Der bis zu 15.000 Jahre alte schwarze Lavastein strahlt die gespeicherte Hitze des Tages mit voller Macht zurück. Dabei sind wir doch extra spät losgegangen, um ihr zu entfliehen! Die Sonne steht schon tief am Himmel und macht sich langsam aber sicher bereit, hinter den Bergen am Horizont zu verschwinden. Die jetzt im Frühsommer immer noch schneebedeckten Gipfel der Pioneer Mountain Range sind aber längst nicht der einzige Kontrast, der sich gegen die schwarzbraune Einöde des Craters of the Moon National Monument & Preserve durchsetzen können: Die Wildblumen stehen in voller Blüte und überall wächst etwas grünes, gelbes oder purpurnes aus dem so unwirtlich anmutenden Boden, der unter meinen Wanderschuhen monoton knirscht.

wandern im craters of the moon national monument in idaho

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Das ist aber auch schon das einzige Geräusch, das ich weit und breit hören kann. Kein Lüftchen geht, kein Vogel singt, die anderen Parkbesucher sitzen alle schon vor ihren Campern und Zelten oder irgendwo in ihren Unterkünften. In diesem Moment gehört der Craters of the Moon ganz uns. Doch das soll nicht mehr lange so bleiben.

In einigen Kilometern wird sich der 6,4 km lange Wilderness Trail, auf dem wir unterwegs sind, im Nichts verlieren. Ab dann kann man querfeldein immer weiter rein laufen in die vulkanische Wüstenlandschaft. Das ist heute jedoch nicht unser Ziel, genau genommen haben wir gar keins. Wir wollen nur irgendwo hinlaufen, uns irgendwo hinsetzen, den Sonnenuntergang bewundern und dann wieder mit Stirnlampen bewaffnet zurück zum Auto laufen.

Noch aber ist es viel zu schön, um sich irgendwo niederzulassen. Wir biegen um Kurven, gucken in Höhlen, untersuchen Aschekegel und Lavabäume und wandern immer weiter in das National Monument, das seinem Namen Ehre macht wie kein zweites. Aber irgendwann ist er dann doch da. Der perfekte Platz für den perfekten Sonnenuntergang. Ein toter Baumstamm wie für uns und unser abendlich-nächtliches Vorhaben gemacht.

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Die Farbe des Himmels ändert sich ab jetzt minütlich. Blau, rosa, pink, orange und rot in allen Schattierungen, erst noch über die ganze Fläche verteilt, dann mehr und mehr unten zusammengedrückt von einem stetig dunkler werdenden blau. Das ist der Zeitpunkt, auf den die meisten der hier lebenden Tiere nur gewartet haben.

Und da ist er auch schon: Der lange, durchdringende, wenn auch noch etwas verschlafen klingende Ruf eines Coyoten. Er klingt ganz nah, doch wie nah genau er ist, ist schwer auszumachen in diesem Gelände, in dem sich der Schall quasi ungebremst ausbreiten kann. Sofort werden Erinnerungen wach an die eine Nacht im Zelt in Utah vor einigen Jahren, als ganze Herscharen von Coyoten die Nacht besungen haben, während ich komplett durchgefroren in der eben doch noch so heißen Wüste lag und versuchte, irgendein Auge zu zu tun.

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Der Kojote hat ein weitaus weniger ausgeprägtes Sozialverhalten als der Wolf. Er ist jedoch alles andere als ein strikter Einzelgänger. Meistens finden sich Kojoten zu Paaren oder losen Familienverbänden zusammen, man sieht sie aber oft auch allein umherstreifen. Dieser hier war entweder allein oder von sehr redefaulen Artgenossen umgeben, denn sein Heulen verhallte unbeantwortet in der Weite Idahos. Ein bisschen sehen wir es also fast schon als unsere Pflicht an, eine Antwort in die Richtung zu schicken, aus der der Ruf gekommen war. Laut und ungehemmt und genau so, wie man es aus den Abenteuerfilmen kennt, in denen junge Leute allein durch den Wald laufen oder auf einen Berg steigen und plötzlich das Bedürfnis haben, der Wildnis in ihnen Ausdruck zu verleihen.

Einen Moment lang kommen wir uns dabei ein bisschen lächerlich vor – und dann kommt die Antwort. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht um nochmal die Sache mit dem Revier klar zu machen, vielleicht auch einfach weil man das eben so macht als Coyote, aber sie kam. Wir sitzen im Halbdunklen auf einem toten Baumstamm in einer Lavawüste irgendwo in Idaho und unterhalten uns auf Coyotisch mit einem Coyoten.

Die Freude über unseren geglückten Kommunikationsversuch mit der Natur lässt die Zeit noch schneller vergehen und plötzlich ist nur noch ein schmaler golden glimmender Streifen am Horizont zu sehen. Zeit die Stirnlampe rauszuholen und den Rückweg anzutreten! Und die ist auch dringend notwendig, denn trotz Mondschein sehen wir ohne kaum die Hand vor Augen. Lavagestein hat nun mal eben nicht gerade die besten lichtreflektierenden Eigenschaften.

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Das wissen auch die Falter und andere Insekten zu schätzen, die sich nun im Lichtkegel unserer Stirnlampen tummeln. Und wo Insekten sind, da sind auch Fledermäuse! Die huschen immer und immer wieder dicht über unsere Köpfe hinweg und ich ertappe mich öfter als mir lieb ist dabei, wie ich mich schreckhaft unter ihrem Luftzug wegducke. Fledermäuse verfangen sich ja immerhin gerne mal in den Haaren von Frauen, wie die Legende besagt. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ihr diese Tiere als Kind mit vielen Locken daher so gar nicht geheuer waren. Tatsächlich verfängt sich eine gesunde Fledermaus aber bestimmt niemals in irgendwelchen Haaren, weder von Frauen noch von Männern. Dazu ist ihre im Laufe von 60 Millionen Jahren Evolution perfektionierte Echo-Ortung viel zu genau. Und trotzdem ist es gar nicht so einfach, diesem feinen Spürsinn der Tierchen in der Dunkelheit zu vertrauen.

Plötzlich spüre ich einen deutlich stärkeren Luftzug im Nacken und kurz danach raschelt etwas im Gebüsch ein paar Meter von mir entfernt. Eine Eule hat diesen Busch ganz offensichtlich als favorisierten Landeplatz auserkoren und sich während des Anflugs auch von unserer Anwesenheit nicht stören lassen. Ich schwelge aufgrund akuter Eulenliebe umgehend im Glück, obwohl ich sie nicht entdecken kann.

Was ich aber entdecken kann, sind viele kleine Glitzersteine auf dem schwarzen Boden, die erst im ungewohnten Licht erstarren und dann flink davon huschen. Deshalb sind es auch keine Glitzersteine, sondern die Augen unzähliger Spinnen, die so angeleuchtet auch ganz hervorragend jeden Diamanten auf einem Ring von Tiffany ersetzen könnten. Der Hase, der plötzlich mitten auf dem Weg vor uns sitzt, interessiert sich allerdings weniger für potenzielle Diamanten und mehr für das viele Grün des Frühlings, das jetzt in der Nacht zwar nicht grün aussieht, aber bestimmt trotzdem so gut schmeckt.

Er erinnert uns daran, dass wir selbst noch gar nichts gegessen haben heute Abend. Und so beschleunigen wir unseren Schritt in Richtung Parkplatz, vorbei an all den Höhlen und Löchern, in denen die Tiere der Nacht auf unserem Hinweg unbemerkt auf ihren Einsatz gewartet haben. Zurück am Auto schütteln wir den schwarzen Sand aus unseren Schuhen und fahren zurück zum Lava Flow Campground am Eingang des Parks. Ganz langsam und vorsichtig, denn wie wir spätestens jetzt wissen: Die Lavawüste lebt – vor allem nachts.

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Infos und Tipps zum Craters of the Moon National Monument

Das Craters of the Moon National Monument war tatsächlich eines meiner Highlights des gesamten Roadtrips durch den Nordwesten der USA. Es ist einfach so herrlich abgeschieden und unwirklich dort und damit so ganz anders als Parks wie Yellowstone, Glacier oder Grand Teton, die natürlich überaus beeindruckend, aber doch irgendwie „normaler“ sind. Dabei hatte ich die Lavawüste vorher so gar nicht auf dem Radar und hab sie eher durch Zufall auf der Karte entdeckt.

Wenn Du in der Nähe bist, solltest Du dem National Monument unbedingt einen Besuch abstatten. Mindestens für ein paar Stunden, besser noch über Nacht. Hier kommt alles, was Du dazu wissen musst.

Allgemeine Infos

Das Craters of the Moon National Monument and Preserve liegt im Zentrum der Ebene des Snake Rivers im US-Bundestsaat Idaho und damit in einer der abgelegensten Regionen der „lower 48“. Das knapp 3.000 km² große Gebiet besteht aus großflächigen, erkalteten Lavaströmen, die ältesten sind bis zu 15.000 Jahre alt, die jüngsten bis zu 2.000. Die vulkanische Aktivität in diesem Gebiet ruht zwar seitdem, ist aber nicht erloschen.

Das National Monument steht seit 1924 unter Naturschutz, der im Jahr 2000 nochmal deutlich erweitert und auf das 13-fache der bisherigen Fläche ausgedehnt wurde.

Ein Großteil dieser Fläche ist unerschlossen. Für Touristen ist vor allem die rund 11 km lange Rundstraße durch den Park interessant, die einen guten Eindruck von diesem Ort vermittelt und gleichzeitig Ausgangsort für alle Wanderungen ist.

Das National Monument ist ganzjährig geöffnet und hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz. Zwischen Dezember und Mitte April ist die Straße allerdings in der Regel nicht für Autos befahrbar. Der Eintritt kostet 15 USD und ist im Jahrespass für die Nationalparks enthalten.

Anfahrt und Lage

Die meisten Besucher werden dem Craters of the Moon wohl einen Besuch auf dem Hinweg zum bzw. Rückweg vom Yellowstone und Grand Teton Nationalpark einen Besuch abstatten. Von West Yellowstone fährt man rund 3 Stunden bis zum Visitor Center am Eingang des Craters of the Moon National Monument. Das gleiche gilt für Jackson, Wyoming in der Nähe des Grand Teton.

Von Portland, der nächsten großen Stadt an der Westküste sind es rund 10 Stunden Fahrt. Die nächsten größeren Städte in unmittelbarer Umgebung sind Idaho Falls im Osten und Twin Falls im Südwesten (jeweils rund 1,5 Stunden). Und der nächste kleinere Ort mit Geschäften, Übernachtungsmöglichkeiten usw. ist Arco, rund 20 Minuten Autofahrt entfernt.

Camping im Craters of the Moon

Craters of the Moon National ist mit mehr als 200.000 Besuchern im Jahr das wichtigste touristische Ziel in der dünn besiedelten Region. Es ist jedoch typischerweise nur ein Abstecher für Besucher anderer Ziele im weiteren Umfeld und wird nur von rund 20 % der Besuchern gezielt angesteuert. Die anderen kommen aus anderem Grund nach Idaho oder durchqueren die Region nur und nutzen das Schutzgebiet als Zwischenstopp.

Will man aber wirklich die ganze Schönheit und Vielfalt dieses Ortes erleben, muss man eigentlich mindestens eine Nacht hier oder in der Nähe verbringen. Denn erst am frühen Morgen und späten Abend entfaltet diese Gegend ihre volle Wirkung. Dann nämlich, wenn die Tiere aus ihren Löchern und Höhlen kommen und der Blick nicht mehr von grellem Licht gestört wird.

Der Lava Flow Campground in der Nähe des Visitors Centers ist der perfekte Ort, um eine Nacht im Park zu verbringen. Hier parkt bzw. zeltet man quasi direkt in den erkalteten Lavaströmen und kann zudem direkt von dort aus auf einige kleine Wanderungen starten.

Es gibt insg. 42 Stellplätze auf dem Campground, die nach dem Prinzip first come, first served vergeben werden. Eine Reservierung ist also nicht möglich. Auf dem Campground gibt es Toiletten, Grills, Picknicktische und fließendes Wasser, Essen muss mitgebracht werden. Im nahegelegenen Visitor Center kann man lediglich einige kleine Snacks wie Schokoriegel und Getränke kaufen.

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Wandern im Craters of the Moon

Im Craters of the Moon gibt es insgesamt 9 Wanderwege unterschiedlicher Länge, von kurzen Spaziergängen bis hin zum 12,8 km langen Wilderness Trail, die zu, um und auf geologisch interessante Stellen wie Krater und Kegel führen.

Eine der spannendsten Wanderung im Craters of the Moon ist der 3 km lange Broken Top Loop Trail, der einem zudem Zugang zu den Buffalo Caves gewährt. Noch mehr Höhlen kann man auf dem 2,6 km langen Caves Trail entdecken, hierfür muss man sich allerdings im Visitor Center zuerst eine kostenlose Erlaubnis holen. Diese dient vor allem der Aufklärung und zum Schutz der in den Höhlen lebenden Fledermäuse vor eingeschleppten Krankheiten.

Die Erkundung der Höhlen erfolgt auf eigene Gefahr, hier sollte man auf jeden Fall festes Schuhwerk und eine gute Taschen-/Stirnlampe dabei haben.

Eine Infokarte mit einer Übersicht über alle Wanderwege bekommt man im Visitor Center bzw. am Parkeingang. Alle Infos zu den Trails gibt es auch hier.

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Warst Du auch schon mal im Craters of the Moon und hast noch weitere Tipps? Oder hast Du schon mal an einem anderen Ort eine Nachtwanderung unternommen? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

1 Comment

  1. Ein schöner Artikel – und viele tolle Fotos vom Craters of the moon! :) Bei unserem Roadtrip von Seattle zum Yellowstone hatten wir das ja nur als kleinen Zwischenstop in Idaho geplant, damit wir überhaupt irgendwas an diesem Fahrtag anschauen können. Also mit null Erwartungen hin und total begeistert wieder raus! Mich hat die surreale Landschaft in der Einsamkeit Idahos auch richtig geflasht. Man kam sich ein bisschen vor wie auf einem anderen Planeten oder? ;)

    Nur die Nachtwanderung wäre nichts für mich gewesen…ich bin halt ein kleiner Schisser ;)

    Liebe Grüße
    Mandy

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