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Der Piz Bernina ist mit 4.049 Metern der höchste Berg der Ostalpen. Auf einer relativ neuen Route, der Bernina-Tour, können Wanderer und Trailrunner das eindrucksvolle Bergmassiv in der Schweiz und Italien umrunden. Ich wollte schon länger mal eine Trailrunning-Mehrtagestour bestreiten und habe mir mit dieser Runde eine ziemlich eindrucksvolle Kulisse ausgesucht, die noch dazu mit perfektestem Bergwetter garniert wurde.


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Das Wichtigste zur Tour in Kürze

Die Original-Route ist hier zu finden. Ich hab die komplette Runde in vier Tagen gemacht, dabei aber am dritten und vierten Tag teilweise abgewandelt – insbesondere auch, um zu viele Schneefelder in höheren Lagen zu vermeiden, die Anfang Juli dort noch recht zahlreich auftreten können.

Landschaftlich war die Route durchgehend wirklich sehr grandios. Die Schwierigkeit der Wege hat dabei stark variiert, von sehr gut laufbaren Wegen bis hin zu mühsamen Querungen von ausgedehnten Blockfeldern. Etwas Bergerfahrung, gute Kondition und Trittsicherheit ist für die Tour auf jeden Fall notwendig.

Je nach Fitness und Fortbewegungsart (Laufen oder Wandern) kann man die Tour in mehr oder weniger Etappen aufteilen. Bei der Etappenplanung solltest du vor allem auf der italienischen Seite eher konservativ rechnen, da das Vorankommen aufgrund der Wegbeschaffenheit hier oft nur verhältnismäßig langsam möglich ist.

Alles in allem eine richtig tolle und landschaftlich wahnsinnig abwechslungsreiche Tour, die ich jederzeit wieder machen würde (und dann gerne auch etwas später im Jahr und mit weniger Schneefeldern).

[Mehr Tipps und Infos zur Tour gibt es am Ende des Artikels.]

Vier Tage Trailrunning auf der Bernina-Runde

Tag 1: Pontresina nach Maloja über Fuorcla Surlej

Das Abenteuer Bernina-Umrundung startet – wie so oft in der Schweiz – eigentlich nicht erst in Pontresina, sondern schon auf der Bahnfahrt dorthin. Die Rhätische Bahn ist mit ihren vielen Tunnels und waghalsigen Brücken als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet und die Reise damit definitiv ein Erlebnis.

Vom Bahnhof in Pontresina aus geht es auf einem tollen, sehr gut laufbaren Weg mittenrein ins Val Roseg, ein wunderschönes Hochtal mit Blick auf Gletscher und Berggiganten. Nach einigen Kilometern wartet der erste lange Anstieg der Tour, hoch zum Berghaus Fuorcla Surlej, ein traumhafter Bergpass mit kleiner Hütte, die traumhafte, eiskalte Coca-Cola serviert. Und von dort hat man ganz bestimmt einen der besten Blicke auf das Bernina-Massiv.

Nach einer ausgiebigen Stärkung führt die Route anschließend auf der anderen Seite wieder Richtung Tal, in dem die leuchtend blauen Seen von Silvaplana und Sils liegen. Der Blick auf die Seen ist der Begleiter für den Rest der Etappe, der entlang eines moderaten Höhenweges bis nach Maloja führt.

Tag 2: Maloja nach Campo Moro

Definitiv der anspruchsvollste Abschnitt der Tour liegt zwischen Maloja und dem Stausee Campo Moro. Bei Maloja beginnt nach einer kurzen, flacheren Aufwärmphase der lange Anstieg hinauf zum 2.562 Meter hohen Murettopass, an dessen höchstem Punkt man die Grenze zu Italien überquert. Ab hier heißt es also nicht mehr „Grüezi“, sondern „Buongiorno“!

Anschließend steigt man wieder etwas ab, bis man auf einen recht langen, ziemlich idyllischen und grünen Höhenweg trifft, der sich als kleiner Pfad durch Wälder und über Wiesen schlängelt und nach einem weiteren Anstieg zum Val Forasco führt – einem Ort, der an Schönheit und Alpenidylle kaum zu überbieten ist: eine mit Blumen übersäte Hochebene, gleich mehrere, von steilen Felswänden stürzende Wasserfälle, ein kleiner See, in dem sich das Alpenpanorama spiegelt und dazu schneebedeckte, steile Bergflanken. Einfach nur traumhaft.

Etwas darüber liegt das Rifugio Longini, die einzige Versorgungsmöglichkeit an diesem Tag. Und die ist auch dringend notwendig, denn ab hier wird der Weg deutlich unwegsamer. Immer wieder sind ausgedehnte Blockfelder zu queren. Ein fast senkrechtes Schneefeld und ein reißender Fluss machen den Abschnitt (jahreszeitenbedingt) ebenfalls nicht gerade einfacher und schmale, steinige und teils steile Pfade lassen die Kilometer nur langsam vorbeiziehen. Erst auf den letzten Kilometern vor dem Stausee Campo Moro werden die Wege wieder einfacher. Die große Nudelportion im tollen Rifugio Zoia etwas oberhalb des Sees war nach diesem Tag mehr als verdient.

Tag 3: Campo Moro nach Poschiavo über den Passo Confinale

Nach dem anstrengenden Vortag wurde die dritte Etappe spontan ein bisschen umgeplant – auch um die zu erwartenden Schneefelder bei der Umrundung des Sasso Moro zu vermeiden. Statt über den Passo Confinale überqueren wir die Berge etwas weiter südlich über den Passo di Campagneda, und damit kurz nach dem höchsten Punkt von 2.626 Metern auch wieder die Grenze von Italien in die Schweiz.

Nach dem wunderbar ruhigen und von diversen kleinen Bergseen gesäumten Aufstieg geht es auf der anderen Seite durch wunderschöne Berglandschaften Richtung Tal. Der Abstieg ist lang, aber vor allem im späteren Verlauf ziemlich gut laufbar. Eine wahre Wohltat nach den Kraxeleien der vorherigen Etappe. Im Tal wartet, umgeben von hohen Bergen, das kleine, historische Örtchen Poschiavo, unser Etappenziel (in dem ich mich allerdings weniger für Geschichte und Kultur und mehr für Pizza und Bett interessiere).

Tag 4: Poschiavo nach Pontresina

So lang der Weg ins Tal am Vortag war, so lang ist auch der Aufstieg am nächsten Tag zurück in die Bergwelt Graubündens. Die Route folgt grob den Schienen der Rhätischen Bahn, die sich auf diesem Teil der Bahnstrecke besonders eindrucksvoll durch die Bergwelt windet. Highlight für alle Bahnfahrer ist wohl der Abschnitt entlang des Lago Bianco, dem großen Stausee am Berninapass. Noch schöner ist es allerdings, an diesem See entlangzulaufen – und das geht auf den ebenen Wegen ziemlich gut. Am anderen Ende des Sees geht es noch weiter bergauf, und zwar Richtung Diavolezza, einem spektakulär gelegenen Joch und gleichnamigem Berghaus auf 3.000 Meter Höhe. Direkt gegenüber, sozusagen im Vorgarten: der Morteratsch-Gletscher und die höchsten Gipfel der Berninagruppe.

Auch hier waren aber Überbleibsel des Winters in höheren Lagen der Grund, dass wir bereits am Lej da Diavolezza, einem kleinen See unterhalb des letzten Anstiegs hinauf zum Joch, abgedreht haben. Zum Glück war ich immerhin vor einigen Jahren schon mal ganz oben.

Etwas Gutes hatte diese Planänderung aber auch, denn so blieb noch genug Zeit, die rund zwölf Kilometer von der Diavolezza Talstation bis zurück nach Pontresina, zum Ausgangspunkt der Tour, zu laufen und unsere Runde somit komplett zu machen. Eine landschaftlich und läuferisch sehr tolle Strecke und ein entspannter Abschluss für eine richtig, richtig, richtig tolle Tour.

Weitere Infos und Tipps zur Bernina-Tour.

Beste Jahreszeit: Der höchste Punkt der Tour liegt auf rund 3.000 Metern (Diavolezza bzw. Munt Pers), dazu geht es auf den Pässen einige Male auf 2.500 – 2.700 Meter hoch. Die Originalroute der Bernina Tour ist daher vor allem im August und September empfehlenswert, wenn der Schnee in diesen Höhen weitestgehend geschmolzen ist. Mit entsprechender Planung kann man die Tour aber auch im Juli gehen, der Aufstieg zur Diavolezza zum Beispiel und auch der Abschnitt über den Sattel zwischen Sasso Moro und Cima di Caspoggio können dann schon etwas kritisch sein (insbesondere wenn man ohne Stöcke und Bergschuhe unterwegs ist). Beides habe ich daher ausgelassen.

Anforderungen: Auf der Bernina Tour ist stellenweise die Querung  von ausgedehnten Blockfeldern nötig, je nach Jahreszeit auch von Schneefeldern und Flüssen. Das ist insbesondere auch der italienischen Seite der Tour der Fall. Die Etappen in der Schweiz sind tendenziell einfacher (den letzten Anstieg zur Diavolezza kann man notfalls auslassen bzw. mit der Gondel hochfahren, falls man oben übernachten möchte). Ansonsten ist die Tour nicht weiter schwierig, erfordert aber auf jeden Fall etwas Trittsicherheit, Bergerfahrung und Fitness (je nach genauer Routen- und Etappenplanung mehr oder weniger davon). Wer die Tour per laufend (im Sinne von Trailrunning) bestreiten möchte, findet dort eine Mischung aus sehr gut laufbaren Abschnitten und unwegsameren Teiletappen.

Anreise: Am besten ist wohl Pontresina als Ausgangspunkt für die Mehrtagestour auf der Bernina-Runde erreichbar. Vom Hauptbahnhof Zürich aus ist Pontresina in etwa drei Stunden zu erreichen, und die Fahrt mit der Bahn ist nicht nur aus ökologischen Gründen sinnvoll. Der letzte Streckenabschnitt ist nämlich Teil der Rhätischen Bahn und seit Juli 2008 aufgrund der einzigartigen Bautechnik und Streckenführung UNESCO Weltkulturerbe.

Unterkünfte: Die Unterkünfte entlang der Bernina-Tour sind eine Mischung aus Hotels / Pensionen im den Orten im Tal und bewirtschafteten Berghütten / Rifugios. Die Auswahl ist an sich ganz gut und lässt Raum für eine relativ flexible Etappenplanung. Insbesondere in den Rifugios auf der italienischen Seite sollte man aber auf jeden Fall vorbuchen.

Meine Unterkünfte:

Verpflegung unterwegs: Es gibt regelmäßig Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs in Form von Rifugios / Berghütten und Orten im Tal. Zwischendurch gibt es aber immer auch längere Abschnitte ohne – insbesondere auf der italienischen Seite der Tour. Du solltest also auf jeden Fall diesbezüglich etwas vorausplanen und im Zweifelsfall lieber ein paar Riegel mehr einpacken. Außerdem sollte man Öffnungszeiten und Verfügbarkeit der Supermärkte im Auge behalten. In Maloja zum Beispiel gibt es nur zwei kleine Läden mit beschränkten Öffnungszeiten.

Orientierung: Die Berninarunde ist nicht speziell ausgeschildert, es gibt aber regelmäßig allgemeine Wanderwegweiser, an denen man sich orientieren kann. Es ist auf jeden Fall hilfreich, die Route auf dem Smartphone o.ä. dabei zu haben.

Etappen: Je nach Fitness und persönlichen Vorlieben kann man die Runde ums Berninamassiv recht individuell einteilen und planen. Wer relativ gemütlich wandern möchte, sollte circa sieben bis acht Etappen für die Originalroute anpeilen. Bei meiner Bloggerkollegin Romy von etappen-wandern.de gibt’s einen Bericht für eine 8-tägige Wanderung auf der Bernina-Runde (sogar mit Hund!). Wer mehr Herausforderung sucht bzw. die Tour per Trailrunning bestreiten möchte, sollte mit etwa vier bis fünf Tagen planen

Die Route: Wie oben schon erwähnt findest du die Originalroute der Berninarunde hier. Die von mir zurückgelegte Strecke findest Du hier in meiner Komoot-Collection. Die ist etwas kürzer und hat etwas weniger Höhenmeter, da einige höhere Abschnitte im Frühsommer noch nicht gut begehbar waren. Prinzipiell gibt es relativ viele Möglichkeiten, die Route individuell anzupassen, hier und da etwas zu kürzen oder auch zu verlängern. Am besten lädst du dir das Original-GPX in einen Routenplaner wie Komoot und nimmst dort bei Bedarf Änderungen vor.

Mein Tipp für die Planung von Mehrtagestouren
Ich nutze für die Planung all meiner Touren Komoot (hier geht es zu meinem Profil). Mit der Premium-Version ist die Planung von Mehrtagestouren besonders einfach, denn dann können die einzelnen Etappen „in einem Rutsch“ geplant werden und müssen nicht als einzelne Etappen angelegt werden. Wenn man den gewünschten Start- und Endpunkt der Tour angibt oder einen GPX-Track hochlädt-, schlägt Komoot bereits eine Aufteilung in Etappen vor, die man natürlich beliebig anpassen kann. Auch sind zum Beispiel Infos zu Unterkünften und Campingplätzen unterwegs abrufbar. Eine Auswahl an Mehrtagestouren findet du hier.

 

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