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[enthält Werbung] Obwohl ich in München geboren und aufgewachsen bin und die meiste Zeit meines Lebens hier verbracht habe, sind mir die bayerischen Alpen immer noch verhältnismäßig unbekannt. Zumindest gefühlt war ich wenn überhaupt immer auf den gleichen Gipfeln, und das auch nicht übermäßig häufig. Immer hat irgendeine Reise gerufen und die Zeit zuhause habe ich dann viel zu oft mit anderen Dingen als dem Wandern verbracht. Für diesen Sommer hatte ich mir bewusst vorgenommen, mehr Zeit mit den Wanderschuhen in den heimischen Bergen zu verbringen. Und meine fünftägige Wanderung auf dem Spitzenwanderweg war dafür wie gemacht.

Der insgesamt 200 Kilometer lange Fernwanderweg hat mir einmal mehr vor Augen geführt, was ich eigentlich weiß, aber viel zu oft vergesse: Wie unglaublich schön unsere Berge sind. Und wie viel wilde Schönheit man quasi direkt vor den Toren Münchens finden kann.


Werbehinweis: Dieser Beitrag entstand in bezahlter Zusammenarbeit mit der Zugspitz Region im Rahmen der LEADER-Förderung und enthält daher Werbung für diesen Kooperationspartner. Meine Meinung sowie die Inhalte dieses Artikels wurden dadurch nicht beeinflusst. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst Du hier nachlesen.


In der Bergwelt der Zugspitz Region

Man kann den Spitzenwanderweg grob in einen alpinen und einen nicht-alpinen Abschnitt einteilen. Der alpin geprägte Teil umfasst insgesamt fünf Etappen, die zu einigen der Highlights der Bergwelt in der Zugspitz Region führen. Diese Etappen von Krün bis Grainau habe ich mir für den ersten Teil meines Spitzenwanderweg-Abenteuers ausgesucht, denn im Gegensatz zum Rest des Fernwanderweges sind diese Etappen nur im schneefreien Sommer bewanderbar.

Bayern oder Kanada?

Krün – Soiernhaus (12,6 km, 830 hm Aufstieg, 106 hm Abstieg)

Einer meiner absoluten Lieblingsgegenden in Bayern ist das wilde Isartal. Ein türkisfarbener Fluss im weitläufigen Kiesbett, gesäumt von kargen Wiesen und dichten Nadelwäldern, eingerahmt von schroffen und oft schneebedeckten Gipfeln. Ich war bereits im kanadischen Yukon und kann berichten, dass es dort auch nicht viel anders aussieht. Das kleine Dorf Krün liegt genau dort an der Isar, wo auch meine erste Etappe auf dem Spitzenwanderweg beginnt.

Eine Weile geht es immer am Fluss entlang, bis der Weg auf einer Brücke über ihn herüber und bald darauf schon bergauf führt, auf Forstwegen und teils steilen Waldpfaden. Die Fischbachalm hat leider geschlossen, doch Limonade und belegtes Brot aus dem Rucksack sind für eine erste Wanderpause auch ziemlich okay.

An der Hütte beginnt der Lakaiensteig, ein schmaler Wanderpfad, der den ganzen restlichen Weg bis zum Soiernhaus führt. Bald schon bin ich mittendrin in der Bergwelt des Karwendel, und das obwohl ich ja gefühlt gerade erst an der Isar gestartet bin. Tolle Ausblicke in ein weitläufiges Tal, dicht bewaldet und von Berghängen umringt, prägen den ersten Teil des Weges, und einmal mehr wähne ich mich mehr in Kanada als in Bayern.

Immer wieder führt der Steig über ausgesetzte Passagen, die jedoch mehr einen Hauch von alpinem Abenteuer versprühen, als dass sie wirklich abenteuerlich sind (will heißen: mit ein wenig Trittsicherheit sehr gut zu begehen). Gleichzeitig kommen die felsgrauen Wände der Soierngruppe immer näher. Mehrere Gipfel, die sich in Hufeisenform um den Soiernkessel scharen, in dem die Soiernseen liegen. Zwei Bergseen wie aus dem Bilderbuch, je nach Tageszeit und Lichteinfall türkisblau oder smaragdgrün schimmernd. Ein wunderschöner Anblick und vor allem im Sommer auch eine willkommene Abkühlung. Ein Stück über ihnen auf rund 1.600 Metern liegt das Soiernhaus, ehemaliges Jagdquartier von König Ludwig dem II. und heute eine sehr charmante Berghütte mit tollem Panorama in jede Richtung.

Karwendel-Liebe

Soiernhaus – Mittenwald (21,5 km, 590 hm Aufstieg, 1265 hm Abstieg)

Ich bin wach lange bevor der Kaffee im Frühstücksraum den Soiernhauses serviert wird und vertreibe mir die Zeit mit dem Bewundern des Sonnenaufgangs über den Bergen. Mit Kaffee wäre der noch ein bisschen perfekter geworden, aber auch so ist er ziemlich nah dran an „besser geht’s nicht“.

Nach dem Frühstück wandere ich erstmal steil bergauf, hoch zum Joch, der Jägersruh auf knapp 1.900 Metern. Zusammen mit mir steigt auch die Sonne immer weiter auf, und von dort oben zeigen sich die Soiernseen in ihrer ganzen Schönheit. Zeit für eine erste kleine Pause zwischen Soiernspitze und Gumpenkarspitze, deren Gipfel von hier aus nicht mehr weit entfernt ist und als kleiner Panorama-Abstecher mitgenommen werden kann.soiernseen

Über Wiesenpfade geht es nun auf der anderen Seite ein Stückchen bergab, die imposanten Gipfel des Karwendelgebirges immer im Blick. Ich schmiere nochmal ein bisschen Sonnencreme nach und spätestens jetzt fühlt sich alles nach Urlaub an. Sommer, Sonne, Berge und ein paar Tage lang nichts anderes zu tun als vor – ach was – mittendrin in einer der schönsten Kulissen der Alpen zu wandern. Was kann man mehr wollen?!

Nach einem weiteren Gegenanstieg habe ich die Soiernspitze quasi halb umrundet, der lange Abstieg nach Mittenwald beginnt. An der urigen Vereiner Alm gibt’s eine große Portion Erbseneintopf, einfach und gut, serviert von der Wirtin in einem Raum, der auch ein Wohnzimmer sein könnte. Immer noch mein ungeschlagenes Lieblingsessen in den Bergen. Kurze Zeit später zweigt der Jägersteig vom Fahrweg ab, ein schmaler Bergweg durch schattige Wälder und vorbei an einigen Wasserfällen und Bächen – ideal für diesen Sommertag, der seinem Namen in Sachen Temperatur mittlerweile alle Ehre macht.

Ein bisschen komisch fühlt es sich an, die Berge jetzt schon wieder zu verlassen, auch wenn die folgende Etappe ja am nächsten Tag schon wieder mitten rein führt. Allerdings lohnt sich der Abstieg, das tut er wirklich. Denn von den Buckelwiesen im Tal kurz vor Mittenwald hat man einen der vielleicht schönsten Karwendel-Blicke überhaupt. Außerdem gibt es in Mittenwald Pizzerien, und Pizza kann sogar der Erbsensuppe aus den Bergen Konkurrenz machen.

Ein Schloss zum Sonnenuntergang

Mittenwald – Schachenhaus (15 km, 1215 hm Aufstieg, 270 Abstieg)

Mittenwald ist ein Mekka für Bergwanderer, von hier aus führen unzählige Wege zu den umliegenden Höhen und Gipfeln. Auch der Ort selbst hat trotz des touristischen Andrangs seinen Charme bewahren können, und dennoch bin ich froh, am nächsten Morgen wieder in Richtung Berge aufbrechen zu können. Auch wenn mein Wille am Ferchensee nochmal ziemlich auf die Probe gestellt wird – so ein Badetag an einem idyllischen, glasklaren Bergsee, das wärs – aber nein, König Ludwig ruft! Oder zumindest seine ehemalige Bergresidenz, von außen eher bescheiden, von innen nicht so sehr.

ferchensee mittenwald

Zwischen mir und dem Schachenschloss beziehungsweise der gleichnamigen Berghütte liegt aber noch ein längerer Aufstieg. Der erste Teil führt eher unspektakulär und von wenigen Ausnahmen abgesehen ohne Weitsicht durch Wälder, wenn auch durch teils sehr schöne, doch dafür wird es im Anschluss umso spektakulärer. Und anstrengender.

Der Aufstieg von der Wettersteinalm zum Schachentor ist kurz, knackig und ziemlich imposant. Immer wieder muss ich stehenbleiben, mich umdrehen, um die Felswände des Wettersteinkamms zu bestaunen. Oben strahlend blauer Himmel. Unten pink leuchtende Alpenröschen. Und dazwischen ein Gemälde aus schroffem Fels.

Oben angekommen ist das Schachenschloss und das direkt darunter liegenden Schachenhaus schon zum Greifen nah, dahinter ragt steil und wild das Zugspitzmassiv auf. Und schon etwas später sitze ich genau dort, während die Sonne hinter den Bergen untergeht. Falls man überhaupt noch irgendwie einen Grund für die Überzeugung braucht, dass Übernachten auf Berghütten das allerbeste ist, ist es dieser.

Im wilden Reintal

Schachenhaus – Kreuzeck (11,5 km, 710 hm Aufstieg, 930 hm Abstieg)

In steilen Kehren geht es vom Schachenhaus immer bergab Richtung Reintal. Es fällt mir schwer, mich nicht (nur) auf die umliegende Bergwelt, sondern vor allem auch auf meine Füße zu konzentrieren, was auf diesem Weg jedoch dringend notwendig ist.

Im Reintal wartet dafür schon die Belohnung für den langen Abstieg: ein eisiges Fußbad in der türkisblauen Partnach und eine abermals ganz neue Kulisse. Frisch erholt geht es eine ganze Weile auf breiten Wegen durchs bewaldete Tal, Zeit zum Ausruhen und gemütlichen Schlendern. Bevor der Spitzenwanderweg wieder an Höhenmetern gewinnt.

Nachdem es zu Beginn der Etappe in steilen Kehren bergab ging, geht es nun in steilen Kehren bergauf, die mir wahrscheinlich „ein bisschen“ steiler vorkommen, als sie in Wahrheit sind, weil die Hitze des Sommertages zwischen den Bäumen hängt und kein Lüftchen weht. Immerhin der Wald spendet etwas kühlenden Schatten, und am Ende der Kehren wartet das Kreuzeckhaus mit einer kalten Dusche, noch kälterem Radler und weiten Panoramen.

Hoher Berg und tiefe Schlucht

Kreuzeck – Grainau (12 km, 510 hm Aufstieg, 1420 hm Abstieg)

Der letzte meiner fünf Wandertage auf dem alpinen Teil des Spitzenwanderwegs steht ganz im Zeichen der Zugspitze, ihres Zeichens höchster Berg Deutschlands. Denn wenngleich der Weg nicht auf ihren Gipfel führt, hat man von unterwegs und insbesondere vom Hupfleitenjoch grandiose Ausblicke auf das Bergmassiv. Ich fühle mich leicht schmerzhaft daran erinnert, dass ich noch nie auf dem Gipfel der Zugspitze stand. Eine Tatsache, die ich dringend mal ändern muss.

Die Höllentalangerhütte, 2015 komplett neu und nach neusten Umweltmaßstäben erbaut, ist einer der Ausgangspunkte für die Tour auf den Gipfel. Für mich gibt es dort jedoch nur einen Kaffee, bevor mich der Weg zum zweiten großen Highlight dieser Etappe und der Tour überhaupt bringt: Die Höllentalklamm. Dort war ich im Gegensatz zum Zugspitzgipfel sogar schon mal, aber die steilen Felswände und der tosende Fluss werden definitiv niemals langweilig und sind ein toller Abschluss für eine richtig schöne, immer wieder sehr beeindruckende, manchmal anstrengende, aber nie zu fordernde Mehrtagestour in den Alpen.

Flach(er) aber oho – Im Voralpenland der Zugspitzregion

[Update 2020] Idyllische Seen, spannende Moorlandschaften, weite Wiesen und ein königliches Schlossnachdem ich im letzten Sommer die alpineren Etappen des Spitzenwanderweges erkundet habe, war in diesem Sommer der Rest der insgesamt 200 Wanderkilometer an der Reihe. Ich habe dabei einige der der Etappen zusammengelegt, weshalb die meisten der vier Wandertage etwas länger ausgefallen sind. Man kann die Etappen des Spitzenwanderwegs aber ganz individuell und nach persönlichen Vorlieben und Fähigkeiten einteilen, wenn man zum Beispiel mehr am Wegesrand erkunden oder einfach nicht so weit wandern kann bzw. will.

Königliches Schloss und kleiner Gipfel

Grainau – Linderhof – Unterammergau (31 km, 1.110 hm)

Nach den alpinen Höhenmetern und oftmals schmalen Wanderwegen der fünf Bergetappen des Spitzenwanderwegs geht es vom Zugspitzdorf Grainau erstmal ganz gemütlich los. Einige Kilometer folgt die Route der Loisach, bevor die langsam aber sicher auf breiten Wegen wieder an Höhe gewinnt. Dabei sollte man auf keinen Fall vergessen, sich zwischendurch umzudrehen und das Antlitz der Zugspitze zu bewundern! Immer wieder eröffnen sich auf dieser von Wald geprägten Etappe neue Bergansichten, bevor es wieder bergab und in Richtung Schloss Linderhof geht. König Ludwig II. lässt abermals grüßen – und dieses Mal deutlich größer und prunkvoller, als es noch am Schachenschloss der Fall war, welches der Weg einige Zeit zuvor passiert. Linderhof gilt als das Lieblingsschloss des „Märchenkönigs“, hier hielt er sich bei weitem am am häufigsten auf. Und auch als Wanderer kann man hier viel Zeit verbringen – bei der Besichtigung des Schlosses und der Parkanlage sowie beim Auffüllen der Kalorien-Reserven im Restaurant.

Offiziell endet diese Etappe hier, allerdings gibt es direkt am Schloss keine Übernachtungsmöglichkeit. Man muss also entweder den Bus nehmen, der hier abfährt, oder zur Berghütte August-Schuster-Haus am Pürschling aufsteigen (eine Option, die ich sehr empfehlen würde).

… ja, Berghütte! Auch die nicht-alpinen Etappen des Spitzenwanderwegs sind nicht immer ganz flach. Der Aufstieg zum Pürschling ist aber jeden Höhenmeter wert, finde ich. Dieser kleine Gipfel in den Ammergauer Alpen offenbart tolle Weitblicke und das August-Schuster-Haus ist ziemlich spektakulär gelegen. Leider wird dieses Jahr (2020) renoviert, sodass es für mich dort nur ein Spezi und keine Übernachtung gibt. Die wartet im Tal auf mich, doch bevor ich dort ankam, gab es mit der Schleifmühlklamm noch ein weiteres Highlight zu erkunden. Ich hatte tatsächlich noch nie zuvor von dieser Klamm gehört, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie neben ihren deutlich größeren und bekannteren Nachbaren Höllentalklamm und Partnachklamm (beide liegen auch auf der Route des Spitzenwanderwegs) ein bisschen untergeht.

Achtung: Die Beschilderung des Spitzenwanderwegs führt an der Klamm vorbei, man sollte den Abstecher aber auf keinen Fall verpassen (Hinweisschilder weisen den Weg), zumal das quasi kein Umweg ist.

Rund um den Staffelsee

Unterammergau – Bad Kohlgrub – Murnau (38 km, 700 hm)

An diesem Tag wartet der dann aber auch wirklich vorerst letzte Anstieg der Voralpenland-Etappen auf mich, und zwar von Unterammergau hoch zum Hörnle. Von Gipfel des Hausbergs von Bad Kohlgrub aus sieht man den Staffelsee schon in der Ferne blitzen. Nach dem Abstieg in den Ort (wo diese Etappe offiziell nach 11 km endet), wandere ich stetig auf den See zu, auf gut ausgebauten Wegen über hügeliges Weideland und durch dichte Wälder.

Trotz der stetig steigenden Temperaturen gibt es etwas, auf das ich mich noch mehr freue als auf den See: das Moorgebiet am westlichen Ufer des Staffelsees. Jetzt im Frühsommer stehen die Wiesen dort in voller Blüte, die bunte Weitläufigkeit mit Blick auf die Berge und den See beeindruckt mich. Baden ist hier im Naturschutzgebiet nicht möglich, aber am nördlichen Ende wandert man an zahlreichen Badestellen vorbei. Es war mir quasi unmöglich, dort keine ausgedehnte Pause einzulegen und dafür die letzten Kilometer von Uffing nach Murnau mit dem Zug zu überbrücken. Manchmal muss man einfach tun, was man tun muss und will, und auf dem Spitzenwanderweg ist das besonders gut möglich.

Mit Zugspitzblick entlang der Loisach

Murnau – Eschenlohe – Garmisch-Partenkirchen (36 km, 550 hm)

Kurz hinter Murnau rückt die Zugspitze wieder ins Bild, und ihr Anblick wird auf dieser Etappe immer wieder mein Begleiter sein – zusammen mit der türkisblau schimmernden Loisach, deren Verlauf ich die meiste Zeit bis nach Garmisch-Partenkirchen folge. Und prompt schleicht sich auch das Kanada-Feeling wieder bei mir ein. Die Kombination aus leuchtendem Fluss, dunklem Nadelwald und grauen Bergspitzen ist einfach unschlagbar. Und auch ein wunderschönes Moorgebiet ist wieder mit dabei – genauso wie ein wenig erfrischender Badespaß, dieses Mal dank Flusswasser deutlich eisiger als am Vortag im Staffelsee. Und plötzlich scheint sie ganz nah zu sein, die Zugspitze, die an diesem Morgen noch ziemlich weit entfernt schien. Genauso wie das Belohnungsradler, dass in Garmisch auf mich wartet.

Steile Wände von nah und fern

Garmisch-Partenkirchen – Krün (25 km, 750 hm)

Der letzte Tag auf dem Spitzenwanderweg ist für mich gekommen, und der gibt nochmal alles! Vom Ortszentrum von Garmisch-Partenkirchen aus habe ich schon bald den Eingang zur Partnachklamm erreicht – neben Höllentalklamm und der kleinen Schleifmühlklamm ist das die dritte im Bunde. Die Partnachklamm ist insgesamt deutlich weniger spektakulär als ihre große Schwester-Klamm, und deutlich weniger idyllisch als die Schleifmühlklamm. Wobei das hier gerade „Meckern“ auf sehr hohem Niveau ist, denn auf einem schmalen Steig entlang zu gehen, der in eine bis zu 80 Meter hohe Felswand eingelassen ist, neben einem Fluss, der diese Schlucht in mühevoller Kleinstarbeit verursacht hat, ist definitiv ein beeindruckendes Erlebnis.

Nach dem Ende der Klamm wartet der letzte steile Anstieg auf dem Spitzenwanderweg auf mich: in spitzen Kehren geht es hoch zum Eckbauer, wo ich bei Linsensuppe das nun nochmal ziemlich eindrucksvolle Alpenpanorama genieße. Das bleibt auch für die letzten Stunden meine Lieblingsbeschäftigung, die ich auf dem Wamberger Höhenrücken verbringe, bevor es über Almwiesen hinunter nach Klais zum Bahnhof geht. 200 Kilometer wandern bei schönstem Wetter liegen hinter mir, und nun hat mich auf den letzten Kilometern der Regen doch noch eingeholt. Es sei dem Zugspitz-Wettergott verziehen.

Gesamteindruck und Fazit

Badeseen und Königsschlösser, Wasserfälle und wilde Schluchten, idyllische Ortschaften und Biergärten, mal vor hochalpiner Kulisse und dann wieder mit Voralpen-Charme: Die Zugspitz Region ist wahrlich vielfältig, und der Spitzenwanderweg macht diese Vielfalt zu Fuß erlebbar.

Die fünf alpineren Etappen zwischen Krün und Grainau sind vielerorts richtig spektakulär und dennoch gut für Bergwander-Anfänger machbar. Deutlich entspannter, flacher und besser ausgebaut (wenn auch für meinen Geschmack manchmal etwas zu gut ausgebaut) geht es auf dem nördlichen Teil des Weges zu, auf dem man die Region nochmal von einer ganz anderen Seite sieht. Wer nicht das große Abenteuer und viele Höhenmeter, sondern einfach nur ein entspanntes Wandererlebnis durch abwechlsungsreiche Landschaften sucht, wird dort fündig.

Mein Highlight waren definitiv die fünf Bergetappen zwischen Krün und Grainau, aber auch auf den restlichen Etappen gab es viele tolle Ecken. Der Pürschling ist einer meiner Herzens-Voralpen-Gipfel, den Staffelsee und die Moorgebiete drumherum mag ich ebenso sehr. Dazu die wildromantische Schleifmühlklamm und die strahlend blaue Loisach mit Zugspitzblick. Auch wenn manche Abschnitte zwischen diesen Höhepunkten etwas weniger spannend sind, finde ich es insgesamt toll, dass man dank dem Spitzenwanderweg die Region auf diese Weise erkunden kann – und zwar mit allem, was dazu gehört.

Alle Infos zum Spitzenwanderweg

Länge: Der Spitzenwanderweg ist rund 200 km lang und beinhaltet insgesamt in etwa 6.800 Höhenmeter im Aufstieg. Der Weg ist offiziell in 12 Etappen aufgeteilt, die aber je nach Fitnesslevel und persönlichen Vorlieben auch verkürzt oder verlängert werden können.

Wegführung: Die Route führt durch eine Vielzahl von Landschaften und vielfältigen Highlights der Zugspitz Region. Höllentalklamm, Staffelsee, Murnauer Moos, Schloss Linderhof, Soiernseen… die Liste ist lang – sowohl was die Landschaften und Natur, als auch was die Kultur angeht. Einige Etappen haben alpinen Charakter mit allem, was dazu gehört – von schroffem Fels über schmale Steige bis hin zu Übernachtungen in urigen Berghütten. Andere wiederum führen durchs (mehr oder weniger) flache Alpenvorland, entlang von Flüssen, vorbei an Seen, über Wiesen und durch Wälder.

Anforderungen: Für die alpineren Etappen, insbesondere zwischen Krün und Grainau, ist eine gewisse Grundfitness und Trittsicherheit erforderlich.  Ansonsten stellt der Weg allgemein keine großen Ansprüche an Wanderer. Die Route verläuft auf bestehenden Wegen (teils Wanderwege und Steige, relativ viel aber auch über breitere Schotterwege und Forststraßen) und ist entweder in Form allgemeiner Wanderschilder und teilweise auch eigens als Spitzenwanderweg (je nach Region mal mehr, mal weniger häufig) immer bestens ausgeschildert.

Anreise: Insgesamt 16 Bahnhöfe und 4 Flixbus-Haltestellen liegen am Verlauf des Weges. Das macht es besonders einfach, auch nur Teilabschnitte des Rundwegs zu gehen, zum Beispiel für ein verlängertes Wochenende. Viele der Haltestellen sind von München aus ohne Umsteigen und in unter zwei Stunden mit der Werdenfelsbahn erreichbar. Dafür ist das Werdenfels-Ticket ideal, das auch für die Busse des RVO und die Münchner S-Bahn gilt. Das Ticket kostet für eine Person 22 Euro, für jeden weiteren Mitfahrer bis 5 Personen zusätzliche 7 Euro. (Stand: 09/2019)

Übernachten: Einige der Bergetappen des Spitzenwanderwegs setzen eine Übernachtung in einer Berghütte voraus. Insgesamt sechs solcher Berghütten liegen am Wegverlauf. Insbesondere in der Hauptsaison und am Wochenende können diese Hütten ausgebucht sein, dann sollte man auf jeden Fall rechtzeitig vorbuchen. Selbiges gilt, wenn man einem Einzelzimmer ergattern und nicht im Schlaflager übernachten möchte. In letzterem findet man aber meist auch kurzfristiger noch ein Plätzchen. Teilweise kann man die Hütten über die Webseite des DAV vorbuchen, teilweise muss man zum Beispiel auch anrufen und vorab überweisen. Mehr Infos dazu gibt es auf der Webseite der jeweiligen Hütte.

Abseits der Bergetappen führt der Weg regelmäßig durch größere und kleinere Ortschaften, was die Sache mit dem Übernachten relativ einfach macht. Die Auswahl an Hotels, Pensionen und Ferienapartments ist in der Regel groß.

Beste Jahreszeit: Die alpinen Abschnitte des Spitzenwanderwegs sind wegen Schnee ausschließlich in den Sommermonaten begehbar. Das trifft vor allem auf den Abschnitt von Krün bis Grainau zu. Die anderen Etappen können auch im Frühling und Herbst begangen werden, einige von ihnen sind sogar toll für eine Winterwanderung geeignet, insbesondere die Etappen von Bad Kohlgrub über Murnau und Eschelohe bis nach Garmisch.

Ausrüstungstipps: Der Spitzenwanderweg ist die ideale Tour für eine Wanderung mit leichtem Gepäck, denn dank einer guten Infrastruktur braucht man nicht viel Verpflegung und auch die Anforderung in Sachen Ausrüstung sind nicht weiter hoch. Natürlich sollten wie immer beim Wandern und vor allem im Gebirge, wo das Wetter jederzeit umschlagen kann, eine Schutzschicht gegen Regen und eine wärmende Kleidungsschicht dabei haben. Für die alpineren Etappen sind zudem gegebenenfalls Wanderstöcke sinnvoll, da manche Abschnitte etwas steiler sind. Zudem benötigt man für die Übernachtung auf den Hütten einen Hüttenschlafsack sowie Bargeld.

Wanderschuhtipp (Anzeige)

Der Spitzenwanderweg führt über eine Vielzahl von unterschiedlichen Wegen  – von Feld- und Fahrwegen über gut ausgebaute Wanderpfade bis hin zu holprigen Steigen mit alpinen Charakter. Mit den Innox GTX Mid Ws von Lowa ist man für diesen Weg bestens gerüstet. Sie sind leicht und flexibel und auch auf härteren, ebenen Untergründen bequem, geben gleichzeitig aber Halt auf unwegsameren Passagen. Zudem sind sie auch bei wärmeren Temperaturen angenehm zu tragen, halten aber dank wasserdichter Membran auch den ein oder anderen Regenschauer aus.


Warst Du schon mal auf dem Spitzenwanderweg beziehungsweise in der Zugspitz Region unterwegs? Oder hast du noch Fragen zur Wanderung? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

5 Comments

  1. Ja es ist einfach schön bei uns! Wir haben zwar nicht so viel „echte Wildheit“ wie zum Beispiel Kanada oder Norwegen, bei uns gibt’s einfach viel mehr Infrastruktur für Wanderer und Co. Aber wunderschön ist es trotzdem bei uns. Ich bin so gerne in den Alpen unterwegs. Bei deinem Bericht musste ich an meine Tour auf die Riffelspitze vor ein paar Wochen denken, da konnte ich auch zur Zugspitze rüber winken Der Bericht dazu ist auf meinem Blog zu finden (https://draussenlaufen.com)
    Liebe Grüße, Apollonia

  2. Wow, was für eine traumhafte Landschaft! Wir gehen ja auch gerne wandern, aber als Rheinländer, die nur an flache Landschaft gewöhnt sind, müssen wir dafür wohl noch etwas trainieren. ;)

  3. Ja vieles davon habe ich auch schon durchwandert. Ich liebe Karwendel und Wetterstein.
    Und hab es eigentlich nur zufällig gelesen, denn eigentlich wollte ich fragen, ob du als Leggingswanderin schon diese sympathische neue Marke aus Slowenien kennst?
    https://alpineprincessclothing.com/

  4. Sehr schöne Eindrücke hast du da geteilt! :) Ich schließe mich Isabell an, es ist beeindruckend und nimiert zum Nachmachen, aber die passende Vorbereitung sollte schon sein. ;) LG

  5. Pingback: Lermoos - die schönsten Wanderungen in der Zugspitz Region

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