Zuletzt aktualisiert am 11. Februar 2026

Vier Tage Wandern im Namen des Weins, immer am östlichen Rand des Mittelgebirges Pfälzerwald entlang. Dort, wo die Höhen abrupt in die weite Fläche der Oberrheinischen Tiefebene übergehen. Wo Esskastanien und Feigen wachsen, große Sandsteinfelsen inmitten lichter Kiefern und knorriger Eichen stehen. Wo der Blick über schier endlose Wälder und Weinberge schweift und jede Etappe mit einer erfrischenden Weinschorle – stilecht aus dem original Pfälzer Dubbeglas – enden kann.

Der Pfälzer Weinsteig ist insgesamt rund 172 Kilometer lang und offiziell auf elf Etappen aufgeteilt. Ab und an führt der durch die Reben, vor allem aber auch auf oft erstaunlich einsamen und schönen Pfaden durch Wälder, die man so in Deutschland nicht oft findet. Hier eine Burg, dort eine kleine Waldgaststätte, ein Aussichtsturm und hübscher kleiner Ort. Vor allem aber ganz viel Natur. Und die ist von dem in dieser Gegend besonders warmen und trockenen Klima beeinflusst, fühlt sich vielerorts eher nach Toskana als nach Deutschland an.

In diesem Artikel stelle ich vier der schönsten Etappen dieses Weitwanderwegs in Deutschland vor und gebe Tipps zum Nachwandern.

Etappe 1: Bad Dürkheim – Deidesheim

Distanz / Höhenmeter: 15,3 km, 440 hm
Unterkunft: Hotel & Café Ritter von Böhl
(sympathische Unterkunft mitten in der Altstadt)
Einkehrtipps: Burgschenke an der Wachtenburg auf etwa halber Strecke; tolles Abendessen in schönem Ambiente im Restaurant des Schloss Deidesheim


Die Tour beginnt am Bahnhof von Bad Dürkheim – seines Zeichens übrigens Heimat des Dürkheimer Riesenfasses mit 1.700.000 Liter Fassungsvermögen, dem man auf einem Abstecher zum Tourstart einen Besuch abstatten kann. Durch die Fußgängerzone, dann entlang einer etwas größeren Straße geht es aus der Stadt hinaus und in die Weinberge hinein. Bald erspähen wir den Flaggenturm über uns, den wir wenig später auch erreichen. Hier gibt’s einen ersten tollen Weitblick über die Rheinebene bis zum Odenwald.

Hinter einer kleinen Villensiedlung beginnt der Wald – und man merkt hier sofort, dass der anders ist als viele andere Wälder: denn Esskastanien säumen unseren Weg. Später folgen Bestände von lichten Kiefern und knorrigen Eichen, dann führt die Route in einer großen Kehre ins Poppetal hinein – und auf der anderen Seite direkt wieder aus dem Tal auf eine Anhöhe.  

Etwas unterhalb, an den Ausläufern von Wachenheim liegt die Wachtenburg mit schöner Einkehrmöglichkeit. Dann beginnt der letzten längere Anstieg des Tages hinauf zum Pechsteinkopf. An der Wegkreuzung Grüne Bank beginnt man linker Hand den Abstieg in Richtung Etappenziel.

Unterwegs treffen wir auf die Heidenlöcher, Überreste einer alten Fliehburg, und kurz danach auf die St.-Michaels-Kapelle mit Weitblick auf die Winzerhochburg Deidesheim. Durch Weinberge erreichen wir diesen Ort, der zweifelsohne einer der schönsten an der Weinstraße ist. Die Etappe endet am Marktplatz mit historischem Rathaus, spätgotischer Basilika und verschiedenen Einkehrmöglichkeiten.

Etappe 2: Deidesheim – Neustadt a.d. Weinstraße

Distanz / Höhenmeter: 19,7 km, 540 hm
Unterkunft: Hotel Palatina
(vor Ort weniger überzeugend als in der Internet-Beschreibung, aber okay)
Einkehrtipps: moderne Bio-Küche mit bestem Ausblick am Weinbiethaus (nach ca. 12 km); die authentische und rustikale Weinstube Eselsburg ist nicht nur optisch einen Besuch wert (mit einer kurzen Taxi-Fahrt ab Neustadt erreichbar)


Das kleine Deidesheim ist schnell wieder hinter uns gelassen, dann wandern wir eine Weile durch die Weinhänge hinauf zum Waldrand. Für ein Stück folgen wir ihm und bestaunen die Weitblicke. Wir passieren eine sonderbar ausgewaschene Buntsandsteinwand, umwandern die Klausenkapelle und steigen dann zur markanten Pfarrkirche St. Johannes in Königsbach hinab.

Ein kurzes Stück geht es durch den Ort, dann wieder hinauf in den Wald und tief ins Gimmeldinger Tal hinein, wo mit der Looganlage und kurz danach dem Forsthaus Benjetal gleich zwei bewirtete Rastmöglichkeiten warten. Allzu voll sollte man sich den Bauch aber nicht schlagen, denn nun wartet der lange, wenn auch wenig steile Anstieg hinauf zum 554 m Hohen Weinbiet:  Der Weg dorthin führt durch wunderbaren alten Buchenwald und am “Steinernen Hai” vorbei, einem Felsen in – man ahnt es – Hai-Form.

Mit dem Weinbiethaus gibt es auf dem Gipfel eine besonders empfehlenswerte Einkehr (Tipp – besonders auch für heiße Tage: die selbstgemachte Gurkenlimonade!), zudem sollte man unbedingt den Aussichtsturm besteigen. Von hier könnte man direkt nach Neustadt absteigen, der Weinsteig macht aber noch einen kleinen Umweg zur Burgruine Wolfsburg.  zuletzt über einen von Felstürmen gesäumten Pfad. Über Waldwege erreichen wir das Scheffelwarte-Denkmal, dann wandern wir durch die Weinberge weiter bergab bis nach Neustadt an der Weinstraße. Über einen Treppenweg erreichen wir das Zentrum mit lang gezogener Fußgängerzone und am Ende die große Stiftskirche.


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Rucksacktipp für Mehrtagestouren
Auf dem Pfälzer Weinsteig hat uns der Hike Pack 32 von Tatonka begleitet. Mit seinen 32 Litern ist der für mich ideal für Mehrtagestouren mit Übernachtung in Unterkünften. Im Sommer ist das gut belüftete Frame Vent-Tragesystem besonders angenehm. Mit rund einem Kilo Eigengewicht ist er zudem relativ leicht, sitzt aber trotzdem auch mit etwas mehr Gepäck noch bequem.


Etappe 3: Neustadt a.d. Weinstraße – Sankt Martin

Distanz / Höhenmeter: 21,0 km, 770 hm
Unterkunft: Consulat des Weins (etwas gehobeneres, aber sehr schönes und sympathisches Hotel mit Weingut)

Einkehrtipps: waschechtes Berghüttenfeeling im Hohe-Loog-Haus (nach ca. 12 km); Schorle-Fenster Dalberg in St-. Martin

Von Neustadt an der Weinstraße aus folgen wir weiter der Fußgängerzone und überqueren die Bahngleise. Nach einem ersten Anstieg aus der Stadt heraus wandern wir über flaches Gelände zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Wolfsburg, die wir am Vortag besuchten. Dann führt ein ansprechender Steig vorbei an einigen Felsen hinauf bis zum Gipfel des Nollenkopfs auf 490 m.

Über federnde Waldwege folgen wir dem Kanonenweg zur Schutzhütte Speierheld. Bald darauf erreichen wir den Felsen Bergstein, den man über eine kurze Leiter erklimmen kann. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Hambacher Schloss, das als die “Wiege der deutschen Demokratie” bezeichnet wird. 1832 fand hier nämlich das Hambacher Fest statt, bei dem rund 30.000 Menschen für Einheit, Freiheit und demokratische Grundrechte demonstrierten. Heute zieht das Schloss jede Menge Touristen an.

Nach etwas Kulturprogramm wenden wir uns wieder dem Wald zu und beginnen den Anstieg zum Hohe-Loog-Haus über wirklich wunderbare und abwechslungsreiche Waldwanderwege. An dieser Berghütte kurz unter dem Gipfel kann man bestens rasten. Dann wandern wir über die Hänge des Zwerchbergs leicht bergab. Nach Querung der Kalmitstraße folgt ein letzter Anstieg hinauf zum höchsten Punkt des Pfälzerwaldes: dem Gipfel des Kalmit, 672 m, ebenfalls mit Einkehrmöglichkeit.

Nun folgt ein lang gezogener Abstieg. Bald treffen wir  auf ein Felsenmeer mit allerlei beeindruckenden Sandsteinfelsen. Tipp: Die Weinsteig-Route führt eher unterhalb davon entlang, aber spannender ist es, dem Parallelweg mit der grün-weißen Markierung zu folgen, die am Ende des Felsenmeers wieder auf den Weinsteig triftt.

Immer am Hang entlang geht es anschließend in das Tal, in dem Sankt Martin liegt. Wir folgen der kleinen Straße bis ins herausgeputzte Zentrum.

Etappe 4: Sankt Martin – Burrweiler

Distanz / Höhenmeter: 16,7 km, 580 hm
Einkehrtipp: Biergarten-Hütte am Hilschweiher (auf halber Strecke)

Von Sankt Martin folgen wir dem Weg vom Vortag zurück bis an den Bellachini-Weiher. Dann folgt ein durchaus schweißtreibender Anstieg über zahlreiche Kehren hinauf zum Schwalbenfelsen, kurz dahinter zum Dichterhain. Nach einem weiteren kurzen Anstieg wandern wir bald bergab und können an einem Parkplatz einen kurzen Abstecher zum Friedensdenkmal einlegen.

Über einen breiten Schotterweg wandern wir ins Edenkobener Tal hinein, queren die Straße und folgen dem idyllisch plätschernden Triefenbach  zum Hilschweiher mit netter Einkehr. Ein Stück dahinter wandern wir wieder leicht bergauf und erreichen bald die historische Talstation der Rietburgbahn, kurz danach die Villa Ludwigshöhe, einst pfälzischer Sommersitz von König Ludwig I. – beide ebenfalls mit Einkehrmöglichkeit. Und einen halben Kilometer weiter, an der Rietaniahütte, gibt es schon die nächste Verpflegungsmöglichkeit.

Am Waldrand entlang wandern wir vorbei an zahlreichen Holzschnitzereien, später aussichtsreich entlang einer Obstbaumwiese zur Mariengrotte, dann weiter zum Landgut Buschmühle. Von dort werden wir noch mal rund 200 Höhenmeter ordentlich bergauf zur St.-Anna-Kapelle geführt, wo wir zum letzten Mal einen hervorragenden Weitblick über die Rheinebene genießen können. Unser Tourenziel Burrweiler liegt direkt unter uns und ist schnell erreicht. 

Infos zum Nachwandern

An- und Abreise: Der Ausgangspunkt Bad Dürkheim ist in einer guten Stunde unkompliziert von Mannheim per Überland-Tram mit der Nummer 4 zu erreichen. (Ja, es ist tatsächlich eine Tram! Das war am Bahnhof kurz etwas verwirrend.). Abseits des Zentrums gibt es einige kostenlose Parkplätze. Ab dem Endpunkt Burrweiler fährt alle zwei Stunden von der Haltestelle Burrweiler Mitte ein Bus in Richtung Neustadt an der Weinstraße bzw. Landau mit Bahnhöfen.

Infrastruktur: Die Infrastruktur entlang der hier vorgestellten Etappen ist sehr gut. Es gibt verschiedene Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten an jedem Etappenende und schöne Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke. 

Anforderungen: Der Pfälzer Weinsteig zählt auf jeden Fall zu den anfängerfreundlichen Wanderwegen in Deutschland. Die Anstiege sind meist wenig steil und die Wege im Allgemeinen gut zu gehen. Ein bisschen Grundfitness sollte man auf Mehrtagestouren natürlich immer mitbringen, aber damit sollte diese Tour kein Problem sein.

Markierung: Die Route ist in beide Richtungen gut mit einem roten und einem weißen geschwungenen Streifen markiert. 

Hund: Die Tour eignet sich bestens fürs Wandern mit Hund. Am Ende aller hier vorgestellter Etappen gibt es mindestens eine hundefreundliche Unterkunft.

Zelt: Fürs Wandern mit Zelt ist der Pfälzer Weinsteig eher nicht geeignet, Campingplätze gibt es entlang der hier vorgestellten Etappen nur vereinzelt.

Beste Jahreszeit: Die Route ist grundsätzlich zu jeder Jahreszeit und auch im Winter gut machbar. Die Weinberge sind im Sommer und Herbst sicherlich am schönsten anzusehen.

Mehr Infos:

*Werbelinks

Pfälzer Weitwanderwege im Überblick

Neben dem Pfälzer Weinsteig gibt es noch zwei weitere Weitwanderwege in der Pfalz. Damit keine Verwirrungen auftreten, hier kurz alle drei Routen im Überblick:

  • Der Pfälzer Weinsteig (172 km, etwa 5.500 Höhenmeter) verläuft entlang der Deutschen Weinstraße von Bockenheim bis nach Schweigen-Rechtenbach und gilt aufgrund der vielen Auf- und Abstiege zwischen Weinbergen, Burgen und Pfälzerwald als der anspruchsvollste der drei Wege.
  • Der Pfälzer Waldpfad (140 km, ca. 3.500 Höhenmeter) durchquert das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, das Biosphärenreservat Pfälzerwald, von Nord nach Süd. Geprägt ist er durch seine naturnahe, überwiegend bewaldete Streckenführung mit Felsformationen und ruhigen Abschnitten..
  • Der Pfälzer Höhenweg (112 Kilometern, etwa 3.500 Höhenmeter) verläuft im Nordpfälzer Bergland, dabei meist auf Höhenzügen und bietet offene Hügellandschaften und weite Ausblicke.

Warst du auch schon auf dem Pfälzer Weinsteig wandern und hast noch Tipps für weitere schöne Abschnitte? Oder hast du noch Fragen zu meiner Tour? Hinterlass gern unten einen Kommentar.

 

 

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