Ungefähr drei Jahre ist es nun her, dass ich zum ersten Mal seit viel zu langer Abstinenz wieder auf einem Berggipfel stand (den ich auch zu Fuß erklommen hatte). In vom Schweiß vollgesaugten Baumwollklamotten, mit einem viel zu alten Rucksack, dessen Bauchgurtschnalle unterwegs einfach abgefallen ist. Zwei Butterbrezen als Proviant, von denen ich eine schon auf der Hinfahrt gegessen hatte. Und mit schmerzlichst brennenden Körperteilen, weil knapp 900 Höhenmeter für die erste Bergwanderung seit Jahren vielleicht ziemlich sicher doch etwas zu viel war.

In diesem Moment schwor ich mir drei Dinge:

– Ich gehe ab jetzt öfter regelmäßig in die Berge.

– Ich kaufe mir einen neuen Rucksack.

– Ich muss mehr Plan haben von dem, was ich da tue.

Punkt eins und zwei waren schnell umgesetzt. Der dritte Punkt war natürlich etwas langwieriger, aber nach drei Jahren, vielen weiteren Berggipfeln, pflichtbewusster Lektüre von Fachliteratur und unzähligen Einkäufen in einschlägigen Online- und Offline-Shops war ich einigermaßen drin in der Materie.

Und dennoch gibt es da diese paar Dinge, die ich einfach immer wieder falsch mache. Egal wie oft ich mir vornehme, dass das nächste Mal alles anders wird. Manchmal klappt es, aber beim übernächsten Mal denke ich mir dann schon wieder: Du weißt es doch eigentlich besser! 

Ich hab schon so viel

1. Ich plane die Touren zu spät

…und zwar erst am Abend vorher. Gerne auch erst so gegen 23 Uhr, wenn ich eigentlich schon schlafen sollte. Obwohl ich ja meistens schon mindestens ein paar Tage vorher weiß, dass ich am Wochenende in die Berge will. Oder noch schlimmer: Manchmal entscheide ich auch erst am selben Morgen, weil ich abends irgendwann keine Lust mehr hatte.

Und dann hänge ich gestresst vorm Laptop und suche eine geeignete Tour und gerade dann passt natürlich bei jeder Tour irgendwas nicht und ich bekomme schlechte Laune und alles dauert endlos lange. Das muss aufhören!

2. Ich frühstücke zu spät / zu wenig / zu schlecht

Ein anständiges Frühstück ist das A&O für einen gelungenen Tag in den Bergen. Wenn die Speicher einmal gut gefüllt sind, muss man unterwegs immer nur ein bisschen nachfüllen – und alles ist gut. Stattdessen bei mir viel zu oft: Lausiges und viel zu teures Frühstück an der Tanke Richtung Berge (es ist übrigens immer die selbe Tankstelle, mit dem selben lausigen Fraß).

Wenn ich dann unten am Berg stehe, fühl ich mich irgendwie gar nicht so fit und zu voll ist mein Magen auch. Das macht die ersten Höhenmeter am Morgen gleich viel schwerer und oft hab ich das Gefühl, dass mir das den ganzen Tag lang nachhängt. Bisschen doof von mir, das alles.

3. Ich schleppe zu viel Wasser mit

Ja! Zu viel Wasser. Nicht zu wenig – zu viel! Zu meiner Verteidigung sei hier erwähnt, dass ich ein sehr durstiger Mensch bin und viel trinke. Und grundsätzlich ist es natürlich auch viel viel viel besser, zu viel Wasser dabei zu haben, als zu wenig. Gerade wenn es warm ist. Aber ich bringe grundsätzlich mindestens einen Liter wieder mit runter, gerne auch mal mehr. Das ist immerhin 1 kg, ohne dass ich vermutlich angenehmer unterwegs gewesen wäre.

Noch absurder wird das, wenn doch eine geöffnete Hütte auf dem Weg liegt, wo ich mein Wasser sowieso wieder auffüllen könnte. Ich scheine an chronischer Angst vor dem Verdursten zu leiden. (Am schlimmsten ist es, wenn der Hund mit dabei ist. Für den hab ich im Sommer dann sogar einen Liter Wasser dabei, um ihn zur Abkühlung damit zu übergießen!! 🙂 )

4. Ich bin zu faul zum Umziehen

Ich ziehe die Jacke erst aus, wenn mir schon viel zu warm ist. Und ich zieh das Fleece erst an, wenn mir schon viel zu kalt ist. Und ich hol den Windbreaker erst raus, wenn der Wind auf dem Gipfel mich schon halb davon geweht hat. Gerade wenn es kühler ist, ist das ständige Anpassen des Zwiebellooks natürlich nervig. Noch dazu wenn es regnet oder schneit und man zu allem Übel auch noch den Regenschutz überm Rucksack hat, der den Weg versperrt. Dafür ist es dann aber auch doppelt so wichtig.

5. Ich vergesse mein Sitzkissen

Immer und immer wieder. IMMER. UND ICH WEIß NICHT WIESO ICH EINFACH NICHT DARAN DENKEN KANN. Es ist einfach grundsätzlich in dem Rucksack, den ich nicht dabei habe. Gut versteckt. Und ganz leise, damit ich es bloß nicht höre beim Packen. Bei schönem, warmen Wetter mag das ja noch egal sein. Aber meistens ist es ja nicht schön und warm, sondern nass und kalt. Und dann hätte ich nun mal gerne in meinen Pausen mein schönes, bequemes, isolierendes Sitzkissen.

Manche unter Euch schütteln jetzt wohl verächtlich den Kopf. Aber ich will mich nun mal nicht auf meinen Rucksack oder auf meine Jacke oder sonst was setzen. Ich will mein Sitzkissen!

wandernkannhartsein

Raus mit der Sprache! Welchen Blödsinn machst Du beim Wandern, obwohl Du es doch eigentlich besser weißt? Ich will nicht die einzige sein!!

26 Comments

  1. Ach ja, die lieben Wiederholungsfehler …

    Regelmäßig überschätze ich meine Fitness und plane Touren, die ich gar nicht schaffen kann. Mittlerweile müsste ich es doch wissen, wie viele Kilometer ich so am Stück wandern kann. Aber nein, ich packe immer noch ein paar mehr drauf, um letztendlich dann doch zu erkennen, dass ich das unmöglich schaffen kann.

    Auch schmerzvolle Fehler mache ich leider immer wieder: Wandern in Schuhen, die ich nicht lange genug eingelaufen habe. Es ist doch klar, dass Füße sich an einen Schuh erst gewöhnen müssen. Meine nicht, so denke ich leider noch viel zu oft. Obwohl ich wirklich schon schlimme Schmerzen hatte, wenn der eine bestimmte Zeh gegen die Begrenzung des Schuhs rebelliert.

    Und … Fehler Nummer drei: Ich nehme grundsätzlich zu wenig Essen und Trinken mit.

    Du siehst, du bist nicht alleine 🙂

    Liebe Grüße und noch viele schöne Wanderungen mit Ideal-Ausrüstung!
    Daniela – die WanderReporterin

    • Fräulein Draußen Reply

      Hi Daniela,

      puuh, da bin ich beruhigt 😀 Und vielleicht lernen wir’s ja irgendwann doch noch 😉 Die Hoffnung stirbt zuletzt.

      Viele Grüße
      Kathrin

  2. Haha, schön geschrieben. Geht uns auch oft so.
    Bei uns ist es auch meistens die Planung – aber eher die Faulheit des Rucksack packens. Wir nehmen uns fest vor, am Abend vorher den Rucksack zu packen und dann… ach geht doch morgen früh schnell. Dann morgens alles rein, die Packliste bzw. Checkliste schlummert auf dem PC… zu faul schnell anzuschauen oder auszudrucken… und dann doch irgendetwas vergessen.
    Da könnte ich mich dann selbst einmal vor die Stirn klatschen. Wenn ich wenigstens meine Checkliste angeschaut hätte…
    Aber was soll’s.. Letztlich ist es meist doch nicht so dramatisch und die Tour wird schön.
    LG Alex

    • Fräulein Draußen Reply

      Hey Alex,

      stimmt, das mit dem Rucksackpacken kenne ich auch! Checkliste ist aber ein gutes Stichwort – sollte ich mir vielleicht auch mal anlegen. Irgendeine Kleinigkeit vergisst man ja sonst immer, und wenn’s „nur“ die Sonnencreme ist.

      Viele Grüße
      Kathrin

  3. Haha… Ich hab´s irgendwie drauf mich mindestens ein Mal pro Wandertour zu verlaufen… Meist direkt am Anfang… Am Anfang siegt meist die Euphorie und nach 1 bis 2 km kommt die Einsicht, dass die Abbiegung doch falsch war… So habe ich schon einige Wanderwege genau anders herum erwandert als ursprünglich geplant… 🙂 Mein Learning also (immer wieder auf´s Neue): Gerade am Anfang genau auf die Markierungen achten und nicht zu schnell den offensichtlichen Weg einschlagen… 🙂

    Viele Grüße
    Steffi

    • Fräulein Draußen Reply

      Aaaaah, ich glaub ich muss nochmal einen zweiten Teil dieses Artikels machen. Das kommt mir sehr bekannt vor!! Und jedes Mal wieder nehme ich mir vor, die Tourenbeschreibung einmal VOR der Tour KOMPLETT durchzulesen. Und mich nicht immer nur von Satz zu Satz zu hangeln. Meistens ist nämlich erst im Satz nach dem nächsten Satz der wichtige Hinweis versteckt 😉

      • Den Fehler machen PapaMufflon und ich auch immer wieder. Wir denken, dass wir den richtigen Weg schon finden werden und merken dann viel zu spät, dass wir ganz woanders gelandet sind als geplant. Ist uns erst letztes Wochenende wieder passiert. Wir waren schon fast auf dem Gipfel als wir festgestellt haben, dass wir die spannendere Aufstiegsroute auf den Gnipen durch den Goldauer Bergsturz verfehlt haben. Wir sind dann den halben Berg wieder abgestiegen und haben doch noch die ursprünglich geplante Route gefunden. Die doppelten Höhenmeter waren die gerechte Strafe. Trotzdem glaube ich nicht, dass es das letzte Mal war, dass wir zu faul waren, die Beschreibung rechtzeitig zu lesen…

    • Das erinnert mich an Rezepte, die man sich ja auch immer est ganz durchlesen soll, weil man sonst ganz doof aus der Wäsche gucken kann 😉
      Ich gehöre auch zu den Spätpackern und vergesse dann gerne mal mein GPS-Gerät und ärgere mich, wenn ich dann unterwegs nicht geocachen kann. Und ich vergesse gerne mal, die Blasenpflaster aufzufüllen die Kind 2 sich immer ausborgt.
      Außerdem will ich immer nicht wahrhaben, wie unsportlich ich bin und bin jedes Mal wieder sehr erstaunt, wie anstrengend bergauf ist 😉

      Liebe Grüße
      Petra

      • Fräulein Draußen Reply

        Hehe, das mit den Rezepten passiert mir auch. Ich erkenne da einen roten Faden.. 😉

        lg
        Kathrin

  4. Zu viel Wasser, das kommt mir sehr bekannt vor. Ich hab ziemlich lange gebraucht, um einzusehen, dass man wirklich nicht viel schleppen muss, weil man allermeistens zwischendurch nachfüllen kann – schmeckt auch besser frisch und kühl – und außerdem gehts unterwegs ja mehr darum, den größten Durst zu stillen. Wenn man nicht so viel schleppt ist man vllt auch etwas weniger durstig unterwegs:-D

    Weitere Fehler, die mir schon häufig unterlaufen sind: Unnötige Wechselklamotten, zu schnell losstürmen und dann durchhängen, morgens bummeln und dann unterwegs unter Zeitdruck kommen.

  5. Ich habe so einen kleinen wasserdichten Beutel, wo ich alles drin habe, was man so brauchen kann. Der wiegt ca. 1 kg – und ich sortiere nie aus, was ich brauche und was nicht. So schleppe ich manchmal bei strahlendem Sonnenschein eine Regenjacke mit oder auch gerne mal Ersatzbatterien, obwohl ich ohne Elektronik unterwegs bin. Da siegt dann in diesem Fall auch viel zu oft die Faulheit 😉

    • Fräulein Draußen Reply

      Haha 😀 Im Zweifelsfall kann man die Batterien vielleicht gegen ein Radler auf der Hütte eintauschen…

  6. Hallo,

    ja, irgendwie macht man immer wieder die selben Fehler. Mein schlimmster wird wohl sein, daneben dass ich immer zu viel an Kameraausrüstung mitnehme, dass ich auf kürzeren Wanderungen, die ich gern mal als „Spazierengehen“ abtue, die falschen Schuhe anziehe. 6 Km? Ach, da kann ich auch die hübschen braunen (flachen) Stiefel anziehen (anstatt meiner Wanderschuhe). Tja…. Die Blasen unter den Füßen lassen es mich regelmäßig zu Beginn des Frühlings (denn ich bin ein Schönwetter-Wanderer) wieder besser wissen – nur ist das bis zum nächsten Frühjahr dann wieder vergessen 😉

    Viele Grüße

    • Fräulein Draußen Reply

      Zu viel Kameraausrüstung KANN kein Fehler sein! Der eine Moment wird nämlich kommen, in dem man unbedingt Filter X oder Objektiv Y braucht, und dann ist das Geschrei groß 😀

  7. Also ich mache lieber neue Fehler als immer weider die selben (abgesehen von zu viel Wasser und zu optimistischer Zeitplanung), da hat man einfach mehr davon: Mal in Halbschuhen zwei Tage durch Geröllreisen gehen, mal den Packsack mit Geld, Schlüssel etc. bei einer Pause liegen lassen, dann wieder mein Besteck liegen lassen und noch drei Tage zu gehen, mal ins (vorhergesagte) Gewitter kommen usw. Falsch abbiegen ist auch immer mal wieder drin, auch gerne in der Variante mich falsch durch mühsames wegloses Gelände zu wühlen. Aber wenn immer alles klappen würde, wäre es ja auch langweilig!

    Grüße
    Hannes

    • Fräulein Draußen Reply

      Das ist dann natürlich die Variante für absolute Profis 😀

  8. Pingback: Gipfelblick KW12 - vom Wein zum Grünten und zurück in den PfälzerwaldGipfelträumer

  9. Ich gehe leider nicht so oft richtig wandern. Deswegen bin ich auch nicht sehr fit. Einen Fehler, den ich früher dann gemacht habe: Ich bin mit den falschen Leuten gegangen. Leute, die entweder selbst topfit sind und sich nicht zurücknehmen können – oder noch schlimmer: Solche, die eigentlich auch nicht fit sind ihre Kräfte nicht einteilen können. Gerade bei Menschen männlichen Geschlechts kann das beim Typ Mann vorkommen, der sich und sein Teil immer mit alles und jedem vergleichen muss und sofort in den Wettbewerb tritt. Resultat: Ich gehe lieber allein als mit solchen. In meinem Tempo. Denn auch wenn ich nicht sportlich bin, kann ich meine eigenen Ressourcen recht gut einschätzen.

    • Fräulein Draußen Reply

      Ohje, das ist wirklich nicht schön, wenn Mitwanderer partout keine Rücksicht nehmen wollen. Dabei kommt es doch gerade beim (gemeinsamen) Wandern nicht primär auf die sportliche Leistung an, sondern viel mehr darauf, einfach draußen Spaß zusammen zu haben.

      Viele Grüße
      Kathrin

  10. Vorab: ich habe keine Ahnung vom wander, deshalb mag die Frage vielleicht blöd klingen, aber: wofür braucht man beim wandern ein Sitzkissen?

    • Fräulein Draußen Reply

      Na für die Pausen, also das eigentlich wichtigste am ganzen Wandern! 😉 Zumindest wenn der Boden nass und/oder kalt ist. („brauchen“ ist dabei natürlich relativ…)

      Viele Grüße
      Kathrin

  11. Ähhhh nein das kommt mir doch gar nicht bekannt vor.

    Vor allem 1. Ich plane die Touren zu spät: *hust* Also 23.00 ist doch noch sagenhaft früh. Brenzlig wirdst erst, wenn man eine Klettertour früh morgens plant. Dann hinfährt, sich das Topo nicht ordentlich angeschaut hat und gestresst ist weil man sowieso zu spät losgefahren ist und…. ja dann hängt man da in so einer riesig hohen Wand und verkoffert sich… Aber das passiert uns auch kein zweites Mal. 😉

    Die Touren planen wir aber immer noch am Abend vorher, nur beim Klettern sind wir vorsichtiger geworden.
    Ich schleppe auch meistens zuviel Wasser mit, allerdings hatte ich auch schon zu wenig, das ist dann auch weniger toll. Also lieber 60x zuviel als 10x zu wenig. Oder so ähnlich. Außerdem verbuche ich den Liter mehr einfach als Gewichtstraining. 😉
    Lg
    Dani

    • Fräulein Draußen Reply

      Hihi! Ohja, beim Klettern ist das sicher nochmal ne andere Hausnummer. Einmal nicht aufgepasst und schon hängt man mitten in der Eiger Nordwand 😉 Das mit dem Gewichtstraining sag ich mir dann auch immer 😉 Momentan kann ich das ja auch durchaus gebrauchen, aber manchmal hätte ein leichterer Rucksack schon auch was 😉

  12. Hallo Kathrin 🙂

    Vorab: Warum nimmst du als Sitzkissen nicht deine Isomatte? Die ist bei mir immer draußen am Rucksack dran und mit einem Handgriff für meinen kälte-empfindlichen Hintern bestens platziert 🙂
    Dazu muss man aber auch sagen, dass meine Matte zum Falten (anstatt Rollen) ist und man dann ein richtig tolles Polster hat 😉
    (so eine hier: http://www.trekking-lite-store.com/Isomatten/Therm-A-Rest-Z-Lite::145.html)

    ich habe vor ein paar Stunden deinen Blog entdeckt und komme nicht mehr aus meinem Sessel, weil du so gut und witzig schreibst! 😀
    Im Mai bis Juli geht es für mich nach Schottland zum wandern und Juli & August sind mein Auto „Bob“ und ich in Irland unterwegs. Dein Blog gibt mir also genau die richtige Information, die sämtliche „lonely Planets“ Führer mir nicht geben können 🙂 Dafür ein dickes, fettes: DANKE!

    Liebe Grüße,
    Lea

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