Ein imposanter, roter Sandsteinfelsen mitten im Nirgendwo des australischen Hinterlandes, der sich wie aus dem Nichts aus dem kargen und staubigen Buschland erhebt und in tiefem Rot in der Abendsonne glüht.

Wer kennt sie nicht, diese Bilder, die unendliche Freiheit, grenzenlose Weite zeigen. Kurzum: Outback pur. Uluru aka Ayers Rock ist gemeint – ist doch klar! Oder etwa nicht?

Nun… nicht unbedingt! Denn ich rede hier von einem ganz anderen Felsen. Von einem, der über 2.000 Straßenkilometer von Ayers Rock entfernt ist. Von einem, der nicht mal annähernd die halbe Million Besucher auf die Waage bringt, obwohl er in seiner Gestalt ganz ähnlich, wenn auch vielleicht alles in allem nicht ganz so eindrucksvoll ist, was Form und Exposition angeht.

Und trotzdem muss sich Mount Augustus aka Burringurrah (so lautet der Aborigine-Name für den Berg) keinesfalls hinter Uluru verstecken. Und das könnte er auch gar nicht, selbst wenn er wollte! Denn mit 14 km Länge, 5 km Breite und 1.106 m Höhe ist er rund 2,5 mal so groß wie sein bekannter Felskollege, und sein zugrundeliegender Sandstein mit rund 2,5 Milliarden Jahren übrigens auch 3 mal so alt.

Warum er trotzdem nur einen Bruchteil der Besucher hat? Nunja, es könnte jedenfalls daran liegen, dass man vom Highway an der Westküste aus ca. 450 km auf Schotterstraßen durchs Outback zurücklegen muss, vom Karijini Nationalpark im Norden rund 400 km und von Meekatharra im Südosten immerhin noch 360 km, um zum gleichnamigen Nationalpark zu kommen. Und wenn man so wie wir vom Süden über Mullewa und Murchison anreist, sogar noch einige mehr. Ja, der Weg ist weit. Und staubig. Auch wenn die Straßen einigermaßen gut in Schuss sind, sofern es vorher keine übermäßigen Regenfälle gab, sodass der Weg zum vermeintlich weltgrößten Felsen durchaus auch ohne 4WD machbar ist.


Werbehinweis: Meine Reise fand in Zusammenarbeit mit Tourism Western Australia statt. Daher enthält dieser Artikel Werbelinks zu meinem Kooperationspartner. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst.


Ohne geht’s nicht! Für die Anfahrt zu Mount Augustus sind von jeder Richtung aus mehrere hundert Kilometer Schotterstraße zu überwinden.

Und auch am Felsen angekommen lässt das rustikale Outback-Erlebnis nicht nach! Denn ein rudimentärer Caravanpark mit einigen Blechhütten ist alles, was man hier vorfindet. Umringt von einigen Palmen, die diesen Ort trotz aller Einfachheit wie eine Oase in der Wüste erscheinen lassen. Geteilt haben wir uns den Schatten der Bäume und den Blick auf Burringurrah vor allem mit einer Kuhherde, die jede Nacht zu Besuch kam und das mühsam bewässerte Gras mähte. Und die Duschen mit einem Heer an Fröschen, die aber – so versichert der Betreiber auf Aushängen in den Toiletten – alle ganz freundlich sind. Die übrigen, menschlichen Besucher konnte man an einer Hand abzählen (und braucht dabei noch nicht mal alle Finger).

Wanderung auf den Gipfel von Mount Augustus

Nachdem die Besteigung von Uluru erst vor Kurzem aus Respekt vor den Aborigines endlich offiziell verboten wurde, ist die Wanderung auf den Gipfel von Burringurrah von der Aborigine-Gemeinde vor Ort offiziell abgesegnet worden. Allerdings nur im Tageslicht (was übrigens auch für die anderen Wanderungen im Park gilt)!

Und so klingelt der Wecker am Tag nach unserer langen Anreise noch vor jeglichem Anzeichen von Tageslicht. Denn obwohl es erst Ende Oktober und damit eigentlich noch australischer Frühling ist, hatten wir in den Tagen zuvor bereits mehr als einmal die 40-Grad-Marke geknackt.

Auf dem Loop Drive, der einmal rund um Mount Augustus führt, geht es in ca. 20 Minuten vom Caravan-Park aus Richtung Trailhead. Mittlerweile ist auch die Morgendämmerung da, es ist ja immerhin schon 5:30 Uhr! Und trotzdem schon ganz schön warm. Glücklicherweise liegt der Trailhead auf der Südseite des Berges, sodass wir zumindest für die ersten Kilometer noch im Schatten wandern können. Der Schweiß läuft trotzdem in Strömen, und die 3 Liter Wasser im Rucksack, die am Ende der Wanderung alle leer sein werden, machen es nicht gerade besser.

Burringurrah im Morgenlicht
6 Stunden klingt erstmal ganz schön übertrieben für 12 km und 650 Höhenmeter, aber zumindest bei hohen Temperaturen sollte man die durchaus einplanen
Der Wanderweg auf den Gipfel von Mount Augustus ist durchgehend gut sichtbar und mit blauen Punkten markiert.

Glücklicherweise krabbelt die Sonne erst über den Berggipfel, als wir den steilen Teil der Wanderung geschafft haben. Und da hier weiter oben mehr Wind weht, bleibt es trotzdem erträglich. Schon seit den ersten Höhenmetern ist die Aussicht auf die umliegende Weite des endlosen australischen Outbacks einfach nur nicht von dieser Welt. Und je höher wir kommen, desto besser wird sie.

Wir wandern durch hohe Gräser und ein trockenes Flussbett. Die ersten Eidechsen sind auch schon wach und machen nur unter großem Protest den Weg frei. Gegen Ende kommt nochmal ein steiles Stück und dann ist es nach 650 Höhenmetern und 6 Kilometern geschafft! Wir stehen auf dem vermeintlich größten Stein der Welt (der eigentlich gar kein Monolith ist, da er aus mehreren Gesteinsarten besteht) – und es gibt sogar ein bisschen Schatten unter den Büschen. Und eine Picknick-Bank, deren Einzelteile ein ehemaliger, langjähriger Ranger des Nationalparks mühevoll hier hoch getragen hat – genauso wie die Steine und den Zement für den Gipfel-Steinhaufen nebenan! Erst nachdem man auf dessen Spitze steht erkennt man das ganze Ausmaß dieses Erlebnisses: Egal zu welchem Grad von insgesamt 360 man sich dreht – es gibt nichts, dass den Blick auf seinem Weg über das rote Buschland stoppen könnte. Das ist Australien. Das ist es, weshalb ich diesen Roadtrip machen wollte.

Beim Abstieg kann man die endlos weiten Blicke über das Outback so richtig genießen.
Roter Stein, Gräser und flache Büsche – Burringurrah ist im Gegensetz zu Uluru bewachsen
Der Gipfel von Mount Augustus – mit Pausenbank inklusive Gipfelbuch und Steinhaufen, der sich hervorragend als Aussichtspunkt eignet.

Wir tragen uns ins Gipfelbuch ein, dessen Seiten zwar in einer gewissen Regelmäßigkeit, aber nicht gerade übermäßig befüllt werden und machen uns an den Abstieg. Die Sonne hat in Sachen Hitze mittlerweile ganz schön zugenommen und wir sind froh, dass es nur noch bergab geht. Für die Eidechsen die mittlerweile in großer Vielzahl das rote Geröll bevölkern, kann es gar nicht heiß genug sein! Selbiges würde wohl auf die Olivpythons zutreffen, die in dieser Gegend zuhause sind. Davon können wir uns aber leider nicht mit eigenen Augen überzeugen. Als wir nach rund 5 Stunden die Klimaanlage unseres Campers auf Anschlag drehen können, sind wir als homoiotherme Spezies ziemlich froh. Auch wenn das Thermometer nur 36 Grad zeigt. Das geht ja fast noch..

Keiner genießt die Sonne so wie die kleinen Echsen am Wegesrand!
„36 Grad und es wird noch heißer…“

Auf den Spuren der Wadjari Aborigines

Nach dem Konsum weiterer Liter Wasser und ausreichender Abkühlung durch die Klimaanlage machen wir uns auf, auch noch den Rest des Parks auf dem Rundweg zu entdecken. Da wir uns wandertechnisch mit dem Gipfelsturm definitiv mehr als ausreichend verausgabt habt, lassen wir dabei allerdings die anderen kleineren Wanderungen zu Aussichtspunkten und einer Felsschlucht links liegen und konzentrieren uns auf die Felsmalereien, die an mehreren Stellen zu sehen sind und nur wenige 100 Meter Fußmarsch erfordern. Denn auch wenn die heutigen Aborigines der Gegend das Besteigen von Mount Augustus erlauben: Für sie ist und für ihre Vorfahren war er ein ganz besonderer Ort! Wenn auch nicht unbedingt ein Ort der Freude.

Denn der Legende nach handelt es sich bei Burringurrah um einen Wadjari-Jungen, der sich während einem Männlichkeitsritual gegen das Gesetz aus dem Staub macht und zur Strafe während der Verfolgungsjagd einen Speer durch die rechte Wade gejagt bekommt und anschließend getötet wird. Seine tote Gestalt ist in der Form von Mount Augustus verweigt, mit Edney’s Knob als Speerspitze.

Rund um Mount Augustus sind mehrere Felsmalereien von Aborigines zu sehen

Sonnenuntergang am Emu’s Lookout

Den armen Aborigine-Jungen hab ich im Berg nicht wiedererkannt. Auch nicht von Emu’s Lookout aus, einem Hügel ca. 6 km von der Nationalparksgrenze entfernt, von dem aus man den Berg auf der einen Seite und gleichzeitig den Sonnenuntergang auf der anderen Seite in seiner ganzen Pracht betrachten kann. Was für ein großartiger Tag und was für ein großartiger Ort, um diesen zu beenden. Stilecht mit einem eiskalten Cider aus der Camper-eigenen Kühltruhe in der Hand. Glücklich sein kann manchmal so einfach sein.

Sonnenuntergang gucken vom Emu’s Lookout

Reisetipps für Deinen Besuch im Mount Augustus Nationalpark

Wenn Du den weiten Weg zu diesem wunderbaren Ort auf Dich nehmen möchtest, sind folgende Hinweise sicher hilfreich für Deine Reise.

Beste Reisezeit für Mount Augustus

Die beste Reisezeit für die Region ist April bis Oktober. Zu dieser Zeit bleiben die Temperaturen noch einigermaßen im Rahmen. Den australischen Sommer von Dezember bis März sollte man auf jeden Fall meiden.

Anreise zum Mount Augustus Nationalpark

Um zu Mount Augustus zu kommen, sind von jeder Richtung aus mehrere hundert Kilometer Schotterpiste zu fahren. Diese sind zwar in der Regel relativ gut befahrbar, können aber nach Regenfällen auch  die ein oder andere geflutete Passage beinhalten oder nach sehr viel Regen sogar unpassierbar sein. In letzterem Fall wird man aber von Schildern rechtzeitig über eine Sperrung der Straße informiert oder kann den Zustand der Straßen vorher auch auf dieser Webseite online nachsehen. Falls es nicht zu nass ist, ist für die Anreise theoretisch kein Allrad-Gefährt notwendig. Falls es sich um ein Mietauto handelt, solltest Du auf jeden Fall darauf achten, dass Dein Vermieter das Fahren von unbefestigten Straßen erlaubt. Zudem sollten Ersatzreifen, jede Menge Trinkwasser und ausreichend Benzin (am besten auch 1-2 Reservekanister) dabei sein. Zivilisation und andere Fahrzeuge sind rar auf diesen Strecken.

Der Titel „Largest Rock in the World“ ist eigentlich nicht richtig, denn ganz genau genommen ist Burringurrag kein Monolith

Übernachten im Mount Augustus Nationalpark

Zum Übernachten gibt es einzig und allein den Mount Augustus Tourist Park auf der Nordseite des Berges. Hier gibt es Campsites mit und ohne Strom sowie einfache Unterkünfte für Reisende ohne Campingmöglichkeit. Und auch sonst hat der Caravan Park alles, was man braucht: Benzin und Diesel (wobei letzterer scheinbar manchmal ausgeht), Duschen, eine Gasflaschen-Refill-Möglichkeit, einen kleinen Shop mit den nötigsten Dingen und sogar Bier gibt es zu kaufen. Trinkwasser und Vorräte solltest Du trotzdem für die gesamte Zeit mitbringen, denn die Vorräte im Shop sind sehr begrenzt und zudem teuer.

Die einzigen Gäste auf dem spartanischen Mount Augustus Campingplatz, der einzigen Unterkunftsmöglichkeit weit und breit.

Wandern im Mount Augustus Nationalpark

Es gibt insgesamt 10 Wanderwege im Park. Der längste davon ist mit 12 km und rund 650 Höhenmetern der Trail auf den Gipfel, für den man 5-6 Stunden einplanen sollte. Der Gully Trail ist eine Variation dieses Summit Trails, der auf der ersten Hälfte durch ein trockenes Flussbett verläuft und nochmal deutlich anspruchsvoller und anstrengender ist. Anschließend trifft er auf den Normalweg.

Neben der Gipfelwanderung gibt es diverse kürzere Wanderwege, bei denen zwischen 300 m und 6 km Länge alles dabei ist. Diese führen zu Aussichtspunkten, Höhlenmalereien und einer Felsschlucht.

Neben ausreichend Sonnenschutz in Form von einem breitkrempigen Hut, langer, luftiger Kleidung und Sonnencreme solltest Du auf jeden Fall immer genug Trinkwasser dabei haben. Für den Summit Trail bedeutet das in etwa 3-4 Liter! Und immer lieber zu viel als zu wenig. Außerdem sind regelmäßige Pausen wichtig, damit der Körper nicht überhitzt. Hierfür gibt es beim Aufstieg auf den Gipfel glücklicherweise den ein oder anderen schattigen Spot. Am besten versuchst Du aber trotz aller Vorkehrungen einfach, der Hitze und der Sonne bestmöglichst zu entfliehen, indem Du möglichst früh startest. Allerdings nicht vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang! Die Aborigines werden es Dir danken.

Burringurrah im frühen Morgenlicht vom Yallowerie Hill Lookout aus gesehen

Mehr Infos zum Mount Augustus Nationalpark findest Du auf der Seite des Parks And Wildlife Service. Und noch viel mehr Inspiration für Deine Reise nach Westaustralien findest Du hier auf der Webseite von Tourism Western Australia!


…und jetzt Du!

Warst Du auch schon mal im endlosen Outback Westaustraliens unterwegs und weißt, wie es sich anfühlt, wenn man kilometerweit nichts sieht als roten Staub und karges Buschland? Und hast Du vielleicht schon mal Mount Augustus einen Besuch abgestattet? Erzähl mir doch ein bisschen davon unten im Kommentarfeld!

4 Comments

  1. Wie immer ein toller Bericht. Die Eidechse auf den Stein ist aber auch trollig 🙂 Danke…

    • Fräulein Draußen Reply

      Vielen Dank Dir! Ja, die waren super. 🙂

  2. Ein echt toller Bericht, hab so richtig Lust bekommen, Westaustralien wieder zu erkunden 🙂 Bei welcher Autovermietung hast du dein Auto gemietet ? Warst du zufrieden damit? Leider hatten wir letztes Mal keinen 4WD, so dass wir einige Wege unterwegs nicht fahren durften.

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke Dir! Das ist doch schön. 🙂 Der 4WD-Camper ist von Cheapa Campa, einer Untermarke von Apollo, bei der man diesen und andere Camper für einen verhältnismäßig günstigen Preis bekommt, weil älter. Das Auto war in Ordnung und wir hatten unterwegs keinerlei Probleme. Für anspruchsvolle Offroad-Strecken ist so ein Camper natürlich nur bedingt geeignet, 4WD hin oder her. Aber für „normale“, unbefestigte Straßen war der auf jeden Fall eine gute Wahl!

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