegenüber zu stehen.
    Natürlich stimme ich zu, dass kein auch noch so tolles Foto es rechtfertigen kann, dafür ein Stück Natur in Mitleidenschaft zu ziehen, allerdings finde ich, dass Bilder auch nicht immer die Realität abbilden müssen.
    Das hängt selbstverständlich auch davon ab, zu welchem Zweck fotografiert wird – für einen journalistischen Tatsachenbericht ist es freilich weniger passend, „gebastelte“ Bilder zu verwenden. Aber wenn man einfach nur die Realität ein wenig „verzaubern“ oder schlicht künstlerische Ergüsse schaffen möchte, sehe ich da eigentlich keine Probleme.

    Ich finde auch, dass man den Menschen das kritische Nachdenken nicht immer und überall abnehmen sollte. Bei Zelten in absurden Positionen, Gepäckstücken die in keinem Verhältnis zum gezeigten Rucksack stehen usw. müsste eigentlich bei jedem, der willens ist, den grauen Klumpen im Kopf zu aktivieren, so etwas wie Skepsis auftauchen..
    Und wenn mehr Menschen zum Selbstdenken betreffend eines respektvollen Umgangs mit der Natur animiert würden, bräuchten wir vielleicht auch nicht so viele Gesetze, die etwa das Zelten da und dort usw. verbieten.
    Kurz: für mich sind die weltfremden/inszenierten Fotos nur Auswirkungen und nicht Ursache (letztere könnte nur erziehungstechnisch mit entsprechender Bewusstseinsbildung „behandelt“ werden). Aber hier drifte ich in idealistische Gewässer ab.
    Vielleicht könnten talentierte Selbstdarsteller ja auf diesem Gebiet sogar einen positiven Nutzen erzeugen, wenn sie es darauf anlegten…

    Und ja, auch ich trage meine Wandersachen gerne im Alltag, weil sie einfach gemütlich sind. 😉

    • Fräulein Draußen Reply

      Absolut! Ich mach das ja auch nicht anders. Ich hab sogar schon mal einen ganzen Strommasten aus einem Bild gephotoshoppt, weil das Bild einfach geil war und der Strommast blöd! 😉 Darum geht es aber auch gar nicht. Es geht viel mehr darum, dass ma nicht den Gorilla im Zoo geschickt fotografieren und das dann als Afrika-Urlaub verkaufen sollte. Denn das ist nämlich im übertragenen Sinne genau das, was da oft passiert.

      Und, die Realität zeigt halt leider immer wieder, dass das mit den Menschen und dem kritischen Denken oft nicht so richtig gut funktioniert. 😉

      Vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Kathrin

  7. Wie so oft macht es die Menge der „Vergehen“ im Verhältnis zur Anfälligkeit des Ortes aus. Das fängt schon bei den normalen Bergwegen an, wo oft die Schilder stehen, man möge doch die Wege nicht abkürzen. Sicherlich macht es nichts aus, wenn da einer am Tag den falschen Weg nimmt. Doch wenn da täglich 100 Menschen gehen entsteht halt bald ein neuer Weg und der Boden geht kaputt.
    Wir haben vor vielen Jahren mal als Jugendlich am Rachelsee im Nationalpark gezeltet. Einfach weil es dunkel wurde, wir müde waren und die Stelle ein Traum war. Am nächsten Tag haben wir erst geschnallt, dass es streng verboten war. Zwar haben wir wirklich keine Spuren hinterlassen, aber Jahre später fiel mir das wieder ein, als ich mal wieder an der Stelle war und das Treiben der Tagestouris sah.
    Neulich war der Biologe und Biobauer Volker Zahn im Talk von 1 zu1 auf Bayern 2. Der meinte, man solle es auch nicht übertreiben. Sinngemäß: Wie sollen sich Kinder für Natur interessieren, wenn sie keine Blumen mehr pflücken dürfen oder Tiere in die Hand nehmen? Wie immer ist Augenmaß und ein vernünftiger Mittelweg gefragt.
    Toller Bericht auf jeden Fall, mein bisheriges Highlight der diesjährigen Kalenderserie.

    • Fräulein Draußen Reply

      Wahre Worte! Definitiv wird hier und da zu viel verboten, aber oft kann man als Otto-Normal-Mensch eben auch gar nicht einschätzen, was für Schäden man verursacht oder verursachen könnte, wenn man z.B. abseits der Wege läuft oder irgendwo wildzeltet. Ich muss da immer an diese schwarze Flechte (Soil Crust) denken, die es z.B. viel im Arches NP in den USA gibt. Die ist so wichtig für das natürliche Gleichgewicht dort, braucht so unglaublich lange zum Entstehen und ist gleichzeitig mit einem falschen Tritt zerstört. Wären da nicht die vielen Hinweisschilder, würde man die vermutlich noch nicht mal sehen…

      Lieben Dank für Deinen Kommentar!

  8. Liebe Kathrin, unterschrieben!
    Auch ich fürchte, eines der Hauptprobleme ist – wie so häufig – die Masse. Wenn halt einer mal unwissentlich in einer besonders sensiblem Flora umherstolpert, ist das meist reparabel. Wenn es Tausende machen, irgendwann nicht mehr. Ich glaube, diese Ströme zu leiten (und anzuleiten?) – da liegt eine große Verantwortung auch bei Tourismusämtern, bei PR-Beratern. Genauso wie beim Blogger/Instagramer, YouTuber …. Und letztlich auch beim Nutzer. Was like ich? Zu welchem Thema äußere ich mich – ganz konkret – auch mal kritisch (selbst auf die „Gefahr“ hin, dass ich dann drei „Freunde“ weniger habe)? Wenn jeden Tag ein, zwei Köpfe/Influencer mehr überdenken, ob das große den-Shares-Hinterhergehetze und für-Likes-Fotografieren mehr als nur dem Aktienwert von Facebook hilft, wär’s doch ein Anfang. (Erkenntnis am Rande: Eine meiner alpinen Lieblings-Destinationen macht nichts (ich meine: NICHTS!) in Sachen Social Media. Und wie’s scheint, geht’s der Region damit gut. Zweite Erkenntnis: Enzensbergers Worte gelten weiterhin: Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet (und zur Schau stellt, ließe sich hinzufügen). Dritte Erkenntnis: Jeder ist Tourist, fast überall.) Und jetzt – trotzdem – erst mal: dir, mir, uns allen – tolle Weihnachts- und Outdoor-Abenteuer. Vielleicht ja sogar ohne Social-Media. #echtjetzt

    • Fräulein Draußen Reply

      #echtjetzt find ich gut!!! Den sollten wir etablieren. 🙂 Danke für Deinen Kommentar, liebe Nadine! Du hast mit allem sehr recht.

  9. Ja das Inszenieren machen wir auch gerne.
    Aber natürlich nur im erlaubten und sinnvollen Rahmen, denn sonst kommen die Nachahmer ohne Hirn…
    Wünschen Dir noch eine schöne Weihnachtszeit.

    Schöne Grüße aus Chamonix!
    Mario

    • Fräulein Draußen Reply

      Klar, gehört natürlich dazu. Aber ich bezweifle jetzt einfach mal, dass ihr irgendwo hinfahrt, Euer Zelt aufbaut, Foto macht, wieder heim fahrt… 😉

      Schöne Grüße zurück! Hoffe wenigstens in Charmonix liegt Schnee! 😉

  10. Hi Kathrin,
    mit dem Artikel triffst du den Nagel auf den Kopf. Hab mir zu dem Thema auch schon viele Gedanken gemacht, aber ich konnte das bisher noch nie so schön zusammenfassen. 🙂

    Im Zusammenhang mit dem Artikel fällt mir grad der Instagramaccount „youdidnotsleepthere“ (ich glaub mal er heisst so) ein. Da werden die Instagrammer die ihr Zelt an wirklich umöglichen Orten aufstellen schön vorgeführt. Ist dann ganz witzig wie manche dann gleich mit Klagen drohen. Ist halt ein teilweise ein Geschäft, da wird von Touristenorganisationen bezahlt damit schöne Instagram-Bilder produziert werden. Blöd wenn das dann entzaubert oder als Täuschung bloßgestellt wird.

    Das grosse Problem ist auch oft die Unwissenheit bzw. der Widerwille sich mit den Details auseinanderzusetzen.

    Beim Beispiel mit dem Bergsee: klar, wir Outdoor-Erfahrenen wissen das man einen Bergsee nicht mit Zahnpasta oder sogar menschlichen Ausscheidungen verunreinigen sollte. Und das der See mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit Nebel bildet der dann als Kondens im Zelt niederschlägt. Wahrscheinlich weiss das auch der betreffende Instagrammer. Nur die Leute mit den weissen Sneakers die sowas „hip“ finden und die die Natur nur nutzen um sich selbst zu inszenieren, denen ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit egal. Die wollen sich wahrscheinlich auch gar nicht mit der Theorie auseinandersetzen wie man möglichst schonend mit der Natur umgeht.
    An einem Lagerfeuer an sich ist ja auch nichts auszusetzen wenn es an der richtigen Stelle gemacht wird. Wenn da richtig vorgegangen wird wächst die Grasnabe auch in nullkommanichts wieder zu. Aber ein Feuer zur reinen Inszinierung zu machen, dort wo es auf dem Foto schön reinpasst, da kommt in mir auch die Wut hoch. Vor allem weil eben genau solche Aktion geradezu danach schreien gleich alles zu verbieten. Dadurch büssen dann alle für die sinnlosen Aktionen einzelner.

    Da sollten wir Outdoor-Blogger mit gutem Beispiel vorangehen und auch mal zeigen wie man es richtig macht.

    Danke auf jeden Fall für den lesenswerten Artikel, war sehr spannend zu lesen. Für mich das Highlight im Outdoor Adventskalender!
    Schöne Grüsse, Martin

    ps: Ich bin auch ein Fan von ebook-Readern. Habe mich lange dagegen gesträubt, aber wenn man es einmal gewohnt ist will man nicht mehr zurück. Man spart Gewicht und Platz im Vergleich zum gedruckten Buch. Und mit dem Kindle kann man in der Nacht ohne zusätzliches Licht lesen, so werden die Batterien der Stirnlampe geschont. Musst mal ausprobieren 🙂

    • Fräulein Draußen Reply

      Vielen Dank, Martin! Freut mich, dass es mir gelungen ist, die Thematik angemessen rüberzubringen. War tatsächlich gar nicht so einfach.

      Stimmt, über den Instagram-Account bin ich auch mal gestolpert. Gute Aktion!

      Das mit dem guten Beispiel kriegen wir hin, oder? 😉

      Ach, und, ich hab auch einen E-Book-Reader. 😀 Aber dass sogar so etwas mittlerweile mit dem einsamen Zelt am Bergsee beworben wird, zeigt ganz schön, welchen Stellenwert diese ganze Outdoorsache mittlerweile hat, vor allem natürlich auch in der Werbung. Und Werbung ist ja auch bei der ganzen Sache das Stichwort, wie Du auch schon gesagt hast.

      Viele Grüße
      Kathrin

  11. Hallo Katrin,

    ich weiß nicht, ob ein kleines weißes Boot jetzt echt das Zeug dazu hat, Symbol der Zerstörung der Welt zu werden. Aber das sagst du ja auch selbst. Ich weiß auch gar nicht, ob Naturinszenierungen dafür wirklich herhalten können. Davon kann man halten was man will, fest steht für mich, dass lange nicht jede Inszenierung von Abenteuer und Draußensein der Natur so weh tut wie die Sache mit dem Zelt-und-E-Reader-Foto. Fakt ist: Der Mensch an sich ist schädlich für die Natur. Sicher gibt es garantiert Menschen, die weniger schädlich sind als andere. Ich würde nie irgendwo meinen Müll liegen lassen, Blumen zertrampeln oder Tiere aufschrecken. Ich fahre nicht Auto und ich benutze keine Plastiktüten. Aber ich mache dreimal im Jahr eine Fernreise. Soviel zu dem Thema.

    Alles in allem gebe ich dir vollkommen Recht: Die Natur zu achten und zu respektieren, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.

    Liebe Grüße 🙂
    Anna

    • Fräulein Draußen Reply

      Hi Anna,

      grundsätzlich sind es ja zwei verschiedene Themen, die dann halt doch irgendwie zusammenhängen. Einmal die „Pseudo-Abenteuer“ und einmal das „cooles Foto wichtiger als Rücksicht und Verantwortung“. Das erste nervt in erster Linie einfach nur, das zweite geht da natürlich noch weiter. Der Zusammenhang besteht darin, dass es eben immer Vorbilder und ein X-faches an Nachahmern gibt. Daher die Verbindung zwischen Kajak und Umweltzerstörung. 😉 Und klar, wegen zertrampelten Blumen geht die Welt nicht unter. Aber wenn man im kleinen nicht sensibel ist, ist mans bei den großen Themen oft auch nicht.

      Viele Grüße
      Kathrin

      • Ich verstehe schon, was du meinst 🙂 Übrigens: Tschuldigung fürs Namen falsch schreiben. Noch beim Absenden ists mir aufgefallen :O

  12. Haha geil! So ein ähnliches Thema ist mir unlängst auch schon durch den Kopf gegangen! 😉
    Gut, dass du es aufgeriffen hast, jetzt brauch ich mir nicht mehr den Kopf zu zerbrechen.

    Ich finde sowieso 90% der Outdoor-Nature-We-are-so-fucking-free-and-do-nothing-else-Blogger ätzend und unauthentisch. Weshalb ich sie nicht lese. Aber es sind offenbar die, die am meisten Erfolg haben und von ihrem „Blogger-Dasein“ leben können.
    Wenn man, so wie wir „kleines Volk“ nur am Wochenende mal in die heimischen Berge geht, ist das ja wohl kaum noch spektakulär genug. Stinknormale Bergtour? LANGWEILIG offenbar. Einfach mal in der Sonne liegen? Ih wo! Viel zu fad! Zelten muss ich auch nicht dauernd, das gibt dann echt zuwenig fancy Bilder. Schande über uns!
    Ich tagge zwar auch oft mit #naturelovers, aber ich maße mir das als Biologin und „gernedraußenseierohnewaskaputtzumachen“ mal einfach an.
    Cooler Artikel! Einer der Besten bisher! Und das noch vor dem verdienten Urlaub, pfoah! Angeberin! 😉

    Lg
    Dani

    • Fräulein Draußen Reply

      Haha, freut mich, dass ich Dir das abnehmen konnte!! 😀 Danke für das Lob. Das ist Balsam für mein armes, geschundenes Klein-Blogger-Herz. Und, ganz klar: Den #naturelover darfst Du ja mal sowas von benutzen! …pssscht… manchmal hau ich sogar den #liveauthentic raus. Wenn auch mit etwas Widerwillen. Aber will halt auch was von dem Hashtag-Kuchen abhaben.

      Liebe Grüße
      Kathrin

  13. Was für ein grandioser Artikel! Du sprichst mir wahrhaft aus der Seele, auch wenn wir natürlich auch den ein oder anderen dieser Accounts abonniert haben. Wir gehen gern zelten und wo möglich auch mal wild, aber Plätze, wie die auf manchen der Bilder, haben wir noch nie gefunden. Es wäre schön, wenn diese lustigen Hashtags auch mal für echte Geheintipps oder Abenteuer und nicht für das 1000. Fotoshootings genutzt werden.

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke Saskia! Ich folge auch so einigen. 😉 Nicht zuletzt weil die Fotos ja zweifelsohne wunderschön anzuschauen sind. Die Freude darüber wird allerdings oft getrübt…

      Liebe Grüße
      Kathrin

  14. Sehr wahr und gut geschrieben! Gerade als Blogger haben wir hier eine Verantwortung und stecken sicherlich manchmal auch in einer Zwickmühle. Aber dann lieber authentisch berichten und etwas wirkliches erleben, als nur eine Illusion zu vermitteln.
    Aber ausgerechnet ein unschuldiges, weisses Kajak? Das trifft mich ins Herz.
    Viele Grüße,
    Rene

    • Fräulein Draußen Reply

      Ja, das mit dem kleinen, armen, weißen Kajak ist nur schwer zu akzeptieren. Aber: Mitgehangen, mitgefangen. 😀

      Danke Dir!
      Kathrin

  15. Toll geschrieben und sehr zutreffend! Ich sag nur: #lettherebesilence just for a while. #echtjetzt .Lg

  16. Klasse Artikel! 🙂
    Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich von der Outdoorszene mitterweile etwas distanziere. Es ist mir irgendwie zu viel Hype, zu viel Coolness, zu viel von allem. Von entspannten, ausgeglichenen Outdoorlern ist teilweise nix zu spüren …
    Bei den Reisebloggern ist es nicht anders, deshalb versuche ich inzwischen, einfach mein eigenes Ding zu machen. Einfach …
    Die Leser wollen natürlich Bilder sehen, die ihnen ein Gefühl von Freiheit oder Abenteuer vermitteln. Würde mich nicht anders gehen.
    Da ich aber eine reine Hobbyfotografin bin und auch keine Lust habe, Fotos stundenlang zu bearbeiten, kommen bei mir die Bilder mit minimalen Überarbeitungen auf den Blog.
    Nicht immer die schönsten, aber immer authentisch!

    Das mit der Verantwortung dem Leser gegenüber ist in der Tat ein kniffliger Drahtseilakt.
    Ich erinnere in meinen Beiträgen immer wieder an einen respektvolles Verhalten in der Natur, aber was sie letztendlich machen, liegt nicht in meiner Hand – leider.
    Liebe Grüße
    Nima

  17. Schön geschriebener Artikel. Mir ging plötzlich durch den Kopf: „Abenteuer ist was Du draus machst…“ Ich meine damit muss jeder an die einsamsten Orte um anderen von einem Abenteuer erzählen zu können? Abenteuer kann ich auch auf ausgeschilderten Wegen erleben. Auf dem Wales Coast Path zum Beispiel, auf einem Fernwanderweg, z.B. auf einem einsamen Path entlang der Klippen rund um St. Davids in Wales. Auf den Burgensteigen rund um meiner Heimatstadt auf einem selbst erstellten Rundweg in einer unbekannten Gegend.. Auf den ausgeschilderten Wanderpfaden im Nationalpark Bayerischer Wald.. – Oder bei einem Marsch durch die Stadt zu Oma, bei Eisregen, in der – nach der Warnung der Wettervorhersage am Vortag gerade noch rechtzeitig gekauften – Goretex-Outdoor-Jacke 😉

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke!! Und, selbstverständlich hast Du recht! In diese Richtung war das auch gar nicht gemeint. Mir ging es eher um die Intention, die dahinter steckt. Das Foto macht kein Abenteuer, aber ein Abenteuer macht das Foto. 🙂

      Liebe Grüße
      Kathrin

  18. Pingback: Bergweihnacht Vegetarisch › Outdoor-Blog.org

  19. Ha! Dieses Thema beschäftigt gerade glaube ich sehr viele Leute auf Instagram. Es langweilt mich wirklich auch sehr, immer die selben Bilder von Burgen, Bergen und Hängebrücken zu sehen, zu denen die Leute regelrecht hinpilgern, als gäbe es nichts anderes mehr auf der Welt. Als ich neulich unter eins meiner Fotos schrieb „Sorry, no kayak in this photo“, meinte ich das mit einem großen Augenzwinkern, ein paar fühlten sich dadurch allerdings SEHR auf den Schlips getreten… 😀 Bereitschaft zur Selbstreflektion ist da nicht immer vorhanden. Wie man ja auch an dem Löschen von Kommentaren usw sieht.

    • Fräulein Draußen Reply

      Haha! Das hab ich damals gesehen und musste sehr schmunzeln, weil ich da diesen Artikel quasi gerade fertig geschrieben hatte. 😀

  20. Klasse Artikel! Es ist schade, dass die Leute nur noch irgendwo hinreisen wollen um genau denselben Shot zu bekommen. Die meisten von uns nutzen wahrscheinlich auch einige dieser Hashtags auch ich verwende #neverstopexploring. Was wirklich erschreckend war fand ich, als ich in Bali angekommen bin. Auf einmal kannte ich einige Cafés schon von Instagram, wusste von verschiedenen Plätzen bereits. Aber nicht nur ich, natürlich tausend andere auch und das ist vielleicht einer der Gründe warum Canggu und generell Bali schon komplett überlaufen sind. Man muss wirklich aufpassen für was man Werbung macht und jeder unserer Schritte hat eine Wirkung auf das Ökosystem, auf die Gesellschaft, usw. Das heißt, wie wir uns für ein spezielles Foto in einer anderen Kultur anziehen, hat einen Einfluss. Was wir konsumieren in einem bestimmten Land, hat einen Einfluss. Trinken wir immer unser Getränk mit Plastikstrohhalm? Wo landet der? Gibt es ein Müllsystem, usw.? Die Weltreise hat mir bisher gezeigt wie viel Einfluss jeder von uns hat. Heißt, nehme ich bei jedem Einkauf keine Plastiktüte sind das ganz schön viele Plastiktüten die ich zumindest nicht bis ins Hotel schleppe nur um es dort wieder in den Eimer zu geben…
    Genial finde ich wie du aufzeigst, was für Nachwirkungen es haben kann irgendwo in der Wildnis in einem Nationalpark zu zelten. Hoffentlich lesen das sehr viele sogenannte ‚Adventurer‘. Liebe Grüße aus Chiang Mai, Melanie

  21. Hallo Kathrin,

    der Artikel triffts! Mich beschäftigt das Thema auch schon seit einiger Zeit und mir geht das von dir beschriebene Verhalten auch gehörig auf den Geist.
    Es ist einfach die Respektlosigkeit gegenüber der Natur, die mit solchen Bilder salonfähig gemacht wird. Das fängt mit dem Zelten am Bergsee an und hört beim Festhalten von Meeresschildkröten für das perfekte Selfie auf.
    Durch die sozialen Medien ist da ein richtiger Wettstreit entbrannt und ich habe keine Ahnung, wie dieser zu stoppen ist.
    Ein Highlight war da dieses Jahr bei uns echt Norwegen. Der Preikestolen war trotz schlechtem Wetter überfüllt mit Zelten. Eine größere Familie hatte ihr Einweggrills mitgebracht und die Aluschalen einfach liegen lassen bzw. in den Fjord gekickt. Auch als wir auf der Trolltunga waren, kamen uns Jungs entgegen, die mit Chucks, Jeans und Sweater unterwegs waren und mit einem Pop-Up-Zelt aufm Rücken tatsächlich vor hatten da oben zu nächtigen. Geht’s noch? Nicht nur, dass die Natur durch das unüberlegte Handeln zerstört wird: Manche bringen sich auch echt selbst in Gefahr.

    Liebe Grüße und schöne Feiertage
    Christian

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  23. Eine wirklich tolle Zusammenfassung, die auch meinen Frust trifft. Ich habe auf meinen Reisen ähnliches erlebt und in einen kleinen Artikel gepackt. Getauft habe ich ihn „180 Degree“. Er zeigt die schöne Katalogwelt und den Blick hinter die Kamera. Das perfekte Bild gestellt und auf Kosten der Natur.
    Wirklich traurig!

  24. Ein sehr interessanter Artikel – danke dafür! Ich finde ja zweierlei schräg, wobei es evtl. einen Zusammenhang gibt: 1. die manische Sinnaufladung von Werbung, für die Outdoor zur Zeit ein besonders beliebtes Vehikel zu sein scheint und 2. die ständige Selbstinszenierung im Internet.

    1: Meinem Eindruck nach geht Werbung immer weniger auf das eigentlich beworbene Produkt ein und versucht immer mehr, ein Lebensgefühl damit zu verknüpfen. Ein Stück weit funktioniert das bestimmt, inzwischen finde ich es oft extrem übertrieben und damit lächerlich. Und eine Funktionsjacke macht mich genau so wenig frei wie eine elektrische Zahnbürste.

    2: Ich wage es mal, als Blogger Selbstinszenierung im Internet zu kritisieren. Na klar, wenn man etwas eindrucksvolles erlebt, dann dokumentiert und teilt man es gern. Aber oft entsteht bei mir der Eindruck, es geht gar nicht um Erlebnisse, sondern nur um die Darstellung der eigenen Persönlichkeit als abenteuerlustig, frei oder was auch immer. Die Realität ist doch: Ein richtiges Abentuer macht nicht immer Spaß und bietet nur wenige Gelegenheit für perfekte Fotos. Es taugt nur bedingt zur Inzensierung, dafür erlebt man halt was.

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