Im letzten Frühsommer habe ich das getan, was man als Münchner eigentlich viel öfter tun sollte (und was viele Münchner auch deutlich öfter tun als ich): Einfach mal für ein paar Tage an den Gardasee fahren, ein bisschen Sonne tanken, mediterrane Luft schnuppern, Pizza essen und natürlich ganz viel draußen sein.

Rund fünf Autostunden Autostunden sind es zum größten See Italiens – also quasi „nur mal eben“ über die Alpen und schon ist man da. Übrigens auch eine tolle Route, um sie in einigen Tagen mit dem Fahrrad zurückzulegen! Mein Rad hat es sich in diesem Fall aber im hinteren Teil meines Autos gemütlich gemacht und musste erst am Gardasee selbst ran.

Neben dem Radfahren standen natürlich auch einige Wanderungen auf meiner Wunschliste, und dabei vor allem auch die auf den höchsten Gipfel der Gardaseeberge namens Monte Cadria.

Bevor ich von dort oben die Aussicht auf den Ledrosee (der Gardasee selbst ist von hier aus nicht sichtbar) und auf die umliegende Bergwelt genießen kann, muss ich aber erst noch 1.350 teils ziemlich steile und ausgesetzte Höhenmeter überwinden.

Die Wanderung beginnt auf einem kleinen Parkplatz nahe des Val di Concei. Anfangs wenig charmant und ziemlich anstrengend führt sie auf einer kleinen und sehr steilen Teerstraße bergan. Meine sich noch im Halbschlaf befindenden Waden finden das nicht so richtig gut, aber immerhin gewinnen wir so schnell an Höhe und haben bald schon erste tolle Ausblicke auf grüne Berghänge im Morgennebel.

Außer mir und dem Hirten, der zusammen mit seinem bellfreudigen Hund eine Kuhherde bewacht, ist hier oben nichts und niemand unterwegs – eine Tatsache, die ich wie immer durchaus zu schätzen weiß.

Obwohl ich Mitte Juni unterwegs bin, ist der Frühling hier in den höheren Lagen rund um den Gardasee gerade erst voll in Gang gekommen. Die Almwiesen und Berghänge sind von einer Schicht aus sattem Grün überzogen. Und auf diesem Grasteppich tummelt sich eine Vielzahl an bunten Blumen, die dank dem Morgentau leuchten wie kleine Schätze.

An den Almgebäuden der Malga Vies (1.555 m) endet die trotz Ausblicken relativ eintönige Asphaltstraße und geht in einen kleinen Pfad entlang des Berghanges über. Wenig später erreiche ich die weite Hochfläche rund um die Malga Cadria (1.942 m), eingebettet in ein hufeisenförmiges Tal. Hier beginnt der Aufstieg über den Südgrat des Monte Cadria, und damit der teils kraxelige und ausgesetzte Teil der Wanderung.

Der steil abfallende Gipfel „meines“ Berges wird bald schon sichtbar, und ebenso ist steil abfallend ist der Hang, an dem der Weg – mal links, mal rechts des Grates – entlang führt. Technisch schwierig ist dieser Weg aber nicht und mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gut zu bewältigen. Alternativ gibt es aber auch einen weniger abenteuerlichen Weg durch die Malga Cadria, der nur im allerletzten Teil entlang des Gipfelaufbaus etwas schmaler und ausgesetzter wird.

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Wanderschuhtipp für den Gardasee:

Meine Innox GTX Mid Ws von Lowa waren ideal für die Tour auf den Monte Cadria und andere Berggipfel am Gardasee geeignet. Die Sohle ist relativ flexibel und war damit auch auf steilen Teerstraßen ziemlich angenehm. Gleichzeitig bot sie ausreichend Halt auf den steinigen, schmalen und ausgesetzten Passagen, genauso wie der über den Knöchel reichende Schaft. Und dank des geringen Gewichts der Multifunktionsschuhe stellen sie auch bei vielen höhen Metern keinen unnötigen Ballast am Fuß dar!  

Hier oben sind wie vielerorts in den Gardaseebergen viele Spuren des 1. Weltkrieges in Form von in den Fels gehauenen Bunkern und Schießscharten zu sehen – eine gute Unterschlupfmöglichkeit, falls man hier oben vom Wetter überrascht werden sollte! In meinem Fall bleibt mir dieses aber wohlgesonnen und so stehe ich bald schon als höchster (und einziger) Mensch am Gardasee (Fluggeräte ausgenommen) auf dem Gipfel des Monte Cadria.

Alle Infos zur Wanderung auf dem Monte Cadria

Höhenmeter: 1.350

Anforderungen: Die Wanderung ist anfangs sehr steil und am Grad schmal und ausgesetzt inklusive einigen seilversicherter Stellen. Etwas Kondition, Trittsicherheit und vor allem Schwindelfreiheit sind daher notwendig, dann ist die Wanderung aber nicht weiter schwierig und auch die ausgesetzten Stellen nicht allzu abenteuerlich. Die Tour ist zudem gut ausgeschildert.

Anfahrt: Von Riva aus zum Ledrosee und in Pieve di Ledro rechts ins Val Concei. Etwa einen halben Kilometer nach Lenzumo geht es linkerhand auf einer kleinen Straße ins Val Molini, bis diese an einem Parkplatz bzw. Fahrverbotsschild endet. Dort startet die Wanderung entlang des für Autos gesperrten Sträßchens.

Routenvarianten: Wenn Du auf den ausgesetzten Grad lieber verzichten möchtest, kannst Du durch die Hochebene Malga Cadria auf- und absteigen. Dann gilt es nur im Bereich des Gipfels einige kurze, ausgesetzte Stellen zu überwinden, die aber sehr gut machbar sind. 

Mehr Infos: Die Tour ist im Rother Wanderführer für den Gardasee* ausführlich beschrieben.

Wandern am Gardasee

Von drei Seiten wird der Gardasee imposant von Bergen umsäumt, erst weit am südlichen Ende wird die Landschaft flacher, bis sie letztendlich in der Po-Ebene mündet. In diesen Bergen rund um Italiens größten See gibt es Touren für jedermann und -frau. Von kurzen Wanderungen zu Aussichtspunkten über Klettersteige unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade bis hin zu ausgiebigen Bergtouren und mit dem Garda-Trek auch eine Möglichkeit für bis zu 7-tägiges Hüttentrekking.

Möchtest Du auch Touren in den höheren Lagen unternehmen, solltest Du Dich auf jeden Fall an die Sommermonate halten, denn trotz mediterranem Klima kann sich der Schnee dort oben lange halten. Den August, in dem sowohl Italien als auch Bayern Ferien haben, solltest Du allerdings nach Möglichkeit lieber meiden. Besser geeignet sind der Juni oder September, denn dann sind auch die Temperaturen angenehmer und das Gewitterrisiko niedriger.

Anreisen kannst Du entweder per Auto oder auch ganz entspannt mit dem Zug. Der nächstgelegene Bahnhof für das nördliche Gardaseeufer ist Rovereto, von dort aus gibt es Linienbusverbindungen zu allen größeren Orten am Gardasee wie zum Beispiel Riva, Torbole oder Limone. Für die Anfahrt zu den Ausgangspunkten für die Wanderungen ist ein Auto allerdings definitiv von Vorteil.

Als Ausgangspunkt für einen Wanderurlaub bietet sich das nördliche Ende des Sees mit den beiden Hauptorten Riva und Torbole an. Von dort aus kommst Du verhältnismäßig schnell überall hin, während sich die Autofahrt von einem ans andere Seeufer nicht nur an belebten Sonntagen ziemlich in die Länge ziehen kann. Riva und Torbole sind allerdings leider und vor allem im Sommer auch ziemlich überfüllt, nicht zuletzt weil hier der Hotspot für die vielen Surfer liegt. Wenn Du das vermeiden willst und keinen Wert darauf legst, direkt am See zu wohnen, kannst Du Dich etwas weiter im Hinterland nach einer ruhigeren Unterkunft umsehen.

Viel Inspiration für Wanderungen und Mehrtagestouren mit ganz unterschiedlichen Schwierigkeitsgeraden findest Du im Gardasee-Wanderführer von Rother*:


Warst Du vielleicht auch schon mal am Gardasee wandern und hast noch weitere Tipps für tolle Touren? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

5 Comments

  1. Sehr schöner Bericht! Vor ein paar Jahren war ich dort und wollte unbedint hoch, allerdings war daran im August bei Temperaturen nahe an den 40° (im Tal) nicht wirklich zu denken. Die Bilder der sattgrünen Hänge und Blumenwiesen machen aber auf jeden Fall Lust da mal im Frühsommer hochzuklettern.

    • Fräulein Draußen Reply

      Oh, ja, bei 40 Grad und mehr würde ich da auch nicht hochwollen. ;-) Bei mir war die Temperatur glücklicherweise ziemlich perfekt (wobei es die Tage davor auch über 30 Grad hatte). Und die Blumen waren supertoll. :-)

      Viele Grüße,
      Kathrin

  2. Die Bilder machen Lust auf Gardasee! Vor ein paar Jahren war ich mal dort und wollte unbedingt im eiskalten Ledrosee schwimmen, es hat bestimmt eine halbe Stunde gedauert, bis ich ganz drin war, aber ich war sehr stolz ;) An einige Wanderungen kann ich mich auch noch erinnern, echt eine traumhaft schöne Ecke.

    • Fräulein Draußen Reply

      Das hab ich gar nicht erst probiert. :D Ja, fand’s auch echt toll dort und je nach Wanderung auch erstaunlich ruhig.

      Liebe Grüße,
      Kathrin

  3. Hi,
    ein sehr interessanter Bericht. Vielen dank für Deine ausführliche Beschreibung und die tollen Bilder!
    Wir waren letztes Jahr auf der anderen Seite und haben die Tour zum Cima Valdritta(Monte Baldo) gemacht, leider war das Wetter nicht so toll oben und somit die Aussicht nicht so gut wie auf deinen Bildern.
    Dein Weg sieht aber auch sehr interessant aus, coole Bilder. Wir werden dem „nachgehen“ ;)

    Gruß

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