Schnee und Eis, wohin man auch blickt. Lediglich hier und da unterbrochen von den Nunataks, den Felsspitzen der Kenai-Berge. (Nunataq ist Inuit-Sprache und bedeutet „Gipfel“.) Für jemanden wie mich, der eine Wüste aus Eis jederzeit Palmen und Strand vorziehen würde, ist das einfach nur das Höchste. Aber auch sonst ist dieses gigantische Gletscherfeld ein Anblick, der sich für immer in die Netzhaut und ins Herz brennt. 

Über 780 km² gefrorenes Element, zusammen mit den zugehörigen Gletschern sogar ganze 1770 km². Der Exit Gletscher ist der wohl bekannteste Ausläufer des Gletscherfeldes, weil man seine Zunge bequem und ohne lange Gehzeit ganz aus der Nähe bestaunen kann. Ein bisschen mehr anstrengen muss man sich für das Harding Icefield schon, aber für die Strapazen (immerhin 1000 Höhenmeter) wird man dann auch mehr als belohnt.

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„Be careful, I just saw a moose with a calf in the trees over there.“

Na das geht ja schon wieder gut los. Noch vor wenigen Minuten hatte ich so ein Ding aus Plüsch im Visitor Center des Exit Gletschers in der Hand und kurz danach muss ich schon wieder aufpassen, dass ich nicht den Unmut der lebensgroßen Variante auf mich ziehe. Aber so ist das halt da oben im wilden Norden. Und dessen sollte man sich auch auf einem so gut ausgebauten und beliebten Wanderweg wie dem Harding Icefield Trail bewusst sein.

Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich zum Glück schon ein paar Wanderungen während meines Roadtrips durch Alaska und den Yukon hinter mich gebracht und nahm die Warnung der Park Rangerin gelassen entgegen. Und das war auch ganz gut so, denn die dichte Vegetation auf dem ersten Teil des Trails machen die Wanderung zum Harding Icefield nicht gerade zum Zuckerschlecken, falls man Bären- (und Elch)-Paranoia schieben sollte.

Immer wieder gibt der Trail Blicke auf die umliegende Bergwelt freiDurch Erlen, Pappeln und anderes Gestrüpp schlängelt sich der Weg konstant ansteigend Richtung oben. Manchmal kann man dabei sogar einen Blick auf die umliegende Bergwelt werfen, meistens jedoch fühlt man sich eher wie im Urwald. Bis man den Exit Glacier zum ersten Mal erspäht, vergeht eine ganze Weile. Spätestens dann jedoch weiß man, dass sich das, was man da gerade tut, lohnen wird.

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Blick auf den Exit Glacier vom Harding Icefield Trail aus

Nach ca. der Hälfte der Weges lichtet sich das Grünzeug und man betritt alpines Gelände. Selbst wenn einem die komplette Wanderung zu viel ist, sollte man zumindest bis hierher kraxeln. Denn der Exit Gletscher liegt nun in voller Pracht vor einem und auch den Rand des Harding Icefield kann man zum ersten Mal erspähen. Wildblumen und die lilafarbenen Lupinen bilden einen ganz besonderen Kontrast zu den gewaltigen Mengen aus Eis nebenan. Auch Bären kann man von hier aus häufig beobachten. Bei mir waren zwar keine Bären da, aber immerhin ein dickes, gar nicht so scheues Murmeltier, welches die Lupinen in rauen Mengen in seinen Mund geschaufelt hat.

Wildblumen entlang des Harding Icefield Trail

Murmeltier am Harding Icefield Trail

Blick auf den Exit Glacier und das Harding Icefield

Nachdem wir zusammen eine kleine Mittagspause gemacht haben (er hieß übrigens Manni!), ging es weiter mit der immer toller werdenden Wanderung zum Harding Icefield. Die Vegetation wird mit zunehmender Höhe schnell karger und karger, und bald ist man nur noch von Geröll und Schneefeldern umgeben. Und je mehr man von dem Meer aus Eis sieht, welches sich da vor einem auftut, desto kleiner fühlt man sich in dieser unwirklichen Landschaft.

Schneefelder kann es ganzjährig auf dem Harding Icefield Trail geben

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Und irgendwann ist man dann da, am Ende des Trails. Direkt am Rand eines der größten Gletscherfelder der USA. Und so richtig erfassen kann man das alles gar nicht, was man da sieht. Ich hab’s versucht. Eine ganze Stunde bin ich auf einem Felsen gesessen und habe auf die weiße Masse gestarrt. Nach links, rechts, oben, unten und wieder von vorne. Und wenn man sich dann überlegt, dass das, was man da sieht, nur ein Bruchteil von dem gesamten Gletscherfeld ist?! Huiuiui.

Gipfelrast am Rande des Harding Icefield

Am Rande des Harding Icefield

Der Exit Glacier von oben

Seltsamerweise war die Bergziege, die hinter einem Felsen neben mir graste, eher unbeeindruckt. Aber die hat wahrscheinlich auch einfach nicht den Wikipedia-Eintrag vorher gelesen.

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Irgendwann konnte ich mich von diesem Anblick dann doch wieder losreißen (es war sehr schwer…) und machte mich auf Richtung Abstieg, als mir jemand zurief:

Hey, I saw a bear with a cub wandering along the tree line. Watch out.“

Na hoffentlich haben die Bären Manni nicht erschreckt. Ich wollte mich doch noch verabschieden.

Abstieg auf dem Harding Icefield Trail

 

Alles, was Du über die Wanderung zum Harding Icefield wissen musst

Lage / Anfahrt: Das Exit Glacier Besucherzentrum liegt ca. sechs Kilometer nördlich von Seward auf der Kenai Halbinsel und ist gut ausgeschildert. Dort beginnt auch der Harding Icefield Trail.

Höhenunterschied: 1066m – wem das zu viel ist, der kann auch nur bis etwa zur Hälfte laufen, von wo aus man einen tollen Blick auf den Gletscher und den Rand des Eisfeldes hat.

Länge: 13 Kilometer

Gehzeit: ca. 6 Stunden Stunden

Saison: Juli bis Mitte September (in höheren Lagen kann es das ganze Jahr über Schneefelder geben) – aktuelle Infos zum Zustand des Trails usw. bekommt man hier

Schwierigkeit: Der Weg ist schmal, aber gut in Schuss und für alle mit etwas Kondition (es sind ja dann doch 1000 Höhenmeter) machbar. Wie alles in Alaska ist natürlich auch dieses Gebiet Bärengebiet. Vor allem Schwarzbären werden dort nahezug täglich gesichtet. Besonders auf dem ersten Teil des Trails, der dicht bewachsen ist, sollte man die Regeln zum Wandern in Bärengebieten übergenau befolgen. Welche das sind, und was Du sonst über das Wandern in Bärengebieten wissen musst, erfährst Du in diesem Artikel.

Ausrüstung: Je nach Schneelage können Gamaschen und Stöcke in den Höheren Lagen sicher nicht schaden. Außerdem sollte man unbedingt eine Sonnenbrille und anständige Sonnencreme dabei haben.

Übernachtung: Das Zelt neben einem imposanten Gletscherfeld aufschlagen? Läuft! Wer übernachten will, sollte sich am Trailhead in die Liste eintragen und darauf achten, dass das Zelt mind. 200 m entfernt bzw. außer Sichtweite vom Trail auf Stein oder Schnee steht. Und wer nicht oben schlafen will, für den gibt’s einen tollen (kostenlosen!) Campingplatz unweit vom Visitor Center direkt am Fluss. Allerdings nur für Zelte!

Geführte Wanderungen: Im Juli und August kann man den Harding Icefield Trail jeden Samstag mit einem Park Ranger erklimmen. Diese Ranger sind meistens ziemlich cool und erzählen allerlei spannendes Zeugs. Kostenlos und ohne Anmeldung! Mehr Infos gibt’s hier.

Bitte beachten: Die Vegetation oberhalb der Bäume ist sehr fragil und zahlreiche Trampelpfade ziehen sich mittlerweile gut sichtbar durch das Gelände. Obwohl es viele Hinweise und eine eindeutige Wegmarkierung gibt, springen immer wieder besonders coole Kids kreuz und quer durch die Gegend, was der Natur wenig Chance gibt. Also: Immer brav auf den Wegen bleiben! 🙂


Hast Du auch schon mal so viel Eis und Schnee auf einem Haufen gesehen? Wo? Ich freu mich auf Deinen Kommentar.

17 Comments

  1. Uiui, ich sehe da gleich ein paar zu Besteigende Gipfel auf diesem Icefield!
    Da waren unsere Gletscher ja Pipifax dagegen! 😉

    Lg

    • Fräulein Draußen Reply

      Haha. 😀 Wenn Du da irgendwann mal auf einen hochkraxelst gib Bescheid. Ich werde das dann mit dem Fernglas verfolgen. 🙂 Zusammen mit Manni.

      Grüüüßee!

  2. Einen sehr schönen Bericht zum Harding Icefield hast Du da geschrieben! Da kommt schon fast wieder etwas Fernweh auf! Top! 🙂
    (PS: Kleiner Tippfehler am Anfang bei den „Palmen“.)

    • Fräulein Draußen Reply

      Uups, danke für den Hinweis. Und nochmal danke – für das Lob! 🙂

      Kathrin

  3. Wie cool guckt denn bitte diese Ziege?!?! Das hört sich alles nach einer wahnsinnig tollen Tour an!

    • Fräulein Draußen Reply

      Hihi. 🙂 Die war echt ziemlich cool! Also… beides eigentlich. Ziege und Tour. 😉

  4. Wow, Toller Bericht und spitze Bilder. Was für eine Wanderung! Da kommt ja glatt Neid auf. Bin schon gespannt auf was ich das nächste mal neidisch sein kann! Viele tolle Erlebnisse
    Claudia

  5. Wollten wir eigentlich auch machen, aber hatten in Alaska leider nur begrenzt Zeit und an dem Tag als wir die Wanderung machen wollten hats sowas von geregnet!
    Auf alle Fälle waren wir nicht das letzte mal in Alaska! Dieser Bundesstaat hat uns einfach UMGEHAUEN!!!
    Danke für den Beitrag…
    Liebe Grüsse Tobi

    • Fräulein Draußen Reply

      Hi Tobi,

      puuuuh – das Wetter in Alaska kann schon echt gemein sein. Bei schlechter Sicht macht die Tour da hoch wohl auch wirklich nicht sehr viel Sinn. Schade!! Aber dann halt nächstes Mal. 🙂

      Viele Grüße
      Kathrin

  6. Pingback: 12mal12: Meine Empfehlungen im November - heldenwetter

  7. Super Bericht und wahnsinns Fotos ! Ein Alaska Roadtrip steht schon lange auf der Wunschliste ziemlich weit oben. Jetzt ist noch der Hike zum Harding Icefield dazu gekommen. Danke !! 😉
    (PS: ein „n“ zuviel ganz oben bei gigantische Gletscherfeld ?)
    Viele Grüße

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke, das freut mich!! Das „n“ wird umgehend entfernt. 🙂

      lg

  8. Das ist auch so ein absoluter Traum von mir: Alaska. Schön, dass darüber auch mal jemand schreibt. Danke für den schönen Bericht! Beste Grüße von Frau Katja

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke, Katja! Alaska ist wahrlich einen Traum wert. Hoffentlich wird er auch für dich irgendwann wahr. 🙂

      Viele Grüße
      Kathrin

  9. Hallo, Fräulein da draussen,
    toller Bericht (die anderen über Alaska auch) und coole Fotos 🙂
    Bei mir geht’s in 2 Wochen los und eines überrascht mich: überall wird „nur“ von Sonnenbrillen gesprochen (auch beim Matanuska Gletscher). Weißt du, warum hier keine Gletscherbrille nötig sein soll?
    Danke & Gruß
    Claas

    • Fräulein Draußen Reply

      Hi Claas,

      danke Dir! Nuja, eine Gletscherbrille ist ja auch nichts anderes als eine Sonnenbrille, nur halt mit stärkerem Schutz. Ansonsten kommt es natürlich ganz drauf an, was man vorhat. So wie ich mal kurz hoch zum Icefield, bisschen gucken und dann wieder runter, da muss man nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Wenn Du aber größere Touren über Schnee und Eis planst, muss natürlich auch eine Sonnebrille 😉 mit entsprechendem Schutz für die Augen mit.

      Viel Spaß in Alaska!

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