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„Wow, das ist aber mutig, so ganz allein, und dann noch als Mann!“

Hast Du diesen Satz schon mal gehört? Nein? Ich auch nicht. Dafür kann ich gar nicht mehr zählen, wie oft ich diesen Satz mit einem „Frau“ am Ende schon gehört, gelesen oder schlichtweg im Gesichtsausdruck einer anderen Person gesehen habe. Und ich weiß nicht mehr, wie oft ich mir gewünscht habe, dass diejenige Person (die übrigens mal männlich, mal weiblich war) doch einfach hinter dem „allein“ einen Punkt gemacht hätte.

Ich höre gern, dass ich mutig bin. Ich sage anderen Menschen gern, dass ich sie mutig finde. Mut ist etwas wunderbares und erstrebenswertes. Mut bedeutet, dass man sich selbst und anderen vertraut – dass man ein paar Schritte, oder auch ein paar mehr aus seiner Komfortzone heraustritt – dass man im Begriff ist, neue Erfahrungen zu machen, das Beste aus seinem Leben herauszuholen. Ich bin gern mutig, aber nicht „als Frau“. Allein weil das doch immer irgendwie so klingt, als sei das, was man da tut, eigentlich gar nicht sooo beeindruckend. Dass man als Mann da vielleicht sogar etwas mehr leisten müsste, um mutig genannt zu werden. Aber für eine Frau – klein und schwach und unwissend, wie Frauen nun mal sind (Übertreibung zur Verdeutlichung) – ist das natürlich schon eine ganze Menge. Weil Frauen schlichtweg nicht die gleiche Leistung, die gleichen Fähigkeiten zugetraut werden wie Männern.

Ich würde diesen Zusatz ja akzeptieren, wenn ich dann zum Beispiel gerade in einer Gegend der Welt unterwegs gewesen wäre, in denen es um die Rechte der Frau besonders schlecht bestellt ist (von denen es immer noch viel zu viele gibt). In denen man sich als Mann vielleicht tatsächlich etwas sicherer und freier bewegen könnte. Zweifelsohne ist Gewalt gegen Frauen ein riesiges Problem auf diesem Planeten, und das zu thematisieren ist unglaublich wichtig. Aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Denn in den Fällen, von denen ich spreche, war es scheinbar einfach besonders mutig, so allein und „als Frau“ auf einem Wanderweg in Großbritannien zu wandern oder auf einem Campingplatz in Alaska zu übernachten.

Aber wieso ist das so besonders mutig?

Spoiler: Ist es nicht.

Aber wieso denken die Menschen dann, dass es das wäre?

Weil weibliche Abenteurerinnen und Outdoorsportlerinnen auch im Jahr 2020 noch unterrepräsentiert sind.

Kürzlich fand das Atlas Mountain Race in Marokko statt, ein mehrtägiges Bikepacking-Radrennen, bei dem die Teilnehmer*innen 1.145 Kilometer und 20.000 Höhenmeter zurücklegen. Asphalt ist größtenteils Mangelware, die Versorgungspunkte liegen teils weit auseinander. Die Anzahl der Starter im Jahr 2020: 192. Davon weiblich: 12.

Obwohl ich mich nicht erst seit gestern mit dem Thema Frauen und Outdoor beschäftige, hat mich diese Zahl mal wieder schockiert. Und doch weiß ich, dass diese Zahl kein Einzelfall ist. Prozentuale Verteilungen wie diese ziehen durch Sportarten wie Trailrunning, Bergsteigen und Radfahren genauso wie durch die private Urlaubsgestaltungen. Und die Gründe dafür sind zahlreich.

Kein Grund für diesen Umstand ist hingegen ist, dass Frauen nicht in der Lage wären, diese Dinge zu tun. Während aufgrund biologischer Voraussetzungen eine Frau wohl niemals schneller sprinten wird als Usain Bolt, sind die Erfolge weibliche Athletinnen in anderen Sportarten durchaus auf einer Ebene mit Männern, und manchmal sogar noch weiter voraus. Vor allem, wenn diese Sportarten mit körperlicher und mentaler Ausdauer über weite Strecken zu tun haben, wie auch der englische Guardian kürzlich feststellte und sich in dem Artikel „Faster, higher, longer: how female ultra-athletes started to beat men“ auf die Suche nach Erklärungen machte.

Die Ultraläuferin Courtney Dauwalter gewann 2018 einen knapp 400 Kilometer langen Ultralauf und schlug den Zweitplatzierten um mehr als zehn Stunden. Jasmin Paris gewann 2019 das berühmt-berüchtigte Spine Race, eines der härtesten Trailrennen der Welt, bei dem man den Pennine Way (!) in Nordengland im Winter (!) läuft (ich bin den Pennine Way vor einigen Jahren gewandert – im Sommer – und fand das teilweise schon ziemlich beschwerlich). Sie setzte den Streckenrekord um 12 Stunden nach unten – während sie gleichzeitig in den raren Pausen noch ihre Tochter stillt. Und Fiona Kolbinger gewann 2019 das Transcontinental Bike Race – einmal quer durch Europa, in gerade einmal zehn Tagen, und das als Newcomerin ohne große Rennerfahrung.

Wenn man sich diese Beispiele ansieht, von denen es noch viele weitere gäbe, könnte man glatt glauben, dass es ganz normal wäre, als Frau abenteuerliche Wege zu bestreiten. Aber das ist es nicht.

Nach wie vor sind Frauen überall auf der Welt von sozialen Ungleichheiten und fest im (Unter-)Bewusstsein verankerten Rollenbildern beeinflusst. Auch bei uns in Europa, auch bei uns in Deutschland. Ich bin 32 Jahre alt, und selbst in meiner Kindheit gab es kaum andere Barbies als die, die hübsch aussehen, Kinder hüten oder Ferien auf dem Ponyhof machen (letzeres hab ich auch immer sehr gerne gemacht, dann aber mit schlammverschmierten Gummistiefeln und regelmäßigen Platzwunden). Und auch heute noch sind stereotype Zuordnungen von Eigenschaften, Fähigkeiten und sozialen Rollen aufgrund von Geschlecht allgegenwärtig – in der Werbung, beim Kinderspielzeug, in den Medien – und damit auch in den Köpfen der Menschen.

All das ändert sich langsam. Sehr langsam. Viel zu langsam. Genauso wie die Outdoorindustrie langsam begreift, dass auch Frauen gerne draußen aktiv sind, und zwar auf allen Leveln, und das bei Dingen wie Produktentwicklung und Werbung berücksichtigt. Letzere geht gefühlt allerdings leider manchmal wieder nach hinten los, denn da sind Frauen dann wieder besonders mutig, „so ganz allein, und dann noch als Frau“.

Aber immerhin: Man sieht mehr Frauen auf den Plakaten, in den Filmtour-Trailern – nicht nur weibliche Models, sondern Abenteurerinnen aus dem „echten Leben“. Und das ist meiner Meinung nach der allerwichtigste Schritt in Richtung Zukunft. Einer Zukunft, in der man einfach nur mutig sein kann, egal welchem Geschlecht man angehört.

Stereotype Bilder in den Köpfen von Menschen kann man nur ändern, wenn man ihnen andere Bilder vorhält, alternative Realitäten zeigt. Dafür reicht es nicht, ab und zu mal eine weibliche Bergsteigerin im Schaufenster eines Sportgeschäfts zu sehen. Weibliche Vorbilder müssen in unserem Alltag ankommen und so normal werden, dass sie uns gar nicht mehr als besonders auffallen.

Und das Gute an der Sache ist, dass wir das selbst ein Stück weit in der Hand haben. Dass wir nicht nur Dinge tun, sondern auch darüber sprechen. Dass wir versuchen, uns von alten Denk- und Verhaltensmustern zu befreien, die in jedem Menschen existieren. Und dass wir uns unsere eigene Realität bauen, in der es nur noch ein „das ist aber mutig“ gibt und der Zusatz „als Frau“ einfach gestrichen wird, wenn er nicht wirklich relevant ist.

Ich persönlich achte immer bewusster darauf, mit was für Menschen ich mich umgebe, welche Informationen ich konsumiere, und wem ich folge. Denn so negativ manches rund um Instagram & Co. auch sein mag: Die sozialen Medien sind auch eine große Chance. Dank ihnen sind wir nicht mehr Abhängig von Medien und Sportartikelherstellern, um Vorbilder zu finden. Wir können uns unsere Inspiration selbst suchen. Und das ist gar nicht so schwierig, denn auch wenn wir Outdoorfrauen nach wie vor in der Minderzahl sind: Wir sind da. Wir werden mehr.

Und damit das auch so bleibt, kommt hier eine kleine Auswahl von weiblichen Abenteurerinnen und Outdoorsportlerinnen, die mich mit ihren Geschichten und Berichten jeden Tag aufs Neue inspirieren.


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Heike Pirngruber: Ein Leben auf dem Fahrrad

Heike ist eine der Personen, denen ich schon sehr lange online folge, und die ziemlich sicher ein bisschen mit schuld daran ist, dass ich mich dieses Jahr auch mit dem Fahrrad auf eine längere Reise machen werde. 2013 ist sie von zuhause losgefahren, durch Europa, weiter nach Asien, anschließend in die USA… und aktuell bahnt sie sich ihren Weg durch Afrika.

Dabei reist sie sehr bewusst und reflektiert, was Natur, aber auch Kulturen und Menschen angeht, und berichtet auf beeindruckende Art und Weise darüber auf ihren Kanälen. Das trifft besonders auch auf ihre Bilder zu, die ehrliche Einblicke in Heikes Welt geben und gleichzeitig einfach wunderschön anzuschauen sind.

Mehr über Heike und ihre Abenteuer kannst Du auf ihrer Webseite, Instagram und Facebook erfahren.

Anna McNuff: Begeisterung hat einen Namen

Auch Anna folge ich schon seit Ewigkeiten. Nicht nur, weil die Britin schon einige richtig coole Dinge gemacht und erlebt hat, sondern auch weil sie dabei so viel gute Laune und Begeisterung fürs Draußensein verbreitet, dass es einfach nicht möglich ist, sich davon nicht anstecken zu lassen.

Ihre Eltern ruderten auf olympischen Niveau, auch Anna versuchte es damit, doch erreichte dabei nicht das, was sie wollte. Irgendwann beschloss sie, sich auf ihre ganz eigene Reise zu begeben. Radelte durch alle Staaten der USA, später längs über die Anden, lief den 3.000 Kilometer langen Te Araroa-Trail in Neuseeland (ohne vorher so wirklich dafür trainiert zu haben wohl gemerkt), und kürzlich lief sie barfuß einmal längs durch Großbritannien – von den Shetland-Inseln bis nach London… barfuß!!!

Nebenbei engagiert sie sich dafür, junge Menschen und besonders Mädchen fürs Draußensein zu begeistern und zu ermutigen, zum Beispiel als Botschafterin für Girlguiding. Und das gelingt ihr glaube ich auch ganz gut, denn selbst wenn Anna nur über irgendein schlammiges Feld läuft und davon berichtet, möchte zumindest ich am liebsten sofort das Gleiche tun.

Mehr über Anna und ihre Abenteuer kannst Du auf ihrer Webseite, Instagram, Facebook und Youtube erfahren. Ich liebe auch ihren TEDx Talk „But What If I Fail“. Außerdem hat Anna bereits zwei Bücher* geschrieben, die wirklich richtig toll sind:

Sarah Marquis: Wildnis-Wandern

Die Schweizerin Sarah Marquis ist eine Abenteurerin, wie sie im Buche steht. Und zugegebenermaßen ist das, was sie tut, bestimmt nicht für jeden so einfach nachzumachen. Seit über 20 Jahren unternimmt sie Expeditionen der extremeren Sorte: Bereits mit 17 Jahren durchquerte sie Zentralanatolien zu Pferd. Später folgten ausgedehnte Wanderungen, oft mehrere Tausend Kilometer lang – zum Beispiel längs durch die USA (rund 4.000 Kilometer) oder über die Anden (rund 7.000 Kilometer). Auch den Weg von Sibirien nach Südaustralien hat sie schon zu Fuß (wo möglich) zurückgelegt. Schlappe 1.000 Tage war sie dafür unterwegs.

Was mich besonders an Sarah fasziniert, ist aber gar nicht das, was sie tut, sondern vor allem auch wie sie es tut. Ihre ganz besondere, persönliche Verbindung zur Natur, die für sie bei ihren Expeditionen , so scheint es, eine deutlich größere Rolle spielt als die eigentliche Aktivität. So auch auf ihrer mehrmonatigen Survival-Expedition im Outback Australiens, wo sie ganz bewusst fast ausschließlich von dem lebt, was sie in der Natur finden kann. Und auch ihre letzte Expedition hat sie wieder nach Australien geführt, wie schon viele zuvor: Dieses Mal hat sie den wilden Westen Tasmaniens zu Fuß und mit Packraft durchquert. In drei Monaten. Und den letzten Teil davon mit einem gebrochenen Arm.

Lesetipp: Der Artikel „Sarah Marquis Is Breaking Up Exploration’s Boys Club“ vom Outside Magazine.

Mehr über Sarah und ihre Abenteuer kannst Du außerdem auf ihrer Webseite, Instagram und Facebook erfahren. Außerdem hat Sarah bereits mehrere Bücher über ihre Expeditionen in Australien* und anderswo geschrieben, von denen zwei auch auf Deutsch erschienen sind:

Lea Rieck: Mit dem Motorrad um die Welt

Lea lebt in einer Welt, in der Frauen wahrscheinlich noch etwas unterrepräsentierter sind als bei Dingen wie langen Touren zu Fuß oder per Rad: Denn Lea entdeckt die Erde auf ihrem Motorrad. 18 Monate lang ist sie damit einmal um die Welt gefahren. Europa, Asien, Australien, anschließend weiter durch Süd- und Nordamerika. Abgesehen von einem Crash-Kurs in Motorrad-Mechanik hatte sie nicht viel Erfahrungen mit dieser Art des Reisens, aber sie hat alle verzwickten Situationen gemeistert. Mit einer gesunden Portion Vertrauen in sich selbst und in die Menschen, die ihr unterwegs begegnet sind.

Sich mit Geschichten wie der von Lea zu umgeben – egal ob man nun selber mit dem Motorrad reist oder doch lieber zu Fuß – ist eine wahnsinnige Bereicherung. Denn wir tendieren doch viel zu oft dazu, beim Gedanken daran, was wir alles gerne tun würden und könnten, viel zu schnell daran zu denken, was wir alles nicht können. Und ich glaube, dass Frauen oft noch stärker von solchen Zweifeln betroffen sind, weil ihnen immer noch viel zu oft eingeredet wird, wo ihre angeblichen Schwächen liegen. Aber Menschen wie Lea sind das beste Beispiel dafür, was alles möglich ist, wenn wir uns einfach nur trauen. Dann kann man auch schon mal mit dem Motorrad die Welt umrunden, ohne große Ahnung von Motorrädern zu haben, ohne große Planung von Routen oder Visa. Und schon rücken all die großen Träume wieder ein großes Stückchen näher an uns heran.

Mehr über Lea und ihre Abenteuer kannst Du auf ihrer Webseite, Instagram und Facebook erfahren. Gerade bahnt sie sich übrigens auf dem Motorrad ihren Weg durch Afrika. Außerdem hat Lea ein Buch über ihre Weltreise auf dem Motorrad* geschrieben:

Marlies Czerny: Auf alle 4000er der Alpen

Ähnlich wie mit Lea geht es mir auch mit Marlies. Marlies ist die erste Österreicherin, die alle 82 Gipfel der Alpen bestiegen hat, die höher sind als 4.000 Meter. Wer aber nun denkt, dass Marlies eine Profi-Bergsteigerin ist, die quasi noch nie etwas anderes getan hat als Berge zu besteigen, der irrt: Ihre erste richtige Bergtour machte sie, weil sie Überstunden abbauen musste. Schnell wurde das Wandern zum Bergsteigen und irgendwann stellte sie fest, dass sie bereits 62 der 82 4.000er erklommen hatte. So ganz „aus Versehen“ sozusagen.

Mittlerweile ist Marlies natürlich eine ziemlich versierte Bergsteigerin (und Kletterin und Gleitschirm-Pilotin und was weiß ich nicht noch alles) und die Berge ihr Leben. An ihrer Leichtigkeit und Liebe zu diesen Bergen scheint das jedoch rein nichts geändert zu haben. Und eigentlich braucht es auch gar nicht mehr als diese zwei Zutaten – Leichtigkeit und Begeisterung für das, was man tut – um Träume wahr werden zu lassen. Dafür ist Marlies der beste Beweis.

Mehr über Marlies und ihre Abenteuer kannst Du auf ihrer Webseite, Instagram und Facebook erfahren. Außerdem hat Marlies ein Buch über ihre Touren auf die 4000er der Alpen* geschrieben:


Welche Outdoor-Frauen inspirieren Dich, Deine Komfortzone zu verlassen und die Welt zu entdecken? Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

11 Comments

  1. Oh toll, da ist viel Inspiration und Lesestoff dabei!
    Klingt jetzt voll fangirlmäßig, aber tatsächlich inspirierst Du mich mit Deinen Berichten zu mehr draußen sein und vielleicht mal trailrunning auszuprobieren !
    Ansonsten finde ich die Berichte von Vicky (@thevantaste) und von Julia Finkernagel (Ostwärts) super – auch wenn beide keine Outdoorfrauen sind.
    Viele Grüße!!

  2. Liebe Kathrin,
    du sprichst mir aus der Seele! „Mutig“ gefällt mir, habe ich auf Reisen aber wesentlich seltener gehört als den Satz „mutig, so ganz alleine als Frau“. Spannend fand ich auch, wie häufig ich im Plural angesprochen wurde, obwohl ich ganz alleine vor meinem Auto saß. „Dat habt ihr aber toll ausgebaut, da habt ihrs ja richtig gemütlich!“ Wer bin ich und wenn ja, wie viele :D
    Vielen Dank für die Vorstellung dieser vielversprechenden, mutigen Abenteuerinnen. Ich freu mich sehr auf dein Buch!
    Hab einen schönen Weltfrauensonntagabend :)

  3. Ich kann mir vorstellen, dass es neben den antiquierten Vorstellungen davon, welches Geschlecht was „kann“, teilweise auch darum geht, welches Geschlecht was „darf“. Das gilt insbesondere bei längeren Abenteuern oder beim kompletten Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft.

    Zwar muss ich mich auch als Mann oft dafür rechtfertigen, dass ich lieber um die Welt ziehe anstatt Karriere zu machen. Aber andererseits ist der Abenteurer/Vagabund/Aussteiger doch auch ein Männlichkeitsklischee. Bei Frauen, so zumindest mein Eindruck, geht das Umfeld meist davon aus, dass es sich dann um eine „Phase“ handelt, die hoffentlich bald wieder vorbei sein soll, auf jeden Fall rechtzeitig, um zu heiraten und Kinder zu bekommen.
    Zumindest dieser Teil des Rechtfertigungsdrucks bleibt Männern meist erspart.

  4. Ich vermisse Lael Wilcox, die 2016 als schnellste Person das Transcontinental in den USA gewann und 2019 beim Sillk Road Mountain Race den 2. Platz belegte.

    • Fräulein Draußen Reply

      Lael ist großartigst!! Ich folge ihr auch schon länger. Aber das hier soll ja keine vollständige Liste sein, sondern nur einige Beispiele aufzeigen. Danke aber auf jeden Fall für den Hinweis auf sie, vielleicht pack ich sie gleich doch noch einfach oben mit dazu… :-)

      Viele Grüße
      Kathrin

  5. Liebe Kathrin!
    Das war ein ganz wunderbarer Text, der vieles genau auf den Punkt bringt, über das ich schon oft nachgedacht habe. Natürlich freut man sich, wenn man Anerkennung für seine Abenteuer bekommt, aber die Anerkennung hat immer einen bitteren Beigeschmack, wenn man sie „nur“ oder hauptsächlich deshalb bekommt, weil man eine Frau ist. Danke also für die Gedanken und auch für die Vorstellung der Frauen, die dich selbst inspirieren. Manche davon kannte ich bereits, aber es sind auch neue Gesichter dabei :)
    Viele Grüße,
    Saskia

  6. Man muss nicht einmal auf einem Weitwanderweg in GB oder Alaska unterwegs sein, um diesen Kommentar mit „Ganz allein, als Frau… haben Sie keine Angst ?“ zu hören zu bekommen. Das reicht es schon Sonntags Nachmittags im (völlig überfüllten) Taunus unterwegs zu sein. ;-)

    • Fräulein Draußen Reply

      Der Taunus ist aber auch wirklich ein brisanter Ort. :-)

  7. Vielen Dank für den inspirierenden Artikel! :-)
    Mich inspirierte 2015 „Laufen. Essen. Schlafen.“ von Christine Thürmer. Ein Jahr später ging ich knapp 900 km durch Spanien u.a. den Camino del Norte entlang bis nach Fisterra. Es dauerte exakt 10 Tage bis ich die obligatorische Herberge für Schlafplätze unter freiem Himmel eintauschte. Schee war’s!

  8. Hallo,
    vielen Dank für deine Gedanken zu diesem Thema und die Liste interessanter Frauen! Die erste und dritte kannte ich bereits. Sarahs Buch „Durch die Wildnis“ war das erste Abenteuerbuch einer Frau, dass ich gelesen habe. Seit dem sind noch ein paar dazugekommen, Bücher, Blogs und Instagram Profiles, die ich unbedingt empfehlen will. Es gibt nämlich mehr von ihnen als man denkt und sie haben wirklich außergewöhnliche Ziele erreicht:

    Kira Salak habe ich über ihre Website entdeckt. Die Abenteurerinnen erzählt dort beeindruckende Geschichten ihrer Reisen. „Kayaking to Timbuktu“ hat mich derart gefesselt, dass ich auf dem kleinen Handydisplay auf einer Zugfahrt einfach nicht aufhören konnte zu lesen. http://www.kirasalak.com/Mali.html

    Robyn Davidson durchquerte in den 70gern mit Kamelen das australische Outback zu Fuß und hat darüber ein beeindruckendes Buch geschrieben, dass ich sehr empfehlen kann. Es gibt auch einen Film von 2014 u.a. mit Adam Driver der aus Star Wars bekannt ist. Ein sehr ruhiger und beeindruckender Film über eine Frau mit einem wahnsinnig starken Willen.

    Der Norwegerin Teresie Hommersand folge ich schon auf Instagram, als sie mit ihrem Fahrrad noch mitten in Afrika war und gerade den Kopf kahl geschoren hatte. Sie fährt auf ihrer Low Carbon Journey alleine von Kap zum Kap und mich beeindruckt besonders ihre Offenheit gegenüber den Menschen die sie unterwegs trifft und die intensiven Begegnung die sie durch ihre Art erlebt. https://www.instagram.com/teresiehommersand/?hl=de

    Freya Hoffmeister ist mit ihrem Kajak unterwegs und umrundet dabei gleich ganze Kontinente. Sie liefert spannende Einblicke in die Länder die sie bereist (z.B. die Sicherheitsmaßnahmen durch die Küstenwache in Drogenanbaugebieten Kolumbiens, oder die starken Gezeitenströme an den Flussmündungen im Westen Brasiliens) und ich habe mit ihr gezittert bei der Umrundung von Kap Horn in diesem kleinen Boot. http://freyahoffmeister.com/

    Mareike Guhr ist Skipperin eines Katamarans und schippert von Beruf Gäste damit um die Welt. Ich segle selbst und es gibt immer noch viel zu wenig Frauen in diesem Bereich. In ihrem Buch „Blau Türkis Grün. Warum ich um die Welt gesegelt bin.“ beschreibt sie ihre Sicht des Segeln, geht auch auf darauf ein wie es ihr in dieser Männerdomäne ergeht und berichtet über ein soziales Projekt dem sie sich in der Karibik verschrieben hat. https://www.magsail.de/de/

    Janice Jakaits Buch „Tosende Stille. Eine Frau rudert über den Atlantik und findet sich selbst.“ habe ich direkt nach Sarah Marquis gelesen. Ich hatte erst Sorge, ob es genauso spannenden werden könnte, nachdem die Landschaft hier ja keine so große Rolle spielt. Das spannende an Janice Geschichte ist für mich der innere Kampf den sie alleine auf offener See mit sich selbst führt. Ihr Mut alleine in diesem winzigen Boot den Atlantik zu überqueren, hat mich sehr beeindruckt. https://www.jakait.com/

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