In diesem Herbst war ich bereits zum zweiten Mal auf einem Roadtrip im Nordwesten der USA unterwegs und habe mir auf dieser Reise dann auch endlich die Zeit genommen, das bergige Herz Oregons genauer zu erkunden. Beim letzten Besuch hat leider „nur“ für einen kurzen, aber dennoch ziemlich beeindruckenden Stop am Crater Lake gereicht. Hier zieht sich das Kaskadengebirge von Kanada und Washington kommend einmal längs durch den gesamten Staat, und weiter bis ins nördliche Kalifornien, und bildet die Grenze zwischen dem feucht-kühlen und maßgeblich vom Pazifik beeinflussten Westen mit seinen Wäldern und Küsten und dem trockenen, oftmals wüstengleichen Osten.

Die größten Gipfel der Kasakdenkette sind allesamt vulkanischen Ursprungs und beherrschen durch ihre exponierte Lage maüßgeblich das Landschaftsbild im Pacific Northwest. Die Three Sisters bilden dabei eine ungewohnte Dreier-Konstellation, auch wenn sie sich im geologischen Sinne durchaus voneinander unterscheiden. Die südlichste der vulkanischen Schwestern ist die jüngste sowie höchste, und ihr Gipfelkrater das Wanderziel meiner Wahl.

south sister vulkan

Extra früh aufstehen und möglichst mit dem ersten Licht des Tages den Aufstieg zum Gipfel der South Sister beginnen – so wird es mir in dem Wanderbericht empfohlen, durch den ich auf meinem Smartphone scrolle, als die Bedienung des Black Bear Diner mir zum zweiten Mal Kaffee nachschenkt und einen ziemlich großen Teller voller ziemlich großer Pancakes vor die Nase setzt. Es ist gegen 9 Uhr morgens und es ist der Tag, an dem ich nicht nur den größten jemals von mir gegessenen Berg an Pfannkuchen bezwingen sollte, sondern auch die drittgrößte Erhebung im US-Bundesstaat Oregon. Und das obwohl ich zu dieser Zeit schon ziemlich weit vom „ersten Licht des Tages“  entfernt bin. Glücklicherweise ist der South Sister Trailhead nur eine kurze Autofahrt von der Stadt Bend entfernt, sodass ich eine Stunde später, durch das ausufernde Frühstück ziemlich behäbig aber glücklich, meinen Tagesrucksack schultere.

Es ist ein kalter Morgen für einen Septembertag in Zentral-Oregon, 15 Grad vielleicht, und ich ziehe den Reißverschluss der Thermojacke noch etwas weiter nach oben. Immerhin die Luft ist einigermaßen klar, lediglich ein paar Wolken tummeln sich am Himmel und speziell rund um den Hauptkrater des 3.157 Meter hohen Vulkans. „Wage den Aufstieg nur bei gutem Wetter“, wusste mir der Wanderbericht noch mit auf den Weg zu geben, bevor ich das Smartphone in die Tasche steckte, um mich ganz den Pancakes zu widmen. Die paar Wolken da oben lasse ich mal als gutes Wetter durchgehen.

Rund eine halbe Stunde später, ich hatte gerade den ersten Teil des Trails durch den Wald hinter mich gebracht und das erste offene Plateau erreicht, beginnt es zu schneien. Kleine, feine Schneenadeln stechen mit unaufhörlich ins Gesicht, während der aufgekommene Wind sich seinen Weg durch die Goretex-Schichten sucht. Immerhin ein bisschen Aussicht gibt’s noch zu bewundern, aber South Sister selbst ist schon lange in einem dicken Herbstmantel aus Wolken verschwunden.

„Wird bestimmt gleich wieder besser“, dachte ich mir. Und ein bisschen tutes das auch. Ab und an lässt sich die Sonne blicken und der Wind hält den Blick auf die dezent mit Nadelbäumen bewachsenen Hänge frei. Aber der obere Teil des Vulkans, der hält die Wolken stoisch um sich herum versammelt. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich mitten rein muss in die Wolkensuppe. An diesem Punkt beginnt gleichzeitig auch der anstrengendste Teil der Wanderung, denn der letzte Abschnitt des Trails führt quasi ausschließlich über loses Vulkangestein, und das durchgehend ziemlich steil.

Manchmal habe ich dabei das Gefühl, kaum vom Fleck zu kommen – ein Schritt vor, zweite Schritte zurück. Schwerstarbeit für die Beine bei eisigen Temperaturen und anhaltendem Schneegestöber. Auf diesem Abschnitt verliere ich quasi jegliches Gefühl dafür, wie hoch weit ich schon gekommen bin und wie weit der Gipfel noch entfernt ist. Nur wenn zwischendurch die Wolkendecke unter mir aufreißt und mir ganz plötzlich und auf einen Schlag gefühlt ganz Oregon zu Füßen liegt, dann machen Raum und Zeit wieder ein bisschen Sinn. Spaß habe ich bei all dieser Schinderei erstaunlicherweise trotzdem, und ans Umkehren denke ich kein einziges Mal. Auch wenn die Chancen auf die bei klarem Wetter ziemlich spektakuläre Aussicht vom Gipfel des Vulkans eher klein sind.south sister wanderung aufstieg

south sister geroell

Nach gefühlten Ewigkeiten habe ich mich tatsächlich zum Rand des Kraters vorgearbeitet. Von hier aus geht es nur noch mehr oder weniger eben an diesem entlang bis zum höchsten Punkt von South Sister, lediglich durch eine Plakette gekennzeichnet und in diesem Nebel leicht zu übersehen. In Windeseile tausche ich das vom anstrengenden Aufstieg verschwitzte Longsleeve gegen ein trockenes und werfe mir sämtliche Kleidung über, die ich im Rucksack glücklicherweise relativ zahlreich mitgenommen habe. Und als ich da so vor mich hin zitternd aber glücklich neben der Plakette stehe, zeigen die Wolken nochmal etwas Gnade mit mir und geben den Blick frei. Nicht für sehr lange und auch nicht sonderlich umfangreich, und doch genug, damit ich zumindest eine leise Ahnung von der Höhe des Vulkans und der Weite der Landschaft bekommen kann. Danke, danke, danke.

south sister gipfelHinter einigen Steinen versuche ich, ein bisschen zu pausieren und meinen Gipfel-Burrito zu essen, aber es ist einfach viel zu kalt und windig hier oben. Also mache ich mich nach kurzer Zeit mit müden Beinen wieder an den Abstieg. In dieser Gehrichtung ist der lockere Boden allerdings deutlich angenehmer, die Temperatur wird mir jedem verlorenen Höhenmeter angenehmer und die Wolkendecke lichter. Beim Aufstieg waren Gletscher und Berghänge quasi komplett verborgen, aber jetzt kann ich schon deutlich mehr sehen. Irgendwann beginne ich sogar wagemutig damit, wieder einzelne Kleidungsschichten zurück in den Rucksack zu stopfen. Und die Sache mit dem Burrito, die wird auch noch nachgeholt.

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Hier geht’s zu meinem Artikel mit vielen Tipps und Infos rund ums Thema Wandern im Nordwesten der USA 

Alle Infos zur Tour

Höhenmeter / Strecke: 1.490 hm / 9 km

Dauer: ca. 7-8 Stunden (je nach Fitness und Pausenbedürfnis auch mehr)

Startpunkt: Devils Lake Trailhead (ca. 45 km von Bend, OR entfernt); der Tagespass fürs Parten kostet 5 USD, alternativ ist hier auch der America the Beautiful-Jahrespass gültig, den sich viele USA-Reisende sowieso für den Eintritt in die Nationalparks zulegen.

Beschilderung: Weg durchgehend ausgebaut und an Abzweigungen beschildert

Anforderungen: Besonders die zweite Hälfte der Tour ist steil und unwegsam auf oftmals losem Geröll, daher braucht man auf jeden Fall Durchhaltevermögen und Ausdauer. Früher im Jahr sind hier auch noch Schneefelder vorhanden. Technisch ist die Tour aber nicht weiter schwierig. Desweiteren ist der Gipfel sehr exponiert und man selbst dem Wetter ziemlich schutzlos ausgeliefert, daher solltest Du unbedingt vorher den Wetterbericht checken. Schattenspendende Bäume gibt es nur im unteren Teil und Wasser so gut wie gar nicht. Im Zentrum Oregons kann es aber vor allem im Sommer durchaus sehr heiß werden, daher solltest Du in der warmen Jahreszeit auf jeden Fall so früh wie möglich starten und ausreichend Wasser mitnehmen. Gleichzeitig dürfen aber warme und wetterfeste Schichten im Rucksack nicht fehlen, egal zu welcher Jahreszeit.

Camping: Für einen möglichst frühen und unkomplizierten Start bietet sich die Übernachtung auf dem Devil’s Lake Campground an, der gleichzeitig Parkplatz für den Trail ist. Hier gibt es zehn kostenlose Stellplätze, die nach dem Prinzip first-come first-served vergeben werden.

Alternativ kann man die South Sister-Tour auch auf zwei Tage aufteilen und mit einer Nacht im Zelt verbinden. In der Umgebung des Moraine Lake gibt es dafür insgesamt 22 ausgewiesene Stellen, die in diesem Bereich auch unbedingt genutzt werden müssen. Alternativ ist das wilde Zelten, außerhalb der Umgebung des Moraine Lake, auch anderswo möglich. Hierbei sollten aber unbedingt Hinweis-/Verbotsschilder und die Leave No Trace-Regeln beachtet werden.


Bist Du auch schon mal in Oregon gewandert oder vielleicht sogar auf den Gipfel der South Sister gestiegen? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

 

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