[Gastartikel / enthält Werbung] Wanderkarten? Fehlanzeige. Markierte Wege? Kaum. Ursprüngliche, unerschlossene Natur? Volltreffer! Wandern in Aserbaidschan ist ein Traum für alle, die gern unbekannte Pfade und vielfältige Landschaften entdecken – entweder in Eigenregie oder als geführte Wanderreise.

Das Land zwischen Europa und Asien ist gerade einmal so groß wie Bayern, vereint auf dieser Fläche jedoch eine große Vielfalt an unterschiedlichen Landschaftsformen und Klimazonen. Von den schneebedeckten Gipfeln der Viertausender des Kaukasus über uralte Laubwälder, von Steppen und Halbwüsten bis zu surrealen, mit Schlammvulkanen überzogenen Flächen, dazu endlose Sandstrände und Sumpflandschaften.


Werbehinweis: Dieser Artikel entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit Azerbaijan Travel und Lowa und enthält daher Werbung für diese Kooperationspartner. Die persönliche Meinung, die dieser Artikel widerspiegelt, wurde dadurch nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog erfährst Du hier


Wanderregionen in Aserbaidschan

Gastautorin Erika vom Bergsport-Blog Ulligunde hatte im Rahmen einer Fotoreise die Chance, Aserbaidschan zu entdecken. Neben russisch und türkisch geprägter Kultur und spannender Kulinarik entdeckte sie dabei vor allem in Wanderschuhen die Natur eines Landes, dessen Schönheit und Gastfreundlichkeit vielen wohl gar nicht so richtig bewusst ist. Mitgebracht hat sie tolle Eindrücke von der vielfältigen Natur des Landes und Tipps für einige Wanderregionen und Touren in Aserbaidschan.

Garanohur Lake (Qaranohur Gölü)

Der See in der Region Ismayilli (ca. 3 Stunden von Baku entfernt) liegt auf rund 1.500 Höhenmeter und ist in einer etwa dreistündigen Wanderung von Talistan erreichbar. Anfangs führte uns die Tour noch auf breiten Forststraßen durch Brombeerbüsche und hübsche Wälder, später dann weglos durch das breite Flussbett bevor wir anschließend noch etwa eine Stunde erstaunlich steil hinaufsteigen mussten. Es gibt Stufen und Geländer, bei Nässe lohnen sich aber Wanderschuhe mit guter Sohle, weil der Weg matschig wird.

Der Garanohur See ist ein beliebter Ausflugsort und auch im Lonely Planet beschrieben. Ausländische Sprachen haben wir aber trotz der verschiedenen Gruppen nicht gehört und der »Andrang« ist nicht im Ansatz mit touristischen Highlights in anderen Ländern vergleichbar. Mitte Oktober waren vielleicht 20 oder 30 Leute am See.

Es gibt einige schöne Fotospots entlang des Ufers, die von den Instagram-begeisterten Einheimischen rege besucht werden. Der Rückweg erfolgt auf dem gleichen Weg, insgesamt werden etwa 500 Höhenmeter zurückgelegt.

Galabin Waterfalls (Lankeran-Region)

Am Tag unseres Galabin-Besuches verschlug es uns gleich mehrmals die Sprache:

Das erste Mal direkt beim Anblick unseres „Shuttles“, einem 46 Jahre alter LADA, der uns für seine Anzahl von Löchern erstaunlich trocken durch so manchen Fluss rumpelte. Die Anfahrt war wirklich für sich schon ein Abenteuer – allerdings eines der „guten“ Sorte: Nicht gefährlich, einfach nur spektakulär.

Die Wanderung zum ersten Wasserfall glich dann auch eher einer Erkundungstour eines fremden Planeten: Der »Weg« war zu weiten Teilen zugewachsen, immer wieder kämpften wir uns durch Gestrüpp und Dornen. Das Tosen des Flusses wurde immer lauter, bis sich zu dem lauten Geräusch plötzlich auch Sturm und Feuchtigkeit gesellte: Die Druckwelle dieses (in diesem Monat besonders mächtigen) Wasserfalls war so stark, dass wir uns dagegen lehnen konnten. Das Wasser durchnässte uns innerhalb weniger Minuten.

Für mich war es wohl der mächtigste und gleichzeitig einsamste Wasserfall, den ich bisher bestaunen durfte. Vielleicht nicht so hoch wie die im Yosemite Valley, vielleicht nicht so gewaltig wie Schaffhausen, aber in seiner Entrücktheit, seiner Ursprünglichkeit und seiner absoluten Unerschlossenheit (es gibt ja nicht mal einen Weg!) ein wahres Erlebnis.

Das nächste Abenteuer – diesmal der weniger schönen Art – wartete dann auf dem Weg zum zweiten Wasserfall etwas unterhalb: Als die Hunde in einiger Entfernung bellten, dachten wir uns noch nicht so viel. Als unser Guide dann plötzlich seine Wanderstöcke, die er bisher nie zum Wandern verwendet hatte, rausholte, wussten wir, was los ist. Gott sei Dank drehten die Hunde ab und wir konnten unversehrt zum nächsten Wasserfall wandern. Noch etwas höher, noch etwas spektakulärer. Was für ein Tag!

Noch ein Wort zu dieser Region: Die Gegend rund um die Galabin-Wasserfälle wird trotz ihrer Abgelegenheit bewohnt und rudimentär bewirtschaftet. Alles im kleinen Rahmen und offensichtlich nur für den Eigengebrauch, was diese Ecke umso entrückter erscheinen lässt. Das Interessante: Die Regierung Aserbaidschans beschloss bereits vor vielen Jahren die Schulpflicht (für Jungen und Mädchen gleichermaßen) bis zur achten Klasse, sodass in jedem Dorf – und angeblich selbst in dieser kleinen Häuseransammlung am Ende der Welt – eine kleine Schule zu finden ist.

Tipp zur Tour: Die Anfahrt von Lerik (4 Stunden südlich von Baku) dauert etwa eine Stunde und erfordert einen robusten Geländewagen mit 4×4-Antrieb. Die Wanderung zu den Wasserfällen dauert jeweils ca. 30 bis 60 Minuten und ist technisch nicht anspruchsvoll, man muss sich allerdings immer wieder durch Gebüsch schlängeln. Das Gelände rund um die Wasserfälle ist enorm matschig und sehr rutschig. Am Beginn des Pfads zum unteren Wasserfall gibt es einige Sitzmöglichkeiten und eine kleine Hütte.

Wandern bei Xinaliq (Kaukasus)

Ein Ort, an dem wir gerne länger geblieben wären: Xinaliq ist ein entlegenes Dorf inmitten sanfter Grasberge. Im Hintergrund ragen die über 4.000 Meter hohen Felsgipfel empor, die aber zu einem großen Teil auf nicht allzu anspruchsvollen Wegen erstiegen werden können (Permit!). Eine sagenhafte Szenerie und einfach ein rundum magisches Tal.

Die Wanderung, die wir unternommen haben, führte zwar nur auf breiten 4×4-Wegen von Xinaliq nach Qalaxudat, die Aussicht war aber in ihrer Kargheit und Einsamkeit doch etwas Besonderes.

Laza-Village (Qusar)

Die Wanderung von Kuzun in das Bergdorf Laza begeistert ein weiteres Mal mit Wasserfällen, entlegenen, wilden Bachläufen und kleinen Felstürmchen, die seit jeher der Gravitation trotzen.

Die Tour beginnt zunächst in einem der beiden Skigebiete Aserbaidschans. Es dauert aber nicht lange, bis man die Zivilisation hinter sich lässt. Auf unmarkierten aber bestens ausgetretenen Pfaden geht es zunächst hinauf zu einem Pass, anschließend hinunter ins wilde Flussbett, wo die ersten Wasserfälle rauschen. Nach einer Weile in der Ebene steigt der Pfad abermals an und führt zu den kleinen Felstürmchen, deren Erscheinung manche an die Rheinschlucht oder Südtirol erinnern werden. Hier, fernab von jeglichem Tourismus, wirken die Türmchen entrückt und wie aus einer anderen Welt.

Der Weg führt weiter ins Dorf Laza, wo uns ein liebevoll betriebenes, knallviolettes Hostel mit teils vegetarischem Essen (!) überraschte. In einem Land, bei dem keine Mahlzeit ohne Fleisch serviert wird, ist das doch eine Seltenheit. Von hier aus kann man in einer weiteren halben Stunde zu den recht bekannten Laza-Waterfalls wandern. Dank der Straßenanbindung ist dort etwas mehr los, aber die hohen, gestuften Wasserfälle lohnen trotzdem den Besuch. Im Winter gefriert das Wasser und es bilden sich mächtige Eissäulen.

Informationen zum Reisen in Aserbaidschan

Anreise nach Aserbaidschan

Direktflüge gibt es zum Beispiel mit Lufthansa von Frankfurt aus nach Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Baku selbst ist unheimlich sauber, der Fahrstil der Autofahrer sehr gemäßigt und die Stadt auch bei Nacht sicher.

Beste Reisezeit für Aserbaidschan

In Aserbaidschan gibt es viele unterschiedliche Klimazonen, nicht zuletzt wegen dem Einfluss des Großen Kaukasus. Die beste Reisezeit kann je nach Region stark variieren.

Fürs Wandern sind vor allem die Monate Juli und August ideal, denn dann sind auch die hohen Gipfel ohne Probleme mit Schnee besteigbar. Aber auch das Frühjahr von April bis Juni sowie der Herbst sind für eine Wanderreise gut geeignet.

Unterkünfte in Aserbaidschan

Der Tourismus in Aserbaidschan ist immer noch dabei, sich zu entwickeln. Neben teils luxuriösen, teils sehr einfachen Hotels und Herbergen etabliert sich in manchen Gegenden auch das Konzept der Homestays immer mehr. Auch Campingplätze gibt es vereinzelt, Wildcampen ist dazu in der Regel laut Erfahrungsberichten anderer Reisender kein Problem und nur in einigen Nationalparks im Norden verboten. Airbnb-Angebote findet man abgesehen von den größeren Städten nur vereinzelt, auch Hostels sind außerhalb eher selten.

Essen in Aserbaidschan

Die Einheimischen sind ungemein gastfreundschaftlich, ohne aufdringlich zu sein. Es gibt zahllose Imbisse am Straßenrand, deren Tische verstreut im Wald oder auf Wiesen stehen. Der Kellner bedient direkt am Tisch, was jeden Restaurantbesuch eher einem Picknick im Wald gleichkommt. Eine wunderbare, sehr entspannte Erfahrung. Für Vegetarier ist dieses Land allerdings eine Herausforderung, wobei die Vorspeisen (Fladenbrot mit verschiedenen Dips) meist unheimlich lecker sind und eigentlich auch oft schon ausreichen, um satt zu werden. Die Schüsseln mit Fleisch mit Kartoffeln gehören ansonsten stets zu jedem Essen dazu.

Geführte Wanderreisen in Aserbaidschan

Es gibt verschiedene Reiseanbieter, die Touren nach Aserbaidschan mit Schwerpunkt aufs Wandern anbieten, wie zum Beispiel Via Verde Reisen. Eine Reise auf eigene Faust ist grundsätzlich auch möglich, nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere eher etwas für Abenteuerlustige. Die Informationslage zu Wandertouren oder Dinge wie markierte Wanderwege ist zudem eher dünn, da ist auf jeden Fall etwas Recherche und Mut zum Abenteuer notwendig. Infos zu Touren findet man bei den üblichen Verdächtigen für solche Fälle, wie zum Beispiel auf alltrails.com oder wikiloc.com.

Fazit

Im Rahmen dieser Reise mit Lowa lernten wir ein Land kennen, dessen Bewohner herzliche Gastgeber waren. Wir erkundeten eine Natur, die größtenteils unberührt und ursprünglich war und fühlten uns auch als zwei reisende Frauen in keiner einzigen Minute unsicher. Ein Land, das man nach einer Woche mit der Gewissheit verlässt: Das war zu kurz. Viel zu kurz.


Warst Du auch schon mal in Aserbaidschan und hast vielleicht noch weitere Tipps für schöne Wanderungen und Gegenden? Oder hast Du Fragen zum Wandern in Aserbaidschan? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

1 Comment

  1. Gerdi Spengler Reply

    Wunderbar geschildert, eindrucksvoll bildhaft in Auge und Herz gerückt und mit hervorragenden Fotos reich an Informationen.

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