Nicht so schwer und platzraubend wie eine Hartplastikflasche, nicht so unpraktisch wie eine komplett flexible Softbottle: Das waren meine ersten Gedanken, als ich die Ohyo Faltflasche neulich auf Twitter zum ersten Mal entdeckt habe. Ob sie diesem Anspruch gerecht werden konnte und was meine Tests sonst so ergeben haben, erzähle ich Dir jetzt.

Die Marke

Die Geschichte hinter der Marke Ohyo ist ziemlich sympathisch: Der Erfinder von Ohyo, Guy Jeremiah ist ein Umweltwissenschaftler aus Sheffield, UK. 2008 hatte er die Idee für eine faltbare Trinkflasche, nachdem er aus erster Hand erlebt hatte, welch großen Schaden die Unmengen an Einweg-Plastikflaschen der Umwelt zufügen. (Mehr Details zu dieser Erfahrung gibt es leider nicht.) Guy stellte seine Idee bei der britischen Version von „Die Höhle des Löwen“ vor, einer TV-Show, bei der Menschen mit Geschäftsideen vor einer Jury für Investoren pitchen können. Er ging allerdings leer aus, wie man hier sehen kann. Mit der Zeit hat er es aber trotzdem geschafft, immer mehr Menschen von Ohyo zu überzeugen. Und jetzt sind die bunten Faltflaschen auch in Deutschland am Start!

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Erster Eindruck

Von Anfang an zeigen die Flaschen, was sie am besten können: Klein sein! Maximal komprimiert im umweltfreundlichen Papiermantel kommen sie daher, bunt und fröhlich. Die Verpackung erzählt einem dann auch gleich, was die Flasche alles sonst noch kann. BPA-frei sein, in der Spülmaschine gesäubert werden usw.

Nachdem die Verpackung entfernt wurde, muss man kurz ein bisschen klug sein (oder den Hinweis entdecken): Die Flasche lässt sich natürlich nur entfalten, wenn der Strohhalm (bei der kleinen) bzw. der Verschluss (bei der großen) geöffnet ist! Aber ist ja eigentlich auch klar – „it’s physics!“ Dann folgt der bei mir übliche Geruchstest: nichts! Kein unangenehmer Plastikgeruch steigt mir in die Nase (und meine Nase ist wirklich sensibel, was den verhassten Plastikgeruch angeht!). Damit wäre eines der für mich wichtigsten Kriterien bei Produkten aus Kunststoff auch schon erfüllt. Schnell einmal gründlich auswaschen und los geht’s…

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Die Ohyos im Einsatz

Handhabung

Beide Flaschen verfügen über eine Weithalsöffnung und lassen sich problemlos befüllen. Die kleine Variante fasst knapp 500ml, die große genau 1 Liter. Nach dem Verschließen sind sie absolut wasserdicht, vorausgesetzt der Deckel wird gerade wieder aufgeschraubt und der ausklappbare Strohhalm bzw. die Plastikkappe sind fest verschlossen. Meine Befürchtung bei der (orangefarbenen) 1-Liter-Variante war, dass hier der schwarze Klappverschluss evtl. nicht fest genug sitzen und damit zu Überflutungen im Rucksack führen könnte. Das ist allerdings nicht der Fall. Der Schließmechanismus hat die perfekte Balance zwischen „so fest, dass er nicht aus Versehen geöffnet wird“ und „so leichtgängig, dass er sich bei Bedarf ohne große Anstrengung öffnen lässt.“

Die 1-Liter-Variante ist ein gutes Stück breiter als die 1-Liter-Version von z.B. der Nalgene-Weithalsflasche. (Klar, das Wasser, dass durch die Form bzw. die Falten verdrängt wird, muss ja irgendwo Platz finden.) Deshalb hat diese leider keinen Platz in der Außentasche meines Rucksacks gefunden. Das fand ich aber nicht schlimm, denn einerseits bewahre ich Getränke sowieso lieber im Rucksackinneren auf, weil sie dort länger kühl bleiben. Und andererseits hatte ich ja noch die kleine Variante. die ganz hervorragend in die Seitentaschen passt und die ich bei Bedarf dann einfach nachfüllen kann. Und sowieso ist die kleine Flasche mit dem Strohhalmverschluss sehr praktisch zum schnellen Trinken unterwegs. Theoretisch könnte man die große Flasche dank Karabinerhaken aber auch einfach irgendwo an den Rucksack hängen.

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Der alles entscheidende Moment: Plastikgeschmack?

Obwohl ich mir eigentlich gerne einen Schuss Saft in mein Wanderwasser schütte, hab ich die beiden Ohyos natürlich nur mit Leitungswasser gefüllt. Mit dem Leitungswasser, welches ich immer zu Hause trinke und daher genau kenne. So wollte ich sichergehen, dass ich den Geschmack des Wassers unterwegs auch anständig beurteilen kann. Fazit nach dem ersten Schluck am Berg: Das Wasser schmeckte leider etwas nach Plastik. Nicht extrem, und längst nicht so wie zum Beispiel bei meiner Trinkblase, aber der Plastikgeschmack war da. Langsam glaube ich allerdings, dass es überhaupt kein Trinkbehältnis aus Weichplastik da draußen gibt, welches nicht irgendwie zumindest ein bisschen nach Plastik schmeckt. Mir ist zumindest noch keines untergekommen. Ist wohl einfach „part of the deal“?!

Nach mehrmaligem Benutzen wurde der Plastikgeschmack übrigens noch schwächer, und mittlerweile fällt er mir gar nicht mehr so auf. Wer weiß – vielleicht ist er irgendwann ganz weg? (Falls dies der Fall sein sollte, werde ich diesen Artikel natürlich aktualisieren.)

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Reinigung

Eine weitere Befürchtung von mir nach einem ersten Blick auf die Flaschen war, dass diese schwer zu reinigen wären wegen der vielen Falten. Tatsächlich kommt man aber, nicht zuletzt dank der weiten Flaschenöffnung mit einer  normalen Spülbürste relativ einfach in alle Winkel. Das ist wichtig, gerade wenn man Säfte oder ähnliches in die Flasche füllt.  Etwas schwerer zu reinigen ist das Innenleben des Strohhalms der kleinen Flasche. Dem sollte man wohl zumindest ab und zu ein Bad in einer Reinigungsflüssigkeit gönnen oder zum Beispiel mit so einem Reinigungsdraht für den Trinkschlauch bearbeiten. Oder natürlich ab damit in die Spülmaschine, wenn Du eine besitzt.

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Fazit

Die Ohyo Flaschen sind ein guter Kompromiss zwischen schwereren und nicht-komprimierbaren Hartplastik- oder Aluminiumflaschen und leichten, sehr komprimierbaren Lösungen wie Trinkblasen, Platypus & Co. Man kann die Flasche platzsparend verpacken, wenn man sie gerade nicht braucht und hat dennoch beim Trinken eine „richtige Flasche“, die man gut in der Hand halten und aus der man leicht und ohne sich selbst einzusauen trinken kann.

Die Ohyo Faltflaschen sind nicht explizit für Outdooreinsätze am Berg und anderswo gemacht, eignen sich hierfür aber dennoch bestens. Die wahre Mission der Ohyo ist es, gegen den mehr als übermäßigen Verbrauch von Plastikflaschen anzukämpfen. Immer und überall. Dadurch, dass man die Ohyo immer platzsparend bei sich tragen kann, hat man immer etwas dabei, das man unterwegs mit Wasser auffüllen kann und nicht in den nächsten Kiosk rennen muss, um sich die tausendste Plastikflasche zu holen, weil man plötzlich unterwegs Durst bekommt.  Bei unseren Nachbarn in England gibt es dafür übrigens eine ziemlich praktische App namens find-a-fountain. Ein Äquivalent dazu in Deutschland habe ich nicht finden können, allerdings kann man hierzulande ja sowieso nahezu überall das Leitungswasser trinken.

Ich hab die kleine Ohyo mittlerweile im Alltag immer dabei, während die große mich auf meinen Wanderungen begleitet. Zum Sport lässt sich die kleine Variante übrigens auch hervorragend mitnehmen, egal ob Joggen im Park oder Fitnessstudio. Der integrierte Strohhalm und die Tatsache, dass man sie auch mit schwitzigen Händen super in der Hand halten kann, macht sie zu einem hilfreichen Begleiter.

 

Vorteile:

+ bruchfest

+ flexibel (vor allem ein Vorteil, wenn man die Flasche an kleinen Waschbecken bzw. niedrigen Wasserhähnen auffüllen will)

+ leicht (meine Küchenwaage sagt 118g – zum Vergleich: Die Weithalsflasche von Nalgene mit dem selben Volumen wiegt 179g)

+ komprimierbar

+ BPA-frei

+ Weithalsöffnung

+ spülmaschinenfest

+ lebenslange Garantie

+ umweltfreundlich

+ alltagstauglich

 

Nachteile:

– leichter Plastikgeschmack

– höherer Reinigungsaufwand wegen den Rillen und dem Strohhalm

– der Klappverschluss: Obwohl prinzipiell gut gemacht ist dieser natürlich nicht so bombensicher wie ein guter Drehverschluss

– die große Flasche ist zu breit für die Seitentasche des Rucksacks

 

Vielen Dank an Ohyo, die mir die beiden Testflaschen kostenlos zur Verfügung gestellt haben! Meine Meinung blieb davon natürlich völlig unbeeinflusst.

Wenn Du Dir eine Ohyo-Flasche zulegen willst, kauf Sie doch über meinen Link! Dann bekomme ich von Amazon ein paar Groschen für meine Reisekasse, ohne dass Du mehr zahlen musst.

Wie sieht’s bei Dir aus? Kaufst Du im Alltag noch Plastikflaschen oder bist Du auch schon auf wiederverwendbare Flaschen wie die Ohyo umgestiegen?

2 Comments

  1. Hi Kathrin!
    Die Ohyo kannte ich noch nicht. Klingt toll, vor allem was das Platzsparen betrifft…
    Ich habe meine 1 Liter Flasche von Nalgene immer dabei, finde sie aber doch recht klobig. Und auch diese muss man sehr ordentlich reinigen, da sich in der Biegung des Flaschenhalses gern was festsetzt.
    Liebe Grüße aus dem Norden!

    • Fräulein Draußen Reply

      Das stimmt, da kommt man auch nicht so ganz leicht hin. Vielleicht ist die Ohyo ja dann was für Dich? :)

      Viele Grüße (aus dem Süden ;-) )

      Kathrin

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