[enthält Werbung] In einem Moment alpine Wanderungen unternehmen und im nächsten unter Palmen an einem türkisblauen See sitzen und Gelato schlecken – was in der Theorie schon gut klingt, ist in echt noch viel besser. Und das Tessin macht’s möglich. Denn eingerahmt vom Alpenhauptkamm und der italienischen Grenze hat der kleine Schweizer Kanton seine ganz eigenen Charme.

Ich durfte die Region im Rahmen der #bloggerhikechallenge drei Tage lang entdecken und damit in einen Teil der Schweiz reisen, den ich noch überhaupt nicht kannte. Meine Reisebegleitung Erika aka Ulligunde, die auch die meisten der Fotos in diesem Artikel gemacht hat, war schon öfter dort – allerdings vor allem zum Klettern. Dieses Mal schnürte sie zusammen mit mir die Wanderschuhe und wir begaben uns auf die Spuren von Natur, aber auch Kultur und Geschichte des Tessins.


Werbehinweis: Meine Reise in die Schweiz fand in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus und Ticino Turismo im Rahmen der Blogger Hike Challenge statt. Meine persönliche Meinung sowie die Inhalte dieses Artikels wurden dadurch nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst Du hier nachlesen. 


Mit der Centovalli-Bahn ins Land der hundert Täler

Seit 1923 verkehrt die Centovalli-Bahn zwischen Domodossola in Italien und Locarno in der Schweiz. Und als wir am kleinen Bahnhof von Verdasio die Schmalspurbahn verlassen, ist schwer zu sagen, ob wir nun das Jahr 2019 schreiben oder uns doch auf eine Zeitreise zurück zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts begeben haben. Wir sind die einzigen Menschen weit und breit, die Zeit scheint nach der schnell verfliegenden Zeit in Zügen mit einem Mal stehen geblieben zu sein. Die Talstation der kleinen Seilbahn, die direkt am Bahnsteig beginnt, hat schon geschlossen. Zum Glück ist es nicht die, die uns zu unserer Unterkunft oben auf dem Monte Comino bringen soll. Die beginnt ein Stück weiter die kleine Straße hinauf. „Unser“ Seilbahnführer wollte auch gerade Feierabend machen, setzt die kleine Gondel für uns aber nochmal in Bewegung.

Langsam erklimmen wir darin den Berghang. Von der Bergstation der Seilbahn ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Berghütte Alla Capanna auf der wunderschön gelegenen Alp Monte Comino. Es ist Montag und wir sind die einzigen Übernachtungsgäste der Hütte. Nachdem wir geduscht und unser gemütliches Zweibettzimmer bezogen haben, schlürfen wir Radler in der Abendsonne mit Blick auf die Tessiner Bergwelt und warten auf etwas, das sich als eines der leckersten Risottos herausstellen sollte, die wir je gegessen haben – und meines hab ich sogar in einer veganen Variante bekommen! In seliger Zufriedenheit sehen wir der Sonne beim Untergehen zu, bis das Bedürfnis nach Schlaf zu groß wird. Wenn der erste Tag einer Reise so endet, kann der Rest nur gut werden. Und auf den kommenden Tag freute ich mich ganz besonders.

Lama-Trekking am Monte Comino

Das Lama kennt den Weg, ganz bestimmt sogar. Es lässt mich aber trotzdem bereitwillig vorgehen und gibt mir so zumindest das Gefühl, die Anführerin unseres ungewöhnlichen Zweiergespanns zu sein. Eigentlich sehe ich mich aber sowieso nur die ganze Zeit nach hinten um und blicke in wachsame Lama-Augen, die den durch Wurzeln und Steinblöcke holprigen Boden so gar nicht zu beachten scheinen, sondern immer geradeaus blicken. Stolpern tun die Lama-Beine trotzdem nicht, kein einziges mal. Auch nicht, wenn es sich doch mal kurz durch einen besonders saftigen Grasbüschel vom Wandern ablenken lässt. Dann warte ich bereitwillig, bis das Lama seinen Snack beendet hat und weiter tapfer hinter mir her trottet.

Mein Lama heißt Lamir und ist eines der zwölf Tiere, die sich im Besitz der Familie Bäschlin befinden, die das Lamatrekking anbieten. Ihr Hof liegt unweit der Berghütte, eingebettet in die Trockenwiesen an den Hängen des Monte Comino, zu deren Pflege diese Lamas beitragen. Wenn sie eben nicht gerade Wandern gehen. Touren von zwei Stunden bis zu mehreren Tagen sind mit den Lamas buchbar. Und das Wandern mit den wolligen Tieren hat tatsächlich eine ziemlich entspannende Wirkung auf mich, auch wenn sie so langsam gar nicht sind. Als ich Lamir nach zwei Stunden wieder abgeben muss und er zurück zu seinen Kollegen auf die Weide darf, bin ich schon ein bisschen traurig. Und frage mich, ob das Wandern ohne Lama überhaupt noch einen Sinn haben wird. Aber das geht wohl jedem so, der schon mal mit Lama gewandert ist. Ich würde es trotzdem jederzeit wieder tun.

Geschichte erleben in Intragna

Vom Lamahof aus wandern wir stetig bergab, durch schattige Wälder, über Wiesen, die von alten Steinhäusern gesäumt sind, vorbei an einer alten Mühle bis hin zum Dorf Intragna. Den Glockenturm des Dorfes haben wir schon während der Hinfahrt mit der Centovalli-Bahn gesehen, denn er ist einfach nicht zu übersehen: Immerhin handelt es sich dabei um den höchsten seiner Art im ganzen Tessin. Und er ist der ganze Stolz von Stefan Früh, der zwar in Zürich aufgewachsen ist, seine Ferien aber immer bei seinen Großeltern in Intragna verbrachte. „Das war stets eine Zeitreise“, so erzählte er zu uns mit leuchtenden Augen. Und das ist bis heute so, was nicht zuletzt der Arbeit von Stefan Früh zu verdanken ist.

Der Deutschschweizer setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die Geschichte von Intragna und dem Centovalli lebendig und erlebbar bleibt, die Region aber gleichzeitig nicht den Anschluss an die moderne Welt verliert. Er ist Gemeinderat, bietet Führungen durch das Dorf an, vermietet Ferienwohnungen, spielt im Trio Fregüi den Tessiner Dudelsack, den er sich eigens nach historischem Vorbild hat anfertigen lassen, und ist nicht zuletzt Herr über den Glockenturm. Einer seiner großen Wünsche ist es, bald schon im Ort ein Kirchturmmuseum einzurichten, (aller Wahrscheinlichkeit nach) das erste seiner Art weltweit. Als er das erzählt, leuchten seine Augen noch ein bisschen mehr. Und unsere Augen leuchten spätestens, als wir den Ausblick vom Glockenturm über die Dächer Intragnas und das Centovallital sehen.

Vom Gipfel des San Salvatore zu einem der schönsten Dörfer der Schweiz

Der 912 Meter hohe San Salvatore ist der Hausberg von Lugano. Von dessen Vorort Paradiso führt eine Standseilbahn auf Gipfel des Berges. Es gibt auch einen Klettersteig sowie natürlich Wanderwege, aber bei hochsommerlichen Temperaturen, die bereits früh morgens an der 30-Grad-Marke kratzen, lassen wir es gemütlich angehen.

Das 360°-Panorama vom Gipfel reicht über den Luganersee, die Po-Ebene und die Bergketten der Schweizer und Savoyer Alpen. Nachdem wir dieses von sämtlichen Winkeln aus betrachtet haben, machen wir uns an den Abstieg, denn ein bisschen Wandern wollen wir natürlich trotzdem. Auf gemütlichen Waldwegen geht es langsam aber stetig bergab, bis wir zum Künstlerdorf Carona kommen. Der kleine Weiler, dessen Wurzeln weit in die Vergangenheit zurückreichen, zog viele Bildhauer, Stuckateure, Maler und Steinmetze an, die dem Dorf sein Gesicht gaben. Dazu gesellt sich heute auch zeitgenössische Kunst wie Murals und in den schmalen Gassen ausgestellte Fotografie. Wir lassen uns durch diese Gassen treiben und kehren dann in lauschigen Garten des Restaurant Posta für leckerste, von Hand gemachte Pasta ein. Die Nachbarschaft des Tessins hat zu Italien hat definitiv so ihre Vorteile.

Frisch gestärkt folgen wir dem Wanderweg weiter nach unten, kommen dem Ufer des Luganer Sees und damit unserer wohlverdienten Abkühlung immer näher. Das Wasser schimmert tief blau, hier am südlichen Teil des Sees sind die Ufer nur spärlich und dann ziemlich hübsch bebaut. Und ziemlich hübsch ist auch der Ort Morcote, welcher 2016 zum schönsten Dorf der Schweiz gewählt wurde, dessen enge Pflastergassen jetzt in der Nachmittagshitze wie ausgestorben sind. Erst unten an der Uferpromenade treffen wir auf etwas Trubel, ich habe jedoch nur noch Augen für den See, in dem ich einige Momente später schon glücklich meine Bahnen ziehe. Bis wir auf das letzte Boot springen, das an diesem Tag über den Lago di Lugano fährt und uns zurück nach Paradiso bringt.

An den Hängen des Monte Generoso

Fiore di pietra. Steinblume. So heißt das markante Bauwerk des berühmten Architekten Mario Botta, das auf einem schmalen Plateau kurz unter dem Gipfel 1.704 Meter hohen Monte Generoso thront. Die Fassade des Bauwerks wurde mit Kalkstein aus Tessiner Steinbrüchen erbaut und auch sonst war das Projekt für Mario Botta ein ganz besonderes Heimspiel: Immerhin war der gebürtige Tessiner schon als Kind oft auf dem Gipfel des Monte Generoso. Das ist gut verständlich, denn das Panorama – von der Seenlandschaft Norditaliens über die Alpenkette des Gran Paradiso, vom Monte Rosa bis Cervino, von der Jungfrau bis zum Gotthard-Massiv – ist schon ein ganz besonders gutes. Die Steinblume selbst fügt sich für das moderne Bauwerk, welches direkt neben der Bergstation der Zahnradbahn liegt, fast schon erstaunlich gut in die Landschaft ein, auch wenn mir das Innenkonzept mit Tagungsräumen und einem luxuriösen Restaurant  nicht so wirklich zusagt.

Man muss allerdings nur ein paar Meter vom Gipfelplateau absteigen, um aus der Moderne wieder in der Zeit zurückzureisen und das ursprüngliche Tessin zu erleben. Marisa Clericetti führt hier die höchste Alp des Monte Generoso und bewirtet Wanderer und Ausflugsgäste mit ihrem selbstgemachten Spezialitäten. Darunter zum Beispiel der Zincarlin, eine Variante des typischen aus Sauerteig bestehenden Tessiner Frischkäses, der ausschließlich hier im Muggiotal hergestellt wird.

Von der Alp Clericetti steigen wir an den weitläufigen Südhängen des Monte Generoso in Richtung Tal. Begleitet werden wir von Silvio Bindella, dem Präsidenten des ethnographischen Museums des Muggiotales. Auf die Frage, wo dieses Museum denn ist, macht Silvio nur eine ausladende Handbewegung. Denn wir sind bereits mittendrin.

Eine Besonderheit des Monte Generoso sind die sogenannten Nevère (Eisgruben), von denen insgesamt elf Stück auf unserem Weg liegen. Dabei handelt es sich um eine Art Kühlschranke aus Kalkstein, in denen früher die Milch für die Produktion von Butter und Käse gekühlt wurde. Heute sind diese Kühlschränke für Wanderer begehbar und so können wir uns persönlich von ihrer Funktionsweise überzeugen. Und die in etwa 14 Grad, die darin herrschen, sind eine wahre Wohltat im Vergleich mit den fast 40 Grad Außentemperatur.

Wir wandern auf dem Nevère-Pfad bis zur Mittelstation der Zahnradbahn, die uns anschließend wieder ins Tal bringt. In Lugano gibt es Abschieds-Pizza und ein ausgiebiges Fußbad im See. Nur für das Gelato sind wir nach der Pizza leider zu satt. Da müssen wir wohl „leider“ nochmal wiederkommen.

Reisetipps fürs Tessin

Klima und beste Reisezeit

Das Tessin wird auch die „Sonnenstube der Schweiz“ genannt. Nur rund 100 Regentage gibt es hier pro Jahr, dazu durchschnittlich über 2.000 Sonnenstunden. Grundsätzlich kann man das Tessin natürlich das ganze Jahr über gut bereisen, ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Alpenregionen ist aber die Lage südlich des Alpenhauptkamms: Wenn anderswo in den Alpen noch bzw. schon wieder Schnee auf den Gipfeln und Hängen liegt, lässt es sich im Tessin noch bzw. schon hervorragend schneefrei und bei verhältnismäßig milden Temperaturen wandern.

Anreisen und Rumkommen

Dank dem 2016 eröffneten Gotthard-Basis-Tunnel, dem längsten und tiefsten Eisenbahntunnel der Welt, ist das Tessin seit der Eröffnung 2016 ziemlich gut und schnell erreichbar. Direktverbindungen gibt es zum Beispiel nach Zürich und Basel, Zürich ist wiederum zum Beispiel in knapp vier Stunden ohne Umsteigen von München aus per IC-Bus erreichbar.

Die Schweizer Züge sind berühmt für ihre Pünktlichkeit, und deshalb gibt es einfach keine bessere, entspanntere und gleichzeitig so umweltfreundliche Methode, dieses Land zu entdecken. Je nachdem, ob Du ausschließlich im Tessin oder auch in anderen Teilen der Schweiz unterwegs sein möchtest, gibt es dafür zwei tolle Angebote:

  • Das Ticino Ticket erhalten alle Gäste, die in Hotels, Jugendherbergen und auf Campingplätzen übernachten – und zwar kostenlos! Mit dem Ticket kann man den öffentlichen Verkehr während des Aufenthalts frei nutzen und erhält zudem zu verschiedenen Freizeiteinrichtungen vergünstigte Eintritte.
  • Der Swiss Travel Pass ist ein All-in-one-Ticket für Bahnen, Busse und Schiffe in der ganzen Schweiz, den es für unterschiedlich lange Zeiträume sowie für 2. und 1. Klasse gibt. Die günstigste Möglichkeit ist der 3-Tages-Pass für 232,- CHF (Stand: 07/2019).

Natürlich kannst Du auch gut per Auto ins Tessin reisen. Im Sommer ist die Fahrt über einen der Alpenpässe (Sankt Gotthard, Nufenen, San Bernardino oder Lukmanier) allein schon eine Reise wert.

Wandern im Tessin

4366 km Wanderwege, 24 Bergbahnen, 70 Berghütten und über 130 Seen. Egal ob alpine Höhenwege oder entspannte Spaziergänge am See. Im Tessin gibt es unglaublich viele Wandermöglichkeiten für alle Gelegenheiten, und hier findest Du jede Menge Infos und Inspiration dazu. Besonders praktisch ist auch die Hike Ticino-App, mit der du die wichtigsten Informationen zu über 200 Wanderwegen und Orten entlang der Wege abrufen kannst.

Alle Infos zu meinen Wanderungen findest Du übrigens hier zusammengefasst.


Warst du auch schon mal im Tessin und hast noch weitere Tipps für Wanderungen und schöne Ecken? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

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