Für jemanden wie mich, der Zeit seines Outdoorlebens mit kleinen Gaskocheraufsätzen und leichten Töpfen aus Titan oder Aluminium gekocht hat, kommt so ein Systemkocher wie der Jetboil MiniMo schon ziemlich fancy daher. Und auch ziemlich schwer! Ob sich das Plus an Gewicht und Packmaß, lohnt, konnte ich in den letzten Monaten auf einigen Trekking- und Wandertouren herausfinden.

Der MiniMo von Jetboil im Einsatz
Bis ans andere Ende der Welt ist der Jetboil MiniMo mit mir gereist! Hier im Cradle Mountain NP auf Tasmanien.

Die Vorteile des Jetboil MiniMo

+ Sparsamer Verbrauch

Eine der größten Stärken des Jetboil MiniMo und seiner Systemkocherkollegen ist definitiv der sparsame Verbrauch, der beim MiniMo bei ca. 8-9 Gramm pro Liter liegt. (Je nach Temperatur und Windstärke kann der Verbrauch natürlich variieren.) Jetboil gibt 8,3 Gramm pro Liter an. Damit liefert der Kocher einen ordentlichen Wert ab, auch wenn es Systemkocher gibt, die noch einen Tick sparsamer sind.

+ Schnell

Der niedrige Verbrauch geht direkt einher mit der Schnelligkeit. 750ml Wasser kochten in meinem Test, natürlich wieder abhängig von den äußeren Bedingungen, in etwa 3:20 Minuten. Jetboil gibt 2:15 Minuten für 500ml an.

+ Auch im leichten Minusbereich einsetzbar

Ein Faktor, den man beim Kocherkauf auf jeden Fall im Blick behalten sollte, ist der Temperatur, in dem man ihn einsetzen will. Viele Gaskocher haben Probleme im Minusbereich, vor allem solche, die direkt auf die Kartusche geschraubt werden. Laut Jetboil ist der MiniMo bis -6 Grad einsetzbar. Ich konnte es selbst dank unseres frühlingshaften Winters nicht ausprobieren, aber andere Testberichte bestätigen diese Angabe.

Der MiniMo von Jetboil im Winter
Laut Jetboil ist der MiniMo bis zu -6 Grad einsetzbar.

+ Größerer Topf-Durchmesser

Ein Kritikpunkt an anderen Kochern von Jetboil war immer wieder, dass die Töpfe zu schmal seien und man deshalb nur umständlich aus dem Topf löffeln könne. Mit dem MiniMo ist Jetboil dieses Problem mit Erfolg angegangen. Auch mit normal langem Besteck kann man ohne Sauerei direkt aus dem Topf löffeln. Das hat auch den Vorteil, dass das Essen in dem vom Kochen noch warmen Topf, der zusätzlich mit einem Neoprenmantel isoliert ist, schön lange warm bleibt.

+ Aufsatz für normale Töpfe verfügbar

Wenn man doch mal einen größeren Topf braucht, hat man die Möglichkeit, sich für wenig Geld einen einfachen Edelstahl-Aufsatz (35 Gramm) dazu zu kaufen und mit diesem einen beliebigen Topf auf dem Jetboil MiniMo zu verwenden. Einige Vorteile des Systemkochers sind damit aber natürlich zunichte, weshalb das für mich nur eine Notlösung wäre.

Praktisch: Der Pot Support von Jetboil
Mit dem „Pot Support“ lassen sich auch andere Töpfe mit dem MiniMo verwenden! (Nicht im Lieferumfang enthalten.)

+ Standfest mit Zubehör

Weil alle Teile des Jetboil fest miteinander verschraubbar sind und dank eines kleinen Standfußes aus Plastik, der im Lieferumfang enthalten ist, ist der Kocher sehr standfest. Kein verrutschen des Topfes, kein Umkippen auf Grasboden usw.

+ Isolierter Griff und Topf

Der Topf ist wie schon erwähnt mit einem Neoprenschutz ausgestattet. Der hält nicht nur das Essen warm und sorgt für eine schnellere Kochzeit, sondern ist auch eine wirksame präventive Maßnahme gegen verbrannte Finger. Zusammen mit dem isolierten, ausklappbaren Griff ist der MiniMo in jeder Phase des Kochens sicher und einfach zu handhaben. Den Neopren-Topfwärmer gibt es übrigens in verschiedenen Designs und Farben und falls man sich nicht entscheiden kann: Er ist auch austauschbar!

+ Einfache Zündung per Knopfdruck ohne Feuerzeug

Dank Piezozündung muss man nur einen kleinen Knopf drücken, um den Kocher in Gang zu bringen. Das ist einfach und praktisch und funktioniert auch bei starkem Wind. Ein Ersatzfeuerzeug sollte man natürlich trotzdem immer dabei haben.

Der Jetboil MiniMo ist stufenlos regulierbar
Die Hitzezufuhr lässt sich stufenlos regulieren

+ Stufenlos und gut regulierbare Hitze

Die Hitze des Jetboil MiniMo lässt sich wirklich extrem gut und stufenlos regulieren. Das ist beim einfachen Wasserkochen zwar relativ egal, falls man aber doch mal ein kleines Gericht im Topf zubereiten möchte, durchaus hilfreich.

+ Deckel mit Ausguss-/ Trinköffnung

Der Plastikdeckel des MiniMo hat eine kleine Öffnung zum Trinken und Ausgießen, welche für beide Zwecke auch durchaus ganz gut nutzbar ist.

Praktisches Detail des Jetboil MiniMo
Praktisch: Das Zubehör des Kochers passt in den Topf – inklusive Gaskartusche!

+ Einfach verstaubar

Ein Handgriff in den Rucksack und schon hat man die gesamte Kochausrüstung in der Hand. Das geht, weil eine 100 Gramm-Gaskartusche zusammen mit den anderen Kleinteilen direkt im Kochtopf des MiniMo Platz findet.

+ Einfacher Aufbau

Auch der Aufbau des Kochers ist schnell geschehen: Deckel auf, Kleinteile raus, Kartusche an den Kocher schrauben, Topf auf den Kocher schrauben, Wasser rein, Deckel drauf, fertig. Nach Bedarf noch die Standhilfe an die Kartusche klipsen und los gehts!

Die Standhilf edes Jetboil MiniMo

Die Nachteile des Jetboil MiniMo

Relativ hohes Gewicht

Das verhältnismäßig hohe Gewicht ist sicher ein Nachteil des Jetboil MiniMo. Ob sich dieses Mehrgewicht lohnt, hängt vor allem vom Einsatzzweck ab. (Mehr dazu im Fazit.)

Verbrennungsgefahr beim Deckelöffnen

Für mich einer der größten Nachteile im Test: Der Deckel wird beim Kochen, im Gegensatz zum isolierten Topf und Griff, sehr heiß. Zusätzlich ist die Gefahr groß, dass man sich beim Öffnen des Deckels am austretenden heißen Wasserdampf die Hand verbrennt. Bei „normalen“ Kochtöpfen besteht dieses Problem nur bedingt, da der Deckel hier in der Regel nur lose auf dem Topf liegt und mit einer schnellen Bewegung und ggf. einem kleinen Zangengriff als Hilfsmittel schnell entfernt ist. Der Plastikdeckel des MiniMo sitzt jedoch fest auf dem Deckel und bedarf dem unmittelbaren Einsatz der Hände. Nach einigen schmerzhaften Versuchen bin ich dazu übergegangen, den Deckel nur noch nur noch mit Hilfe des Ärmel oder ähnlichem zu öffnen.

Der Jetboil Minimo im Test
Verbrennungsgefahr! Beim Öffnen des Plastikdeckels sollte man Vorsicht walten lassen.

Begrenzte Kochmöglichkeiten

Der MiniMo und eigentlich alle Systemkocher sind vor allem für eins geeeignet: Zum Wasserkochen. Und da machen sie ihre Sache sehr gut. Einfache Instantgerichte wie Fertigreis, Aisa-Nudeln oder Kartoffelbrei sind auch noch machbar, aber wer sich auch mal ne Tofuwurst braten will, ist mit dem Jetboil MiniMo sicher nicht gut beraten.

Unpraktische Zwischengröße

Der Topf des MiniMo fasst 1 Liter, wobei das Wasser dann auch wirklich bis obenhin steht. Realistischer sind maximal 0,9 Liter. Für Trekkingnahrung, bei denen man das Wasser direkt in die Tüte schüttet, ist der MiniMo für zwei Personen ausreichend. Deutlich günstiger und damit bei mir viel häufiger im Einsatz als diese Trekkinggerichte sind aber Dinge wie Instantreis oder Fertignudeln aus dem Supermarkt, die man direkt im Topf mit heißem Wasser kocht. Das war für zwei Personen zwar gerade so noch irgendwie möglich, aber nur mit viel Vorsicht.

Die Größe des MiniMo ist also für eine Person tendenziell zu groß und für zwei Personen eher zu klein. In meinen Augen wäre es besser gewesen, den Topf entweder einen Tick größer zu machen, damit man auch für zwei Personen bequem darin Instantgerichte zu bereiten kann, oder eben etwas kleiner, damit er für eine Person kein zusätzlicher Ballast ist. Falls man dann in letzterem Fall doch mal für zwei Tütennahrung kochen will, kann man einfach zweimal hintereinander Wasser kochen. Geht ja schnell.

Wer eine Alternative sucht, die besser auf Solotouren zugeschnitten ist, sollte übrigens mal einen Blick auf den Jetboil MicroMo werfen.

Jetboil MiniMo Testbericht
Mit einem standfesten Kocher wie dem MiniMo darf auch mal im Vorzelt gekocht werden.

Topf lässt sich schwer vom Kocher trennen

Negativ fiel mir auch auf, dass sich der Kopfaufsatz nur relativ hakelig auf- und abschrauben lässt, vor allem auch, wenn der Kocher warm war.

Neoprenschutz anfällig für Schmutz und Nässe

Praktisch ist dieser Neoprenmantel des MiniMo schon (siehe oben), aber es gibt auch eine andere Seite der Medaille: Wenn doch mal was überkocht, hängt der ganze Schlonz am dem Stoff fest und wenn man den Topf im Wasser spült, ist der Kocher erstmal nass. Daher sollte man auf jeden Fall eine Plastiktüte dabei haben, um den restlichen Inhalt des Rucksacks vor Feuchtigkeit und ggf. Speiseresten zu schützen.

Ausbaufähige Designs

Das ist natürlich absolut Geschmackssache, aber meiner Meinung nach könnte man die Designs der Neoprenhüllen des MiniMo schon etwas… sagen wir mal ansprechender gestalten. 🙂

Auch für leichte Minusgrade geeignet: Der Jetboil MiniMo

Das Ergebnis des Jetboil MiniMo-Tests

Der Systemkocher MiniMo von Jetboil überzeugt vor allem durch seine Effizienz und die einfache Handhabung.

Geeignet ist er damit zum einen für längere Touren, bei denen man auf seinen Kocher angewiesen ist und bei denen das Mehrgewicht des Systemkochers dadurch ausgeglichen wird, dass man weniger Gaskartuschen mitschleppen muss. Aber auch auf kurzen Touren, bei denen man nicht auf seinen frisch gebrühten Kaffee oder die Portion Nudeln zwischendurch  verzichten will und gleichzeitig nicht so sehr aufs Gewicht achten muss, ist der MiniMo eine gute und vor allem praktische Wahl.

Für einfache Mehrtagestouren oder auch längere Touren, auf denen man zwischendurch aber immer wieder Gas nachkaufen kann, ist man meiner Meinung nach mit einer einfachen Kombi aus Gaskocher und Topf besser beraten, um Gewicht und Platz zu sparen. Und auch wenn man zwischendurch mal etwas mehr kochen möchte als heißes Wasser sollte man lieber zu einer anderen Art von Kocher greifen.

Alles in allem ist der MiniMo ein ausgeklügelter, sehr effizienter und sehr praktischer Kocher – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn das Konzept Systemkocher zu Dir und Deinen Touren passt, Du vor allem alleine, aber manchmal auch zu zweit unterwegs bist und im Falle von letzterem nur Trekkingnahrung zu Dir nehmen willst, ist der MiniMo definitiv eine gute Wahl.

Der MiniMo von Jetboil im Einsatz

Alle Fakten zum Jetboil MiniMo Gaskocher

Gewicht: 415 g

Brennstoff: Gas (Schraubkartuschen)

Zubehör (im Lieferumfang enthalten): Standfuß; Topf mit Deckel und Messbecher

Zubehör (NICHT im Lieferumgang enthalten): Adapter für normale Töpfe („pot support); austauschbare Neoprenhüllen

Topf / Volumen: 1 Liter (zu gebrauchen für Mengen bis 0,9 Liter bei einfachem Wasserkochen)

Temperaturbereich: bis -6°C (laut Hersteller)

Kosten: 169,95 Euro (erhältlich z.B. hier)


 

Weitere Testberichte findest Du hier bei fastpacking.de und hier bei aufundab.eu.


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Welcher Gaskocher ist Dein Favorit? Hast Du vielleicht sogar auch einen Jetboil MiniMo – oder einen ähnlichen Systemkocher? Wie sind Deine Erfahrungen damit? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

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6 Comments

  1. Ich habe auch einen Minomo. Wenn es um warmachen von Wasser für Trekking,ahlzeiten geht, ist er super. Etwas schwerer, dafür effizient. Wenn es an das Gewicht geht, habe ich immer noch einen Optimus Crux

    • Fräulein Draußen Reply

      Ich denke mit dieser Kombi ist man für alle Situationen gewappnet. 🙂

  2. Halle zusammen 🙂

    Ich hatte ja damals auch schon nen Artikel zu dem guten Stück

    -> http://www.fastpacking.de/2014/12/03/jetboil-minimo-der-neue-bessere-jetboil/

    Was wir beide nicht geschrieben haben ist folgende Zusatzinfo. Der Minimo hat im Vergleich zu einigen anderen Jetboil-Modellen eine druckregulierende Düse. Dadurch kommt zum einen die bessere Regulierbarkeit, zum anderen aber auch ein gleichmässiger Druck über den „kompletten“ Kartuscheninhalt zu Stande.

    Ich schau mir aber auf jeden Fall mal Flash Lite und TATA den MicroMo an. Dann wär nämlich auch die Kritik an der zugegebenermassen seltsamen Größe de Minimos hinfällig.

    🙂

    Carsten

    • Fräulein Draußen Reply

      Aaaaaah, deinen Test wollte ich eigentlich auch verlinkt haben. Ist im Eifer des Gefechts untergegangen. 🙂 Wird gleich nachgeholt.

      Danke für die Zusatzinfo!!

  3. Da ich nicht so viel unterwegs bin und auch nicht im Extremen tut es mir ein sehr einfaches Modell: Der Primus Mimer. Zusammen mit einer kleinen Schraubkartusche und einem kleinen Topf, der zugleich als Kaffee-„Bodum“ dient, ist das recht praktisch. Nachteil: Für seine Größe ist der Mimer relativ schwer (200g) und seine Leistung von 2,8kW ist nur schwer auf kleine Flamme zu dosieren. Vorteil: relativ kompakt, nicht sehr windempfindlich, preisgünstig. (Kocher unter 30€, der genannte Topf wenn ich mich recht entsinne auch um den Dreh rum.)

  4. Also wenn es einfach, leicht und günstig sein soll. dann schwör ich auf den MSR Pocket Rocket (85 Gramm, 119 Gramm mit Verpackung, 25-30 Euro) und dann einfach
    ne 500/600 ML Tatonka Edelstahltasse (120 Gramm/10 Euro).

    Wenn es leicht und teuer sein darf, dann Snowpeak 600 ML Tasse und EOE Lithium 🙂

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