sonnenuntergang-am-loch-ness_fraeulein-draussenJames-Charles (wer ist das?) brachte mich wohlbehütet von Aberdeen nach Inverness ins Hostel. Wovor er mich allerdings nicht bewahren konnte, war die ausgewachsene Erkältung, in die sich meine Halsschmerzen vom Vortag verwandelt hatten.

Tatsächlich habe ich mich selten in meinem Leben so krank gefühlt. Also verbrachte ich meinen ersten Urlaubstag einsam schlafend und schwitzend und heulend im Einzelzimmer. Wie sollte das jetzt weitergehen? Ich hatte keine Ahnung. Mein ganzer Urlaub war auf Wandern und Zelten ausgerichtet. Draußen sein. Bei Wind und Wetter im schottischen Herbst. Mit akuter Erkältung ganz sicher kein großer Spaß. Und überhaupt. Ich hatte ja noch nicht mal jemanden, der mir Tee kocht. Oder zur Apotheke geht. Oder im Internet für mich nach der ultimativen Lösung für alle Probleme sucht.

Wenigstens gibt’s das gute Zeug (und damit meine ich nicht den Ingwer) in Schottland auch im Supermarkt. Und ein riesiger Morrisons war gleich um die Ecke. Den Weg schaffte ich gerade so zu Fuß.

Am nächsten Morgen ging es mir etwas, aber auch wirklich nur etwas, also wirklich nur ein ganz klein bisschen besser. Doch obwohl (oder gerade weil) ich krank war, wollte ich mein Dasein nicht im „Micro Room 2“ des wenig schön gelegenen Hostels fristen. In die Natur wollte ich. Zumindest ein bisschen Spazieren gehen können. Vielleicht sogar an einem See, oder am Meer. Ja, ein Haus am Wasser. Das wär’s. Und mein Wunsch sollte wahr werden.

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Von Inverness ist man in ca. 30 Minuten am SYHA-Hostel Loch Ness. Deshalb hatte ich mich entschieden, dorthin zu fahren. Die halbe Stunde würde ich schon irgendwie schaffen. Eigentlich sollte mich meine Route ja gleich an der Küste gen Norden führen. Und eigentlich wollte ich auch gar nicht zum Loch Ness. Zu viele „schön, aber es gibt schöneres“ hatte ich gelesen. Aber was soll’s. Erstmal gesund werden.

Dass das eine wirklich, wirklich gute Entscheidung war, merkte ich gleich bei meiner Ankunft. Ein uriges Holzhaus. Direkt am Loch. Mit nichts drumherum als Wald. James-Charles war das einzige Auto auf dem Parkplatz. Ein Zettel wies darauf hin, dass Check-In erst um 16 Uhr sei und man bis dahin gerne im Aufenthaltsraum warten dürfe. Hach! Holzwände. Große gemütliche Sessel. Eine große Fensterfront mit Blick auf den Loch Ness. Und niemand da. Hier war ich richtig. Hatte es mir gerade gemütlich gemacht, da kam Hannah, die Hostelbetreiberin, und fragte ob ich Kathrin sei und jetzt schon einchecken wolle. Wollte ich. Und ob ich ein Einzelzimmer im Haupthaus mit Blick auf den See wollte oder ein Zweierzimmer, welches Sie mir als Einzelzimmer geben würde, in einem kleinen Nebenhaus direkt am See. Äh…was?!…. natürlich direkt am See!

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Am liebsten wäre ich Hannah gleich um den Hals gefallen. Check-Out sei um 10, aber ich könne auch etwas länger schlafen. Frisch gebackener Zitronenkuchen stehe in der Vitrine – da sie nicht viele Gäste erwarte, habe sie die Stücke etwas größer geschnitten. Oh ja, hier war ich richtig.

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Ich legte mich mit dem größten der großen Zitronenkuchenstücke, Instant-Cappuccino und Cheryl Strayeds „Wild“ auf das Bett mit dem Blick auf den See und konnte mir keinen besseren Ort vorstellen, um gesund zu werden. Alles würde gut werden. Und mein Urlaub konnte endlich beginnen.

…hier geht’s zur Fortsetzung: Das Fräulein in den Highlands – Teil 2: Whaligoe Steps, Dunnet Head und Dubh Lochan Trail

 

 

KRANK IN SCHOTTLAND – WAS TUN?

1. Keine Panik, du bist nicht in Indien

2. viele Supermärkte verfügen über ein großes Sortiment an Arzneimitteln – vom Rheumapflaster über Hämorrhoiden-Salbe bis zu Paracetamol in den lustigsten Kombinationen

3. Apotheken können gerade in den nördlichen Highlands spärlich gesäht sein. Daher darf die Reiseapotheke ruhig ein bisschen umfangreicher sein.

4. auf der Internetseite des „National Health Service Scotland kann man die nächstgelegenen Apotheken, Allgemeinärzte, Zahnärzte und Krankhäuser herausfinden

5. der NHS bietet ebenfalls die Infonummer 0800 22 44 88 (tägl. 08 – 22 Uhr) an, unter der man sich bezüglich des weiteren Vorgehens (Welche Medikamente brauche ich? An welchen Arzt soll ich mich wenden? […]) beraten lassen kann. Diese Nummer ist, natürlich sofern kein Notfall vorliegt, immer die erste Wahl

6. an die Helpline 08454 24 24 24 wendet man sich, wenn kein Arzt geöffnet hat und man das Gefühl hat, nicht länger warten zu können

7. den Notarzt erreicht man unter der 112 oder 999

8. die europäische Krankenversicherungskarte sollte man natürlich auch in Schottland immer dabei haben. Damit bekommt man (angeblich) bei Ärzten und in Krankenhäusern, die dem NHS angehören, kostenlose medizinische Behandlung. Ich persönlich würde allerdings immer, immer, immer eine Reisekrankenversicherung im Vorhinein abschließen.

9. Im Hostel in Inverness wurde mir gesagt, dass ich als Tourist nicht einfach zu einem Arzt gehen könne, sondern ins Krankenhaus müsse. Davon habe ich bei meiner Recherche allerdings nichts gelesen. Ich würde empfehlen, bevor man irgendwo hin geht, einfach die obengenannte Infoline der NHS anzurufen. Diese sollte schnell Klarheit bringen.

[Bitte beachten: Da ich selbst letztendlich keinen Arzt benötigt habe, habe ich keine persönlichen Erfahrungswerte zu den oben genannten Informationen. Und natürlich sind alle Angaben, trotz sorgfältiger Recherche, ohne Gewähr! Falls Ihr Tipps, Hinweise oder Erfahrungswerte dazu habt, nehme ich diese gerne mit auf!]

 

 

 

 

 

 

10 Comments

  1. Pingback: Das Fräulein in den Highlands - Prolog |

  2. Ohje, wie ärgerlich. Aber schön, dass immerhin die anderen Dinge gut klappen.
    Bin gespannt wie es weitergeht.

    LG
    Manuela

  3. Danke für die Tipps. Mir ist das ganze mal in Amerika passiert – da gibts Medikamente, die zwar den Rest des Halses wegätzen, aber dafür hat man dann keine Schmerzen mehr :D

    • Fräulein Draußen Reply

      Ohja, von Medikamenten in den USA hab ich schon viel „gutes“ gehört. Eine Bekannte von mir hatte dort mal eine Wurzelbehandlung. Die Schmerzmittel, die sie danach verschrieben bekommen hat, sollen im wahrsten Sinne des Wortes der Hammer gewesen sein.

  4. Pingback: Das Fräulein in den Highlands - Teil 2: Wahligoe Steps, Dunnet Head und Dubh Lochan Trail | Fraeulein Draussen

  5. Das nächste Mal fährst du dann bitte eine andere Route nach Inverness. Von Aberdeen erst kurz südlich zum Dunnotar Castle bei Stonehaven, dann dem Dee entlang bis kurz vor Ballator nach Braemar, dann durch die Cairngorm Mountains :)

    • Fräulein Draußen Reply

      So ungefähr bin ich auf dem Rückweg gefahren! :) Nur Dunnottar Castle hab ich ausgelassen (jaaaa, ich weiß. Ich wollte mir halt noch was aufheben für’s nächste Mal ;))

  6. Ich bin grad über wildandfit auf dich gestoßen. Ich werd hier auf jeden Fall mal rumstöbern, klingt aufregend wo du so rumreist :)
    Dein Tipp, Irland sei dein ultimativer Reisetipp für jeden hat mich nochmal bestätigt da bald mal hinzufliegen. Schottland reizt mich auch sehr :D

    • Fräulein Draußen Reply

      Hallo und willkommen,

      Irland ist wirklich toll! Und praktisch ist es auch. Günstige / kurze Anreise und man kann die Insel eigentlich das ganze Jahr über gut bereisen. :-)

      Meld Dich gerne, wenn Du Tipps brauchst.

      Viele Grüße
      Kathrin

  7. Hallo Kathrin!
    Weißt du denn ob es noch dieses kleine Hüttchen am See gibt? Wenn ja, wie finden wir es und wie kommen wir dort hin. Wir finden dazu nichts.
    Wir freuen uns auf Antwort :)
    Alles Liebe
    KathäLucü

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