[Gastartikel] Echte Wildnis, wohin das Auge reicht. Keine Wege, keine Straßen, der nächste Ort mehrere Tagesmärsche weit entfernt. Für Wanderer mit etwas Trekking-Erfahrung ist der Norden Schwedens ein einziges großes Paradies (auch wenn dieses Paradies mit einigen Tücken wie reißenden Gletscherflüssen und großen Moskitoschwärmen daher kommt). Und dazu noch eines, das sogar ganz gut von Deutschland aus mit dem Zug erreichbar ist! Auch wenn das manchmal ein bisschen länger dauern kann – vor allem wenn man so viel Pech hat wie Gastautorin Tina, die in diesem Artikel nicht nur von ihrer Reise durch den Norden Schwedens, sondern auch von ihrer Reise dorthin berichtet.

Zwei Wochen wanderte sie mit schwedischen Freunden durch Schwedisch Lappland. Ihre selbstgeplante Wanderroute führte sie dabei quer durch den wilden Sarek Nationalpark und ein Stück entlang des Nordkalottleden, einem anspruchsvollen Fernwanderweg, der auf insgesamt 800 Kilometern durch Norwegen, Schweden und Finnland führt.


Ich veröffentliche regelmäßig Gastartikel (wie diesen), um auch anderen Frauen, die abenteuerlich Reisen und das Draußensein lieben, die Möglichkeit zu geben, von ihren Abenteuern und Erfahrungen zu erzählen. Wenn Du auch Lust hast, hier von deinem Abenteuer zu berichten, schick mir einfach eine E-Mail


Mit dem Zug nach Nordschweden: Die lange Anreise

Fernreisen innerhalb Europas lassen sich auch ohne Flugzeug gut bewältigen. Wenn du über kein eigenes Auto verfügst oder einfach gern nachhaltig reisen möchtest, kannst du für weitere Strecken jederzeit auf das mehr oder weniger gut ausgebaute Zugsystem Europas zurückgreifen. Vor allem Nachtzüge erfreuen sich wieder größerer Beliebtheit. Ist es doch eine wunderbar entspannende Art zu Reisen: im Zug schlafen, während draußen die Landschaft vorüber fährt. … so zumindest die Theorie. Denn längere Zugreisen können auch so ihre Tücken haben. Und dann wird bereits die Anreise ins Wandergebiet zum (unfreiwilligen) Abenteuer.

Meine Odyssee begann im Sommer 2019, als ich nach Nordschweden fuhr, um mal wieder im Sarek-Nationalpark zu wandern. Ich hatte den perfekten Zug und die perfekte Verbindung gebucht. Mit gemütlicher Abfahrt: nicht zu früh, nur zweimal umsteigen, Aufenthalte in Hamburg und Kopenhagen und das für einen relativ günstigen Preis. Es hätte wunderbar einfach und entspannt sein können trotz 20 Kilo schwerem Wanderrucksack. Doch dann wäre es ja langweilig und ich hätte nichts zu erzählen.

Als ich meine Zugreise nach Stockholm starte, bin ich voller Vorfreude auf den Urlaub und auch auf die schöne Zugfahrt, die mich erwartet. Doch diese endet abrupt mit einer Vollbremsung des Zuges bei der Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof. Notarzteinsatz auf dem Gleis. Und schon sind hunderte Menschen gestrandet. Es folgt eine unfreundliche Massenabfertigung am Service-Schalter, wo den meisten eine bezahlte Unterkunft angeboten wird. Leider ist das für mich keine Option, ich muss schließlich meinen Nachtzug in Stockholm erwischen. Der DB-Mitarbeiter stellt mir ein Ersatzticket aus und wünscht mir viel Glück. Das brauche ich tatsächlich – und ebenso viel Durchhaltevermögen. Denn um rechtzeitig in Stockholm zu sein, muss ich mich durch unzählige Regionalbummelzüge quer durch die norddeutsche und dänische Provinz schlagen.

Ich schaffe es in der Nacht immerhin noch nach Neumünster, dann verbringe ich eine ungemütliche Nacht auf dem Bahnhof; warme Kleidung und Schlafsack habe ich ja zum Glück dabei. Um 5:30 Uhr geht der erste Zug nach Norden. Mit ihm fahre ich übermüdet und erschöpft durch das morgendliche Schleswig-Holstein, dann über die Grenze nach Dänemark, wechsle den Zug, fahre nach Kopenhagen, wechsle den Zug und überquere schließlich die Öresund-Brücke nach Malmö. Gegen Mittag bin ich endlich in Schweden angekommen. Aber leider ist das mitnichten das Ende meiner Zugodyssee.

Am Bahnhof von Malmö herrscht großes Chaos. Oberleitungsschaden, und damit komplettes Zugchaos für die ganze Provinz Skåne. Immerhin das Servicepersonal ist hier unglaublich nett und hilfsbereit. Ich klage ein wenig über meine bisher katastrophal verlaufende Reise und die unfähige Deutsche Bahn und schon sitze ich in einem perfekt organisierten Ersatzbus mit einem neuen Ticket, denn die Sitzplatzreservierung, die in den schwedischen Zügen Pflicht ist, ist auf meinem seltsamen Notfallticket der DB nirgendwo vermerkt. Aber die freundliche Service-Mitarbeiterin der Schwedischen Bahn SJ organisiert mir ein neues. Das ist die viel beschworene skandinavische Effektivität: gut organisiert, auch im Chaos.

Nach stundenlangen Bus- und Zugfahrten durch Südschweden erreiche ich dann irgendwann Stockholm und kann mich endlich im Nachtzug ins Bett fallen lassen und meinen Schlaf nachholen, während draußen die endlosen Wälder vorbei ziehen. Nach etwa 18 Stunden ist der Zug in Murjek angekommen, einer kleinen Siedlung in Norbotten, Schwedens nördlichster Provinz. Hier treffe ich mich mit meinen beiden schwedischen Freunden Eric und Moa und wir steigen zusammen in den Bus weiter ins Fjell, die Berglandschaft im Westen Schwedens. Endlich. Nach zwei Tagen Anreise.

Wandern quer durch den Sarek Nationalpark

Einen Tag später sind wir schon schwer bepackt unterwegs. Erst folgen wir breiten Wanderwegen, dann schlecht markierten Pfaden, dann Rentierspuren, bis wir am Schluss die Grenze des Sarek Nationalparks überschreiten. Im gesamten Nationalpark gibt es keine ausgebauten Wege oder Brücken über die eisigen Gebirgsbäche, lediglich von Rentieren oder Wanderern getrampelte Pfade.

Die erste Nacht verbringen wir im Nadelwald, der vom Regen der letzten Tage völlig durchnässt ist. Außerdem werden wir von Schwärmen von Mücken geplagt. In Lappland geht ohne Mückenschutz nichts. Woran sich Wanderer aus Mitteleuropa ebenfalls gewöhnen müssen, ist die Mitternachtssonne. Zwar verschwindet sie jetzt – Ende Juli – wieder für ein, zwei Stunden, dennoch wird es nicht wirklich dunkel. Zwischen Mitternacht und 2 Uhr früh herrscht Zwielicht und Dämmerung. Ich bin von meinen vorherigen Wanderungen schon daran gewöhnt, ebenso an die Tatsache, dass wir unsere Zelte aufschlagen können, wo wir wollen – dank schwedischem Jedermannsrecht, das unter anderem Wildzelten ausdrücklich erlaubt.

Bereits am zweiten Tag lassen wir erst den Nadel- und dann den Birkenwald hinter uns und erreichen das karge Hochfjell, das von niedrigen Büschen und Sträuchern dominiert wird. Am Abend zelten wir am Rand eines großen Schneefeldes. Von meinem Zelt aus kann ich schon das Wasser sehen, dass aus dem schmelzenden Schneefeld fließt und sich langsam zu einem reißenden Gebirgsbach vereint. Ein solcher Schmelzwasserfluss heißt in der Sprache der einheimischen Sami Jokk. Dieses Wort findet sich in vielen Ortsnamen und Bezeichnungen – Jokkmokk, Kvikkjokk … . Am nächsten Morgen müssen wir diesen Jokk durchqueren. Zum Glück hat es seit unserem ersten Tag nicht mehr geregnet, aber es ist ungewöhnlich warm. Wir befürchten viel Schmelzwasser, schaffen es aber gut durch das eiskalte Wasser, obwohl es zeitweilig bis über Kniehöhe ging.

Wir drei wandern insgesamt sieben Tage durch den Sarek, von Süden kommend in Richtung des Pårte-Massivs und biegen dann nach Nordwesten ins Rippadalen/Sarvesvagge ab. Dabei ist unser Weg manchmal sehr einfach begehbar durch breite Flusstäler und über flache Hochwiesen. Dann aber wieder auch sehr anspruchsvoll, führt durch sumpfiges Terrain, in das wir bis zum Knöchel einsinken, durch zähes übermannshohes Gestrüpp einen steilen Berg hinauf oder durch steinige Hochtäler. Dort sind wir gezwungen, wie Ziegen von Stein zu Stein zu hüpfen.

Eine weitere Widrigkeit beim Wandern in Schwedisch Lappland kann das Wetter sein. Immerhin befinden wir uns auf Höhe des Polarkreises. Regen, Sturm, plötzlicher Schneefall und Nachtfröste können auch im Hochsommer vorkommen. In diesem Sommer jedoch sehen wir uns mit einem ganz anderen Problem konfrontiert: Seit Tagen scheint unentwegt die Sonne, und das für rund 20 Stunden am Tag. Und die Temperaturen steigen immer weiter.

Als ich an unserem mittlerweile siebten Tag von einer Rentierherde geweckt werde, die nicht wie sonst ins Tal, sondern auf die Berghöhen zieht, vermute ich schon, dass es heiß werden wird. Denn die dickbefellten Rentiere fliehen vor der Hitze in höhere Regionen. Beim Frühstück bemerken wir auf den Schneefeldern der umliegenden Berghänge unzählige dunkle Punkte. Erst auf den zweiten Blick wird uns klar, dass es die Rentierherde ist. Die Tiere stellen sich auf den Schnee, um wenigstens von unten ein bisschen Kühle zu bekommen. Wir jedoch wandern talabwärts, während die Sonne erbarmungslos auf uns herab scheint. Gegen Mittag wird es unerträglich heiß und es gibt kaum Schatten; keine Büsche, die hoch genug wären noch große Steine, in deren Schatten wir uns ausruhen könnten.

Wir haben das zweifelhafte Vergnügen, bei dem unglaublichen Hitzerekord von 33 Grad über schmelzende Schneefelder zu wandern – 100 Kilometer nördlich des Polarkreises! Der arktische Rekordsommer von 2019 lässt uns den Klimawandel am eigenen Leib erleben. Hier im Norden ist das überdeutlich zu merken. Viele Schneefelder sind bereits vollkommen abgeschmolzen, manche Wasserläufe komplett ausgetrocknet, obwohl der Sommer hier erst angefangen hat. Am meisten aber leiden die Tiere unter der ungewohnten Hitze und Trockenheit. Ist es zu trocken, finden Rentiere und Elche nicht genug Futter und können sich kein Fett für den Winter anfressen. Zusätzlich werden sie zunehmend von Waldbränden bedroht. Deswegen ziehen sie immer weiter nordwärts, doch auch dort holt die Hitze sie mittlerweile ein. Für die samischen Rentierzüchter wird es immer schwieriger, genügend Tiere durchzubringen.

Ich bin ebenfalls nicht auf solche Temperaturen eingestellt und hätte statt einer Wollmütze lieber Sonnencreme einpacken sollen. Wir alle leiden unter Sonnenbrand und ich habe zusätzlich einen üblen Sonnenstich abbekommen. Dann droht uns auch noch das Trinkwasser auszugehen, was bei den zahlreichen Gewässern eigentlich nie passiert. Doch nach einer Woche ohne Regen sind viele Rinnsale ausgetrocknet. Als wir völlig verschwitzt zwei kleine Teiche erreichen, ist die Freude groß. Obwohl sie ziemlich verschlammt und zugewachsen sind,  reicht es zumindest für eine kurze Abkühlung. Baden ist am Polarkreis eher selten möglich. Nach dieser Erfrischung erreichen wir auch bald den Alajavvre, den See Ala, an dessen Ufer wir den Rest des Tages entlang wandern.

Trotz der Hitze kann ich die Schönheit der Landschaft bewundern, und ich bin nicht die einzige. Dieses Tal wird ausführlich im Wanderführer „Sarek – Trekking in Schweden“ von Claes Grundsten beschrieben. Ein Standard-Werk unter den Wanderfreunden im Norden. Es kommt nicht oft vor, dass wir andere Menschen im Sarek treffen. Doch bei ausnahmslos jeder Begegnung kommen wir früher oder später auf Grundsten zu sprechen. Seine Beschreibung des Sarek ist einfach eine Art Wanderbibel für Sarek-Begeisterte.

Auf dem Nordkalottleden vom Sarek zum Sulitelma

An diesem heißen Tag lassen wir den wilden Sarek-Nationalpark endgültig hinter uns. Im samischen Dorf Saltoluokta treffen wir uns mit Lena, die ab hier mit uns weiter wandern wird. Sie ist per Helikopter angereist und bringt auch unser Essen für die kommende Woche mit. Denn wir hatten unsere Rationen vor Start der Reise gezählt, sortiert und auf unsere Rucksäcke aufgeteilt. Das Paket für die zweite Woche geben wir an der Helikopter-Station in Kvikkjokk ab, mit der Bitte, es an diesem Samstag nach Saltoluokta zu fliegen. Das funktioniert völlig problemlos, dank der regelmäßig genutzten Flugroute, über die Wanderer und samische Anwohner recht kostengünstig die weit entlegenen Gebiete erreichen. Schwedische Effizienz findet sich auch inmitten der Wildnis.

Ebenso sind die Hütten entlang des Wanderwegs Nordkalottleden, dem wir nun folgen, stets ordentlich und sauber. Jeder Gast räumt auf und putzt nach Benutzung die Küche und die Zimmer mit schwedischer Disziplin und Ordnungsliebe. Hierzulande sind die Deutschen eher als unordentlich verschrien – unglaublich aber wahr. Der Sauberkeitsfimmel nimmt mitunter etwas seltsame Auswüchse an. Ich finde auf einem der Plumpsklos an den Hütten einen extra angebrachten Plastikbeutel voll toter Mücken, in den die Erschlagenen gleich schön entsorgt werden können. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es sich dabei nicht um einen Scherz handelt. Es kann an den Hütten auch sehr langweilig und einsam werden. Die stugvärden (dt.: Hüttenwirte) verbringen hier mitunter mehrere Monate allein in der Einsamkeit und nicht jeden Tag kommen Wanderer vorbei.

An solch einsamen Hütten kommen wir in dieser Woche noch häufiger vorbei, da der Nordkalottleden entlang der norwegischen Grenze eher wenig frequentiert ist. Dafür bietet sich hier eine Bergbesteigung an, die uns ein wunderschönes Panorama und einen Blick auf die Lofoten bis zum Nordatlantik eröffnet. Ein paar Tage später zelten wir am Fuß des beeindruckenden Berges Stirka und nutzen die sonnigen Abendstunden, um in den kleinen Seen zu fischen. Mit einer offiziellen Fischfang-Lizenz ist es erlaubt, in bestimmten Gewässern eine begrenzte Anzahl von Fischen zu fangen, gerade genug für ein Abendessen.

Am Tag darauf beginnen wir mit dem Abstieg aus dem Hochfjell, durch sumpfige Buschlandschaften, liebliche Birkenwälder und schließlich mannshohe Blumen und Gräser, die ein wenig Dschungel-Feeling aufkommen lassen – der anhaltende Sonnenschein tut sein übriges, obwohl die Temperaturen auf erträgliche 18 Grad gefallen sind. Die letzte Nacht im Fjäll verbringen wir oberhalb eines Wasserfalls, an einem von Sträuchern dicht bewachsenen Flussufer. Hier hält die Natur für uns noch eine letzte Überraschung bereit: die großen orangenen Moltebeeren sind schon reif, wahrscheinlich aufgrund des ungewöhnlich warmen Wetters. Sie sind eigentlich eher Herbstfrüchte. Jetzt stolpern vier erwachsene Menschen tief gebückt über eine moorige Wiese und stopfen sich mit kindlicher Begeisterung eine süße Beere nach der anderen in den Mund. Dies und ein fantastischer Regenbogen über dem Wasserfall bilden einen würdigen Abschluss für unsere Wanderung. Es waren zwei unglaubliche Wochen ohne einen einzigen Tropfen Regen und mit rund 20 Sonnenstunden jeden Tag. Das habe ich in einer Polarkreisregion noch nie erlebt.

Die Rückfahrt aus dem Gebirge geht leider viel zu schnell über schnurgerade Straßen durch den endlosen Wald. Wir erreichen wieder das Dörfchen Murjek, wo ich mich von meinen schwedischen Freunden verabschiede, die den Nachtzug nach Süden nehmen. Ich muss noch einen Tag bleiben und auf den nächsten Nachtzug warten, der nicht hoffnungslos ausgebucht ist, da ich dummerweise zu spät gebucht habe. Hochsommer ist auch immer touristische Hochsaison und wer kann, fährt mit dem Zug. Aber da ich noch Zeit habe, ist das kein Problem und ich schlage einfach mein Zelt mitten im Wald auf, etwa 500 Meter von der Bahnstation entfernt. Es herrscht eine unheimliche Stille, nur das Summen der Mücken und die in der Ferne ratternden Güterzüge sind zu hören. Auf der eingleisigen Bahnstrecke wird das Eisenerz und Kupfer aus den Minen in Kiruna und Gällivare nach Norden zum eisfreien Hafen Narvik gebracht. Das ist auch der ursprüngliche Grund, warum die Bahnstrecke überhaupt existiert und sich hier im hohen Norden Städte gebildet haben. Der Wandertourismus spielt da eher eine untergeordnete Rolle.

Meine Reise endet, wie sie begonnen hat. Mit Nachtzügen, Schienenersatzverkehr und dem unvermeidlichen Chaos in Skåne. Diesmal ist eine alte Lok auf der Strecke liegengeblieben. Aber wenn alles glatt gehen würde, hätte ich ja nicht so viel zu erzählen. Ich freu mich jetzt schon aufs nächste Mal.

Tipps für Trekkingtouren in Schwedisch Lappland

Beste Reisezeit

Aufgrund der nördlichen Lage ist die Wandersaison in Schwedisch Lappland und an Orten wie dem Sarek Nationalpark relativ kurz – zumindest, wenn man keine Ski mitgebracht hat. Die Monate von Juni bis September sind grundsätzlich gut geeignet, wobei der September unter Lappland-Fans als der schönste gilt. Dann leuchten die ersten Herbstfarben, man sieht vielleicht sogar schon ein paar Nordlichter und die Mückenschwärme sind dem ersten Frost zum Opfer gefallen. Natürlich kann es zu dieser Jahreszeit dann aber nicht nur für die Mücken, sondern auch für Wanderer schon wieder etwas kälter werden.

Orientierung

Der gesamte Sarek-Nationalpark wird in seiner Wildheit belassen und verfügt nur über eine einzige kleine Schutzhütte mit Notfalltelefon. Da es keinerlei markierte Wege gibt, ist die erste Herausforderung, sich eine geeignete Route durch den Nationalpark zu suchen, denn Flüsse, die auf der Wanderkarte klein aussehen, kannst du manchmal nicht queren. Eine gute Vorbereitungen mithilfe eines Wanderführers ist von daher ebenso unerlässlich wie der sichere Umgang mit der Wanderkarte. Wir mussten auch während der Wanderung immer wieder auf der Wanderkarte nachschauen und korrigieren, um den besten Weg durch das unwegsame Gelände zu finden. Ein Kompass kann dabei ebenfalls nützlich sein.

Für den Nordkalottleden sind Karte und Kompass oder ein GPS-Gerät ebenfalls unerlässlich, auch wenn der Weg im Prinzip markiert ist und so je nach Abschnitt und Geländeform mal mehr, mal weniger gut ersichtlich.

Sicheres Durchqueren der Flüsse

Flussdurchquerungen zählen zu den größten Gefahren beim Wandern, denn die Kraft der Strömung in Kombination mit steinigem und/oder glitschigem Untergrund und eisigen Temperaturen wird oft unterschätzt. Hier ein paar Tipps für sicheres Furten:

  • Such dir eine passende Stelle zum Überqueren des Flusses. In der Regel gilt: lieber breit und flach, als kurz und eng, da dort die Strömung am stärksten ist.
  • Wate niemals barfuß, sondern nur in Wandeschuhen oder – falls vorhanden – fest sitzenden Crocs bzw. Neoprenschuhen.
  • Nutze Trekkingstöcke und gehe immer so, dass mindestens drei der vier Kontaktpunkte mit dem Boden (2x Füße und 2x Trekkingstöcke) festen Halt haben (bewege also entweder einen Fuß oder einen Stock).
  • Das Wasser sollte möglichst nicht höher als deine Knie sein.
  • Öffne den Hüftgurt des Rucksacks, damit du diesen im Falle eines Sturzes abwerfen kannst und dich sein Gewicht nicht nach unten zieht.
  • Taste dich langsam voran, auch wenn das Wasser sehr kalt ist. Und drehe notfalls um, falls dir die Situation zu brenzlig wird.
  • Vor allem nach Regenfällen kann es notwendig bzw. sinnvoll sein, eine Nacht am Flussufer auszuharren und auf niedrigeren Wasserstand am nächsten Morgen zu warten. Das solltest du bei der Planung der Länge deiner Tour und deines Proviants immer berücksichten.

Wasser und Proviant

Wasser gibt es im Schwedisch Lappland zahlreich, sodass du hiervon eigentlich nie viel mit dir tragen musst. Das Wasser der Flüsse kann man in der Regel problemlos auch ungefiltert trinken. In Sachen Proviant gibt es keine Nachfüllmöglichkeiten innerhalb des Nationalparks und auch entlang des Nordkalottleden sind Einkaufsmöglichkeiten rar. Hier musst du unbedingt genau planen, dich je nach Tourlänge auf größeres Rucksackgewicht einstellen und auch die andere Notfallration mit dabei haben, falls du den ein oder anderen Schlechtwetter-Tag im Zelt aussitzen musst.

Mückenschutz

Die Erfahrung hat mich gelehrt, auf keinen Fall darauf zu verzichten, egal für wie hart und unempfindlich du dich hältst. In Lappland sind die Mücken größer, aggressiver und vor allem viel zahlreicher als bei uns. Am besten hilft lange Kleidung, ein Moskitonetz und Mückenschutzmittel auf der Haut. Am besten besorgst du dir ein Mittel vor Ort, denn die Skandinavier wissen einfach besser, was gegen ihre Mücken wirklich hilft. Falls das Mittel DEET enthält, solltest du übrigens darauf achten, dass du dieses nicht auf die Kleidung sprühst, denn der Wirkstoff kann den Stoff angreifen.

Jedermannsrecht

Das in Schweden als „allemansrätt“ bezeichnete Gewohnheitsrecht gibt dir die Möglichkeit, überall in der freien Natur zu campen, Feuer zu machen (außer bei Waldbandgefahr) sowie Beeren, Pilze und Kräuter für den Eigenbedarf zu pflücken. Auch hier gilt: verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, keinen Müll zurücklassen und keine Unnötige Zerstörung anrichten.

Solltest du dich auf Privatgrund befinden, bitte immer vorher die Besitzer um Erlaubnis; die wenigsten haben etwas dagegen, dass du eine Nacht bleibst. Im Norden sind viele Gebiete zwar nicht in Privatbesitz, werden aber von samischen Familien genutzt, um ihre Rentiere weiden zu lassen. Sie haben immer Vorrang und du solltest ihre Privatsphäre respektieren.


Über die Gastautorin

Tina ist freiberuflich in der Medienbranche unterwegs – immer von einem Projekt zum nächsten. Dadurch kann sie ihren Urlaub frei wählen und auch mal längere Zeit unterwegs sein. Das nutzt sie vor allem im Sommer gern für ausgedehnte Wanderungen. Ausschließlich zu Fuß unterwegs, mit Rucksack, Zelt, Essen, – alles dabei – ist sie am liebsten ganz unabhängig in den eher wilden Gegenden Europas unterwegs. In den letzten Jahren hat es sie dafür immer wieder in die kälteren Regionen gezogen: Skandinavien, Finnland, Großbritannien. Momentan träumt sie davon, einmal die „richtige“ Arktis zu bereisen, außerhalb des vom Golfstrom verwöhnten Europas.

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