Es gibt ein paar Dinge, die können einem die Tour so richtig versauen. Bei denen es kein Schönreden und kein Durchhalten gibt. Und ein schlecht sitzender Rucksack gehört ganz sicher dazu.

In diesem Wissen hat mir die Auswahl des Rucksacks während der Vorbereitung zu meiner Trekkingtour durch Großbritannien schlaflose Nächte bereitet. Ich besaß zwar schon einen Rucksack, mit dem ich sehr zufrieden war, aber der war für eine solch lange Tour einfach zu schwer.

Also versuchte ich es erst einmal auf der anderen Seite der Fahnenstange und testete diverse ultraleichte Rucksäcke. Aber irgendwie wollte mich da keiner so wirklich überzeugen, auch wenn ich überaus gewillt war, ihnen eine echte Chance zu geben. Letztendlich scheiterte es wohl einfach daran, dass mein Packgewicht stets an der Maximalbelastung gekratzt hätte und die Rucksäcke dadurch an ihre Grenzen stießen, was den Tragekomfort angeht. Zumindest im Wohnzimmertest.

Also tastete ich mich gewichtsmäßig wieder etwas nach oben und landete irgendwann beim Wilderness 60+15 von Berghaus. Mit 1,8 kg zwar kein wirkliches Leichtgewicht mehr, aber wenn man bedenkt, dass hier ein vollwertiges Tragesystem, robuste Materialen, „Schnickschnack“ wie Seitentaschen und mehr verbaut sind, ist das doch ein ziemlich guter Wert. Und wie das Schicksal es wollte, saß er auch ganz hervorragend und ließ mir zudem vom Volumen her noch ein bisschen Luft nach oben.

3 Monate und 1.500 Kilometer hat er mich auf meiner Wanderung durch Großbritannien begleitet. Und wie wir zwei uns während dieser langen Zeit so verstanden haben, erfährst Du in diesem Testbericht.

Berghaus Wilderness 60+15 im Langzeittest
3 Monate und 1.500 Kilometer: Der Berghaus Wilderness 60+15 im Langzeittest

Ausstattung des Wilderness 60+15

Kurzum: Der Wilderness 60+15 von Berghaus hat alles was man braucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger:

Als besonders praktisch empfinde ich, dass der Inhalt dank Frontreißverschluss und separat zu öffnendem Bodenfach leicht erreichbar ist. Letzteres verfügt zudem über einen verschließbaren Einsatz, was die Rucksackorganisation noch leichter macht. Besonders abends im Zelt, wenn man wenig Platz und noch weniger Geduld hat, ist das ein wahrer Segen.

Kleinigkeiten wie Geld oder Snacks finden in den zwei Reißverschlusstaschen am Bauchgurt oder im Deckelfach Platz. Und sperrige Dinge wie die Trinkflasche reisen in den großen Netztaschen an der Seite des Rucksacks mit.

Der Frontreißverschluss des Wilderness 60+15 von Berghaus
Leichter Zugriff auf den gesamten Inhalt dank Fronstreißverschlüssen

Für Trekkingstöcke gibt es Befestigungspunkte auf der Rückseite des Rucksacks. Dank zwei großer Reißverschlusstaschen an beiden Seiten lässt sich das Grundvolumen von 60 Litern auf 75 Liter erweitern, dann sind allerdings die Netztaschen ggf. nicht mehr nutzbar. Dank der seitlichen Kompressionsriemen platzt der Rucksack auch vollbepackt nicht aus allen Nähten. Diese hätten allerdings etwas praktischer platziert werden können, sodass sich z.B. auch ein Zelt seitlich tragen und dabei ausreichend sichern lässt. Meiner Meinung nach ist der obere Kompressionsriemen etwas zu hoch und der untere etwas zu niedrig für diesen Zweck.

Seitentaschen des Berghaus Wilderness 60+15
Dank großer Seitentaschen ist der Rucksack um 15 Liter erweiterbar
Praktische Befestigungsschlaufen am Deckelfach
Praktische Befestigungsschlaufen am Deckelfach

Mit dem Rucksack wird auch eine Regenhülle mitgeliefert, die allerdings bei voller Beladung zu knapp bemessen ist. Zudem ist die Farbe sehr gedeckt, was z.B. für Straßen oder Jagdgebiete nicht so ideal ist. Wenn Du also das Rucksack Volumen ausnutzen und/oder gut sichtbar sein willst, solltest Du Dir eine separate Regenhülle zulegen. Verstauen lässt sich die Hülle in einem kleinen Fach an der Unterseite des Rucksacks. Wünschenswert wäre hier eine wasserdichte Trennung, damit man die Regenhülle auch nass problemlos verstauen kann.

Tragekomfort des Wilderness 60+15 von Berghaus

Mein Rücken bzw. viel mehr meine Schultern sind generell ziemlich wählerisch, was Rucksäcke angeht, was die Wahl nicht gerade erleichtert hat. Mit dem Wilderness 60+15 von Berghaus konnten sie sich aber auf Anhieb anfreunden. Die Rückenlänge ist einfach und sogar während des Laufens mit einem Handgriff anpassbar und auch alle anderen Einstellungen sind schnell und flexibel vorzunehmen.  Der Brustgurt ist höhenverstellbar und somit individuell anpassbar. Der Hüftgurt ist vorgeformt und ausreichend gepolstert, ohne übertrieben zu wirken.

Tragesystem des Berghaus Wilderness 60+15
Das Tragesystem ist bequem und flexibel einstellbar

Ich hatte durchschnittlich etwa 15 kg auf dem Rücken und konnte diese mehr als angenehm tragen. Mit den richtigen Einstellungen und der richtigen Packtechnik lag das Gewicht ausschließlich auf der Hüfte und meine Schultern hatten keinen Grund, sich zu beschweren.

Lediglich die Schulterträger könnten für meinen Geschmack etwas flexibler und besser gepolstert sein – diese verursachten in der Anfangszeit leichte Druckstellen auf Höhe der Brust.

Brustgurt des Wilderness 60+15 von Berghaus
Der Brustgurt ist höhenverstellbar

Der Berghaus Wilderness 60+15 im Langzeittest

Nach 3 Monaten und 1.500 Kilometern Dauereinsatz zeigt der Wilderness 60+15 keinerlei signifikante Gebrauchsspuren, obwohl ich nicht gerade zimperlich damit umgegangen bin. Lediglich in einer Netztasche ist ein kleines Loch, welches durch eine scharfkantige Plastikverpackung entstanden ist. Dies geschah relativ am Anfang, aber das Loch vergrößerte sich während der gesamten Zeit trotz Dauerbelastung nicht. Alle Schnallen und Reißverschlüsse sind wie neu und das Material hat weder Risse oder Löcher noch „dünne Stellen“.

Alle Detail-Produktbilder auf dieser Seite sind übrigens gegen Ende der Tour entstanden!

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Das Fazit des Berghaus Wilderness 60+15 Testberichtes

Der Berghaus Wilderness 60+15 kommt meiner Vorstellung eines idealen Trekkingrucksacks schon ziemlich nahe. Es gibt zwar auch ein paar negative Punkte, aber die sind schon Meckern auf hohem Niveau und leicht verschmerzbar.

+ hervorragendes Verhältnis von Gewicht und Komfort bzw. Ausstattung
+ hoher Tragekomfort auf bei stärkerer Belastung
+ leichter Zugriff dank Frontreißverschluss und separatem Bodenfach
+ genug Stauraum für „Kleinzeug“
+ großvolumige Netztaschen an beiden Seiten
+ Befestigungspunkte für Trekkingstöcke
+ viele Einstellmöglichkeiten
+ dank Seitentaschen auf 75 Liter erweiterbar
+ last but not least: verhältnismäßig günstiger Preis (ca. 179,- Euro)

anfänglich etwas zu harte und unflexible Schulterträger
ungünstig platzierte Kompressionsriemen an den Seiten
für Frauen nur in einer Farbvariante verfügbar
mitgelieferte Regenhülle etwas zu knapp bemessen und nicht in Signalfarbe

Erhältlich ist der Rucksack für ca. 179,95 Euro – die Variante für Frauen gibt’s hier und die für Männer hier.

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Werbehinweis: Dieser Test wurde von Berghaus unterstützt. Meine Meinung bleibt davon natürlich unbeeinflusst. Zudem finden sich in diesem Artikel Affiliate-Links. Kaufst Du über einen dieser Links ein, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass Du mehr bezahlen musst. Dies dient der Erhaltung meines Blogs.


Mit welchem Rucksack bist Du unterwegs? Hast Du vielleicht auch schon Erfahrungen mit dem Berghaus Wilderness 60+15 sammeln können? Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

2 Comments

  1. Schöner Erfahrungsbericht 🙂

    Vor allem hast Du gut beschrieben warum Du bei dem Rucksack gelandet bist.

    Bei dem Gesamtgewicht, dass Du eben dabei hattest, war der Berghaus ganz offensichtlich eine gute Lösung.

    Und Du hattest ja ne ganze Menge Technik dabei, die den Rucksack ja dementsprechend schwerer gemacht hat. Zieht man die gedanklich ab, dann landest Du ja trotz „schwerem“ Rucksack bei einem für die Gegend relativ leichtem Gesamtgewicht.

    Ausserdem schön, dass der Berghaus nicht einer der üblichen Verdächtigen bei der Rucksack-Wahl ist.

    Die Vielfalt machts 🙂

    Gruß

    Carsten

  2. Danke für den Rucksackbericht! Gerade weil es sich nicht um einen der üblichen Verdächtigen handelt aber sehr praktikabel zu sein scheint.
    Ich muß gestehen: ich hätte mit der Farbe ein Problem… 😉

    Selbst bin ich mit einem Deuter ACT lite 45+10 SL unterwegs. Das ist, wie der Berghaus, ein „vollwertiger“ Rucksack mit Tragegestell – aber halt ein weing kleiner. So lange Touren wie du in diesem Jahr habe ich noch nicht gemacht. Ich war bisher immer nur ein paar Tage unterwegs und da reicht mir das Volumen vollauf. Ich bin da sogar ein Freund freiwilliger Selbstbeschränkung in diesen Dingen. Wenn mein Rucksack voll ist, ist er mir schwer genug. Da möchte ich mich selbst verleiten in einem Größeren noch mehr mitzunehmen. 😉
    Ich bin mit meinem Rucksack auch sehr zufrieden. Nur mit den Gurten hardere ich manchmal. Ich habe schon mal Druckstellen auf den Beckenknochen oder Schlüsselbeinen. Da könnte das Polster für mich etwas weicher sein. Ich hab schon mal überlegt mit „Polsterpflastern“ für die Füße nachzuhelfen. Ich hab aber auch schon festgestellt, das weniger Gewicht auch hierbei wieder hilfreich ist.
    Ich schiele auch immer wieder zu den UL Rucksäcken, aber ich muß gestehen, so richig werde ich nicht mit denen warm… allerdings hatte ich auch noch nicht die Möglichkeit mir welche live anzusehen.

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