[enthält Werbung] Mit Tempo 300 rast der ICE irgendwo zwischen München und Berlin über die Gleise, und ich mit ihm. Zusammen fahren wir einem Ziel entgegen, das so ziemlich das Gegenteil von Geschwindigkeit ist: Brandenburg. Erst im letzten Herbst bin ich dort gewesen, für eine ziemlich perfekte Mehrtageswanderung durch die Uckermark. Dieses mal steuere ich mit dem Ruppiner Seenland die Nachbarregion an.

Als ich in Neuglobsow ankomme, ist genau die Zeit des Tages angebrochen, zu der glückliche Menschen nach einem langen Tag am See lachend und leicht gerötet zurück Richtung Parkplatz laufen. Ich laufe ihnen entgegen, denn ich will unbedingt noch etwas vom Sonnenuntergang am Großen Stechlinsee mitbekommen, an dessen Ufer Neuglobsow liegt. Die Sonne ist gerade dabei, hinter den Bäumen  zu verschwinden, die letzten Seebesucher sitzen mit Radler oder Aperol aus dem kleinen Kiosk am Badestrand und genießen die letzten warmen Strahlen. Mücken tanzen über dem spiegelglatten Wasser, Vögel zwitschern, ein einzelnes Ruderboot befindet sich noch auf dem See und steuert langsam Richtung Bootsanleger.

Ich bin gerade erst angekommen, und doch fühlt sich schon jetzt alles so an wie einer dieser unbeschwerten Sommerabende am See aus Kindertagen. Und ehe ich mich versehe, bin ich so tiefenentspannt wie schon lange nicht mehr. Diesen Effekt hatte schon die Uckermark auf mich gehabt, und im Ruppiner Seeland ist das ganz offensichtlich nicht anders. Spätestens in diesem Moment bin ich mir sehr sicher, dass diese Sommer-Wandertage in Brandenburg mindestens so gut werden würden wie die im letzten Herbst. Und ich sollte recht behalten.


Werbehinweis: Meine Reise nach Brandenburg fand in Zusammenarbeit mit Tourismus-Marketing Brandenburg statt und enthält daher Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine persönliche Meinung sowie die Inhalte dieses Artikels wurden dadurch nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst Du hier nachlesen.


4 Tage Wandern durchs Ruppiner SeeNland

Vier Tage lang will ich im Ruppiner Seenland unterwegs sein. Die Gegend ist dank der namensgebenden Seen ein Paradies für alle, die Zeit auf dem Wasser verbringen wollen, sei es beim Paddeln im Kanu oder Urlaub auf dem Hausboot, hat mit dem Ruppiner-Land-Rundweg aber auch einen 250 km langen Fernwanderweg, den ich die nächsten Tage wandernd erkunden will.

Zu Lebzeiten des Schriftstellers Theodor Fontane gab es diesen Fernwanderweg zwar noch nicht, aber das hat den gebürtigen Neuruppiner nicht davon abgehalten, die Region wandernd zu erkunden und ihr in seinen Werken ein Denkmal zu setzen. Wie zum Beispiel auch dem Stechlinsee, nach dem Fontane sogar seinen letzten Roman benannt hat. 1873 war Fontane erstmals zu Gast in Neuglobsow, 1897 erschien als Vorabdruck „Der Stechlin“, der zwar die fiktive Familiengeschichte erzählt, aber das reale Neuglobsow beschreibt.

Tag 1: Rund um den Großen Stechlinsee

Meine erste Wanderetappe führt mich von Neuglobsow aus rund um genau diesen See. Diese Tour ist genau genommen keine Etappe des Ruppiner-Land-Rundwegs, kann aber gut damit verbunden werden, da der Fernwanderweg direkt durch den Ort führt.

Morgens liegen die Ruderboote noch in stiller Eintracht nebeneinander am Bootsanleger und eine Mitarbeiterin des Bootsverleihs schöpft das Regenwasser der vergangenen Nacht aus ihrem Inneren. Die Wettervorhersage auf der Kreidetafel zeigt 22 Grad an und ist ganz offensichtlich noch nicht aktualisiert, denn so warm ist es (zumindest gefühlt) schon jetzt, und es ist gerade mal 9 Uhr morgens. Glücklicherweise ist „der Stechlin“, wie er unter Einheimischen nur kurz genannt wird, wie so viele Seen in Brandenburg von Wald eingefasst. Und dieser Wald verspricht schattige Abkühlung für den Wandertag.

Die Buchen erstrahlen in ihren schönsten Grüntönen und die Vögel in ihren Kronen geben alles, um den neuen Tag lautstark zu begrüßen. Ich halte auf den Zweigen am Ufer Ausschau nach Eisvögeln und dahinter nach Fischadlern, die hier im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land laut NABU die höchste Dichte in ganz Mitteleuropa aufweisen. Am Großen Stechlinsee müsste es diesen Arten, die beide aktiv auf Fischfang gehen und somit auf möglichst klares Wasser angewiesen sind, eigentlich besonders gut gefallen, denn immerhin ist der  einer der klarsten Seen Deutschlands. Bis zu 10 Meter Sichtweite sind keine Seltenheit, manchmal sogar ein bisschen mehr, weswegen der Stechlin auch ein Paradies für Taucher ist. Grund für die gute Sicht ist übrigens der geringe Nährstoffgehalt des Wassers.

Ich bleibe immer wieder an kleinen Buchten stehen, um eine Pause einzulegen und die kleinen Fische zu beobachten, die sich in Ufernähe tummeln. Nur hier und da wird die spiegelglatte Wasseroberfläche durch einen nach Insekten schnappenden Fisch gestört, ansonsten ist die Ruhe des Sees perfekt. Motorisiert darf nur der Fischer vom Stechlinsee auf dem Wasser unterwegs sein sowie die Forscher des Seelabors. Dabei handelt es sich um eine große Versuchsanlage des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei, die über 24 abgetrennten Seebecken verfügt, in denen Klimaszenarien der Zukunft simuliert und ihre Effekte auf den See erforscht werden.

Von Forschern und Fischern ist weit und breit keine Spur, nur ein paar wenige Wanderer und Radfahrer kommen mir den ganzen Tag über entgegen, die meisten Badestellen sind leer. Und mal wieder bin ich fasziniert davon, dass solch ein Ort voller Ruhe und Natur nur eine kurze Fahrt vom Großstadtdschungel Berlins entfernt existiert.

Tag 2: Von Neuglobsow nach Rheinsberg (ca. 23 km)

Neuglobsow schläft noch, als ich am nächsten Morgen früh zu meiner zweiten Wanderetappe aufbreche. Es soll heute noch heißer werden, und dieser Hitze will ich auf der 23 Kilometer langen Etappe durch den frühen Start zumindest ein bisschen entkommen. Auch wenn der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, durch den mein Route führt, quasi wie gemacht ist für das Wandern bei heißen Temperaturen. Das Gebiet ist auf fast zwei Dritteln der Fläche mit Wald bedeckt ist. Hinzu kommen rund 180 Seen, darunter die Hälfte der Klarwasserseenfläche Brandenburgs, wie auch der Große Stechlinsee einer ist.

Ich habe den Wald wie schon am Tag zuvor quasi für mich allein, lediglich einige Spechte, Eichhörnchen und eine Rehfamilie leisten mir Gesellschaft. Und ein hartnäckiger Schwarm Stechmücken, der sich an der Sommerwärme und dem allgegenwärtigen Wasser mindestens so sehr erfreut wie die übrigen Brandenburger. Ich nehme es gelassen und denke nur ab und an sehnsüchtig an die Flasche Moskitospray, die zuhause in meinem Badschrank steht.

Glücklicherweise scheinen die Plagegeister den See, an dem ich meine Mittagspause machen will, nicht so sehr zu mögen, und so kann ich in Ruhe meinen Pausenproviant vertilgen und die heißen Füße im See kühlen, während ich bereits von dem großen Eisbecher träume, der in Rheinsberg auf mich wartet.

Tag 3: Von Rheinsberg nach Zermützel (ca. 19 km)

Nachdem ein Sommergewitter mir mein Sonnenuntergangs-Fotoshooting am Schloss Rheinsberg im wahrsten Sinne des Wortes verhagelt hat, klingelt am nächsten Morgen mein Wecker bereits um 4:30 Uhr. Zu meiner Erleichterung ist das Tor zum Schlosspark unverschlossen und ich kann in aller Ruhe im Morgenlicht rund ums Schloss und durch den Garten bis zum Obelisken wandern, von dem aus man einen guten Blick über den See auf Rheinsberg und das Schloss hat. Ich lasse Kultur beim Wandern ja (leider) gerne mal links liegen, aber diesen frühmorgendlich Ausflug in die Historie Brandenburgs hätte ich nicht missen wollen.

Nachdem ich mich in Rheinsberg endlich mit Anti-Mücken-Spray eingedeckt und vor allem auch eingesprüht habe, bin ich bereit für meine dritte Wanderetappe. Von dem Städtchen aus folge ich einer ganzen Zeit lang einer dieser alten Pflasterstraßen, die ich schon damals in der Uckermark so toll fand. Da macht sogar Wandern auf Straßen Spaß! Zumal dort von Autos oder ähnlichem weit und breit keine Spur ist.

Nach einiger Zeit macht die Waldlandschaft Wiesen und Feldern Platz, dessen Ränder mit Büschen und Blumen gesäumt waren, die vor Schmetterlingen, Bienen und anderen Insekten nur so wimmeln. Überall summt und brummt es, und ich nehme mir mal wieder ganz bewusst Zeit dafür, diesen kleinen Dingen am Wegesrand Beachtung zu schenken.

Insgeheim freue ich mich aber den ganzen Tag schon auf das Ende des Wandertages, denn dann wartet eine ganz besondere Unterkunft auf mich: Ein alter Zirkuswagen! Der steht zusammen mit zwei kleineren Schäferwagen auf der Wiese eines kleinen Pferdehofs (Kremserhof Zermützel) für Besucher bereit, die das entspannte Landleben und Zeit in der Natur ohne großen Schnickschnack verbringen wollen. DerWagen hat alles was man braucht – in meinem Fall sogar eine Küche inklusive Kühlschrank und ein kleines Bad – und ich merke mal wieder, dass diese Sache mit dem Tiny House mir durchaus gefallen könnte. Müde aber glücklich sitze ich abends auf den Stufen meines Zirkuswagens und lese. Irgendwo bellt ein Hund, irgendwo pickt ein Specht Löcher in einen Stamm. Sonst passiert… nichts. Und das ist auch gut so.

zermuetzel zirkuswagen brandenburg

Tag 4: Von Zermützel nach Neuruppin (10 km)

Vom kleinen Dorf Zermützel ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Neuruppin, der Endstation meiner 4-tägigen Wanderung auf dem Ruppiner Land-Rundwanderweg. Als ich die Navigationsfunktion meines Smartphones starten will, hält sofort ein Auto neben mir und der Fahrer fragt, ob er mir helfen kann. Kurze Zeit später winkt mir der Kapitän eines Hausbootes freundlich zu, als ich in dem Moment die Brücke überquere, in dem er unter ihr hindurch fährt. Mit so viel Freundlichkeit kann ein Tag nur noch gut werden.

Auf den folgenden Kilometern zerbreche ich mir den Kopf darüber, ob ich nun lieber in einem Zirkuswagen wohnen würde oder doch auf einem Hausboot. (Ich entscheide mich letztendlich dafür, dass ich beides haben will.)  Und irgendwann ist er da, der Neuruppiner See, seines Zeichens letzter See auf meiner Wanderung. Ich werde ein bisschen wehmütig, halte meine Füße während meiner letzten Pause nochmal ganz besonders lange in das flache Wasser, und nehme mir vor, dieses Gefühl von Tiefenentspannung über die Landesgrenzen Brandenburgs hinaus mit mir zu tragen, solange es mir gelingt. Ein bisschen kann ich sie immer noch spüren, jetzt Tage später, während ich diese Zeilen schreibe und mein Blick über die Fotos wandert. Erstaunlich, was selbst ein paar wenige Tage in Brandenburg so alles bewirken können.

Theodor Fontane und das Ruppiner Land

In Neuruppin angekommen steuere ich sofort die Löwenapotheke an, und zwar nicht, weil ich Nachschub an Moskito-Spray brauche, sondern weil Neuruppin die Geburtsstadt Theodor Fontanes ist und das Haus, in dem die Apotheke sich befindet, sein Geburtshaus.

Während meiner Wanderung durchs Ruppiner Seenland bin ich quasi auf den Spuren des Schriftstellers gewandert, denn auch Fontane war ein Wanderer und eng mit Brandenburg verbunden. In seinem 5-bändigen Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschreibt er zum Beispiel in aller Ausführlichkeit Landschaften, Orte und Menschen, die ihm auf seinen Streifzügen begegnet sind. Viele Orte in Brandenburg, wie zum Beispiel der Stechlinsee, sind Schauplätze seiner Werke. Dieses Jahr feiert Brandenburg den 200. Geburtstag Fontanes.

Der Ruppiner-Land-Rundwanderweg – Alle Infos

Länge und Etappen: Der 250 km lange Ruppiner-Land-Rundwanderweg ist in 13 Tagesetappen von 15 bis 30 km aufgeteilt. Dabei verläuft er in großen Teilen auf dem Europäischen Fernwanderweg E 10.

Anreise: Alle Etappen sind an öffentliche Verkehrsmittel angebunden, Start und Ziel ist an jedem der 13 Bahnhöfe möglich. Je nach Ausgangspunkt musst Du in etwa mit 1,5 Stunden Fahrzeit ab Berlin Hauptbahnhof rechnen.

Übernachtung: Unterwegs gibt es immer wieder Übernachtungsmöglichkeiten, sei es auf Campingplätzen, in Pensionen oder Hotels. Dadurch kannst du die Etappen auch individuell gestalten und musst dich nicht an die Vorschläge halten.

Ich habe auf meiner Wanderung in folgenden Unterkünften übernachtet, die alle (mehr oder weniger) direkt an der Strecke liegen:
– Neuglobsow: Haus Brandenburg (Ferienwohnung mit Selbstverpflegung, aber zwei Restaurants sind in der Nähe)
– Rheinsberg: Seehof Rheinsberg (schönes kleines Hotel in unmittelbarer Nähe zum See und zum Schloss)
– Zermützel: Kremserhof (Zeltmöglichkeiten und Zirkus- bzw. Schäferwagen)

Wegbeschaffenheit und -markierung: Der Weg ist oft, aber nicht durchgehend markiert. Für die unkomplizierte Orientierung kannst du dir den GPS-Track hier herunterladen, außerdem ist die Strecke auf Komoot verfügbar. Die Strecke führt immer wieder über Wanderpfade, aber auch über Wald- und Feldwege oder kleine Straßen. Besonders schön ist übrigens der nördliche Abschnitt des Fernwanderweges. Falls Du also nur einen oder einige Tage auf dem Weg unterwegs sein willst, empfehle ich dir dafür diesen Abschnitt.

Verpflegung unterwegs: Brandenburg hat durchaus so seine abgelegenen Winkel, in denen es keine Einkaufs- oder andere Verpflegungsmöglichkeiten gibt. Vor deiner Wanderung solltest du das auf jeden Fall recherchieren und dabei auch die Öffnungszeiten nicht aus dem Auge lassen. Auf meiner Route war ich allerdings durchgehend versorgt und habe viel mehr noch eine erstaunlich tolle Auswahl an veganen Restaurants und Gerichten gefunden:

In Rheinsberg (Wanderetappe 2) gab es mit dem Grünzeugs nicht nur ein komplett vegetarisches Restaurant mit vielen veganen Optionen und einem unglaublich leckeren Burger, sondern mit der Eiszauberei auch noch eine Eisdiele, die veganes Eis auf Reismilchbasis im Angebot hat. In Neuruppin (Wanderetappe 4) gab es mit dem Wildwuchs sogar ein komplett veganes und ziemlich tolles Restaurant, und in der Boltenmühle sowie der Waldschänke Stendenitz (Mitte bzw. Ende von Wanderetappe 3) gab es jeweils gekennzeichnete vegane Optionen auf der Karte, die mehr waren als „nur Beilagen“.


Warst Du auch schon mal im Ruppiner Seenland oder hast noch weitere Tipps für schöne Wanderungen in Brandenburg? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

4 Comments

  1. Toller Blogpost. Du machst mir immer mehr Lust auf Brandenburg! :-) ist in meiner „to hike – Liste“ weit nach oben geklettert :-) danke!

  2. Ein ganz ganz wundervoller Artikel! Vielen Dank dafür! Ich liebe die Gegend auch zum Radfahren und hätte noch den Tipp für einen Abstecher nach Menz. Dort gibt es das tolle kleine Cafè Bric à Brac mit viel französischem Charme und Lebensstil. Gegenüber liegt das Besucher- und Informationszentrum NaturParkHaus Stechlin, welches wirklich grandios erlebenswert ist! Nicht zu vergessen der idyllische Campingplatz am Roofensee. Leider schon kein Geheimtipp mehr aber Anfragen lohnt immer. Liebste Grüße

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