3.500 Kilometer von Georgia bis nach Maine, durch ganze 14 Bundesstaaten an der Ostküste der USA. Komplett Zu Fuß. Was einem kurz vor einer solchen Wanderung so durch den Kopf geht, das habe ich Christian vom wundertollen und inspirierenden Blog feel4nature  kurz vor seinem Start auf dem Appalachian Trail gefragt.

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1. Wie fühlt man sich kurz bevor man zu einer solchen Tour aufbricht? Was geht Dir durch den Kopf?

Nachdem wir unüblicherweise die letzten 3 Monate komplett in Deutschland verbracht haben, da wir uns vor unserem Start auf den Appalachian Trail um einige Dinge kümmern mussten, freuen wir uns nun einfach nur riesig darauf wieder „raus“ zu kommen und endlos viel Zeit in der Natur zu verbringen.

Da es bei uns im Moment aber immer noch etwas stressig ist, ist die Wanderung auf dem Appalachian Trail allerdings für uns noch nicht so richtig greifbar – auch wenn es ja in etwas mehr als einer Woche bereits endlich los geht.

Dieses „Nomadenleben“ (lange Wanderungen und Reisen) ist in unserem Leben mittlerweile zudem eher die Normalität als die Ausnahme und so sind wir vor solchen Touren nicht mehr sonderlich aufgeregt. Im Gegenteil – eigentlich ist es sogar so, dass wir immer ruhiger und ausgeglichener werden je näher der Zeitpunkt rückt, dass wir wieder unseren Rucksack packen und uns auf den Weg hinaus in die „große weite Welt“ machen.

2. Habt ihr in der letzten Zeit speziell trainiert (laufen, wandern, Training für Schulter und Rücken…)?

Da wir ja sehr häufig zu Fuss in der Natur unterwegs sind, haben wir in den letzten Jahren eine gewisse Grundkondition aufgebaut und sind daher ganz gut an solche Belastungen gewöhnt – wenn es mit Rucksack & Zelt durch die Wildnis geht.

Zudem passt sich der Körper auch relativ schnell an die täglichen Belastungen, die auf dem Appalachian Trail auf uns warten, an und es ist zweifelsohne eher die psychische Hürde, die es zu überwinden gilt. Daher haben wir kein besonderes Training absolviert.

Für uns ist der Appalachian Trail aber auch kein Wettrennen – in erster Linie geht es uns darum 6 Monate lang eine einzigartige Zeit in der Natur und auf dem Trail zu verbringen. Daher werden wir es auch zu Beginn ganz langsam angehen, die Zeit genießen und uns einfach „Stück für Stück“ ein wenig steigern was die Tagesdistanzen angeht.

3. Macht Ihr Euch vorher viele Gedanken darum, was alles schief gehen könnte (Gesundheit, Motivation, schlechtes Wetter, Schäden an der  Ausrüstung)?

Wir machen uns eigentlich gar keine Gedanken darüber was so alles schief gehen könnte, denn bei allem im Leben gibt’s ein gewisses Risiko. Wenn man sich ständig Sorgen über alles macht, hält einen das nur davon ab, sein Leben zu geniessen und die Dinge anzugehen, die einem wirklich am Herzen liegen.

Bereits vor 2 Jahren sind wir ja schon einmal zu einem „Thru Hike“ auf dem Appalachian Trail aufgebrochen und damals ist ja auch tatsächlich etwas richtig schief gegangen – meine Frau hat sich 2013 auf dem Trail eine sehr schwere Lungenentzündung zugezogen, so dass uns nichts anderes übrig blieb als vorerst nach Deutschland zurückzukehren.

Aber das hat uns ja nicht davon abgehalten nun einen zweiten Anlauf zu starten und das ist es doch was im Leben zählt. Es gibt immer mal Rückschläge oder unschöne Ereignisse, wichtig ist einzig und allein diese zu verarbeiten und weiter an seinen Träumen zu „arbeiten“ – genau das tun wir…

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4. Habt Ihr Eure Ausrüstung schon komplett? Wie viel wiegen Eure Rucksäcke?

Wie gesagt – wir sind ja häufig auf langen Wanderungen unterwegs und daher ist unsere Ausrüstung im Grunde auch komplett. Wir haben allerdings für unsere Wanderung auf dem Appalachian Trail auch einige Sponsoren, mit denen wir zusammenarbeiten, so dass wir derzeit noch ein paar Ausrüstungsteile austauschen und evtl. auch einige zusätzliche Dinge zum testen mitnehmen – wie z.B. ein Solarmodul.

Wenn man nur die reine Ausrüstung (Zelt, Schlafsäcke, Isomatte, Kocher etc.) und die Bekleidung nimmt, dann wiegen unsere Rucksäcke mittlerweile weit unter 8 Kilogramm. Dazu kommen dann noch Trinkwasser und Lebensmittel, das sind auf dem Appalachian Trail maximal 4 zusätzliche Kilogramm pro Person – auf den meisten Etappen sogar eher etwas weniger.

Auf meinem Blog – feel4nature.com – habe ich auch schonmal einen ausführlichen Artikel zum Thema „Ausrüstung auf dem Appalachian Trail“ geschrieben.

5. Gibt es Dinge, die Du schweren Herzens wieder von der Ausrüstungsliste gestrichen hast? Oder etwas, das Du mitnimmst, obwohl es nicht unbedingt notwendig wäre (Stichwort „Luxusartikel“)?

Da ich ja auch unterwegs arbeite, Artikel für meinen feel4nature.com Blog schreibe und fotografiere nehme ich u.a. noch ein MacBook, verschiedene Kameras und Objektive mit. Das ist natürlich nochmal einiges an Zusatzgewicht was ich schleppen muss – aber das ist schon ok.

Ich habe auch mein technisches Equipment, das ich für meine Arbeit brauche, in den letzten Jahren immer weiter auf ein möglichst geringes Gewicht optimiert – so dass das alles im Rahmen bleibt. Selbst mit allem „Drum & Dran“ wiegt mein Rucksack noch unter 12 Kilogramm + Trinkwasser & Lebensmittel…das ist für einen „kräftigen Kerl“ wie mich gut zu „handlen“.

6. Auf welchen Aspekt einer Langzeitwanderung freut Ihr Euch am meisten? Worauf am wenigsten?

Im Grunde freuen wir uns auf alle Aspekte unserer Wanderung auf dem Appalachian Trail – etwas Besonderes sind vielleicht die Abende am Lagerfeuer mit Gleichgesinnten irgendwo mitten in der Wildnis, die wir tatsächlich besonders genießen.

Am wenigsten freuen wir uns wohl jetzt schon auf das Ende der Wanderung im September… aber wie das so ist, schöne Dinge gehen zu Ende – schaffen aber damit auch Raum und Zeit für neue Erlebnisse und Abenteuer.

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7. Was wird Dir wohl während der ersten Meter auf dem Trail durch den Kopf gehen?

Wahrscheinlich werde ich mich sehr darüber freuen, dass wir nun zwei Jahre später wieder dort sind und unseren zweiten Anlauf für einen „thru hike“ auf dem Appalachian Trail starten.

Vielleicht werde ich sogar ein wenig stolz sein, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und konsequent die Dinge verfolgen, die wir uns wünschen.

8. Und was wird Dir wohl durch den Kopf gehen, wenn Du am Ende der Tour auf dem Mount Katahdin stehst?

Klar ist es letzten Endes auch unser Ziel den Appalachian Trail komplett zu laufen und am Ende auf dem Gipfel des Mount Katahdin zu stehen – keine Frage, davon träumt wohl jeder, der auf einen „thru hike“ auf den Appalachian Trail startet.

Primär ist das Ziel allerdings vor allem, die sechs Monate auf dem Appalachian Trail voll und ganz zu geniessen und auszukosten. Was mir dann wirklich durch den Kopf gehen wird, wenn wir die gesamte Strecke geschafft haben ist schwer zu sagen – wahrscheinlich werde ich einfach vollkommen von dieser Erfahrung überwältigt sein und daran denken welche „Abenteuer“ uns als nächstes erwarten.

9. Deine letzten Worte an die Nachwelt?

Das hört sich ja fast so an, als wäre davon auszugehen, dass wir nicht vom Appalachian Trail zurückkehren…?! Dabei ist wahrscheinlich jeder Tag in einer Grossstadt deutlich gefährlicher.***

Wenn es etwas gibt, was ich anderen Menschen vielleicht mit auf den Weg geben möchte, dann dass es sich lohnt alles dafür zu tun seine Träume Realität werden zu lassen. Es sind doch letzten Endes die Erlebnisse und einzigartigen Momente, die uns Menschen zu dem machen was wir sind – auch wenn viele das in ihrem „Alltagstrott“ anscheinend vergessen haben.

Was sind Träume denn schon wert, wenn man sie immer wieder verschiebt, weil man denkt es gäbe irgendwann einmal einen passenderen oder besseren Zeitpunkt…der beste Zeitpunkt sein Leben konsequent nach seinen Vorstellungen und Wünschen zu gestalten ist immer – „Jetzt, genau in diesem Moment!“

***selbstverständlich war die Frage nur metaphorisch gemeint! ;-)

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Wenn Du noch mehr über die Lebensweise und Abenteuer, auf dem Appalachian Trail und anderswo, von Christian und seiner Frau erfahren möchtest, dann schau doch hier auf dem Blog Feel4Nature vorbei und schenk den beiden ein „Like“ auf der feel4nature Facebook-Seite!

Vielen Dank für die spannenden Einblicke in Deinen Kopf, Christian! Ich wünsch Euch eine ganz tolle Zeit!

 

… und was ist mit Dir? Könntest Du Dir auch vorstellen, eines Tages zu einer solchen Wanderung aufzubrechen? Wenn nein, was hält Dich ab? Oder schmiedest Du vielleicht sogar schon konkrete Pläne? Erzähl mir mehr! Im Kommentarfeld…
 

3 Comments

  1. Hallo Kathrin,
    danke für das kleine Interview, so etwas lese ich immer gerne. Gerade da mein Mann und ich nach 1,5 Jahren Planung nun auch endlich bald auf dem Appalachian Trail unterwegs sein werden. In 6 Tagen geht es los. Es scheint, dass wir recht ähnliche Motive wie Christian und seine Frau haben, vielleicht trifft man sich ja auf dem Trail? Das wäre natürlich eine tolle Sache. Ich wünsche auf jeden Fall allen künftigen „thru-hikern“ alles Gute und wie sagt man so schön: happy trails!
    Liebe Grüße, Carina

    • Fräulein Draußen Reply

      Hi Carina,

      das ist ja cool! Könnte wohl gut sein, dass Ihr Euch dann auf dem Trail irgendwo trefft..

      Da wünsch ich Euch natürlich auch ein paar tolle Monate auf Euren Füßen :)

      Viele Grüße
      Kathrin

  2. Das ist echt eine bemerkenswerte Tour! Großen Respekt und viel Erfolg euch beiden! Bin auch sehr gespannt wie gut es klappt während dieser Wanderung einen Blog nebenher weiter zu führen. Hoffe es klappt gut ;)

    LG Alex

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