[enthält Werbung] Küstenwanderwege sind etwas wunderbares. Allein schon wegen dem ständigen Salzgeruch in der Nase,  vor allem aber auch wegen dieser unglaublichen Weite, die Wanderer dort tagein tagaus begleitet. Dazu das Geschrei der Möwen, kleine Fischerorte, dramatische Wetterwechsel und jederzeit die Möglichkeit, ein bisschen Strandurlaub zu machen… Für mich gibt es kaum schöneres. Und deshalb stand die Grande Randonnée 34 (kurz GR34) in der französischen Bretagne quasi schon ewig auf meiner Wanderwunschliste.

Der Weg wurde ursprünglich für die Küstenwache und die Zöllner angelegt und verläuft daher vielerorts möglichst nah entlang der Küstenlinie. So konnten die Wächter die Küste patrouillieren und nach Schmugglern Ausschau halten. Daher trägt die GR34 auch den Namen “Zöllnerpfad” bzw. Sentier des Douaniers, und führt unter diesem Namen stolze 2.000 Kilometer einmal rund um die Bretagne: Von berühmten Klosterberg Mont Saint Michel im Norden bis nach Saint-Nazaire im Süden.

Am allerallerbesten nimmt man sich natürlich direkt ein paar Monate frei und wandert den kompletten Weg. Aber auch auf kürzeren Wandertouren kann man bretonisches Fernwanderfeeling erleben, denn die GR34 ist für Tagestouren oder kürzere Mehrtagestouren mindestens genauso gut geeignet.

Ich habe ein paar Etappen erwandert – drei an der Nordküste und drei an der Südküste – und dabei vieles von dem erlebt, was die Bretagne so besonders macht: Von den Gezeiten geprägte Küstenlandschaften, wilde Klippen, Felsenkunstwerke aus Granit, faszinierende Geschichte, strahlend weiße Traumstrände, traditionsreiche Orte und typisch bretonische Kulturlandschaften.

In diesem Artikel erfährst du mehr zu meinen Wanderungen an der Küste der Bretagne und außerdem hab ich ein paar Tipps und Infos rund um den Zöllnerpfad gesammelt, die du für deine eigene Wanderplanung nutzen kannst.


Werbehinweis: Meine Reise in die Bretagne fand in bezahlter Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband der Bretagne statt. Außerdem enthält dieser Artikel Werbung für meinen Kooperationspartner Komoot. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen. 


Wandern an der Nordküste der Bretagne

Ich starte meine Wanderreise in der Bretagne an der Nordküste, in der Gegend rund um Roscoff und die Bucht von Morlaix. Diese Ecke ist vergleichsweise ursprünglich und touristisch nicht so erschlossen wie andere. Also so, wie ich es eigentlich am liebsten habe.

Tag 1: Auf und ab am Meer entlang

Die Betreiberin des Gîte, in dem ich übernachtet habe, besteht darauf, dass ich mich um spätestens 8 Uhr morgens auf den Weg mache. Der “schwerste Abschnitt* des ganzen GR34” steht an, so sagt sie. Ich nehme die Ankündigung gelassen, aber mache mich dennoch brav um Punkt 8 auf den Weg.

Kurze Zeit später sehe ich die erste rot-weiße Wegmarkierung des Zöllnerpfads vor mir, und bald darauf etwas, das aussieht wie eine Dschungel-Achterbahn: Ein kleiner, wilder Pfad pflügt durch grünen Farn, immer möglichst nah am Meer entlang, in stetigem Auf und Ab. Die einzige Passagierin? Ich. Kein anderer Wanderer weit und breit. Auch Schmuggler, die einst von der Küstenwache von hier aus entdeckt wurden, sehe ich nicht. Nur strahlend weiße Möwen in der Luft und schwarz glitzernde Kormorane auf den Felsen, ein paar in den sanften Wellen schaukelnde Fischerboote und das weite, ruhig vor mir liegende Meer. Die ersten Kilometer des Tages sind tatsächlich ziemlich anstrengend, meine Gastgeberin hatte da nicht so ganz unrecht. Die Anstiege sind zwar nie besonders lang, dafür aber zahlreich. Ob das nun wirklich der schwierigste Abschnitt des GR34 ist, kann ich nicht sagen. (Falls ja wäre der Rest definitiv gut machbar.)  Aber einer der schönsten und abwechslungsreichsten ist er ganz bestimmt.

Nach einer Pause an der türkisblauen Bucht von Primel-Trégastel  ändern der Weg und die Landschaft ihr Gesicht. Die Achterbahnfahrt durchs Dickicht ist vorbei. Stattdessen: Eine Küste aus Granit. Große Boulder, bizarre Felsenkunstwerke, ein völlig neuer Kontrast zum beständigen Blau des Meeres. Besonders eindrucksvoll sind zum Beispiel die am Pointe de Diben, für die nur ein kleiner Abstecher von der Hauptroute der GR34 notwendig ist. Was für ein Kontrast zum satten Grün des Morgens!

“Puh, jetzt liegt die Latte ganz schön hoch”, denke ich mir, als ich am Abend auf der kleinen Mauer meiner Unterkunft sitzend über ein wehendes Kornfeld hinweg der Sonne beim Untergehen zugucke.

Startpunkt: Guimaëc
Endpunkt: Saint Samson
Länge / Höhenmeter: 23 km / 340 hm
GPX-Track: zur Etappe auf Komoot
Unterkunft: Pension L’Escale de Trobodec in Guimaëc, Maison de Kerdiès in Saint Samson
Route / Wegbeschaffenheit: Pfade und kleine Straßen / Wege
Persönliches Fazit: Sehr beeindruckende und landschaftlich wunderschöne Etappe. Im ersten Teil mit ein paar steilen Anstiegen und bei Nässe rutschigen Passagen, aber ohne größere Schwierigkeiten.   

Tag 2: Zum Cairn von Barnenez und Wandern bei Roscoff

Die ersten paar Kilometer folge ich der morgendlich verschlafenen Küste, vorbei an Granitfelsen und durch stille Küstendörfchen. Einige Angler sitzen am Hafen und sortieren ihre Netze. Ein paar Spaziergänger nutzen den Zöllnerpfad, um ihre Hunde auszuführen. Ansonsten ist alles ganz still. Keine Wellen, kein Wind, selbst die Möwen scheinen noch nicht aufgewacht zu sein. Die typischen, steinernen Häuser mit ihren grauen Schieferdächern sind wunderschön anzuschauen. Viele davon werden augenscheinlich sehr liebevoll gehegt, gepflegt und mit Blumen umringt.

Nach einigen Kilometern erreiche ich den Parkplatz des Cairn de Barnenez, seines Zeichens größtes megalithisches Mausoleum Europas. 11 Grabkammern birgt der 75 Meter lange und 28 Meter breite Cairn, der zwischen 4.500 und 3.900 v. Chr. errichtet wurde und fast direkt an der Route des GR34 liegt. Wirklich betreten kann man das Mausoleum selbst nicht, aber allein seine Ausmaße von außen zu sehen ist ziemlich beeindruckend. Genauso wie der Blick von dem Hügel, auf dem das Bauwerk errichtet wurde. Immer wieder begegnet man auf der GR34 Zeugen vergangener Zeiten und kann so in Kultur und Geschichte eintauchen. Von uralten Überbleibseln der Megalith-Kultur über mittelalterliche Burgen und Schlösser bis hin zu historischen Fischerdörfchen, die auch heute noch vom Rhythmus der Gezeiten gesteuert werden.

Startpunkt: Saint Samson
Endpunkt: Cairn von Barnenez
Länge / Höhenmeter: 7 km / 50 hm
GPX-Track: zur Etappe auf Komoot
Route / Wegbeschaffenheit: hauptsächlich Wanderpfade
Persönliches Fazit: Sowohl die kurze Etappe entlang der Küste als auch der Besuch beim Cairn de Banenez sind auf jeden Fall empfehlenswert.

Am Mausoleum werde ich von einer Mitarbeiterin des örtlichen Tourismusverbandes abgeholt und zum Ausgangspunkt meiner zweiten Wanderetappe des Tages gebracht. Man kann auf der GR34 natürlich auch einmal rund um die Bucht von Morlaix wandern, aber da ich nur ein paar Tage Zeit habe und es das Ziel meiner Reise ist, ein paar verschiedene Ecken der Bretagne kennenzulernen, nutze ich diese “Abkürzung”.

In Roscoff angekommen gehe ich erstmal zu Algoplus am alten Hafen. In der kleinen Boutique gibt es allerlei Spezialitäten aus Algen, für die Roscoff berühmt ist. Ich hole mir ein Gläschen Algentatar (und bereue später, dass ich nicht mindestens zwei oder drei gekauft habe) und in der Boulangerie um die Ecke noch frisches Baguette als Wegzehrung.

Roscoff ist ein kleiner, aber (für seine Größe) sehr besonderer Ort. So gibt es dort (unter anderem) gleich mehrere größere Häfen, von denen unter anderem Fähren nach Irland und Großbritannien starten. Und auch eine meeresbiologische und meereskundliche Forschungs- und Lehreinrichtung ist in Roscoff beheimatet. An diesem Küstenabschnitt der Nordküste der Bretagne tummelt sich nämlich eine außergewöhnliche Vielfalt an Arten und Biotopen mit mehr als 700 Pflanzenarten und 3000 (Meeres-)Tierarten. Wer Zeit hat, sollte auch der vorgelagerten Insel Île de Batz einen Besuch abstatten. Das Mikroklima auf der Insel ist besonders mild (in etwa vergleichbar mit den britischen Kanalinseln) .

Den Rest des Tages kann ich viel direkt auf den Stränden wandern – Ebbe macht’s möglich! Und die fällt in der Bretagne teilweise sehr drastisch aus. Wegen der geringen Tiefe und Stauwirkung des Ärmelkanals gibt es an der Nordküste starke Gezeiten mit Höhenunterschieden von bis zu 14 Metern. Selbst große Buchten können bei Ebbe dann komplett leer sein. So kann man sich als Wanderer auf die Suche nach Algen, Muscheln, Krebsen und anderem Unterwassergetier machen. Schnorcheln in Wanderschuhen sozusagen! Oder noch besser mit den Wanderschuhen in der Hand und den Füßen im Sand.

Startpunkt: Roscoff
Endpunkt: Santec Le Dossen
Länge / Höhenmeter: 12 km / 40 hm
GPX-Track: zur Etappe auf Komoot
Unterkunft: Wander-Gîte (Bed & Breakfast) Les Quatre Vents
Route / Wegbeschaffenheit: Pfade und kleine Straßen
Persönliches Fazit: Etwas weniger “wilde”, aber dennoch schöne Etappe. Roscoff ist zudem auf jeden Fall einen Besuch wert. 

Tag 3: An der Côte des Sables

Ein langer Tag in meinem Outdoor-Büro. Und ein ganz besonders schöner noch dazu! Ich bin an der Côte des Sables unterwegs, einem rund 45 Kilometer langen Küstenstreifen etwas westlich von Roscoff, der ziemlich viel von dem vereint, was die nördliche Bretagne so besonders macht. Und immerhin 34 davon lege ich an diesem Tag zu Fuß zurück (man kann die Etappe aber natürlich auch auf zwei Tage verteilen).

Mein Tag beginnt wie am Vortag mit einem Streifzug entlang beschaulicher, von den Gezeiten geprägter Küstenlandschaft. Der Himmel ist grau, passt gut zum Granitgestein, das sich immer wieder abenteuerlich vor mir auftürmt. Doch er  wird es nicht lange bleiben: Die Bretagne ist zwar nicht unbedingt für ihr überaus beständiges Wetter bekannt, ich erlebe in diesen Tagen jedoch eher das Gegenteil.

Pünktlich zu meiner Ankunft am wohl schönsten Abschnitt der “Sandküste” wird das Grau zu Blau, und das Sonnenlicht lässt das Wasser in schönstem Türkis erstrahlen. Ich kenne zwar längst nicht alle Strände der Bretagne, aber ich bin mit ziemlich sicher, dass der Plage des Amiets einer der schönsten ist. Weitläufige Strände mit weißem Sand und große, glattgeschliffene Granitfelsen im seichten Wasser. Noch heute ist es schwer zu glauben, dass dieser Ort sich in Frankreich befindet. Dazu war fast keine Menschenseele unterwegs, obwohl Ende Juni schon sehr an der Hauptsaison kratzt. Selbst der Campingplatz mit direkter Sicht von oben auf den Strand ist einigermaßen leer. Ich würde eigentlich ganz gern spontan mein (nicht vorhandenes) Zelt dort aufschlagen und für den Rest des Tages in der Sonne liegen, aber noch habe ich ein paar Kilometer und ein weiteres Highlight der Côte des Sables vor mir: Mit den Dünen von Keremma gibt es dort nämlich auch den größten Dünengürtel in der Bretagne, der nicht nur ein Paradies für naturverliebte Wanderer ist, sondern auch für Vögel und seltene Pflanzen.

Die letzten Kilometer kann ich wieder viel barfuß im Sand laufen. Nach 34 Kilometern eine ziemliche Wohltat. 34 Kilometer, die sich sowas von gelohnt haben. Ich glaube, wer in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Bretagne erwandern will, ist an der “Sandküste” einfach goldrichtig. 

Startpunkt: Santec Le Dossen
Endpunkt: Dünen von Keremma
Länge / Höhenmeter: 34 km / 150 hm
GPX-Track: zur Etappe auf Komoot
Unterkunft: Camping Odé-Vras (Wanderer ohne Zelt können einfache Zelte mit Retro-Charme mieten)
Route / Wegbeschaffenheit: hauptsächlich Wanderpfade (wenig Schotter- und Asphaltstraßen)
Persönliches Fazit: Eine unglaublich abwechslungsreiche Wanderetappe auf schönen Pfaden und Wegen.

Wandern an der Südküste der Bretagne

Nach den drei wirklich ziemlich wunderbaren Wandertagen an der Nordküste der Bretagne habe ich einen Pausentag genutzt, um per Zug an der Südküste  zu reisen. Genauer gesagt in die Region La Baule / Guérande im äußersten Südosten der Bretagne. Das Klima an der Südküste ist milder und die Sonnenstunden zahlreicher, weshalb diese Gegend besonders bei Strandurlaubern beliebt ist. Aber auch der GR34 schlängelt sich hier an der Küste entlang – wie eben ausnahmslos überall in der Bretagne.

Tag 4: Ausflug in die Salinen

In der Bretagne spielt das Meer nicht nur für Strandurlauber, Wassersportler und Zöllnerpfadwanderer eine besondere Rolle, sondern (unter anderem) auch für die Gewinnung von Meersalz. Die Salzbecken in der Guérande haben eine lange Tradition und das daraus gewonnene Salz wird in die ganze Welt exportiert.

Meine erste Etappe an der Südküste brachte mir diese Tradition nahe. Nach ein paar Kilometern durch kleine Dörfchen und naturbelassene Feuchtgebiete traf ich auf Nicolas Arnould. Er ist einer der Salzbauern, die das Salz hier in reiner Handarbeit gewinnen und bietet auch Führungen durch die Salzfelder für Touristen an – da er eine Zeit lang in Deutschland gelebt hat auch auf ziemlich perfektem Deutsch: Mehr als zwei Stunden lang war ich mit Nicolas  in dem Labyrinth aus Salinen und Wasserbecken unterwegs. Dabei haben wir den Weg des Wassers vom Meer bis zum Salz verfolgt – vom Strand aus entlang eines Meeresarmes durch die verschiedenen Wasser- und Verdunstungsbecken bis zur Scheune, in der das Salz gelagert und für den Versand vorbereitet wird (“Salorge”).

So funktioniert’s: Die Salinen sind im Grunde ein riesiges Open Air-Mosaik aus vielen verschieden großen Salzbecken, die ineinander übergehen und durch die Meerwasser (penibel von den Salzbauern reguliert) langsam hindurchfließt. Durch Wärme / Sonne und Wind verdunstet das Wasser, bis der Salzgehalt so groß ist, dass das Salz kristallisiert und mit dem Holzschieber (“Cimauge”) geerntet werden kann.

Die Erklärungen von Nicolas rund um die Gegend und seine Arbeit waren super spannend und ein Naturerlebnis für sich. Die Salzbecken liegen in einer sehr naturbelassenen und ruhigen Gegend. Zumindest wenn man von den laut kreischenden Säbelschnäblern absieht, die die flachen Wasserbecken lieben und ihre Eier direkt auf den Lehmumrandungen ablegen. In Nicolas’ Feld gabs gerade Nachwuchs und sehr aufgeregte Vogel-Eltern, denen unsere Anwesenheit so gar nicht gepasst hat.

Nach dem Besuch bei Nicolas hatte ich noch 14 Wanderkilometer entlang der Küste bis in das kleine Städtchen Piriac-sur-Mer vor mir, und obwohl es schon 17 Uhr war dafür alle Zeit der Welt. Durch die sehr westliche Lage geht die Sonne in der Bretgane im Sommer nämlich erst spät unter.

Startpunkt: Saint Molf
Endpunkt: Piriac-sur-Mer
GPX-Track: zur Etappe auf Komoot
Länge / Höhenmeter: 21 km / 100 hm
Unterkunft: Hotel de la Plage in Piriac
Route / Wegbeschaffenheit: Wanderpfade, Schotter- und Asphaltstraßen
Persönliches Fazit: Die Tour durch die Salzfelder ist wirklich sehr empfehlenswert und die GR34 führt direkt an der Saline von Nicholas vorbei. Die Wanderetappe hat viele naturnahe Abschnitte, führt aber immer wieder auch durch die und entlang der zahlreichen Küsten- und Badeorte.

Tag 5: Guérande und Umgebung

Das namensgebende Städtchen der Region streift die Route der GR34 nur am Rande. Guérande liegt eingebettet zwischen den mehr als 2.000 Hektar großen Lehmflächen, die die Grundlage für die Salzbecken bilden, und den Feuchtgebieten des regionalen Naturparks La Grande Brière (in dem man übrigens ebenfalls schön wandern kann).

Einen Abstecher in den historischen Stadtkern von Guérande sollte man auf jeden Fall mit einplanen, egal ob man nun die GR34 wandert oder anderweitig in der Region unterwegs ist. Allein schon wegen der rund 1.300 Meter langen Stadtmauer, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen und die eine der wenigen in Frankreich ist, die komplett erhalten blieb. Ein Stück der Stadtmauer ist sogar begehbar, genauso wie die kleinen Kopfsteinpflastergassen mit lokalen Geschäften und Cafés und die Stiftskirche Saint-Aubin.

Der erste Teil der Etappe führt entlang der Küste und entlang bzw. durch einige(r) Orte. Den langen Schlenker rund um die Landspitze Pen Bron lasse ich aus und biege direkt in Richtung Inland hab, wo die GR34 für eine Weile über ziemlich einsame Schotterstraßen und Feldwege führt, bevor sie auf die Salinen trifft. Leider lassen sich diese nur von (Neben-)Straßen aus erkunden, wirkliche Wanderwege gibt es hier nicht. Spannend zu sehen ist es trotzdem, denn im Gegensatz zu der Gegend, wo ich am Vortag die Salinen besichtigt habe, reiht sich hier wirklich Wasserbecken an Wasserbecken. Im Morgen- und Abendlicht leuchten sie besonders schön, denn je nach Salzgehalt ändern die Becken ihre Farbe – von Brauntönen über Orange bis hin zu leuchtendem Pink.

Startpunkt: Piriac-sur-Mer
Endpunkt: Le Pouliguen
Länge / Höhenmeter: 21 km / 100 hm
Unterkunft: Casa Cozy in Le Pouliguen
Route / Wegbeschaffenheit: Wege, Sand, Feldwege, Straßen
Persönliches Fazit: Es gibt einige schöne Abschnitte, aber insgesamt ist die Streckenführung auf dieser Etappe für Wanderer nicht ideal. Für Tagestouren würde ich eher empfehlen, eine Radtour durch die Salzfelder und nach Guérande zu machen.

Tag 6: An der “wilden Küste”

Am letzten meiner sechs Wandertage auf der GR34 erreicht mich der Regen doch noch. Ausgerechnet hier an der sonnenverwöhnten Südküste! Allerdings hält er nicht lange an, was auch einer der größten Vorteile des Wetters am Atlantik ist. Es regnet vielleicht öfter mal – hört aber oft auch schnell wieder auf. Ich mag solche Wetterwechselspiele ziemlich gern, auch weil sie oft für wunderschönes Licht sorgen und alle Gesichter einer Landschaft zum Vorschein bringen.

Und zur  Côte Sauvage, der „wilden Küste“ der Halbinsel westlich von La Baule, passt ein wenig wildes Wetter sowieso ziemlich gut. Der insgesamt rund 14 Kilometer lange Küstenabschnitt ist das Highlight dieser Etappe: auf der einen Seite das tosende Meer, zerklüftete Felsen, Grotten und Sandbuchten. Auf der anderen Seite die Unterkünfte der Urlauber und  charmante Küstenörtchen wie Le Croisic und Batz-sur-Mer. Und mittendrin der kleine Wanderpfad, der hier ganz in der Nähe nach rund 2.000 Kilometern sein südliches Ende findet.

Auch für mich ist die Wanderreise in der Bretagne nach diesem Tag vorbei, deswegen nehme ich mir nochmal besonders viel Zeit und lege gleich mehrere Kaffeepausen in dem ein oder anderen Strandcafé ein. Die gute Verpflegung an der Südküste ist ein großer Vorteil gegenüber der Etappen im Norden! Nach einem Abstecher in die Innenstadt von Batz-sur-Mer mit ihrer markanten bretonisch-gotischen Kirche wandere ich durchs Inland der Halbinsel zurück nach La Baule.

Startpunkt: Le Pouliguen
Endpunkt: La Baule (via Batz-sur-Mer)
Länge / Höhenmeter: 17 km / 60 hm
Unterkunft: Hotel des Dunes in La Baule
Route / Wegbeschaffenheit: Wanderpfade, Schotterstraßen, Asphaltstraßen (am Anfang und Ende)
Persönliches Fazit: Empfehlenswert ist besonders die Südküste der Halbinsel. Für eine Tagestour kann man daher als Alternative zu meiner Rundtour nicht in Batz-sur-Mer umdrehen, sondern noch weiter Richtung Westen wandern, die Landspitze umrunden und dann ggf. mit Zug oder Bus von Le Croisic aus zurück nach La Baule fahren (oder wandern). 

Infos und Tipps zum Wandern auf dem Zöllnerpfad

Falls du selbst eine mehrtägige Wanderung auf dem Zöllnerpfad planst, kommen hier ein paar Infos zum Weg und dem Wandern in der Bretagne.

Anforderungen

Es gibt zwar einige Abschnitte auf der GR34, auf denen der ein oder andere Höhenmeter zusammenkommt, alles in allem sind die Höhenunterschiede aber eher gering. Schwindelfrei muss man für den Zöllnerpfad nicht sein. Und auch sonst erwarten einen keine größeren Schwierigkeiten, ein paar unwegsamere und / oder nach Regen rutschige Passagen können aber dabei sein. Bei entsprechender Etappenplanung ist der Zöllnerpfad auf jeden Fall auch für Fernwanderanfänger sehr gut geeignet.

Orientierung

Die Route ist durchgehend markiert, und zwar mit einem roten und einem weißen Streifen.  Auch Richtungsänderungen und falsche Wege sind entsprechend gekennzeichnet, was ziemlich praktisch ist. Im Prinzip ist Verlaufen auf der GR34 aber sowieso schwer, da man das Meer einfach immer auf der gleichen Seite behalten muss! Ich bin nur an wenigen Stellen vorbeigekommen, an denen eine Markierung gefehlt hat oder unklar war. Zur Sicherheit ist es aber natürlich gut, die Route auf dem Smartphone dabei zu haben. Mit der Outdoor-Navigationsapp wie Komoot kann man diese herunterladen und ist somit unabhängig vom Mobilfunkempfang. Falls die GPX-Route und die Markierungen voneinander abweichen, sollte man aber auf jeden Fall den Markierungen folgen. Es kann immer mal passieren, dass der Wanderweg umgeleitet werden muss. Im Zweifelsfall sind die Markierungen dann aktueller.

An-/ Abreise

Ich bin mit dem Zug von Amsterdam über Paris in die Bretagne gefahren. Mehrere Orte in der Bretagne haben eine direkte TGV-Verbindung nach Paris, und Paris wiederum ist gut an viele Städte in Deutschland und anderen Nachbarländern angeschlossen. Direktverbindungen gibt es zum Beispiel von Köln, Stuttgart, Zürich und München. In Paris selbst gibt es pro Himmelsrichtung einen großen Bahnhof, daher muss man in Paris den Bahnhof wechseln (und sollte dafür etwas Zeit einplanen, auch wenn die Metros sehr eng getaktet fahren).

Die Züge in die Bretagne starten vom westlichen Bahnhof Paris Gare Montparnasse, zum Beispiel nach Brest, der größten Stadt der Bretagne ganz im Westen (ca. 4,5 Stunden). Weitere Direktverbindungen per TGV gibt es unter anderem nach Rennes (1,5 Stunden), Saint Malo (3 Stunden) und Nantes (2 Stunden). Buchungsmöglichkeiten und Fahrplanauskünfte findet man auf oui.sncf. (Die gleichnamige Smartphone-App ist übrigens sehr gut.)

Aufgrund der guten Anbindungen würde ich auf jeden Fall die Anreise mit der Bahn empfehlen. Natürlich kann man aber auch in die Bretagne fliegen: Direktflüge von Deutschland aus gibt es nach Nantes.

Beste Reisezeit

Im Prinzip ist die GR34 das ganze Jahr über begehbar, in den Wintermonaten muss man aber auf jeden Fall mit Wetter der eher unangenehmen Sorte rechnen. Zudem hat viel touristische Infrastruktur wie Campingplätze und Strandcafés dann geschlossen. Besser geeignet sind der Herbst (September und Oktober) und Frühling (April und Mai) – dann ist zwar auch noch Nebensaison, aber die Temperaturen sind angenehmer und das Wetter (zumindest statistisch gesehen) stabiler. Die in Sachen Wetter besten Monate sind wohl der Juni und Juli, wobei das Wetter an der bretonischen Küste immer wechselhaft sein kann und man prinzipiell zu jeder Zeit des Jahres mit allem rechnen muss.

Beachten sollte man auf jeden Fall, dass im Juli und August die Franzosen Sommerferien haben (und Deutsche, Niederländer usw. auch), was mehr Touristen sowie stärker (aus-)gebuchte und auf jeden Fall teurere Unterkünfte zur Folge hat. Davon abgesehen sind aber auch die Sommermonate eine gute Zeit fürs Wandern auf dem Zöllnerpfad, da es an der Küste selten wirklich heiß wird und selbst bei wärmeren Temperaturen immer eine leichte Atlantikbrise weht. Zudem hat zu dieser Zeit wirklich jedes Café und jede Unterkunft geöffnet. Ich persönlich würde wohl die Monate Mai, Juni oder September wählen.

Übernachten

Ich war ohne Zelt unterwegs und habe in einer Mischung aus Bed & Breakfasts, Gästehäusern und Hotels übernachtet. Ein Campingplatz war auch dabei, der einfache Zeltunterkünfte an Wanderer ohne Zelt (und natürlich auch an alle anderen) vermietet.

Unterkünfte

In den bei Touristen besonders beliebten Gebieten der Bretagne gibt es zahlreiche Unterkünfte (die zur Hauptsaison aber auch gut gefüllt sein können). Dazwischen gibt es aber auch viele Küstenabschnitte, die etwas spärlicher mit touristischer Infrastruktur abgedeckt sind. Wer kein Zelt dabei hat, sollte auf jeden Fall vorher recherchieren, welche Unterkunftsmöglichkeiten es gibt und diese insbesondere zur Hauptsaison, oder wenn die Auswahl sehr eingeschränkt ist, auch vorab buchen.

Neben den üblichen Verdächtigen wie booking.com, Airbnb und Google Maps kann man Unterkünfte in der Bretagne zum Beispiel gut über die Webseite Gîtes de France finden. Hier sind auch viele der für Frankreich typischen Gîtes (eher einfache Unterkünfte, oft mit Selbstversorgungsmöglichkeit und einfachen Zimmern mit geteiltem Badezimmer) und Chambres d’hôtes (wie Bed & Breakfasts, also Zimmer, oft in Privatunterkünften, mit Frühstück) gelistet. Beide Varianten sind oft günstiger als normale Hotelzimmer und oft auch dort zu finden, wo es letzteres nicht gibt.

Camping

Campingplätze findet man in der ganzen Bretagne, sollte die Etappen aber natürlich vorher entsprechend planen und vor allem in der Hauptsaison auch zumindest morgens oder am Tag vorher einen Platz reservieren. Wildcampen ist wie überall in Frankreich (und in den meisten anderen europäischen Ländern) nicht erlaubt, wird in der Realität aber vermutlich vor allem in touristischen Gebieten, direkt an Stränden u.ä. kontrolliert. Wer sich dafür entscheidet, sollte unbedingt die Regeln von Leave No Trace befolgen und sich sehr rücksichtsvoll verhalten. Ein guter Kompromiss ist wie immer, bei Privatleuten oder Landwirten einfach nach einem Stellplatz zu fragen. Geeignete Flächen gibt es in der Bretagne definitiv mehr als genug und ich bin mir sicher, dass die meisten Bretonen ein Herz für GR34-Wanderer haben.

Verpflegung

An Trinkwasser zu kommen ist auf dem Zöllnerpfad zwar nicht immer ganz einfach, aber auch kein großes Problem, da man immer wieder mal durch Orte kommt. Wenn man nicht gerade an einem Friedhof vorbeikommt, muss man in der Regel bei einem Haus oder Restaurant / Café fragen oder alternativ Wasser kaufen. Auf meinen Etappen ist mir zumindest nur ein einziger Trinkwasserbrunnen begegnet.

Die Verpflegungsmöglichkeiten können je nach Etappe sehr unterschiedlich sein. Ich hatte Etappen, auf denen es den ganzen Tag über wenig bis keine Supermärkte bzw. Gastronomie gab. Auf anderen dafür wieder mehrmals pro Tag. Am besten informiert man sich vorher, wo man Proviant besorgen kann, und sorgt entsprechend vor. (Wichtig: Auch die Supermarktöffnungszeiten beachten! Kleinere Supermärkte machen manchmal Mittagspause oder schließen früh.)

Veganes Essen in der Bretagne (bzw. überhaupt in Frankreich) ist übrigens eher schwierig, allein schon weil die Bretonen ihre gesalzene Butter lieben und leben. Auch in Supermärkten gab es generell vergleichsweise wenig Auswahl an veganen Produkten. Beim Essengehen musste ich meistens auf Pommes mit Salat ausweichen, auch wenn es Ausnahmen gab (die bestimmt / hoffentlich in den kommenden Jahren noch mehr werden). Einige Unterkünfte haben speziell für mich vegane Alternativen gekocht / beschafft, allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob das vielleicht nur der Fall war, weil der Tourismusverband für mich gebucht hat. ;-) So oder so würde ich auf jeden Fall empfehlen, bei der Buchung einfach mal nachzufragen – ich hab die Menschen in der Bretagne als sehr zuvorkommend und  hilfsbereit erlebt. Und ein veganes Highlight in Sachen Verpflegung gab es dennoch: das typisch für Frankreich unglaublich gute Brot und Baguette. Dazu ein Schälchen Hummus (oder Algentatar!), ein paar Beilagen… mehr braucht man eigentlich gar nicht.

Routenplanung

Nein, es gibt leider (noch) keinen deutschsprachigen Wanderführer für den kompletten Zöllnerpfad. Seit 2020 gibt es aber immerhin ein Buch zu ausgewählten Touren auf der der GR34 (Werbelink), erschienen im Rotpunktverlag, der ebenfalls viele Infos zum Wandern und Reisen in der Bretagne erhält. Letztendlich ist die Routenplanung für die GR34 aber nicht weiter schwer:

  • Recherchiere und überleg dir, welche Ecke der Bretagne dich interessiert.
  • Nutze einen Routenplaner wie Komoot, um deine Etappen grob vorzuplanen. (In der Premiumversion ist der GR34 farbig markiert, sodass du immer auf den ersten Blick siehst, wo die Wanderroute ist.)
  • Recherchiere deine Unterkünfte und passe deine Etappen entsprechend an.

… und los geht’s!

In der Premiumversion von Komoot ist die Route des Zöllnerpfades auf den ersten Blick als farbige Linie (lila) erkennbar.

Wer nicht komplett “ins Blaue hinein” starten will, findet zum Beispiel auf den Webseiten itirando.bzh und mongr.fr diverse Wandervorschläge für mehrtägige Touren. (Die Seiten sind zwar nur mit automatischer Übersetzung auf Deutsch verfügbar, so aber einigermaßen gut verständlich.)

Gepäcktransport auf der GR34 ist teilweise / auf bestimmten Abschnitten verfügbar. Auf der Webseite der Bretagne gibt es eine gute Übersicht zu Anbietern.

Ein Komplettpaket für eine Wanderreise auf dem Zöllnerpfad kann man zum Beispiel über Eurohike buchen.

Verständigung vor Ort

Wer ein paar Brocken Französisch kann, wird es auf jeden Fall einfacher haben bei der Planung der Reise und insbesondere auch vor Ort. Englisch ist vergleichsweise wenig verbreitet – was auf Frankreich allgemein zutrifft und auf eher abgelegene, ländliche Gebiete wie die Bretagne besonders. Auch wenn meiner Erfahrung nach die meisten Betreiber von Unterkünften oder Bedienungen in Restaurants zumindest ein wenig Englisch konnten (manche auch sehr gut, anderer wiederum nur ein paar Wörter). Notfalls hilft eine Übersetzungsapp auf dem Handy. Und mit Händen und Füßen kann man sich sowieso überall auf der Welt irgendwie verständigen.

Radfahren auf dem Zöllnerpfad?

Die GR34 selbst verläuft viel auf Wanderwegen und ist vielerorts nicht mit dem Rad befahrbar. Es gibt aber gute Alternativen für Radfahrer: So führt zum Beispiel die Vélomaritime auf rund 430 Kilometern die bretonische Nordküste entlang, und als  Teil der EuroVelo 4-Route dann weiter entlang der Küsten der Normandie und Nordfrankreichs. Buchung der Übernachtungen, Routentipps, Fahrradverleih bzw. -reparatur und mehr gibt es bei Abicyclette. An der Südküste gibt es zum Beispiel die 148 km lange Radroute Vélocéan, die unter anderem auch durch die Guérande führt.

Außerdem gibt es auch konkrete Zukunftspläne für eine Radroute, die genauso wie der Zöllnerpfad einmal komplett rund um die Bretagne führen soll (und in die dann bereits bestehende Routen wie die oben genannten integriert werden). Bis die Route namens V5 fertiggestellt ist, wird es wohl noch etwas dauern. Ein paar mehr Informationen dazu gibt es zum Beispiel hier


Warst du auch schon mal auf dem Zöllnerpfad unterwegs und hast weitere Tipps? Oder hast du noch Fragen zur GR34? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

3 Comments

  1. Christiane Reply

    Bonjour chère Kathrin, danke für deinen wie immer spannenden Tourbericht! Eine Frage drängt sich mir als Wandrerin, die auch schon auf dem im Charakter ähnlichen, wunderbaren englischen South West Coast Path unterwegs war – übrigens auch dank deiner Inspiration: Herzlichen Dank dafür! -, förmlich auf: Wie hast du den GR34 im direkten Vergleich zum SWCP erlebt?

    • Fräulein Draußen Reply

      Hey Christiane, guter Punkt, das wollte ich eigentlich mit in den Artikel aufgenommen haben. Hol ich noch nach, sobald ich dazu komme. In aller Kürze: Ich denke einer der entscheidendsten Unterschiede ist, dass es auf der GR34 deutlich weniger Höhenmeter zu überwinden gilt. Dass dort deutlich weniger Englisch gesprochen wird. ;-) Und dass es zum SWCP viel mehr Infos gibt. Ansonsten waren Feeling, Landschaft, Infrastruktur usw. in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich (wobei ich jetzt vom GR34 natürlich “nur” 6 Etappen kenne, vom SWCP deutlich mehr). Ich denke wer den einen mag, mag auch den anderen und umgekehrt. Für Anfänger ist der Zöllnerpfad aber vielleicht etwas einfacher, weil konditionell weniger fordernd.

  2. Ich habe schon bei Deinen Instagram Stories gestaunt, wie vielfältig die Bretagne ist – war mir gar nicht bewusst! Jetzt will ich unbedingt hin, allein weil ich unbedingt auch mal Algentatar probieren muss!!!

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