Soooo, wo waren wir denn stehen geblieben? Achja! Ich hatte da diese 2,5-stündige Fahrt von der Sandwood Bay nach Ullapool vor mir, die es dank Augenentzündung einäugig zu bewältigen galt. Und soviel kann ich schon mal vorwegnehmen: Ich bin irgendwie heil in Ullapool angekommen. Und auf der Fahrt (die ja wie gesagt laut Reiseführer als schönste der ganzen Strecke gilt) habe ich es sogar trotz fast ganz zugeschwollenem und schmerzendem Auge noch irgendwie geschafft, sage und schreibe sieben Fotos zu machen. Hier ist das schönste davon (wie man sieht, hatte sich das Wetter an die allgemeine Augensituation angepasst.)frauelein-draussen_schottland_5_1

In kleinen Städtchen Ullapool (Zivilisation!) hab ich zum Glück sehr bald eine Apotheke gefunden und das Augen-Sortiment geplündert. Dann habe ich im SYHA-Hostel (übrigens sehr hübsch direkt an der Promenade gelegen) eingecheckt. Glücklicherweise haben die Tropfen mein Auge schnell etwas beruhigt, sodass ich noch ein paar Fish&Chips (ohne Fish!) zu mir nehmen und durch Ullapool schlendern konnte. Auf großartige Aktivitäten hatte ich dann aber keiner Lust mehr an dem Tag. Zumal ich von meinem Promenadensitzplatz schnell von schwerst betrunkenen quasi-noch-minderjährigen Schotten vertrieben wurde. Den Großteil des Abends verbrachte ich dann im gemütlichen Hostel-Lesezimmer mit Blick auf den Hafen. Muss auch mal sein.

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Dann hieß es ins Bett gehen und bangen, dass das Äuglein am nächsten Morgen nicht schlimmer (und im Idealfall natürlich sogar besser) ist. Und. Was soll ich sagen. Das Universum meinte es gut mit mehr. Es war immer noch rot und geschwollen am nächsten Morgen, aber schon viel besser als am Vortag. Ich frühstückte mit Blick auf den Hafen. Die Sonne schien. Und ich war voller Vorfreude auf meine erste Bergwanderung in Schottland. Auf zum Stac Pollaidh!

Schon von weitem aus sieht man die Sandsteinburg des Stac Pollaidh im Inverpolly National Nature Reserve aufragen und verliebt sich dann auch recht schnell in dessen Anblick.

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Nachdem ich auf der kleinen Singletrack Road dorthin noch eine gute Tat vollbracht und zwei Rucksackreisenden für ihr Frühstück vorm Zelt Miniblaubeermuffins (Memo: Hab immer eine Packung Minimuffins dabei! Damit findest Du schnell Freunde!) geschenkt habe, war ich die erste am Parkplatz. (Das sollte sich später noch ändern. Wie gesagt. Zivilisation! …falls man das so nennen kann.)

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Für die Wanderung auf den Ostgipfel des Mini Mountains über dem Loch Lurgainn sind 590 Höhenmeter zu bewältigen. Genau das richtige für erkältungsgeschädigte, einäugige Menschen. Mittlerweile führt dort auch ein Pfad hinauf bzw. um den Berg herum.

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Und sobald man oben angekommen ist, fühlt man sich wie auf dem Mond. Tausende von kleineren und größeren Seen glitzern in der Sonne (und ja, ich hatte Sonne! Viel davon!) Und die Landschaft wirkt so unwirklich, dass man gar nicht aufhören kann mit dem Gucken.

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Kurz habe ich dann auch noch überlegt, den Westgipfel zu besteigen. Aber nach ersten Versuchen bin ich wieder umgekehrt. Hierzu bedarf es nämlich einer luftigen Turnerei um und über die zahlreichen kleinen Türmchen. Das war nicht nur mir zu viel, sondern auch den meisten Mitwanderern, denen ich von meinem sonnigen Sitzplatz auf einem Felsvorsprung beim Umkehren zugesehen habe. Irgendwann waren wir eine lustige kleine Gruppe, die Wetten abgeschlossen hat, wer gleich zurück kommt und wer den Aufstieg durchzieht. Meistens lagen wir richtig mit unserem „He/She will be back in 5 minutes“.

Wie so oft in diesen zwei Wochen habe ich mir kurz überlegt, ob ich nicht einfach für den Rest der Zeit hier bleiben soll. Aber das wäre wohl etwas seltsam gewesen. Auch wenn ich wirklich äußerst verliebt in diesen kleinen Berg und dessen außerirdischer Umgebung war. Nachdem ich genug Sonne getankt und Wetten gewonnen hatte, machte ich mich wehmütig an den Abstieg und dann zusammen mit James-Charles (in den ich ja auch sehr verliebt war, also passte das schon) auf den Weg Richtung Gairloch.

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Das Ziel war der Sands Campground – ein wundertoller Campingplatz direkt am Wasser, nur durch Dünen getrennt. Im Sommer sicher relativ voll, zu meiner Zeit im Oktober aber fast verlassen. Und mit Glätteisen in den Damentoiletten! WOW! Wenn das mal nicht Zivilisation ist dann weiß ich auch nicht. Hermann-Herbert (mein Zelt), James-Charles und ich waren gleichermaßen begeistert und genossen zu dritt den schönsten Sonnenuntergang der ganzen Reise.

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Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen und macht fit für die nächste Wanderung – in meinem Fall im wunderbaren Glen Torridon. Aber davon mehr im nächsten Teil. [Fortsetzung folgt]

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In meiner Beitragsreihe “Das Fräulein in den Highlands” berichte ich über meine zweiwöchige Rundreise durch den hohen Norden Schottlands vom September/Oktober 2013. Unterwegs war ich mit James-Charles, dem Mietauto und Hermann-Herbert, dem Zelt. Viel Spaß beim Lesen.

7 Comments

  1. Pingback: Packliste Schottland (Wandern, Campen, Roadtrip) | Fraeulein Draussen

  2. In die Gegend muss ich auch noch! Leider hat es bislang nur zur OS gereicht. Die Bus- und Zugverbindungen waren zu schlecht, als dass sich der Aufwand gelohnt hätte. Ein Mietwagen mag dekadent sein und das schottische Busnetz gut, hat aber schon so 5 bis 500 Vorteile.

    • Fräulein Draußen Reply

      Auf jeden Fall! Und das schottische Busnetz ist glaub ich auch nur gut, solange keine Nebensaison ist und man sich nicht zu weit nördlich befindet ;-)

  3. Wie kann ich Dich jetzt erst entdecken bei meinen Vorlieben für kühles Wetter, genau die gleichen Länder und auch noch das Wandern? Leider sind mir aufgrund von Beruf, Familie und hübschen Knieschäden solch langen Wanderungen nicht möglich. Umso besser mehr erfreue ich mich an Deinen schön geschriebenen Berichten und tollen Fotos. Ich fiebere mit Dir mit, was Lejog betrifft und wünsche Dir eine ganz tolle Zeit!

    • Fräulein Draußen Reply

      :-) Vielen lieben Dank Dir! Werde mir extra Mühe geben mit den Fotos und Berichten.

      Liebe Grüße
      Kathrin

  4. Wir sind gerade auf Familie Urlaub in Schottland und haben den Stac Pollaidh vir drei Tagen bestiegen. Ich kann dir nur zustimmen, atemberaubend!

    • Fräulein Draußen Reply

      Wie schön, irgendwann möchte ich auch nochmal dorthin. :-)

      Viele Grüße!

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