Zuletzt aktualisiert am 4. April 2025
Das Kuftsteinerland bildet das Tor zu den Tiroler Alpen, liegt kurz hinter der österreichisch-deutschen Grenze und ist von meiner Heimatstadt München aus nur eine gute Stunde per Bahn oder Auto entfernt. Klar, dass ich schon öfter dort war: Aber so richtig ausführlich irgendwie noch nie.
Umso schöner, dass ich nun die Gelegenheit hatte, die Gegend ein bisschen ausgiebiger zu erkunden. Zumal das Kufsteinerland am Fuße eines meiner Lieblingsgebirge liegt: dem Kaisergebirge, mit seinem zahmen sowie wilden Vertreter.
Für meine Erkundungstouren habe ich mich für eine Mischung aus Mountainbike und Wanderschuhen entschieden. So konnte ich meine Touren stets im Tal starten – und trotzdem hoch hinaus (bzw. weit hinein) gelangen.
In diesem Artikel stelle ich einige der lohnenswertesten Hike & Bike-Touren im Kufsteinerland vor, die nicht nur viel Fahr- und Wanderfreude bringen, sondern auch beste Ausblicke aufs Inntal, die umliegende Bergwelt, auf Städtchen und Dörfer – und natürlich auch auf Kufstein selbst, dessen Burg auf einem Felsen direkt am Inn das Wahrzeichen der Region darstellt.


Bike & Hike Tourentipp #1: von Ebbs auf die Naunspitze
Distanz / Höhenmeter: 27 km / 1.660 hm insgesamt; davon per Rad: ca. 12 km, 560 hm; zu Fuß: ca. 15 km, 1.100 hm
Ausgangspunkt: Ebbs
GPX: zur Route auf Komoot
Anforderungen: mittel-schwer; abgesehen von den Höhenmetern keine Schwierigkeiten; ein kleines bisschen Trittsicherheit ist für den Auf- und Abstieg über den Steig und im Gipfelbereich der Naunspitze erforderlich
Obwohl ich meine Radtouren normalerweise bevorzugt durch eigene Muskelkraft bewerkstellige, fällt meine Wahl für meine Bike & Hike-Touren im Kufsteinerland auf ein E-MTB, welches ich mir direkt an meiner Unterkunft leihen kann. Weil sind wir mal ehrlich: Das macht einfach schon sehr viel Spaß! In Windeseile geht es mit meinem flotten Gefährt für meine erste Tour direkt von meiner Unterkunft über eine kleine Straße bergauf in Richtung Aschinger Alm – mit zunehmend hervorragendem Blick auf das Inntal. Die Alm hat an diesem Tag (Dienstag) leider Ruhetag, würde sich aber sonst hervorragend für eine Einkehr und dank Hofladen zur Auffüllung der heimischen Käsevorräte eignen.
Ich stelle hier lediglich mein Rad ab, um zum Wanderteil überzugehen. Ein Stück wandere ich auf der Straße zurück, die ich hinaufgefahren bin und kann so nochmal in Ruhe den Blick über die weiten Almwiesen genießen. Dann biege ich linkerhand auf einen Schotterweg ab, der mich über grüne Wiesen, später durch Wald bis zum Beginn des Musikantensteigs führt.
Nach 20 Minuten Wandern stelle ich fest, dass ich immer noch meinen Fahrradhelm trage (upsi!). Eine Sicherheitsmaßnahme, die für die mir bevorstehende Tour dann doch etwas übertrieben wäre, weshalb ich ihn leicht peinlich berührt schnellstens im Rucksack verschwinden lasse.
Über den Musikantensteig geht es über einen schmalen, teils steinigen Pfad stetig bergauf durch wunderschönen Bergwald. Im späteren Verlauf kann ich nochmal einige weite Ausblicke über das Inntal erhaschen, bevor ich nach rund 530 Höhenmetern die Vorderkaiserfeldenhütte erreiche. Eine urige Berghütte mit tollstem Ausblick über das Inntal und die umliegende Bergwelt – wenn man denn einen Ausblick hätte! Ich bin nämlich längst in die Wolken eingetaucht, die die Hütte und auch die rund 240 Meter höher gelegene Naunspitze umhüllen.
Von der Hütte geht es weiter relativ steil bergauf, kurz unterm Gipfel wird es etwas felsig und geröllig. Und dann bin ich dort, am Gipfekreuz der 1.633 Meter hohen Naunspitze. Ein völlig zu recht beliebter Aussichtsgipfel in dieser Region, aber auch bei Wolkenwetter lohnt sich diese Tour meiner Meinung nach sehr.
Gerne hätte ich mich in der Hütte für den Abstieg gestärkt, aber da laut Wetterbericht Regen naht, mache ich mich direkt wieder an den Abstieg auf gleichem Weg. Richtig nass werde ich zum Glück erst während der Abfahrt auf dem Rad. Aber da ist es dann auch schon egal!












Bike & Hike Tourentipp #2: Juffinger Jöchl-Runde
Distanz / Höhenmeter: 12,5 km / 690 hm insgesamt; davon per Rad: ca. 11 km, 550 hm; zu Fuß: ca. 1,5 km, 140 hm
Ausgangspunkt: Bad Häring
GPX: zur Route auf Komoot
Anforderungen: mit E-Bike eher leicht, ohne „E“ aufgrund der teils steilen Anstiege definitiv eher etwas für Geübte
Nachdem meine Bike & Hike-Tour auf die Naunspitze am Vortag eher lang und wanderlastig war, ist meine zweite Erkundungsrunde im Kufsteinerland das ziemliche Gegenteil davon: Kurz und fahrradlastig also, und somit bestens geeignet für eine kleine, schnelle – und aussichtsreiche – Rundtour.
Von Bad Häring geht es kurz über Asphalt, bald schon über Schotter immer bergauf. Anfangs noch gemächlich, dann immer wieder auch mal steiler, und in diesen Momenten bin ich besonders dankbar, auf einem E-Bike zu sitzen. Saftige Almen wechseln sich mit Waldstrecken ab, und immer wieder kann man Ausblicke auf die Umgebung erhaschen. Letzteres weiß ich allerdings nur in der Theorie, denn in meinem Fall hält sich der Frühnebel noch tapfer.
Etwa auf halber Strecke schließe ich mein Rad an ein Schild und folge der Beschilderung über steile Waldpfade Richtung Gipfel des Juffinger Jöchl. Aussicht ist auch dort oben zwar nicht zu finden, dafür nicht nur eine, sondern gleich zwei Pausenbänke! Nach einem zweiten Frühstück ist der Abstieg schnell geschehen und ich mache mich mit meinem Rad an die Abfahrt. Die fällt weniger steil aus als der Anstieg, und ist somit ein reines Vergnügen.









Bike & Hike Tourentipp #3: von Kufstein ins Kaisergebirge
Distanz / Höhenmeter: 24 km / 1.150 hm insgesamt; davon per Rad: ca. 16 km, 800 hm; zu Fuß: ca. 8 km, 350 hm
Ausgangspunkt: Kufstein
GPX: zur Route auf Komoot
Anforderungen: insgesamt einfache Tour mit nicht allzu steilen Anstiegen; auf der Abfahrt wartet ein kurzes Stück relativ steiler, steiniger Trail, der aber gut geschoben werden kann, falls man sich unsicher fühlt. (Ich weiß das, weil ich geschoben hab!
Kufstein liegt am Fuße des Kaisergebirges, und dort mittenhinein führt diese Tour. Das Tolle an der Symbiose aus Mountainbike und Wanderschuh ist ja (unter anderem), dass man sich auf diese Weise nicht allzu sehr mit langwierigen An- und Abstiegen „aufhalten“ muss, bevor man höher- und abgelegenere Bergwelten erreicht. Und diese Runde ist das beste Beispiel dafür.
Genau genommen wartet das erste Highlight der Tour aber schon, bevor ich überhaupt gestartet bin: Vom kleinen Wanderparkplatz am Rand von Kufstein aus hat man nämlich einen richtig tollen Blick auf die Festung Kufstein, die als kaum übersehbares Wahrzeichen der Stadt auf einem 90 Meter hohen Fels über selbiger thront. Etwas später kann ich nochmal einen guten Blick von weiter oben über Stadt und Burg erhaschen, ansonsten führt mich mein Weg über viele Kehren auf Schotterstraße vor allem durch Wald. Am Brentenjoch, rund 700 Höhenmeter über Kufstein, öffnet sich die Landschaft endgültig – und gibt einen beeindruckenden Blick auf die schroffen Kalkwände des Wilden Kaisers frei.
… nunja, ihr ahnt es schon: zumindest in der Theorie! Denn auch heute haben Wolken die Landschaft fest im Griff. Tatsächlich war ich aber schon mal hier oben – Kufstein ist von München ja nicht viel mehr als einen Steinwurf entfernt – und spreche somit durchaus aus Erfahrung.
Kurz hinter der Brentenjochalm stelle ich mein Rad ab und mache mich fürs Wandern bereit. (Mittlerweile hab ich auch gelernt, dass man dafür seinen Helm abnehmen muss. ;-) ) Meine Route führt mich direkt auf einen holprigen Bergpfad, der stetig bergauf bis zum Gipfel des 1.449 Meter hohen Gamskogel führt.
Die hohen Gipfel sind weiterhin in Wolken vergraben, aber ich bekomme zumindest eine Idee der umliegenden Bergwelt. Nach einer Gipfelrast geht es etwas entlang des Grates und dann wieder bergab immer auf den Wilden Kaiser zu. Zumindest Teile des hellgrauen Gesteins blitzen unter den Wolken hervor. In einem großen Bogen quere ich auf kleinen Pfaden die Hänge. Die obere Steinbergalm hat noch geschlossenen, ansonsten wäre die eine von zahlreichen Einkehrmöglichkeiten auf dieser Tour. Etwas dahinter treffe ich auf ein Bergdörfchen – nicht mehr als eine Ansammlung weniger Häuser mit kleiner Kapelle. Ab hier geht es auf Schottestraßen zurück zum Rad, und damit wieder bergab in Richtung Kufstein.
Eine richtig schöne Tour, die bei guter Sicht natürlich noch viel eindrucksvoller wäre, aber auch ohne jede Menge kann.












Tipps für die Reiseplanung
Unterkunft: Ich habe im Hotel Oberwirt in Ebbs übernachtet. In dem kleinen Ort geht es etwas beschaulicher zu als in Kufstein selbst. Der Oberwirt ist ein sehr empfehlenswertes Hotel, welches auch den Vorteil hat, dass man direkt dort Fahrräder und (E-)Mountainbikes ausleihen kann. Auf der Webseite des Kufsteinerlands gibt’s noch mehr Tipps für besonders radfreundliche Unterkünfte in der Region.
Radleihe: Es gibt auch abseits der Hotels verschiedene Leihmöglichkeiten für Mountainbikes, E-Bikes & Co.. Eine gute Adresse ist zum Beispiel Inn-Bike.
Anreise / Mobilität: Kufstein ist unkompliziert und schnell von Städten wie München, Salzburg und Innsbruck aus per Zug erreichbar. Vor Ort gibt es ein gut ausgebautes Busnetz (mit Gästekarte kostenlos). Dank des (flachen) Inn-Radwegs sind verschiedene Ausgangspunkte für Touren im Kufsteinerland gut per Fahrrad erreichbar.
Toureninspiration: Auf dieser interaktiven Tourenkarte kann man schnell passende Touren (Fahrrad, Wandern usw.) finden.
Naturverträglich unterwegs
Große Teile der hier vorgestellten Touren führen durch das Naturschutzgebiet Kaisergebirge. Hier werden wichtige Habitate und Lebensräume für Pflanzen und Tier besonders geschützt. Für Wanderer und Radfahrer bedeutet das (hier noch mehr als sonst auch):
– offizielle Wege nicht verlassen, um zum Beispiel eine Abkürzung zu nehmen
– nichts mitnehmen, nichts hinterlassen (auch keine Taschentücher oder Bananenschalen)
– Hunde an der Leine führen und Hinterlassenschaften möglichst im Tal entsorgen
– ausreichend Abstand zu Wild- und Weidetieren halten
– Dämmerung und Nacht meiden
…so kann das Kaisergebirge auch weiterhin nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch für uns Menschen wertvoller Rückzugsort sein!